Nerdkrams
iMacros: Fire­fox auto­ma­ti­sie­ren

Manch­mal gibt es beim täg­li­chen Inter­net­gucken mit Fire­fox Situa­tio­nen, die sich immer wie­der wie­der­ho­len, etwa der täg­li­che Besuch der Lieb­lings-Nach­rich­ten­sei­ten.

Eine ein­fa­che Lösung hier­für ist es, die Arbeit kom­plett dem Sit­zungs­ma­na­ger zu über­las­sen, die jewei­li­gen Sei­ten also gar nicht erst zu schlie­ßen. Alter­na­tiv könn­te man, wie ich es selbst bis vor kur­zem tat, Erwei­te­run­gen wie Mor­ning Cof­fee ver­wen­den, aber sie las­sen es meist an Über­sicht­lich­keit und Fle­xi­bi­li­tät man­geln. Mor­ning Cof­fee litt außer­dem bis Febru­ar unter Ver­nach­läs­si­gung sei­tens des Ent­wick­lers, in aktu­el­len Ver­sio­nen von Fire­fox war die Erwei­te­rung nur noch sehr ein­ge­schränkt nutz­bar.

Eine mög­li­che Alter­na­ti­ve ist iMacros.

Wie es der Name schon andeu­tet, rüstet iMacros Makro­funk­tio­na­li­tät im Brow­ser nach, es las­sen sich also belie­bi­ge Aktio­nen auf­zeich­nen und jeder­zeit wie­der­ho­len. Hier­für kann man zum Einen den „Aufzeichnen“-Knopf in der iMacros-Sei­ten­lei­ste ver­wen­den, zum Ande­ren steht dem Anwen­der eine mäch­ti­ge Skript­spra­che zur Ver­fü­gung, die den­noch leicht zu ver­ste­hen ist.

Neh­men wir an, wir wür­den iMacros gern nut­zen, um per ein­fa­chem Klick welt.de, spiegel.de und zeit.de auf­ru­fen zu kön­nen. Das ist nicht all­zu schwie­rig:

Nach der Instal­la­ti­on der Erwei­te­rung und dem obli­ga­to­ri­schen Brow­ser­neu­start ist zunächst die iMacros-Sei­ten­lei­ste zu öff­nen, die über das iMacros-Sym­bol erreich­bar ist, das sich nor­ma­ler­wei­se bereits in der Sym­bol­lei­ste ein­ge­ni­stet hat, aber auch nach­träg­lich dort ein­ge­fügt wer­den kann (Rechts­klick – „Anpas­sen…“):

Die Liste an Bei­spiel­ma­kros kann gern igno­riert oder gelöscht wer­den, sie ist für unser Tun nicht von Belang. Nun näm­lich ist unter „Rec“ auf „Auf­neh­men“ zu klicken. Jeder wei­te­re Schritt ist Teil des Makros. Nun ein­fach die gewünsch­ten Schrit­te aus­füh­ren, anschlie­ßend auf „Stop“ klicken und das Ergeb­nis unter einem belie­bi­gen Namen, etwa „MORNING COFFEE“, spei­chern. (Alle Makros wer­den als Datei­en gesi­chert, sie las­sen sich also spä­ter auch auf ande­re Gerä­te por­tie­ren.) Per Rechts­klick auf das neue Makro und Aus­wahl von „Add to book­mark“ – ja, iMacros ist mit­un­ter etwas unvoll­stän­dig über­setzt – kann das neue Makro auch in die Lese­zei­chen­lei­ste gelegt wer­den, auf Wunsch gar mit sei­nem kom­plet­ten Code, was etwa auf por­ta­blen Daten­trä­gern sicher sehr vor­teil­haft ist.

Für mei­ne eher an grau­er Theo­rie inter­es­sier­ten wie auch mei­ne pro­gram­mier­be­gei­ster­ten Leser ist der Code so eines Makros viel­leicht inter­es­san­ter als die Mög­lich­keit, es zu benut­zen, selbst. Der funk­ti­ons­fä­hi­ge Code für ein Makro, das die im Bei­spiel gewünsch­ten Schrit­te durch­führt, sieht etwa so aus; ich habe zum bes­se­ren Ver­ständ­nis Kom­men­ta­re ein­ge­fügt:

' Öffne neuen Tab
TAB OPEN
' Wähle diesen Tab als aktiven Tab aus
TAB T=1
' Wechsle im aktiven Tab zu SPIEGEL Online
URL GOTO=http://www.spiegel.de

' Mach das noch zweimal:
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Tab­num­mern sind in iMacros, wie man sieht, immer rela­tiv. Lässt man etwa das erste TAB OPEN weg, so wird im gera­de akti­ven Tab spiegel.de auf­ge­ru­fen, egal, an wel­cher Stel­le die­ser steht. Dies ist sel­ten gewünscht.

Viel­leicht fällt bei der Befol­gung obi­ger Schrit­te auf, dass iMacros stan­dard­mä­ßig eine Minu­te war­tet, bis die jewei­li­ge Sei­te fer­tig gela­den ist. Bei Sei­ten­aus­fäl­len endet das Makro, wenn die Sei­te nach 60 Sekun­den nicht gela­den wur­de, vor­zei­tig. Um das zu ver­hin­dern, kann man das Makro etwas feh­ler­re­si­sten­ter machen, indem man die War­te­zeit auf zum Bei­spiel 10 Sekun­den her­ab­setzt und den Abbruch bei Lade­feh­lern unter­bin­det. Der voll­stän­di­ge Code sieht dann so aus:

SET !TIMEOUT_PAGE 10
SET !ERRORIGNORE YES
TAB OPEN
TAB T=1
URL GOTO=http://www.spiegel.de
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Die bei­den SET-Anwei­sun­gen gel­ten übri­gens so lan­ge, bis man sie wie­der zurück­nimmt. Dies ist an jeder Stel­le im Makro mög­lich.

Mit iMacros ist vie­les mehr umsetz­bar, vom Aus­fül­len eines For­mu­lars bis hin zu kom­ple­xen Web­sei­ten­tests. Natür­lich hat der Funk­ti­ons­um­fang auch sei­nen Preis, denn so ein­fach wie etwa das ein­gangs erwähn­te „Mor­ning Cof­fee“ ist iMacros nicht immer zu bedie­nen. Die gebo­te­ne Fle­xi­bi­li­tät aber ist eben­so wie die Mäch­tig­keit der Erwei­te­rung ein Argu­ment, iMacros zumin­dest ein­mal aus­zu­pro­bie­ren.

iMacros gibt es übri­gens auch für den Inter­net Explo­rer. Aber lohnt sich das?

Sonstiges
Gala­xy Net­work

Lie­be Leser,

heu­te wen­de ich mich mit einem etwas unge­wöhn­li­chen Sujet an euch, näm­lich mit einem Online­spiel, genau­er: mit einem Brow­ser­spiel. Brow­ser­spie­le kenn­ta, kenn­ta, ihr öff­net den Web­brow­ser eurer Wahl und gebt auf einer Web­sei­te irgend­wel­che Zah­len ein, damit irgend­wel­che ande­ren Zah­len stei­gen; unge­fähr so auf­re­gend wie Mine­craft, aber mit mensch­li­chen Geg­nern.

Das Spiel, um das es mir hier geht, heißt Gala­xy Net­work.

Wie der Name schon andeu­tet, han­delt Gala­xy Net­work von Kämp­fen im Welt­all. Die Geschich­te, die dahin­ter steht, ist der von Spie­len wie Pla­ne­ta­ri­on und OGa­me nicht unähn­lich: Der Spie­ler besitzt zu Beginn einen fast kah­len Pla­ne­ten und ein paar – wie vie­le, weiß nie­mand – Bür­ger, die für ihn Gebäu­de bau­en und Tech­no­lo­gien erfor­schen. Die­se Gebäu­de und Tech­no­lo­gien kann der Spie­ler fort­an nut­zen, um mit gro­ßen, bewaff­ne­ten Raum­schif­fen durch die Gegend zu flie­gen und ande­ren Pla­ne­ten (lies: Spie­lern), ver­ein­facht gesagt, Res­sour­cen im Form von so genann­ten „Extrak­to­ren“ zu klau­en. Sie­ger ist, wer nach etwa hun­dert Tagen sei­ne Geg­ner am aller­fie­se­sten zusam­men­ge­bal­lert hat. Sadi­sten dür­fen sich wäh­rend der Kampf­hand­lun­gen gern vor­stel­len, wie die Geg­ner tot aus ihren Raum­schif­fen fal­len. Wie vie­le Per­so­nen an Bord eines Raum­schif­fes sind, erklärt das Hand­buch zu ihrem Glück en detail. Gala­xy Net­work ist also so eine Art Afgha­ni­stan­ein­satz in groß, oder, wie es ein ande­rer Spie­ler aus­drück­te:

„Flot­te aus­bau­en, den näch­sten Geg­ner aus dem Uni­ver­sum fegen und die Run­de gewin­nen.“

Nach der Anmel­dung beginnt aber erst ein­mal die For­schungs­pha­se, in der man 20 Gebäu­de bau­en und 30 Tech­no­lo­gien erfor­schen kann, um die Wirt­schaft auf sei­nem Pla­ne­ten in Gang zu brin­gen, Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen und Raum­schif­fe sowie Ver­tei­di­gungs­an­la­gen bau­en zu kön­nen. Letz­te­re müs­sen eben­falls erforscht wer­den, hier ste­hen ins­ge­samt 9 Schiffs­ty­pen sowie 5 Ein­hei­ten zur orbi­ta­len Ver­tei­di­gung zur Wahl. Eine Beson­der­heit hier­bei ist, dass man ein Gebäu­de nur ein­mal baut und dar­über hin­aus nicht wei­ter auf­rü­sten kann oder muss, zusätz­lich gibt es im Tech­no­lo­gie­baum zwei Gabe­lun­gen, an denen der Spie­ler sich für eine offen­si­ve oder defen­si­ve Spiel­wei­se ent­schei­den muss.

Man ist auch nicht auf sich allein gestellt beim Kampf „alle gegen alle“, denn man orga­ni­siert sich in Alli­an­zen, Gala­xien und Bünd­nis­krei­sen. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on in Gala­xy Net­work erfolgt zu einem nen­nens­wer­ten Teil im IRC, also im chat, und kann auch schon mal zu schlaf­lo­sen Näch­ten vol­ler geist­rei­cher, wahl­wei­se auch schlicht­weg beklopp­ter Dis­kus­sio­nen füh­ren. Der sozia­le Aspekt, den aus­ge­rech­net ein Brow­ser­spiel also för­dert, zieht mit­un­ter wei­te Krei­se: Man mun­kelt, durch die­ses Spiel sei schon so man­che Ehe ent­stan­den und/oder zer­bro­chen. Zumin­dest aber eig­net es sich dazu, lang­jäh­ri­ge Freund­schaf­ten zu knüp­fen oder auch ein­fach mal abzu­schal­ten.

Die For­schungs­pha­se dau­ert etwa sie­ben bis zehn Tage, bis die ersten Flot­ten­be­we­gun­gen mög­lich sind. Ab die­sem Zeit­punkt tritt der Team­fak­tor des Spiels in den Vor­der­grund, indem man mit sei­nen Mit­spie­lern zusam­men Geg­ner attackiert, deren Angrif­fe abwehrt oder mit ihnen Han­del treibt. Über­haupt steht bei Gala­xy Net­work, anders als etwa bei OGa­me, die com­mu­ni­ty ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­li­ste. Spielt man als Solist, so wird man schnell mer­ken, dass man blo­ßes Kano­nen­fut­ter ist, wenn man nicht geschickt sei­ne Ver­tei­di­gung auf­rü­stet.

Zwar ist das aus­ge­reif­te Kampf­sy­stem, von Anfang an eine der her­aus­ra­gen­den Stär­ken des Spiels, auf den ersten Blick ziem­lich unüber­sicht­lich, aber je län­ger man spielt, desto bes­ser ver­steht man, wel­che Schiffs­ty­pen für wel­chen Zweck am besten geeig­net sind. Unnö­tig ist es da zu erwäh­nen, dass es mitt­ler­wei­le elek­tro­ni­sche Hilfs­mit­tel gibt, die die von eini­gen – meist neu­en – Spie­lern als lästig emp­fun­de­ne Rech­ne­rei qua­si über­flüs­sig machen.

Die erste Run­de von Gala­xy Net­work begann im Jahr 2001, eini­ge der etwa 2.000 Spie­ler sind also schon seit fast zehn Jah­ren dabei. Obwohl die bei­den Grün­der, „Hiob“ und „evuel“, das Spiel vor sechs Jah­ren an die Spie­le­klit­sche Big­point ver­scher­belt haben, ist der Com­mu­ni­ty­ge­dan­ke doch unver­än­dert aktiv. Gala­xy Net­work ist das, was sei­ne Spie­ler sind. Es geht längst nicht mehr dar­um, die Näch­te vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, um irgend­wel­che Zah­len in einer Daten­bank zu ver­grö­ßern, es geht dar­um, gemein­sam etwas zu bewe­gen.

Wer wür­de da zögern?

PolitikNetzfundstückeKaufbefehle
Der Gott aus der Maschi­ne

Es gehört zum Wesen neu­er Bahn bre­chen­der Erfin­dun­gen, erst ver­lacht, dann von den Ver­tre­tern eta­blier­ter Tech­ni­ken für grund­bö­se Hexe­rei erklärt zu wer­den und schließ­lich, oft erst Jahr­zehn­te spä­ter, auch die­se Skep­ti­ker zu über­zeu­gen.

In wel­chem die­ser Zustän­de sich gegen­wär­tig das Inter­net befin­det, ist unklar. Die Mei­nun­gen schwan­ken zwar, aber auch die­je­ni­gen, die nicht auf der Sei­te der Geg­ner ste­hen, wis­sen: Das Inter­net ist böse. Es tum­meln sich dort Groß­kon­zer­ne neben Casi­no­be­trü­gern, deren gemein­sa­mes Ziel das schnel­le Geld ist, Rück­sicht gibt’s nicht vor Laden­schluss. Die Mög­lich­keit, dass sich jeder frei äußert, lie­fert Zünd­stoff für Bür­ger­krie­ge. Platt­for­men wie Wiki­leaks gefähr­den das Bestehen der west­li­chen Welt. Nicht zu ver­ges­sen sind all die Kin­der­schän­der, Raub­mord­ko­pie­rer und Ter­ro­ri­sten. Hab ich schon Kin­der­schän­der gesagt? Eins immer­hin wis­sen wir: Osa­ma bin Laden war nicht im Inter­net.

Die­se schon oft gehör­te Auf­zäh­lung ist natür­lich ziem­lich ein­sei­tig und somit frag­wür­dig. Auf der ande­ren Sei­te aber, dort, wo die neti­zens woh­nen, sieht es auch nicht bes­ser aus:

Die Zukunft läge in der Ver­net­zung, sagen sie, und es wäre gleich­sam ein revo­lu­tio­nä­rer Akt, zu twit­tern und zu goo­geln und zu flät­tern und zu face­boo­ken, hin­weg über alle Gren­zen und an der unge­lieb­ten Regie­rung vor­bei. „Wir gegen die“, die da drau­ßen und wir hier drin oder auch anders­her­um. Wir haben alle Infor­ma­tio­nen in unse­ren Hän­den, off­line war gestern, heu­te ist das neue über­mor­gen. Da muss man halt auch schon mal ein paar Kom­pro­mis­se ein­ge­hen, aber es wird ja nie­mand gezwun­gen, sich Freun­de zu suchen, die Unter­neh­men, deren Geschäfts­grund­la­ge der Ver­kauf von Daten ist, nur all­zu gern Aus­kunft über die eige­ne Per­son geben. Kol­la­te­ral­schä­den im Ver­gleich zu all den neu­en Mög­lich­kei­ten. Wir sind das Inter­net ist wir sind die Digi­ta­le Gesell­schaft sind die ande­ren. Irgend­wer nann­te das mal Infor­ma­ti­ons­krieg. Blö­der­wei­se bin ich Pazi­fist.

Machi­ne, machi­ne mes­siah;
the mind­less search for a hig­her con­trol­ler…“

– Yes: Machi­ne Mes­siah

Eins aber möch­te ich dann doch noch los­wer­den, bevor die Jahr­zehn­te vor­über sind:
Ein Staat, der stän­dig die Kon­fron­ta­ti­on den Dia­log mit der „digi­ta­len Eli­te“ zu suchen vor­gibt, des­sen Regie­rung pod­ca­stet und twit­tert, was das Zeug hält, und der somit das Inter­net beginnt als Mit­tel zur Selbst­ver­mark­tung zu ent­decken, mag sich noch so pro­gres­siv vor­kom­men; so lan­ge aber eine E‑Mail nicht für rechts­kräf­ti­ge Doku­men­te taugt, ist die Schaum­schlä­ge­rei ver­ta­ne Zeit.

PolitikIn den Nachrichten
End­lich Mord!

Apro­pos Zivi­li­sa­ti­on:

Es ist schon selt­sam, wie man sich doch in Men­schen täu­schen kann. Eigent­lich war ich bis­lang nicht von der Mei­nung abzu­brin­gen, mein sorg­fäl­tig aus­ge­wähl­ter Bekann­ten­kreis bestehe aus­schließ­lich aus wenig­stens über­wie­gend zivi­li­sier­ten Phil­an­thro­pen mit ver­ein­zel­tem Hang zum Zynis­mus.

Mit blo­ßem Zynis­mus aber ist es nicht mehr zu erklä­ren, dass zum Bei­spiel der anson­sten in Recht und Unrecht vor­geb­lich bewan­der­te Didi den syste­ma­ti­schen Mord an Sek­ten­füh­rern („Gerech­tig­keit“, Barack Oba­ma, c/o „SPIEGEL Online“) als „Fei­er des Tages“ bezeich­net.

Ande­rer­seits ist er da in „guter“ Gesell­schaft:

Außen­mi­ni­ster Gui­do Wester­wel­le (FDP) hat die Tötung des Al-Kai­da-Chefs Osa­ma bin Laden in Paki­stan begrüßt.

„Hal­lo, Tötung! Wie geht’s?“

„Dass die­sem Ter­ro­ri­sten sein blu­ti­ges Hand­werk gelegt wer­den konn­te, ist eine gute Nach­richt für alle fried­lie­ben­den und frei­heit­lich den­ken­den Men­schen in der Welt“, sag­te Wester­wel­le am Mon­tag in Ber­lin.

Da freu­en sich alle fried­lie­ben­den und frei­heit­lich den­ken­den Men­schen in der Welt aber, dass die Streit­kräf­te der Ver­ei­nig­ten Staa­ten wie­der einen fie­sen Ter­ro­ri­sten gemeu­chelt haben. Aber er hat es ja ver­dient, denn:

Bin Laden sei einer der „bru­tal­sten Ter­ro­ri­sten der Welt“ gewe­sen, der das Leben von meh­re­ren tau­send Men­schen auf dem Gewis­sen habe.

Wir fol­gern: Das kran­ke Welt­bild der „west­li­chen Demo­kra­tie“ besagt, dass es eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf tau­send­fa­chen Mord ist, den­je­ni­gen, der für den Mord ver­ant­wort­lich ist, mit­samt sei­nen Ver­bün­de­ten und not­falls dem gesam­ten zivi­len Volk in des Ver­ant­wort­li­chen Hei­mat­land nie­der­zu­strecken.

Soll ich jetzt kurz zäh­len, wie vie­le tau­send Men­schen auf­grund des Befehls der Her­ren Bush Jr. und Oba­ma bereits ihr Leben las­sen muss­ten? Und was bedeu­tet das eigent­lich im Umkehr­schluss? Nur so als Hypo­the­se, ver­steht sich.

Aber es ist pri­ma, dass Oba­ma Osa­ma bin Laden nun angeb­lich tot ist, denn ich bin davon über­zeugt, dass sich alle bösen Men­schen jetzt ganz dol­le fürch­ten und es nie wie­der Krieg geben wird. Ganz ehr­lich.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XLII: Auge um Auge…

Die Demo­kra­tie zu ver­tei­di­gen ist ein ehren­haf­tes Ansin­nen:

Am Sonn­abend sag­ten Nato-Offi­zie­re, die Alli­anz wer­de kei­ne Gesprä­che füh­ren, bevor die [liby­sche] Regie­rung auf­hört, Zivi­li­sten anzu­grei­fen.

Weil näm­lich:

[D]er liby­sche Dik­ta­tor habe „Waf­fen­ru­he ange­bo­ten, nur um wei­ter­hin grund­le­gen­de Men­schen­rech­te zu ver­let­zen.

Und statt Gesprä­chen machen sie dann halt so was:

Ein Nato-Luft­schlag in Tri­po­lis töte­te den Sohn von Muammar al-Gad­da­fi, sag­te ein liby­scher Regie­rungs­spre­cher.

Saif al-Arab und drei von Gad­da­fis Enkeln sei­en in einer Vil­la auf dem Bab al-Azi­zi­ya-Gelän­de gestor­ben.

Die sind ja auch sel­ber schuld, wenn ihr Opa Men­schen­rech­te ver­letzt! Da sehen sie mal, wie das ist!

Ich bin dann doch aus­nahms­wei­se mal ein biss­chen stolz, dass Deutsch­land sich nicht zu einer kla­ren Ent­schei­dung durch­rin­gen konn­te.

(Über­schrift und Quel­le: Fefe)

Fotografie
Teu­rer Spaß.

In einem spon­ta­nen, gleich­wohl über­ra­schen­den Anflug von Hei­ter­keit gera­de­zu puber­tä­rer Natur dach­te der Vor­über­ge­hen­de:

„Bei den Prei­sen ist es ja kein Wun­der, dass die Zahl der Teen­ager­schwan­ger­schaf­ten eben­so wie die Zahl der Armen kon­ti­nu­ier­lich steigt. Wirk­lich hart trifft die Preis­ge­stal­tung aber vor allem die­je­ni­gen, die trotz klei­ne­rer Maße den vol­len Preis zah­len sol­len.“

Musikkritik
Van der Graaf Gene­ra­tor – A Groun­ding in Num­bers

Jüngst lausch­te ich dem neu­en Werk „A Groun­ding in Num­bers“ der bri­ti­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Legen­de Van der Graaf Gene­ra­tor und sah Poten­zi­al für einen kur­zen Ver­riss mei­ner­seits. Er folgt:

Die Geschich­te Van der Graaf Gene­ra­tors ist bewegt, bedenkt man, dass die Band sich seit ihrem Bestehen mehr­fach auf­ge­löst und umbe­setzt hat und zwi­schen zwei Stu­dio­al­ben („The Quiet Zone/The Plea­su­re Dome“, 1977, und „Pre­sent“, 2005) auch schon mal 28 Jah­re ver­gin­gen. Anders als etwa King Crims­on, deren Geschich­te ähn­lich ver­lief, hat­ten „VdGG“ aber auch mit ver­än­der­ter Instru­men­tie­rung nie ihren Stil als Mar­ken­zei­chen, das leicht düster-thea­tra­li­sche Dra­ma in Musik­form, auf­ge­ge­ben, was wohl auch der Stim­me Peter Ham­mills zu ver­dan­ken ist, dem nicht umsonst unheil­vol­le Bei­na­men wie „King of Fear“, „König der Angst“ also, ange­dich­tet wer­den.

Nun also ist „A Groun­ding in Num­bers“ das neue Album der zum Trio geschrumpf­ten Band (Saxo­pho­nist David Jack­son hat­te bereits nach „Pre­sent“ zum wie­der­hol­ten Mal aus unbe­kann­tem Grund sei­nen Hut genom­men), und es ist ein Kon­zept­al­bum zum The­ma Mathe­ma­tik gewor­den.

Die Tex­te Van der Graaf Gene­ra­tors waren ja schon immer etwas boden­stän­di­ger als die von Gen­re­kol­le­gen wie Yes, sieht man von deren Popaus­fäl­len ein­mal ab, inso­fern ist das eigent­lich noch kei­ne Erwäh­nung wert. Was aber „A Groun­ding in Num­bers“ anzu­hö­ren ist, ist ein bei­na­he schon radi­ka­ler Schnitt in allem, was die Musik der Band einst aus­zeich­ne­te.

Rück­blen­de: Nach dem dro­gen­schwan­ge­ren Psy­che­de­lic-Rock-Debüt „The Aero­sol Grey Machi­ne“ von 1969 wand­ten sich „VdGG“ in neu­er Beset­zung dem Pro­gres­si­ve Rock zu und ver­öf­fent­lich­ten eine Rei­he von legen­dä­ren Alben wie „H to He who Am the Only One“ von 1970, deren mar­kan­te­stes Merk­mal die Instru­men­tie­rung (Orgel/Basspedal, Schlag­zeug, Saxo­phon, sel­ten Gitar­re) ist. Saxo­pho­nist David Jack­son wur­de spä­ter von einem Vio­li­ni­sten ver­tre­ten, wodurch die mit­un­ter Angst ein­flö­ßen­de Stim­me von Peter Ham­mill noch apo­ka­lyp­ti­scher (ist das ein Wort?) wirk­te.

Und jetzt also: „A Groun­ding in Num­bers“, nach „Tri­sec­tor“ das zwei­te Album in Trio­be­set­zung, aber was auf „Tri­sec­tor“ noch wirk­te, näm­lich statt des Saxo­phons Gitar­re und Orgel als Klang bestim­men­de Instru­men­te zu ver­wen­den, schlägt auf „A Groun­ding in Num­bers“ fehl. In einer ande­ren Rezen­si­on las ich, „A Groun­ding in Num­bers“ sei in der „VdGG“-Diskografie so etwas wie „Road Salt One“ in der von Pain of Sal­va­ti­on: Statt in epi­scher Brei­te Geschich­ten zu erzäh­len, kon­zen­triert sich die Band auf kur­ze Lie­der und geht dabei so spär­lich wie mög­lich vor. In gewis­ser Wei­se hat „A Groun­ding in Num­bers“ die Merk­ma­le von Peter-Ham­mill-Solo­al­ben, die auch stets eher zer­brech­lich als bedroh­lich wir­ken.

Über­haupt ist mir nach Ablauf der fast 49 Minu­ten – und immer­hin 13 kur­zen Stücke – nicht so ganz klar, was ich nun von dem Album hal­ten soll. Wäre da nicht das über­ra­gen­de, lei­der nicht reprä­sen­ta­ti­ve „Mr. Sands“, ich hät­te wohl besten­falls die Ach­seln gezuckt. Instru­men­ta­le Ambi­ent­stücke statt extro­ver­tier­ter Dra­ma­tik; habe ich ver­se­hent­lich das fal­sche Album im Spie­ler? Ich schaue noch ein­mal nach: Nein, es stimmt.

Ja, „A Grou­ding in Num­bers“ ist Kunst, ein Musik­al­bum, das sich mit der Mathe­ma­tik befasst; sozu­sa­gen schon Meta­kunst. Ich bin kein Kunst­ken­ner und ich geste­he jeder Kunst zu, dass sie Mei­ster­wer­ke her­vor­brin­gen kann. Kunst­wer­ke, die ich nicht ver­ste­he, lobe ich aller­dings auch nicht ehr­fürch­tig, son­dern ich las­se sie links oder rechts lie­gen und war­te, bis irgend­wer sie weg­räumt. Und genau so geht es mir mit die­sem Album: Ich las­se es nun lie­gen und war­te, bis es ver­staubt.

Viel­leicht wer­de ich es spä­ter noch ein­mal her­vor­kra­men und den „Aha!“-Moment erle­ben, so ähn­lich ging es mir vor eini­ger Zeit ja auch mit King Crims­ons „Lizard“. Man schimp­fe mich einen Banau­sen, aber hier und jetzt ringt es mir nur ein Gäh­nen ab.

NetzfundstückeKaufbefehle
Adre­na­lin.

Da lese ich doch gera­de bei Klop­fer, dass tat­säch­lich eine Spie­le­schmie­de einen Bau­ern­hof­si­mu­la­tor – „mit Schä­fer Hein­rich“ – an den Mann brin­gen will. Absur­de Vor­stel­lung!

Immer­hin sind die Ansprü­che von Com­pu­ter­spie­len in den letz­ten zwei Jahr­zehn­ten sprung­haft gestie­gen, von ver­ein­zel­ten „Hä?“-Ausfällen wie etwa Mine­craft ein­mal ganz abge­se­hen. Es genügt eben als Spiel­ziel nicht mehr, einen Bau­ern­hof zum Sieg zu füh­ren. Man betrach­te nur ein­mal ande­re aktu­el­le Spie­le­ti­tel wie zum Bei­spiel Por­tal 2 oder, äh …

…, ich hab nichts gesagt, ent­schul­digt die Stö­rung.

(Mit spä­tem Dank auch an V.!)

Fotografie
Illu­sio­nen.

Ich mag es, gesam­mel­te Schmie­re­rei­en aus meh­re­ren Jah­ren Schul­öd­nis zu lesen.

Nicht, weil mich Ästhe­tik oder wenig­stens Wort­ge­wand­heit über­zeu­gen wür­den, son­dern, weil Fund­stücke wie die­ses bild­lich Aus­kunft über das Leben des Schrei­ben­den geben:

Der (ver­mut­lich) jun­gen Dame ging vor Ver­liebt­heit ver­se­hent­lich ihr deut­scher Wort­schatz flö­ten.
Ich fra­ge mich, was sie heu­te denkt, wenn sie ihr Kunst­werk sieht.

Viel­leicht: „Jetzt ist es bei­na­he auf den Tag genau zwei Jah­re her, dass ich die­sem einen Jun­gen mein gan­zes Herz­blut wid­me­te. Und wo ist er heu­te? Fort mit all unse­rer gemein­sa­men Geschich­te!“

Viel­leicht auch: „Jetzt ken­ne ich ihn schon über zwei Jah­re lang und bin immer noch so glück­lich wie am ersten Tag, mein Leben mit einem so wun­der­vol­len Men­schen tei­len zu dür­fen.“

Viel­leicht aber auch: „Ich weiß selbst nicht mehr, was damals in mich gefah­ren ist. So toll war das alles nicht. Hat mal jemand Tipp-Ex?“.

Manch­mal ist es scha­de, dass so ein Bus nicht spre­chen kann.

Persönliches
Mit­ge­fühl für Donald Duck

Kein Mensch ist per­fekt. Per­fek­ti­on ist etwas, was den Men­schen wie ein uner­reich­ba­res Ide­al eigent­lich sein Leben lang ver­folgt; bezie­hungs­wei­se, genau genom­men, anders­her­um. Und gera­de, wenn man sich der eige­nen Unper­fek­ti­on bewusst ist, ist es ver­meint­lich um so wich­ti­ger, nicht im Still­stand zu ver­har­ren, son­dern sich immer wie­der qua­si selbst neu zu erfin­den.

Oft geht das aber gründ­lich schief. Vor Jah­ren gab es einen kur­zen Donald-Duck-Comic, der unge­fähr so ging: Donald hilft sei­ner Freun­din Dai­sy dabei, ihr Haus umzu­ge­stal­ten, und folgt hier­zu ihrer Bit­te, das – natür­lich – schwer­ste Möbel­stück des Zim­mers an eine ande­re Stel­le zu rücken. Jeder neue Stell­platz aber miss­fällt Dai­sy, und schließ­lich, als Donald längst außer Atem ist, beschließt sie, dass er es wie­der dort, wo es ursprüng­lich stand, hin­tra­gen sol­le, denn dort hat­te es ihr am besten gefal­len. Damit endet die Geschich­te.

Manch­mal erlebt ein Mensch Momen­te, von denen er sich wünscht, dass sie nie ver­ge­hen mögen. Sobald sie vor­über sind, erwächst in ihm der Wunsch, die­sen Moment noch ein­mal zu erle­ben. Wenn die­se glück­li­chen Momen­te aber Momen­te der Zwei­sam­keit sind, obliegt es nicht allein dem eige­nen inne­ren Schwei­ne­hund, son­dern dem Kon­sens, einen ähn­li­chen Zustand wie­der her­bei­zu­füh­ren.

Wie gern ist man da geneigt, gewohn­te Ver­hal­tens­wei­sen, wenn nötig, abzu­le­gen! Wenn der selbst vom Lauf der Zeit gezeich­ne­te Part­ner, mit dem man gemein­sam näch­te­lang das Leben genoss und, kaum war die­se Zeit vor­über, wegen des­sen man allein näch­te­lang am Leben zer­brach, nun als Faust­pfand für die Ewig­keit erwar­tet, dass man sein Selbst in den Dienst der Zwei­sam­keit stellt, dann wirft man nur all­zu gern alle lieb gewor­de­nen Gewohn­hei­ten über Bord, winkt doch zum Tausch gegen Alt­la­sten die Frei­heit des Her­zens.

Was ist nun aber zu tun, wenn es letz­ten Endes doch die abge­leg­ten Alt­la­sten sind, die der Part­ner ver­misst?
Wenn jeder Schritt im Bewusst­sein ande­rer ein Schritt in die fal­sche Rich­tung ist, ist dann nicht der Still­stand der beste, weil ein­zig kom­pro­miss­fä­hi­ge aller Lebens­we­ge?

Aus dem Leben Donald Ducks, so fik­tiv es auch sein mag, kann man vie­les ler­nen; und es bes­ser machen.

PersönlichesNetzfundstücke
Dells Kein­gut­schein

Pro­log: Im Reich der Legen­den gibt es immer wie­der sol­che, die sich dar­um dre­hen, dass elek­tro­ni­sche Bedruckung nicht immer zu den gewünsch­ten Ergeb­nis­sen führt, wie etwa die Inter­net­sei­te The Dai­ly WTF gern zeigt, so etwa hier.

Kom­men wir zum The­ma: Vor einer Wei­le frag­te mich ein Haus­halt um Rat, wel­cher Com­pu­ter­her­stel­ler denn Gerä­te anbie­te, deren Anschaf­fung sich qua­li­ta­tiv loh­ne. Arg­los emp­fahl ich Dell und bestell­te ein geeig­ne­tes Modell.
Gestern nun erreich­te mich als Kon­se­quenz die­ser Tat ein Wer­be­pro­spekt des Unter­neh­mens, der mich zu mei­nem Kauf beglück­wünsch­te und inlie­gen­de Son­der­an­ge­bo­te ver­sprach, Gut­schein inklu­si­ve. Ich blät­ter­te nun also vor­hin dar­in und such­te erfolg­los nach dem ver­spro­che­nen Gut­schein.

Gut­schei­ne in Pro­spek­ten erkennt man meist schon beim Über­flie­gen, sie wer­den meist deut­lich akzen­tu­iert gedruckt; jedoch fand ich zwar mehr­fach einen Hin­weis auf den Rabatt, den mir der Gut­schein für künf­ti­ge Anschaf­fun­gen gewäh­ren soll­te, nicht aber den Gut­schein selbst.

Dar­ob fru­striert wid­me­te ich mich also dem edi­to­ri­al und fand, was ich zuvor über­se­hen hat­te:

„Wie trick­reich!“, sprach ich zu mir.
Auf einen sol­chen Gut­schein­code wür­de so bald nie­mand kom­men.

Ob Dell damit ver­sucht, sub­til gegen die zahl­rei­chen Inter­net­sei­ten vor­zu­ge­hen, die sel­bi­ge ver­brei­ten, weiß ich nicht; aber krea­tiv sind sie ja, das muss man ihnen las­sen.

MusikNetzfundstücke
Der Wert der Musik

Was Musik wert sei, frag­te Caschy und stell­te sodann eine Behaup­tung auf:

Ich stel­le mal eine Behaup­tung auf: vor uns liegt eine Zeit, in der wir pau­schal für Kunst bezah­len. Zumin­dest Musik. Die gro­ßen Plat­ten­fir­men wer­den Ver­trä­ge mit Apple, Goog­le, Ama­zon, Micro­soft & Co abschlie­ßen – und über jene Fir­men wer­den wir in irgend­ei­ner Form unse­re Mucke bezie­hen, bzw. bezie­hen wir unse­re Tracks bereits daher. Aber, viel­leicht wird es ja in Zukunft anders. Nicht mehr ein­zeln per Track – son­dern das kom­plet­te Ange­bot kann für eine pau­scha­le Sum­me gehört wer­den.

Das alte The­ma der Musik­pau­scha­le also ist es, das Caschy bewegt. Das ist ein durch­aus wich­ti­ges The­ma: Soll­te die qua­si gege­be­ne All­ge­gen­wär­tig­keit von Musik nicht auch neue gesetz­li­che Ver­triebs­mög­lich­kei­ten mit sich brin­gen? Die oft geschol­te­ne „Gene­ra­ti­on Down­load“, die, genau genom­men, gene­ra­ti­ons­über­grei­fend ist, lädt bis­her auf lega­lem Wege hin und wie­der ein paar Stücke her­un­ter. Wie aber die Minu­ten­ta­ri­fe der Inter­net­an­bie­ter irgend­wann flat­rates wichen, so wäre ein eben­sol­cher Tarif auch für Musik, so argu­men­tie­ren man­che, nur der näch­ste logi­sche Schritt. Als „Fort­schritt“ wird es von die­sen (tech­ni­schen Ent­wick­lun­gen gegen­über durch­aus meist auf­ge­schlos­se­nen) Leu­ten meist bezeich­net, den Wert von Musik nicht mehr in Tan­tie­men per Minu­te oder Kilo­byte zu mes­sen, son­dern die Ware für einen wie auch immer berech­ne­ten Obu­lus gänz­lich von ihrem indi­vi­du­el­len finan­zi­el­len Aspekt zu befrei­en. (Ich lege zur wei­te­ren Lek­tü­re die Abhand­lung „Gut kopiert ist halb gewon­nen“ von Jens Sei­pen­busch nebst dazu gehö­ren­dem Kom­men­tar­be­reich ans Herz.)

Eines steht außer Fra­ge: Will man sich einer brei­ten (im Sin­ne einer zahl­rei­chen) Zuhö­rer­schaft erschlie­ßen, sind digi­ta­le Ver­triebs­we­ge in jeg­li­che Über­le­gun­gen mit ein­zu­be­zie­hen. Musik ist Kunst, und sei es noch so schlech­te Kunst, und sie lebt von den Men­schen, nicht aber die Men­schen von ihrem Aus­ver­kauf.

Es wird dem Wert der Musik also nicht gerecht, bezif­fert man ihn in blo­ßer Wäh­rung. Tat­säch­lich reden die Ver­mark­ter von Wert und mei­nen Umsatz. Der Umsatz, den ein Pro­dukt gene­riert, ist aber in der Regel um ein Viel­fa­ches höher als der blo­ße (Material-)Wert. Musik wird hier also behan­delt wie Klei­dung und Lebens­mit­tel. Allein: Wel­chen Mate­ri­al­wert hat so ein Musik­stück? Es geht doch viel­mehr um das „gei­sti­ge Eigen­tum“, und das „gei­sti­ge Eigen­tum“ eines Lie­des liegt nicht bei Sony oder son­sti­gen Schat­ten­rie­sen, es sei denn, der Kon­zern Sony hat es höchst­selbst erdacht. Kann man die­sen „gei­sti­gen“ Wert in Wäh­rung umrech­nen? (Wie steht der Wech­sel­kurs?)

Nun gibt es zwei Arten von Musik­lie­ben­den: Jene, die Musik als Kunst­werk ver­ste­hen, und die schon erwähn­te „Gene­ra­ti­on Down­load“. Erste­ren ist der Sie­ges­zug der Schall­plat­te und inzwi­schen der CD zu ver­dan­ken, die den Musik­ver­mark­tern zu Vil­len und teu­ren Autos ver­hol­fen haben, und sie frö­nen ihrer Lieb­ha­be­rei meist jahr­zehn­te­lang. Der Musik­in­du­strie aber ist das, so scheint es mir, weit­ge­hend hupe, sie haben sich auf die zwei­te­re Grup­pe fixiert, denn von ihr kön­nen sie zwar nicht erwar­ten, dass sie in gro­ßen Stück­zah­len Musikal­ben erwer­ben, wohl aber, dass ihr Taschen­geld für „Remi­xe“, Klin­gel­tö­ne und vor allem ein­zel­ne Lie­der in kaputt­kom­pri­mier­ter Bit­ra­te drauf­geht.

Ein noch nicht all­zu ange­staub­tes Bei­spiel: Im Jahr 2009 erschien das Gesamt­werk der Beat­les erst­mals kom­plett neu abge­mischt und – auch die ersten Alben – in Ste­reo. Dass es von die­ser „Box“ unter ande­rem auch eine limi­tier­te (und teu­re­re) Auf­la­ge gibt, in der selbst die Ton­trä­ger, bekannt­lich ein nicht uner­heb­li­cher Aspekt eines Musik­al­bums, einem (immer­hin hüb­schen) USB-Stick wei­chen muss­ten, zeigt schon, wohin die Rei­se wohl gehen soll, aber ich möch­te eigent­lich auf etwas ganz ande­res hin­aus, näm­lich auf die ent­hal­te­ne Musik selbst.

In den Kom­men­ta­ren auf Online­platt­for­men wie etwa Amazon.de zeigt sich ein Groß­teil der Käu­fer über das ihnen Offen­bar­te höchst erfreut; Platt­for­men, die natur­ge­mäß zum Revier der „Gene­ra­ti­on Down­load“ gehö­ren. Die Span­ne der posi­ti­ven Anmer­kun­gen reicht hier von „end­lich muss man die Alben nicht mehr ein­zeln kau­fen“ bis „end­lich kann ich die blö­den alten Beat­les-Schnul­zen auch mal in Ste­reo hören“. Inter­es­sant ist es aber zu sehen, dass kei­ner der Fünf­best­erner sich über­haupt mit den Ände­run­gen in punc­to Qua­li­tät die­ser Ste­reo-Abmi­schun­gen befasst zu haben scheint, denn dar­über ver­lie­ren sie kein Wort. Ver­ein­zelt mel­den sich dort aber auch jene zu Wort, die Musik als Kunst­werk ver­ste­hen, und ihr Fazit ist ernüch­ternd: Detail­liert zwar, aber auch kraft­los klän­gen die neu­en Fas­sun­gen, oben­drein feh­le den mei­sten Stücken die einst deut­lich zu hören­de Dyna­mik. Es sei, als habe man ein­fach alles ein wenig lau­ter gedreht und das Über­ste­hen­de abge­schnit­ten.

Nur ist das kei­ne Ein­bil­dung, son­dern, Musik­freun­de bit­te hin­set­zen, fest­hal­ten und auf einen Mes­ser­griff bei­ßen, beab­sich­tigt. Die ver­ant­wort­li­chen Ton­tech­ni­ker, denen ich von Stund an unge­ach­tet guter und rich­ti­ger Stel­lung­nah­men („die­se dum­men, klei­nen Ohr­stecker, die Apple, also die Com­pu­ter­fir­ma, mit­lie­fert, sind offen gesagt völ­li­ger Schrott“) fort­an kei­ne ruhi­ge Nacht mehr wün­sche, ver­mel­de­ten:

Wir las­sen die Beat­les ledig­lich so klin­gen, wie man sie immer wahr­ge­nom­men hat, nur bes­ser denn je.

Detail­liert liest sich das so:

Letzt­lich muss­ten wir die neu­en CD-Ver­sio­nen den heu­ti­gen Hör­ge­wohn­hei­ten der brei­ten Mas­se anpas­sen, die vor allem alles unglaub­lich laut und weni­ger dif­fe­ren­ziert hören will. (…) Wir arbei­ten den Erwar­tun­gen der Plat­ten kau­fen­den Öffent­lich­keit zu.

Mei­nes Emp­fin­dens sind Zita­te wie die­se aus­sa­ge­kräf­tig genug, um zu beschrei­ben, wel­chen Wert man, geht es nach dem Dafür­hal­ten der Rech­te­ver­wer­ter, der Musik, ver­gli­chen mit dem stän­di­gen wei­ßen Rau­schen, das uns umgibt, in die­ser schnelllebi­gen Zeit noch bei­mes­sen soll. Allein: Ich ver­wei­ge­re mich dem.

Es gibt zwei Arten von Musik­lie­ben­den. Ratet, wel­che von ihnen den Wert der Musik zu schät­zen weiß.

Musik hat die Men­schen zu allen Zei­ten berei­chert, sie durch gute und schlech­te Zei­ten beglei­tet. Musik berührt ihr Inner­stes und bringt ihr Äuße­res zum Tan­zen. Musik reißt Brücken ein und baut dafür neue wie­der auf. Musik ist die Spra­che der Lie­be und der Ein­sam­keit; Musik ist eine Spra­che, die jeder ver­steht. Musik ist der Weg und das Ziel zugleich. Das, nichts ande­res, ist der Wert der Musik.

Spaß mit Spam
Nata­lya inter­es­siert sich für eine.

Ein wei­te­rer elek­tro­ni­scher Lie­bes­brief tru­del­te gera­de in mei­nem Lie­bes­brief-Sam­mel­post­fach ein. War­um er das tat, weiß ich nicht, denn die ange­ge­be­ne Adres­se ist nicht mei­ne; aber ich freue mich ja immer über etwas Zuwen­dung.

Eine gewis­se „Nata­lya Small“ bit­tet um mei­ne Auf­merk­sam­keit mit fol­gen­dem Anlie­gen:

Ich inter­es­sie­re mich fur eine zuver­las­si­ge mann­li­che

Wäre ich gera­de ein biss­chen zyni­scher, wür­de ich ja nun fra­gen, ob da das Wort „Put­ze“ fehlt, aber es ist ja noch das Kar­wo­chen­en­de, und da soll man nicht immer tan­zen, sin­gen und so böse sein, sagt der Papst, weil man dann in die Höl­le kommt.

Aber statt­des­sen lese ich die Stel­len­be­schrei­bung, viel­leicht spricht mich das Ange­bot ja an?

Hal­lo!
Ich bin Nata­lya.

Hal­lo!
(Erstaun­lich, auf was für lusti­ge Absen­der-Mai­la­lia­se (in die­sem Fall „bub_weymouth“) man so kommt, wenn man Nata­lya heißt. Aber ich soll­te mich nicht bekla­gen, mei­ne Mail­adres­sen sind auch manch­mal ziem­lich selt­sam gewählt.)

Ich full­te ein Pro­fil im Dating-Agen­tur vor Ort, und jetzt habe ich ‚ve Ihre E‑Mail.

„Vor Ort“ ist übri­gens ein Ter­mi­nus aus der Kriegs­be­richt­erstat­tung. Fin­det man mei­ne Mail­adres­se in Flirt­zen­tren in umkämpf­ten Land­stri­chen? Ach, Nata­lya, ich wüss­te nur zu gern, wo ich Sie ver­or­ten kann!

Womög­lich auch im All; bin ich doch sicher nicht der ein­zi­ge, dem „ich ‚ve“ bekannt vor­kommt.
Jar-Jar Binks, du bist ertappt!

Ande­rer­seits:

Ich habe nicht dein Pro­fil oder Bild gese­hen, aber in der Agen­tur mar­ri­ge sie Sie erzahl­ten mir, dass wir mit­ein­an­der kom­pa­ti­bel sind.

„Agen­tur mar­ri­ge“ klingt dann doch ziem­lich fran­zö­sisch; „aschen­tür mar­riesch“. Eine pos­sier­li­che Spra­che eigent­lich.
Sie, ver­ehr­te Nata­lya, irren übri­gens, denn ich erzähl­te Ihnen, glau­be ich, noch gar nichts. Als dem Nerd­tum nicht grund­sätz­lich abge­neig­ter Emp­fän­ger muss ich übri­gens dann doch ein biss­chen kichern: Mann und Frau sind also „kom­pa­ti­bel“. Plug-and-Play-Unter­stüt­zung inklu­si­ve, neh­me ich an.

Ach, einen Anhang hat die Gute auch mit­ge­schickt. Was mag das nur sein?
Es han­delt sich um eine Bild­da­tei. Zu sehen ist eine Aller­welts­blon­di­ne, Mar­ke Nicht­mein­typ. Um wen es sich han­delt, kann ich nur raten, sofern ich jedoch rich­tig rate, legt sich mei­ne Libi­do dann doch lie­ber noch ein paar Stun­den aufs Ohr, wäh­rend ich wei­ter begie­rig die Buch­sta­ben ver­fol­ge.

Ich glau­be, Sie haben mei­ne Fotos nicht gese­hen, und so bin ich Ihnen mein Bild.

Auch ich bin Ihnen mein Bild; und zwar bis auf Wei­te­res schul­dig.

Ich habe nicht Freund, und ich hof­fe, dass wir inter­es­san­te Dia­log haben.

Ist die Zuge­hö­rig­keit zu einem etwa­igen Lebens­ge­fähr­ten ein Grund, dass Dia­lo­ge weni­ger inter­es­sant sind? Nun, je nach Nei­gung ver­mut­lich schon. Aber einen inter­es­san­ten Dia­log­be­ginn habe ich mir schon über­legt: Wie kommt es eigent­lich, dass eine Aller­welts­blon­di­ne, Mar­ke Nicht­mein­typ, unbe­kann­ter Her­kunft so wenig Aus­sicht auf dau­er­haf­te Bin­dung in nähe­rer Umge­bung hat, dass sie sich eines sol­chen Mit­tels bedie­nen muss?

Dies ist mei­ne pri­va­te E‑Mail und Sie kon­nen mir schrei­ben.

Wel­che – die Absen­der­adres­se oder die, die als Ant­wort­adres­se ange­ge­ben ist? Womög­lich bei­de?
Sicher­heits­hal­ber soll­te ich die Agen­tur danach fra­gen. Aber wie errei­che ich die?

Ach, es ist alles so furcht­bar kom­pli­ziert!

Ich wer­de fur Ihre Ant­wort war­ten. Nata­lya Small

Das eigent­lich Ent­span­nen­de an die­ser Mail ist ja, dass immer­hin die förm­li­che Anre­de kon­se­quent bei­be­hal­ten wird, was durch­aus nicht üblich ist in den Lie­bes­brie­fen die­ser Tage.

Aber ich schät­ze, ich wer­de die Dame den­noch war­ten las­sen.

PersönlichesNetzfundstückeNerdkrams
Last.fm und ich

Und da wir gera­de beim Ver­lin­ken waren:

Nico­ro­la und dar­auf­hin unter ande­rem der mir bis dahin völ­lig unbe­kann­te Herr beet­FreeQ war­fen jüngst die Fra­ge auf, war­um wir ollen Musik­fa­na­ti­ker – auch bei den Schall­gren­zen wird „gescrob­belt“ – uns eines Dien­stes wie Last.fm bedie­nen, an den wir zwar mit fast sämt­li­chen Gerä­ten, die wir so zum Musik­hö­ren nut­zen, über­mit­teln kön­nen, was wir gera­de so hören, der uns aber anson­sten kei­nen wirk­li­chen Mehr­wert bringt.

Das Prin­zip von Last.fm ist eigent­lich sim­pel: Man mel­det sich an, gibt dann die Anmel­de­da­ten in das Last.fm-fähige Gerät sei­ner Wahl ein und weiß fort­an genau, was man wann gehört hat. Das sieht zum Bei­spiel so aus, wenn man ich ist. Vor Jah­ren war das eine Inno­va­ti­on, inzwi­schen kann man sich vor Nach­ah­mern kaum mehr ret­ten. Der oft pro­phe­zei­te „Tod“ von Last.fm ist den­noch bis­lang aus­ge­blie­ben, und das ist gut, denn nicht jede Nische gewinnt mit Kon­kur­renz. Der Vor­teil von Last.fm war es bis­her, dass es eine gewis­se Mono­pol­stel­lung inne hat­te. Das Modell Last.fm mit „Emp­feh­lun­gen“ und „Grup­pen“ funk­tio­niert nun ein­mal am besten, wenn die Nut­zung des Dien­stes Kon­sens ist. Dien­ste mit ein paar hun­dert ver­streu­ten Leu­ten, für die es genug Alter­na­ti­ven gibt, sind zwar ganz nett und zei­gen even­tu­ell neue tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten auf, aber sozia­le Ver­net­zung kann so nicht funk­tio­nie­ren.

Tja, war­um nut­ze ich Last.fm? Ich hat­te mich dort vor vie­len Jah­ren ange­mel­det, weil es mir inter­es­sant erschien; gar eine eige­ne Grup­pe („Sgt. Pep­per Fana­tics“) initi­iert, mit der ich mich auch heu­te noch iden­ti­fi­zie­ren kann. Eini­ge Leu­te, mit denen ich mehr oder weni­ger regel­mä­ßi­gen Kon­takt habe oder jeden­falls hat­te, fan­den den Weg in mei­ne „Freun­des­li­ste“, und es war nur wenig erstaun­lich, zu sehen, dass die „musi­ka­li­sche Über­ein­stim­mung“ sel­ten all­zu gering war, tauscht man doch mit Freu­den Musik aus, von der man glaubt, sie könn­te auch dem Gegen­über gefal­len.

Anson­sten aller­dings inter­es­siert mich die­se „Freun­des­li­ste“ unge­fähr so viel wie die mit­un­ter als Argu­ment ange­führ­ten „Künst­ler­bio­gra­fien“, die sel­ten mehr sind als Wiki­pe­dia-Zita­te. Ich wer­de aber nicht sel­ten gefragt, „was für Musik“ ich denn so höre, und da bie­tet sich ein Ver­weis auf mein Last.fm-Profil an, selbst, obwohl mein heiß­ge­lieb­ter mobi­ler Musik­spie­ler nicht mit Last.fm umzu­ge­hen weiß und ich nur wenig Freu­de an dem Gedan­ken habe, mein Mobil­te­le­fon mit per­ma­nen­ter Inter­net­ver­bin­dung und einer rie­si­gen Musik­bi­blio­thek aus­zu­stat­ten und eben­die­ses Pro­fil somit zwar reprä­sen­ta­tiv, aber alles ande­re als voll­stän­dig ist. Zupass kommt manch einem Musik­in­ter­es­sier­ten übri­gens auch das System der „Emp­feh­lun­gen“, die Last.fm erteilt, denn nicht in jedem Gen­re, das man hört, hat man einen sol­chen Über­blick über Art­ver­wand­tes wie die Last.fm-Datenbank.

Die ver­meint­li­che „Kon­kur­renz“ von Like.fm betrach­te ich übri­gens nicht als sol­che, denn, um bei dem Bei­spiel zu blei­ben, ich selbst nut­ze Like.fm. Like.fm bie­tet mir per­sön­lich den Vor­teil, dass ich nicht nur mei­ne gera­de gespiel­ten Lie­der bei Last.fm bekannt machen kann, son­dern oben­drein You­Tube-Vide­os und ähn­li­che Medi­en erfasst und gleich­falls publi­ziert wer­den kön­nen. Es ist also viel­mehr eine Ergän­zung als eine Kon­kur­renz, immer­hin ist die Anbin­dung an das eige­ne Last.fm- wie auch an ein etwa­iges Face­book-Kon­to – wie­so auch immer man das wol­len soll­te – bereits vor­ge­se­hen.

„Web 2.0“, so las ich ein­mal, bedeu­te die Ver­net­zung von Men­schen, nicht mehr nur die von sta­ti­schen Inhal­ten. Jeden­falls mir fällt gera­de nur wenig ein, was einen Men­schen bes­ser beschreibt als sein Musik­ge­schmack.

Inso­fern ist Last.fm von sei­nem „Tod“ sicher weit ent­fernt, und auch, wenn er es der­einst ereilt:
Der Dienst hat einen Markt begrün­det, der dem gan­zen Gefa­sel von „sozia­ler Ver­net­zung“ so nahe kommt wie kein ande­rer vor ihm. Möge ihm noch ein lan­ges Leben beschie­den sein!

NetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt XLI: Wah­re Fin­nen

„Wah­re Fin­nen“ (auch: „Basis­fin­nen“) heißt über­setzt die fin­ni­sche, ziem­lich erfolg­rei­che Par­tei, die seit Tagen die Kon­sens­freun­de in Euro­pa nicht mehr ruhig schla­fen lässt, etwa Eva-Maria vom Polar­blog:

Was tun in die­ser Stun­de, in der die Nach­barn plötz­lich gar nicht mehr so harm­los aus­se­hen, son­dern wie sini­ste­re Cha­rak­te­re? Die es rich­tig gut fän­den, wenn Finn­land so täte, als sei es allein auf der Welt? Schot­ten schlie­ßen und raus aus dem Euro und den indis­ku­ta­blen Por­tu­gie­sen und Grie­chen den Stin­ke­fin­ger zei­gen? Weil wir ach so ordent­lich sind und rich­tig rech­nen kön­nen? Ist das die Lösung?

Mit weni­ger Iro­nie, dafür einer bei­na­he schon über­trie­be­nen Beto­nung auf den Umstand, dass die „wah­ren Fin­nen“ rechts­po­pu­li­sti­sche Posi­tio­nen ver­tre­ten, ver­mut­lich, um die Gemü­ter derer, die bei dem Wort „rechts“ schon in Rase­rei ver­fal­len, ein­zu­stim­men, tönt der SPIEGEL:

Finn­lands Wahl­sie­ger dro­hen Euro­pa

Die „Dro­hung“ sieht so aus, dass man in Finn­land offen­bar nicht mehr all­zu viel Lust auf die Geld­schie­be­po­li­tik der EU hat, die das Euro­sy­stem über­haupt erst ermög­licht:

Soll­ten die „Wah­ren Fin­nen“ tat­säch­lich in der künf­ti­gen Regie­rung sit­zen und sich dort mit ihren For­de­run­gen durch­set­zen, könn­te Hel­sin­ki die EU-Ret­tungs­hil­fen blockie­ren.

„Ret­tungs­hil­fen“ ist eigent­lich ein schö­ner Euphe­mis­mus. Tat­säch­lich ist doch die EU, was wir nicht erst seit den diver­sen Staats­plei­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re wis­sen, ein geschei­ter­tes Modell. Die Wäh­rungs­uni­on schien prak­tisch, war aber letzt­lich unnütz, gar kon­tra­pro­duk­tiv, denn die Miss­wirt­schaft der bank­rot­ten Staa­ten änder­te sich auch nach grö­ße­ren Finanz­sprit­zen der noch nicht ganz so bank­rot­ten Staa­ten nicht. (Wie auch immer man die­ses „bank­rott“ eigent­lich defi­niert, fast 2 Bil­lio­nen Euro Staats­schul­den genü­gen anschei­nend jeden­falls nicht.) Von den eigen­ar­ti­gen Ideen, die Deutsch­land der EU sonst noch so zu ver­dan­ken hat, möch­te ich in der Rubrik „Kurz ver­linkt“ gar nicht erst anfan­gen, sonst wird es eine doch recht lan­ge Ver­lin­kung.

Was an den Posi­tio­nen der „Basis­fin­nen“ nun „rechts­po­pu­li­stisch“ sein soll, weiß man beim SPIEGEL lei­der eben­so wenig zu beant­wor­ten wie Jens Ber­ger, der zwar Euro­pa­fein­de und Euro­pa­skep­ti­ker detail­liert zu unter­schei­den weiß, aber Euro­pa­skep­sis auch mit blo­ßem Popu­lis­mus aus irgend­wel­chen „Rich­tun­gen“ ver­wech­selt.

Wir soll­ten, so mei­ne ich, nicht mit dem aus­ge­streck­ten Zei­ge­fin­ger auf die Fin­nen zei­gen, die mehr Mut zu eigen­stän­di­gem Den­ken zei­gen als unse­re Wahl­be­rech­tig­ten, son­dern uns an ihnen ein Bei­spiel neh­men. Dass natio­nal­staat­li­ches Den­ken in Deutsch­land schnell Kri­ti­ker auf den Plan ruft, ist wohl auch den Jah­ren bis 1945 geschul­det, soll­te aber nicht davon ablen­ken, dass ein Staat, der zugun­sten halb­ga­rer Inte­gra­ti­on in ein kul­tu­rel­les Pot­pour­ri die natio­na­le Iden­ti­tät – pri­mär sind wir nun mal Deut­sche und damit auch Euro­pä­er, nicht aber anders­her­um – ver­nach­läs­sigt, sich selbst qua­si belie­big aus­tausch­bar und hand­lungs­un­fä­hig macht.

Ist das die Lösung?