PersönlichesIn den Nachrichten
Durch die Bril­le des Jahr­zehnts

So also fühlt sich 2010 an. Ist schon ganz nett. Bit­te so blei­ben.

(Was ich aller­dings dann trotz zehn Jah­re lang erfolg­reich ver­mie­de­ner Nut­zung aus rein sen­ti­men­ta­len Grün­den doch irgend­wie ver­mis­se: Jah­res­wech­sel­bril­len mit zwei Nul­len in der Mit­te.)

Mei­ne guten Vor­sät­ze für die­ses Jahr habe ich schon im Dezem­ber gefasst und den ersten pünkt­lich nach Mit­ter­nacht gebro­chen. Guter Anfang. Viel­leicht soll­te ich mir einen ande­ren Kalen­der erwäh­len. Der gre­go­ria­ni­sche mag mich nicht. Anson­sten kam erstaun­lich wenig Mist im zwi­schen­durch auch hin und wie­der mal nicht mit Miss­ach­tung bedach­ten Fern­se­hen. Urban Pri­o­ls for­mi­da­bler jähr­li­cher Jah­res­rück­blick, spä­ter irgend­was mit Hape Ker­ke­ling. Zwi­schen­durch die Schil­ler­stra­ße ohne Cor­du­la Strat­mann, dafür mit Oli­ver Pocher und Jür­gen Vogel, bei­des kein Fort­schritt, aber die Sen­de­zeit recht­fer­tigt die Aus­strah­lung von Seri­en, die man alko­ho­li­siert sicher­lich beju­beln kann. Apro­pos schlech­te Seri­en: „Din­ner for Brot“ kam nicht. Frech­heit.

(Prost Nackt­jahr. Jetzt erst mal einen Kaf­fee.)

MusikNetzfundstücke
Musi­ka­li­scher Jah­res­rück­blick (mal anders)

Zum Jah­res­en­de eine Pre­mie­re auf die­ser Sei­te: Video gucken, ohne erst irgend­wo anders hinsur­fen zu müs­sen.
Durch­aus humo­rig:

(Zusätz­li­che Dienst­lei­stung: You­tube-Ver­weis für die, die aus diver­sen Grün­den das Ein­bin­den exter­ner Fil­me nicht gestat­ten.)

Natür­lich hat die­ses Video auch einen Hin­ter­grund, zu fin­den im Westen.
Lusti­ge Idee, pri­ma umge­setzt.

Dan­ke für euer Inter­es­se im fast abge­lau­fe­nen Jahr.
Bis 2010!

In den Nachrichten
Die Tele­kom wird mul­ti­me­di­al.

Da schau her: Die Tele­kom soll sich mit vol­ler Kraft auf die neue Mul­ti­me­dia-Welt ein­stel­len, „neue“ bit­te gebrüllt vor­stel­len.

Die glei­che Tele­kom, die seit unge­fäh­ren Äonen eine breit­flä­chi­ge Abdeckung mit DSL-fähi­gen Lei­tun­gen ver­spricht und der man ange­sichts der elend lan­gen Reak­ti­ons­zei­ten gar nicht zutrau­en wür­de, ein pri­va­tes Unter­neh­men zu sein, hat nun also erkannt, dass die Welt um sie her­um inzwi­schen digi­tal kom­mu­ni­ziert. Zu Recht stellt man dort immer­hin fest, dass man eigent­lich über­flüs­sig ist, und schwingt noch ein wenig den Zei­ge­fin­ger, um das zu ver­hin­dern:

„Wenn sich Inve­sti­tio­nen nicht mehr loh­nen, weil wir unse­re Net­ze zu vor­ge­schrie­be­nen Prei­sen jedem Kon­kur­ren­ten zur Ver­fü­gung stel­len müs­sen“, wer­de es Pro­ble­me geben, sag­te der Tele­kom-Chef. Dann „wird es zum Bei­spiel sehr schwer, die wei­ßen Flecken, die es in der Breit­band­ver­sor­gung in Deutsch­land gibt, zu schlie­ßen“.

Die glei­chen wei­ßen Flecken, die die Tele­kom seit einem unge­fäh­ren Jahr­zehnt nicht abzu­decken geschafft hat, könn­ten „schwer zu schlie­ßen“ sein. Das ist ja gera­de­zu eine Tra­gö­die. Ogot­to­gott.


Apro­pos „ogot­to­gott“: Die so genann­ten „Nackt­scan­ner“ am Flug­ha­fen pas­sen CDU und F.D.P. jetzt doch in den Kram, weil die Intim­sphä­re der Kon­trol­lier­ten gewahrt wer­den soll, wie auch immer man sich das vor­zu­stel­len hat. So recht sinn­voll erscheint mir das nach wie vor nicht, die Tech­nik zu för­dern, so lan­ge die mensch­li­che Kom­po­nen­te ver­sagt:

So soll der Atten­tä­ter Umar Abdul­mut­allab ame­ri­ka­ni­schen Pres­se­be­rich­ten zufol­ge ohne gül­ti­gen Pass an Bord gewe­sen sein.

Da gibt es nur eins: Noch mehr Über­wa­chung!

SonstigesNetzfundstücke
Über die Nor­ma­li­tät

Das Gegen­teil von Fei­er­ta­gen ist, so heißt es, die Nor­ma­li­tät. „Die Nor­ma­li­tät ist wie­der ein­ge­kehrt.“ Und einen Satz wie „Die Nor­ma­li­tät ist wie­der ein­ge­kehrt.“ sagt und schreibt man nicht emo­ti­ons­los und sach­lich, son­dern wahl­wei­se hoch­er­freut („Die Nor­ma­li­tät ist end­lich wie­der ein­ge­kehrt.“) oder unter allen Anzei­chen gelang­weil­ten Miss­mu­tes („Und nun ist auch schon wie­der die Nor­ma­li­tät ein­ge­kehrt.“, gern auch „der alte Trott“, auf dass man sich beim Lesen respek­ti­ve Hören einen lang­wei­li­gen alten Acker­gaul vor­stel­le).

Attention Dogs

Nor­ma­li­tät kann bei­des sein, tat­säch­lich kann auch an Fei­er­ta­gen weit­ge­hend Nor­ma­li­tät herr­schen. Wer inter­es­siert sich schon für den Toten­sonn­tag? Nor­ma­li­tät ist, was man dar­aus macht. „Ist es nor­mal, nur weil alle es tun?“ frag­ten rhe­to­risch schon 1993 Die Fan­ta­sti­schen Vier. Es ist zweck­los, der Welt gefal­len zu wol­len, wäh­rend man sich selbst nicht ein­mal aus­ste­hen kann, aber irgend­wie dann doch muss.

Wäh­rend ich dies schrei­be, blicke ich auf einen Weih­nachts­baum, ein Relikt aus einer Zeit vor der Nor­ma­li­tät, qua­si ein Ana­chro­nis­mus. Nichts ist so alt wie der Weih­nachts­baum von gestern.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lobet den Herrn: Wir­res zur Weih­nacht.

Mein Kalen­der teilt mir mit, dass der Ste­fa­ni­tag end­lich vor­über ist. Das bedeu­tet, dass auch der Weih­nachts­rum­mel ein Ende gefun­den hat und man end­lich wie­der in den Nach­rich­ten blät­tern darf, ohne stän­dig über Ver­kehrs­un­fäl­le, Baum­brän­de und irgend­wel­chen „Frie­den“ zu stol­pern, von dem sich die Zivi­li­sten in Afgha­ni­stan und im Irak wahr­lich nicht viel kau­fen kön­nen, neh­me ich an; und die gro­ße Umtausch­ak­ti­on fin­det ja tra­di­tio­nell erst am Mon­tag statt.

Wie ja ohne­hin wie­der min­de­stens Beel­ze­bub tob­te:

Vie­le Men­schen wur­den bei Unfäl­len ver­letzt, meh­re­re getö­tet. An Hei­lig­abend muss­ten sogar Got­tes­dien­ste aus­fal­len.

„Es kamen zwar auch ein paar Men­schen um ihr Leben, aber viel wich­ti­ger: Got­tes­dien­ste fie­len aus! Das Ende ist nah!“; irgend­was an die­ser For­mu­lie­rung macht mir Angst.

Und Angst belebt ja bekannt­lich das Geschäft der so genann­ten christ­li­chen Kir­chen, die nicht müde wer­den, stän­dig die Maß­lo­sig­keit der Gesell­schaft anzu­pran­gern, ohne zu mer­ken, dass sie selbst viel dazu bei­tra­gen, zum Bei­spiel, indem sie andäch­tig an Gedenk­ver­an­stal­tun­gen für Sui­zid­op­fer teil­neh­men:

Schau­en Sie mal in Ihre Tages­zei­tung, Rubrik Todes­an­zei­gen, nach den Geburts­da­ten. Das sind sicher­lich nicht alles Unfäl­le oder krebs­to­te Jugend­li­che. Wenn es so wei­ter­geht kann sich EKD-Bischö­fin Käß­mann auf die Schul­ter klop­fen.

Selbst­mord als christ­lich akzep­tier­te Metho­de, der Sinn­lo­sig­keit zu ent­rin­nen; immer­hin das hat sich in den letz­ten Jahr­hun­der­ten geän­dert. Mit dem Tod an sich ver­fährt man aber inzwi­schen genau umge­kehrt. War er frü­her ein natür­li­ches Ereig­nis, wird er inzwi­schen zum natio­na­len Groß­ereig­nis sti­li­siert, je nach Todes­art (Amok?) und/oder Bekannt­heit (Musi­ker? Sport­ler?) mit unter­schied­lich lan­ger Sen­de­zeit, und es hal­ten immer wie­der neue Men­schen, die den Namens­zu­satz „Exper­te“ bekom­men, weil es aus ihrer Rede allein nicht her­vor­geht und damit man sie wenig­stens nicht igno­riert, ihr Gesicht in die Kame­ra und reden über Din­ge, die noch nie ein Teil ihres Lebens waren, und die gei­fern­de Meu­te will immer noch mehr davon.

Gegen Pie­tät ist nichts ein­zu­wen­den, aber sie wird oft und offen­bar gern falsch ver­stan­den. Selbst die belieb­te Weih­nachts­ge­schich­te von Charles Dickens ver­wech­selt Mensch­lich- und Streb­sam­keit mit Hart­her­zig­keit:

Ebe­ne­zer Scr­oo­ge ist ein Ver­tre­ter des Bür­ger­tums. Hat es so jemand wirk­lich ver­dient, als Buh­mann zu gel­ten?

Amen.


(Auch schön übri­gens: Prä­si­dent Ahma­di­ned­schad nennt euro­päi­sche Poli­ti­ker dumm und lan­det mit die­ser, wie üblich, „unge­heu­er­li­chen Ent­glei­sung“ prompt in den Schlag­zei­len. Wenn das so ein­fach ist, möch­te ich auch mal: Ange­la Mer­kel ist eine lang­wei­li­ge alte Hexe! – So, das müss­te rei­chen.)

In den NachrichtenNerdkrams
formspring.me: Kei­ne wei­te­ren Fra­gen.

Eine der unmög­lich­sten Aus­wüch­se die­ses Web zwei­punkt­null ist der­zeit der Dienst formspring.me (aus rei­nem Trotz ohne anklick­ba­ren Ver­weis), den zwar, wie­der mal, alle nut­zen, aber von dem kei­ner so genau weiß, wofür eigent­lich. Ange­bo­ten wird ein schlich­tes For­mu­lar, das dazu genutzt wer­den soll, dem Besit­zer (mög­lichst kur­ze) Fra­gen zu stel­len; sozu­sa­gen Twit­ter in Dia­log­form.

Da die Fra­gen grund­sätz­lich anonym gestellt wer­den, kann man formspring.me pri­ma nut­zen, um Selbst­ver­mark­tung (Dia­lo­ge mit sich selbst) wie auch Pöbe­lei­en an den Mann zu brin­gen. Wel­chen guten Zweck also kann die­ser Dienst erfül­len?

Fran­zis­ka Bluhm schrieb rich­tig:

Freun­de fra­gen direkt, per Mail oder Tele­fon, Bekann­te ver­mut­lich auch und die mei­sten Inter­net­ler haben ja mitt­ler­wei­le zig­tau­send Mög­lich­kei­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Was macht also den Reiz aus? Ich weiß es nicht. Viel­leicht gehört erst­mal ein gro­ßes Ego dazu, sich da über­haupt anzu­mel­den. Man muss ja schließ­lich erst ein­mal davon aus­ge­hen, dass die Welt da drau­ßen wirk­lich Fra­gen stel­len will (…).

Ich ken­ne selbst eini­ge formspring.me-Nutzer, kei­ner davon konn­te mir bis­her einen brauch­ba­ren Grund für sei­ne Teil­nah­me nen­nen. Das häu­fig­ste Argu­ment: formspring.me ist das kom­men­de Ding oder ver­gleich­ba­res. Die Mei­nun­gen gehen ent­spre­chend aus­ein­an­der: Die einen bekla­gen die man­geln­de Trans­pa­renz und nen­nen formspring.me eine blo­ße Wer­be­ak­ti­on des Anbie­ters, die ande­ren wer­fen wie­der mal Unsinns­ter­mi­ni wie „das bes­se­re Twit­ter“ in den luft­lee­ren Raum und freu­en sich, dass sie end­lich die Mög­lich­keit haben, wild­frem­den Men­schen ihr Pri­vat­le­ben zu offen­ba­ren.

Guter Vor­satz für 2010: Auch die­sen Dienst erfolg­reich mei­den.

Ohne wei­te­ren Kom­men­tar zum Schluss noch mei­ne Lieb­lings­nach­richt der letz­ten Tage: Guan­tá­na­mo kann noch nicht geschlos­sen wer­den, weil sie erst Geld für ein ande­res Gefäng­nis brau­chen, in dem sie dann, ver­mut­lich, eigent­lich genau das glei­che prak­ti­zie­ren wer­den.

(Der jähr­li­che Gedan­ke an Hei­lig­abend: Wer nur ein­mal im Jahr in die Kir­che rennt und lie­ben Leu­ten Geschen­ke macht, hat einen Grund­ge­dan­ken des Weihnachts-„Festes“ gründ­lich miss­ver­stan­den und soll­te sich schä­men.)

In den Nachrichten
Glos­sy glän­zen mit neu­en News

Manch­mal schaue ich immer noch gern Wer­bung. Sie ist so schön albern. Mein aktu­el­ler Favo­rit stammt von einer Fir­ma, die unter ande­rem Haar­pfle­ge­pro­duk­te her­vor­bringt. Nach Anwen­dung der ange­prie­se­nen Che­mi­ka­li­en, so sal­ba­dert eine Frau als Unter­ma­lung zu der Ein­blen­dung einer Fri­sur, höbe sich ihr Haar durch die Eigen­schaft her­vor, glos­sy zu glän­zen, also, auf Deutsch for­mu­liert, glän­zend zu glän­zen.
Mir scheint, das Wort gloss hat in den letz­ten Jah­ren als eige­ne Voka­bel Ein­zug in die deut­sche Spra­che gehal­ten (cf. lip­gloss, weil „Lip­pen­glanz“ zwar das glei­che bedeu­tet, aber dann wohl doch irgend­wie nicht, sonst wür­de es ja jemand ver­wen­den und womög­lich beim lau­ten Aus­spre­chen die Wun­der­lich­keit des Ein­satz­zweckes jenes Mode­ac­ces­soires bemer­ken). Bis­lang, immer­hin, ist noch von glos­sy Glän­zen und noch nicht von Glos­sen die Rede. Fas­zi­nie­rend eigent­lich.

Apro­pos fas­zi­nie­rend; zwei SPIE­GEL-Online-Schlag­zei­len von gestern, die mir gefie­len: Micha­el Schu­ma­cher fährt wie­der ’ne Run­de in der For­mel 1 mit. Damit hät­te ich dann eine Wet­te von unge­fähr Anfang 2008 gewon­nen. Lei­der weiß ich nicht mehr, wor­um ich gewet­tet habe.
Was ganz ande­res, aber von der glei­chen Quel­le am glei­chen Tag: Ange­li­na Jolie hält Treue für über­flüs­sig; was dann aller­dings auch irgend­wie wie­der zeigt, was es aus­macht, ein Traum­paar zu sein, näm­lich: das mit den stän­di­gen Treue­schwü­ren nicht zu über­trei­ben. Man ist mit­ein­an­der glück­lich, weil man dar­auf ver­traut, mit­ein­an­der glück­lich zu sein. Wie eben Ver­trau­en eine wich­ti­ge Basis für rei­bungs­freie Koexi­stenz ist, wäh­rend Treue in bei­der­sei­ti­gem Ein­ver­neh­men auch mal aus­ge­setzt wer­den kann, weil das See­li­sche eine Bin­dung schafft, die das Kör­per­li­che nicht zu erhal­ten ver­mag.
(Was ja dann auch irgend­wie den Reiz aus­macht. Also den des See­li­schen, ver­steht sich.)

Drau­ßen schneit es die­ser Tage wie­der täg­lich. Juhu, womög­lich gibt es doch mal wie­der eine „wei­ße Weih­nacht“. Und dann sit­zen die, die ihren Kin­dern immer was von einer „wei­ßen Weih­nacht“ vor­schwär­men, im gut geheiz­ten Wohn­zim­mer und sagen sich: „Gott sei Dank (an sol­chen Tagen sind man­che Leu­te erstaun­lich gläu­big) sit­zen wir jetzt hier im War­men und müs­sen nicht die­ses eklig kal­te Wet­ter drau­ßen ertra­gen. Über­all sind die Stra­ßen ver­stopft, jeder zwei­te Zug fällt aus, Unfäl­le häu­fen sich wegen der Glät­te, und außer­dem erhöht die Käl­te unnö­tig unse­re Heiz­ko­sten. Hof­fent­lich wird es bald wie­der wär­mer.“

Und ich glau­be nicht mal, dass das eine all­zu über­trie­be­ne Dar­stel­lung ist.

(Nach­trag vom 24. Dezem­ber 2009 und apro­pos Wer­bung noch mal: „Beob­ach­te dei­ne Nach­ba­rin jetzt live im Inter­net“ – nein, das möch­te ich ganz sicher nicht!)

Nerdkrams
vis, Vim, vi

Mein Vim mit deaktivierten überflüssigen Leisten beim Schreiben dieses Textes.Da ich in den letz­ten Tagen schon Kom­mi­li­to­nen, Online­fo­ren und das IRC damit belä­stigt habe, ist es nur kon­se­quent, dass ich mich auch hier wie­der ein­mal mit einem The­ma befas­se, das eher mei­ne com­pu­ter­af­fi­nen Leser inter­es­sie­ren dürf­te und das alle ande­ren Besu­cher wahr­schein­lich Augen rol­lend über­le­sen wer­den:

Vim ist der beste Viel­zwecke­di­tor die­ses Pla­ne­ten.

Ursprüng­lich als ein quell­of­fe­ner Nach­bau des inzwi­schen über 30 Jah­re alten UNIX-Pro­gramms vi (kurz für visual) pro­gram­miert, hat sich Vim inzwi­schen dank des ein­ge­bau­ten Skript­in­ter­pre­ters zu einem der fle­xi­bel­sten und mäch­tig­sten platt­form­un­ab­hän­gi­gen Text­edi­to­ren gemau­sert, des­sen Tasten­kür­zel längst auch in ande­ren Pro­gram­men genutzt wer­den und, ein­mal aus­wen­dig gelernt, die eige­ne Pro­duk­ti­vi­tät um ein Viel­fa­ches erhö­hen kön­nen. Ein­mal Vim, nie wie­der etwas ande­res. Häu­fig benutz­te Tasten­fol­gen kön­nen sogar als Makro gespei­chert wer­den, so dass auch kom­ple­xe Text­än­de­run­gen durch das Drücken weni­ger Tasten immer wie­der wie­der­holt wer­den kön­nen.

Die­ser Bei­trag soll dem Zweck die­nen, inter­es­sier­ten Lesern einen kur­zen Über­blick über Vim unter Win­dows (erbit­te Ver­zei­hung für die­se Ein­schrän­kung) zu ver­mit­teln und zu zei­gen, dass Bedien­kon­zep­te aus einer Zeit, in der Tasta­tu­ren noch ganz anders aus­sa­hen und Betriebs­sy­ste­me nicht sel­ten UNIX hie­ßen, nicht auto­ma­tisch Schnee von gestern sein müs­sen, son­dern auch heu­te noch vie­le Vor­tei­le bie­ten.

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PolitikIn den Nachrichten
Boris Becker ist nei­disch.

Ent­ge­gen mei­nen Gewohn­hei­ten dann doch noch ein Bei­trag, weil ich gera­de die Muße hat­te, mich durch die Nach­rich­ten des Wochen­en­des zu wüh­len.

Amü­sant zunächst:
Boris Becker benei­det Tiger Woods um die erfolg­rei­che Füh­rung diver­ser Affä­ren:

Er sei erstaunt über die Anzahl der außer­ehe­li­chen Affä­ren Woods, über die berich­tet wer­de. „Ich war über­rascht über die Dimen­si­on, die Häu­fig­keit. Was er da, rein logi­stisch, alles ver­tu­schen muss! Wie hat er denn das alles orga­ni­siert? Der muss ja dau­ernd das Tele­fon wech­seln und die Spu­ren ver­wi­schen“, sag­te Becker in der Talk­show.

Ja, das wüss­te er wohl gern, der Herr Becker. :)

Apro­pos lustig: Der Welt­kli­ma­gip­fel ist been­det. Und was da für span­nen­de Ergeb­nis­se her­aus­ka­men!

Der Mini­mal­kon­sens des Welt­kli­ma­gip­fels lau­tet: Die Ver­tre­ter der teil­neh­men­den Län­der neh­men die Abschluss­ver­ein­ba­rung „zur Kennt­nis“. Damit steht es jedem Land frei, die ver­ein­bar­ten Zie­le kon­kret umzu­set­zen oder nicht.

Heu­re­ka­men! Die­ses Ergeb­nis also ist „ein erster Schritt hin zu einer neu­en Welt­kli­ma­ord­nung“.
Na, auf die Ord­nung bin ich mal gespannt.


(Kann ich nur unter­schrei­ben: Bit­te fest drücken. Ach.)

MusikFotografieNerdkramsPersönliches
Real­sa­ti­re in Han­no­ver

Vogelspuren im Schnee
Vogelspuren im Schnee
Hier war gestern, was immer­hin min­de­stens eine wei­te­re Per­son bemerkt hat, statt der gewohn­ten unpro­fes­sio­nell wir­ken­den Text­wü­ste nur eine schlich­te Text­sei­te zu sehen, die in schwar­zer Schrift einen War­tungs­mo­dus impli­zier­te.

Was war kaputt?

Nun, ich war wie­der ein­mal eif­rig dabei, die­ser Inter­net­prä­senz einen aktua­li­sier­ten Word­Press-Unter­bau zu ver­pas­sen, als ein übler Feh­ler auf­trat, indem die Aktua­li­sie­rung der Daten­bank die­ses Systems, manch­mal immer­hin mit irre füh­ren­der Feh­ler­mel­dung, schlicht fehl­schlug. Eine Anfra­ge im deutsch­spra­chi­gen Hil­fe­fo­rum brach­te mich der Lösung des Pro­blems lei­der nicht näher, so dass ich als Not­fall­lö­sung erst ein­mal eine kur­ze Infor­ma­ti­on hin­ter­ließ und mich zu mei­ner sonn­abend­li­chen Unter­neh­mung auf­mach­te, die aus einem Besuch auf dem Han­nö­ver­schen Weih­nachts­markt (will sagen: gemein­schaft­li­chem Warm­ge­trän­ke­kon­sum mit Niveau und einem mög­lichst gries­grä­mi­gen Gesichts­aus­druck wegen der Musik [Last Christ­mas! Argh!] und wegen des Wet­ters und wegen Weih­nach­ten all­ge­mein) bestehen soll­te.

Vor mei­ner Abfahrt hat­te ich mich noch gewun­dert, wie­so auf bahn.de seit kur­zem „pünkt­lich“ neben man­chen Zug­ver­bin­dun­gen zu lesen ist. Inzwi­schen habe ich es her­aus­ge­fun­den: „Pünkt­lich“ bedeu­tet „die plan­mä­ßi­ge Abfahrts­zeit wird unge­fähr ein­ge­hal­ten“, alles ande­re bedeu­tet auch wirk­lich alles ande­re. Soll­te hier jemals der zustän­di­ge Finanz­hei­ni der Deut­schen Bahn vor­bei­schau­en: Ihr könn­tet eine Men­ge Geld spa­ren, wenn ihr das mit den Fahr­plä­nen ein­fach ganz sein lie­ßet und lie­ber in ein paar zusätz­li­che digi­ta­le Infor­ma­ti­ons­ta­feln inve­stier­tet. Gera­de der­zeit, da tech­ni­sche Schwie­rig­kei­ten auf ver­ei­sten Strecken offen­bar der Regel­fall sind, ist es doch ein ziem­li­cher Unsinn, von „plan­mä­ßi­gen Abfahrts­zei­ten“ zu reden, die sich dann, je nach wei­te­rem Strecken­zu­stand, immer wie­der ändern. Immer­hin bewei­sen eure Durch­sa­ger trotz ent­fal­le­ner Ruhe­pau­se zwi­schen Hin- und Rück­fahrt noch Humor: „Wenn Sie wol­len, dass die­ser ver­damm­te Zug end­lich wei­ter­fährt, machen Sie bit­te die Türen frei!“. Das hat dann auch funk­tio­niert.

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PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Eher friert die Höl­le zu.

In Kopen­ha­gen fin­det immer noch die UN-Kli­ma­kon­fe­renz statt, und die größ­ten Umwelt­schwei­ne sind wie­der ein­mal die mit den umwer­fend­sten For­de­run­gen. Als hät­te es noch nicht gereicht, dass wir in Euro­pa nun künf­tig alle im Halb­dun­kel sit­zen müs­sen!

Wor­um geht es eigent­lich noch mal in die­ser Kon­fe­renz? Ach ja, rich­tig:

Das Ziel der Kli­ma­rah­men­kon­ven­ti­on besteht dar­in, eine gefähr­li­che Stö­rung des Kli­ma­sy­stems zu ver­hin­dern. Dies kann gemäß dem Umwelt­pro­gramm der Ver­ein­ten Natio­nen nur dann erreicht wer­den, wenn die Erd­er­wär­mung auf 2 Grad begrenzt wird.

Die Erd­er­wär­mung ist wahr­lich ein Pro­blem. Vor lau­ter Hit­ze traut man sich im Moment ja schon gar nicht mehr auf die Stra­ße, man ver­brennt förm­lich; und im Som­mer ist es ja noch schlim­mer, und es kommt uns nur so vor, dass er jedes Jahr kür­zer wird, das kann näm­lich gar nicht sein. (Fast hät­te ich „und so“ ange­fügt.)
So ein Hit­ze­tod ist ja auch kei­ne schö­ne Vor­stel­lung.

Apro­pos schö­ne Vor­stel­lung und apro­pos Kli­ma­kon­fe­renz: In Dub­lin wur­de laut Fefe ein – wie pas­send – Umwelt scho­nen­der Vibra­tor vor­ge­stellt, neu mit zwei­tem Hand­an­trieb sozu­sa­gen. Beson­ders beein­druckend fand ich dies­be­züg­lich, dass sich tat­säch­lich Frau­en dazu bewe­gen las­sen, detail­lier­te Test­be­rich­te (lei­der nur in Text­form) abzu­lie­fern:

I’ve only used it a cou­ple of times, and it’s fan­ta­stic. It’s very inten­se, and some­ti­mes, at the top level, depen­ding on the per­son that’s using it, it can actual­ly be too inten­se some­ti­mes.

Ich gra­tu­lie­re der Dame und wün­sche ihr noch vie­le schö­ne Vibra­tio­nen; dan­ke auch an die auf­merk­sa­men Kli­ma­schüt­zer, die die Über­le­gun­gen, die zu sol­cher­lei führ­ten, über­haupt erst ermög­licht haben! Auf dass kom­men­de Erfin­dun­gen zum Woh­le der Umwelt ähn­lich viel Spaß brin­gen mögen.

Und da wir gera­de bei Por­no­gra­fie Mas­sen­pa­nik waren: In den Nie­der­lan­den geht die auch für Men­schen mit­un­ter töd­li­che Zie­gen­grip­pe um. Vögel und Schwei­ne haben wir ja jetzt offen­bar erfolg­reich über­lebt, und das sogar ohne all­zu viel Ein­satz der teu­ren Impf­stof­fe. Scha­de.

(Ob man die Rest­be­stän­de viel­leicht wei­ter ver­wen­den kann?)


Nach­trag, der aller­dings mit Kli­ma und Grip­pe nichts zu tun hat:
Der Ori­gi­nal­schrift­zug „Arbeit macht frei“ wur­de gestoh­len, und die Prä­si­den­ten irgend­wel­cher Gedenk­stät­ten wit­tern schon wie­der irgend­wel­che Anfän­ge, derer man sich gefäl­ligst erweh­ren soll­te. Auf die Idee, dass Neo­na­zis – per defi­ni­tio­nem – wohl eher nie­mals ein KZ beschä­di­gen wür­den und dass die­ser Ver­dacht eher unwahr­schein­lich und wie ein all­zu leicht­fer­ti­ger Ver­such, einen Schul­di­gen nicht erst ermit­teln zu müs­sen, erscheint, kommt mal wie­der kei­ner. (Außer mir, ver­steht sich.)

Fotografie
Nied­li­ches statt Schnee

Plötz­lich ein­set­zen­de Mil­de über­kam die Stadt. Selbst an Käl­te gewöhn­te Was­ser­vö­gel wer­den zur opti­schen Beto­nung die­ses Umstan­des beklei­det und in Schau­fen­ster gestellt, in den Augen iro­nie­ver­stän­di­ger Men­schen nicht nur der Außen­tem­pe­ra­tur, son­dern auch der emo­tio­na­len Käl­te zur Weih­nachts­zeit Rech­nung tra­gend.

Winterpinguin

Jüngst ent­deckt: Eine am Weges­rand wie fest­ge­fro­ren sit­zen­de Tau­be, sicht­lich ver­un­si­chert.
Jetzt fehlt nur noch Schnee zum Glück.

PersönlichesNetzfundstücke
Alte Zöp­fe

Die Digi­ta­li­sie­rung der Welt hat bekann­ter­ma­ßen Aus­wir­kun­gen auf die Art, wie wir mit Infor­ma­tio­nen umge­hen, auch dar­auf, wie wir sie ver­ar­bei­ten. Manch­mal, wenn man in der Flut an digi­tal kopier­ten und so für eine eigent­li­che Ewig­keit kon­ser­vier­ten Infor­ma­tio­nen zu ertrin­ken droht, scheint es ein­la­dend, eine oft nicht grund­los getrof­fe­ne Prio­ri­tät man­cher Infor­ma­tio­nen zugun­sten einer jeden­falls tem­po­rä­ren Ord­nung oder des­sen, was man dafür hält, zu ver­wer­fen und den Lösch­knopf zu betä­ti­gen. „Alte Zöp­fe“, die man abschnei­den „müs­se“, sei­en die ent­fern­ten Tex­te, behaup­tet man dann manch­mal, um sein eige­nes Gewis­sen zu beru­hi­gen, dem es natür­lich auch nicht immer recht ist, wenn sein Besit­zer Relik­te von Per­so­nen, deren blo­ße Exi­stenz oft­mals das eige­ne Leben posi­tiv zu beein­flus­sen wuss­te, als „alte Zöp­fe“ bezeich­net.

Und wie beim Coif­feur ist auch das Abschnei­den von Tex­ten aus Momen­ten des Glücks – „I’ve had the time of my life“ – meist end­gül­tig. Lässt man sich, von Emo­tio­nen getrie­ben, dazu bewe­gen, sich von den ver­blie­be­nen Zeug­nis­sen sol­cher Momen­te zu tren­nen, schaut man hin­ter­her weh­mu­tig auf den Boden um sich her­um, auf dem nun­mehr die Säu­be­rungs­rou­ti­ne statt­fin­det, und denkt wie­der an die alten Zei­ten, die man nun eigent­lich hin­ter sich las­sen woll­te, um neu anzu­fan­gen.

Sind die alten Zöp­fe ab, merkt man erst, wie viel ange­neh­mer es war, sie ab und zu noch mal anzu­schau­en und sich wie­der in die alten Zei­ten zurück­zu­ver­set­zen.
Die logi­sche Kon­se­quenz: Man lässt sich neue Zöp­fe wach­sen.


Übri­gens end­lich mal eine sinn­vol­le und fun­dier­te Stu­die: Apple-Kun­den lei­den an einer psy­chi­schen Stö­rung.

PersönlichesNetzfundstücke
„Und sonst so?“

(… und dann fra­gen mich die Leu­te, „tux“, fra­gen sie mich, mei­nen schreck­li­chen Vor­na­men durch einen für Außen­ste­hen­de immer­hin unver­ständ­li­chen bis nied­li­chen Spitz­na­men eige­ner Wahl erset­zend, „was genau machst du eigent­lich den gan­zen Tag?“ – „Nun“, wor­te ich dann ant, „wenn ich nicht gera­de Tuto­ri­en für absur­de The­men for­mu­lie­re oder son­sti­gen Unsinn ins Inter­net schrei­be, sit­ze ich meist in einer Ecke, ärge­re mich über Wör­ter wie ‚Außen­ste­hen­de‘ und ’nied­lich‘ und zäh­le auf dem Kalen­der die Tage zwi­schen den wirk­lich auf­re­gen­den Erleb­nis­sen des Lebens, die sich meist Mona­te im Vor­aus ankün­di­gen und dann, wenn sie sich der Gegen­wart nähern oder die­se sich ihnen, dann kom­men­tar­los aus selt­sa­men Grün­den ver­puf­fen, nicht mehr da sind, und kei­ner weiß dann letzt­end­lich so genau, wie­so. Die Tage mit Träu­men zu ver­brin­gen und nachts unru­hig zu schla­fen in Erin­ne­rung an und im Aus­blick auf schö­ne Zei­ten, weil die Zeit ‚dazwi­schen‘ ja dann doch immer län­ger wird und man sich auch bewusst in Träu­me flüch­tet, weil man sich dort, eine ent­spre­chen­de Erzie­hung vor­aus­ge­setzt, mehr traut, weil die Chan­ce, im Traum einen Korb zu bekom­men, erfah­rungs­ge­mäß eben doch eine eher gerin­ge ist, eben­so wie die, im Traum ver­las­sen zu wer­den; weil sich die Träu­me das Unter­be­wusst­sein zusam­men­strickt und das Unter­be­wusst­sein dafür bekannt ist, neben einem oft zu guten Erin­ne­rungs­ver­mö­gen auch einen unge­sun­den Opti­mis­mus vor­zu­wei­sen, der einem dann nach dem Auf­ste­hen doch wie­der nur trü­be Gedan­ken berei­tet, und eigent­lich wäre es dem­nach schlau, den gan­zen Tag träu­mend zu ver­brin­gen, aber … wie war noch mal die Fra­ge?“ -
„Schon gut“, sagen die Leu­te dann, ver­dre­hen die Augen und tau­schen viel sagen­de Blicke aus, und ich ver­ste­he selbst nicht, wie­so ich mich immer wie­der als einen eso­te­ri­schen Lang­wei­ler dar­stel­le und die Hälf­te mei­nes Lebens­wan­dels grob unter­schla­ge; und dann aber irgend­wie doch.)

Auf selt­sa­men Fund­stücken basie­ren­de Emp­fin­dung des Tages: „Hel­lo Kit­ty“ ist so was von wider­lich nied­lich (da isses wie­der), dass es bei­na­he psy­cho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung genannt wer­den kann und gegen die Grund­re­geln mensch­li­chen Zusam­men­le­bens ver­stößt, der­lei Pro­duk­te zu ver­wen­den.

Hello City

Musik
Medi­en­kri­tik XIX: Bei RTL singt man inter­na­tio­nal.

Dass wir täg­lich von dem um sich grei­fen­den Angli­sie­rungs­wahn umge­ben sind, ist ja schon bei­na­he kei­ner Erwäh­nung mehr wert.
Manch­mal aller­dings fasst man sich dann doch an den Kopf.

Kürz­lich wur­de ich mit dem kaput­ten Sen­der RTL kon­fron­tiert, der der­zeit nicht mal ein brauch­ba­res Pro­gramm vor­zu­wei­sen hat, das irgend­je­man­den zum Ein­schal­ten bewe­gen soll­te, und es lief aus­ge­rech­net ein Eigen­wer­be­block. In die­sem wur­de wie­der­um dies ange­kün­digt:

Die erfolg­reich­sten Rock-/Pop-Christm­assongs aller Zei­ten soll­ten in Bäl­de auf­ge­führt wer­den.
Ist das nicht grau­sig?

Gehen wir’s mal durch:

„Die erfolg­reich­sten“
Wor­an wird der Erfolg genau gemes­sen? An der Beliebt­heit in der Zuhö­rer­schaft sicher nicht; „Last Christ­mas“ (aus Rück­sicht auf die Ner­ven mei­ner Leser nicht mit einem Hyper­link ver­se­hen) mag bekannt sein, aber nie­mand, der bereits eine voll­stän­di­ge Weih­nachts­zeit mit Musik­un­ter­ma­lung hin­ter sich gebracht hat, legt Wert dar­auf, die­se Gru­sel­mu­sik mit dem Attri­but „erfolg­reich“ zu ver­se­hen. Hof­fe ich jeden­falls.

„Rock-/Pop“
… und dazwi­schen gibt es nichts? „Rock/Pop“ ist die wenig­stens halb­wegs infor­miert klin­gen­de Aus­drucks­wei­se für „halt so Musik“. Alles, was nicht Rock ist, ist Pop; dies scheint die gesell­schaft­lich akzep­tier­te Les­art musi­ka­li­scher Gen­res zu sein.
Bedeu­tet das, dass Rock kei­ne popu­lar music ist? Schön wäre es ja, dann könn­ten sich eini­ge Rock­bands end­lich von dem Ver­such abwen­den, sich anzu­bie­dern, und wie­der gute Musik fabri­zie­ren. In dem Phra­sen­un­ge­tüm, das wir hier vor uns haben, ist „Rock/Pop“ jeden­falls besten­falls über­flüs­sig.

„Christ­mas“
Man mag ja von eng­li­schen Lehn­wör­tern hal­ten, was man will; „Christ­mas“ ist kei­nes. (Jeden­falls nicht nach der mir bekann­ten Defi­ni­ti­on von Lehn­wör­tern, die da besagt: Wenn ein fremd­spra­chi­ges Wort die deut­sche Gram­ma­tik bekommt, ist es ein Lehn­wort. Wie dekli­niert man „Christ­mas“?)
Nein: Hier wur­de ein eng­li­sches Wort mit­ten in den Term geklebt. Weil es eben „coo­ler“ klingt als „Weih­nachts-“, neh­me ich an. „Eek!“, wie der US-Ame­ri­ka­ner zu sagen pflegt.

„-songs“
Hier gilt eigent­lich noch immer der vori­ge Absatz, aber auch inhalt­lich möch­te ich noch eine Ergän­zung anbrin­gen: Dass in Weih­nachts­lie­dern lei­der meist Gesang im Spiel ist, ist eigent­lich nichts, was man sepa­rat durch die Wort­wahl beto­nen müss­te. Und „Ich sin­ge einen Song“ ist doch nun wahr­lich ein höchst alber­ner Satz.

„aller Zei­ten“
Zum Abschluss dann doch noch mal eine ver­meint­lich deut­sche Phra­se, ent­lehnt aus dem eng­li­schen „of all times“ und dort genau so falsch.
Wären es tat­säch­lich „die erfolg­reich­sten … aller Zei­ten“, so könn­te man also guten Gewis­sens davon aus­ge­hen, dass kein zukünf­ti­ges Musik­stück mehr einen grö­ße­ren Erfolg zu ver­bu­chen ver­mag. (Aber ich kann mich des Ein­drucks nicht erweh­ren, dass die Rang­li­ste tat­säch­lich recht unver­än­der­lich ist. Ich hal­te mich vor allem zur Weih­nachts­zeit grund­sätz­lich best­mög­lich von allen Ver­an­stal­tun­gen fern, die Radio­mu­sik spie­len könn­ten, aber ich neh­me an, wenn ich in die­sem Jahr anders vor­ge­he, wer­de ich wie­der mit „Last Christ­mas“, „White Christ­mas“ und „Jing­le Bells“ gequält. Die deutsch­spra­chi­ge Musik­welt hat der­glei­chen nur wenig vor­zu­wei­sen, und ich kann es gar nicht groß genug schrei­ben, um mei­nem erleich­ter­ten Schrei aus­rei­chend schrift­li­chen Aus­druck zu ver­lei­hen: Zum Glück!)

I’m dre­a­ming of a wild busi­ness.
– EAV: Ihr Kin­der­lein kom­met (ver­dammt noch ein­mal)


Lese­tipp, bis mir wie­der was bes­se­res ein­fällt:
Der Super­markt als Spie­gel­bild der Ich-Gesell­schaft.