MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Das Wet­ter: Es könn­te zu Schnee kommen.

Und ich hat­te schon befürch­tet, die Welt sei zwi­schen­durch wie­der nor­mal geworden:

Gleich­zei­tig emp­fiehlt das BBK grund­sätz­lich, die pri­va­ten Lebens­mit­tel­vor­rä­te und not­wen­di­gen Medi­ka­men­te zu Hau­se zu über­prü­fen und ggf. so auf­zu­fül­len, dass eine aut­ar­ke Ver­sor­gung für die Fami­lie für drei bis vier Tage auch ohne grö­ße­re Ein­käu­fe und die Erwär­mung von Spei­sen, Geträn­ken und Was­ser auch durch eine stro­mun­ab­hän­gi­ge Wär­me­quel­le (z.B. Cam­ping-Gas­ko­cher) mög­lich ist. Um bei einem Strom­aus­fall auch von wich­ti­gen öffent­li­chen Infor­ma­tio­nen, wie Warn­durch­sa­gen etc. nicht ganz abge­schnit­ten zu sein, emp­fiehlt das BBK, ein bat­te­rie­be­trie­be­nes Radio in den Haus­hal­ten vor­zu­hal­ten oder in einer extre­men Situa­ti­on zumin­dest regel­mä­ßig Nach­rich­ten über das eben­falls netz­un­ab­hän­gi­ge Auto­ra­dio zu hören.

Das Bun­des­amt für Bevöl­ke­rungs­schutz und Kata­stro­phen­hil­fe emp­fiehlt mit die­sen Wor­ten, die Aus­sicht auf Schnee im Janu­ar ent­spre­chend zur Kennt­nis zu neh­men. Ver­ein­zelt könn­te es zu Käl­te und Glatt­eis kom­men, wir wün­schen Ihnen viel Glück. Es muss ernst sein, selbst auf SPIEGEL Online wird gewarnt: „Auch in der kom­men­den Woche soll es kalt bleiben.“

Die Super­märk­te, die ich außer­halb des Stu­di­en­be­trie­bes auf­zu­su­chen pfle­ge, sind ent­spre­chend leer, die Leu­te kau­fen Hams­ter hams­tern Lebens­mit­tel, als stün­de ein Krieg bevor. (Na, ja, is‘ ja auch immer irgend­wo Krieg.) Der Deut­sche Wet­ter­dienst warnt vor „Schnee­fall bis über 15 cm“ „im Mit­tel­ge­birgs­raum und in den nörd­lich angren­zen­den Gebie­ten sowie im Nord­os­ten Deutsch­lands“, will sagen: Im Harz liegt mehr Schnee als in den süd­lich von ihm gele­ge­nen Tälern. Das klingt ja gera­de­zu nach einer neu­en Eiszeit.

Ich hof­fe, ich habe mich aus­rei­chend gerüs­tet. Lied­tipp für den Ernst­fall: Brand New – Dai­sy.
Viel Glück uns allen!

PersönlichesFotografie
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung eines Nach­mit­tags zwi­schen Traum­welt und Wirk­lich­keit (Ver­such 3)

Was der Welt gefehlt hat: ein Blick in mein Entwurfsbuch.Man fährt, auf dem Weg zur nächs­ten Klau­sur, mit dem Zug durch eine ver­schnei­te Land­schaft, umge­ben von Fuß­spu­ren von Tier­ar­ten, die das geis­ti­ge Auge, durch sie for­ciert, gleich­sam erschei­nen lässt. Die Sehn­sucht erweckt Bil­der von Schnee­ha­sen, Schneer­ehen und Schnee­s­pat­zen, und obwohl man eigent­lich noch im War­men sitzt, ver­sinkt man in ihnen und lässt die Gedan­ken zurück, die das Jetzt trübten.

Wäh­rend die Augen, die auf der Sze­ne haf­ten, den Ver­stand in den Strom­spar­mo­dus ver­setzt, summt es in den Ohren. Die Melo­die kennt man, aber wür­de man sie zuord­nen wol­len, so führ­te dies zu einem unver­meid­li­chen Zurück in das Ratio­na­le, das Greif­ba­re, und des­halb lässt man es lie­ber sein.

(is' kalt.)

Sich des­sen wohl bewusst hält die Natur die Türen ver­schlos­sen, und fast, noch immer gefan­gen von der Macht der Bil­der, bemerkt man es zu spät. Beein­druckt schwebt man hin­aus in die Käl­te der Stadt und beginnt zu frie­ren. Der Ver­stand mel­det sich zu Wort, geweckt von der Dis­kre­panz der Tem­pe­ra­tu­ren, und for­ciert das Ende des Schwe­bens, nicht unbe­merkt von der Natur, die nur zöger­lich ihren Griff lockert. Die Schnee­land­schaft weicht brau­nen Pfüt­zen und ihren lieb­lo­sen Ver­wand­ten. Nächs­ter Halt: Haltestelle.

„Wasch mich“, klagt die Fens­ter­schei­be, von Witz­bol­den beschmiert, gleich­sam zum Test, ob der ver­blie­be­ne Humor genügt. Ver­ge­bens. Den Wunsch, zu träu­men, gewährt die Natur kein zwei­tes Mal. Will­kom­men in der Rea­li­tät, du altes Arschloch.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt III: Die Pop­ma­schi­ne­rie und die Mädchen

Heu­te Abend läuft eine wei­te­re Run­de die­ser unsäg­li­chen Per­so­nen­bloß­stel­lungs­sen­dung Deutsch­land sucht den Super­star, und weil wir ja noch nicht genug die­ser Sen­dun­gen haben, wird im Som­mer des gera­de begon­ne­nen Jah­res eine wei­te­re ins Ren­nen geschickt wer­den, die, nur wenig über­ra­schend, von RTL und Vox finan­ziert wird und „X Fac­tor“ hei­ßen soll (nicht zu ver­wech­seln mit der, haha, Mys­teryserie fast glei­chen Namens).

Und ich – kei­ne Ahnung, ob es an mei­nem Geschlecht, mei­nem Alter oder mei­nem kul­tu­rel­len Sozia­li­sa­ti­on liegt – befürch­te, dass sich wie­der aus­rei­chend vie­le jun­ge Men­schen von der Aus­sicht auf Ruhm und Erfolg blen­den las­sen, ohne mal dar­über nach­zu­den­ken, ob nicht die Pro­du­zen­ten viel eher davon pro­fi­tie­ren und wor­an es lie­gen mag, dass man von all den ver­gan­ge­nen „Super­stars“ nur mehr wenig hört. Peer ana­ly­siert den zu unter­schrei­ben­den Ver­trag und kommentiert:

Zusam­men­ge­fasst gibt man für die Teil­nah­me an “X Fac­tor” also das Recht auf selbst­be­stimm­tes Han­deln, das Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung gegen­über Jour­na­lis­ten und das Recht am eige­nen Bild für alle nur erdenk­li­chen Ver­wer­tungs­we­ge (inklu­si­ver derer, die noch erfun­den wer­den) an der Gar­de­ro­be ab und erhält dafür: gar nichts.

Dann wün­sche ich allen Teil­neh­mern doch schon mal viel Erfolg im Vor­aus. Oh weia.


Für Twit­ter zu scha­de ist mein aktu­el­les Blogfundstück:
Anony­ma Silent Tiffy hat Ende August eini­ge typi­sche Mäd­chen­sät­ze zusam­men­ge­tra­gen. So wenig ich auch von Urtei­len wie „typisch männlich/weiblich“ hal­te, so bekannt kom­men mir vie­le von ihnen vor.

Drei Aus­zü­ge aus die­ser wohl nie­mals kom­plet­ten, aber schon recht anschau­li­chen Liste:

  1. „Ich will ja nix sagen, aber…“
  2. „[Vorwurf]Du tust mir ein­fach nur leid.“
  3. „Tu was du nicht las­sen kannst.……“ (und dabei Gesichts­aus­druck der Stolz auf die eige­ne Gewitzt­heit verrät)

Durch­aus nicht verkehrt.

MusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XX: Sex and vio­lence, melo­dy and silence.

Die min­des­tens scheuß­li­che Ange­wohn­heit, jeden noch so beklopp­ten Ein­spiel­film in so genann­ten „Nach­rich­ten­ma­ga­zi­nen“ mit Musik zu unter­ma­len, wer­den sich die Sen­dungs­ma­cher wohl so bald auch nicht mehr abge­wöh­nen. Manch­mal, immer­hin, ent­ste­hen so Zusam­men­stel­lun­gen, die den­je­ni­gen, der eher der Musik als der Erzäh­lung folgt, ein Lächeln abrin­gen. Als die Wahl­kampf­stra­te­gen der CDU für die Wahl­wer­bung Ange­la Mer­kels das Lied „Angie“ der Rol­ling Stones erwähl­ten, wur­de der Text von den Medi­en gern zitiert und kom­men­tiert, was sicher­lich all­ge­mein lobens­wert ist, schon wegen der kul­tu­rel­len Bil­dung der Kon­su­men­ten (und so). Und nun kam mir vor­hin doch tat­säch­lich – in der guten, alten ARD, will sagen: dem „Ers­ten“ – ein fil­mi­scher Bericht über Herrn und Frau Oba­ma unter, der, natür­lich, unbe­dingt musi­ka­li­sche Unter­ma­lung brauch­te. Zu einem sol­chen Anlass nimmt man dann auch natür­lich nicht ein­fach irgend­ein Lied, son­dern das gute alte Instru­men­tal­stück „The Last Time“ (1966) von Andrew Loog Old­ham, das eine Adap­ti­on des gleich­na­mi­gen Musik­stü­ckes der Rol­ling Stones (schon wie­der die!) von 1965 ist und das die Grund­la­ge für ein ande­res, heu­te eher mit die­ser Melo­die asso­zi­ier­tes Musik­stück bil­det, näm­lich „Bit­ters­weet Sym­pho­ny“ von The Ver­ve: I need to hear some sounds that reco­gni­ze the pain in me, yeah.

Der Bericht über die Oba­mas wur­de also von einem Lied beglei­tet, des­sen Text, wenn­gleich in der Adap­ti­on nicht vor­han­den, unter ande­rem so lautet:

You don’t try very hard to plea­se me,
with what you know it should be easy.

Wenn wir anneh­men, dass mit „You“, ähn­lich wie in „Angie“, Herr Oba­ma gemeint ist, ergibt die­se Text­stel­le Sinn (hat Herr Oba­ma in der Pha­se sei­ner Inau­gu­ra­ti­on noch gro­ße Reden geschwun­gen, wur­de bis­lang aus komi­schen Grün­den nur über­aus wenig umge­setzt), und der Rest des Tex­tes passt auch:

There’s too much pain and too much sorrow,
I guess I’ll feel the same tomorrow.

Eine bes­se­re Lied­wahl, lie­be ARD, hät­te selbst ich unter Auf­wen­dung maxi­ma­ler Bis­sig­keit und mög­lichst kei­nes Ras­sis­mus‘ nur schwer­lich tref­fen können.

Da freue ich mich doch schon auf die nächs­ten Ein­spiel­fil­me über Wolf­gang Schäub­le (Lied­vor­schlag: „Karn Evil 9″ von Emer­son, Lake & Pal­mer) und Gui­do Wes­ter­wel­le (Lied­vor­schlag: „Die Bie­ne Maja“ von Karel Gott). Hihi.


Apro­pos Medi­en: Auf WELT.de, dem digi­ta­len Arm des kon­ser­va­ti­ven Sprin­ger-Blat­tes DIE WELT (weil man in sol­cher­lei Krei­sen ja bevor­zugt in gro­ßen Let­tern kra­keelt), beschwert sich Elke Bod­de­ras der­zeit dar­über, dass die Panik von der Vogel Zie­gen Schweinegrippen-„Pandemie“ von, auf­ge­merkt!, der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) geschürt und dadurch die Bericht­erstat­tung seriö­ser Medi­en (ich neh­me an, sie meint das ihre) nach­hal­tig beein­flusst wurde.

Feynsinn.org kom­men­tiert zu Recht: „(…) der Nach­richt ihr Aus­schlach­ten durch den Bou­le­vard anzu­las­ten, ist eine Glanz­leis­tung jour­na­lis­ti­scher Heu­che­lei, für die ein neu­er Preis aus­ge­lobt wer­den soll­te“; zumal sich doch wochen­lang gera­de die geis­ti­gen Ergüs­se der Sprin­ger­jour­na­lis­ten gegen­sei­tig noch in Panik­schü­ren zu über­tref­fen wuss­ten: „Jeder drit­te Deut­sche kriegt die Schwei­negrip­pe“ (WELT), von den Ergüs­sen der nied­rig­prei­si­gen Alter­na­tiv­ma­ga­zi­ne aus dem glei­chen Ver­lag fan­gen wir lie­ber gar nicht erst an. Und dann stellt sich her­aus, dass das alles gar nicht stimmt und all die natür­lich vor jour­na­lis­ti­scher Sorg­falt bei­na­he schon glän­zen­den Berich­te und Befürch­tun­gen im Wesent­li­chen schlicht unwahr sind. Frechheit.

Böse, böse WHO!

In den NachrichtenNetzfundstücke
Die digi­ta­le Eli­te und ihr sozia­ler Aufstieg

Sascha Lobo, Mit­un­ter­zeich­ner des Inter­net-Mani­fests und Wer­be­fi­gur für ein sich ansons­ten offen­bar (zu Recht) nur wenig beach­tet füh­len­des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men, hat im Tages­spie­gel ver­sucht, die ver­gan­ge­nen zehn Jah­re irgend­wie zusammenzufassen:

Die wich­tigs­te Ver­än­de­rung der letz­ten zehn Jah­re ist, dass Gesell­schaft inzwi­schen im Netz statt­fin­det. Nicht aus­schließ­lich, aber maß­geb­lich. Auch die schein­ba­ren Schlag­wor­te für die nuller Jah­re – 9/11, WM, Oba­ma – zei­gen das.

Wie üblich über­schätzt Herr Lobo die „Netz­ge­sell­schaft“ mas­siv. Die Inter­net­nut­zer sind nicht dafür ver­ant­wort­lich zu machen, dass seit fast zehn Jah­ren der „Krieg gegen den Ter­ror“ die Nach­rich­ten bestimmt, sie haben die WM nur als Zuschau­er ver­folgt (und das größ­ten­teils ver­mut­lich nicht im Inter­net), und an der Wahl des Herrn Oba­ma tra­gen sie auch kei­ne maß­geb­li­che Schuld. Men­schen, die kom­mu­ni­zie­ren, ver­än­dern dadurch noch nicht die Gesell­schaft. Dadurch, dass man seit inzwi­schen meh­re­ren Deka­den so etwas wie Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on über Com­pu­ter betrei­ben kann, ver­la­gert sich das Leben noch nicht ins Inter­net, nur sei­ne Aus­drucks­for­men tun es.

Die vie­len von der New Eco­no­my aus­ge­spuck­ten Men­schen moch­ten ihren Glau­ben an die digi­tal ver­netz­te Wirt­schaft ver­lo­ren haben. Sie wand­ten sich trotz­dem nicht vom Netz ab, son­dern erforsch­ten die Berei­che des Inter­net, in denen der schnel­le Bör­sen­gang kei­ne Rol­le spielte.

Eini­ge der vom „Web 2.0“ aus­ge­spuck­ten Men­schen schaf­fen, sobald sie es zu aus­rei­chend Ruhm und Reich­tum geschafft haben, den Sprung aus ihrer eige­nen, mit sich selbst ver­netz­ten digi­ta­len Welt und gehen dann Zei­tungs­le­sern mit ihrer Beses­sen­heit auf die Ner­ven. Muss das eigent­lich sein?

(Zwei Din­ge, die übri­gens auch nicht sein müssen:
Die mensch­li­che Käl­te in deut­schen Kran­ken­häu­sern – wenn Leu­te mit Todes­angst allein gelas­sen wer­den – und, eigent­lich schon wie­der sati­re­taug­lich, Ener­gie­spar­lam­pen, die töd­li­che Gift­stof­fe frei­set­zen, was dann natür­lich für den Ener­gie­ver­brauch nicht son­der­lich schlimm ist, immer­hin. Und so recht gefähr­lich ist das ja nur, wenn man unsach­lich damit umgeht und gera­de Neu­ge­bo­re­ne in der Nähe sind. Das biss­chen Queck­sil­ber! Man rei­che mir einen Gegen­stand zum Draufbeißen.)

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Ulti­ma­ti­ve Irananreicherung

Mal wie­der ein wenig poli­ti­sche Belus­ti­gung, weil die rest­li­che Welt wohl noch im Neu­jahrs­suff schwelgt:
Der Proll­blog­ger hat Frau Mer­kels übli­che Neu­jahrs­an­spra­che sei­ner hoh­len Phra­sen beraubt und die For­mu­lie­run­gen pole­mi­siert. Könn­te ich eigent­lich auch mal machen.

Ein Aus­zug:

Das ist der Auf­trag. Poli­tisch müs­sen und wer­den wir die Bedin­gun­gen schaf­fen, damit die Ver­ant­wor­tung in den nächs­ten Jah­ren Schritt für Schritt an die Afgha­nen über­ge­ben wer­den kann. Genau dazu dient die Afgha­ni­stan-Kon­fe­renz Ende Janu­ar in London.

Wie üblich baue ich auf das kur­ze Gedächt­nis. Denn die­ses Geschwa­fel wie­der­ho­le ich mit mei­nen Kom­pli­zen mit der läp­pen­den Mono­to­nie einer dada­is­ti­schen Lit­ur­gie schon seit Jah­ren, und da ist nix mit ?Ver­ant­wor­tung? für die Men­schen in Afgha­ni­stan. Wird auch so schnell nicht kommen.

Und jedes Jahr sal­ba­dert sie ähn­lich gehalt­lo­se Sät­ze vor sich hin, und jedes Jahr wie­der wird sie beju­belt für nicht erbrach­te Leis­tun­gen. Ich hät­te viel frü­her in die Poli­tik gehen sol­len, dann wür­de man mich ver­mut­lich für einen bril­lan­ten Rhe­to­ri­ker und nicht für einen ver­bit­ter­ten Klein­bür­ger hal­ten, der dum­mes Zeug auf eine unter­durch­schnitt­li­che Inter­net­sei­te schmiert. Verdammt.

Zumal es doch heut­zu­ta­ge ohne­hin weit­ge­hend unge­fähr­lich ist, Poli­ti­ker zu sein: Das Volk schießt ent­we­der dane­ben oder kommt gar nicht erst auf die Idee, sei­ne eige­ne poli­ti­sche Macht durch mehr als nur ein Kreuz­chen oder eine Unter­schrift aus­zu­drü­cken. Selbst Ray Davies, als Mit­glied der Kinks jemand, der sich mit so was aus­kennt, beklagt im Gespräch mit SPIE­GEL-Online-Redak­teu­ren der feh­len­de Rebel­li­ons­geist der Jugend. Zwar beschreibt er pri­mär die in sei­ner Hei­mat, aber bekannt kommt es einem dann doch auch vor:

Aber seit den Acht­zi­gern ist aller Wider­stand bei der Jugend ver­pufft. Ich habe den Ein­druck, dass die Stu­den­ten heut­zu­ta­ge vor allem wild dar­auf sind, nicht auf­zu­fal­len, um mög­lichst schnell in einem gro­ßen Kon­zern unter­zu­kom­men. Es gab mal ein Schimpf­wort namens Yup­pie – das ist heu­te das Stan­dard­ziel der Jugend! Rebel­len sind in die­sem Jahr­tau­send wohl uncool.

Dass man in den 60-ern revo­lu­tio­nä­re Aktio­nen im Sinn hat­te, nur weil sie „cool“ (mein der­zeit favo­ri­sier­tes uneng­li­sches Wort hier­für: leger) waren, bezweif­le ich, aber ich kann noch­mals aus­drück­lich dar­auf hin­wei­sen, dass jeden­falls für mich in mei­nem bis­he­ri­gen, von zahl­rei­chen Pha­sen wir­rer poli­ti­scher Ansich­ten gepräg­ten Leben die cool­ness nie von all­zu hoher Bedeu­tung war. Trotz alle­dem und unter Berück­sich­ti­gung des ins­ge­samt eigent­lich erstaun­lich zahn­lo­sen Bil­dungs­streiks im ver­gan­ge­nen Jahr: Ray Davies hat Recht.

(Na, bald sind wie­der Wahlen.)

Ach so, Wah­len, ich habe fröh­li­che Geräu­sche von mir gege­ben, als ich dies las:
Tehe­ran stellt dem Wes­ten ein Ulti­ma­tum bezüg­lich der eige­nen Urananreicherung.

Auch wenn die der­zei­ti­ge Regie­rung der USA von die­sem Ulti­ma­tum nicht viel hält (und ver­mut­lich bereits selbst ein neu­es Ulti­ma­tum ver­fasst, auf dass die der­zeit leben­den Gene­ra­tio­nen noch lan­ge Spaß an der Kin­de­rei haben mögen): End­lich mal was ande­res als immer nur reden.
So wenig mir auch der Gedan­ke behagt, dass sich ein klei­nes, von Fana­ti­kern bevöl­ker­tes Land von einem gro­ßen, von Fana­ti­kern regier­ten Land zu irgend­wel­chen Dumm­hei­ten hin­rei­ßen las­sen könn­te: Die Chuz­pe gefällt mir. Ganz ehrlich.

Wobei das Anse­hen ers­te­rer Fana­ti­ker im Moment doch eher nied­rig ist; Moham­med-Kari­ka­tu­rist Kurt Wes­ter­gaard wur­de schon wie­der fast zum Opfer eines Mord­ver­su­ches. Es ist erschre­ckend, wie weit man­che Men­schen gehen wür­den, um ihren Gott (ist er denn selbst wehr­los?) vor längst gesche­he­nem zu bewah­ren; erstaun­lich hin­ge­gen ist es, dass offen­bar aus­schließ­lich der Islam sol­che Eife­rer anzieht. Ein „Bil­der­ver­bot“ exis­tiert auch im Chris­ten­tum und im Juden­tum, des­sen Ver­tre­ter sich sonst qua­si stän­dig von irgend­je­man­dem dis­kri­mi­niert füh­len. Und was macht ein Jude, wenn man sei­nen Glau­ben kari­kiert, wie es zum Bei­spiel in eini­gen Tages­zei­tun­gen in der isla­mi­schen Welt bis­wei­len prak­ti­ziert wird? Er ver­übt nicht etwa Anschlä­ge auf Men­schen­le­ben oder schreit „Stür­mer-Stil“, wie es nicht ein­mal selbst Betrof­fe­ne gern unge­fragt tun, son­dern er zeich­net eige­ne anti­se­mi­ti­sche Kari­ka­tu­ren; weil er eben ver­stan­den hat, was eine Kari­ka­tur bedeutet.

(Das war jetzt alles teil­wei­se ein biss­chen pole­misch. Ent­schul­digt bitte.)

PersönlichesIn den Nachrichten
Durch die Bril­le des Jahrzehnts

So also fühlt sich 2010 an. Ist schon ganz nett. Bit­te so bleiben.

(Was ich aller­dings dann trotz zehn Jah­re lang erfolg­reich ver­mie­de­ner Nut­zung aus rein sen­ti­men­ta­len Grün­den doch irgend­wie ver­mis­se: Jah­res­wech­sel­bril­len mit zwei Nul­len in der Mit­te.)

Mei­ne guten Vor­sät­ze für die­ses Jahr habe ich schon im Dezem­ber gefasst und den ers­ten pünkt­lich nach Mit­ter­nacht gebro­chen. Guter Anfang. Viel­leicht soll­te ich mir einen ande­ren Kalen­der erwäh­len. Der gre­go­ria­ni­sche mag mich nicht. Ansons­ten kam erstaun­lich wenig Mist im zwi­schen­durch auch hin und wie­der mal nicht mit Miss­ach­tung bedach­ten Fern­se­hen. Urban Pri­o­ls for­mi­da­bler jähr­li­cher Jah­res­rück­blick, spä­ter irgend­was mit Hape Ker­ke­ling. Zwi­schen­durch die Schil­ler­stra­ße ohne Cor­du­la Strat­mann, dafür mit Oli­ver Pocher und Jür­gen Vogel, bei­des kein Fort­schritt, aber die Sen­de­zeit recht­fer­tigt die Aus­strah­lung von Seri­en, die man alko­ho­li­siert sicher­lich beju­beln kann. Apro­pos schlech­te Seri­en: „Din­ner for Brot“ kam nicht. Frechheit.

(Prost Nackt­jahr. Jetzt erst mal einen Kaffee.)

MusikNetzfundstücke
Musi­ka­li­scher Jah­res­rück­blick (mal anders)

Zum Jah­res­en­de eine Pre­mie­re auf die­ser Sei­te: Video gucken, ohne erst irgend­wo anders hinsur­fen zu müssen.
Durch­aus humorig:

(Zusätz­li­che Dienst­leis­tung: You­tube-Ver­weis für die, die aus diver­sen Grün­den das Ein­bin­den exter­ner Fil­me nicht gestatten.)

Natür­lich hat die­ses Video auch einen Hin­ter­grund, zu fin­den im Wes­ten.
Lus­ti­ge Idee, pri­ma umgesetzt.

Dan­ke für euer Inter­es­se im fast abge­lau­fe­nen Jahr.
Bis 2010!

In den Nachrichten
Die Tele­kom wird multimedial.

Da schau her: Die Tele­kom soll sich mit vol­ler Kraft auf die neue Mul­ti­me­dia-Welt ein­stel­len, „neue“ bit­te gebrüllt vorstellen.

Die glei­che Tele­kom, die seit unge­fäh­ren Äonen eine breit­flä­chi­ge Abde­ckung mit DSL-fähi­gen Lei­tun­gen ver­spricht und der man ange­sichts der elend lan­gen Reak­ti­ons­zei­ten gar nicht zutrau­en wür­de, ein pri­va­tes Unter­neh­men zu sein, hat nun also erkannt, dass die Welt um sie her­um inzwi­schen digi­tal kom­mu­ni­ziert. Zu Recht stellt man dort immer­hin fest, dass man eigent­lich über­flüs­sig ist, und schwingt noch ein wenig den Zei­ge­fin­ger, um das zu verhindern:

„Wenn sich Inves­ti­tio­nen nicht mehr loh­nen, weil wir unse­re Net­ze zu vor­ge­schrie­be­nen Prei­sen jedem Kon­kur­ren­ten zur Ver­fü­gung stel­len müs­sen“, wer­de es Pro­ble­me geben, sag­te der Tele­kom-Chef. Dann „wird es zum Bei­spiel sehr schwer, die wei­ßen Fle­cken, die es in der Breit­band­ver­sor­gung in Deutsch­land gibt, zu schließen“.

Die glei­chen wei­ßen Fle­cken, die die Tele­kom seit einem unge­fäh­ren Jahr­zehnt nicht abzu­de­cken geschafft hat, könn­ten „schwer zu schlie­ßen“ sein. Das ist ja gera­de­zu eine Tra­gö­die. Ogottogott.


Apro­pos „ogot­to­gott“: Die so genann­ten „Nackt­scan­ner“ am Flug­ha­fen pas­sen CDU und F.D.P. jetzt doch in den Kram, weil die Intim­sphä­re der Kon­trol­lier­ten gewahrt wer­den soll, wie auch immer man sich das vor­zu­stel­len hat. So recht sinn­voll erscheint mir das nach wie vor nicht, die Tech­nik zu för­dern, so lan­ge die mensch­li­che Kom­po­nen­te versagt:

So soll der Atten­tä­ter Umar Abdul­mu­t­allab ame­ri­ka­ni­schen Pres­se­be­rich­ten zufol­ge ohne gül­ti­gen Pass an Bord gewe­sen sein.

Da gibt es nur eins: Noch mehr Überwachung!

SonstigesNetzfundstücke
Über die Normalität

Das Gegen­teil von Fei­er­ta­gen ist, so heißt es, die Nor­ma­li­tät. „Die Nor­ma­li­tät ist wie­der ein­ge­kehrt.“ Und einen Satz wie „Die Nor­ma­li­tät ist wie­der ein­ge­kehrt.“ sagt und schreibt man nicht emo­ti­ons­los und sach­lich, son­dern wahl­wei­se hoch­er­freut („Die Nor­ma­li­tät ist end­lich wie­der ein­ge­kehrt.“) oder unter allen Anzei­chen gelang­weil­ten Miss­mu­tes („Und nun ist auch schon wie­der die Nor­ma­li­tät ein­ge­kehrt.“, gern auch „der alte Trott“, auf dass man sich beim Lesen respek­ti­ve Hören einen lang­wei­li­gen alten Acker­gaul vorstelle).

Attention Dogs

Nor­ma­li­tät kann bei­des sein, tat­säch­lich kann auch an Fei­er­ta­gen weit­ge­hend Nor­ma­li­tät herr­schen. Wer inter­es­siert sich schon für den Toten­sonn­tag? Nor­ma­li­tät ist, was man dar­aus macht. „Ist es nor­mal, nur weil alle es tun?“ frag­ten rhe­to­risch schon 1993 Die Fan­tas­ti­schen Vier. Es ist zweck­los, der Welt gefal­len zu wol­len, wäh­rend man sich selbst nicht ein­mal aus­ste­hen kann, aber irgend­wie dann doch muss.

Wäh­rend ich dies schrei­be, bli­cke ich auf einen Weih­nachts­baum, ein Relikt aus einer Zeit vor der Nor­ma­li­tät, qua­si ein Ana­chro­nis­mus. Nichts ist so alt wie der Weih­nachts­baum von gestern.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lobet den Herrn: Wir­res zur Weihnacht.

Mein Kalen­der teilt mir mit, dass der Ste­fa­ni­tag end­lich vor­über ist. Das bedeu­tet, dass auch der Weih­nachts­rum­mel ein Ende gefun­den hat und man end­lich wie­der in den Nach­rich­ten blät­tern darf, ohne stän­dig über Ver­kehrs­un­fäl­le, Baum­brän­de und irgend­wel­chen „Frie­den“ zu stol­pern, von dem sich die Zivi­lis­ten in Afgha­ni­stan und im Irak wahr­lich nicht viel kau­fen kön­nen, neh­me ich an; und die gro­ße Umtausch­ak­ti­on fin­det ja tra­di­tio­nell erst am Mon­tag statt.

Wie ja ohne­hin wie­der min­des­tens Beel­ze­bub tobte:

Vie­le Men­schen wur­den bei Unfäl­len ver­letzt, meh­re­re getö­tet. An Hei­lig­abend muss­ten sogar Got­tes­diens­te ausfallen.

„Es kamen zwar auch ein paar Men­schen um ihr Leben, aber viel wich­ti­ger: Got­tes­diens­te fie­len aus! Das Ende ist nah!“; irgend­was an die­ser For­mu­lie­rung macht mir Angst.

Und Angst belebt ja bekannt­lich das Geschäft der so genann­ten christ­li­chen Kir­chen, die nicht müde wer­den, stän­dig die Maß­lo­sig­keit der Gesell­schaft anzu­pran­gern, ohne zu mer­ken, dass sie selbst viel dazu bei­tra­gen, zum Bei­spiel, indem sie andäch­tig an Gedenk­ver­an­stal­tun­gen für Sui­zid­op­fer teilnehmen:

Schau­en Sie mal in Ihre Tages­zei­tung, Rubrik Todes­an­zei­gen, nach den Geburts­da­ten. Das sind sicher­lich nicht alles Unfäl­le oder krebs­to­te Jugend­li­che. Wenn es so wei­ter­geht kann sich EKD-Bischö­fin Käß­mann auf die Schul­ter klopfen.

Selbst­mord als christ­lich akzep­tier­te Metho­de, der Sinn­lo­sig­keit zu ent­rin­nen; immer­hin das hat sich in den letz­ten Jahr­hun­der­ten geän­dert. Mit dem Tod an sich ver­fährt man aber inzwi­schen genau umge­kehrt. War er frü­her ein natür­li­ches Ereig­nis, wird er inzwi­schen zum natio­na­len Groß­ereig­nis sti­li­siert, je nach Todes­art (Amok?) und/oder Bekannt­heit (Musi­ker? Sport­ler?) mit unter­schied­lich lan­ger Sen­de­zeit, und es hal­ten immer wie­der neue Men­schen, die den Namens­zu­satz „Exper­te“ bekom­men, weil es aus ihrer Rede allein nicht her­vor­geht und damit man sie wenigs­tens nicht igno­riert, ihr Gesicht in die Kame­ra und reden über Din­ge, die noch nie ein Teil ihres Lebens waren, und die gei­fern­de Meu­te will immer noch mehr davon.

Gegen Pie­tät ist nichts ein­zu­wen­den, aber sie wird oft und offen­bar gern falsch ver­stan­den. Selbst die belieb­te Weih­nachts­ge­schich­te von Charles Dickens ver­wech­selt Mensch­lich- und Streb­sam­keit mit Hartherzigkeit:

Ebe­ne­zer Scr­oo­ge ist ein Ver­tre­ter des Bür­ger­tums. Hat es so jemand wirk­lich ver­dient, als Buh­mann zu gelten?

Amen.


(Auch schön übri­gens: Prä­si­dent Ahma­di­ned­schad nennt euro­päi­sche Poli­ti­ker dumm und lan­det mit die­ser, wie üblich, „unge­heu­er­li­chen Ent­glei­sung“ prompt in den Schlag­zei­len. Wenn das so ein­fach ist, möch­te ich auch mal: Ange­la Mer­kel ist eine lang­wei­li­ge alte Hexe! – So, das müss­te reichen.)

In den NachrichtenNerdkrams
formspring.me: Kei­ne wei­te­ren Fragen.

Eine der unmög­lichs­ten Aus­wüch­se die­ses Web zwei­punkt­null ist der­zeit der Dienst formspring.me (aus rei­nem Trotz ohne anklick­ba­ren Ver­weis), den zwar, wie­der mal, alle nut­zen, aber von dem kei­ner so genau weiß, wofür eigent­lich. Ange­bo­ten wird ein schlich­tes For­mu­lar, das dazu genutzt wer­den soll, dem Besit­zer (mög­lichst kur­ze) Fra­gen zu stel­len; sozu­sa­gen Twit­ter in Dialogform.

Da die Fra­gen grund­sätz­lich anonym gestellt wer­den, kann man formspring.me pri­ma nut­zen, um Selbst­ver­mark­tung (Dia­lo­ge mit sich selbst) wie auch Pöbe­lei­en an den Mann zu brin­gen. Wel­chen guten Zweck also kann die­ser Dienst erfüllen?

Fran­zis­ka Bluhm schrieb richtig:

Freun­de fra­gen direkt, per Mail oder Tele­fon, Bekann­te ver­mut­lich auch und die meis­ten Inter­net­ler haben ja mitt­ler­wei­le zig­tau­send Mög­lich­kei­ten der Kommunikation.

Was macht also den Reiz aus? Ich weiß es nicht. Viel­leicht gehört erst­mal ein gro­ßes Ego dazu, sich da über­haupt anzu­mel­den. Man muss ja schließ­lich erst ein­mal davon aus­ge­hen, dass die Welt da drau­ßen wirk­lich Fra­gen stel­len will (…).

Ich ken­ne selbst eini­ge formspring.me-Nutzer, kei­ner davon konn­te mir bis­her einen brauch­ba­ren Grund für sei­ne Teil­nah­me nen­nen. Das häu­figs­te Argu­ment: formspring.me ist das kom­men­de Ding oder ver­gleich­ba­res. Die Mei­nun­gen gehen ent­spre­chend aus­ein­an­der: Die einen bekla­gen die man­geln­de Trans­pa­renz und nen­nen formspring.me eine blo­ße Wer­be­ak­ti­on des Anbie­ters, die ande­ren wer­fen wie­der mal Unsinn­s­ter­mi­ni wie „das bes­se­re Twit­ter“ in den luft­lee­ren Raum und freu­en sich, dass sie end­lich die Mög­lich­keit haben, wild­frem­den Men­schen ihr Pri­vat­le­ben zu offenbaren.

Guter Vor­satz für 2010: Auch die­sen Dienst erfolg­reich meiden.

Ohne wei­te­ren Kom­men­tar zum Schluss noch mei­ne Lieb­lings­nach­richt der letz­ten Tage: Guan­tá­na­mo kann noch nicht geschlos­sen wer­den, weil sie erst Geld für ein ande­res Gefäng­nis brau­chen, in dem sie dann, ver­mut­lich, eigent­lich genau das glei­che prak­ti­zie­ren werden.

(Der jähr­li­che Gedan­ke an Hei­lig­abend: Wer nur ein­mal im Jahr in die Kir­che rennt und lie­ben Leu­ten Geschen­ke macht, hat einen Grund­ge­dan­ken des Weihnachts-„Festes“ gründ­lich miss­ver­stan­den und soll­te sich schämen.)

In den Nachrichten
Glos­sy glän­zen mit neu­en News

Manch­mal schaue ich immer noch gern Wer­bung. Sie ist so schön albern. Mein aktu­el­ler Favo­rit stammt von einer Fir­ma, die unter ande­rem Haar­pfle­ge­pro­duk­te her­vor­bringt. Nach Anwen­dung der ange­prie­se­nen Che­mi­ka­li­en, so sal­ba­dert eine Frau als Unter­ma­lung zu der Ein­blen­dung einer Fri­sur, höbe sich ihr Haar durch die Eigen­schaft her­vor, glos­sy zu glän­zen, also, auf Deutsch for­mu­liert, glän­zend zu glänzen.
Mir scheint, das Wort gloss hat in den letz­ten Jah­ren als eige­ne Voka­bel Ein­zug in die deut­sche Spra­che gehal­ten (cf. lip­gloss, weil „Lip­pen­glanz“ zwar das glei­che bedeu­tet, aber dann wohl doch irgend­wie nicht, sonst wür­de es ja jemand ver­wen­den und womög­lich beim lau­ten Aus­spre­chen die Wun­der­lich­keit des Ein­satz­zwe­ckes jenes Mode­ac­ces­soires bemer­ken). Bis­lang, immer­hin, ist noch von glos­sy Glän­zen und noch nicht von Glos­sen die Rede. Fas­zi­nie­rend eigentlich.

Apro­pos fas­zi­nie­rend; zwei SPIE­GEL-Online-Schlag­zei­len von ges­tern, die mir gefie­len: Micha­el Schu­ma­cher fährt wie­der ’ne Run­de in der For­mel 1 mit. Damit hät­te ich dann eine Wet­te von unge­fähr Anfang 2008 gewon­nen. Lei­der weiß ich nicht mehr, wor­um ich gewet­tet habe.
Was ganz ande­res, aber von der glei­chen Quel­le am glei­chen Tag: Ange­li­na Jolie hält Treue für über­flüs­sig; was dann aller­dings auch irgend­wie wie­der zeigt, was es aus­macht, ein Traum­paar zu sein, näm­lich: das mit den stän­di­gen Treue­schwü­ren nicht zu über­trei­ben. Man ist mit­ein­an­der glück­lich, weil man dar­auf ver­traut, mit­ein­an­der glück­lich zu sein. Wie eben Ver­trau­en eine wich­ti­ge Basis für rei­bungs­freie Koexis­tenz ist, wäh­rend Treue in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men auch mal aus­ge­setzt wer­den kann, weil das See­li­sche eine Bin­dung schafft, die das Kör­per­li­che nicht zu erhal­ten vermag.
(Was ja dann auch irgend­wie den Reiz aus­macht. Also den des See­li­schen, ver­steht sich.)

Drau­ßen schneit es die­ser Tage wie­der täg­lich. Juhu, womög­lich gibt es doch mal wie­der eine „wei­ße Weih­nacht“. Und dann sit­zen die, die ihren Kin­dern immer was von einer „wei­ßen Weih­nacht“ vor­schwär­men, im gut geheiz­ten Wohn­zim­mer und sagen sich: „Gott sei Dank (an sol­chen Tagen sind man­che Leu­te erstaun­lich gläu­big) sit­zen wir jetzt hier im War­men und müs­sen nicht die­ses eklig kal­te Wet­ter drau­ßen ertra­gen. Über­all sind die Stra­ßen ver­stopft, jeder zwei­te Zug fällt aus, Unfäl­le häu­fen sich wegen der Glät­te, und außer­dem erhöht die Käl­te unnö­tig unse­re Heiz­kos­ten. Hof­fent­lich wird es bald wie­der wärmer.“

Und ich glau­be nicht mal, dass das eine all­zu über­trie­be­ne Dar­stel­lung ist.

(Nach­trag vom 24. Dezem­ber 2009 und apro­pos Wer­bung noch mal: „Beob­ach­te dei­ne Nach­ba­rin jetzt live im Inter­net“ – nein, das möch­te ich ganz sicher nicht!)

Nerdkrams
vis, Vim, vi

Mein Vim mit deaktivierten überflüssigen Leisten beim Schreiben dieses Textes.Da ich in den letz­ten Tagen schon Kom­mi­li­to­nen, Online­fo­ren und das IRC damit beläs­tigt habe, ist es nur kon­se­quent, dass ich mich auch hier wie­der ein­mal mit einem The­ma befas­se, das eher mei­ne com­pu­ter­af­fi­nen Leser inter­es­sie­ren dürf­te und das alle ande­ren Besu­cher wahr­schein­lich Augen rol­lend über­le­sen werden:

Vim ist der bes­te Viel­zwe­cke­di­tor die­ses Planeten.

Ursprüng­lich als ein quell­of­fe­ner Nach­bau des inzwi­schen über 30 Jah­re alten UNIX-Pro­gramms vi (kurz für visual) pro­gram­miert, hat sich Vim inzwi­schen dank des ein­ge­bau­ten Skript­in­ter­pre­ters zu einem der fle­xi­bels­ten und mäch­tigs­ten platt­form­un­ab­hän­gi­gen Text­edi­to­ren gemau­sert, des­sen Tas­ten­kür­zel längst auch in ande­ren Pro­gram­men genutzt wer­den und, ein­mal aus­wen­dig gelernt, die eige­ne Pro­duk­ti­vi­tät um ein Viel­fa­ches erhö­hen kön­nen. Ein­mal Vim, nie wie­der etwas ande­res. Häu­fig benutz­te Tas­ten­fol­gen kön­nen sogar als Makro gespei­chert wer­den, so dass auch kom­ple­xe Text­än­de­run­gen durch das Drü­cken weni­ger Tas­ten immer wie­der wie­der­holt wer­den können.

Die­ser Bei­trag soll dem Zweck die­nen, inter­es­sier­ten Lesern einen kur­zen Über­blick über Vim unter Win­dows (erbit­te Ver­zei­hung für die­se Ein­schrän­kung) zu ver­mit­teln und zu zei­gen, dass Bedien­kon­zep­te aus einer Zeit, in der Tas­ta­tu­ren noch ganz anders aus­sa­hen und Betriebs­sys­te­me nicht sel­ten UNIX hie­ßen, nicht auto­ma­tisch Schnee von ges­tern sein müs­sen, son­dern auch heu­te noch vie­le Vor­tei­le bieten.

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PolitikIn den Nachrichten
Boris Becker ist neidisch.

Ent­ge­gen mei­nen Gewohn­hei­ten dann doch noch ein Bei­trag, weil ich gera­de die Muße hat­te, mich durch die Nach­rich­ten des Wochen­en­des zu wühlen.

Amü­sant zunächst:
Boris Becker benei­det Tiger Woods um die erfolg­rei­che Füh­rung diver­ser Affären:

Er sei erstaunt über die Anzahl der außer­ehe­li­chen Affä­ren Woods, über die berich­tet wer­de. „Ich war über­rascht über die Dimen­si­on, die Häu­fig­keit. Was er da, rein logis­tisch, alles ver­tu­schen muss! Wie hat er denn das alles orga­ni­siert? Der muss ja dau­ernd das Tele­fon wech­seln und die Spu­ren ver­wi­schen“, sag­te Becker in der Talkshow.

Ja, das wüss­te er wohl gern, der Herr Becker. :)

Apro­pos lus­tig: Der Welt­kli­ma­gip­fel ist been­det. Und was da für span­nen­de Ergeb­nis­se herauskamen!

Der Mini­mal­kon­sens des Welt­kli­ma­gip­fels lau­tet: Die Ver­tre­ter der teil­neh­men­den Län­der neh­men die Abschluss­ver­ein­ba­rung „zur Kennt­nis“. Damit steht es jedem Land frei, die ver­ein­bar­ten Zie­le kon­kret umzu­set­zen oder nicht.

Heu­re­ka­men! Die­ses Ergeb­nis also ist „ein ers­ter Schritt hin zu einer neu­en Weltklimaordnung“.
Na, auf die Ord­nung bin ich mal gespannt.


(Kann ich nur unter­schrei­ben: Bit­te fest drü­cken. Ach.)