Piratenpartei
Alt­pi­ra­ten, Neu­pi­ra­ten, Macht­pi­ra­ten, Schnau­ze halten.

(Vor­be­mer­kung 1: Ich bin nach wie vor Mit­glied der Pira­ten­par­tei, und dass dies nicht unbe­dingt Blind­heit gegen­über dem Zustand der Par­tei und Schön­fär­be­rei äußerst unan­ge­neh­mer Vor­gän­ge mit sich bringt, muss anschei­nend gele­gent­lich klar­ge­stellt wer­den. Das mache ich jetzt mal.
Vor­be­mer­kung 2: Dies ist eine Zustands­ana­ly­se und kein offe­ner Brief. Sie könn­te Pole­mik und/oder über­zo­ge­ne Dar­stel­lun­gen enthalten.)

Ende Juli fin­det in Nie­der­sach­sen eine neue Auf­stel­lungs­ver­samm­lung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land für die Land­tags­wah­len im Jahr 2013 statt. Natür­lich sehen das jetzt vie­le als ihre Chan­ce, doch noch einen der begehr­ten Lis­ten­plät­ze zu ergat­tern, und dum­mer­wei­se fin­det die Pres­se das inter­es­sant.

Begie­rig neh­men die Medi­en die Que­re­len, die seit Wochen wie­der mal hoch­ko­chen, auf, ver­dre­hen sie und sug­ge­rie­ren, dass die Pira­ten­par­tei mal wie­der an der Stur­heit weni­ger Idio­ten zer­bricht. Und da es ja in letz­ter Zeit Mode gewor­den ist, einen Zwist nicht mehr Auge in Auge aus­zu­tra­gen, son­dern sich nur noch in offe­nen Brie­fen mit­ein­an­der zu unter­hal­ten, bewer­fen sich die Pira­ten gegen­sei­tig immer wie­der mit neu­en Pam­phle­ten, jedes län­ger und bescheu­er­ter als das vorherige.

An die „lie­ben Neu­pi­ra­ten“ etwa wen­det sich ein offe­ner Brief, in dem von selbst ernann­ten Alt­pi­ra­ten, die also allein schon des­we­gen wis­sen müs­sen, wor­um es bei den Pira­ten geht, erklärt wird, wor­um es bei den Pira­ten angeb­lich gehe. Die drei Ver­fas­ser ver­tre­ten die Grün­dungs­the­sen, was an sich löb­lich ist, sind aller­dings auch furcht­bar stolz dar­auf, dass im pira­ti­schen Sin­ne das Pro­gramm um eine libe­ra­le Dro­gen­po­li­tik erwei­tert wur­de. Die­je­ni­gen, die auf dem ent­spre­chen­den Par­tei­tag gegen die­sen Antrag gestimmt haben, wer­den von ihnen indi­rekt als Wich­tig­tu­er beschimpft („(…) wer war gegen die­sen Antrag? Qua­si aus­schließ­lich Leu­te, die zuvor nie­mand auf einem Par­tei­tag gese­hen hat­te. Neue Leu­te.“) und mit einem trau­ri­gen Emo­ti­con bedacht. Das ist ein biss­chen scha­de. (Trotz­dem emp­feh­le ich vor dem Wei­ter­le­sen, besag­ten offe­nen Brief ein­mal zur Kennt­nis zu neh­men, denn im Kern ver­dient das dort Geschrie­be­ne zumin­dest mei­ne Zustimmung.)

Dem vor­aus­ge­gan­gen war ein ande­rer offe­ner Brief namens „Machen statt labern!“, initi­iert von aus­ge­rech­net denen, die die Pres­se über­ein­stim­mend als macht­gie­ri­ge Empor­kömm­lin­ge ansieht. Zusam­men­ge­fasst sta­tu­ie­ren sie, dass Pirat­sein bedeu­tet, dass man sich aktiv ein­bringt, statt meter­lan­ge Mono­lo­ge auf den pira­ten­ei­ge­nen Mai­ling­lis­ten zu hal­ten. Dass die Initia­to­ren selbst vor­treff­lich dar­in sind, in eben­die­sen Lis­ten ihre eige­ne Arbeit zu loben, ist eigent­lich selbst­er­klä­rend. („Machen statt labern“ mit­hil­fe eines ziem­lich lan­gen offe­nen Brie­fes – Gela­bers – zu for­dern setzt immer­hin auch eini­ge Chuz­pe vor­aus, hier­für Applaus.) Ich äußer­te mich hier­zu bereits an geeig­ne­ter Stelle.

Ein drit­ter offe­ner Brief erreich­te ges­tern das Web, des­sen Ver­fas­ser immer­hin rich­tig erkannt hat, dass das Pro­blem der Pira­ten nicht Alt- und Neu­pi­ra­ten sind, son­dern „Nicht­pi­ra­ten“, also die­je­ni­gen, denen es allein um einen attrak­ti­ven Pos­ten im Land- oder Bun­des­tag und nicht um die pira­ti­schen Idea­le geht. Der kon­struk­ti­ve Ansatz hier fehlt gänz­lich, ein „so kann es nicht blei­ben“ ist sicher eben­so gut und rich­tig wie die (sel­te­ne) Benen­nung derer, die die pira­ti­schen Idea­le zu tor­pe­die­ren ver­su­chen, aber das Zurück­hal­ten von „Ego­is­ten und Kar­rie­ris­ten“ – tref­fend zusam­men­ge­fasst – allein besei­tigt die zwei gro­ßen Pro­ble­me noch nicht, die der nie­der­säch­si­sche Lan­des­ver­band der Pira­ten­par­tei zur­zeit hat.

Eines die­ser bei­den Pro­ble­me ist die anste­hen­de Wahl, die natür­lich auch Leu­te anlockt, von denen man bis dato noch nie etwas gehört hat. Wah­len, infol­ge derer die Pira­ten­par­tei mit ziem­li­cher Sicher­heit eini­ge Plät­ze im Land­tag bekom­men wird, sind ein guter Nähr­bo­den für Leu­te, die Inter­es­se an einem gut bezahl­ten Ses­sel­furz­er­da­sein haben. Für wel­che Par­tei sie in die Ses­sel fur­zen, ist ihnen weit­ge­hend egal, zumin­dest erwe­cken sie die­sen Ein­druck. Als Poli­ti­ker muss man zwar in der Lage sein, sich selbst posi­tiv her­vor­zu­he­ben, nicht jedoch gegen­über dem Rest sei­ner Par­tei. „Wählt mich, ihr seid alle kacke“ wird nie­man­den in einen Land­tag hie­ven. Wer die Akti­ven-Mai­ling­lis­te des Lan­des­ver­ban­des ver­folgt (dies geht auch per Web­brow­ser), dem dürf­te nicht ent­gan­gen sein, dass die­se simp­le Regel offen­bar noch nicht von jedem ver­stan­den wor­den ist.

Bei den Pira­ten kommt man nicht nach oben, indem man gegen unlieb­sa­me Kon­kur­renz intri­giert, ganz gleich, wie groß und ver­schla­gen der Kreis der eige­nen Unter­stüt­zer ist. Das soll­te sich all­mäh­lich mal herumsprechen.

Apro­pos Ver­schla­gen­heit: Das ande­re der bei­den Pro­ble­me ist der gegen­wär­ti­ge Lan­des­vor­stand, der sich vor allem dadurch her­vor­tut, dass er die bedin­gungs­lo­se Basis­de­mo­kra­tie – bekannt­lich eines der Grün­dungs­idea­le der Pira­ten­par­tei – und die umfas­sen­de Trans­pa­renz gern mal igno­riert. Für in die­ser – rein poli­ti­schen – Hin­sicht beson­ders ver­ach­tens­wert befin­de ich per­sön­lich Tho­mas Gaul, den gegen­wär­ti­gen stell­ver­tre­ten­den Lan­des­vor­sit­zen­den, der beson­ders das mit der Trans­pa­renz nicht son­der­lich gut zu fin­den scheint. Zwar ist er natür­lich meist über kom­men­de Ent­wick­lun­gen des Lan­des­ver­ban­des infor­miert, hält es jedoch nicht für nötig, selbst auf Nach­fra­ge die Basis ins Bild zu set­zen. Eigent­lich könn­te man Tho­mas Gaul pro­blem­los durch ein Perl-Skript erset­zen, das auf jede Ein­ga­be mit „Ich weiß es, ihr wer­det es erfah­ren.“ ant­wor­tet. Es mutet befremd­lich an, dass er auf jede Kri­tik an die­sem Stil mit „Mach’s doch bes­ser!“ reagiert und dann trotz­dem nicht zurück­tritt. Ja, was inter­es­siert so einen Vor­stand schon der Pöbel, der ja doch nur auf Kreis­ebe­ne agiert?

Es ist scha­de, dass der rest­li­che Lan­des­vor­stand eben­falls nicht unbe­dingt geschick­ter agiert. Kürz­lich etwa wur­de gefragt, ob die Mehr­heit der Basis­pi­ra­ten in Nie­der­sach­sen eine Auf­stel­lungs­ver­samm­lung in Del­men­horst oder in Wol­fen­büt­tel (eini­ge Wochen frü­her) bevor­zu­gen wür­de. Die Mehr­heit ent­schied sich für Del­men­horst, der Lan­des­vor­stand beschloss ein­stim­mig, sich dar­über hin­weg­zu­set­zen. Begrün­det wur­de die­ses Igno­rie­ren der basis­de­mo­kra­ti­schen Prin­zi­pi­en damit, dass es sich nur um eine Umfra­ge und nicht um eine Abstim­mung gehan­delt habe. Den genau­en Unter­schied konn­ten und/oder woll­ten die Ver­ant­wort­li­chen aller­dings nicht benen­nen. Dass das bis­lang eine (unrühm­li­che) Aus­nah­me war und es sicher gute Grün­de für die Ent­schei­dung gege­ben hat, wird den nach­hal­ti­gen Scha­den, den es ange­rich­tet hat, nicht zu repa­rie­ren ver­mö­gen. Ich schät­ze, eine Wie­der­wahl wird erfolg­los bleiben.

Dies alles ein­mal bei­sei­te gelas­sen und zurück zum kon­struk­ti­ven Teil: Bei den Pira­ten geht es nicht um alt oder neu, um Basis oder Vor­stand, um Kern­pi­rat oder Voll­pi­rat, wenn­gleich ich per­sön­lich die­je­ni­gen, die eine kon­ti­nu­ier­li­che Pro­gramm­er­wei­te­rung als not­wen­dig erach­ten, mei­ner­seits für rea­li­täts­fern hal­te. Eine in fast jeder Hin­sicht ande­re Par­tei wie die Pira­ten­par­tei kann damit leben, dass sich immer wie­der Neu­an­kömm­lin­ge mit alt­be­kann­ten Fra­gen zu Wort mel­den, weil sie die Pira­ten­par­tei mit einer Pro­test­par­tei oder mit „den bes­se­ren Grünen/Linken/Liberalen“ ver­wech­seln. Das ist nicht schlimm, so lan­ge die­se Neu­an­kömm­lin­ge nicht ver­su­chen, die unum­stöß­li­chen Grund­sät­ze der Par­tei zu beschädigen.

Die Pira­ten­par­tei hat kei­ne Par­tei­li­nie, der man sich unter­ord­nen soll­te. Sie ist nicht „gegen Rechts“, „gegen Hartz IV“ oder „gegen schlech­tes Wet­ter“. Die Pira­ten­par­tei steht nicht „gegen“ etwas. Sie steht „für“ etwas. Die­ses „für“ ist das gemein­sa­me Ziel, eine, wenn schon nicht immer bes­se­re, zumin­dest ande­re Poli­tik zu machen. Das geht ohne die Stö­ren­frie­de genau so gut wie mit ihnen. Das Pro­gramm, das die Pira­ten­par­tei ver­tritt, wird nach wie vor von denen gemacht, die die meis­ten Sym­pa­thien ern­ten kön­nen – eben von der Mehrheit.

Was also ist zu emp­feh­len? Nun, ich bin da prag­ma­tisch: Ihr wollt Poli­tik machen? Dann tut das – und sprecht nicht dar­über. Alt­pi­ra­ten, Neu­pi­ra­ten, Macht­pi­ra­ten: Ein­fach mal Schnau­ze hal­ten. Die Segel des Pira­ten­schiffs wer­den nicht von der hei­ßen Luft vor­an­ge­trie­ben, die ihr mit euren offe­nen Brie­fen fabri­ziert. Man kommt auch über Umwe­ge ans Ziel; man soll­te es nur nicht weit­räu­mig umfah­ren. Die­ses Ziel ist gesetzt. Sucht euch eine Rou­te, aber fragt nicht stän­dig nach dem Weg. Wenn ihr eure See­kar­te ver­lo­ren habt, dann gebt es wenigs­tens offen zu, aber fragt nicht die Pres­se danach, ob sie sie viel­leicht gefun­den hat. Das wird scheitern.

Ach, die­se Pira­ten sind schon bescheu­ert manch­mal. Aber lie­bens­wert. Sie sind so menschlich.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik LXXI: Der Mythos vom Nichtmitmachen

Das Autoren­duo Hol­ger Bleich und Rag­ni Seri­na Zlo­tos wid­met zwei Dop­pel­sei­ten in der neu­en Aus­ga­be des Tech­nik­ma­ga­zins c’t ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten, die eige­ne Web­prä­senz (und nicht etwa „Inter­net­prä­senz“) mit so genann­ten „sozia­len Netz­wer­ken“ wie Goog­le+ und Face­book sowie mit dem Mikro­blog­sys­tem Twit­ter zu verknüpfen.

Dabei kommt außer diver­sen jeweils haus­ei­ge­nen Plug­ins, etwa dem Face­book-Plug­in für Word­Press, das mal eben den eige­nen Kom­men­tar­be­reich auf den Ser­ver eines Dritt­an­bie­ters ver­la­gert, auch der gran­dio­se Dienst ifttt vor. Dass die bei­den Autoren noch am Anfang ihres Arti­kels die Nach­tei­le eines Face­book-Auf­tritts (näm­lich das Abtre­ten der meis­ten Rech­te an die­sem Auf­tritt) beto­nen und also, aus­ge­rech­net Sascha Lobo zitie­rend, dazu raten, lie­ber auf eine eige­ne Domain zu set­zen, ist ihnen zugu­te zu hal­ten, um so weni­ger jedoch ver­ste­he ich, wie­so sie bei ifttt als „gro­ßen Nach­teil“ benen­nen, dass der Dienst auf die jewei­li­gen Kon­ten (Twit­ter, Face­book, …) Schreib­zu­griff benö­tigt, wäh­rend sie sich über die Nach­tei­le einer direk­ten Face­book-Inte­gra­ti­on ausschweigen.

Beson­ders auf­fäl­lig aller­dings waren die­se Sätze:

Sicher­lich wird es eine Wei­le dau­ern, bis sich Ihre Ver­zah­nung mit sozia­len Medi­en posi­tiv aus­wirkt. Eines ist jedoch sicher: Wer nicht mit­macht, der bekommt aus die­sen Kanä­len sel­ten posi­ti­ve Aufmerksamkeit.

In ande­ren Wor­ten: Wer bewusst dar­auf ver­zich­tet, sei­ne Bei­trä­ge auto­ma­ti­siert in irgend­ei­nes der unzäh­li­gen „sozia­len Netz­wer­ke“ zu schmie­ren, der han­delt fahr­läs­sig und wird des­we­gen kaum Leser erhalten.

So weit die Theorie.

Die­se Theo­rie wäre zutref­fend, wären die im Arti­kel genann­ten Diens­te Face­book, Twit­ter und Goog­le+ vom Rest des Webs abge­schot­te­te Inseln, auf denen man nur wahr­nimmt, was inner­halb ihrer Gren­zen geschieht. (Sym­pa­thi­sche Men­schen wür­den nun sagen: Ja, auf Face­book ist das doch genau so.) Aller­dings funk­tio­nie­ren sozia­le Medi­en eben nicht des­halb mehr oder weni­ger gut, weil Com­pu­ter­pro­gram­me dort Din­ge ver­öf­fent­li­chen, son­dern des­halb, weil Men­schen es tun.

Ich habe, seit ich ein „Web­log“ (bezie­hungs­wei­se eben die­se Sei­te hier) betrei­be, noch nie einen neu­en Arti­kel auto­ma­tisch get­wit­tert oder geface­bookt oder gegoo­gle­plust. Eine Aus­nah­me mache ich, wenn ich etwas zu einer aktu­el­len Dis­kus­si­on auf Twit­ter geschrie­ben habe, dann füge ich gele­gent­lich manu­ell einen Ver­weis zu dem ent­spre­chen­den Bei­trag an einen Tweet an. Bei­trä­ge, die ich selbst für beson­ders erwäh­nens­wert hal­te, kopie­re ich manch­mal auch in mein Dia­spo­ra-Pro­fil (zur­zeit wird hier oben rechts dar­auf ver­linkt) und erfreue mich an den drei oder vier Kom­men­ta­ren, die ich dort in der Regel erhal­te, aber zu einem Ansturm an Besu­chern führt das schon des­halb nicht, weil ich sel­ten die Adres­se zum Ori­gi­nal­ar­ti­kel dort hin­ter­las­se. Wel­chen Mehr­wert hät­te das?

Und obwohl ich weder Face­book noch Goog­le+ mit rele­van­ten Inhal­ten befül­le, obwohl ich nicht auto­ma­ti­siert twit­te­re oder sonst­wie das mensch­li­che Mit­ein­an­der dort mit­hil­fe see­len­lo­ser Algo­rith­men stö­re, die nur der plum­pen Eigen­wer­bung die­nen, fin­den immer wie­der Besu­cher von dort mei­ne Arti­kel. Mei­ne dies­wö­chi­ge Ver­weis­sta­tis­tik, also die Sta­tis­tik der Web­sei­ten, von denen aus am häu­figs­ten Besu­cher auf mei­ne Web­prä­senz gelan­gen, wird nicht sel­ten von Twit­ter angeführt:

Wor­an das liegt? Nun, aller Wahr­schein­lich­keit nach dar­an, dass „sozia­le Netz­wer­ke“ auf dem Prin­zip des Tei­lens basie­ren. Wenn jeman­dem aus irgend­wel­chen Grün­den gefällt, was ich schrei­be, dann steht es ihm frei, hier­auf in einem „sozia­len Netz­werk“ sei­ner Wahl zu ver­wei­sen. Auf die­se Wei­se wer­den mir sogar Besu­cher von facebook.com und plus.google.com beschert, obwohl ich die nun wirk­lich nicht ein­ge­la­den habe.

Aber auch, wer nicht auf Face­book oder der­glei­chen über einen Ver­weis hier­her stol­pert und sich dabei hof­fent­lich kei­ne Bles­su­ren zuzieht, ist in der Lage, in den Wei­ten des Webs aus­ge­rech­net mei­ne Tex­te zu fin­den. Die Tech­nik, die dies ermög­licht, ist älter als Face­book, Goog­le und Twit­ter. Sie heißt Suchmaschine.

Hol­ger Bleich und Rag­ni Seri­na Zlo­tos schei­nen die Benut­zer von Face­book, Goog­le+ und Twit­ter für so beschränkt zu hal­ten, dass für jene in ihrer Vor­stel­lung „das Inter­net“ nur noch aus die­sen drei Por­ta­len und dem Mail­pro­gramm (bezie­hungs­wei­se eben Goog­le Mail oder Face­books Mail­sys­tem) bestehe; dass sie sich einer Exis­tenz ande­rer Web­sei­ten gar nicht mehr bewusst sei­en, weil sich ihr digi­ta­les Leben allein dort abspie­le. Tat­säch­lich aber ist das, was ich publi­zie­re, pro­blem­los auch per Duck­Duck­Go, Bing, Blek­ko und Goog­le zu fin­den, wenn es nur dem Gesuch­ten nahe kommt.

Wenn etwa jemand wis­sen möch­te, was das Pro­gramm ilividsetupv1.exe (immer noch unan­ge­foch­ten an der Spit­ze der hie­si­gen Such­be­grif­fe) genau macht, dann kann er ent­we­der auf sei­ner Face­book-Pinn­wand danach fra­gen, wor­auf­hin irgend­je­mand in der Such­ma­schi­ne sei­ner Wahl danach suchen und viel­leicht mei­nen Bei­trag dazu fin­den wird, oder dies selbst tun. Das Ergeb­nis ist das glei­che: Web­sei­ten aus dem „rest­li­chen Inter­net“ fin­den in Form eines Ver­wei­ses ihren Weg in die gera­de im Trend lie­gen­den „sozia­len Netz­wer­ke“, ohne dass es dazu akti­ver Unter­stüt­zung des Autors („Urhe­ber“ ist ja die­ser Tage eher ein Schimpf­wort) bedarf.

Wer also von der Face­book-Kli­en­tel gele­sen wer­den möch­te, der muss nicht sei­ne Web­prä­senz mit kilo­byte­wei­se Java­script zu einer Wer­be­platt­form für irgend­wel­che gro­ßen Por­ta­le machen. Es gilt die glei­che Regel wie für die­je­ni­gen, die auf tech­ni­sche SEO (Such­ma­schi­nen­op­ti­mie­rung) set­zen und dar­über den Inhalt ver­ges­sen: Leser erwar­ten vor­ran­gig inhalt­li­chen Mehr­wert. Eine tol­le bun­te Kom­men­tar­funk­ti­on und eine Ein-Klick-Lösung, um das Gefal­len aus­drü­cken zu kön­nen, ohne „Dan­ke!“ schrei­ben zu müs­sen (das scheint ja eine aus­ster­ben­de Tra­di­ti­on zu sein), sind bes­ten­falls zweit­ran­gig. Ich habe noch kei­ne Web­site besucht, weil ich ihre Kom­men­tar­funk­ti­on so toll fand – und wer mir nichts zu sagen hat, der wird mich nie wie­der sehen.

Aber viel­leicht habe ich das mit dem Web auch ein­fach nur falsch verstanden.

Persönliches
Das Damo­kles­schwert der eige­nen Avant­gar­de: Eli­te ist ein Arschloch.

Gele­gent­lich wirft man mir vor, ich wür­de hier emp­foh­le­ne Musik, die nicht dem Zeit­geist ent­spricht, nur des­halb gou­tie­ren, ein rich­ti­ges Buch nur des­halb jedem „eBook“ vor­zie­hen und das momen­tan modi­sche Linux prin­zi­pi­ell nur des­halb kri­ti­sie­ren, um auf­zu­fal­len. Ein ent­fernt Bekann­ter drück­te es ein­mal so aus: „Haupt­sa­che, gegen den Wind pis­sen.“ Wer aber so han­delt, ist schlicht dumm (und kann sich ver­mut­lich öfter neue Klei­dung leis­ten als ich). Ich wer­de die­se kon­kre­ten Vor­wür­fe im Fol­gen­den aus Grün­den kurz thematisieren.

Begin­nen wir am Ende, näm­lich bei der eigent­li­chen Anschul­di­gung des Auf­fal­len­wol­lens. Bei­spie­le für Men­schen, die man mit die­ser Vor­hal­tung immer noch viel zu sel­ten zu kon­fron­tie­ren scheint, sind die läs­ti­gen Zeit­ge­nos­sen, die, sobald sie sich beob­ach­tet wäh­nen, ihr stets griff­be­rei­tes elek­tro­ni­sches Spiel­zeug von Apple zücken, um auf­fäl­lig damit her­um­zu­han­tie­ren, als woll­ten sie signa­li­sie­ren: Seht her, was ich mir irgend­wann mal leis­ten konn­te! Mein eige­ner Anspruch an das, was ich nach außen hin an mate­ri­el­len Wer­ten trans­por­tie­re, ist jedoch nicht auf blo­ße Zuge­hö­rig­keit zu einer Mas­se beschränkt.

Die Sache mit den Betriebssystemen.

Dass ich an BSD-Sys­te­men außer ihrer bedin­gungs­lo­sen Frei­heit, ihrer beein­dru­cken­den Geschich­te und ihren tech­ni­schen Inno­va­tio­nen auch den cool­ness-Fak­tor schät­ze, steht außer Fra­ge. Ich ren­ne jedoch nicht mit mei­nem jeweils gegen­wär­ti­gen Betriebs­sys­tem in der Gegend her­um und hal­te es jedem unter die Nase, um damit zu prah­len, das wäre doch zu viel des Guten.

Wäh­rend sich ehr­fürch­ti­ge Linux­jün­ger von nack­ten tech­ni­schen Fak­ten allein – ich berich­te­te – nicht über­zeu­gen las­sen und sich nach Her­zens­lust in den meis­ten EDV-Foren dar­um zan­ken, wel­che Dis­tri­bu­ti­on die wirk­lich aller-aller­bes­tes­te ist, aber sich immer­hin dar­auf ver­stän­di­gen kön­nen, dass Wind000f voll kacke ist, nut­ze ich die Zeit näm­lich sinn­vol­ler und arbei­te mit den Betriebs­sys­te­men, statt über sie zu dis­ku­tie­ren. Ein Betriebs­sys­tem ist ein Werk­zeug, mit­hil­fe des­sen man sei­ne Arbeit ver­rich­tet, und nicht die Arbeit selbst. (Man stel­le sich vor, Bau­markt­kun­den wür­den sich bei jedem Auf­ein­an­der­tref­fen dar­über strei­ten, dass ihr bevor­zug­tes Ham­mer­mo­dell das bes­se­re ist. Das gäbe ein Getöse!)

Wer das ver­stan­den hat, der weiß, dass jedes Betriebs­sys­tem sei­ne Exis­tenz­be­rech­ti­gung hat, dass jedes von ihnen sei­ne indi­vi­du­el­len Stär­ken und Schwä­chen besitzt und wie man die ver­schie­de­nen Sys­te­me also opti­mal ein­setzt, um für sich per­sön­lich das best­mög­li­che Ergeb­nis zu errei­chen. Aber als rei­ner (gar: neu­er) Linux­nut­zer möch­te man natür­lich auf­fal­len, man möch­te dazu gehö­ren zu der unfass­bar eli­tä­ren Mas­se der paar Mil­lio­nen ande­ren Linuxan­wen­der. Womög­lich trügt der Anschein, aber ich habe den Ein­druck gewon­nen, stol­ze Linux­er (die mit dem Pin­gu­in-T-Shirt) erhö­hen die Laut­stär­ke ihrer Start­klän­ge mit vol­ler Absicht, um allen Umste­hen­den unmiss­ver­ständ­lich klar­zu­ma­chen, dass man Linux (und zwar jeweils das ein­zig rich­ti­ge Linux) nutzt und somit gefäl­ligst als Geek zu gel­ten hat. Linux­er, ein vor­neh­mer Geheim­bund wie sonst nur die CDU.

Und sol­che Leu­te wer­fen mir vor, mich je nach Ein­satz­zweck für das eine oder ande­re Werk­zeug zu ent­schei­den, um auf­zu­fal­len. Da bedan­ke ich mich und wün­sche gute Besserung.

Die Sache mit den Büchern.

Für eBooks gilt im Wesent­li­chen das, was für Musik unter vie­lem ande­ren auch gilt: Das Auge isst mit. Und abge­se­hen von dem meist weit ansehn­li­chen Äuße­ren: Ein eBook kann man sich nicht ins Regal stel­len, man spürt das Umblät­tern nicht, und vor allem kommt aller Vor­aus­sicht nach nicht eines Tages ein Buch­händ­ler vor­bei und nimmt mir mei­ne Bücher wie­der weg.

Abson­der­li­cher­wei­se warf man mir schon mehr­fach Tech­nik­feind­lich­keit vor, weil ich mich weder mit „Tablet-PCs“ – die Din­ger haben ja nicht mal eine brauch­ba­re Tas­ta­tur – noch mit „eBook“-Lesegeräten wie dem Kind­le von Ama­zon anfreun­den kann; als wäre man rück­stän­dig, wenn man nicht jeden Trend blind ver­folgt; als wäre es eine Behin­de­rung, nicht jedes neue elek­tro­ni­sche Spiel­zeug besit­zen zu wollen.

Ein­mal abge­se­hen vom ideel­len Stand­punkt: Leu­te, euer Geld hät­te ich mal ger­ne. Ach, apro­pos Geld.

Die Sache mit der Musik.

Dass ich viel Zeit damit ver­brin­ge, nach dem per­fek­ten Hör­ge­nuss zu stre­ben, ist regel­mä­ßi­gen Lesern mei­ner Publi­ka­tio­nen sicher bekannt. Mein gele­gent­li­cher Kon­sum ver­meint­lich unhör­ba­ren Krachs – und wäh­rend ich dies schrei­be, spielt mein Web­brow­ser hier gera­de das Stück „Bien­ve­nue à Baby­lo­ne“ von Sebkha-Chott ab – lässt auch des­halb oft irri­tier­te Men­schen mit fra­gen­dem Blick zurück. „War­um“, fra­gen sie dann, „hörst du denn so was?“.

Dabei ist die­se Fra­ge eigent­lich nicht unbe­dingt sinn­voll. Ich höre Musik, weil sie mir gefällt oder weil ich gern her­aus­fin­den möch­te, ob sie mir gefällt. (Auf Amazon.de heißt das dann „Rein­hö­ren“.) Dass ich schrä­ge Musik nicht nur des­halb schät­ze, weil sie so schön schräg ist, soll­te klar sein, ich ver­wei­se hier­zu noch­mals auf mei­nen Bei­trag über Musik­fa­schis­mus. Jede Situa­ti­on, jeder Moment im Leben erfor­dert ande­re Musik, und wenn man den gan­zen Tag lang nur die glei­chen drei Lie­der hört, wird man doof.

Inwie­fern man mit Musik­ge­schmack, dem man nor­ma­ler­wei­se für sich allein oder im Kreis Gleich­ge­sinn­ter frönt, auf­fal­len kann, weiß ich nicht zu begrei­fen. Womit man jedoch auf­fal­len kann und zwei­fels­oh­ne auch wird, ist die zwei­te Ebe­ne des Musik­kon­sums, näm­lich die Wie­der­ga­be selbst.

Damit mei­ne ich nicht ein­mal unbe­dingt die Unart, Kopf­hö­rer als por­ta­ble Laut­spre­cher zu ver­wen­den oder gleich auf sie zu ver­zich­ten. Was ein Zeit­ge­nos­se hört, ist mir per­sön­lich näm­lich ziem­lich schnup­pe, so lan­ge er es mir nicht auf­drängt. Zur Prah­le­rei genügt der Kon­sum schlech­ten deut­schen Gangstar­aps für­wahr nicht. Statt­des­sen die­nen die­sem Zweck offen­bar eben die jeweils ver­wen­de­ten Kopf­hö­rer (zu den Abspiel­ge­rä­ten äußer­te ich mich ja ein­gangs bereits).

Wenn ich gele­gent­lich einen neu­en Kopf­hö­rer erwer­be, kau­fe ich sel­ten die Zwan­zig-Euro-Blech­trö­ten im Super­markt, son­dern ste­cke viel Zeit, Recher­che und letz­ten Endes auch Geld in die Anschaf­fung der geeig­ne­ten Aus­rüs­tung. (Wer mir jetzt ent­geg­nen möch­te, man höre zwi­schen Kopf­hö­rern ohne­hin kei­nen Unter­schied, der einen Preis von über 50 Euro recht­fer­ti­gen wür­de, der möge sei­ne ble­cher­nen Fünf-Euro-Ohr­stöp­sel ein­mal spa­ßes­hal­ber beim Händ­ler sei­nes Ver­trau­ens gegen einen SRH 240 A oder ähn­li­che Gerä­te ein­tau­schen und fort­an schwei­gen.) Aber fal­le ich damit auf?

In letz­ter Zeit beliebt ist augen­schein­lich die Kopf­hö­rer­se­rie „Mons­ter Beats“, ent­stan­den in Kol­la­bo­ra­ti­on mit „Dr. Dre“, einem Pro­du­zen­ten scheuß­li­cher Klän­ge, wofür die­se Kopf­hö­rer wohl auch pri­ma geeig­net sind. Es ver­geht kaum ein Tag, an dem ich nicht gan­ze Hor­den von her­an­wach­sen­den Würm­lin­gen sehe, die mit die­sen klo­bi­gen wei­ßen Din­gern – wer sie nicht kennt, sie sehen so aus – her­um­lau­fen. Das tun sie nicht etwa auf­grund des Klangs, denn der erin­nert eher an ein Pau­ken­or­ches­ter, abge­spielt über ein ana­lo­ges Tele­fon, als an HiFi-Beschal­lung, son­dern aus Pres­ti­ge­grün­den: Beats sind [dafür] gebaut [wor­den], um um den Hals getra­gen zu werden.

Mit etwa 150 Euro ist das eine stol­ze (und ein wenig merk­wür­di­ge) Anschaf­fung, wenn man nur mal eben ein ver­meint­lich hüb­sches Hals­band braucht. Um so weni­ger ver­ste­he ich, dass ernst­haft Leu­te davon aus­ge­hen, aus­ge­rech­net ich, der größ­ten Wert auf den Klang und kei­ner­lei sol­chen auf das Aus­se­hen legt, wür­de ähn­li­che Beträ­ge aus­ge­ben, um anzu­ge­ben. Kopf­hö­rer sind kein Pres­ti­ge­pro­dukt, sie sind ein Lebens-Mit­tel (bewusst gekop­pelt). Wer sich dumpf und ver­wa­schen klin­gen­de Kopf­hö­rer kauft, weil sie gera­de cool sind, dem gön­ne ich aller­dings Kopf schüt­telnd die ent­gan­ge­ne Lebensqualität.

Guten Kopf­hö­rern sieht man ihren Preis nicht an, sei es, weil sie ohne­hin im Ohr ste­cken und Haare/Mützen/Kapuzen dar­über hän­gen, sei es, weil sie optisch auf under­state­ment set­zen. Form fol­lows func­tion, wie der Grie­che sagt. Der pres­ti­ge­be­wuss­te HiFi-Freund trägt Mons­ter Beats um den Hals und etwas von Bey­er­dy­na­mic, Senn­hei­ser oder Shu­re auf dem Kopf, bevor­zugt sol­che Model­le, die spar­sam mit Fir­men­lo­gos und Pro­dukt­na­men umge­hen. Ich mei­ner­seits pfei­fe auf’s Prestige.

Natür­lich weiß ich, wie viel mei­ne Audio­aus­rüs­tung kos­tet. Ich wer­de aller­dings nie­man­dem ent­ge­gen­ru­fen: Seht her, wie teu­er mein Kopf­hö­rer war und/oder wie toll er aus­sieht! Nein, ent­schei­dend ist, wie er klingt, und das weiß selbst bei offe­nen Kopf­hö­rern (denen, aus denen das gera­de abge­spiel­te Musik­stück auch die Umste­hen­den anbrüllt, weil Leu­te, die mit sol­chen Kopf­hö­rern in der Öffent­lich­keit unter­wegs sind, auch auf so etwas wie eine noch halb­wegs gesun­de Laut­stär­ke nur sel­ten ach­ten) nur der, der ihn trägt. Wer sei­nen Musik­kon­sum als Vor­wand nutzt, um das ander­wei­ti­ge Feh­len inter­es­san­ter Per­sön­lich­keits­merk­ma­le zu über­spie­len, der muss jeden­falls noch vie­les lernen.

Und ja, ich bevor­zu­ge auch Kopf­hö­rer mit gol­de­nem Ste­cker, weil sie an mei­nem Vier­zig-Euro-MP3-Spie­ler ein­fach bes­ser klin­gen. :mrgreen:

Eli­te ist ein Arschloch.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CIX: Auf­marsch der Sammelbildchen

Nach den Nazi­gur­ken – was ist eigent­lich aus denen gewor­den, wur­den sie alle­samt ver­speist? – dräut am Hori­zont bereits neu­es Ungemach.

Die Poli­zei Braun­schweig berich­tet:

Ver­däch­ti­ge pla­ka­tier­ten rechts­extre­me Aufkleber

Eine schau­der­haf­te Vor­stel­lung: Auf­kle­ber, die an natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedenk­ta­gen im Gleich­schritt durch gro­ße deut­sche Städ­te mar­schie­ren und grund­ge­setz­wid­ri­ge Paro­len grö­len. Lei­der geht die Pres­se­mit­tei­lung mit kaum einem Wort auf die genaue Beschaf­fen­heit oder auch nur das Motiv der rechts­ra­di­ka­len Auf­kle­ber ein, ledig­lich ihre Urhe­ber wer­den in Kür­ze beschrie­ben. Bekannt ist allen­falls, dass die Auf­kle­ber nicht selbst­tä­tig zu kle­ben imstan­de sind, wes­halb eine Pla­ka­tie­rung not­wen­dig war.

Soll­tet ihr in abseh­ba­rer Zeit im Raum Braun­schweig unter­wegs sein, ist also Vor­sicht gebo­ten: Hin­ter der nächs­ten Later­ne könn­ten ein oder meh­re­re poten­zi­ell gewalt­be­rei­te Auf­kle­ber lauern.

Aber, immer­hin:

Der Staats­schutz hat die Ermitt­lun­gen übernommen.

Wir sind gerettet!

Nerdkrams
Muss man haben: Swy­pe Beta (und ande­re Tas­ta­tu­ren) für Android

(Vor­be­mer­kung: Es folgt ein bei­na­he humor­frei­er Bei­trag über Android-„apps“. Wer hier lie­ber die übli­chen schlech­ten Wit­ze lesen möch­te, der möge sich bit­te noch ein wenig gedulden.)

Ich bin nun seit etwa zwei Jah­ren (ich berich­te­te) Nut­zer der Android-Platt­form. In die­sen zwei Jah­ren habe ich die Vor- und Nach­tei­le von Android weit­ge­hend erfor­schen kön­nen und habe dabei eini­ge Unzu­läng­lich­kei­ten bemerkt. Wie die meis­ten frei­en Betriebs­sys­te­me ist Android stan­dard­mä­ßig zwar mit vie­len, aber eben doch nur rudi­men­tä­ren apps aus­ge­stat­tet. Eine davon ist die ein­ge­bau­te „Tas­ta­tur“.

Wer sich ein Android-Gerät zulegt, der ist meist Besit­zer eines Gerä­tes mit touch­screen. Das Ver­bau­en einer ech­ten Hard­ware-Tas­ta­tur wür­de ja das design rui­nie­ren, und das iPho­ne hat ja auch kei­ne, also wer wür­de so etwas haben wol­len? Auf einem Tablet hat man immer­hin die Mög­lich­keit, auf das gran­dio­se Hacker’s Key­board zurück­zu­grei­fen, aber auf einem Smart­phone-Bild­schirm (gera­de im Hoch­for­mat) ist es doch beschwer­lich, die Viel­zahl an Tas­ten zu bedie­nen, ohne sich stän­dig zu ver­tip­pen. (Wer gele­gent­lich auch unter­wegs mit SSH oder ähn­li­chen Anwen­dun­gen arbei­ten muss, dem bleibt aller­dings nicht viel ande­res übrig.)

Die nor­ma­le Tas­ta­tur von Android gibt sich eher bieder:

Für die Schar an klei­nen, dicken Mäd­chen, die kei­ne hal­be Stun­de ohne das Tip­pen von SMS-Nach­rich­ten aus­kom­men, ist die­se Tas­ta­tur ver­mut­lich zumin­dest zweck­dien­lich, simu­liert sie doch in ihrer Schlicht­heit die gän­gi­gen alten Mobil­te­le­fo­ne: Nicht viel Schnick­schnack, kei­ne künst­li­che Intel­li­genz, man drückt auf einen Buch­sta­ben und er erscheint, und Son­der­zei­chen wie das Aus­ru­fe­zei­chen, das den gewöhn­li­chen Punkt mitt­ler­wei­le abzu­lö­sen begon­nen hat, sind mit einem Druck erreichbar.

Wenn man aber des Öfte­ren län­ge­re Tex­te (und seien’s nur mehr­tei­li­ge SMS-Nach­rich­ten) schrei­ben muss und sich par­tout nicht damit anfreun­den kann, ein­fach mal einen Notiz­block mit­zu­neh­men, ist man natür­lich froh, wenn die Tas­ta­tur ver­sucht mit­zu­den­ken. Zum Glück kann man die Android-Tas­ta­tur-app ein­fach aus­tau­schen, zum Bei­spiel gegen Sprach­ein­ga­be oder eben eine ande­re Tas­ta­tur – die Ein­stel­lung „Spra­che & Ein­ga­be“ macht es möglich:

Außer dem Hacker’s Key­board sind Swift­Key und Swy­pe Alter­na­ti­ven, die man sich mal anse­hen sollte.

Swift­Key ist im Wesent­li­chen eine um sto­chas­ti­sche Funk­tio­nen erwei­ter­te nor­ma­le Tas­ta­tur. Bei der Ein­rich­tung kann sie auf Wunsch die bis­he­ri­gen Mails, Tweets, Face­book-Bei­trä­ge und der­glei­chen ein­le­sen, um zu ermit­teln, wel­che Wör­ter man oft hin­ter­ein­an­der ver­wen­det. Das klappt erschre­ckend gut, auch in meh­re­ren Spra­chen, und sieht mit sei­ner wech­sel­ba­ren Ober­flä­che auf Wunsch sogar eini­ger­ma­ßen erträg­lich aus (Bild aus­nahms­wei­se gefun­den auf n‑droid.de):

Eigent­lich sind es nur zwei Din­ge, die mich an Swift­Key stö­ren: Es gibt kei­ne sepa­ra­ten Umlaut­tas­ten, wie ande­re Tas­ta­tur-apps sie besit­zen, und nach Ablauf der 30-tägi­gen Test­pha­se sind 3,99 Euro fäl­lig, wenn man die app wei­ter­hin benut­zen möch­te. (Die 3,99 Euro sind indes gut ange­leg­tes Geld.)

Bei­de Man­kos besitzt die jeweils jüngs­te Beta­ver­si­on von Swy­pe (ich ver­wen­de bewusst die Beta­ver­sio­nen, da sie oft höchst will­kom­me­ne Neue­run­gen bie­ten) nicht, wes­halb es seit über einem Jahr mei­ne Stan­dard-Tas­ta­tur-app ist. Um am Beta­pro­gramm teil­zu­neh­men, muss man ledig­lich auf beta.swype.com eine vali­de E‑Mail-Adres­se hin­ter­le­gen und dem Ver­weis aus der E‑Mail fol­gen, der zum Instal­la­ti­ons­pro­gramm führt. (Falls die Instal­la­ti­on aus Dritt­an­bie­ter­quel­len auf dem eige­nen Gerät deak­ti­viert ist, wird dies erkannt und der Benut­zer auto­ma­tisch auf die Ein­stel­lungs­sei­te geführt, auf der er das behe­ben kann – sehr gut gemacht.)

Die Instal­la­ti­on ver­läuft hier­bei in drei Schrit­ten: Der Beta-Account, den man anfangs ange­legt hat, muss ange­ge­ben wer­den (Mail­adres­se und Pass­wort), danach wird Swy­pe instal­liert. Zum Schluss ist die Ein­rich­tung not­wen­dig, denn mit den Stan­dard­ein­stel­lun­gen (Eng­lisch und Spa­nisch als unter­stütz­te Spra­chen) kann man hier­zu­lan­de oft nicht viel anfan­gen. Das Instal­la­ti­ons­pro­gramm führt den Benut­zer bis zur Akti­vie­rung von Swy­pe im Android-Sys­tem, danach ist es sofort einsatzbereit.

Im Ein­satz sieht es so aus:

Das Swy­pe-Sym­bol unten links dient dem Schnell­zu­griff auf die Swy­pe-Ein­stel­lun­gen, der Rest sieht weit­ge­hend unauf­fäl­lig aus.

Sieht aber eben nur so aus: Swy­pe basiert auf dem Prin­zip des „Wischens“. Möch­te man etwa „Hal­lo“ tip­pen, tippt man auf das „H“, belässt den Fin­ger auf der Tas­ta­tur und wischt zu „a“, „l“ und „o“. Groß- und Klein­schrei­bung beach­tet Swy­pe hier­bei eben­so wie Mehr­fach­buch­sta­ben; bei Mehr­deu­tig­kei­ten (Halo – Hal­lo) kann man auch das „l“, etwa durch Krei­sen, mehr­fach über­mit­teln, um einen wei­te­ren Schritt zu erspa­ren. Im Gegen­satz zu Swift­Key rät Swy­pe nicht, wel­ches Wort als nächs­tes gewünscht wer­den könn­te, jedoch, wel­ches Wort man gera­de tip­pen woll­te. Je prä­zi­ser die Erken­nung ein­ge­stellt ist, des­to prä­zi­ser muss man zwar „wischen“, aber des­to genau­er ist auch die Erkennung.

Swy­pe merkt sich manu­ell ein­ge­tipp­te Wör­ter auto­ma­tisch, das „per­sön­li­che Wör­ter­buch“ kann in den Swy­pe-Ein­stel­lun­gen von ver­se­hent­li­chen Ver­tip­pern berei­nigt wer­den. Son­der­zei­chen sind über die Tas­te „+!=“ unten links erreichbar.

Auf neue Ver­sio­nen kann Swy­pe inzwi­schen selbst prü­fen, in den Swy­pe-Ein­stel­lun­gen unter „Aktua­li­sie­run­gen“ kann dies aber auch hän­disch erfol­gen. Übri­gens: Vie­le Sam­sung-Gerä­te sind ab Werk mit einer nicht ganz aktu­el­len Ver­si­on von Swy­pe aus­ge­stat­tet – auch unter ihnen ist die Beta­ver­si­on pro­blem­los lauf­fä­hig. Eine Beschäf­ti­gung mit die­ser app wird wärms­tens empfohlen.


Nach­trag vom 20. Febru­ar 2013: Mitt­ler­wei­le besitzt Swift­Key (Ver­si­on 4) eine „Flow“ genann­te Funk­ti­on, die Swy­pes Wisch­tech­nik nach­bil­det. Somit ist Swift­Key auch für die­je­ni­gen inter­es­sant gewor­den, die sich an Swy­pe gewöhnt haben.

Spaß mit Spam
Spam, Spam, Spam (Juli 2012)

Big­ger than you can ever imagine

Die Beat­les? Nein, nein, etwas ganz ande­res ist damit gemeint:

Girls strip for cameras
http://grewpiss.com/

Mäd­chen zie­hen sich aus, um neue Kame­ras zu bekom­men – schön und kei­ne gro­ße Über­ra­schung, inso­fern hal­te ich die Betreff­zei­le doch für etwas missverständlich.

Beein­druckt hat mich aber die ange­ge­be­ne Inter­net­adres­se. Gewach­se­ner Urin, na dann.


How to get her to suck

Wie man sie dazu bekommt, schlecht zu sein? Ach, die wört­li­che Über­set­zung ist gemeint. Na, wie denn?

Your powerful rod will rip their blou­ses off

Äh, ja, nun, wenn ich mit mei­nem kraft­vol­len Brenn­stab einer Frau die teu­er ergau­ner­te Blu­se zer­rei­ße, dann wird sie mir allen­falls den Marsch bla­sen. Viel­leicht soll­ten die Anbie­ter ihre Metho­den erst ein­mal selbst testen.


Genau wie die­se übrigens:

10 things women hate

Lei­der wird der Schrei­ber nicht kon­kret, son­dern stellt fol­gen­de The­se auf:

I did not dare to date girls until I mana­ged to upsi­ze my litt­le pecker.

Ich habe selbst in mei­nem lan­gen, ereig­nis­rei­chen Leben die Erfah­rung gemacht, dass Erfolg bei Frau­en sich nicht allein mit der Exis­tenz eines beacht­lich gro­ßen Glie­des ein­stellt und dass jemand, der par­tout kei­ne Frau zu einem Ren­dez­vous rum­kriegt, womög­lich ganz ande­re qua­li­ta­ti­ve Nach­tei­le auf­weist oder sich ein­fach nur die dümms­ten Schnep­fen angeln will.

Ich soll­te Spam­mer werden.

Persönliches
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung des eige­nen Spie­gel­bilds eines Nach­mit­tags im Juli (Ver­such 8)

Und aus irgend­ei­nem Grund dann doch wie­der der Blick in den Spie­gel, und die Freu­de dar­über, dass man sich wie eine Dose Obst doch noch gut gehal­ten hat, währt auch nur kurz, denn eine Dose Obst wird irgend­wann meist aus­ge­löf­felt, nur selbst fühlt man sich der Bio­ton­ne täg­lich ein Stück näher, obwohl man auch bei nähe­rer Betrach­tung kei­ne Kenn­zeich­nung hier­für erken­nen kann.

Dass die rein äußer­li­che Erschei­nung über­ein­stim­mend als süß bezeich­net wird, als wäre man eine Erd­bee­re, die man in Milch ertränkt, isst und ver­daut, mutet wie eine Far­ce an, oder man hat ein­fach nur eine gesell­schaft­li­che Ent­wick­lung ver­passt, infol­ge derer Frau­en seit neu­es­tem nur absto­ßen­de Män­ner bepart­nern wol­len, und man wäre dann gern so absto­ßend, wie man sich fühlt. Die schreck­li­che Lee­re unter der Ober­flä­che sieht man nicht.

Das Alter hin­ter­lässt noch kei­ne Spu­ren. Die See­le bekommt Schluckauf.

Selbst­bild als Fallobst.

„Desi­re / whispe­red, spo­ken / in time / rivers, oceans“
– Talk Talk: Desire

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: SPON und die Verlierer

Dass SPIEGEL Online nicht unbe­dingt ein Qua­li­täts­ma­ga­zin ist, stellt man dort ja des Öfte­ren unter Beweis, zuletzt am Diens­tag mit einem ziem­lich miss­ra­te­nen Bob-Dylan-Kon­zert­be­richt, des­sen Autor näm­li­chem Kon­zert offen­bar nicht ein­mal bei­gewohnt hat (und Bob Dylan immer­hin rich­tig schrei­ben kann, das ist ja auch schon etwas wert).

Lus­tig wird es aber, wenn SPIEGEL Online ver­sucht, was mit Poli­tik zu schrei­ben, denn das ist häu­fig eine Sati­re auf das Jour­na­lis­mus­we­sen selbst. Heu­te zum Bei­spiel berich­tet Micha­el Sont­hei­mer über den Abschluss des Pro­zes­ses gegen Vere­na Becker, einst akti­ves Mit­glied der RAF.

Ich zitie­re auszugsweise:

Vier Jah­re für Bei­hil­fe zum Mord, von denen zwei­ein­halb Jah­re wie­der abge­zo­gen wer­den. Das macht 18 Mona­te Haft. (…)

In sei­nem Schluss­vor­trag erklär­te [Micha­el Buback,] der Sohn des RAF-Opfers [Sieg­fried Buback,] dann: „Das Urteil ist für mich ohne Bedeu­tung.“ Obwohl Becker für ihn die Mör­de­rin sei­nes Vaters ist, woll­te er nicht, dass sie dafür ver­ur­teilt wird. (…)

Der Sohn des Ter­ror­op­fers ist neben der Ange­klag­ten der eigent­li­che Ver­lie­rer des Becker-Pro­zes­ses. Die Geschich­te kennt oft kei­ne Gerechtigkeit.

Mal für uns alte Leu­te zum Mit­den­ken: Der Sohn des Ter­ror­op­fers woll­te kei­ne Ver­ur­tei­lung, die­se Ver­ur­tei­lung erfolg­te aber, und des­halb ist er nun der eigent­li­che Ver­lie­rer? Eine so obsku­re Logik ken­ne ich eigent­lich nur aus so Frau­en­zeit­schrif­ten, in denen kein Satz ohne dra­ma­ti­sche Adjek­ti­ve oder sonst­wie bedau­er­li­che Attri­bu­te fal­len darf.

Der Leser, der sich von einem einst­mals vor­geb­lich seriö­sen Medi­um wie SPIEGEL Online rele­van­te Erkennt­nis­se anstel­le Betrof­fen­heits­pro­sa erhofft hat, ist neben mir der eigent­li­che Ver­lie­rer die­ses Vor­gangs. Micha­el Sont­hei­mer kennt oft kei­ne Gerechtigkeit.

Nerdkrams
Quäl­text­aus­druck (dank Mozil­la und Dell)

Zur­zeit bin ich der­art in der Stim­mung für rants über die Fir­ma Dell (sie­he auch hier und, etwas län­ger her, hier), dass ich eigent­lich eine Face­book-Fan­sei­te „Freun­de des gepfleg­ten Dell-Bas­hings“ auf­ma­chen könn­te. Doof nur, dass es dort wohl nie­mand mehr lesen wür­de: Face­book ist in abseh­ba­rer Zeit so gut wie tot. Tja.

Dann muss ich das eben hier machen:

Ich ver­die­ne erhal­te gele­gent­lich Geld dafür, mich mit schlecht bis gar nicht doku­men­tier­ten frem­den Schnitt­stel­len und Quell­codes zu beschäf­ti­gen. Gegen­wär­tig steht die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit einer SOAP-Schnitt­stel­le auf dem Pro­gramm, also das Sen­den und Erhalten/Auswerten von ziem­lich kom­ple­xen XML-Strö­men, im kon­kre­ten Fall acht­di­men­sio­nal ver­schach­telt. Der Ant­wort-Daten­strom, dar­ge­stellt als XML-Baum, sieht unge­fähr so aus (aus Grün­den gekürzt und teil­wei­se unkennt­lich gemacht):

(Wie man sieht, ent­hal­ten eini­ge der XML-Fel­der HTML-Code, hier zwar als „kor­rek­te“ tags ange­zeigt, aber im Daten­strom als HTML-Enti­tä­ten dar­ge­stellt, um die Inte­gri­tät nicht zu gefähr­den. Das wird im Fol­gen­den noch interessant.)

Nun wür­de ich natür­lich, um mit die­sem Infor­ma­ti­ons­ge­halt irgend­et­was Sinn­vol­les anfan­gen zu kön­nen, gern neben Brow­ser, PHP-Code und gege­be­nen­falls SSH-Shell (für das PHP-Feh­ler­log) auch die­se Struk­tur stets im Auge behal­ten. Da zumin­dest sie sich nicht all­zu oft ändert, bie­tet sich ein Aus­druck an – zumin­dest war das mein Vorhaben.

Nun stand mir in der vor­han­de­nen Arbeits­um­ge­bung hier­für ein Dell 2145cn zur Ver­fü­gung, ein gro­ßer, schwe­rer, lau­ter Farb­la­ser­dru­cker. Eigent­lich soll­te der die­ser Auf­ga­be gewach­sen sein, soll­te man mei­nen. Ich habe also das XML-Doku­ment gene­riert und den Quell­text aus­ge­ge­ben, anschlie­ßend aus Fire­fox her­aus die Druck­funk­ti­on ver­wen­det. Das Ergebnis:

  • sämt­li­che XML-Tags wur­den herausgefiltert,
  • die Enti­tä­ten wur­den in < und > umge­wan­delt und obendrein
  • als HTML-Code aus­ge­druckt.

Die HTML-Sei­te, die im Brow­ser so aussah, …


<BESCHREIBUNG>&lt;p&gt;&lt;b&gt;Test&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;</BESCHREIBUNG>

… ende­te also so auf Papier:


Test

Das ist natür­lich nicht im Sin­ne des Ent­wick­lers. Viel­leicht, so dach­te ich nai­ver­wei­se, ist allein die HTML-Dar­stel­lung ein wenig eigen. Ich ließ statt­des­sen also den Daten­strom als application/xml aus­ge­ben – ein screen­shot davon ist oben zu sehen – und betä­tig­te erneut Strg+P.

Tat­säch­lich schaff­te der Dru­cker es, mich noch­mals zu über­ra­schen: Dort, wo ich nun wenigs­tens XML-Code erwar­tet hat­te, erschien näm­lich gar nichts. Offen­bar wur­de beim Druck des XML-Doku­ments auch der XML-Baum intern in HTML umge­wan­delt, und da es für die ent­hal­te­nen Ele­men­te kei­ne Dar­stel­lungs­in­for­ma­tio­nen gab (wie zum Bei­spiel <b> als „fett“ defi­niert ist), wur­den sie schlicht „unsicht­bar“ dargestellt.

m(

Ich „lös­te“ das Pro­blem, indem ich ein (näm­lich oben ste­hen­des) Bild­schirm­fo­to des XML-Doku­ments aus­druck­te, was auch funk­tio­nier­te. War­um aber ein ein­fa­cher Aus­druck von XML-/HTML-Code par­tout nicht klapp­te, ist für mich uner­gründ­lich. Erfah­rungs­ge­mäß wür­de ich jetzt ein­fach mal Dell die Schuld geben. Dass Fire­fox zu blöd sei, so etwas wie den Quell­code einer Web­sei­te als Rein­text an einen Dru­cker zu sen­den, bezweif­le ich näm­lich dann doch.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik LXX: Quark­teil­chen entdeckt?

Wir schrei­ben das Jahr 2012, im nach­christ­li­chen Abend­land öst­lich des Lan­des der Ver­rück­ten ist man sich weit­ge­hend dar­über einig, dass wir nach unse­rem Tod vor allem tote Lei­chen sein wer­den. Wirk­lich erstaun­lich ist es da, dass jedes Mal, wenn der Schöp­fungs­leh­re von der Wis­sen­schaft erneut eins vor den Latz geknallt wird, Schrei­ber­lin­ge jeg­li­cher Cou­leur völ­lig uniro­nisch ihre Spi­ri­tua­li­tät wiederentdecken.

Das jüngst am CERN ent­deck­te Boson von 125,3 +/- 0,6 GeV/c² bei 4,9 σ kommt der Vor­stel­lung des bis­lang unent­deck­ten Higgs-Bosons recht nahe, und die­ses Boson, des­sen Nach­weis bis­lang auf wis­sen­schaft­li­chem Weg uner­klär­te Zusam­men­hän­ge der Ele­men­tar­phy­sik klä­ren kön­nen soll, wird nicht etwa „Higgs-Boson“ oder wenigs­tens „Higgs-Teil­chen“ genannt, denn damit kann man den durch­schnitt­lich ver­blö­de­ten Medi­en­kon­su­men­ten heut­zu­ta­ge nicht mehr anlo­cken. Nein, das geht so:

(Und das war jetzt nur eine Aus­wahl der Vor­kom­men ohne Anführungszeichen.)

Sicher ist das immer noch bes­ser als „magi­sches Teil­chen“ oder „Dings­da“, aber wenn es nur um Leser­ge­win­nung geht, soll­te man sich viel­leicht auf „Sex­teil­chen“ (oder, BILD-kon­form, „Sex-Teil­chen“) ver­stän­di­gen – immer­hin hält es, sofern exis­tent, auch an sexu­el­ler Inter­ak­ti­on einen gewis­sen Anteil.

(Wie wird das Higgs-Boson eigent­lich in der mus­li­mi­schen Welt genannt? „Allah-Teil­chen“ klingt eher nach einem Gebäck. „Ich hät­te gern ein Allah­teil­chen und ein Weiß­brot, danke.“)

War­um nen­nen wir Elek­tri­zi­tät nicht ein­fach Got­tes­feu­er, Licht Got­tes­glanz und Auto­mo­bi­le Got­tes­kut­schen? Über­haupt könn­ten die Medi­en viel mehr Begrif­fen ein „Got­tes-“ vor­an­stel­len. Tref­fen­der kann man die Brä­sig­keit der Gläu­bi­gen nur schwer­lich per­si­flie­ren. Aber viel­leicht war auch ein­fach nur wie­der ein Kabel locker.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CVIII: Ach, wer redet denn von Fußball?

Das mit dem Fuß­ball habe ich, wie ange­kün­digt, euch Lesern, abge­se­hen von eini­gen Total­aus­fäl­len in Super­märk­ten und Zei­tun­gen, ja erfolg­reich erspart, kein Wort der Bericht­erstat­tung erreich­te die­se Internetpräsenz.

Dass aber die deut­sche Mann­schaft in einem, wie Zuschau­er über­ein­stim­mend berich­ten, eher mit­tel­mä­ßi­gen Spiel das Errei­chen des Fina­les mal wie­der nicht hin­be­kam, ging an mir natür­lich eben­so wenig vor­über wie der plötz­li­che Schwund der schwarz-rot-gol­de­nen Flag­gen drau­ßen, denn so rich­tig stol­zer Deut­scher darf man eben nur sein, wenn gera­de Brüll­ball läuft, damit man nicht dem völ­ki­schen Gedan­ken­gut anheim­fal­le, wobei ein Neo­na­zi, der die schwarz-rot-gol­de­ne Flag­ge der Demo­kra­tie anstel­le der schwarz-weiß-roten des Kai­ser­rei­ches hisst, schon ein biss­chen blö­de sein muss; sei’s drum.

Allein das plötz­li­che Des­in­ter­es­se der Deut­schen am Fuß­ball­sport ist mir jetzt noch ein paar Zei­len wert, und die über­las­se ich Lukas Hein­ser:

Schlim­mer als die­se Fans, die es mit ihrer Begeis­te­rung für den Sport dann viel­leicht doch ein biss­chen über­trei­ben, sind aber jene Leu­te, die sich zu inter­na­tio­na­len Tur­nie­ren in schwarz-rot-gol­de­ne Scha­le wer­fen und gemein­sam mit der Bou­le­vard­pres­se dar­auf hof­fen, dass “wir” den Titel holen.

(…) Wer Fuß­ball nur guckt, weil er auf einen Titel­ge­winn der eige­nen Mann­schaft hofft, ist kein Fan der Sport­art, son­dern ein­fach nur jemand, der sein Ver­hält­nis zu die­ser Sport­art von einem ein­zi­gen Fak­tor abhän­gig macht: dem Titel. Mit die­ser Ein­stel­lung kann man die­ser Tage nicht mal mehr Fan des FC Bay­ern Mün­chen wer­den — und sel­ber Sport trei­ben sowie­so nicht.

Ganz Deutsch­land inter­es­siert sich nicht mehr für uns und unse­re Mann­schaft. Hat ganz Deutsch­land vor dem Aus­schei­den unse­rer Mann­schaft eigent­lich die jüngs­ten Ent­wick­lun­gen bezüg­lich der GEMA-Tari­fe oder des ESM hin­be­kom­men? Nein? Natür­lich nicht, da schießt ja auch nie­mand ein Tor.

Ganz Deutsch­land geht es immer noch zu gut.