Kommen wir zu etwas schönem, kommen wir zu Musik.
Ryley Walker, 1989 geboren, singt und spielt Gitarre auf Aufnahmen, die eigentlich gar nicht nach Herren seines Alters klingen. Nach einem sozusagen rasanten Aufstieg in der prinzipiell viel zu großen Musikszene Chicagos veröffentlichte er seit 2014 bis heute bereits vier Alben und mindestens drei EPs, Ideen scheint er also zu haben. “Primrose Green”, 2015 erschienen, ist das zweite dieser Alben.
Was ist davon zu halten? Nun: Eine Menge. Ryley Walker steckt musikalisch tief in den 1960ern und, hilfsweise Mitmusiker auf den Studioaufnahmen (hier: sechs) hin oder her, erweckt keinesfalls den Eindruck, er habe nicht viel mitzuteilen. Verdammte Hippiemusik oder eben: Folkjazz mit Gefühl bis hin zum gelegentlichen, unerwarteten Ausbruch, ohne gewollt zu klingen, mitunter auch mal am Etikett des RIO entlangstreifend, ohne es aufgeklebt zu bekommen. Singer/songwriter nennen das jene, die Musik nur hören, aber nicht fühlen wollen, weil er hier, man höre und staune, singt und schreibt.
Ausbruch? Aber natürlich. Ryley Walker reißt mit, notfalls mit Nachdruck.
Natürlich ist “Primrose Green” auch der Schwermut, der elenden, ein Motor, was unvermeidlich ist, wenn stiller Folk den psychedelischen Pop als Teil seiner selbst begreift, denn dicht ist sie, die Woge, die den Hörer auf die Reise schickt; zuvörderst aber bleibt ein sanftes Gefühl der Befreiung mit Rückständen von Fernweh zurück.
Ich bin angetan und empfehle wärmstens Imitation.


Habe den Mann kürzlich entdeckt und bin ebenfalls sehr angetan von seinem Schaffen. “Funny Thing she said” (auf der aktuellen Platte), zauberhaft.
Die aktuelle Platte hab ich mir besorgt, aber noch nicht gehört. Erwäge das nachzuholen.