Montagsmusik
Led Zeppelin — Achilles Last Stand

Da wollte mir doch neulich ein­er erzählen, Tom Morel­lo (u.a. Rage Against The Machine) und “Slash” (Guns’n’Roses) seien Meis­ter an der Gitarre. Nun mag ich Rage Against The Machine, aber was ich noch bess­er finde, ist diese Livev­er­sion von Led Zep­pelins “Achilles Last Stand”, die das mit dem Meis­ter noch mal ganz anders definiert. Das finde ich ganz per­sön­lich.

Großar­tig, dieser Herr Page.

Guten Mor­gen!

Sonstiges
Blasentee

Soeben rauschte fol­gende Wer­bung für “Bub­ble Tea” an mir vorüber:

Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass mich die merk­würdi­ge Hin­ter­grundbeschal­lung an den Goosh­ers-Tanz erin­nert, wüsste ich wirk­lich gern, welche Klien­tel mit einem solchen Video ange­lockt wer­den soll. Da 15-jährige Mäd­chen, die sich ja nor­maler­weise jeden süßlichen Mist (Red Bull, Erd­beersekt, Vla) in hin­ter die Binde kip­pen, nor­maler­weise noch nicht zu viel LSD nehmen und sich somit mit dem blöde rumhüpfend­en Asi­atis­chstäm­mi­gen (“McTi”, welch amüsan­ter Scherz — noch lustiger wäre es freilich gewe­sen, die Pro­duzen­ten hät­ten stattdessen Mr. T, Ice‑T oder gle­ich bei­de ange­wor­ben) noch nicht iden­ti­fizieren kön­nen, fall­en sie schon mal aus.

“Bub­ble Tea”, was ist das eigentlich? Nun, der Sprech­er beschreibt es ja: “Leck­er Tee mit Frucht­bub­bles”, ich palme mein face. Die Wikipedia weiß mehr:

In den 1990er Jahren wurde Bub­ble Tea zu einem Trend­getränk in Asien und in Kali­fornien, von wo aus sich der Trend in den ganzen USA ver­bre­it­ete.

Ah, ein tai­wane­sis­ches Trend­getränk, das in den USA total toll gefun­den wird und deswe­gen zwei Jahrzehnte später unbe­d­ingt auch hier bre­it­ge­treten wer­den muss. Beson­dere Eigen­schaften? Süß, kle­brig, giftig.

Bub­ble Tea wird von Ernährung­sex­perten wegen seines hohen Zuck­erge­halts kri­tisiert (0,4 Liter enthal­ten 600 bis 1000 kcal).

Macht ja nix — Gesund­heit und Maße deutsch­er Kinder entsprechen noch zu wenig US-amerikanis­chen Stan­dards, da muss man etwas ändern.

“Bub­ble Tea, Bub­ble Tea, Bub­ble Tea!”

Darauf erst mal einen Grap­pa.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CVI: Apropos “Brot und Spiele”…

Sag’ ich doch:

Dass Fußball nicht ein­fach nur ein Sport ist, son­dern z.B. auch den Blick der Öffentlichkeit auf Prob­lem­felder lenkt, ist wichtig. Während der EM aber wollen wir ein­fach mal nur die Spiele genießen.

Genau, wen inter­essiert schon Poli­tik? Natür­lich wird die Bun­desregierung während der Fußball-Europameis­ter­schaft keine Beschlüsse fällen, die irgendwem miss­fall­en kön­nten, son­dern abwarten, bis die Bürg­er wieder mit voller Aufmerk­samkeit die Poli­tik­nachricht­en ver­fol­gen. So rück­sichtsvoll ken­nen wir sie ja, und dafür soll­ten wir dankbar sein.

So lange uns das Bürg­er­recht, Fußball zu guck­en, nur nicht genom­men wird, sind wir glück­lich, nicht wahr?

Persönliches
Flagge zeigen!

Offen­bar find­et zurzeit wieder eine Fußballmeis­ter­schaft statt, wie die beein­druck­ende Zahl an deutschen Flaggen an jed­er möglichen und unmöglichen Stelle zeigt. Natür­lich dienen diese allein dem Zweck, die deutsche Mannschaft zu unter­stützen, denn selb­stver­ständlich spie­len die deutschen Gurken (5 Gegen­tore durch die Schweiz. Die Schweiz!) weniger mies, wenn sich die Zuschauer von irgendwelchen Negerkindern in Drit­teweltlän­dern zusam­menge­tack­erte Flaggen an ihr japanis­ches, kore­anis­ches oder spanis­ches Auto kleben.

Mit dem außer­halb Deutsch­lands dur­chaus erwün­scht­en “Nation­al­is­mus” — mein­ten Sie: Patri­o­tismus? — habe diese Lust am Bebildern nichts zu tun, son­dern mit Sol­i­dar­ität mit der eige­nen Mannschaft, heißt es.

Es ist schon merk­würdig: Bis­lang war ich der Ansicht, im Sport gin­ge es darum, dass der Bessere am Ende als Sieger her­vorge­ht, ein­mal abge­se­hen vom Rad­sport, wo let­ztlich der Teil­nehmer mit dem besten Arzt das Ren­nen macht, und vom Imkre­is­fahren (“Formel 1”), das ich nicht als Sportart akzep­tiere. Warum sollte das aus­gerech­net beim Fußball anders sein?

Meine “Heim­mannschaft” — die Fußball­mannschaft meines gegen­wär­ti­gen Aufen­thalt­sortes — ist der­art untal­en­tiert, dass sie von ein­er nen­nenswerten Liga weit ent­fer­nt ist. Die erfol­gre­ich­ste Fußball­mannschaft aus dem weit­eren Umkreis ist Ein­tra­cht Braun­schweig, momen­tan Zweitligist und nicht unbe­d­ingt spielerisch überzeu­gend. Sollte ich nun Anhänger dieser Mannschaft wer­den, weil ich alle paar Wochen ein­mal in der Nähe ihres Sta­dions unter­wegs bin, obwohl ich ihr keinen größeren Erfolg in abse­hbar­er Zeit voraus­sage? Ich meine: Nein.

Und so ist das auch mit unser­er Mannschaft, der “deutschen Elf”. Ich beurteile Fußball­mannschaften nach ihrem spielerischen Kön­nen und nicht nach der Nation­al­ität ihrer Spiel­er. (Über die Herkun­ft der “deutschen Spiel­er” reden wir lieber gar nicht erst, son­st bliebe von der deutschen Elf wohl keine zweis­tel­lige Zahl mehr übrig.) Der großar­tige Erfolg dieser Mannschaft während der let­zten inter­na­tionalen Wet­tbe­werbe lässt nur den Schluss zu, dass sich ein Anhänger­tum der deutschen Mannschaft nicht mit Ratio­nal­ität erk­lären lässt.

Jaha, “Deutsch­land jubelt”. Mit Brot (Grill­wurst) und Spie­len (Fußball) wird davon abge­lenkt, was die Bun­desregierung in ihrem stillen Käm­mer­lein wieder für Geset­zesini­tia­tiv­en plant. Mit jedem Tor fällt ein weit­eres Bürg­er­recht? Ach, wer redet schon von Poli­tik? Tooooor! — Tore fall­en und Toren jubeln, wahrschein­lich heißt es deswe­gen “Tor­jubel”.

Zum Glück dauert dieser kollek­tive Masochis­mus, dieses unter­wür­fige Ver­lan­gen danach, sich mit ein­er Ver­lier­ertruppe zu sol­i­darisieren und iden­ti­fizieren, nicht lange an. Sobald unsere Mannschaft nicht mehr mit­spielt, ebbt das Inter­esse am Fußball­sport regelmäßig ab, denn wer will schon zweiundzwanzig schwitzende Män­ner sehen?

Spätestens also am 17. Juni. Ich freue mich darauf.

Sonstiges
Wolfenbüttel: Endlich ausgeraubt!

Wer glaubte, die beschissene Kam­pagne “Typ­isch Nieder­sach­sen” sei in ihrer kom­plet­ten Bescheuertheit kaum noch zu übertr­e­f­fen, der lag wahrschein­lich richtig. Die Stadt Wolfen­büt­tel lässt den­noch nichts unver­sucht, diesen Erfolg zu übertrumpfen, und wirbt mit ver­schiede­nen Motiv­en dafür, dass man sich in Wolfen­büt­tel “endlich zuhause” wäh­nen kann.

Eines dieser Motive zeigt einen fröh­lichen Greis, der Wolfen­büt­tel fol­gen­der­maßen preist: “3 Wochen Kreuz­fahrt, 4 Tage bei den Enkeln, 1 mal aus­ger­aubt”.

“Wo man raubt, da lass dich nieder.” Endlich zuhause!

NetzfundstückePiratenparteiMir wird geschlecht
Positiver Sprachsexismus

Ana­tol Ste­fanow­itsch, son­st eigentlich ziem­lich heller Zeitgenosse, find­et in einem gestri­gen Blo­gein­trag den Grund­satz der Piraten­partei, dass es nur “den Pirat­en”, nicht aber “die Piratin” gibt, nicht gut.

Dass diese ollen Kamellen jet­zt nach über zwei Jahren wieder aufgewärmt wer­den, ist ein­er­seits beruhi­gend, weil es zeigt, dass die Piraten­partei offen­bar zurzeit kein großes Naziprob­lem hat, das wichtiger wäre, ander­er­seits muss man bedenken, dass Ana­tol Ste­fanow­itsch aus­drück­lich ein “Sprachlog” führt, also darauf bedacht ist, die deutsche Sprache nicht zer­stören zu helfen.

Die Sit­u­a­tion, auf die er reagiert, ist die, dass im “LQFB”, dem Liq­uid-Feed­back-Sys­tem der Piraten­partei, immer wieder Vorschläge einge­hen, wie man dieses ver­meintliche Prob­lem aus der Welt schaf­fen kön­nte, etwa, indem man die Mit­glieder der Piraten­partei for­t­an als Eich­hörnchen beze­ich­net, weil das Wort “Eich­hörnchen” nicht in männlich­er oder weib­lich­er Form existiert. Inwiefern das “bess­er” sein soll als mein vor über zwei Jahren ange­brachter Vorschlag, kün­ftig “Kamele” statt “Pirat­en” zu sagen, weiß ich nicht. Alter­na­tiv wird vorgeschla­gen, von “Pirat­en und Piratin­nen” zu sprechen, und dass dies unweiger­lich Proteste nach sich ziehen würde, es habe gefäl­ligst “Piratin­nen und Pirat­en” zu heißen, ist bere­its abse­hbar.

Dass das Wort “Mit­glied” nichts mit einem “Mit­pe­nis” zu tun hat, arbeit­et Ana­tol Ste­fanow­itsch noch gut her­aus:

Glied bedeutete ursprünglich (wie im Prinzip auch heute noch) „Kör­perteil“, die Bedeu­tung wurde dann auf alle möglichen Arten von Teilen erweit­ert, auf auf Teile von Grup­pen und Gemein­schaften. Mit­glied ist dann eine Ver­stärkung dieser Bedeu­tung. Die Beze­ich­nung des Penis als „Glied“ ist ein Euphemis­mus (der Ver­such, eine neu­trale Umschrei­bung für ein als unanständig emp­fun­denes Konzept zu find­en). Die fem­i­nis­tis­che Lin­guistin Luise Pusch, die als die Exper­tin für die deutsche Sprache und ihre Geschlechter­prob­lematik betra­chtet wer­den muss, kom­men­tiert in ein­er Glosse von 1982 diese falsche Her­leitung mit den Worten „Wir sagen den Män­nern nach, sie dächt­en immer nur an ‘das eine’. Weib­liche Wortschöp­fun­gen wie Ohneglied und Mitk­l­i­toris leg­en den Ver­dacht nahe, daß auch Frauen noch entsch­ieden zu oft daran denken.“

Lei­der ist das auch das einzig Überzeu­gende an seinem Beitrag, in dem er anson­sten “Leser/innen” und “Sprecher/innen” schreibt und also fleißig gen­dert. Er schlägt gar vor, kün­ftig von “Pirat/innen” zu sprechen, da, so die von ihm für valide befun­dene Argu­men­ta­tion, eine geschlecht­sneu­trale Sprache immens wichtig wäre; am Ende des Textes find­et er gar die Idee, kün­ftig “geschlecht­sneu­tral von Piratin­nen zu sprechen”, erwäh­nenswert. Inwiefern das eine Verbesserung sein soll, ver­rät er nicht.

Wenige Sätze zuvor erken­nt er noch richtig, dass der entsprechende Abschnitt in der Parteisatzung eine Wort­de­f­i­n­i­tion ohne Wer­tung ist, wie man wahrschein­lich eben auch “Toy­otas wer­den im Fol­gen­den als Autos beze­ich­net” schreiben kann, ohne von Opelbe­sitzern eins auf die Mütze zu bekom­men. “Der Men­sch” sei zum Beispiel trotz seines gram­matikalis­chen Genus’ ein geschlecht­sneu­trales Wort, da es keine geschlechtsspez­i­fis­chen For­men des Wortes gibt.

Nun, auch “der Pirat” ist ein geschlecht­sneu­trales Wort, denn in der vor­liegen­den Def­i­n­i­tion als Sam­mel­be­griff für Mit­glieder der Piraten­partei Deutsch­land ist es nicht iden­tisch mit der Beze­ich­nung “ein männlich­er Seefahrer”, son­dern eine sep­a­rate Wortschöp­fung, die eben nur zufäl­lig männlichen “Geschlechts” ist — wie sich eben auch die wenig­sten Frauen “die Men­schin” oder “das Men­sch” nen­nen wür­den, und das nicht nur deshalb, weil es scheiße klingt.

Dabei ist die Debat­te zum The­ma “Neu­tral­ität der Sprache” so ver­logen und wider­sin­nig wie nur wenige andere. Worauf der strit­tige Punkt in der Satzung hin­weisen soll, ist: Das Geschlecht spielt für einen Pirat­en keine Rolle. Es ist nicht wichtig, ob der Mit­pi­rat männlich, weib­lich, bei­des oder nichts von bei­dem ist, als Gemein­samkeit bleibt das poli­tis­che Ziel. Men­schen sollen — und soll­ten — nach ihrer Men­schlichkeit und nicht nach ihrem Geschlecht sortiert wer­den, wie es etwa die Grü­nen seit Jahren prak­tizieren. Was haben sie damit bis­lang erre­icht?

Wenn man nun anfängt, die geschlechtlichen Unter­schiede in der Sprache her­auszustellen, tren­nt man das “Kollek­tiv”, näm­lich die Pirat­en bei­der­lei Geschlechts, eben doch wieder in Männlein und Weiblein, was nicht sin­nvoll ist und bei der poli­tis­chen Zusam­me­nar­beit eher block­iert, weil es vom Wesentlichen ablenkt. Nur ein Sex­ist erachtet das Geschlecht für erwäh­nenswert. Anony­mus “irgen­dein Pirat” kom­men­tierte dort tre­f­fend:

Ich habe (…) abso­lut keine Lust darauf und finde es diskri­m­inierend, Texte zu lesen, wo man bei jedem per­so­n­en­be­zo­ge­nen Sub­stan­tiv expliz­it darauf hingewiesen wird, dass die Mehrzahl der Leute es anscheinend über­aus wichtig find­en, was sie zwis­chen den Beinen haben, und was sie damit anstellen.

Dem ist meines Eracht­ens nichts hinzuzufü­gen.

(Der Voll­ständigkeit wegen: Einige der hier vorge­bracht­en Argu­mente habe ich auch unter ver­link­tem Artikel als “Cthul­hux” in Kom­men­tar­form hin­ter­lassen, lei­der ohne nen­nenswerte Kon­se­quen­zen.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CV: Erschütternd: Waffen werden zum Schießen verwendet

Über­raschung!

Drei U‑Boote hat eine deutsche Werft für Israel gebaut, drei weit­ere sollen fol­gen. Nach SPIEGEL-Infor­ma­tio­nen stat­tet Jerusalem die U‑Boote aus Kiel mit nuk­lear bestück­ten Marschflugkör­pern aus. Die Bun­desregierung hat­te bis­lang erk­lärt, sie wisse nichts von der atom­aren Bewaffnung.

Das ist aber auch frech von den Israelis: Um die andauern­den Kon­flik­te um ihr Land einzudäm­men, hat die deutsche Bun­desregierung ihnen einige U‑Boote zukom­men lassen, damit sie mal etwas anderes tun als Leute kaputtzuschießen, und jet­zt wer­den diese fried­vollen Schiffe ver­wen­det, um statt eines Fis­ch­er­net­zes Waf­fen auf ihnen zu mon­tieren. Welch Affront!

So war das sich­er nicht beab­sichtigt. Ich empfehle, kün­fti­gen Liefer­un­gen einen aus­drück­lichen Hin­weis beizufü­gen, dass U‑Boote nur für friedliche Ein­sätze ver­wen­det wer­den soll­ten.

(via Pos­til­lon, eben­falls lesenswert.)

PersönlichesSonstiges
Schrei.

“Him­me­len ble plut­selig blodig rød – Jeg stanset, lænede meg til gjerdet mat til døden – så ut over de flam­mende sky­erne som blod og sværd over den blås­varte fjord og by – Mine ven­ner gik videre – jeg sto der skjæl­vende av angst – og følte et stort uen­delig skrik gjen­nom naturen.”
– Edvard Munch

(Stim­mung heute: Bek­lem­mend.)


Nach­trag vom 2. Jan­u­ar 2015: Seit gestern ver­stößt dieser Beitrag nicht mehr gegen das Urhe­ber­recht.

Internes
Suchbegriffe, Monat Mai 2012

Ein weit­er­er Monat ist vorüber, und als ich ger­ade durch die Such­be­griffe des Monats blät­terte, fasste ich mir mehr als nur ein­mal an den Kopf. Dass Leute eige­nar­tige Vorstel­lun­gen vom Inter­net haben, ist ja nicht son­der­lich ver­w­er­flich, aber dass eine bekan­nte Such­mas­chine glaubt, diese Vorstel­lun­gen wür­den aus­gerech­net von mir erfüllt, bere­it­et mir Kum­mer. Was habe ich nur getan? ‘Such­be­griffe, Monat Mai 2012’ weit­er­lesen »

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CIV: Muslimische Geschichtsfälscherbanden

Achje:

Bun­de­spräsi­dent Joachim Gauck hat sich von der Ein­schätzung seines Vorgängers Chris­t­ian Wulff dis­tanziert, der Islam gehöre zu Deutsch­land. (…) Gauck erregte nun mit sein­er Rel­a­tivierung der Wulff­schen Sichtweise den Ärg­er mus­lim­is­ch­er Ver­bände und der Türkischen Gemeinde. “Das europäis­che Abend­land ste­ht ganz klar auch auf mus­lim­isch-mor­gen­ländis­chen Beinen. Wer das leugnet, betreibt Geschichts­fälschung”, sagte der Vor­sitzende des Zen­tral­rats der Mus­lime in Deutsch­land, Aiman Mayzek, der “Pas­sauer Neuen Presse”.

Das “europäis­che Abend­land” musste sich seit dem Unter­gang des Byzan­ti­nis­chen Reich­es im 15. Jahrhun­dert bis ins 19. Jahrhun­dert hinein gegen “mus­lim­isch-mor­gen­ländis­che” Besatzer wehren, eine der bekan­ntesten Begeben­heit­en aus dieser Zeit ist vielle­icht die mehrfache verge­bliche Belagerung von Wien.

Das “europäis­che Abend­land” war jahrhun­derte­lang im Visi­er des Osman­is­chen Reich­es, das ver­sucht hat­te, seinen Macht­bere­ich auch auf Europa auszudehnen, was Herr Erdoğan, gegen­wär­tig amtieren­der Min­is­ter­präsi­dent der Türkei, noch immer gele­gentlich in Erwä­gung zieht. Das “mus­lim­is­che Mor­gen­land” hat Europa mit­nicht­en auf Beine gestellt, es hat ver­sucht, es zu erlegen und auszuwei­den. Wer das leugnet, betreibt Geschichts­fälschung.

Der Islam “gehört zu Deutsch­land” wie Coca-Cola und Justin Bieber: Kommt hier alles vor, stammt aber alles nicht von hier.
Der Unter­schied ist nur, dass Coca-Cola und Justin Bieber noch nie ver­sucht haben, Europa mit mil­itärischen Mit­teln eine fremde Reli­gion aufzuzwin­gen.

Obwohl ich das gern erleben würde.

Sonstiges
Grünes Licht

Ach, “Spot­light”, du merk­würdi­ges Englis­chlern­magazin,

dein aktuelles Titel­bild ist ja schön und gut, aber haben sich deine Redak­teure mal darüber Gedanken gemacht, was eigentlich wirk­lich passiert, wenn eine Ampel all­seit­ig “grün leuchtet” (und somit mehr als nur einen Kon­struk­tions­fehler aufweisen dürfte)?

Nun ja, vielle­icht ist es ja ein Crashkurs.

Spaß mit Spam
I have to suggestion

“Ich muss Vorschlag”, so lautet der Titel ein­er reizen­den Spam-Mail, die mich gestern erre­ichte.

Good after­noon,

This is Vladimir writ­ing. I am Russ­ian. I would like to offer you a coop­er­a­tion to get sup­ple­men­tary income.

“Guten Nach­mit­tag, dies ist Vladimir am Schreiben. Ich bin rus­sisch. Ich würde Ihnen gern eine Zusam­me­nar­beit anbi­eten, um ergänzen­des Einkom­men zu erhal­ten.”

Guten Tag, dies bin ich am Zurückschreiben. Ich bin deutsch, und was genau ich damit zu tun habe, dass Vladimir mehr Einkom­men erhält, wird lei­der nicht beant­wortet.

I got to know to legal­ly earn mon­ey but I am not able do it on my own.

“Ich muss wis­sen, wie man legal Geld ver­di­ent, aber ich kann das nicht allein”, weshalb er stattdessen weit­er­hin ille­gal Geld ver­di­enen muss, der Ärm­ste, tja. Wie genau, ver­rät er lei­der nicht, aber nach einigem Geschwafel kommt er doch mal zur Sache:

(…) Your main task be my rep­re­sen­ta­tive in Europe. I can guar­an­tee the secu­ri­ty and legit­i­ma­cy of this coop­er­a­tion.

“Ihre Haup­tauf­gabe seien Sie mein Vertreter in Europa”, und dafür gibt er mir sein Ehren­wort, ich wieder­hole: sein Ehren­wort für “die Sicher­heit und Recht­mäßigkeit dieser Zusam­me­nar­beit”, und das sollte ja wohl alle Zweifel aus der Welt schaf­fen.

If you are inter­est­ed I am here to explain you every­thing in small­est details and answer to your ques­tions.

“Wenn Sie inter­essiert sind, bin ich hier, um Ihnen alles in kle­in­sten Details zu erläutern und Ihre Fra­gen zu beant­worten.”

Eine Frage hätte ich dann ja schon: Was habe ich davon? Ich soll Vladimir in Europa repräsen­tieren, damit er lernt, legal Geld zu ver­di­enen, nur von dem legal ver­di­en­ten Geld werde ich keinen Cent sehen, son­st hätte er das ja zumin­d­est angedeutet. In anderen Worten: Er sucht einen Doofen. Dabei wün­sche ich viel Glück.

Look­ing for­ward to your response.

Best regards, Vladimir Prigodin

Ab mit Schaden.

Gruß­los, ich.

Musik
Bestest of…

Zu den alltäglichen Erschei­n­un­gen, die ich nicht zu begreifen imstande bin, gehört außer der unver­min­derten Präsenz von Zigaret­ten­rauch­ern auch die musikalis­che Dar­re­ichungs­form der “Best-of”-Zusammenstellungen.

“Best-of”-Zusammenstellungen sind eine lose Samm­lung von irgend­wie aneinan­derg­erei­ht­en Titeln eines Kün­stlers, “die man ken­nt” oder auch nicht. Und weil so ein Kün­stler in der Regel ziem­lich viel Musik aufn­immt, kom­men am Ende auch ziem­lich viele “Best-of”-Zusammenstellungen her­aus. Allein von der Musik­gruppe Yes, die ja nun seit über 40 Jahren mehr oder weniger aktiv ist, existieren längst mehr “Best-of”- als tat­säch­liche Stu­dioal­ben. In einem Elek­tron­ikmarkt stieß ich heute gar auf eine “Best of Dr. Hook” namens “Essen­tial” (“essen­ziell”), was bei ein­er Musik­gruppe, die exakt einen mir auf Anhieb bekan­nten “Hit” namens “Sexy Eyes” hat­te, ein ziem­lich anspruchsvolles Unternehmen gewe­sen sein dürfte.

Dabei sind die Über­schnei­dun­gen anscheinend unver­mei­dlich, aber eben auch einiger­maßen egal. Um bei Yes zu bleiben: Sollte man, wenn man unbe­d­ingt das Bedürf­nis hat, das grot­tige “Own­er of a Lone­ly Heart” im Plat­ten­schrank zu haben, nun “In a Word: Yes (1969- )”, The ulti­mate Yes”, “The Best of Yes” oder gar “The Very Best of Yes” (“High­lights”) kaufen? Ein biss­chen bess­er geht eben immer. Ähn­liche Fra­gen tun sich auch bei allen anderen einiger­maßen bekan­nten Yes-Stück­en auf, schon “And You And I” wurde so oft ver­wurstet, dass ich mich frage, ob die Rechtein­hab­er über­haupt noch selb­st wis­sen, was wann wo erschienen ist; und wenn ja, warum sie dann nicht endlich mit dem Unfug aufhören.

Über­haupt: Die Titel! Eine unlängst erschienene “Best-of”-CD der Toten Hosen trägt, benan­nt nach einem ihrer früheren Erfolge, den Titel “All die ganzen Jahre”. Am Ende des Refrains besagten Liedes, in dem es um Ver­lust der Fre­und­schaft und nicht etwa um die Großar­tigkeit der Toten Hosen geht, ertö­nen die Zeilen:

Nichts ist mehr geblieben, alles aus­gelöscht.
All die ganzen Jahre…!

Wer auch immer für die Benen­nung von “All die ganzen Jahre” (der CD, nicht des Liedes) zuständig war, würde ein “Das Beste der Ärzte” auch nach ihrem Lied “Vor­bei ist vor­bei” benen­nen.

Nun kön­nte man diese Zusam­men­stel­lun­gen als eine Art “Quer­schnitt” des musikalis­chen Schaf­fens eines Musik­ers — oder ein­er Musik­gruppe — ver­ste­hen, der dazu dienen soll, seine — oder ihre — Musik zu ent­deck­en. Aber kann dieser Zweck erfüllt wer­den?

Eine solche Zusam­men­stel­lung entste­ht meist, indem man beste­hende Musik­stücke aus dem zeitlichen, inhaltlichen und wom­öglich per­sön­lichen Kon­text reißt. Natür­lich schrieb Bob Dylan in den 1980-er Jahren andere Lieder als in den Anfangs­jahren sein­er Kar­riere, als er gegen den Krieg mobil­isierte und selb­st mobil­isiert wurde, den­noch wäre es falsch, ihn auf “der mit den Protestliedern, der später was anderes machte” zu reduzieren, was jed­er, der “Blonde on Blonde” gehört und ver­standen hat, wahrschein­lich sofort erken­nt. Ähn­lich ver­hält es sich mit den Bea­t­les: Würde ich unter Andro­hung kör­per­lich­er und/oder seel­is­ch­er Gewalt (“tu es oder wir kaufen dir ein iPhone, das du dann nutzen musst”) dazu gezwun­gen, eine CD namens “The def­i­nite­ly very ulti­mate and essen­tial best of The Bea­t­les” oder so ähn­lich zusam­men­zustellen, ich würde die Laufzeit mit “A Day in the Life”, “Lady Madon­na”, “Tomor­row Nev­er Knows” und der­gle­ichen wohl prob­lem­los zu füllen wis­sen. Es stellte sich mir lediglich die Frage, inwiefern eine solche willkür­liche Ansamm­lung an halb­wegs guten Klang­beispie­len dazu beitra­gen kann, das Inter­esse an den Bea­t­les seit­ens eher unbe­wan­dert­er Zeitgenossen zu weck­en oder wom­öglich zu erhöhen.

Ich bemühe in diesem Zusam­men­hang gern eine Meta­pher: Es ist kein sin­nvolles Tun, nur zwei oder drei zufäl­lig aus­gewählte Kapi­tel eines abgeschlosse­nen Romans zu lesen und den Roman dann nicht zu kaufen. Erst recht von frag­würdi­gem Nutzen ist es, wenn man diese zwei oder drei Kapi­tel mit anderen Kapiteln aus ganz anderen Roma­nen (des, immer­hin, gle­ichen Autors) zusam­men­wür­felt und dann als “Das Beste” feil­bi­etet. Besagte Kapi­tel kön­nen noch so gut sein, sie bleiben doch nur Stück­w­erk, anhand dessen man allen­falls erah­nen kann, ob der Autor fehler­freies Deutsch spricht, nicht aber, ob er es schafft, mehr als zwei oder nur drei Kapi­tel mit lesenswertem Text zu füllen.

Wenn dem poten­ziellen Käufer ein­er solchen Kom­pi­la­tion aber Kon­text und Hin­ter­grund schnuppe sind, wenn er also nur daran inter­essiert ist, das bekan­nte Zeug des bloßen Besitzes wegen zu haben, dann kön­nte er eine Menge Geld sparen, kaufte er sich stattdessen ein­fach ein Radio. Ich behaupte: Es gibt keine größere Geld­ver­schwen­dung als “Best-of”-Alben zu kaufen.

Ein Musikalbum ist übri­gens in der Regel bere­its selb­st ein “Best of”, eine Zusam­men­stel­lung der besten Stücke, die während der dazu gehören­den Auf­nahme­sitzun­gen ent­standen. Lieder, die es (wegen zu schlecht) nicht auf ein Musikalbum schaf­fen, erscheinen später als B‑Seiten, “Out­takes” (wörtlich über­set­zt eben her­ausgenommene Lieder) oder auf Soloal­ben der beteiligten Kün­stler, wom­öglich auch Jahrzehnte später auf erweit­erten Ver­sio­nen der Orig­i­nalal­ben.

Aber manche geben sich eben nur mit dem Allerbestesten zufrieden.


Nach­trag: Man wies mich darauf hin, dass Dr. Hook mehr als nur ein bis heute bekan­ntes Lied auf­nah­men. Ich bitte diese Fehlrecherche mein­er­seits zu entschuldigen und habe die For­mulierung angepasst.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt CIII: Keine Erwartungen!

Die gute Nachricht: Bun­de­spräsi­dent Joachim Gauck reist nach Israel. Die schlechte Nachricht: Voraus­sichtlich wird er auch wieder zurück­kom­men.

In der Zwis­chen­zeit wird er so mancher­lei Gele­gen­heit haben, sich über die Lage in der Welt — natür­lich nicht die in Israel mit dem fröh­lichen Palästi­nenser­schlacht­en vor der Tür, das wäre doch anti­semi­tisch und unangemessen — auszu­tauschen. Denn warum reist ein deutsch­er Bun­de­spräsi­dent nach Israel? Natür­lich, um Gün­ter Grass nicht gut zu find­en:

Die Grass-Debat­te werde auch während der Israel-Reise Gaucks kom­mende Woche eine Rolle spie­len, erwartet Hadas-Han­dels­man. “Selb­stver­ständlich wird über dieses The­ma auch während des Besuchs gesprochen”, sagte der Botschafter. Er wolle dazu aber keine Erwartun­gen an das deutsche Staat­sober­haupt for­mulieren.

Das ist schön: Man wird “darüber sprechen”, aber “keine Erwartun­gen for­mulieren”. Wie muss man sich diesen Dia­log vorstellen?

“Das, was Gün­ter Grass da in so Verse reingemacht hat, finde ich nicht gut.”
“Oh.”

Näch­stes The­ma.

Wahrschein­lich näm­lich ver­ste­ht man sich nicht nur auf staatsmän­nis­ch­er, son­dern auch auf pri­vater Ebene her­vor­ra­gend:

Dass Gauck aus der ehe­ma­li­gen DDR stamme und selb­st Ver­fol­gung und Unter­drück­ung erlebt habe, sei “ein zusät­zlich­er Grund, warum dieser Besuch wichtig ist”, sagte Hadas-Han­dels­man mit Blick auf die bei­de Län­der eng miteinan­der verbindende Geschichte.

Die DDR und Israel haben so viel gemein­sam: Bei­de sind mit mil­itärischen Mit­teln ent­standen, in bei­den waren bzw. sind Ver­fol­gung und Unter­drück­ung von Staats­fein­den — Demokrat­en hier, Palästi­nensern dort — die übliche Vorge­hensweise, um den Staat sauberzuhal­ten. Nun hat die DDR Deutsch­land noch nie ein U‑Boot abgekauft, weshalb die Beziehun­gen doch zeitweise etwas frostig waren. Aber einen guten Han­delspart­ner (Hus­sein, al-Gaddafi, Israel) ver­schreckt man als Export­na­tion eben nur ungern.

לחיים!

(via L.)