Die Siebziger sind da, sie wollen ihren Rock zurückhaben.
Ich sag‘ ihnen, sie sollen sich einfach setzen und zuhören.
Don’t forget this fact:
You can’t get it back,
cocaine.
Guten Morgen.
Die Siebziger sind da, sie wollen ihren Rock zurückhaben.
Ich sag‘ ihnen, sie sollen sich einfach setzen und zuhören.
Don’t forget this fact:
You can’t get it back,
cocaine.
Guten Morgen.
Ich bin ja unter anderem auch ein Pinguin- und Webcomicfreund, wenngleich meine Freundschaft in letzterem Fall nur ausgewählten Serien gilt.
Zu diesen Serien zählen außer den üblichen Verdächtigen (Garfield und andere) auch solche, deren Zeichner sich mehr dem Nonsens (NICHTLUSTIG) und der Kunst des schwarzen Humors (Cyanide & Happiness) verschrieben haben.
Gelegentlich finde ich mir noch unbekannte Webcomics ähnlicher Art, die ich bei Gefallen durchaus im Auge behalte. Twitternutzer @chriszim besaß die Frechheit, mich auf die Serie „Die Pinguine“ aufmerksam zu machen. Die dortigen Comics sind nicht nur schlecht gezeichnet, sondern auch brachial,
und voller schlechter Witze.
Ich mag sie, und ihr solltet das auch tun.
Übrigens können, apropos Twitter, diejenigen von euch, die mit RSS nicht umgehen können, nun stattdessen auch auf Twitter lesen, wenn es hier einen neuen Artikel gibt. So weit die Theorie.
„Nun, da sich der Vorhang der Nacht von der Bühne hebt, kann das Spiel beginnen, das uns vom Drama einer Kultur berichtet.“
– Heino (Original: Die Fantastischen Vier): MfG
Eigentlich dürfte ich Heino nicht mögen.
Ich habe meinen musikalischen Stolz über Jahre hinweg hart erarbeitet, nenne Schlagerveranstaltungen im Geiste gelegentlich (zum Beispiel jetzt gerade) pauschal „Totengesang“ und betrachte die Protagonisten des Genres mit ihrem Bumm-Tschack und Gefiedel im Hintergrund als tragikomische Figuren, nicht jedoch als künstlerisch sympathische Musiker. Allerdings gebe ich offen zu, aufgrund dieses Desinteresses auch nur wenige „Lieder“ der Totensänger zu kennen. Eines von den Wildecker Herzbuben, eines von Marianne Rosenberg, eines von Vicky Leandros, keines von Andrea Berg. Und Heino war der Typ mit dem Enzian.
Dann kam „Mit freundlichen Grüßen“. Das „Skandal-Album“, voller vermeintlicher Urheberrechtsdings beziehungsweise eben Heino-Versionen bekannter Pop- und Rock- und Rammsteinstücke, von denen einige selbst mir bekannt sind. Skandalös ist indes nicht das unerlaubte Nachspielen, denn von § 23 UrhG wären die nachgespielten Stücke nur dann betroffen, würde Heino den Text modifizieren; skandalös ist, dass mit dem Umstand, dass sich im Urheberrecht nur noch wenige Bürger (Massenabmahnungen sei Dank) ausreichend gut auskennen, gezielt geworben wird. Vermutlich sind einige Adressaten der viralen Werbung für das Album inzwischen so verunsichert, dass sie glauben, es sei illegal, sich „Mit freundlichen Grüßen“ zu kaufen. Na, mit einem Heino-Album sollte man sich vermutlich zumindest nicht draußen blicken lassen.
Aber ohne diesen Skandal wäre auch mir „Mit freundlichen Grüßen“ wahrscheinlich nicht mal aufgefallen.
Geschützt durch Notfallmusik, die nur wenige Tastendrücke entfernt ist, bin ich das Wagnis eingegangen, mir zwecks Meinungsbildung einmal selbst besagtes Album anzuhören. Eigentlich dürfte ich es nicht mögen.
Heino, der Typ mit dem Enzian, inzwischen seit bald einem Jahrzehnt im Rentenalter und immer noch mit, zugegeben, krankheitsbedingter Sonnenbrille und Perücke vor dem öffentlichen Verfall (und davor, auf Konzerten sein öffentlich verfallendes Publikum allzu gut sehen zu müssen) geschützt, macht nun also, wie schon vor einigen Jahren der gleichfalls berufsjugendliche Thomas Gottschalk („What Happened to Rock’n’Roll“) in Lederkluft gewandet, das mit der Rockmusik.
Seine Abschiedstournee (2005) war offensichtlich eher eine Pausentournee. Die Ärzte haben dieses Konzept im Jahr 2012 (auf das „Abschiedskonzert“ folgte die „Comeback-Tour“) gecovert, gleichsam als Revanche ist das erste Lied auf „Mit freundlichen Grüßen“ nun deren „Junge“, vorgetragen mit tiefer Stimme und rollendem „R“. Tiefe Stimme, rollendes „R“? Ach, Rammstein, ja. „Sonne“ klingt tatsächlich der Vorlage recht ähnlich. „Leuchtturm“ von ehemals Nena geht mir in der Heino-Version deutlich weniger auf die Nerven. Und falls sich jemand fragt, warum das Album „Mit freundlichen Grüßen“ heißt: „MfG“ von den Fantastischen Vieren ist auch drauf, aus rechtlichen Gründen (ich erwähnte es oben) mit gesprochener Einleitung und Hintergrundchören.
THC in OCB ist, was ich dreh‘.
Als Die Toten Hosen in den 1980-er Jahren mit dem „wahren Heino“ Norbert Hähnel (etwa für „Eisgekühlter Bommerlunder“) zusammenarbeiteten, war das eine der weniger schlechten Heino-Parodien. Leider wurden Die Toten Hosen nicht in das Repertoire aufgenommen. „Eisgekühlter Bommerlunder“ hätte in der Wirklich-wahrer-Heino-Version vermutlich erst recht an Komik gewonnen. Man könnte „Mit freundlichen Grüßen“ trotzdem als Parodie auffassen. Ob Heino die Popmusik-Szene, sich selbst oder die Parodien auf sich selbst parodieren wollte, weiß ich leider nicht.
Klar ist: „Mit freundlichen Grüßen“ ist schräg; eigentlich zu schräg, um noch zu gefallen, aber doch schräg genug, um wieder zu gefallen. Ich bin zumindest nach einem Hördurchgang ziemlich amüsiert, vielleicht aber auch nur über den Umstand, dass ich gerade Heino höre. Eigentlich dürfte ich das nicht mögen.
„Mit freundlichen Grüßen“ ist kein Rock im Schlagergewand, wie oft behauptet wird; es ist Rock im Heinogewand. Heino veralbert Leute, die Heino veralbern. Dafür hat er zumindest den Respekt des Trollfreudigen verdient. Und er hat es verdient, dass man mal reinhört. Doof finden und im Internet verreißen kann man es später immer noch.
Man muss es ja nicht mögen.
„Was soll das? Was soll das?“
– Heino (Original: Herbert Grönemeyer): Was soll das
Versehentlich halte ich, während ich an diesem Text feile, das „Kleeblatt“ (Ausgabe Dezember 2012 bis Februar 2013, also vor der letzten Weihnacht veröffentlicht), den Gemeindebrief der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in irgendsoeinem Goslarer Vorort in der Hand und bin über das editorial recht amüsiert.
Pastor Pritzke (das klingt wie eine Figur aus den Micky-Maus-Comics, oder?) schreibt dort allerlei über das Weihnachtsfest und seine vermeintliche Bedeutung. Da stehen dann – nein, die Sache mit den Messdienern wird der Kirche so schnell sicher nicht verziehen – Sätze wie:
Auch das kann uns die Adventszeit lehren: Große Freude braucht Vorbereitung.
Bis man so einen Ministranten herumbekommen hat, dauert das eben manchmal ein wenig. Die zieren sich aber auch immer!
Oder Sätze wie:
Und wie schnell geht dann, besonders wenn kleine Kinder da sind, das Auspacken unter dem Tannenbaum!
So ein wenig Stimmung muss ja schon sein. Auch Priester haben einen Sinn für Romantik!
Aber es ist nicht nett, immer und immer wieder auf der Pädophilengeschichte herumzureiten (hehe). Vielleicht wird Pastor Pritzke Unrecht getan, vielleicht weiß er tatsächlich nicht, was seine Kollegen so, hihihi, treiben, wenn sie auf Messdienerfahrt verreisen. Also gehen wir die Sache mal anders an:
Weihnachten heißt: Gott schenkt uns seinen Sohn. Wir wissen, was wir bekommen.
„Weihnachten heißt: Alles schon mal da gewesen. Drei Tage Ödnis, halbherzig seit Monaten bekannte Geschenke auspacken und sich auf die Zeit danach freuen.“
Weihnachten ist das Fest des Kindes. Gott schenkt uns seinen Sohn. In ihm kommt er uns näher, (sic!) als wir uns selbst sind.
Muss… Witz… verkneifen.
Und so ist Weihnachten auch für uns das Fest der neuen Geburt, des neuen Anfangs.
„Und so fängt nach Weihnachten das Dunkel und das mit den Toten wieder an.“
Weihnachten ist Geburtstag für alle.
„An Weihnachten kommen viele uneingeladene Gäste und fressen einem die Torte weg.“
Leider beschränkt sich der Humorgehalt des Gemeindebriefs auf diesen Text; der Rest besteht aus Buchtipps (keine Bibeln oder pornografische Romane, 1 von 24 Seiten), Klein- (6 von 24 Seiten) und Todesanzeigen („nur“ eine halbe Seite, wahrscheinlich, weil man zur Weihnachtszeit nicht an Tote denkt oder so) und irgendwelchen sonstigen Bekanntmachungen (Gottesdienst ist immer am gleichen Tag, danke für’s Lesen). Was für eine Verschwendung von (Holz und) Drucketat.
Und für so was brauchen die jeweils vier Monate. Wen wundert’s da noch?
(Niveauvolle Überschriften sind zu einfach.)
Dass „soziale Netzwerke“ nicht primär dem vorgeblichen Austausch im Freundes- oder Familienkreis dienen, sondern sich in den dortigen Kontaktlisten im Laufe der Zeit vor allem heimliche und weniger heimliche Flammen ansammeln, war nie ein allzu großes Geheimnis. Diejenigen, die post-privacy zur Lebensmaxime erkoren haben, können nun noch einfacher dazu stehen:
„Bang Your Friends“ heißt die Anwendung, zu Deutsch „Bums deine Freunde“. Sie soll einschlägig Interessierte ohne große Umwege zu gewünschten Begegnungen verhelfen. Unter den eigenen Facebook-Kontakten kann der Nutzer die begehrten Freunde markieren. Sollte einer dieser Facebook-Freunde umgekehrt einen ähnlichen Wunsch äußern, werden beide via E‑Mail über das gegenseitige Interesse informiert.
Anders gesagt: Wenn im eigenen „Freundeskreis“ jemand Bock auf Poppen hat und – jedenfalls zurzeit noch – dem anderen Geschlecht angehört und beide Teilnehmer ihr Begehren der app mitgeteilt haben, bekommen sie vollautomatisch und ohne störende vorherige Kontaktaufnahme untereinander ’ne Mail, dass sie den jeweils anderen doch mal ganz unverbindlich fragen sollten. Wenn’s halt die eigenen Eltern oder Kinder sind, ist das nur vorübergehend peinlich. Ich wüsste allerdings wirklich gern, wie diejenigen, die diese app nutzen, bisher Frauen kennen gelernt haben, wenn bereits eine höfliche, aber direkte Frage („ey, ficken?“) die Teilnehmer überfordert.
Ach, apropos Eltern oder Kinder; der Unterhaltungswert wurde kürzlich per Aktualisierung beseitigt:
Nun soll dafür gesorgt sein, dass als Familienmitglieder markierte Facebook-Kontakte von der App-Auswahl ausgenommen sind.
Ich nehme ja sowieso an, dass die Zielgruppe der app überwiegend aus Leuten besteht, die mit dem Anbahnen von Sexkontakten im Familienkreis am wenigsten Probleme hätten. Unglaublich.
Gelegentlich scheint es eine gute Idee zu sein, den Medien wieder einmal darzulegen, warum die Netzbürger keine homogene Masse („die Netzgemeinde“, als wäre das eine Sekte) sind. Aus aktuellem Anlass mache ich das heute einmal am Beispiel der Meme.
Also: Ich bin Netzbürger. Und obwohl ich seit „geilo, mein neues 56k-Modem geht ja richtig ab“ im Internet herumkaspere und gelegentlich auch am dortigen Sozialleben teilnehme, finde ich die meisten Meme ziemlich bescheuert.
Ein „Mem“ (etymologisch irgendwie mit „memory“ verwandt) ist unter anderem ein Kurzwort für Internetphänomene. Dies bezeichnet wiederkehrende Bilder, Texte, Videos oder auch und Phrasen, die sich über das Internet verbreiten und sich zum Teil auch ins wirkliche Leben ausbreiten, etwa das recht bekannte „Trollface“ als Erkennungsmerkmal eines Provokateurs, das sich längst auch auf Demonstrationen und T‑Shirts wiederfindet, ebenso die anderen Gesichter.
Und bevor jetzt jemand behauptet, die im Internet hätten komplett bescheuerte Ideen und ohne das Internet wären sie weiser: Das mit den Memen geht auch andersherum. Ein bekanntes Mem aus dem wirklichen Leben ist zum Beispiel der Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“, bis heute in abgewandelter Form weitergetragen und vieltausendfach persifliert. Ein „Mem“ ist also eigentlich nichts anderes als ein geflügeltes Wort in digitaler Darreichung. Und auch die Leute aus dem wirklichen Leben haben oft keine besseren Meme im Angebot, denn sie stammen meist aus dem Fernsehen (oder zumindest von YouTube).
Ein paar Beispiele: Im Frühjahr 2012 machten sich im Internet Ponyavatare breit, entlehnt aus der Fernsehserie „My Little Pony“. Für mich als Netzbürger ist das trotzdem ungefähr so nachahmenswert und attraktiv wie Barbie und Pokémon. Auch andere Fernseh- und weitere Serien und Filme schafften es zu geradezu viralen Memen, das Rickrolling mit Rick Astley hat es gar zu einem eigenen Wikipedia-Artikel geschafft. Andere YouTube-Phänomene wie Boxxy sind irgendwann weitgehend in Vergessenheit geraten, während sich das Xzibit-Mem „Yo dawg“, vermutlich entstanden aus der Fernsehserie „Pimp My Ride“, erstaunlich lange hält.
Dabei reißen Meme auch Leute mit, die es sonst mit dem Internet nicht so haben. Der Film „V wie Vendetta“ etwa, in dem ein maskierter Mann aus Rache für die Misshandlung durch die Regierung Gebäude in die Luft sprengt und durch seinen Tod letzten Endes die Diktatur beendet, inspirierte die Gründung und das Auftreten von „Anonymous“. Kennen sollte man zumindest die Szene, in der alle Bürger der Stadt, ebenfalls mit solchen Masken ausgestattet, das Militär umringen.
Warum eigentlich „Anonymous“? Nun, das ist der angezeigte „Name“ nicht angemeldeter Benutzer im Forum „4chan“, wo sich die meisten Meme initial verbreiten, sei’s nun Boxxy, sei’s die Vendetta. 4chan muss man nicht kennen, das Niveau dort ist überschaubar, und auch wenn es quasi für jedes Thema ein eigenes Forum gibt (selbst ein Musikforum ist dort rege aktiv) und ich das Konzept „Anonymous“ und einige ihrer „Operationen“, selbst LulzSec, ausdrücklich gutheiße: Man muss schon reichlich pubertär sein, um länger als nötig dort zu verbringen. (Ähnliches gilt für das deutschsprachige Pendant Krautchan, wo die „Anonymous“-Benutzer schlicht „Bernd“ heißen – damit wurde dieser Name ebenfalls zu einem allerdings selten benutzten Mem.)
Intellektuell interessant sind allerdings die Meme, die historischen oder literatischen Bezug aufweisen. Dass diese Meme normalerweise Teil von Creepypasta (also im Wesentlichen Horrorgeschichten) sind, ist bemerkenswert, aber nicht störend. Einige von ihnen sind durchaus gut gemacht.
Ein Beispiel ist die Legende vom Slender Man, einem großgewachsenen, fahlen Mann ohne bekanntes Gesicht, der nachts Kinder holt oder so. Eine faszinierende Figur, auf die wir stolz sein können: Das Vorbild war der Großmann, ein vor mehreren Jahrhunderten im Schwarzwald lebender, geheimnisvoller Kindesentführer, dessen Existenz bis heute nur belegt, nicht jedoch bewiesen wurde. Endlich mal ein erfolgreiches deutsches Exportgut!
Diejenigen, die der internationalen Belletristik näher stehen als deutscher Lokalgeschichte, sind womöglich mit den Werken H. P. Lovecrafts wie dem Necronomicon und dem Cthulhu-Mythos vertraut. Die Spannung, die H. P. Lovecraft erzeugt, liegt darin begründet, dass das Böse meist zu erahnen, aber nie greifbar ist. So funktionieren die meisten Romane von Stephen King, so funktionieren zahlreiche Folgen von „Akte X“, so funktioniert „Creepypasta“ und so funktioniert Zalgo. Zalgo? „Zalgo“ ist ein Wort ohne nähere Bedeutung, das seit 2004 belegt ist. Zalgo ist der Name einer körperlosen Entität, die in jeder Wand wohnt und darauf wartet, zu leben; deren baldige Ankunft sich manifestiert in andauernden Geräuschen, blutenden Augen, zerfließendem Text bis hin zu völliger Unkenntlichmachung der Wirklichkeit, mithin das Ende der Welt, wie wir sie kennen. Zalgo is͔̦̟̳͔̹̓̋͗ͯͭ͡tͥͩ ̂̕Ķ̼͙͔̭̙̙̆ͭ̈̃ͫ͂ọ̙̼̱̿̽ͫ̍r̮͇̰͇͙͉͌͢r̝̠̽̓ͬͬ̂̂uͥ͑p̉ͯ͏̸̛̪̻̯͙̦̙͙t̷̬͉͎̰̟̙͕̩ͪ͗̅ͭ̐̇̓ͮi̶̢̗̪͉͛̓ͫͅo̴̰̺̤̲̥̪͆̉ͣ̈̌n̂̆҉̸͖̲͙̼͡.̡̼͉̬͚̎̾͒̉͛ ̇̂̉ͨ͒҉͚̲̲̯̱͖͝Z̧̡̡̥͈̻͕̞̤̺͔̼͂ͭ̽ͩͫ̔͘͢a̷͉͓̲͉̻̦̖̦̟̠̼͉̬̟̪͎͑ͪ̈̄̌̀͠͡l̶̛̞̯̯̞͉̘̦̲͊̾̒ͯ͒̾͆ͬ̆͐̆ͭ̿͗̀g̷̢̯̻͔̘̯̬̰̽̽ͭ͗̔̾̿ͨo̡̗͚͖͔ͨ͗̑ͩ̈́̀ͫͪ̂ͮ͂̽ͯͨ́̚̚̕͞ ͎̪͍͓͈̳͖̩̤͉̻͖̤͉͖̪͙͓̓̌̿̅̒͗̏̽̌̍̋̐̀̋̍̔͑̈ͦ̕͢͠i̒͆̏ͮ̔̃͊͛ͩ͐͌ͭ̀̃ͣ҉̷̢̨̣̖̝͚̹̹͕̜̪̩̱̻͍̙̻̗̙̹͠ͅs̈͌̃̅ͥ͒̒̚҉̩̟̩͎̭̙͖̳̝̮͘͟͜t̶̶̙̱̞̫̟̼̖͈͑͗̃ͩ͆ͫ͋ͭ̍͟͞ͅ ̬̤͔̣̝̮͉̗̮̲͖̝̝̺̯͋̈ͦ̽̽͐͐ͦ̍̆͘͜͢͝C̶̸̡̘̰̘̯͈̘̭͔̘̈́̃̀̑͑ͦͨ̕h͚̯͎͕̻͍̻̙̫̲̙̬̪̰̪̓ͩͯ̇ͥ̓̌́a̒͊̿ͣͯ͗͗̔̔̈͂̊͟҉҉͎̳̪̹̮̦̰̰̤͇̗̠̩̖̙͉͙̕͠ȏ̏̍̀̆́͑ͯ͑҉̶̡͚̙̺̘̙ͅş̵̴̯̼͎̞̩͉͚̳̯̪͈̤͍̹̫̖̯̃̏̓̒ͭ̈́ͩͧ.̸̢̛͙̹̬̼̦̬̠̫̤͉̦͙͕͔̘̉̈́̔͛̍̉͑̑͗͛̓ͦͯ͡
Verzeihung, ich schweife gelegentlich ab. Nun, so weit, so gut.
Worauf ich eigentlich – außer, dass es deutlich zu viele Meme gibt – hinauswollte? Das habe ich, ehrlich gesagt, vergessen. Ich improvisiere: Auf – wieder mal – Twitter werden zurzeit gern neue Meme kreiert, so genannte „Filmmeme“. Unter Hashtags wie #FDPFilme, #wurstfilme und #Waffelfilme werden Filmnamen entstellt, etwa „Waffeln im Sturm“. Das sei zum Abbrechen lustig, heißt es, und bleibt nicht bei einigen wenigen Ausnahmen, sondern schafft es in jeder Reinkarnation in die trending topics. In anderen Worten: Binnen weniger Minuten ist auch eine gut sortierte Twitterliste voller total lustiger Einwortwitze. Aber ihr irrt: Das ist nur zum Brechen. Hört auf damit.
Und, ihr Medien, schreibt endlich mit: Auch, wenn man als Netzbürger Meme kennt und die bestehende Regierung nicht mag, ist man noch lange kein typischer Verbreiter von grauenvoll schlechten Memen.
Und Ponys sind auch scheiße.
Nee, fehlgeleitet, „Herda“, die Sie mir unter obigem Betreff eine Mail zukommen ließen; an mir ist nachweislich ’n Penis dran. Frauen (schreibt man das nicht „Herta“?), die per Mail andere Frauen suchen, sind mir allerdings bisher neu gewesen. Das klingt nach Spaß.
Hallo, wen Sie ?
Na, die Eine, die Sie, „Herda“, gesucht haben, ich zumindest vermutlich nicht.
Wie Sie uber mich horten? Von den Webseiten der Bekanntschaften?
Von den Webseiten der Bekanntschaften horte ich nicht eine; die besitzen sie alle ganz allein. Besitzen Sie auch eine? Dann horte ich auch die natürlich nicht.
Erzahlen Sie uber Sie und was Sie, zu suchen?
Über sie habe ich schon vielerlei erzahlt erzählt. Was das hier zu suchen hat? Ich weiß es nicht – sagen Sie es mir. Wortkarg scheinen Sie ja nicht zu sein; obwohl Sie Ihrem Wortschwall eine ZIP-Datei mit einer enthaltenen Bildschirmschonerdatei namens „sexy.scr“ beifügten. Meinen Bildschirm schone ich später, vorher wüsste ich gern, was es damit auf sich hat.
Ach so, natürlich:
Ich schicke Ihnen wasche die Fotografie in diesem Brief.
Sehr schön. Frisch gewaschene Fotografien machen keinen Dreck.
Ich werde froh sein, die Antwort von Ihnen zu sehen.Victoria
29.01.201312:02:56
Damit wäre meine gute Tat für heute erfüllt.Ich
Sternzeit negativ
Die Grünen – die juvenilen Kriegstreiber, die auch gern mal Facebooknutzung für Bürgerbeteiligung halten – sind immer wieder für einen Lacher gut. Ihre neueste Peinlichkeit ist das hier:
Daniel Mack war so nett mir unaufgefordert eine E‑Mail mit dem Link zum entsprechenden Blogartikel zu senden […] Wie unschwer zu erkennen ist (“sehr geehrte Damen und Herren”) versendet Daniel Mack ein Serien-E-Mail (oder Newsletter), Absender ist der Sprecher für Netzpolitik und Sport Bündnis 90/Die Grünen – gefühlsmässig für mich ein kommerzieller Absender. Ich hatte mit Daniel Mack bis heute keine kommerzielle Beziehungen, auch habe ich mich nie in eine entsprechende Newsletterliste eingetragen, noch sonst irgendwo den Wunsch geäussert, Informationen zu seinen politischen Themen zu erhalten. Daniel Mack schreibt mich (als Ausländer, äh Schweizer) also an, weil ich einen Blog zu Facebook betreibe. Die Idee dahinter ist offensichtlich, berichte ich darüber, erhält er zusätzliche Aufmerksamkeit.
Bereits seit Anfang 2007 drohen Versendern von Spam, und sei sie politisch motiviert, für selbiges Tun bis zu 50.000 Euro Bußgeld ins Haus zu stehen. Eine politische Partei – und gerade ihr Netzsprecher – sollte das wissen.
Aber was ist von einer Partei auch zu erwarten, die einen Sprecher für Netzpolitik und Sport in ihren Reihen hat? Klar: Wer zwei Dinge gleichermaßen schlecht beherrscht, der kann es auch in dieselbe Schublade werfen. So sind sie, die Grünen: Hauptsache, das mit den Windrädern klappt. Mit heißer Luft kennt man sich nach ein paar Jahren im Bundestag eben immer noch am besten aus.
Ein neuer Montag, ein altes Lied. Warum auch nicht?
How could they know just what this message means,
the end of all my hopes, the end of all my dreams
Immer.
Guten Morgen.
Ich wollte mich hier zum Thema Sexismus beziehungsweise der aktuellen Debatte zu diesem Thema eigentlich nicht weiter äußern, das habe ich an anderer Stelle bereits mehr als deutlich getan. Die Bigotterie, die diesem Thema anhängt, haben unter anderem Klopfer und die Mutti treffend thematisiert.
Eigentlich hätte ich es damit auf sich beruhen lassen können.
Nun wurde mir die Website alltagssexismus.de – bewusst nicht verlinkt – in meinen Nachrichtenticker gespült. Dort steht zu lesen:
Hier werden Erlebnisse zu Sexismus, Homo‑, Queer- und Transfeindlichkeit, zu Rassismus und Ableismus, den Frauen erleben, gesammelt. Das können Kleinigkeiten sein, die sich wie Alltag anfühlen oder sexualisierte Übergriffe und Gewalt, Sachen, die euch lähmen oder aufregen, die euch nerven oder stören. Beschreibt sie so lang oder kurz wie ihr wollt, gerne anonym, wenn ihr möchtet. Sexismus ist keine Bagatelle sondern ein ernsthaftes Problem, das wir nicht akzeptieren wollen.
(Hervorhebungen von mir.)
Rassismus als Form von Sexismus zu betrachten ist bereits eine lustige Idee; der Einfall, eine Seite namens „Aufschreien gegen Sexismus“ nur Frauen zu widmen, ließ mich vor Lachen fast kollabieren. Das ist doch Absicht, Mädels. Andererseits: Aufschreien könnt ihr ja hervorragend, zum Beispiel dann, wenn ’ne mannsgroße Spinne an der Zimmerwand sitzt. Dann ruft ihr selbstverständlich den starken Mann, denn ihr seid die schwache Frau. Ebenso, wie ihr die Männer ruft, wenn irgendwas mit dem Computer ist. Oder mit dem Fernseher. Oder es Möbel zu schleppen gilt. Denn ihr seid ja nur Frauen, und Männer kennen sich bekanntlich schon rein genetisch mit Möbelschleppen und Elektronik aus.
Es ist müßig zu erwähnen, dass ich diese alltäglichen Kleinigkeiten (neben einer anderswo beschriebenen weniger kleinen Igkeit – allein an der Bedeutungslosigkeit sollte es nicht scheitern) gerne anonym auf der Seite „Aufschreien gegen Sexismus“ zu melden versucht habe.
Sie wurden allesamt nicht freigeschaltet.
Auf Twitter riet man mir, für größeren Erfolg meine Berichte als Frau einzureichen. Natürlich hätte ich sie dafür so umschreiben müssen, dass die beiden beteiligten Gruppen die Rollen getauscht hätten. Wahrscheinlich wäre in diesem Fall die Freischaltung wirklich kein Problem gewesen.
Merkt ihr selbst, oder?
SPD und Grüne würden gern, wie in den meisten anderen Bundesländern längst geschehen, die Studiengebühren in Niedersachsen abschaffen. Offenbar sind diese nicht notwendig, selbst in Nordrhein-Westfalen (keine Studiengebühren) gibt es angeblich Akademiker mit einer ausreichend professionellen Ausbildung.
Das gefällt den Hochschulen aber nicht.
Die Ostfalia befürchtet, dass ihr nach dem Regierungswechsel in Hannover weniger Geld zur Verfügung steht. Falls die Studiengebühren wegfallen sollten und es dafür keinen entsprechenden Ausgleich gebe, sei die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet. (…) Durch das Geld aus den Studiengebühren sei die Qualität von Lehre und Forschung gestiegen. Ohne finanziellen Ausgleich fielen die Hochschulen wieder zurück, befürchtet [Hochschulpräsident Wolf-Rüdiger] Umbach.
Wie „finanzieller Ausgleich“ ungefähr aussieht? Nun, etwa so:
Niedersachsens Hochschulen lassen immer mehr Studiengebühren ungenutzt auf ihren Konten liegen. (…) Am Stichtag 1. Juli 2010 legten Niedersachsens Hochschulen insgesamt 78.732.172 Euro Einnahmen aus den Studiengebühren auf die hohe Kante. Zum Vergleich: Am 31. Dezember 2008 betrug diese Summe noch 75.627.638 Euro.
Anders ausgedrückt: Ohne Studiengebühren könnten sich die Würdenträger der Hochschulen nur noch alle zwei Jahre einen neuen Mercedes leisten statt (wie bisher) jedes Jahr. Diesen Zustand kann niemand gutheißen. Vielleicht sollten die niedersächsischen Hochschulen mal höflich nachfragen, ob nicht vielleicht der ESM noch ein, zwei Milliärdchen…
Nicht? Na gut – war nur ein Vorschlag.
Das eher weniger erfolgreiche Abschneiden der Piratenpartei bei der letzten Landtagswahl in Niedersachsen lässt die Medien wieder süffisant fragen: Wie lange wird das Piratenschiff noch segeln, und warum ist Johannes Ponader noch im Amt?
Ich möchte den lächerlich verquasten Blogeinträgen der Für- und Widerredner nun nicht mehr allzu viel hinzufügen, und das, obwohl ich als einer derer, die ein Verharren unter fünf Prozent für den idealen Ansporn zur produktiven Arbeit halten, in die Defensive gedrängt werde. Kommt kurz her, Kinder, setzt euch um mich herum und hört mir zu. Ich möchte nur drei kurze Anmerkungen machen, danach lasse ich euch in Ruhe weiter mit Förmchen werfen, versprochen.
1. Personelles
Ihr Presseheinis, die ihr sabbernd und geifernd den ganzen Tag vor Twitter hockt und auf die neuesten ungeheuerlichen Verfehlungen des Bundesvorstands wartet, geht jetzt alle an die Tafel und schreibt hundertmal:
Der politische Geschäftsführer der Bundespartei, der sich im Wahlkampf in Niedersachsen viele Stunden lang den Hintern an Infoständen im ganzen Bundesland ab- und wieder drangefroren hat, ist nicht „schuld“ daran, dass die Bürger Niedersachsens von den Piraten nicht ausreichend überzeugt waren.
2. Transparenz, Sexismus und was alles dazugehört
Piratenpartei: Etwa zwei Prozent. Ein uralter Tweet eines Mitglieds wurde bis kurz vor der Wahl von der Presse warm gehalten und rechtzeitig ausgepackt. Resultat: Buh, den sexistischen Haufen kann man doch nicht wählen!
F.D.P.: Etwa zehn Prozent. Spitzenkandidat äußert sich vor der Wahl sexistisch. Resultat: Ja, hm, schade.
Weil die Piratenpartei sich öffentlich und transparent gibt, gelangen solche Vorfälle natürlich meist sofort an die Öffentlichkeit. Aber nur, weil im Internet mehr Verfehlungen von Piraten als von traditionell eher offline agierenden CDU- oder SPD-Mitgliedern stehen, heißt das nicht, dass letztere sich besser benehmen können. (Dass „Sexismus“, wie auch immer man ihn definiert, eine zutiefst menschliche Eigenschaft ist, die nicht an Parteien, Geschlechter oder Generationen gebunden ist, führt an dieser Stelle wahrscheinlich zu weit.) Aber ich verstehe schon, ihr Presseheinis seid es ja gewohnt, beim Kasperletheater mitzuwirken – die Hände in den Hintern der Puppen verstören euch nur. Kein Wunder, dass euch die Piratenpartei überfordert.
3. Was die Piratenpartei lernen sollte
Was die Piratenpartei in Niedersachsen nun falsch gemacht hat, würdet ihr sicher gern wissen. Ich kann euch das ungefähr so gut und zuverlässig beantworten wie jeder andere Bürger, aber wenn ich einen Tipp abgeben muss: Kein zurechnungsfähiger Bürger – ich wiederhole mich – wählt ausgerechnet die Piratenpartei, die auf dem Papier mit Transparenz, Internetfreiheit und digitalen Bürgerrechten wirbt, nur wegen ihrer tollen Umwelt‑, Finanz‑, Sozial- oder Bildungspolitik. Lernt daraus und macht es nächstes Mal richtig.
So, und nun zurück in den Sandkasten mit euch.
In der Weihnachtszeit soll sich ein österreichischer Vater bei der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich gemeldet und eine Beschwerde vorgebracht haben. Seine Schwester habe seinem Sohn den Lego-Bausatz „Jabbas Palace“ des dänischen Spieleherstellers Lego gekauft, „in guter Absicht“. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass die Lego-Verpackung „pädagogischen Sprengstoff“ enthalte. (…) Die Kulturgemeinde ist den Bedenken des Vaters offenbar nachgegangen und erhebt nun ihrer Webseite zufolge gegen Lego den Vorwurf der Volksverhetzung. Begründung: „Jabbas Palace“ gleiche einer Moschee, der Wachturm einem Minarett. Die Figuren seien Orientalen nachgebildet, mit Gewehren, Schwertern und Kanonen.
Ein hübsches Bild hat die Türkische Kulturgemeinde in Österreich da von den eigenen Mitgliedern, wenn sie Figuren mit Gewehren, Schwertern und Kanonen automatisch für die Ihren hält. Warum genau ein offenbar also dem Islam nahe stehender Vater seinem Kind ein Weihnachtsgeschenk macht, weiß ich leider nicht. Vielleicht mit der Absicht, die Kaufkraft des verhassten Westens zu schwächen.
Bei genauerer Betrachtung sei das fertig zusammengebaute Lego-Haus und der dazugehörige Turm tatsächlich „ein 1:1‑Abklatsch der Hagia Sophia in Istanbul oder der Moschee Jami al-Kabir in Beirut und eines Minaretts. Kurz, das Model ähnelt Sakralbauten, egal ob Kirche, Moschee, Synagoge oder Tempel.“
Zur Hagia Sophia hält die Wikipedia ein paar in diesem Kontext amüsante Anekdoten bereit, besonders erwähnenswert ist es vielleicht, dass es sich um eine ehemalige byzantinische (also christliche) Kirche handelt, die im 15. Jahrhundert von plündernden Türken quasi gewaltsam zur Moschee umgebaut wurde und heute ein Museum ist. Es ist wirklich eine pietätlose Unverschämtheit von Lego, dieses Gebäude zu entweihen.
(Dass das Vorbild, nämlich Jabbas Palast, gar nicht von Lego stammt, sei mal dahingestellt. Ein frommer Vater guckt eben keine bösen Kriegsfilme und kann so was nicht wissen. Allerdings stimmt zumindest der Vorwurf, dass Ähnlichkeiten zu Sakralbauten bestehen: Das haben Paläste eben so an sich.)
Und weiter:
Und weiter: Es sei offensichtlich, dass man sich für die Figur des „hässlichen Bösewichts Jabba“ rassistischer Vorurteile und gemeiner Unterstellungen gegenüber den Orientalen und Asiaten als hinterlistige und kriminelle Persönlichkeiten bedient habe.
„Offensichtlich“ hat der Anklagende noch nie einen Asiaten gesehen. Oder einen Orientalen. Oder die alten Star-Wars-Filme. Das ist zwar nicht schlimm, immerhin sind die ziemlich langweilig, aber Lego deswegen Rassismus vorzuwerfen ist absurd. Ich werfe den Machern von „Avatar“ ja auch keinen antischlumpfigen Rassismus vor, obwohl die Figuren auch blau sind. (Außerdem habe ich den Film nie gesehen.)
Die Kombination aus Tempelbau und Bunkeranlage, aus der geschossen werde, könne für Kinder zwischen 9 und 14 Jahren sicher nicht geeignet sein, „vor allem in Hinblick auf ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen in Europa“.
Und daher:
„Wir fordern Eltern und Pädagogen auf, kein Kriegsspielzeug oder diskriminierendes Spielzeug zu kaufen oder zu schenken, geschweige denn es zu verwenden!“
Und um den Druck ein bisschen zu erhöhen, kündigt die Kulturgemeinde mögliche juristische Konsequenzen an. Sie behalte sich juristische Schritte vor und überlege, in Deutschland, in Österreich und in der Türkei Klage bei der jeweiligen Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung einzureichen.
Die Geschichte der Hagia Sophia sollte man spätestens jetzt noch mal nachlesen, um das mit dem friedlichen Zusammenleben im Kontext erfassen zu können. Aber auch, wenn man die Prämisse setzt, dass die heutige Türkische Gemeinde in Österreich sich von den damaligen Vorgängen distanziert: Irgendein verrückter Filmemacher erfindet Jabba the Hutt und seinen Palast. Jahrzehntelang passiert nichts. Ein Spielzeughersteller baut die Szenerie nach. Eine türkische Gemeinde findet diese Darstellungen rassistisch, nennt Lego einen Volksverhetzer und droht mit Klage.
So ganz normal sind die da alle nicht in Österreich, oder?
(Mit Dank an L. und B.!)
Yetis sollten nicht Cosmopolitan lesen, Männer keine Frauenzeitschriften. So weit der Mythos. Man würde als Mann aber manchmal vielleicht schon gern wissen, was die Frauen so bewegt, und dabei hilft für wenig Geld ein Tratsch- und Modeheftchen wie „JOY“. Auf der Website der „JOY“ (Vorsicht: Website der „JOY“!) ist zurzeit unter anderem eine Galerie der „Busenblitzer“ mit positiv beeindruckten Kommentaren zu finden, somit teilen die Frauen mit den Männern offensichtlich zumindest eine nennenswerte Vorliebe: das Möpsegucken.
Aber ich wollte ja eigentlich näher auf die gedruckte „JOY“ eingehen. Das mache ich jetzt mal.
Grundsätzlich hat die „JOY“ gegenüber der bereits an anderer Stelle erwähnten „Jolie“ bezüglich der grellbunten Aufmachung und des Sprachstils („Fashion we love“, gut Englisch das ist) keinerlei Einschränkungen, und auch die Themen sind sehr ähnlich. Sogar Mila Kunis ist wieder „exklusiv“ vertreten; was man eben so „exklusiv“ nennt.
Besonders angetan hat’s mir aber das Titelthema „Die Kunst, eine unberechenbare Frau zu sein“, das genau so treffend „Wie man Männer auf lange Sicht effizient verjagt“ heißen könnte. Womöglich nicht zufällig lautet ein anderes Titelthema „So entwaffnen Sie Nervensägen“. Blöderweise sind damit immer nur die Anderen gemeint. Aber vorweg gibt’s trends, außer scheußlicher Mode wird hier auch das „stylische“ („JOY“) Smartphone Sony Xperia V empfohlen, dank dessen „neuem LTE-Standard“ man „noch schneller Filme gucken“ könne; der genaue Zusammenhang wird leider nicht näher erläutert.
Auf Seite 26 gibt es einige Umfrageergebnisse zu lesen, die mich belustigen. 69 Prozent der umbefragten Frauen sind der Ansicht, Heiratsanträge seien Männersache, 32 Prozent denken manchmal beim Geschlechtsverkehr an einen anderen Mann, immerhin 36 Prozent sind der Meinung, Männer und Frauen könnten keine Freunde sein. 5 der letzteren 36 Prozent vertreten die Ansicht, Freundschaft zwischen den Geschlechtern sei nur möglich, wenn man schon mal miteinander in der Kiste gewesen sei. Schönen Dank auch, Emanzipation und vermeintliche Abschaffung der Rollenbilder.
(Apropos Rollenbilder: Auf Seite 22 wird beworben, mit welchen Mitteln die mir völlig unbekannte Schauspielerin Jessica Chastain ihren „Porzellanteint“ – also ihr Püppchengesicht – betont. Ich ziehe meine Anklage zurück und erkläre die Emanzipation der Frau für gescheitert. Glück gehabt.)
Ein bisschen weltfremd wird es auf Seite 30, auf der „20 Dinge, die Sie ab 30 keinesfalls mehr tun sollten“ aufgezählt werden. Ding Nummer 5 ist „In einer WG wohnen (Ausnahme: Model-WG)“; damit das Püppchen (Seite 22) jenseits der magischen 30 bloß nicht die Hoffnung verlieren möge, jemals eine Chance auf gemeinsames Kotzen zu haben. Models über 29 weihen doch nur noch Geschäfte für mollige Mode ein, dachte ich. Interessant sind aber auch die Punkte 13 („Irgendetwas von Hello Kitty besitzen“) und 14 („Sich Sonntagmorgens [sic!] für den Gang zum Bäcker schminken“). Das sind so die Dinge, von denen ich als Mann ja immer hoffe, dass es noch Frauen unter 30 gibt, die nie auch nur auf die Idee kämen, gegen eine dieser Empfehlungen zu verstoßen. Aber man will ja gut aussehen beim Brötchenkaufen. Kein Wunder, dass ich meist solo bin: Ich kaufe Brot immer ungeschminkt. Verdammt.
Den langweiligen Artikel über Mila Kunis – sie sehe „sich selbst gar nicht als Sexbombe“, und damit hat sie vollkommen Recht – genügt es zu überfliegen, es geht um Ashton Kutcher, Knutschen in der Öffentlichkeit und ähnlich irrelevanten Quark. Auch die Auflistung der „starken Männer 2013“ kann man getrost beiseite lassen, zu sehen sind allesamt muskelbepackte Schönlinge, bevorzugt wohl oberkörperfrei. Oberflächliche Männer, die nur auf den Körper achten, seien wirklich schlimm, wurde mir einmal gesagt. Dank der „JOY“ weiß ich nun wenigstens, was damit gemeint war.
Der Text, auf den ich mich besonders gefreut hatte – der mit der unberechenbaren Frau – entpuppt sich beim Lesen als mehrseitige Ansammlung von Plattitüden („Erotik kann alles sein“, „Männer hören beim Sex eh nicht so richtig zu“, aber „Reden ist Sex“ – wie auch immer). Der Tenor lautet: Mit einem Mann muss man spielen, man muss ihn betteln lassen. Frauen, die sich an einen solchen Ratgeber halten, brauchen ihn wahrscheinlich noch häufiger. Übrigens finde ich das in diesem Artikel inflationär verwendete Wort „Schwanz“ für das männliche Glied nicht sehr erotisch. Gibt es dazu eigentlich auch schon einen Ratgeber in einer Ausgabe der „JOY“?
Für diese Enttäuschung entschädigt der Folgeartikel „Rote Karte für Nervensägen“. Er enthält 16 Tipps, wie man nervige Mitmenschen effizient anzicken kann, und sollte somit im Portfolio keiner Frau fehlen, die als solche wahrgenommen werden möchte. Dass einerseits aus dem Buch „Sorry, hier sitzt schon meine Tasche“ zitiert wird (Tipp Nummer 7), andererseits aber Leute, die einen Sitzplatz mit ihrer Tasche belegen, selbst als „Nervensägen“ identifiziert werden (Tipp Nummer 15), ist wahrscheinlich sogar beabsichtigt. Immerhin möchte man ja die größte Nervensäge von allen werden; auch eine Art von joy.
Tipp Nummer 10 ist ebenfalls beachtlich: Man sucht auf Facebook nach wichtigen Dingen, vermutlich Schminktipps oder was „JOY“-Leserinnen halt so suchen, und findet nur doofes Geschwätz von einer Facebook-Freundin. Zwei Lösungsmöglichkeiten werden vorgeschlagen: Man solle entweder „niemanden interessiert’s!“ drunterschreiben oder die Meldungen der „Freundin“ einfach ausblenden. Man könnte stattdessen auch einfach die Freundschaft kündigen, aber so was macht man ja als Frau nicht. Da muss man ja zusammenhalten. Nur konsequent erscheint da Tipp 16 gegen „hartnäckige Anbagger-Idioten“: „Glotzen Sie ihn unverwandt mit einem Gesichtsausdruck zwischen Schock und Debilität an – und zwar mindestens 30 Sekunden.“ Der typischen „JOY“-Leserin genügt es nicht, als Zicke identifiziert zu werden. Es muss schon mindestens zu einer geistesgestörten Zicke genügen.
Weiterhin in der „JOY“: Beziehungen lassen sich retten, indem man sich regelmäßig zu „Sexdates“ trifft, sensible Haut ist „die Diva unter den vier Hauttypen“, außerdem Tipps zum „Figurproblem Birne“ (kein Witz!) und ein Trenchcoat als „Trend fürs Büro“.
Und ich dachte immer, Männermagazine seien bescheuert.
Beachtlich ist übrigens auch das Album „Mature Themes“ von Ariel Pink’s Haunted Graffiti, erschienen bereits im August 2012 und von mir, Verzeihung!, zu spät bemerkt.
Ariel Pink ist das Alter Ego des Kaliforniers Ariel Rosenberg, der schon diverse sehr merkwürdige Lo-Fi-Musikalben veröffentlicht hatte. Zusammen mit seiner Haunted Graffiti Band macht er immer noch Musik, für die „interessant“ ein treffliches Adjektiv ist.
Das erste Stück, „Kinski Assassin“, klingt nach dem Canterbury Sound à la Egg mit weniger Georgel und mehr Gegitarre, das Titelstück „Mature Themes“ könnte auch von einem der Beatles stammen, „Only In My Dreams“ von einer dieser 60-er-Jahre-Beatbands. „Driftwood“ lehnt sich mit dominantem Bassspiel und allerlei merkwürdigen Effekten an den Psychedelic Rock und den Krautrock an. Das abschließende Donnie-und-Joe-Emerson-Cover „Baby“ ist vergleichsweise geradliniger Soul. Eine musikalische Gemeinsamkeit aller anderen Stücke: Frank Zappa lässt grüßen.
Daran trägt nicht nur die Stimme Herrn Rosenbergs die Schuld, auch stilistische Merkmale stimmen überein. „Schnitzel Boogie“ (allein der Titel schon!) etwa könnte direkt von Zappas „Joe’s Garage“ stammen, und sonst so:
Es gibt keinen Punkt, keinen Sinn, keine Richtung und keinen Stil. Es ist alles ein großer, bunter Freak-out, der entweder im Narzissmus oder in der paranoiden Psychose mündet.
Ziemlich großartiges und dabei nicht mal allzu verqueres, sondern gelegentlich schnell eingängiges Zeug.
Ein bisschen schade ist es nur, dass die Stücke überwiegend recht kurz sind, nur „Nostradamus & Me“ fällt mit etwa siebeneinhalb Minuten Laufzeit ein wenig aus dem Rahmen. Aber die fehlende Quantität tut der herausragenden Qualität keinen Abbruch. Empfehle Reinhören.