Und die 80er so:
You’ve played this scene before…
Guten Morgen.
Und die 80er so:
You’ve played this scene before…
Guten Morgen.
(Vorbemerkung 1: Ich bin nach wie vor Mitglied der Piratenpartei, und dass dies nicht unbedingt Blindheit gegenüber dem Zustand der Partei und Schönfärberei äußerst unangenehmer Vorgänge mit sich bringt, muss anscheinend gelegentlich klargestellt werden. Das mache ich jetzt mal.
Vorbemerkung 2: Dies ist eine Zustandsanalyse und kein offener Brief. Sie könnte Polemik und/oder überzogene Darstellungen enthalten.)
Ende Juli findet in Niedersachsen eine neue Aufstellungsversammlung der Piratenpartei Deutschland für die Landtagswahlen im Jahr 2013 statt. Natürlich sehen das jetzt viele als ihre Chance, doch noch einen der begehrten Listenplätze zu ergattern, und dummerweise findet die Presse das interessant.
Begierig nehmen die Medien die Querelen, die seit Wochen wieder mal hochkochen, auf, verdrehen sie und suggerieren, dass die Piratenpartei mal wieder an der Sturheit weniger Idioten zerbricht. Und da es ja in letzter Zeit Mode geworden ist, einen Zwist nicht mehr Auge in Auge auszutragen, sondern sich nur noch in offenen Briefen miteinander zu unterhalten, bewerfen sich die Piraten gegenseitig immer wieder mit neuen Pamphleten, jedes länger und bescheuerter als das vorherige.
An die „lieben Neupiraten“ etwa wendet sich ein offener Brief, in dem von selbst ernannten Altpiraten, die also allein schon deswegen wissen müssen, worum es bei den Piraten geht, erklärt wird, worum es bei den Piraten angeblich gehe. Die drei Verfasser vertreten die Gründungsthesen, was an sich löblich ist, sind allerdings auch furchtbar stolz darauf, dass im piratischen Sinne das Programm um eine liberale Drogenpolitik erweitert wurde. Diejenigen, die auf dem entsprechenden Parteitag gegen diesen Antrag gestimmt haben, werden von ihnen indirekt als Wichtigtuer beschimpft („(…) wer war gegen diesen Antrag? Quasi ausschließlich Leute, die zuvor niemand auf einem Parteitag gesehen hatte. Neue Leute.“) und mit einem traurigen Emoticon bedacht. Das ist ein bisschen schade. (Trotzdem empfehle ich vor dem Weiterlesen, besagten offenen Brief einmal zur Kenntnis zu nehmen, denn im Kern verdient das dort Geschriebene zumindest meine Zustimmung.)
Dem vorausgegangen war ein anderer offener Brief namens „Machen statt labern!“, initiiert von ausgerechnet denen, die die Presse übereinstimmend als machtgierige Emporkömmlinge ansieht. Zusammengefasst statuieren sie, dass Piratsein bedeutet, dass man sich aktiv einbringt, statt meterlange Monologe auf den pirateneigenen Mailinglisten zu halten. Dass die Initiatoren selbst vortrefflich darin sind, in ebendiesen Listen ihre eigene Arbeit zu loben, ist eigentlich selbsterklärend. („Machen statt labern“ mithilfe eines ziemlich langen offenen Briefes – Gelabers – zu fordern setzt immerhin auch einige Chuzpe voraus, hierfür Applaus.) Ich äußerte mich hierzu bereits an geeigneter Stelle.
Ein dritter offener Brief erreichte gestern das Web, dessen Verfasser immerhin richtig erkannt hat, dass das Problem der Piraten nicht Alt- und Neupiraten sind, sondern „Nichtpiraten“, also diejenigen, denen es allein um einen attraktiven Posten im Land- oder Bundestag und nicht um die piratischen Ideale geht. Der konstruktive Ansatz hier fehlt gänzlich, ein „so kann es nicht bleiben“ ist sicher ebenso gut und richtig wie die (seltene) Benennung derer, die die piratischen Ideale zu torpedieren versuchen, aber das Zurückhalten von „Egoisten und Karrieristen“ – treffend zusammengefasst – allein beseitigt die zwei großen Probleme noch nicht, die der niedersächsische Landesverband der Piratenpartei zurzeit hat.
Eines dieser beiden Probleme ist die anstehende Wahl, die natürlich auch Leute anlockt, von denen man bis dato noch nie etwas gehört hat. Wahlen, infolge derer die Piratenpartei mit ziemlicher Sicherheit einige Plätze im Landtag bekommen wird, sind ein guter Nährboden für Leute, die Interesse an einem gut bezahlten Sesselfurzerdasein haben. Für welche Partei sie in die Sessel furzen, ist ihnen weitgehend egal, zumindest erwecken sie diesen Eindruck. Als Politiker muss man zwar in der Lage sein, sich selbst positiv hervorzuheben, nicht jedoch gegenüber dem Rest seiner Partei. „Wählt mich, ihr seid alle kacke“ wird niemanden in einen Landtag hieven. Wer die Aktiven-Mailingliste des Landesverbandes verfolgt (dies geht auch per Webbrowser), dem dürfte nicht entgangen sein, dass diese simple Regel offenbar noch nicht von jedem verstanden worden ist.
Bei den Piraten kommt man nicht nach oben, indem man gegen unliebsame Konkurrenz intrigiert, ganz gleich, wie groß und verschlagen der Kreis der eigenen Unterstützer ist. Das sollte sich allmählich mal herumsprechen.
Apropos Verschlagenheit: Das andere der beiden Probleme ist der gegenwärtige Landesvorstand, der sich vor allem dadurch hervortut, dass er die bedingungslose Basisdemokratie – bekanntlich eines der Gründungsideale der Piratenpartei – und die umfassende Transparenz gern mal ignoriert. Für in dieser – rein politischen – Hinsicht besonders verachtenswert befinde ich persönlich Thomas Gaul, den gegenwärtigen stellvertretenden Landesvorsitzenden, der besonders das mit der Transparenz nicht sonderlich gut zu finden scheint. Zwar ist er natürlich meist über kommende Entwicklungen des Landesverbandes informiert, hält es jedoch nicht für nötig, selbst auf Nachfrage die Basis ins Bild zu setzen. Eigentlich könnte man Thomas Gaul problemlos durch ein Perl-Skript ersetzen, das auf jede Eingabe mit „Ich weiß es, ihr werdet es erfahren.“ antwortet. Es mutet befremdlich an, dass er auf jede Kritik an diesem Stil mit „Mach’s doch besser!“ reagiert und dann trotzdem nicht zurücktritt. Ja, was interessiert so einen Vorstand schon der Pöbel, der ja doch nur auf Kreisebene agiert?
Es ist schade, dass der restliche Landesvorstand ebenfalls nicht unbedingt geschickter agiert. Kürzlich etwa wurde gefragt, ob die Mehrheit der Basispiraten in Niedersachsen eine Aufstellungsversammlung in Delmenhorst oder in Wolfenbüttel (einige Wochen früher) bevorzugen würde. Die Mehrheit entschied sich für Delmenhorst, der Landesvorstand beschloss einstimmig, sich darüber hinwegzusetzen. Begründet wurde dieses Ignorieren der basisdemokratischen Prinzipien damit, dass es sich nur um eine Umfrage und nicht um eine Abstimmung gehandelt habe. Den genauen Unterschied konnten und/oder wollten die Verantwortlichen allerdings nicht benennen. Dass das bislang eine (unrühmliche) Ausnahme war und es sicher gute Gründe für die Entscheidung gegeben hat, wird den nachhaltigen Schaden, den es angerichtet hat, nicht zu reparieren vermögen. Ich schätze, eine Wiederwahl wird erfolglos bleiben.
Dies alles einmal beiseite gelassen und zurück zum konstruktiven Teil: Bei den Piraten geht es nicht um alt oder neu, um Basis oder Vorstand, um Kernpirat oder Vollpirat, wenngleich ich persönlich diejenigen, die eine kontinuierliche Programmerweiterung als notwendig erachten, meinerseits für realitätsfern halte. Eine in fast jeder Hinsicht andere Partei wie die Piratenpartei kann damit leben, dass sich immer wieder Neuankömmlinge mit altbekannten Fragen zu Wort melden, weil sie die Piratenpartei mit einer Protestpartei oder mit „den besseren Grünen/Linken/Liberalen“ verwechseln. Das ist nicht schlimm, so lange diese Neuankömmlinge nicht versuchen, die unumstößlichen Grundsätze der Partei zu beschädigen.
Die Piratenpartei hat keine Parteilinie, der man sich unterordnen sollte. Sie ist nicht „gegen Rechts“, „gegen Hartz IV“ oder „gegen schlechtes Wetter“. Die Piratenpartei steht nicht „gegen“ etwas. Sie steht „für“ etwas. Dieses „für“ ist das gemeinsame Ziel, eine, wenn schon nicht immer bessere, zumindest andere Politik zu machen. Das geht ohne die Störenfriede genau so gut wie mit ihnen. Das Programm, das die Piratenpartei vertritt, wird nach wie vor von denen gemacht, die die meisten Sympathien ernten können – eben von der Mehrheit.
Was also ist zu empfehlen? Nun, ich bin da pragmatisch: Ihr wollt Politik machen? Dann tut das – und sprecht nicht darüber. Altpiraten, Neupiraten, Machtpiraten: Einfach mal Schnauze halten. Die Segel des Piratenschiffs werden nicht von der heißen Luft vorangetrieben, die ihr mit euren offenen Briefen fabriziert. Man kommt auch über Umwege ans Ziel; man sollte es nur nicht weiträumig umfahren. Dieses Ziel ist gesetzt. Sucht euch eine Route, aber fragt nicht ständig nach dem Weg. Wenn ihr eure Seekarte verloren habt, dann gebt es wenigstens offen zu, aber fragt nicht die Presse danach, ob sie sie vielleicht gefunden hat. Das wird scheitern.
Ach, diese Piraten sind schon bescheuert manchmal. Aber liebenswert. Sie sind so menschlich.
Das Autorenduo Holger Bleich und Ragni Serina Zlotos widmet zwei Doppelseiten in der neuen Ausgabe des Technikmagazins c’t verschiedenen Möglichkeiten, die eigene Webpräsenz (und nicht etwa „Internetpräsenz“) mit so genannten „sozialen Netzwerken“ wie Google+ und Facebook sowie mit dem Mikroblogsystem Twitter zu verknüpfen.
Dabei kommt außer diversen jeweils hauseigenen Plugins, etwa dem Facebook-Plugin für WordPress, das mal eben den eigenen Kommentarbereich auf den Server eines Drittanbieters verlagert, auch der grandiose Dienst ifttt vor. Dass die beiden Autoren noch am Anfang ihres Artikels die Nachteile eines Facebook-Auftritts (nämlich das Abtreten der meisten Rechte an diesem Auftritt) betonen und also, ausgerechnet Sascha Lobo zitierend, dazu raten, lieber auf eine eigene Domain zu setzen, ist ihnen zugute zu halten, um so weniger jedoch verstehe ich, wieso sie bei ifttt als „großen Nachteil“ benennen, dass der Dienst auf die jeweiligen Konten (Twitter, Facebook, …) Schreibzugriff benötigt, während sie sich über die Nachteile einer direkten Facebook-Integration ausschweigen.
Besonders auffällig allerdings waren diese Sätze:
Sicherlich wird es eine Weile dauern, bis sich Ihre Verzahnung mit sozialen Medien positiv auswirkt. Eines ist jedoch sicher: Wer nicht mitmacht, der bekommt aus diesen Kanälen selten positive Aufmerksamkeit.
In anderen Worten: Wer bewusst darauf verzichtet, seine Beiträge automatisiert in irgendeines der unzähligen „sozialen Netzwerke“ zu schmieren, der handelt fahrlässig und wird deswegen kaum Leser erhalten.
So weit die Theorie.
Diese Theorie wäre zutreffend, wären die im Artikel genannten Dienste Facebook, Twitter und Google+ vom Rest des Webs abgeschottete Inseln, auf denen man nur wahrnimmt, was innerhalb ihrer Grenzen geschieht. (Sympathische Menschen würden nun sagen: Ja, auf Facebook ist das doch genau so.) Allerdings funktionieren soziale Medien eben nicht deshalb mehr oder weniger gut, weil Computerprogramme dort Dinge veröffentlichen, sondern deshalb, weil Menschen es tun.
Ich habe, seit ich ein „Weblog“ (beziehungsweise eben diese Seite hier) betreibe, noch nie einen neuen Artikel automatisch getwittert oder gefacebookt oder gegoogleplust. Eine Ausnahme mache ich, wenn ich etwas zu einer aktuellen Diskussion auf Twitter geschrieben habe, dann füge ich gelegentlich manuell einen Verweis zu dem entsprechenden Beitrag an einen Tweet an. Beiträge, die ich selbst für besonders erwähnenswert halte, kopiere ich manchmal auch in mein Diaspora-Profil (zurzeit wird hier oben rechts darauf verlinkt) und erfreue mich an den drei oder vier Kommentaren, die ich dort in der Regel erhalte, aber zu einem Ansturm an Besuchern führt das schon deshalb nicht, weil ich selten die Adresse zum Originalartikel dort hinterlasse. Welchen Mehrwert hätte das?
Und obwohl ich weder Facebook noch Google+ mit relevanten Inhalten befülle, obwohl ich nicht automatisiert twittere oder sonstwie das menschliche Miteinander dort mithilfe seelenloser Algorithmen störe, die nur der plumpen Eigenwerbung dienen, finden immer wieder Besucher von dort meine Artikel. Meine dieswöchige Verweisstatistik, also die Statistik der Webseiten, von denen aus am häufigsten Besucher auf meine Webpräsenz gelangen, wird nicht selten von Twitter angeführt:
Woran das liegt? Nun, aller Wahrscheinlichkeit nach daran, dass „soziale Netzwerke“ auf dem Prinzip des Teilens basieren. Wenn jemandem aus irgendwelchen Gründen gefällt, was ich schreibe, dann steht es ihm frei, hierauf in einem „sozialen Netzwerk“ seiner Wahl zu verweisen. Auf diese Weise werden mir sogar Besucher von facebook.com und plus.google.com beschert, obwohl ich die nun wirklich nicht eingeladen habe.
Aber auch, wer nicht auf Facebook oder dergleichen über einen Verweis hierher stolpert und sich dabei hoffentlich keine Blessuren zuzieht, ist in der Lage, in den Weiten des Webs ausgerechnet meine Texte zu finden. Die Technik, die dies ermöglicht, ist älter als Facebook, Google und Twitter. Sie heißt Suchmaschine.
Holger Bleich und Ragni Serina Zlotos scheinen die Benutzer von Facebook, Google+ und Twitter für so beschränkt zu halten, dass für jene in ihrer Vorstellung „das Internet“ nur noch aus diesen drei Portalen und dem Mailprogramm (beziehungsweise eben Google Mail oder Facebooks Mailsystem) bestehe; dass sie sich einer Existenz anderer Webseiten gar nicht mehr bewusst seien, weil sich ihr digitales Leben allein dort abspiele. Tatsächlich aber ist das, was ich publiziere, problemlos auch per DuckDuckGo, Bing, Blekko und Google zu finden, wenn es nur dem Gesuchten nahe kommt.
Wenn etwa jemand wissen möchte, was das Programm ilividsetupv1.exe (immer noch unangefochten an der Spitze der hiesigen Suchbegriffe) genau macht, dann kann er entweder auf seiner Facebook-Pinnwand danach fragen, woraufhin irgendjemand in der Suchmaschine seiner Wahl danach suchen und vielleicht meinen Beitrag dazu finden wird, oder dies selbst tun. Das Ergebnis ist das gleiche: Webseiten aus dem „restlichen Internet“ finden in Form eines Verweises ihren Weg in die gerade im Trend liegenden „sozialen Netzwerke“, ohne dass es dazu aktiver Unterstützung des Autors („Urheber“ ist ja dieser Tage eher ein Schimpfwort) bedarf.
Wer also von der Facebook-Klientel gelesen werden möchte, der muss nicht seine Webpräsenz mit kilobyteweise Javascript zu einer Werbeplattform für irgendwelche großen Portale machen. Es gilt die gleiche Regel wie für diejenigen, die auf technische SEO (Suchmaschinenoptimierung) setzen und darüber den Inhalt vergessen: Leser erwarten vorrangig inhaltlichen Mehrwert. Eine tolle bunte Kommentarfunktion und eine Ein-Klick-Lösung, um das Gefallen ausdrücken zu können, ohne „Danke!“ schreiben zu müssen (das scheint ja eine aussterbende Tradition zu sein), sind bestenfalls zweitrangig. Ich habe noch keine Website besucht, weil ich ihre Kommentarfunktion so toll fand – und wer mir nichts zu sagen hat, der wird mich nie wieder sehen.
Aber vielleicht habe ich das mit dem Web auch einfach nur falsch verstanden.
Gelegentlich wirft man mir vor, ich würde hier empfohlene Musik, die nicht dem Zeitgeist entspricht, nur deshalb goutieren, ein richtiges Buch nur deshalb jedem „eBook“ vorziehen und das momentan modische Linux prinzipiell nur deshalb kritisieren, um aufzufallen. Ein entfernt Bekannter drückte es einmal so aus: „Hauptsache, gegen den Wind pissen.“ Wer aber so handelt, ist schlicht dumm (und kann sich vermutlich öfter neue Kleidung leisten als ich). Ich werde diese konkreten Vorwürfe im Folgenden aus Gründen kurz thematisieren.
Beginnen wir am Ende, nämlich bei der eigentlichen Anschuldigung des Auffallenwollens. Beispiele für Menschen, die man mit dieser Vorhaltung immer noch viel zu selten zu konfrontieren scheint, sind die lästigen Zeitgenossen, die, sobald sie sich beobachtet wähnen, ihr stets griffbereites elektronisches Spielzeug von Apple zücken, um auffällig damit herumzuhantieren, als wollten sie signalisieren: Seht her, was ich mir irgendwann mal leisten konnte! Mein eigener Anspruch an das, was ich nach außen hin an materiellen Werten transportiere, ist jedoch nicht auf bloße Zugehörigkeit zu einer Masse beschränkt.
Die Sache mit den Betriebssystemen.
Dass ich an BSD-Systemen außer ihrer bedingungslosen Freiheit, ihrer beeindruckenden Geschichte und ihren technischen Innovationen auch den coolness-Faktor schätze, steht außer Frage. Ich renne jedoch nicht mit meinem jeweils gegenwärtigen Betriebssystem in der Gegend herum und halte es jedem unter die Nase, um damit zu prahlen, das wäre doch zu viel des Guten.
Während sich ehrfürchtige Linuxjünger von nackten technischen Fakten allein – ich berichtete – nicht überzeugen lassen und sich nach Herzenslust in den meisten EDV-Foren darum zanken, welche Distribution die wirklich aller-allerbesteste ist, aber sich immerhin darauf verständigen können, dass Wind000f voll kacke ist, nutze ich die Zeit nämlich sinnvoller und arbeite mit den Betriebssystemen, statt über sie zu diskutieren. Ein Betriebssystem ist ein Werkzeug, mithilfe dessen man seine Arbeit verrichtet, und nicht die Arbeit selbst. (Man stelle sich vor, Baumarktkunden würden sich bei jedem Aufeinandertreffen darüber streiten, dass ihr bevorzugtes Hammermodell das bessere ist. Das gäbe ein Getöse!)
Wer das verstanden hat, der weiß, dass jedes Betriebssystem seine Existenzberechtigung hat, dass jedes von ihnen seine individuellen Stärken und Schwächen besitzt und wie man die verschiedenen Systeme also optimal einsetzt, um für sich persönlich das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Aber als reiner (gar: neuer) Linuxnutzer möchte man natürlich auffallen, man möchte dazu gehören zu der unfassbar elitären Masse der paar Millionen anderen Linuxanwender. Womöglich trügt der Anschein, aber ich habe den Eindruck gewonnen, stolze Linuxer (die mit dem Pinguin-T-Shirt) erhöhen die Lautstärke ihrer Startklänge mit voller Absicht, um allen Umstehenden unmissverständlich klarzumachen, dass man Linux (und zwar jeweils das einzig richtige Linux) nutzt und somit gefälligst als Geek zu gelten hat. Linuxer, ein vornehmer Geheimbund wie sonst nur die CDU.
Und solche Leute werfen mir vor, mich je nach Einsatzzweck für das eine oder andere Werkzeug zu entscheiden, um aufzufallen. Da bedanke ich mich und wünsche gute Besserung.
Die Sache mit den Büchern.
Für eBooks gilt im Wesentlichen das, was für Musik unter vielem anderen auch gilt: Das Auge isst mit. Und abgesehen von dem meist weit ansehnlichen Äußeren: Ein eBook kann man sich nicht ins Regal stellen, man spürt das Umblättern nicht, und vor allem kommt aller Voraussicht nach nicht eines Tages ein Buchhändler vorbei und nimmt mir meine Bücher wieder weg.
Absonderlicherweise warf man mir schon mehrfach Technikfeindlichkeit vor, weil ich mich weder mit „Tablet-PCs“ – die Dinger haben ja nicht mal eine brauchbare Tastatur – noch mit „eBook“-Lesegeräten wie dem Kindle von Amazon anfreunden kann; als wäre man rückständig, wenn man nicht jeden Trend blind verfolgt; als wäre es eine Behinderung, nicht jedes neue elektronische Spielzeug besitzen zu wollen.
Einmal abgesehen vom ideellen Standpunkt: Leute, euer Geld hätte ich mal gerne. Ach, apropos Geld.
Die Sache mit der Musik.
Dass ich viel Zeit damit verbringe, nach dem perfekten Hörgenuss zu streben, ist regelmäßigen Lesern meiner Publikationen sicher bekannt. Mein gelegentlicher Konsum vermeintlich unhörbaren Krachs – und während ich dies schreibe, spielt mein Webbrowser hier gerade das Stück „Bienvenue à Babylone“ von Sebkha-Chott ab – lässt auch deshalb oft irritierte Menschen mit fragendem Blick zurück. „Warum“, fragen sie dann, „hörst du denn so was?“.
Dabei ist diese Frage eigentlich nicht unbedingt sinnvoll. Ich höre Musik, weil sie mir gefällt oder weil ich gern herausfinden möchte, ob sie mir gefällt. (Auf Amazon.de heißt das dann „Reinhören“.) Dass ich schräge Musik nicht nur deshalb schätze, weil sie so schön schräg ist, sollte klar sein, ich verweise hierzu nochmals auf meinen Beitrag über Musikfaschismus. Jede Situation, jeder Moment im Leben erfordert andere Musik, und wenn man den ganzen Tag lang nur die gleichen drei Lieder hört, wird man doof.
Inwiefern man mit Musikgeschmack, dem man normalerweise für sich allein oder im Kreis Gleichgesinnter frönt, auffallen kann, weiß ich nicht zu begreifen. Womit man jedoch auffallen kann und zweifelsohne auch wird, ist die zweite Ebene des Musikkonsums, nämlich die Wiedergabe selbst.
Damit meine ich nicht einmal unbedingt die Unart, Kopfhörer als portable Lautsprecher zu verwenden oder gleich auf sie zu verzichten. Was ein Zeitgenosse hört, ist mir persönlich nämlich ziemlich schnuppe, so lange er es mir nicht aufdrängt. Zur Prahlerei genügt der Konsum schlechten deutschen Gangstaraps fürwahr nicht. Stattdessen dienen diesem Zweck offenbar eben die jeweils verwendeten Kopfhörer (zu den Abspielgeräten äußerte ich mich ja eingangs bereits).
Wenn ich gelegentlich einen neuen Kopfhörer erwerbe, kaufe ich selten die Zwanzig-Euro-Blechtröten im Supermarkt, sondern stecke viel Zeit, Recherche und letzten Endes auch Geld in die Anschaffung der geeigneten Ausrüstung. (Wer mir jetzt entgegnen möchte, man höre zwischen Kopfhörern ohnehin keinen Unterschied, der einen Preis von über 50 Euro rechtfertigen würde, der möge seine blechernen Fünf-Euro-Ohrstöpsel einmal spaßeshalber beim Händler seines Vertrauens gegen einen SRH 240 A oder ähnliche Geräte eintauschen und fortan schweigen.) Aber falle ich damit auf?
In letzter Zeit beliebt ist augenscheinlich die Kopfhörerserie „Monster Beats“, entstanden in Kollaboration mit „Dr. Dre“, einem Produzenten scheußlicher Klänge, wofür diese Kopfhörer wohl auch prima geeignet sind. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht ganze Horden von heranwachsenden Würmlingen sehe, die mit diesen klobigen weißen Dingern – wer sie nicht kennt, sie sehen so aus – herumlaufen. Das tun sie nicht etwa aufgrund des Klangs, denn der erinnert eher an ein Paukenorchester, abgespielt über ein analoges Telefon, als an HiFi-Beschallung, sondern aus Prestigegründen: Beats sind [dafür] gebaut [worden], um um den Hals getragen zu werden.
Mit etwa 150 Euro ist das eine stolze (und ein wenig merkwürdige) Anschaffung, wenn man nur mal eben ein vermeintlich hübsches Halsband braucht. Um so weniger verstehe ich, dass ernsthaft Leute davon ausgehen, ausgerechnet ich, der größten Wert auf den Klang und keinerlei solchen auf das Aussehen legt, würde ähnliche Beträge ausgeben, um anzugeben. Kopfhörer sind kein Prestigeprodukt, sie sind ein Lebens-Mittel (bewusst gekoppelt). Wer sich dumpf und verwaschen klingende Kopfhörer kauft, weil sie gerade cool sind, dem gönne ich allerdings Kopf schüttelnd die entgangene Lebensqualität.
Guten Kopfhörern sieht man ihren Preis nicht an, sei es, weil sie ohnehin im Ohr stecken und Haare/Mützen/Kapuzen darüber hängen, sei es, weil sie optisch auf understatement setzen. Form follows function, wie der Grieche sagt. Der prestigebewusste HiFi-Freund trägt Monster Beats um den Hals und etwas von Beyerdynamic, Sennheiser oder Shure auf dem Kopf, bevorzugt solche Modelle, die sparsam mit Firmenlogos und Produktnamen umgehen. Ich meinerseits pfeife auf’s Prestige.
Natürlich weiß ich, wie viel meine Audioausrüstung kostet. Ich werde allerdings niemandem entgegenrufen: Seht her, wie teuer mein Kopfhörer war und/oder wie toll er aussieht! Nein, entscheidend ist, wie er klingt, und das weiß selbst bei offenen Kopfhörern (denen, aus denen das gerade abgespielte Musikstück auch die Umstehenden anbrüllt, weil Leute, die mit solchen Kopfhörern in der Öffentlichkeit unterwegs sind, auch auf so etwas wie eine noch halbwegs gesunde Lautstärke nur selten achten) nur der, der ihn trägt. Wer seinen Musikkonsum als Vorwand nutzt, um das anderweitige Fehlen interessanter Persönlichkeitsmerkmale zu überspielen, der muss jedenfalls noch vieles lernen.
Und ja, ich bevorzuge auch Kopfhörer mit goldenem Stecker, weil sie an meinem Vierzig-Euro-MP3-Spieler einfach besser klingen.
Elite ist ein Arschloch.
Nach den Nazigurken – was ist eigentlich aus denen geworden, wurden sie allesamt verspeist? – dräut am Horizont bereits neues Ungemach.
Die Polizei Braunschweig berichtet:
Verdächtige plakatierten rechtsextreme Aufkleber
Eine schauderhafte Vorstellung: Aufkleber, die an nationalsozialistischen Gedenktagen im Gleichschritt durch große deutsche Städte marschieren und grundgesetzwidrige Parolen grölen. Leider geht die Pressemitteilung mit kaum einem Wort auf die genaue Beschaffenheit oder auch nur das Motiv der rechtsradikalen Aufkleber ein, lediglich ihre Urheber werden in Kürze beschrieben. Bekannt ist allenfalls, dass die Aufkleber nicht selbsttätig zu kleben imstande sind, weshalb eine Plakatierung notwendig war.
Solltet ihr in absehbarer Zeit im Raum Braunschweig unterwegs sein, ist also Vorsicht geboten: Hinter der nächsten Laterne könnten ein oder mehrere potenziell gewaltbereite Aufkleber lauern.
Aber, immerhin:
Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.
Wir sind gerettet!
(Vorbemerkung: Es folgt ein beinahe humorfreier Beitrag über Android-„apps“. Wer hier lieber die üblichen schlechten Witze lesen möchte, der möge sich bitte noch ein wenig gedulden.)
Ich bin nun seit etwa zwei Jahren (ich berichtete) Nutzer der Android-Plattform. In diesen zwei Jahren habe ich die Vor- und Nachteile von Android weitgehend erforschen können und habe dabei einige Unzulänglichkeiten bemerkt. Wie die meisten freien Betriebssysteme ist Android standardmäßig zwar mit vielen, aber eben doch nur rudimentären apps ausgestattet. Eine davon ist die eingebaute „Tastatur“.
Wer sich ein Android-Gerät zulegt, der ist meist Besitzer eines Gerätes mit touchscreen. Das Verbauen einer echten Hardware-Tastatur würde ja das design ruinieren, und das iPhone hat ja auch keine, also wer würde so etwas haben wollen? Auf einem Tablet hat man immerhin die Möglichkeit, auf das grandiose Hacker’s Keyboard zurückzugreifen, aber auf einem Smartphone-Bildschirm (gerade im Hochformat) ist es doch beschwerlich, die Vielzahl an Tasten zu bedienen, ohne sich ständig zu vertippen. (Wer gelegentlich auch unterwegs mit SSH oder ähnlichen Anwendungen arbeiten muss, dem bleibt allerdings nicht viel anderes übrig.)
Die normale Tastatur von Android gibt sich eher bieder:
Für die Schar an kleinen, dicken Mädchen, die keine halbe Stunde ohne das Tippen von SMS-Nachrichten auskommen, ist diese Tastatur vermutlich zumindest zweckdienlich, simuliert sie doch in ihrer Schlichtheit die gängigen alten Mobiltelefone: Nicht viel Schnickschnack, keine künstliche Intelligenz, man drückt auf einen Buchstaben und er erscheint, und Sonderzeichen wie das Ausrufezeichen, das den gewöhnlichen Punkt mittlerweile abzulösen begonnen hat, sind mit einem Druck erreichbar.
Wenn man aber des Öfteren längere Texte (und seien’s nur mehrteilige SMS-Nachrichten) schreiben muss und sich partout nicht damit anfreunden kann, einfach mal einen Notizblock mitzunehmen, ist man natürlich froh, wenn die Tastatur versucht mitzudenken. Zum Glück kann man die Android-Tastatur-app einfach austauschen, zum Beispiel gegen Spracheingabe oder eben eine andere Tastatur – die Einstellung „Sprache & Eingabe“ macht es möglich:
Außer dem Hacker’s Keyboard sind SwiftKey und Swype Alternativen, die man sich mal ansehen sollte.
SwiftKey ist im Wesentlichen eine um stochastische Funktionen erweiterte normale Tastatur. Bei der Einrichtung kann sie auf Wunsch die bisherigen Mails, Tweets, Facebook-Beiträge und dergleichen einlesen, um zu ermitteln, welche Wörter man oft hintereinander verwendet. Das klappt erschreckend gut, auch in mehreren Sprachen, und sieht mit seiner wechselbaren Oberfläche auf Wunsch sogar einigermaßen erträglich aus (Bild ausnahmsweise gefunden auf n‑droid.de):
Eigentlich sind es nur zwei Dinge, die mich an SwiftKey stören: Es gibt keine separaten Umlauttasten, wie andere Tastatur-apps sie besitzen, und nach Ablauf der 30-tägigen Testphase sind 3,99 Euro fällig, wenn man die app weiterhin benutzen möchte. (Die 3,99 Euro sind indes gut angelegtes Geld.)
Beide Mankos besitzt die jeweils jüngste Betaversion von Swype (ich verwende bewusst die Betaversionen, da sie oft höchst willkommene Neuerungen bieten) nicht, weshalb es seit über einem Jahr meine Standard-Tastatur-app ist. Um am Betaprogramm teilzunehmen, muss man lediglich auf beta.swype.com eine valide E‑Mail-Adresse hinterlegen und dem Verweis aus der E‑Mail folgen, der zum Installationsprogramm führt. (Falls die Installation aus Drittanbieterquellen auf dem eigenen Gerät deaktiviert ist, wird dies erkannt und der Benutzer automatisch auf die Einstellungsseite geführt, auf der er das beheben kann – sehr gut gemacht.)
Die Installation verläuft hierbei in drei Schritten: Der Beta-Account, den man anfangs angelegt hat, muss angegeben werden (Mailadresse und Passwort), danach wird Swype installiert. Zum Schluss ist die Einrichtung notwendig, denn mit den Standardeinstellungen (Englisch und Spanisch als unterstützte Sprachen) kann man hierzulande oft nicht viel anfangen. Das Installationsprogramm führt den Benutzer bis zur Aktivierung von Swype im Android-System, danach ist es sofort einsatzbereit.
Im Einsatz sieht es so aus:
Das Swype-Symbol unten links dient dem Schnellzugriff auf die Swype-Einstellungen, der Rest sieht weitgehend unauffällig aus.
Sieht aber eben nur so aus: Swype basiert auf dem Prinzip des „Wischens“. Möchte man etwa „Hallo“ tippen, tippt man auf das „H“, belässt den Finger auf der Tastatur und wischt zu „a“, „l“ und „o“. Groß- und Kleinschreibung beachtet Swype hierbei ebenso wie Mehrfachbuchstaben; bei Mehrdeutigkeiten (Halo – Hallo) kann man auch das „l“, etwa durch Kreisen, mehrfach übermitteln, um einen weiteren Schritt zu ersparen. Im Gegensatz zu SwiftKey rät Swype nicht, welches Wort als nächstes gewünscht werden könnte, jedoch, welches Wort man gerade tippen wollte. Je präziser die Erkennung eingestellt ist, desto präziser muss man zwar „wischen“, aber desto genauer ist auch die Erkennung.
Swype merkt sich manuell eingetippte Wörter automatisch, das „persönliche Wörterbuch“ kann in den Swype-Einstellungen von versehentlichen Vertippern bereinigt werden. Sonderzeichen sind über die Taste „+!=“ unten links erreichbar.
Auf neue Versionen kann Swype inzwischen selbst prüfen, in den Swype-Einstellungen unter „Aktualisierungen“ kann dies aber auch händisch erfolgen. Übrigens: Viele Samsung-Geräte sind ab Werk mit einer nicht ganz aktuellen Version von Swype ausgestattet – auch unter ihnen ist die Betaversion problemlos lauffähig. Eine Beschäftigung mit dieser app wird wärmstens empfohlen.
Nachtrag vom 20. Februar 2013: Mittlerweile besitzt SwiftKey (Version 4) eine „Flow“ genannte Funktion, die Swypes Wischtechnik nachbildet. Somit ist SwiftKey auch für diejenigen interessant geworden, die sich an Swype gewöhnt haben.
Bigger than you can ever imagine
Die Beatles? Nein, nein, etwas ganz anderes ist damit gemeint:
Girls strip for cameras
http://grewpiss.com/
Mädchen ziehen sich aus, um neue Kameras zu bekommen – schön und keine große Überraschung, insofern halte ich die Betreffzeile doch für etwas missverständlich.
Beeindruckt hat mich aber die angegebene Internetadresse. Gewachsener Urin, na dann.
How to get her to suck
Wie man sie dazu bekommt, schlecht zu sein? Ach, die wörtliche Übersetzung ist gemeint. Na, wie denn?
Your powerful rod will rip their blouses off
Äh, ja, nun, wenn ich mit meinem kraftvollen Brennstab einer Frau die teuer ergaunerte Bluse zerreiße, dann wird sie mir allenfalls den Marsch blasen. Vielleicht sollten die Anbieter ihre Methoden erst einmal selbst testen.
Genau wie diese übrigens:
10 things women hate
Leider wird der Schreiber nicht konkret, sondern stellt folgende These auf:
I did not dare to date girls until I managed to upsize my little pecker.
Ich habe selbst in meinem langen, ereignisreichen Leben die Erfahrung gemacht, dass Erfolg bei Frauen sich nicht allein mit der Existenz eines beachtlich großen Gliedes einstellt und dass jemand, der partout keine Frau zu einem Rendezvous rumkriegt, womöglich ganz andere qualitative Nachteile aufweist oder sich einfach nur die dümmsten Schnepfen angeln will.
Ich sollte Spammer werden.
I tried but I could not find a way
Looking back all I did was look away
Next time is the best time we all know
But if there is no next time where to go?
Ach.
Guten Morgen!
Und aus irgendeinem Grund dann doch wieder der Blick in den Spiegel, und die Freude darüber, dass man sich wie eine Dose Obst doch noch gut gehalten hat, währt auch nur kurz, denn eine Dose Obst wird irgendwann meist ausgelöffelt, nur selbst fühlt man sich der Biotonne täglich ein Stück näher, obwohl man auch bei näherer Betrachtung keine Kennzeichnung hierfür erkennen kann.
Dass die rein äußerliche Erscheinung übereinstimmend als süß bezeichnet wird, als wäre man eine Erdbeere, die man in Milch ertränkt, isst und verdaut, mutet wie eine Farce an, oder man hat einfach nur eine gesellschaftliche Entwicklung verpasst, infolge derer Frauen seit neuestem nur abstoßende Männer bepartnern wollen, und man wäre dann gern so abstoßend, wie man sich fühlt. Die schreckliche Leere unter der Oberfläche sieht man nicht.
Das Alter hinterlässt noch keine Spuren. Die Seele bekommt Schluckauf.
Selbstbild als Fallobst.
„Desire / whispered, spoken / in time / rivers, oceans“
– Talk Talk: Desire
Dass SPIEGEL Online nicht unbedingt ein Qualitätsmagazin ist, stellt man dort ja des Öfteren unter Beweis, zuletzt am Dienstag mit einem ziemlich missratenen Bob-Dylan-Konzertbericht, dessen Autor nämlichem Konzert offenbar nicht einmal beigewohnt hat (und Bob Dylan immerhin richtig schreiben kann, das ist ja auch schon etwas wert).
Lustig wird es aber, wenn SPIEGEL Online versucht, was mit Politik zu schreiben, denn das ist häufig eine Satire auf das Journalismuswesen selbst. Heute zum Beispiel berichtet Michael Sontheimer über den Abschluss des Prozesses gegen Verena Becker, einst aktives Mitglied der RAF.
Ich zitiere auszugsweise:
Vier Jahre für Beihilfe zum Mord, von denen zweieinhalb Jahre wieder abgezogen werden. Das macht 18 Monate Haft. (…)
In seinem Schlussvortrag erklärte [Michael Buback,] der Sohn des RAF-Opfers [Siegfried Buback,] dann: „Das Urteil ist für mich ohne Bedeutung.“ Obwohl Becker für ihn die Mörderin seines Vaters ist, wollte er nicht, dass sie dafür verurteilt wird. (…)
Der Sohn des Terroropfers ist neben der Angeklagten der eigentliche Verlierer des Becker-Prozesses. Die Geschichte kennt oft keine Gerechtigkeit.
Mal für uns alte Leute zum Mitdenken: Der Sohn des Terroropfers wollte keine Verurteilung, diese Verurteilung erfolgte aber, und deshalb ist er nun der eigentliche Verlierer? Eine so obskure Logik kenne ich eigentlich nur aus so Frauenzeitschriften, in denen kein Satz ohne dramatische Adjektive oder sonstwie bedauerliche Attribute fallen darf.
Der Leser, der sich von einem einstmals vorgeblich seriösen Medium wie SPIEGEL Online relevante Erkenntnisse anstelle Betroffenheitsprosa erhofft hat, ist neben mir der eigentliche Verlierer dieses Vorgangs. Michael Sontheimer kennt oft keine Gerechtigkeit.
Zurzeit bin ich derart in der Stimmung für rants über die Firma Dell (siehe auch hier und, etwas länger her, hier), dass ich eigentlich eine Facebook-Fanseite „Freunde des gepflegten Dell-Bashings“ aufmachen könnte. Doof nur, dass es dort wohl niemand mehr lesen würde: Facebook ist in absehbarer Zeit so gut wie tot. Tja.
Dann muss ich das eben hier machen:
Ich verdiene erhalte gelegentlich Geld dafür, mich mit schlecht bis gar nicht dokumentierten fremden Schnittstellen und Quellcodes zu beschäftigen. Gegenwärtig steht die Kommunikation mit einer SOAP-Schnittstelle auf dem Programm, also das Senden und Erhalten/Auswerten von ziemlich komplexen XML-Strömen, im konkreten Fall achtdimensional verschachtelt. Der Antwort-Datenstrom, dargestellt als XML-Baum, sieht ungefähr so aus (aus Gründen gekürzt und teilweise unkenntlich gemacht):
(Wie man sieht, enthalten einige der XML-Felder HTML-Code, hier zwar als „korrekte“ tags angezeigt, aber im Datenstrom als HTML-Entitäten dargestellt, um die Integrität nicht zu gefährden. Das wird im Folgenden noch interessant.)
Nun würde ich natürlich, um mit diesem Informationsgehalt irgendetwas Sinnvolles anfangen zu können, gern neben Browser, PHP-Code und gegebenenfalls SSH-Shell (für das PHP-Fehlerlog) auch diese Struktur stets im Auge behalten. Da zumindest sie sich nicht allzu oft ändert, bietet sich ein Ausdruck an – zumindest war das mein Vorhaben.
Nun stand mir in der vorhandenen Arbeitsumgebung hierfür ein Dell 2145cn zur Verfügung, ein großer, schwerer, lauter Farblaserdrucker. Eigentlich sollte der dieser Aufgabe gewachsen sein, sollte man meinen. Ich habe also das XML-Dokument generiert und den Quelltext ausgegeben, anschließend aus Firefox heraus die Druckfunktion verwendet. Das Ergebnis:
Die HTML-Seite, die im Browser so aussah, …
…
<BESCHREIBUNG><p><b>Test</b></p></BESCHREIBUNG>
…
… endete also so auf Papier:
…
Test
…
Das ist natürlich nicht im Sinne des Entwicklers. Vielleicht, so dachte ich naiverweise, ist allein die HTML-Darstellung ein wenig eigen. Ich ließ stattdessen also den Datenstrom als application/xml ausgeben – ein screenshot davon ist oben zu sehen – und betätigte erneut Strg+P.
Tatsächlich schaffte der Drucker es, mich nochmals zu überraschen: Dort, wo ich nun wenigstens XML-Code erwartet hatte, erschien nämlich gar nichts. Offenbar wurde beim Druck des XML-Dokuments auch der XML-Baum intern in HTML umgewandelt, und da es für die enthaltenen Elemente keine Darstellungsinformationen gab (wie zum Beispiel <b> als „fett“ definiert ist), wurden sie schlicht „unsichtbar“ dargestellt.
![]()
Ich „löste“ das Problem, indem ich ein (nämlich oben stehendes) Bildschirmfoto des XML-Dokuments ausdruckte, was auch funktionierte. Warum aber ein einfacher Ausdruck von XML-/HTML-Code partout nicht klappte, ist für mich unergründlich. Erfahrungsgemäß würde ich jetzt einfach mal Dell die Schuld geben. Dass Firefox zu blöd sei, so etwas wie den Quellcode einer Webseite als Reintext an einen Drucker zu senden, bezweifle ich nämlich dann doch.
Wir schreiben das Jahr 2012, im nachchristlichen Abendland östlich des Landes der Verrückten ist man sich weitgehend darüber einig, dass wir nach unserem Tod vor allem tote Leichen sein werden. Wirklich erstaunlich ist es da, dass jedes Mal, wenn der Schöpfungslehre von der Wissenschaft erneut eins vor den Latz geknallt wird, Schreiberlinge jeglicher Couleur völlig unironisch ihre Spiritualität wiederentdecken.
Das jüngst am CERN entdeckte Boson von 125,3 +/- 0,6 GeV/c² bei 4,9 σ kommt der Vorstellung des bislang unentdeckten Higgs-Bosons recht nahe, und dieses Boson, dessen Nachweis bislang auf wissenschaftlichem Weg unerklärte Zusammenhänge der Elementarphysik klären können soll, wird nicht etwa „Higgs-Boson“ oder wenigstens „Higgs-Teilchen“ genannt, denn damit kann man den durchschnittlich verblödeten Medienkonsumenten heutzutage nicht mehr anlocken. Nein, das geht so:
(Und das war jetzt nur eine Auswahl der Vorkommen ohne Anführungszeichen.)
Sicher ist das immer noch besser als „magisches Teilchen“ oder „Dingsda“, aber wenn es nur um Lesergewinnung geht, sollte man sich vielleicht auf „Sexteilchen“ (oder, BILD-konform, „Sex-Teilchen“) verständigen – immerhin hält es, sofern existent, auch an sexueller Interaktion einen gewissen Anteil.
(Wie wird das Higgs-Boson eigentlich in der muslimischen Welt genannt? „Allah-Teilchen“ klingt eher nach einem Gebäck. „Ich hätte gern ein Allahteilchen und ein Weißbrot, danke.“)
Warum nennen wir Elektrizität nicht einfach Gottesfeuer, Licht Gottesglanz und Automobile Gotteskutschen? Überhaupt könnten die Medien viel mehr Begriffen ein „Gottes-“ voranstellen. Treffender kann man die Bräsigkeit der Gläubigen nur schwerlich persiflieren. Aber vielleicht war auch einfach nur wieder ein Kabel locker.
(Nur so.)
Guten Morgen!
Das mit dem Fußball habe ich, wie angekündigt, euch Lesern, abgesehen von einigen Totalausfällen in Supermärkten und Zeitungen, ja erfolgreich erspart, kein Wort der Berichterstattung erreichte diese Internetpräsenz.
Dass aber die deutsche Mannschaft in einem, wie Zuschauer übereinstimmend berichten, eher mittelmäßigen Spiel das Erreichen des Finales mal wieder nicht hinbekam, ging an mir natürlich ebenso wenig vorüber wie der plötzliche Schwund der schwarz-rot-goldenen Flaggen draußen, denn so richtig stolzer Deutscher darf man eben nur sein, wenn gerade Brüllball läuft, damit man nicht dem völkischen Gedankengut anheimfalle, wobei ein Neonazi, der die schwarz-rot-goldene Flagge der Demokratie anstelle der schwarz-weiß-roten des Kaiserreiches hisst, schon ein bisschen blöde sein muss; sei’s drum.
Allein das plötzliche Desinteresse der Deutschen am Fußballsport ist mir jetzt noch ein paar Zeilen wert, und die überlasse ich Lukas Heinser:
Schlimmer als diese Fans, die es mit ihrer Begeisterung für den Sport dann vielleicht doch ein bisschen übertreiben, sind aber jene Leute, die sich zu internationalen Turnieren in schwarz-rot-goldene Schale werfen und gemeinsam mit der Boulevardpresse darauf hoffen, dass “wir” den Titel holen.
(…) Wer Fußball nur guckt, weil er auf einen Titelgewinn der eigenen Mannschaft hofft, ist kein Fan der Sportart, sondern einfach nur jemand, der sein Verhältnis zu dieser Sportart von einem einzigen Faktor abhängig macht: dem Titel. Mit dieser Einstellung kann man dieser Tage nicht mal mehr Fan des FC Bayern München werden — und selber Sport treiben sowieso nicht.
Ganz Deutschland interessiert sich nicht mehr für uns und unsere Mannschaft. Hat ganz Deutschland vor dem Ausscheiden unserer Mannschaft eigentlich die jüngsten Entwicklungen bezüglich der GEMA-Tarife oder des ESM hinbekommen? Nein? Natürlich nicht, da schießt ja auch niemand ein Tor.
Ganz Deutschland geht es immer noch zu gut.