NetzfundstückeIn den NachrichtenFotografie
Hei­ter bis wol­kig.

Das Herz schlug schon im Herb­st­rhyth­mus.

Man hat­te sich schon an den Gedan­ken gewöhnt, nun vor­erst wie­der ein­ge­packt wie das Miche­lin-Männ­chen durch die Herbst­land­schaft spa­zie­ren und düste­re Musik hören zu müs­sen, um der merk­wür­di­gen Melan­cho­lie, die der Anblick fal­len­der Blät­ter in der See­le des Beob­ach­ters zwei­fels­oh­ne her­vor­zu­ru­fen in der Lage ist, ange­mes­sen Tri­but zu zol­len, und dann so was:

Heiter bis wolkig

Frech­heit eigent­lich.

‘Hei­ter bis wol­kig.’ wei­ter­le­sen »

MusikIn den Nachrichten
Nach­rich­ten aus aller Welt: Die­ter Boh­len ist ein Künst­ler.

Albern­heit des Tages, frisch aus dem ARD-Text kopiert:

Die­ter Boh­len ist nach einem höchst­rich­ter­li­chen Urteil ein Künst­ler.

WDR.de hat hier­zu eine pas­sen­de Zwi­schen­über­schrift gefun­den:

Auch auf nied­ri­gem Niveau künst­le­risch

So ist das mit der Kunst. Oof!


(Auch recht künst­le­risch, aber zwei­fels­oh­ne bes­ser als Die­ter Boh­len: The Hid­den Came­ras – In The Na.
Ist das Pop? Falls ja: Scha­de drum. Falls nicht: Juhu!
Anhö­ren und inklu­si­ve des amü­san­ten Vide­os gut fin­den wird wärm­stens emp­foh­len.)


Neben­bei auch nach­träg­lich mei­nen Glück­wunsch an die Beat­les:

Beatles sell 2.25 million albums

Und sie sind kei­nen Tag geal­tert! :)

(Den­noch möch­te ich allen Lesern davon abra­ten, ein Album aus dem aktu­el­len Stereo-„Remaster“-Katalog der Beat­les zu erwer­ben. Hier wur­de, wie heu­te lei­der üblich, aber­mals zwar dezent, aber durch­aus fest­stell­bar der Loud­ness War bedient, also die Laut­stär­ke wur­de auf Kosten eini­ger kaum wahr­nehm­ba­rer Har­mo­nien künst­lich erhöht, so dass die Musik zwar vol­ler klingt, aber es an Dyna­mik feh­len lässt. Für den Kon­sum mit­tels übli­cher Klein­an­la­gen ist dies sicher­lich nicht all­zu rele­vant, aber mit stei­gen­der Aus­ga­be­qua­li­tät von Musik­an­la­gen steigt natür­lich auch die Wahr­neh­mung die­ser Dis­kre­panz. Wenn euch ein sau­be­res Klang­bild wich­tig ist: Fin­ger weg!
Das muss­te mal gesagt wer­den.)

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenFotografie
„Wir kön­nen ja mal zusam­men Tee trin­ken.“

Ich könn­te mich jetzt an die­ser Stel­le natür­lich schon wie­der über den Auf­re­ger des vori­gen Polit­ta­ges echauf­fie­ren:

Gui­do Wester­wel­le setzt vor­aus, dass Repor­ter ihn auf einer deutsch­spra­chi­gen Pres­se­kon­fe­renz auf Deutsch befra­gen, und die Skand­allüster­nen jubeln, grö­len als Kom­men­tar zum Video gar – vor­her­seh­bar – „Nazi!“.

Dar­un­ter könn­te ich sei­ten­lan­ge Argu­men­ta­ti­ons­ket­ten füh­ren, war­um ich es für eine Frech­heit hal­te, dass deut­sche Poli­ti­ker sich auf Eng­lisch befra­gen las­sen sol­len, aber kei­ner wüste Beschimp­fun­gen pfleg­te, wür­de sich zum Bei­spiel ein eng­li­scher Mini­ster ver­bit­ten, auf Deutsch befragt zu wer­den. Aber dann wür­de ich mich wie­der nur auf­re­gen und mei­ne Leser lang­wei­len, und davon bekommt man graue Haa­re.

Statt­des­sen ver­las­se ich das in letz­ter Zeit hier über­hand neh­men­de Feld der Poli­tik, auch wenn sie die ver­locken­de Mög­lich­keit zur Ver­tei­di­gung des Deut­schen bie­tet, und schrei­be statt­des­sen über dies hier:

Die aktu­el­le Bahn­card-Wer­bung ist mal wie­der herr­lich. Drei Frau­en wer­den von ihren Män­nern mit einer Bahn­card beschenkt, „um mal wie­der was mit­ein­an­der unter­neh­men zu kön­nen“, und fal­len auch noch auf die­se Fin­te her­ein. Hihi!

Und oben­drein noch ein amü­san­ter Schnapp­schuss aus Braun­schweig, dies­mal aus einem Park­haus, zur Ver­deut­li­chung bemalt von mir:

Rauchverbot im gesamten Gebäude - auch hier!

Na bit­te, es geht doch. Kein Stress, alles ganz lustig und ent­span­nend.
Das war mal wie­der nötig. Reicht aber auch wie­der für heu­te.

:)

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Und die­se Bie­ne, die ich mei­ne …

... nennt sich Maja!Schön, dass alles beim Alten bleibt: Die Delin­quen­ten reden immer noch kon­se­quent den glei­chen Käse, nie­mand hat so recht ver­lo­ren, man ver­gleicht sich bezüg­lich der neben­bei auch noch statt­ge­fun­de­nen Land­tags­wah­len gar mit der DVU, die „nur noch“ ein Pro­zent erreicht, was, wie auch alles ande­re, ein „gro­ßer Sieg“ ist, für wen auch immer.

Clau­dia Roth, deren Par­tei nun nicht gera­de erfolg­reich war, freu­te sich mit ihrem schril­len Tim­bre dar­über, dass sie „deut­lich zuge­legt“ hat; ande­re fan­gen an zu rau­chen, um genau das zu ver­hin­dern. Die SPD hat der­weil her­aus­ge­fun­den, dass sie die „Kri­se“ unbe­dingt abwen­den muss und „auch wei­ter­hin“ hart dafür arbei­ten wird. Nach einem Jahr hat sie immer­hin bemerkt, dass die­se „Kri­se“ ent­ge­gen eige­ner Pro­gno­sen doch exi­stiert. Gra­tu­lie­re!

Das bis­her schön­ste Wort des Tages ist, nach all dem Jamaika‑, Ampel- und son­sti­gem Koali­ti­ons­quatsch, übri­gens Bie­ne-Maja-Koali­ti­on. Schwarz-Gelb und das alles, mit den lusti­gen grü­nen Gras­hüp­fern in der Oppo­si­ti­on. Es ist ein Spaß.

(Und was die viel geschol­te­ne Pira­ten­par­tei angeht: „Zwei bis drei“ Pro­zent, die den Fal­schen ande­ren Par­tei­en jetzt jeden­falls feh­len. Ich bin gespannt, wie vie­le im letz­ten Moment noch schnell „beken­nen­de Pira­ten“ jetzt noch hin­ter den Zie­len der Par­tei ste­hen und wie vie­le sich als blo­ße Agi­ta­to­ren her­aus­stel­len. Soll­ten letz­te­re nun die Lust ver­lie­ren, kann es der Pira­ten­par­tei nur zugu­te­kom­men.)

Still­stand ist der Tod, geh‘ vor­an, bleibt alles anders.

(Her­bert Grö­ne­mey­er)

Und jetzt, bit­te, wie­der zur Tages­ord­nung über­ge­hen. Dan­ke viel­mals.


Nach­trag von einem Tag spä­ter:
Gut gemacht, die Tages­ord­nung ist wie­der­her­ge­stellt. Die Musik­in­du­strie schickt ihre Ver­tre­ter wie­der das Inter­net durch­for­sten, um das Geld wie­der rein­zu­ho­len, das sie durch die Unfä­hig­keit, Trends zu erken­nen, ver­lo­ren hat. Ich krie­ge das kal­te Grau­sen von dem Ver­ein.

KaufbefehleMusikkritik
Kauf­be­fehl zur Wahl: Gos­sip – Hea­vy Cross

Im Radio, so wur­de mir heu­te zuge­tra­gen, läuft die erste Sin­gle „Hea­vy Cross“ der Post­punk­band Gos­sip der­zeit unge­fähr täg­lich. Weni­ger auf­dring­lich als Stan­ding in the way of con­trol, durch das ich im Jahr 2006 erst­mals auf das Trio auf­merk­sam wur­de, dafür mit einer Por­ti­on Tanz­rhyth­mus ver­se­hen treibt das Stück kraft­voll vor­an, gekrönt mit der ener­gie­ge­la­de­nen Stim­me von Front­frau Beth Dit­to.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

Wha­te­ver you want, the choice is yours,
So choo­se.

I checked you, if it’s alre­a­dy been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to pro­ve it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Sin­gle, sie ist es wert!

SonstigesKaufbefehle
Frisch­luft tan­ken

Wie­der mal ein unpo­li­ti­scher Kur­zer für zwi­schen­drin:
Es gibt kei­ne Form des Unwohl­seins, die ein paar Minu­ten an der fri­schen Luft und ein zeit­glei­cher Blick in einen gemäch­lich vor sich hin­flie­ßen­den Bach nicht kurie­ren könn­ten.

Unbe­dingt emp­feh­lens­wert.

(Auch emp­feh­lens­wert: Ein neu­es Buch von Max Goldt. Unter ande­rem mit Geschich­ten über schril­le Fried­hö­fe. Genau rich­tig für das stil­le Sit­zen an der fri­schen Luft.)

Tief durch­at­men, bis spä­ter.

PolitikNetzfundstücke
Steu­ern für alle!

Doch noch mal apro­pos Wah­len:
Die gan­ze Absur­di­tät der ver­brei­te­ten Mode, mög­lichst schwam­mi­ge Ver­spre­chen mög­lichst grif­fig zu for­mu­lie­ren, zeigt Die Lin­ke ein­drucks­voll auf. Damit dürf­te klar sein, was von ihr zu hal­ten ist, wenn sie schon vor der Wahl nicht so recht weiß, was sie eigent­lich ver­spre­chen soll.

Steuern für alle!

Scha­de eigent­lich.


(Apro­pos „dum­me Pla­katideen“: Wie lam­mert man eigent­lich? Und ist das gut oder schlecht? Und war­um? Und über­haupt.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Pira­ten­schiff im Kreuz­feu­er

Ich sehe mich bei all dem dum­men Zeug, das man in den Medi­en der­zeit schon wie­der über die Pira­ten lesen muss, außer Stan­de, von einem wei­te­ren Ein­trag der Kate­go­rie „Poli­tik“ hier abzu­se­hen, und ich möch­te ihn nut­zen, um zwei aktu­ell dis­ku­tier­ten Bestand­tei­len die­ses dum­men Zeugs ener­gisch zu wider­spre­chen, weil’s ja sonst mal wie­der kei­ner macht:

1. Die Pira­ten sind kei­ne „Män­ner­par­tei“!

Blog­ge­rin dani­lo­la, „im Her­zen Pira­tin“, ver­wei­gert der Pira­ten­par­tei der­zeit unter ande­rem ihre Stim­me, weil es sich um eine „Män­ner­par­tei“ hand­le, die sich pri­mär mit Män­ner­the­men beschäf­ti­ge und „nur“ männ­li­che Kan­di­da­ten auf­stel­le.

Zunächst zu zwei­te­rem Punkt: Hier irrt dani­lo­la, in eini­gen Wahl­krei­sen ste­hen die weib­li­chen Pira­ten sogar auf Platz 1. Dass nur weni­ge Frau­en über­haupt Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei sind und also über­haupt für Listen­plät­ze in Fra­ge kom­men, hat, so ist zu ver­mu­ten, weni­ger damit zu tun, dass die Pira­ten­par­tei eine „Män­ner­par­tei“ wäre, als damit, dass den zen­tra­len The­men Inter­net und Daten­schutz gemein­hin das Eti­kett des „eli­tä­ren Nerd­wis­sens“ anhaf­tet, womit sich, sta­ti­stisch gese­hen, eher Män­ner als Frau­en iden­ti­fi­zie­ren.

Hat sich bis­lang eigent­lich schon jemand dar­über beschwert, dass das Amt des Bun­des­fa­mi­li­en­mi­ni­sters seit 24 Jah­ren nur mit Frau­en besetzt wird? Mir wäre dies nicht bekannt. Fami­li­en­po­li­tik ist Frau­en­sa­che, und das ist voll­kom­men in Ord­nung.

Ich füh­le mich dadurch übri­gens nicht im Gering­sten dis­kri­mi­niert und käme auch nie auf die Idee, die Regie­rung des­halb des Sexis­mus‘ zu bezich­ti­gen. Von dem Pro­zent­satz der männ­li­chen Kin­der­gärt­ner (unge­fähr drei Pro­zent, las ich kürz­lich irgend­wo) mal ganz zu schwei­gen.

2. Die Pira­ten sind kei­ne Sym­pa­thi­san­ten irgend­wel­cher radi­ka­len Strö­mun­gen!

Der stell­ver­tre­ten­de Bun­des­vor­sit­zen­de der Pira­ten­par­tei, Andre­as Popp, hat der rechts­kon­ser­va­ti­ven Zeit­schrift „Jun­ge Frei­heit“ einen Arti­kel beschert, wie vor ihm unter ande­rem übri­gens auch Ephra­im Kishon, dem ja nun wahr­lich wohl kaum jemand anti­se­mi­ti­sche Ten­den­zen vor­wer­fen wür­de. Dass er sich und sei­ner Par­tei mit die­sem Inter­view auch kosten­lo­se Wer­bung in aus­ge­rech­net und iro­ni­scher­wei­se einem „feind­li­chen“ Blatt ver­schafft hat, wird kon­se­quent nicht beach­tet, und was er in die­sem Inter­view sag­te, ist auch nicht von Inter­es­se; nein, die Vor­ei­li­gen und die Schrei­häl­se, die es ver­mut­lich noch nicht ein­mal gele­sen haben, dre­hen sich ihre eige­ne Wirk­lich­keit zurecht, radi­ka­li­sie­ren das Mas­sen­den­ken mit „unwähl­bar“-Gekreisch und hal­ten auch sonst nicht viel davon, sich erst mal ein Bild von der Situa­ti­on zu machen. Cui bono?

Eine Wei­le zuvor hat­te ein deut­scher Poli­ti­ker sei­nen Rück­zug von der Platt­form abge­ord­ne­ten­watch ange­kün­digt, weil dort auch Ver­tre­ter der NPD zur Spra­che kom­men. Dass so ein Ver­hal­ten gera­de für einen Bun­des­tags­kan­di­da­ten höchst unde­mo­kra­tisch ist, hat unter ande­rem die Pira­ten­par­tei bemän­gelt; ein „undenk­ba­rer“ Vor­gang, in den prompt NPD-Nähe hin­ein­in­ter­pre­tiert wur­de.

Wäre die Kri­tik von ande­ren Par­tei­en gekom­men, hät­te man ver­mut­lich statt­des­sen applau­diert.

Die Pira­ten­par­tei ist eine Par­tei, die sich nicht auf die Fah­ne geschrie­ben hat, sich von irgend­ei­ner poli­ti­schen „Sei­te“ ein­span­nen zu las­sen. Sie ist weder links noch rechts, sie macht Poli­tik für die Gesell­schaft und nicht für irgend­wel­che radi­ka­len Kräf­te. Natür­lich hat jede Par­tei Mit­glie­der, deren Welt­an­schau­ung bis­wei­len kru­de erscheint. Die F.D.P. hat­te unter ande­rem Jür­gen W. Möl­le­mann, den­noch wür­de sie nie­mand mehr in rechts­extre­me Ecken stel­len wol­len. Die Pira­ten­par­tei hat­te Bodo Thie­sen und zehrt noch heu­te von des­sen For­mu­lie­run­gen, obwohl ihre übri­gen Mit­glie­der sich aus­drück­lich von Thie­sens Aus­sa­gen distan­ziert und ihm den Aus­tritt nahe gelegt haben. Das ver­ste­he, wer will.

Radi­ka­les Den­ken gibt es in jeder Par­tei. Inter­es­sant ist offen­bar nicht die­ses radi­ka­le Den­ken an sich, son­dern in wel­cher Par­tei der­je­ni­ge ist, der es äußert. Natür­lich ist es kurz vor der näch­sten Wahl attrak­tiv für die Anhän­ger der eta­blier­ten Par­tei­en, den Split­ter im Auge der unlieb­sa­men Kon­kur­renz zu ent­decken. Nur das mit dem Bal­ken im eige­nen Auge hat sich noch nicht über­all her­um­ge­spro­chen.

Nein, die Pira­ten­par­tei ist sicher nicht „unwähl­bar“. Sie stellt immens wich­ti­ge For­de­run­gen und steht für eine Poli­tik, die näher an der gesell­schaft­li­chen Rea­li­tät ist als alle miss­lun­ge­nen „Refor­men“ der letz­ten zwei Legis­la­tur­pe­ri­oden. Nie­mand erwar­tet, dass sie ihre Zie­le qua­si über Nacht durch­setzt oder gar in abseh­ba­rer Zeit einen Teil der Regie­rung stellt. Aber sie hat es ver­dient, die not­wen­di­gen 5 Pro­zent der Stim­men zu bekom­men; genug, um sich in Bun­des­tags­de­bat­ten ein­zu­brin­gen, Anträ­ge zu stel­len und sich somit an der poli­ti­schen Bil­dung in die­sem Land aktiv zu betei­li­gen.

Ich schlie­ße mich dem Kom­men­tar von „tani­ne“ in Andre­as Popps Web­log an:

Ich wäh­le eine Par­tei auf­grund ihres Inhalts, nicht auf­grund medi­en­po­pu­li­sti­scher Vor­wür­fe.

Geht wäh­len!
Es lohnt sich.


(Das war jetzt eigent­lich schon wie­der viel zu viel Text. Ent­schul­digt bit­te.)

MusikkritikIn den NachrichtenKaufbefehle
Drei Bands, drei Gefüh­le

Nanu: Heu­te, so schreibt SPIEGEL ONLINE, fand wie­der ein­mal ein ver­such­ter Amok­lauf an einem Gym­na­si­um statt. Der Täter hat über­lebt, es wird also dies­mal wohl etwas aus­führ­li­cher nach den Ursa­chen geforscht; es sei denn, auf sei­nen bei­den sicher­ge­stell­ten Com­pu­tern fin­den sich Com­pu­ter­spie­le, dann hat sich das wohl wie­der ein­mal erle­digt. Sät­ze wie Der Abitu­ri­ent gilt als Außen­sei­ter bie­ten dann kei­nen wei­te­ren Anlass zur wei­te­ren Nach­for­schung. Wet­ten?

Aber las­sen wir das. Wäh­rend indes­sen ande­re Ins-Inter­net-Schrei­ber wie­der ein­mal ihre Ener­gie dar­auf ver­schwen­den, zu ver­su­chen, die Pira­ten­par­tei in radi­ka­le Ecken zu stel­len, habe ich lie­ber ein wenig Musik gehört:

Auf Schallgrenzen.de gibt es von unter ande­rem mir einen (lei­der gekürz­ten) Ver­riss des aktu­el­len Albums The Resi­stance von Muse sowie, qua­si zum Aus­gleich, eine loben­de Kri­tik des neue­sten Por­cupi­ne-Tree-Wer­kes, des­sen Kauf ich jedem Musik mögen­den Men­schen hier­mit aus­drück­lich ans Herz legen möch­te.

Übri­gens und apro­pos Schall­gren­zen:
Her Name is Cal­la ist eine bri­ti­sche Band, die melan­cho­lisch musi­ziert. Peter führt es etwas wei­ter aus:

Vom sich Ver­lie­ren und Ver­lie­ren. Kein Rausch von Far­ben, schwar­ze Tusche, viel­leicht ein paar pastell­zar­te Pin­sel­stri­che. Und trotz alle­dem zie­he ich Kraft aus jedem Ton, jedem Song. Ent­schleu­ni­gung. Musik wie nicht von die­ser Welt. Zwi­schen der selbst­mör­de­ri­schen Trau­rig­keit eines Chris Hoo­son (Dako­ta Suite) und der jen­sei­ti­gen Melan­cho­lie eines Mark Hol­lis ver­sucht Her Name Is Cal­la mit gro­ßem Orche­ster ihr (Un)glück.

Schö­ne Musik, auf der Web­sei­te kom­plett zum Anhö­ren und somit auch her­un­ter­lad­bar.

Netzfundstücke
Pier­cings als Aus­druck der Zufrie­den­heit mit dem eige­nen Kör­per

Ach, du mei­ne Güte,
SPIEGEL ONLINE lässt eine Frau („Frau­en- und Geschlech­ter­for­sche­rin“, also eine Frau, die sich vor­wie­gend mit Frau­en, dem weib­li­chen Geschlecht sowie den Grün­den für sei­ne Unter­drückung beschäf­tigt; das reicht eigent­lich schon) unre­flek­tiert dar­über schwa­dro­nie­ren, dass vie­le Frau­en, die sich kilo- und hun­dert­eu­ro­wei­se Metall in die Visa­ge zim­mern las­sen, dies nicht etwa aus Pro­test oder aus Unsi­cher­heit bezüg­lich ihres äuße­ren Erschei­nungs­bil­des tun, das sie damit ja nun wirk­lich nicht immer ver­bes­sern, son­dern, natür­lich, wegen des Drucks, den die Gesell­schaft auf sie aus­übt:

Pier­cing ist heu­te ein Mas­sen­phä­no­men und es ist eine Mög­lich­keit, sich als Jugend­li­che dar­zu­stel­len.

Fast alle Mäd­chen lei­den unter dem gesell­schaft­li­chen Druck, Schön­heits­idea­len zu ent­spre­chen. […] Inter­es­san­ter­wei­se lei­den die gepierc­ten Mäd­chen, die ich befragt habe, kaum unter die­sen Ansprü­chen. Sie haben mehr­heit­lich ein ein­deu­tig posi­ti­ves Kör­per­er­le­ben.

(Alle Her­vor­he­bun­gen von mir.)

„Fühl dich schön / nach der zehn­ten Lipo­s­uk­ti­on.“
Die Ärz­te: Gei­ster­haus

PolitikNetzfundstücke
…und alle so „Yeaahh!“

Und weil es gera­de durch die Blogs gei­stert und weil über das drö­ge TV-DuellDuett der bei­den Langweiler-„Spitzen“-Kandidaten ver­mut­lich alles gesagt wur­de und apro­pos Ham­burg und weil ich schon län­ger kei­ne hand­schrift­li­chen Pla­kat­er­gän­zun­gen mehr die­ser Inter­net­sei­te für wür­dig erach­te­te, hole ich das jetzt nach, weil lustig:

Und alle so: "Yeeaahh!"

Und jetzt alle sin­gen und tan­zen!

PersönlichesPolitikNetzfundstückeFotografie
Ham­bur­ger Näch­te

Frech­heit, eigent­lich:
Da hal­te ich mich am Wochen­en­de zu Unter­hal­tungs­zwecken in Ham­burg auf und ver­pas­se aus­ge­rech­net ein in einem ande­ren Stadt­teil statt­fin­den­des Stra­ßen­fest mit zahl­rei­chen „Demon­stran­ten“:

> … die Poli­zei hät­te sich nicht zwi­schen die 600 Nazi-Geg­ner und die
> 90 NPD-Demon­stran­ten stel­len sol­len. Der NPD-Spuk wäre schnell vor­bei
> gewe­sen.

600 gewalt­be­rei­te Lin­ke vs. 90 gewalt­be­rei­te Nazis – das zeigt ganz
klar: Wir haben ein Nazi-Pro­blem. *kopf­schüt­tel*

(heise.de-Forum)

Immer­hin konn­te ich am Bahn­hof eini­ge Ver­tre­ter des Kar­ne­vals der Kul­tu­ren bewun­dern und, damit ein­her gehend, wie­der ein­mal fest­stel­len, dass man in den inter­es­san­ten Momen­ten des Lebens sei­ne Kame­ra nicht griff­be­reit hat.

Manch­mal aller­dings schon:

Kakteen

(Tro­pen­haus im Natur­park Plan­ten un Blo­men, Ein­tritt frei, wor­auf war­tet ihr noch?)


Amü­sant übri­gens ist auch das Ham­bur­ger Abend­blatt. Die Titel­sei­te der Aus­ga­be vom 6.9. zier­te die Über­schrift:

Ham­bur­ger Schü­ler inter­view­en Stein­mei­er: „Was fin­den Sie selbst an sich inter­es­sant?“

Schön, wenn eine Tages­zei­tung zur poli­ti­schen Bil­dung ihrer Leser bei­trägt.


Schön ist, wie ich mei­ne, auch das Fund­stück der Woche, von zahl­rei­chen Web­logs und Twit­ter-Nut­zern ver­brei­tet und nun aus Grün­den der Albern­heit auch hier zu fin­den:
Kin­der­kreis TV, in den 80-ern pro­du­zier­te Wer­be­sen­dung, die, so weit mir bekannt ist, dum­mer­wei­se auch noch völ­lig ernst gemeint ist. „Spit­ze!“

Netzfundstücke
Han­no­ve­ra­ner auf­ge­passt: Leicht ver­dien­tes Geld.

Eine inter­es­san­te Geschäfts­idee hat die Han­no­ve­ra­ner Luther­kir­che da ent­wickelt:

Wer am Sonn­tag (13.9.) den Got­tes­dienst (war­um man sich selbst unent­gelt­lich zum Die­ner erklä­ren soll­te, ist auch noch so eine Sache, die ich bei die­sem gan­zen Kir­chen­kram nicht so recht ver­ste­he) besucht, wird mit fünf Euro belohnt, die er dann bit­te sinn­voll anle­gen soll – ver­mut­lich, um das Wer­te­ver­ständ­nis der inter­es­sier­ten Chri­sten zu för­dern, die zu einem Groß­teil dann ver­mut­lich doch eher an ande­ren Inhal­ten inter­es­siert sein dürf­ten.

Ich neh­me an, ich selbst bin am Sonn­tag lei­der abkömm­lich, aber über Bericht­erstat­tung und ggf. Bild­auf­nah­men des Got­tes­dien­stes wäre ich durch­aus dank­bar. Es soll­te mich nicht erstau­nen, wenn es recht voll wird. Womög­lich wird das bei aus­rei­chend Erfolg ja auch Mode?

„Sie wer­den trun­ken von den rei­chen Gütern dei­nes Hau­ses, und du trän­kest sie mit Won­ne als mit einem Strom.“ (Psalm 36, 9)

PolitikNetzfundstücke
Oh, ein Inter­net-Mani­fest (recht zyni­scher Text, wenig bis gar nicht kon­struk­tiv, bit­te daher um freund­li­che Beach­tung)!

Fast völ­lig unbe­merkt von der Öffent­lich­keit Vor Auf­dring­lich­keit kaum zu ertra­gen ist das vor­ge­stern eilig hin­ge­rotzt wir­ken­de „Inter­net-Mani­fest“, in dem 15 deut­sche Ins-Inter­net-Schrei­ber ver­su­chen, die Grund­la­gen des moder­nen Inter­net­jour­na­lis­mus‘ dar­zu­le­gen, ohne zuvor die Mei­nung derer ein­zu­ho­len, in deren Namen sie zu spre­chen resp. zu schrei­ben mei­nen, und damit natür­lich auf die Nase fal­len.

Wer – wie ich – zuerst schaut, wer einem da eigent­lich was ver­kau­fen will, spart sich die Lek­tü­re direkt, alle ande­ren wer­den hin­ter­her ver­ste­hen, wie­so so ein unfun­dier­tes Geschwa­fel es über­haupt ins Netz geschafft hat; immer­hin zählt mit Sascha Lobo auch ein Ver­tre­ter der unsäg­li­chen und immer­hin zu Recht erfolg­lo­sen Voda­fone-Anbie­de­rungs­kam­pa­gne zu denen, die ihren ohne­hin nicht mehr für Qua­li­tät oder „was zu sagen haben“ ste­hen­den Namen für die­ses lächer­li­che Pam­phlet her­ge­ben.

Am bis­lang tref­fend­sten hat es wohl – wie­der ein­mal – ix for­mu­liert:

ein paar jour­na­li­sten und blog­ger haben haben über das was sie tun nach­ge­dacht und den klein­sten gemein­sa­men nener auf den sie sich eini­gen konn­ten auf­ge­schrie­ben und es „inter­net-mani­fest“ genannt.

Da sit­zen also fünf­zehn Leu­te, die sich um die Bezah­lung für das, was sie der Welt unbe­dingt mit­tei­len wol­len, schon längst kei­ne Gedan­ken mehr machen müs­sen, und begrün­den ihr unüber­leg­tes Geschmier dann mit fol­gen­den rhe­to­ri­schen Groß­ta­ten:

jetzt kann jeder plötz­lich sei­nen per­sön­li­chen quatsch oder nicht-quatsch ver­öf­fent­li­chen und er steht dann qua­si gleich­be­rech­tigt neben den tol­len ver­lags­pro­duk­ten.

(Ste­fan Nig­ge­mei­er in den Kom­men­ta­ren zu ix‘ Arti­kel, kon­kret The­se Nr. 2)

Ich ste­he also mit die­ser knuf­fi­gen, pri­va­ten Web­prä­senz, deren Kosten zwar gering, aber doch vor­han­den sind, gleich­be­rech­tigt neben per­so­nal­star­ken, von mil­lio­nen- bis mil­li­ar­den­schwe­ren Wer­be­part­nern und einem eige­nen Ver­lag finan­zi­ell unter­stütz­ten Online­por­ta­len? Oha – viel­leicht soll­te ich hier Wer­bung schal­ten las­sen, mein Ein­fluss auf den Jour­na­lis­mus im deutsch­spra­chi­gen Raum ist dem­zu­fol­ge ja über­wäl­ti­gend! War­um sagt mir das nie­mand? – Laut Zugriffs­sta­ti­stik ist mei­ne bis­lang ein­zi­ge nen­nens­wer­te Erwäh­nung durch Drit­te übri­gens die­ser Kom­men­tar in einem der zahl­rei­chen Blogs der taz. Das nen­ne ich Gleich­be­rech­ti­gung. Oder schlicht gro­ben Unfug.

Auch sehr schön fand ich übri­gens die fol­gen­den The­sen:

3. Das Inter­net ist die Gesell­schaft ist das Inter­net.

Das Inter­net spie­gelt die Gesell­schaft wider, aber es bie­tet durch sei­ne Glo­ba­li­tät kei­nes­falls die Mög­lich­keit, sei­nen Umgang sorg­sam aus­zu­wäh­len. Wer im Inter­net am lau­te­sten schreit, wird am mei­sten beach­tet. Im Inter­net kann man nicht ein­fach den Raum ver­las­sen. Gut für die Ver­fas­ser des Mani­fests, schlecht für die, die es für grau­si­ge Selbst­be­weih­räu­che­rung hal­ten und denen es trotz­dem aus­zugs­wei­se von – gefühlt – jeder zwei­ten Inter­net­sei­te ent­ge­gen­grinst. Unter ande­rem also auch von die­ser hier.

Inter­net-Zugangs­sper­ren … beschä­di­gen das grund­le­gen­de Recht auf selbst­be­stimm­te Infor­miert­heit.

Der Ver­such von fünf­zehn Indi­vi­du­en, die die For­mu­lie­rung eines sol­chen „Mani­fests“ ein­fach mal zur Chef­sa­che erklä­ren, irgend­wel­che Grund­sät­ze zu for­mu­lie­ren, die dann auch bit­te alle guten Men­schen gut­zu­fin­den haben, ist hin­ge­gen ein Zeug­nis der selbst­be­stimm­ten Bor­niert­heit.

6. Das Inter­net ver­bes­sert den Jour­na­lis­mus.

Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha!

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Infor­ma­ti­on.

Reden wir noch mal drü­ber, wenn Goog­le Earth und/oder Goog­le Street View jeden von Ihnen am FKK-Strand oder vor/nach/beim Duschen/Baden/Koitus auf­ge­nom­men hat und/oder haben? Ja? Bes­ser nicht.

16. Qua­li­tät bleibt die wich­tig­ste Qua­li­tät. (…) Ein Publi­kum gewinnt auf Dau­er nur, wer her­aus­ra­gend, glaub­wür­dig und beson­ders ist.

Hof­fen wir also, dass die­ses Pam­phlet auf Dau­er kein Publi­kum fin­det. Bis dahin sie­he bit­te zwei The­sen wei­ter oben, oder ein­fach noch mal die eige­ne Abschluss­the­se kon­su­mie­ren:

Die “Gene­ra­ti­on Wiki­pe­dia” weiß im Zwei­fel die Glaub­wür­dig­keit einer Quel­le abzu­schät­zen, Nach­rich­ten bis zu ihrem Ursprung zu ver­fol­gen und zu recher­chie­ren, zu über­prü­fen und zu gewich­ten (…). Jour­na­li­sten mit Stan­des­dün­kel und ohne den Wil­len, die­se Fähig­kei­ten zu respek­tie­ren, wer­den von die­sen Nut­zern nicht ernst genom­men. Zu Recht.

Eben: Zu Recht!

Allein: Man kann das „Mani­fest“ via netzpolitik.org-Wiki wei­ter­spin­nen. Nur scha­de, dass man mit der Ver­öf­fent­li­chung nicht war­ten konn­te, bis sich hier eine brauch­ba­re Fas­sung ent­wickelt hat.

Nach­trag vom 12.9.:
Ein sati­ri­sches, aber kei­nes­falls alber­nes „Inter­net-Mani­fest“, das eigent­lich alles rich­tig macht, was die Her­ren Jour­na­li­sten nicht rich­tig gemacht haben, gibt es hier zu lesen.


Apro­pos „Unter­zeich­ner des Mani­fests“:
John­ny Haeus­ler hat neben­bei erfreu­li­cher­wei­se noch ein wenig Sati­re zum The­ma „Was wäh­le ich denn dies­mal nicht?“ ver­fasst. Mei­ne Lieb­lings­poin­te:

Die Grü­nen wur­den zunächst als Spaß­par­tei gegrün­det, bis man/Frau fest­stell­te, dass nie­mand in der Par­tei wuss­te, wie die­ses „Spaß“ geht. Seit­dem set­zen sich Die Grü­nen in erster Linie für ein Ver­bot von Fri­su­ren ein und gehen mit gutem Bei­spiel vor­an.

Lesens­wert, wie auch der Rest des Spree­blicks!
(Jeden­falls fast.)