Sonstiges
Fei­ne klei­ne Welt

Mei­nen täg­li­chen Hihi-Moment bescher­te mir heu­te ein Ein­kauf in einer Filia­le einer nam­haf­ten deut­schen Waren­haus­ket­te, die ich im fol­gen­den Text mit F. (für Filia­le) abkür­zen wer­de.

Die typi­sche Easy-Listening-Beschal­lung (kau­fen Kun­den, sta­ti­stisch gese­hen, wirk­lich mehr, wenn man sie nervt?) wur­de mit­ten im Lied unter­bro­chen, und es erschall­ten eine auf­dring­li­che Melo­die, die offen­bar einen Wer­be­ein­schub ankün­dig­te, und anschlie­ßend ein kur­zes Hör­spiel. Das Hör­spiel ging etwa so: Man stel­le sich ein­mal zwei Frau­en zwi­schen 30 und 40 Jah­ren vor, die sich tref­fen und unter­hal­ten, viel­leicht über Pfer­de und Män­ner und Mode und so einen Fir­le­fanz, über typi­schen Frau­en­kram eben. Inmit­ten der schö­nen Dis­kus­sio­nen über typi­schen Frau­en­kram platzt nun also eine der bei­den Frau­en mit der, ihrem hek­ti­schen Ton­fall zufol­ge, ihr schon lan­ge qua­si unter den Nägeln bezie­hungs­wei­se bes­ser auf der Zun­ge bren­nen­den Fra­ge her­aus:

„Kennst du schon F. Fei­ne Welt?“

Ihre Gesprächs­part­ne­rin erwi­dert voll des Enthu­si­as­mus‘, und man kann sich den Schlag an die Stirn bild­lich vor­stel­len, so sehr klingt ihre Ant­wort danach, dass sie sich gera­de an etwas Über­le­bens­wich­ti­ges erin­nert hat:

„Na klar, das sind doch die Genuss­mar­ken für Ent­decker!“

Hier endet das Hör­spiel, und irgend­je­mand lei­ert einen Text über irgend­wel­che Prei­se und Spei­sen her­un­ter. Das ist scha­de, denn ich hät­te gern noch ein wenig über die bei­den Frau­en erfah­ren. Ich kann mir näm­lich beim besten Wil­len kei­nen Men­schen­schlag vor­stel­len, der sich so aus­zu­drücken pflegt. Es wür­de mich sogar ziem­lich erschrecken, käme ein alter Bekann­ter auf mich zu und wür­de mich zur Begrü­ßung erst ein­mal fra­gen, ob ich schon von irgend­ei­nem Mar­ken­pro­dukt gehört hät­te, denn mein Bekann­ten­kreis setzt sich mei­nes Wis­sens aus­schließ­lich aus eigent­lich recht ange­neh­men Zeit­ge­nos­sen zusam­men. (Ähn­lich ist auch die der­zei­ti­ge Fern­seh­wer­bung für ein bekann­tes Mol­ke­rei­pro­dukt befremd­lich: „Hey, trinkst du gera­de mei­ne letz­te Mei­er­milch Kirsch-Bana­ne mit extra viel Zucker und so wei­ter und so fort?“; wer auf die­ser gan­zen Erde vol­ler wun­der­li­cher Gestal­ten redet denn so?)

Schon nicht mehr bedeut­sam ist es da, dass unge­klärt bleibt, inwie­fern „Fei­ne Welt“ die Eigen­schaft erfüllt, meh­re­re Mar­ken qua­si auf ein­mal zu sein; auch konn­te ich nicht in Erfah­rung brin­gen, was genau es mit den erwähn­ten Ent­deckern auf sich hat. Ich wür­de mich nicht als einen Ent­decker bezeich­nen, ich kom­me also nicht als ein sol­cher in Betracht. Viel­leicht han­delt es sich um Säug­lings­nah­rung? Es heißt, klei­ne Kin­der sei­en auch „klei­ne Ent­decker“. Dass man mit die­ser Nische indes nur wenig Erfolg zu haben scheint, lässt sich dar­an erken­nen, dass der­ar­ti­ge Wer­be­kam­pa­gnen nötig sind, um auf sie hin­zu­wei­sen. Ich bin kein Wer­be­fach­mann, aber ich neh­me an, die frag­li­che Pro­dukt­li­nie könn­te ein wenig Varia­ti­on durch­aus ver­tra­gen.

Ich wün­sche den betei­lig­ten Wer­be­tex­tern jeden­falls, dass ihre Vor­ge­setz­ten sie eines Tages mal wie­der unter rich­ti­ge Men­schen gehen las­sen. Ange­nehm stel­le ich mir ein Leben mit der Vor­stel­lung, die Men­schen „da drau­ßen“ drücken sich so aus wie ihre erdach­ten Prot­ago­ni­sten, näm­lich nicht vor.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt XXXVI: Justin Bie­ber ist ein Pony!

Drü­ben bei Ey Lou, der mit­un­ter mei­ne Kom­men­ta­re voll­senft, bin ich gera­de auf einen beein­drucken­den leak gesto­ßen:

Die Argu­men­ta­ti­on ist schlüs­sig, wie ich mei­ne, und erklärt die Fas­zi­na­ti­on, die der „Pop-Schnuckel“ (BILD), die­ser Inbe­griff der Männ­lich­keit, der in die­sem Jahr „end­lich“ Deutsch­land berei­sen wird, auf Mäd­chen in einem Alter, in dem man Pfer­de noch nicht für blö­de alte Stin­ke­vie­cher hält, aus­zu­üben pflegt. Hach, Justin.

Auch hübsch übri­gens ist es, dass, wäh­rend Sony (ein Unter­neh­men, des­sen Pro­duk­te jeden­falls ich aus ethi­schen Grün­den spä­te­stens seit der Ver­brei­tung von Schad­soft­ware kon­se­quent zu mei­den trach­te) mal wie­der auf Abmahn­tour ist, um die Ver­brei­tung des „Pri­va­te Keys“ der Play­Sta­ti­on 3 zu ver­hin­dern (wenn man das böse Inter­net schon nicht ein­fach abschal­ten kann!), ein offi­zi­el­ler Sony-Twit­ter­ac­count sel­bi­gen höchst­selbst ver­brei­te­te. Hihi.
(via Fefe)

NetzfundstückeNerdkrams
Npackd: apti­tu­de für Win­dows

Als eigent­li­che Frech­heit auch bezeich­ne ich es, dass ich die besten Ideen immer erst habe, wenn sie schon jemand vor mir hat­te.

Seit eini­ger Zeit nut­ze ich, unter ande­rem auf mei­nem vSer­ver, Debi­an Linux, von Ubun­tu-Jün­gern mit­un­ter als alt­backen ver­schrien. Eine der Stär­ken die­ser wie auch aller von ihr abge­lei­te­ten Linux-Dis­tri­bu­tio­nen ist das Paket­ver­wal­tungs­sy­stem apt mit den gra­fi­schen Ober­flä­chen apti­tu­de bezie­hungs­wei­se syn­ap­tic, das die Instal­la­ti­on und Pfle­ge instal­lier­ter Anwen­dun­gen wie auch des System­kerns denk­bar ein­fach macht. Möch­te man etwa das Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm The GIMP instal­lie­ren, so geschieht dies mit der Ein­ga­be apt-get install gimp qua­si auto­ma­tisch.

Unter Win­dows kommt man nicht an den System­kern her­an, aber im Lau­fe der Mona­te und Jah­re sam­melt sich meist zumin­dest eine ansehn­li­che Anzahl an regel­mä­ßig ver­wen­de­ten Pro­gram­men an. All die­se Pro­gram­me hän­disch zu pfle­gen ist denk­bar schwie­rig. Mit SUMo gibt es immer­hin ein beein­drucken­des Pro­gramm, das bereits instal­lier­te Anwen­dun­gen per Klick in einem Rutsch auf neue Ver­sio­nen über­prü­fen kann, die dahin­ter ste­hen­de Daten­bank wird von den Nut­zern auto­ma­tisch gepflegt und aktua­li­siert. Das ist äqui­va­lent zu der upgrade-Funk­ti­on von apt-get, jedoch noch kein voll­stän­di­ger Ersatz für eine Paket­ver­wal­tung, die auch die Instal­la­ti­on und Deinstal­la­ti­on ermög­licht.

Vor einer Wei­le stieß ich auf win-get, das, wie der Name schon andeu­tet, die­se Funk­tio­na­li­tät abbil­den soll­te, jedoch ist die Pro­gramm­da­ten­bank (repo­si­to­ry) mitt­ler­wei­le ver­al­tet und das Pro­jekt selbst offen­bar ver­waist. „Wie nütz­lich“, sprach ich im Stil­len zu mir, „wäre es doch, hät­te man auch als Win­dows­nut­zer eine Soft­ware wie apt-get, die nicht dar­auf ange­wie­sen ist, dass der Ent­wick­ler alles allein macht, und etwa auch Repo­si­to­rys von Dritt­an­bie­tern ver­wen­den kann.“

Und wäh­rend ich mich also freu­te, end­lich eine Idee für ein mög­li­ches Abschluss­pro­jekt für mein Stu­di­um zu haben, und flei­ßig Noti­zen mach­te, was die zu ent­wickeln­de Lösung alles kön­nen soll, berich­te­te lifehacker.com über Npackd und warf so mei­ne Pla­nung durch­ein­an­der. Schö­nen Dank auch.

Npackd, in analpha­be­tisch wir­ken­der Schreib­wei­se steht die­ses Wort für „unpacked“ (eng­li­sches Wort für „ent­packt“), ist dem Paket­ma­na­ger des Win­dows-Nach­baus Reac­tOS ähn­lich und erfüllt, tech­nisch gese­hen, alle Anfor­de­run­gen an eine apt-get-Imple­men­tie­rung für Win­dows, unter ande­rem eine Mög­lich­keit, belie­bi­ge Repo­si­to­rys im XML-For­mat ein­zu­bin­den, und eine erträg­li­che gra­fi­sche Ober­flä­che. Lei­der ist die Kom­man­do­zei­len­ver­si­on npackdcl, aus Npackd her­aus zu instal­lie­ren, noch nicht all­zu mäch­tig.

Instal­lier­te Anwen­dun­gen wer­den teil­wei­se bereits erkannt, unter ande­rem Java-Lauf­zeit­bi­blio­the­ken, wei­te­re sol­len fol­gen.

Obwohl eini­gen Quel­len zufol­ge Micro­soft selbst mitt­ler­wei­le an einem „App Store“ für Win­dows arbei­tet, der wohl cloud­ba­siert sein wird (ist ja, fin­de ich, auch so ein Unding, einem kom­mer­zi­ell ori­en­tier­ten Unter­neh­men mal eben sei­ne Fest­plat­te zu über­las­sen sozu­sa­gen, sie­he auch Goog­le Chro­me OS), hof­fe ich, dass Npackd, anders als win-get, nicht all­zu bald nicht mehr gepflegt wird.

Ich wer­de das Pro­gramm jeden­falls dem­nächst ein wenig aus­führ­li­cher testen und den Ent­wick­ler gege­be­nen­falls mit Ideen ner­ven; wenn er mir schon Arbeit abnimmt, will ich wenig­stens nicht nur blo­ßer Nutz­nie­ßer sein.

PolitikIn den Nachrichten
Denk­zet­tel ver­ges­sen?

Seit Ende Sep­tem­ber hat sich auf der poli­ti­schen Büh­ne in Deutsch­land, so wur­de ver­mu­tet, man­cher­lei Sze­nen­wech­sel zuge­tra­gen. Eini­ge Zita­te, die Anlass hier­zu gaben, sind die­se:

Okto­ber 2010: Schwarz-Gelb will Macht für Stutt­gart 21 ris­kie­ren
Okto­ber 2010: Tau­sen­de for­dern Map­pus‘ Abwahl
Janu­ar 2011: Atom­par­tei­en abwäh­len!
Janu­ar 2011: [D]er 30.09.2010 ist unver­ges­sen
Febru­ar 2011: Es liegt an uns, die­ser Poli­tik den Gar­aus zu machen, gewalt­frei, aber effek­tiv.

Beein­druckt, aber nur wenig über­rascht bin ich nun von den neu­en Infor­ma­tio­nen des 2DF-Polit­ba­ro­me­ters:

Knapp zwei Mona­te vor der Land­tags­wahl in Baden-Würt­tem­berg hat die CDU ihre Umfra­ge­wer­te ver­bes­sert und könn­te mit der FDP eine Mehr­heit erzie­len.

Das Stimm­vieh läuft instink­tiv immer zum glei­chen Trog. So fau­lig kann das Fres­sen gar nicht sein, dass es ver­schmäht wür­de.
Viel­leicht hät­te es sich den geplan­ten Denk­zet­tel auf einen Denk­zet­tel schrei­ben sol­len.

NetzfundstückeNerdkrams
I Wan­na Be The Guy

Freun­de des 8‑Bit-Spiels, die noch nicht völ­lig bekloppt sind, lade ich übri­gens herz­lich ein, das zu ändern.
Dafür könn­te man zum Bei­spiel Dro­gen neh­men oder RTL gucken, aber schnel­ler und spa­ßi­ger geht es, indem man sei­nem Fai­ble frönt.

I Wan­na Be The Guy“ („Ich wäre gern der Typ“, „der Typ“ ist in die­sem Fall ein Ehren­ti­tel) ist ein Spiel, das wohl vor eini­ger Zeit, von mir unbe­merkt, in man­chen Krei­sen eine ansehn­li­che Bekannt­heit errun­gen hat, und han­delt von einem Kind („The Kid“), das gern der Typ („The Guy“) wäre und dafür durch die Gegend lau­fen und hüp­fen muss.

Das Spiel sieht unge­fähr so aus und dürf­te erwähn­ten Freun­den des 8‑Bit-Spiels ein wie auch immer gear­te­tes „oh!“ ent­locken:

Her­un­ter­zu­la­den ist „I Wan­na Be The Guy“ in einer seit 2007 nicht mehr all­zu aktiv gepfleg­ten Beta­ver­si­on auf der eigens dafür ein­ge­rich­te­ten Down­load­sei­te und unter ande­rem auf gamejolt.com. Viel Ver­gnü­gen zu wün­schen wäre aller­dings über­aus gehäs­sig von mir, und dar­um ver­zich­te ich aus­nahms­wei­se dar­auf und war­te lie­ber gespannt auf Kom­men­ta­re.

(„Dan­ke“ an V.!)

Nach­trag anläss­lich eines ent­spre­chen­den Kom­men­tars: Außer unter Win­dows ist „I Wan­na Be The Guy“ via Wine auch unter Linux, Mac OS X, BSD und Sola­ris lauf­fä­hig, heißt es sei­tens des Ent­wick­lers.

NerdkramsIn den Nachrichten
Es hat sich aus­ge­mocht.

Etwas wirk­lich Fei­nes las ich da bei Didi, der aus­nahms­wei­se mal schnel­ler war als ich:

Nach Gugel Ana­ly­tics (ich berich­te­te) ste­hen nun end­lich auch die von Face­book bereit­ge­stell­ten und selbst bei Leu­ten mit Ahnung nicht sel­ten zu fin­den­den „dyna­mi­schen“ Funk­tio­nen, um mal eben etwas zu mögen („Gefällt mir“), unter juri­sti­schem Beschuss.

Wer den Like-But­ton mit­tels IFrame vom Face­book-Ser­ver ein­baut (oder via Java­script etc.), der lädt die Daten von dort. Wann immer jemand mit sei­nem Brow­ser dar­auf zugreift, wer­den dann des­sen Daten an den Face­book-Ser­ver (auch die IP-Adres­se) über­mit­telt.

Wer jetzt (wie auch schon bei Gugel Ana­ly­tics) auf eine etwa­ige Daten­schutz­er­klä­rung ver­weist, miss­ver­steht das Pro­blem; denn in der Regel hat Face­book die Daten bereits erhal­ten, bevor man sel­bi­ge über­haupt lesen konn­te oder auf sie hin­ge­wie­sen wur­de. Benut­zer von Adblock Plus, seit einer Wei­le also sogar anson­sten eher nicht für ihr Daten­schutz­be­wusst­sein bekann­te Chro­me-Nut­zer, konn­ten das Pro­blem bis­lang mit einer spe­zi­el­len Fil­ter­li­ste umge­hen und wer­den das wohl auch noch eine Wei­le tun müs­sen. Ist eines die­ser „sozia­len wid­gets“ näm­lich erst ein­mal weit­ge­hend aus dem Inter­net ver­schwun­den, ist längst ein neu­es ent­stan­den und erfreut sich unan­ge­mes­se­ner Beliebt­heit.

Und die Fra­ge ist nicht ein­mal unbe­dingt, wie rück­sichts­los ein Sei­ten­be­trei­ber sein muss, um trotz der berech­tig­ten Ein­wän­de sei­ner poten­zi­el­len Abon­nen­ten wei­ter­hin auf der­ar­ti­ge Funk­tio­nen ohne tat­säch­li­chen Mehr­wert für ihn selbst zu set­zen, son­dern, war­um er es über­haupt tut. Gera­de Blog­ger und son­sti­ge Inter­net­voll­schrei­ber, bei denen die­se Frames am häu­fig­sten zum Ein­satz kom­men, sind doch die, die über weit bes­se­re, weil effi­zi­en­te­re Metho­den ver­fü­gen, einem der Ihren ihre Sym­pa­thie zu zei­gen, als nur eine Zahl inmit­ten vie­ler ande­rer Zah­len zu sein. Was sagt denn „2389 Per­so­nen gefällt das“ aus? Was sind das für Per­so­nen? Wir­re poli­tisch enga­gier­te Agi­ta­to­ren? Wer­be­ge­sell­schaf­ten, die ihrer­seits aus unkla­rem Grund auf eine Erwi­de­rung hof­fen? Freun­de, Ver­wand­te, Fami­lie? Man könn­te das, neh­me ich an, ein­fach nach­se­hen, aber wer tut das schon?

Mir gefällt ein Inter­net­auf­tritt nicht des­halb, weil er von einer groß erschei­nen­den Anzahl an Zeit­ge­nos­sen für mögens­wert gehal­ten wird, denn womög­lich sind die­se Zeit­ge­nos­sen alle­samt Unsym­pa­then. Ich gehe auch davon aus, dass es dem Betrei­ber einer Sei­te, die von der erwähn­ten Funk­ti­on Gebrauch macht, eini­ger­ma­ßen egal ist, ob ich sein Werk nun auf Face­book per Klick wür­di­ge oder nicht.

Wenn mir etwas wirk­lich gefällt, dann schrei­be ich hier oder in Aus­nah­me­fäl­len, wenn mir die nöti­ge Idee für die text­li­che Aus­schmückung fehlt, auf Twit­ter dar­über. „Gefällt mir auf Twit­ter“ ist „Gefällt mir auf Face­book“ auch des­halb vor­zu­zie­hen, weil der Gefal­len­de so im Kon­text sehen kann, wer das eigent­lich ist, der ihn wür­digt. Eine Inter­net­sei­te aber, die jeman­dem bloß einen Klick wert ist, ist wahr­lich nicht zu benei­den, auch, wenn die­ser Jemand vie­le ande­re Jeman­de um sich schart.

Aber Schrei­ben ist eher so 90er, habe ich mal gehört.

KaufbefehleMusikkritik
Toxic Smi­le – I’m your Saviour

Pri­ma: Die deutsch­spra­chi­ge Musik­welt 2011 erreicht mit „I’m your Saviour“, eng­lisch­spra­chi­ge Tex­te hin oder her, ihren ersten Höhe­punkt.

Fünf Prot­ago­ni­sten musi­zie­ren zwi­schen Retro­prog und Pro­gres­si­ve Metal und klin­gen auf ihrem vier­ten Stu­dio­al­bum, zählt man die bei­den Ver­sio­nen des Debüt­al­bums sepa­rat, atmo­sphä­risch so dicht wie nie zuvor.

Tho­ralf Koss schrieb 2006 über ein eigent­lich ganz ande­res Album der glei­chen Musik­grup­pe:

TOXIC SMILE sind eine wah­re Ent­deckung am deut­schen Him­mel des Prog­Rocks, (…).

Tat­säch­lich ist es auch fünf Jah­re spä­ter noch über­aus beein­druckend, was man aus Leip­zig zu hören bekommt. Das Musik­ma­ga­zin eclip­sed nennt in der Aus­ga­be 02/2011 unter ande­rem Spock’s Beard eine „art­ver­wand­te“ Band, aber Ver­glei­che ver­bie­ten sich hier fast, denn wie bekannt sein dürf­te, beein­druckt mich vor allem Ein­ma­li­ges, Unver­wech­sel­ba­res.

Das eröff­nen­de „Liquid Wall“ sagt etwas mehr als neun Minu­ten lang eigent­lich schon alles, was man über das Album wis­sen muss: Key­board- und Gitar­ren­bret­ter wech­seln sich mit ruhi­gen, bei­na­he bal­la­des­ken Pas­sa­gen ab, wäh­rend Schlag­zeu­ger Robert Eis­feldt (nicht zu ver­wech­seln mit Jan Eiß­feldt, meist Delay) wüst her­um­wir­belt. Sän­ger „Lar­ry B.“ ergänzt das Klang­bild mit sei­nem extro­ver­tier­ten – man­che mögen’s seicht nen­nen – Gesang zu einer Art „Dream Thea­ter in anders“, und zwar anders-anders, nicht schlech­ter-anders.

Von den Socken aber, hät­te ich sie nicht in den Schu­hen getra­gen, hät­te mich bei­na­he „The Abyss“, das drit­te Stück, gehau­en. Der Anfangs­teil mit Gitar­re, Bass und Schlag­zeug lädt schon zum Kopf­wackeln ein, das sich auch mit ein­set­zen­dem Gesang und zurück­ge­fah­re­ner Gitar­re nicht zum Auf­hö­ren bewe­gen lässt. Nach etwa drei Minu­ten wird es ruhi­ger, ein Chor (schon wie­der Dream Thea­ter?) setzt ein und wie­der aus und wird von Udo Rup­kal­wis abge­löst, der in der Rol­le eines Nach­rich­ten­spre­chers auf Deutsch von einer Selbst­mord­se­rie an einer Klip­pe (einem abyss eben) berich­tet. Anschlie­ßend wie­der Gesang: „This is my last day on Earth…“. Ganz und gar nicht schlecht. Inhalt­li­che Ver­glei­che gefäl­lig? Ayre­ons „The Human Equa­ti­on“ kommt mir in den Sinn.

Zwar ist „I’m your Saviour“ sicher kein Album, das man stun­den­lang hören könn­te, ohne sich irgend­wann zu lang­wei­len; im Pro­gres­si­ve Metal ist man­cher Zau­ber schnell ver­gäng­lich. Wie jedes gute Musik­al­bum aus die­sem Gen­re aber wirkt „I’m your Saviour“ schnell und nach­drück­lich. Hör­emp­feh­lung hier­mit aus­ge­spro­chen.

Inter­es­sen­ten kön­nen sich auf der Inter­net­sei­te der Musi­ker einen ersten Ein­druck ver­schaf­fen.

PolitikSonstigesIn den Nachrichten
Aus­stieg rechts – wohin?

Wovon ich neu­lich mal wie­der gehört habe, ist „Aus­stieg rechts“, eine Art Sam­mel­be­griff für „anti­fa­schi­sti­sche“ Akti­vi­tä­ten. Der Begriff kam, so weit mir bekannt ist, bereits vor etwa sechs Jah­ren auf.

Für erwäh­nens­wert hal­te ich die­sen krampf­haf­ten Ver­such, lustig zu sein, nicht wegen der ewi­gen Links-Rechts-Que­re­len, son­dern aus Ori­en­tie­rungs­grün­den.
Ich erklä­re das mal mit einer Gra­fik am Bei­spiel eines Zug­wag­gons:

Wenn nun einer rechts aus­steigt, geht er dann nicht noch wei­ter nach rechts?
Nur mal so inter­es­se­hal­ber jetzt.

Persönliches
Hier – bla­miert – sich HSV!

„Lie­be“ Anhän­ger des Ham­bur­ger Sport­ver­eins, die ihr heu­te, da „euer“ Ver­ein aus­nahms­wei­se offen­bar mal gewon­nen hat,

  • mei­nen Weg mehr­fach kreuz­tet;
  • „Aus­wärts­sieg! Aus­wärts­sieg!“ skan­dier­tet, obwohl euch nie­mand danach gefragt hat;
  • zwi­schen Bier­vor­rat und Toi­let­ten hin- und her­pen­del­tet, was mit fort­schrei­ten­der Zeit wört­lich zu betrach­ten ist;
  • mei­nen spöt­ti­schen Blick als Sym­pa­thie miss­deu­te­tet und mit dum­mem Grin­sen beant­wor­te­tet;
  • die Umste­hen­den, mich ein­ge­schlos­sen, in eine Bier­fah­ne hüll­tet, von der es selbst mir als Freund tsche­chi­scher Brau­kunst recht flau im Magen wur­de;
  • all­ge­mein einen weder sprach- noch steh­be­gab­ten Ein­druck mach­tet und
  • auf Auf­for­de­run­gen der das Haus­recht inne haben­den Per­so­nen, eure Plät­ze „wenig­stens eini­ger­ma­ßen sau­ber“ zu hin­ter­las­sen, nur mehr „Schnau­ze!“ zu lal­len ver­moch­tet:

Wäre ich Anhän­ger einer stets an der Gren­ze zum Kreis­li­ga­ni­veau agie­ren­den Trup­pe von Ball­tre­tern, des­sen gele­gent­li­che Sie­ge, wie ihr immer­hin selbst erkannt habt, erwäh­nens­wert sind, ich wür­de ver­mut­lich auch mein See­len­heil im Alko­hol suchen.

Und, mal ehr­lich, ohne Fuß­ball geht’s doch auch.

PolitikIn den Nachrichten
Staf­fel­lauf in Afgha­ni­stan

Eben im „heu­te-jour­nal“, nur echt in Klein­buch­sta­ben, ver­such­te ein Sol­dat sich an Meta­phern und schei­ter­te kläg­lich.

Der bewaff­ne­te Kon­flikt sei „wie ein Staf­fel­lauf“, man müs­se gleich schnell neben­ein­an­der lau­fen, um den Stab über­ge­ben zu kön­nen.

So weit, so ein­fach; lei­der auch so ver­kehrt.
Ein Staf­fel­lauf, so lern­te ich es als jun­ger Schü­ler, funk­tio­niert näm­lich nicht, indem alle Teil­neh­mer gleich schnell neben­ein­an­der lau­fen, denn das war eher ein belieb­tes Spiel auf Schul­hö­fen und hieß Ket­ten­lauf.

In einem Staf­fel­lauf indes geht es eben dar­um, der Schnell­ste zu sein; weil man eben nicht neben­ein­an­der läuft, son­dern in der Absicht, die Geg­ner­mann­schaf­ten zu über­trump­fen, auf­ein­an­der zu. Eigent­lich ist es scha­de, dass die Deut­schen den Stab par­tout nicht abge­ben.

Even­tu­ell soll­te ihnen jemand die Regeln erklä­ren.

Nach­trag von 23 Uhr: In den Kom­men­ta­ren erklär­te mir „Ey Lou“, dass Staf­fel­lauf tat­säch­lich einen kur­zen Moment des par­al­le­len Lau­fens beinhal­tet. Ich zöge­re mit die­ser Deu­tung, da ich kur­ze Momen­te irgend­wie anders in Erin­ne­rung habe.

PolitikIn den Nachrichten
Frau­en­quo­te, Neu­auf­la­ge

Da schwelt doch, gera­de ver­lo­schen geglaubt, schon wie­der das The­ma „Frau­en­quo­te“ durch die Poli­tik, aus­ge­löst von – wie so oft – Kri­sti­na Schrö­der. Hat­te sie aber im Novem­ber noch bemer­kens­wer­te Gei­stes­blit­ze, die mich bei­na­he mei­nen Glau­ben dar­an, dass man ein natur­ge­ge­ben schlech­ter Mensch sein muss, um in der CDU zu sein, ver­lie­ren lie­ßen, macht sie das jetzt alles wie­der wett:

Bun­des­frau­en­mi­ni­ste­rin Kri­sti­na Schrö­der (CDU) will mehr weib­li­che Füh­rungs­kräf­te in Wirt­schaft und Ver­wal­tung, not­falls per Gesetz. Der „Wies­ba­de­ner Kurier“ berich­te­te vor­ab, Schrö­ders Mini­ste­ri­um wer­de prü­fen, ob und inwie­weit die Geset­ze geän­dert und effek­ti­ver gestal­tet wer­den müs­sen. Der Anteil von Frau­en in Füh­rungs­po­si­tio­nen der Wirt­schaft und des öffent­li­chen Dien­stes sol­le maß­geb­lich erhöht wer­den.

Auch Stim­men Drit­ter wer­den gehört, und für inter­es­sant hal­te ich außer der von Frau Inga Koster, die eine Frau­en­quo­te zu Recht Män­ner­dis­kri­mi­nie­rung nennt, aber, ohne etwas zu bemer­ken, von „der Kandidatin/dem Kan­di­da­ten“ schwa­felt, vor allem die­se hier:

Rita Lietz­ke, 53, ver­ant­wor­tet bei der als Per­so­nal­ma­na­ge­rin (sic!) bei der Deut­schen Tele­kom den Vor­stands­be­reich Inno­va­ti­on und Tech­no­lo­gie. Sie sagt: „Frau­en­quo­ten sind ein not­wen­di­ges Übel.“

Das ist ja mal ganz inter­es­sant zu lesen, was so eine Per­so­nal­ma­na­ge­rin bei der Deut­schen Tele­kom an einem lan­gen Tag so vor sich hin­plap­pert, aber wie­so soll eine Frau­en­quo­te denn „not­wen­dig“ sein?

Wie groß ist der Pro­zent­satz der männ­li­chen Füh­rungs­kräf­te in Alten­pfle­ge­hei­men, wie groß der männ­li­cher Kin­der­gärt­ner oder Grund­schul­lehr­kräf­te? Die Sta­ti­sti­ken schwan­ken, die abso­lu­ten Zah­len aber sind ein­deu­tig. Drei Män­ner, so erfuhr ich aus Fach­krei­sen, wären in einem Kin­der­gar­ten belie­bi­ger Grö­ße schon ein erstaun­lich gro­ßer Anteil.

Wer einen Men­schen nach sei­nem Geschlecht statt nach sei­ner Qua­li­fi­ka­ti­on bewer­tet, dis­kri­mi­niert ihn. „Herz­li­chen Glück­wunsch, Sie haben Eier­stöcke, Sie sind ein­ge­stellt!“

Man kann auch per Gesetz nur schlecht dafür sor­gen, dass sich mehr Frau­en für eine qua­li­fi­zier­te Tätig­keit in der EDV- oder einer ähn­lich gut bezahl­ten Bran­che inter­es­sie­ren. Die Inter­es­sen eines Men­schen sind ihm in jahr­tau­send­lan­ger Evo­lu­ti­on qua­si gene­tisch antrai­niert wor­den. „Wir kön­nen den Unter­neh­men nicht ver­bie­ten, Elek­tro­tech­ni­ker bes­ser zu bezah­len als Ger­ma­ni­sten.“

Alles wie­der offen? Ich bin gespannt, wozu sich die beschei­de­ne künf­ti­ge Bun­des­mut­ter dann näch­stes Mal bekennt.

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Dopa­min

Kur­ze Durch­sa­ge für Musik­freun­de (außer­halb Ägyp­tens, ver­steht sich):

Unter Freun­den erwäh­ne ich mit­un­ter, dass ich an ein gutes Musik­al­bum in der Regel posi­ti­ve­re Erin­ne­run­gen hege als an kör­per­li­che Freu­den. Mei­ne oft fol­gen­de Erklä­rung, war­um ich Musik­fa­schist bin, brach­te mir viel­fach fra­gen­de Blicke ein.
Bevor ich mir nun also eine wei­te­re Erklä­rung abrin­ge, um mei­ne Erklä­rung zu erklä­ren, über­las­se ich das Feld lie­ber den Pro­fis:

Sci­en­tists have found that the plea­sura­ble expe­ri­ence of listening to music releases dopa­mi­ne, a neu­ro­trans­mit­ter in the brain important for more tan­gi­ble plea­su­res asso­cia­ted with rewards such as food, drugs and sex.

Auf gut Deutsch in Kür­ze zusam­men­ge­fasst bedeu­tet das, dass der Genuss eines guten Musik­al­bums – die Beto­nung ist hier auf „gut“ zu set­zen, denn ein schlech­tes Musik­al­bum ver­ur­sacht schlimm­sten­falls Wür­ge­rei­ze – nicht nur ähn­li­che (aber in der Regel län­ger anhal­ten­de) Glücks­ge­füh­le aus­löst wie Geschlechts­ver­kehr und/oder Ecsta­sy, son­dern die glei­chen. Die Kon­se­quenz ist klar: Statt sich Che­mi­ka­li­en aus dubio­sen Quel­len rein­zu­pfei­fen und anschlie­ßend mit einem Part­ner intim zu wer­den, der nach dem Auf­wa­chen irgend­wie ganz anders aus­sieht, als man ihn in Erin­ne­rung hat­te, kann man sei­ne Ner­ven auch scho­nen, indem man sich statt­des­sen dar­an erin­nert, dass auch der Geist sich nach ste­ti­ger Befrie­di­gung sehnt. Man muss ja nicht gleich zu einem Album grei­fen, das „Dopa­min“ oder „Ecsta­sy“ heißt. Eini­ge Anre­gun­gen fin­den treue Leser hin und wie­der auch hier.

(Hier­zu ein Auf­ruf in eige­ner Sache: Um zu ver­hin­dern, dass mir wie­der essen­zi­ell gran­dio­se Musikal­ben ent­ge­hen, neh­me ich via Kom­men­tar­funk­ti­on schon jetzt Vor­schlä­ge für die Jah­res­rück­schau­en 06/2011 und 12/2011 ent­ge­gen. Irgend­was, was drin­gend mal rezen­siert gehört? Immer her­an mit den Ideen!)

Apro­pos Ägyp­ten: Das Volk will nicht spu­ren? Dre­hen wir ihm doch mal das Inter­net ab, das wird die Revo­lu­ti­on verhindern!!1!! Da hilft auch kein Not­fall­knopf mehr.

MusikNetzfundstücke
Kurz ver­linkt XXXV: Dada da.

Was haben wir nicht alle schon gelacht über den Mum­pitz, den die Webzweinul­ler die­ser Tage dank von min­de­stens dem Teu­fel erson­ne­ner Kurz­blogs wie Twit­ter oder des *vz-Busch­funks (wir fun­ken durch den Busch, uh uh!) unge­straft in die Welt trom­pe­ten dür­fen. Frü­her (zu mei­ner Zeit) hät­te anläss­lich man­cher wir­rer Wort­schwal­le selbst der sprich­wört­li­che Fri­sör flucht­ar­tig den Raum ver­las­sen, weil es eben teil­wei­se vor Belang­lo­sig­keit oder jeden­falls Pein­lich­keit kaum noch zu über­bie­ten ist. Beson­ders unhand­lich ist das Mikro­blog­sy­stem von Face­book, auch „Sta­tus­mel­dun­gen“ genannt, weil es kei­ne restrik­ti­ve 140-Zei­chen-Beschrän­kung besitzt. Für eigen­ar­ti­ge Kurz­ro­ma­ne ist also viel Platz vor­han­den.

Und bekannt­lich kann nichts auf der Welt blöd genug sein, dass nicht irgend­je­mand ein Lied dar­über schrie­be.

Maxi­mi­li­an Meng­was­ser tut genau das und hat mit „Was ihr über mich und eure Kunst wis­sen soll­tet“ einen frei her­un­ter­lad­ba­ren EP ver­öf­fent­licht, auf dem er laut Beschrei­bung „aus­schließ­lich Sta­tus-Mel­dun­gen sei­ner Face­book-Freun­de als Text ver­wen­det“.

Das Ergeb­nis ist noch abson­der­li­cher als das ursprüng­li­che Vor­ha­ben, und ich wünsch­te, Herr Meng­was­ser wür­de das auch mal als Album raus­brin­gen, als Bonus­ti­tel viel­leicht Tweets von Herrn hae­kel­schwein ver­to­nen, und damit reich und berühmt wer­den, damit Hel­ge Schnei­der nicht der ein­zi­ge dada­isti­sche Künst­ler bleibt, der auch mal bun­des­wei­te Medi­en­auf­merk­sam­keit bekommt. (Dis­kus­sio­nen über die Gren­zen von Dada und Nihi­lis­mus bit­te ich anders­wo zu füh­ren, einen Link dort­hin fän­de ich aller­dings recht zuvor­kom­mend.)

Wie singt Maxi­mi­li­an Meng­was­ser doch gleich?
„Man muss mich nicht ver­ste­hen – lieb­ha­ben reicht!“

(via Indis­kre­ti­on Ehren­sa­che)