Netzfundstücke
Toll: Endlich unter Wasser telefonieren!

Der unglaub­lich beknack­te Eis­ei­mer-Wett­be­werb, an dem momen­tan aller­lei Voll­idio­ten teil­neh­men, ist sicher nicht an euch vor­über­ge­gan­gen. Dass es dabei gar nicht dar­um geht, sich vor mög­lichst vie­len Leu­ten mög­lichst auf­fäl­lig zum Affen zu machen, wird gern über­se­hen.

Dass vie­le Teil­neh­mer gern ver­ges­sen, dass es eigent­lich dar­um geht, Spen­den zu sam­meln, macht ein Neu­zu­gang deut­lich:

Sam­sung Gala­xy S5 ALS Ice Bucket Chall­enge

Ich weiß nicht, wie viel das Sam­sung Gala­xy S5 gespen­det hat oder noch spen­den wird, aber viel wird es wohl nicht sein. Aber ja-ha, wir haben es ver­stan­den, Sam­sung: Das Smart­phone ist also was­ser­dicht und die Kon­kur­renz nicht. Das ist sicher sehr prak­tisch, wenn man mal unter der Dusche sei­ne Klö­ten in der Front­ka­me­ra angucken will.

So gut scheint dem Smart­phone das Eis­was­ser aber nicht zu bekom­men: Kaum wur­de es ver­gos­sen, springt die Uhr­zeit­an­zei­ge oben rechts von 14:16 auf 14:50 Uhr – und aller­lei Akku­la­dung geht auch ver­lo­ren. Da soll­tet ihr drin­gend nach­bes­sern!

Bit­te, gern. :irre:

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Nackedeieiei!

Ben­ja­min Schulz von SPIEGEL ONLINE, des­sen Kür­zel unter die­sem Arti­kel steht, ist offen­sicht­lich einer von der kon­ser­va­ti­ve­ren Sor­te:

Nacke­dei-Show (…) Nacki­ge (…) Hin­ter­tei­le (…) Nacke­deis

Kicher, hihi. Mut­ti, die haben nix an! Dabei geht es um ein ern­stes The­ma:

Auf VH1 lief in den USA die Show „Dating Naked“. (…) Klä­ge­rin Jes­sie Nize­witz bemän­gelt, dass sie in der Show nackt zu sehen gewe­sen sei.

Ja, ihr habt das rich­tig ver­stan­den: Eine US-Ame­ri­ka­ne­rin nimmt an einer Sen­dung teil, die unge­fähr „nack­tes Ren­dez­vous“ heißt und in der es dar­um geht, dass sich nack­te Men­schen zu Paa­ren zusam­men­fin­den, und ver­klagt anschlie­ßend diver­se Men­schen, weil sie dar­in nackt zu sehen war. Ach, Ver­zei­hung: Nackig. Hihihi.

Ihr sei aber auch gro­bes Unrecht wider­fah­ren, teil­te sie mit:

Nize­witz behaup­tet, in einer Sze­ne des Trai­lers sei die Ver­pi­xelung ver­ges­sen wor­den. (…) Nun sei sie zum Gespött auf Twit­ter gewor­den, klagt die 28-Jäh­ri­ge. Ihre Groß­mutter rede nicht mehr mit ihr. (…) Zudem hät­ten die Bil­der eine begin­nen­de Roman­ze tor­pe­diert. „Er hat mich nach der Show nie wie­der ange­ru­fen. Ich hat­te auf eine lang­fri­sti­ge Bezie­hung gehofft.“

Wie muss man sich das mit der Groß­mutter vor­stel­len? „Kind­chen, ich bin ent­setzt, du hat­test ja gar kei­ne Pixel an im Fern­se­hen!“ Und so ein Roman­zenen­de ist natür­lich beson­ders schmerz­haft, wobei ich mich, wäre ich Jes­sie Nize­witz, zunächst ein­mal fra­gen soll­te, ob ich mich mit jeman­dem auf eine Roman­ze ein­las­sen soll­te, der nicht mehr mit mir redet, sobald er mich ein­mal nackt gese­hen hat (und auch das, wie man so liest, nur von hin­ten).

Inter­es­sant wäre ja auch die Fra­ge, wie­so sich Frau Nize­witz in eine Nackt­flirts­en­dung inte­griert, wenn sie doch offen­sicht­lich eine nicht der Sen­dung zuge­hö­ri­ge begin­nen­de Roman­ze hat, die ihr nicht ganz unwich­tig zu sein scheint und die sie nicht nackt sehen möch­te. Von einem inve­sti­ga­ti­ven Jour­na­li­sten, wie es Ben­ja­min Schulz („SPIEGEL ONLINE“) wohl sein muss, ist das ja wohl zu erwar­ten!

Immer­hin gibt er sei­nen Lesern einen wert­vol­len Tipp mit auf den Weg:

Wer meint, mit „Dating Naked“ etwas ver­passt zu haben, sei auf kom­men­de Woche ver­wie­sen. Dann star­tet bei RTL „Adam sucht Eva – Gestran­det im Para­dies“, eine wei­te­re Kup­pel­show mit Nacke­deis.

Hur­ra! End­lich wie­der Brü­ste im Fern­se­hen! :irre:

Politik⁠In den Nachrichten
Vorwärtsverteidigung (2)

Die NATO von 1990 bis 2009:

NATO-Expansion - Quelle: Internet

Ange­la Mer­kel, 18. August 2014 (laut „Braun­schwei­ger Zei­tung“ von heu­te):

Die NATO muss sich auf die Ver­tei­di­gung (gegen Russ­land, A.d.V.) vor­be­rei­ten, viel stär­ker als wir es in der Ver­gan­gen­heit hat­ten.

Die Frei­heit Deutsch­lands wird an der Ost­front ver­tei­digt. Der Rus­se steht vor der Tür und uns im Weg. Was soll die Wirt­schaft davon hal­ten?


Apro­pos „gefähr­li­che Arsch­lö­cher“:

SPIEGEL ONLINE, 16. Sep­tem­ber 2011:

USA lie­fer­ten Ziel­da­ten für tür­ki­sche Angrif­fe auf Kur­den

SPIEGEL ONLINE, 11. August 2014:

Die USA haben damit begon­nen, die kur­di­schen Kämp­fer im Nord­irak direkt mit Waf­fen und Muni­ti­on aus­zu­stat­ten.

Wenig­stens gehen dem Waf­fen­ex­port auch ohne Russ­land nicht die Kun­den aus.

Montagsmusik
Jethro Tull – The Whistler

Kann auch nichts dafür: Ein Käuzchen.Es ist Mon­tag. Nein, schlim­mer: Es ist Mon­tag­mor­gen.

Nach einem Wochen­en­de vol­ler Freu­de blickt man wie­der in das tie­fe Loch, das sich All­tag nennt. Mür­ri­sche Men­schen in den Bus­sen und Bah­nen wer­den kon­tra­stiert von über­mä­ßig fröh­li­cher Jugend, die sich ein­an­der die Fei­er vom Frei­tag noch ein­mal erzählt. Sie waren ja alle nicht die gan­ze Zeit wachen Ver­stan­des selbst dabei. Wenig­stens über­gibt sich kei­ner, das haben sie alle schon am Wochen­en­de getan, sagen sie lachend und gera­ten nicht nur sprach­lich ins Stol­pern. Mit sol­chem Nach­wuchs haben wir noch kei­nen Krieg gewon­nen. Wenn das der Bun­des­prä­si­dent sehen müss­te, wäre er erschüt­tert.

Ande­rer­seits: Jugend, die stän­dig unter Sub­stanz­ein­fluss steht, macht dabei wenig­stens nicht viel kaputt. Stellt euch vor, die wären statt­des­sen bei der Bank!

Ich mei­ner­seits pfeif‘ also drauf, zum Bei­spiel so:

Jet­h­ro Tull The Whist­ler

Guten Mor­gen!

Kaufbefehle⁠Musikkritik
Erst mal ’nen Tee: Margin – Psychedelic Teatime

Margin - Psychedelic TeatimeEine ange­neh­me musi­ka­li­sche Über­ra­schung die­ses Jah­res ist übri­gens, dass Pink Floyd, unge­ach­tet des Todes ihres Key­boar­ders Richard Wright, noch in die­sem Jahr ein neu­es Stu­dio­al­bum ver­öf­fent­li­chen wol­len. Pink Floyd haben mit ihrem Früh­werk ja so eini­ge Bands beein­flusst, vie­le Musi­ker, die irgend­was mit Psy­che­de­lic Rock machen, beru­fen sich auf die Com­bo.

Dar­un­ter auch Mar­gin. Mar­gin, ein Ber­li­ner Musik­pro­jekt um den Mul­ti­in­stru­men­ta­li­sten Lutz Mei­nert, ver­öf­fent­lich­te Ende Juni 2014 sein Debüt­al­bum „Psy­che­de­lic Teati­me“, das, wie man’s im Rezen­sen­ten­ge­schäft aus­zu­drücken pflegt, den Geist der Pink Floyd atmet, aber eben doch mehr ist als eine blo­ße Kopie.

Das Album ist aller­dings schon sehr kli­schee­haft, ange­fan­gen vom Titel und Cover­bild (Tee als Sym­bol für Dro­gen hat­ten ja bereits Gong mit „Fly­ing Teapot“ eta­bliert) und längst nicht endend mit der Auf­tei­lung. Den Anfang näm­lich macht mit über drei­und­zwan­zig Minu­ten Län­ge das fünf­tei­li­ge „A Myste­rious Cup of Tea“, das mit dem Geräusch des Ein­gie­ßens von Tee beginnt. Lei­se Kla­vier- und Tas­sen­klän­ge gesel­len sich dazu. Hät­ten Pink Floyd ein Kon­zept­al­bum über’s Tee­trin­ken gemacht, hät­te es wohl ähn­lich begon­nen. Hier domi­niert aller­dings nicht die Gitar­re, son­dern Keyboard/Synthesizer und Schlag­zeug lie­gen im Vor­der­grund. Gesang folgt im zwei­ten Teil, und natür­lich geht es um Tee und um Pink Floyd: „A sau­cerful of secret sounds…“.

Über­haupt: Pink Floyd. „Psy­che­de­lic Teati­me“ besteht aus fünf Stücken, aber in kei­nem davon wird die Ähn­lich­keit so deut­lich. Das Über­werk „Echo­es“ klingt hier eben­so immer wie­der an wie spä­te­re Glanz­stücke wie „High Hopes“.

Zum Schluss klap­pert die Tee­tas­se noch mal, und der „Psy­che­de­lic Under­ground“ bricht los, zunächst als „Short Trip“. Drei­ein­halb Minu­ten lang bret­tert fein­ster Psy­che­de­lic-Lärm auf den Hörer her­ein, im Text geht’s um den ver­rück­ten Hut­ma­cher (cf. „Ali­ce im Wun­der­land“), der eine selt­sa­me Tas­se Tee trinkt, und damit „will­kom­men im psy­che­de­li­schen Unter­grund“. Ich werd‘ das Gefühl nicht los, dass gar kein Tee gemeint ist.

„Land­scapes on the Sky“ ist ein net­tes, aber musi­ka­lisch unin­ter­es­san­tes Füll­sel, das instru­men­ta­le Space-/Kraut­rock­stück „Last Exit to Plu­to“ mit sei­nem domi­nan­ten Bass indes weiß zu gefal­len. Der Rezen­sent sitz­tanzt die Bass­me­lo­die mit und ist höchst erfreut. Es gilt die­se Freu­de in vol­ler Län­ge aus­zu­ko­sten, denn nach viel zu kurz schei­nen­den zehn plus x Minu­ten ist sie schon wie­der vor­bei. Nicht jedoch das Album selbst, denn es fehlt noch „Psy­che­de­lic Under­ground – The Long Trip“.

Die­ser wie­der­holt zunächst den „Short Trip“, wie­der­um mit einer Anspie­lung auf das pink­floyd­sche „A Sau­cerful of Secrets“, wird aber noch ver­spiel­ter. Zehn­ein­halb Minu­ten fein­ster psy­che­de­li­scher Art­rock. Ich weiß das sehr zu schät­zen.

Hör­pro­ben stellt die Web­site der mir bis­lang unbe­kann­ten Plat­ten­fir­ma Mad­vedge bereit, eine Vinyl­auf­nah­me scheint es aber lei­der nicht zu geben; auch Amazon.de kennt nur die CD- und die MP3-Ver­si­on. Egal, sei­en wir mal nicht klein­lich, den Trip ist’s wert.

Wohl bekomm’s!

Nerdkrams
systemd: Linux und die Monokultur

Nach­dem Open­BSD-Ent­wick­ler bereits im August 2013 das Jahr-2038-Pro­blem – der klas­si­sche 32-bit­ti­ge UNIX-timestamp wird am 19. Janu­ar 2038 über­lau­fen – gelöst haben, legt ein Jahr spä­ter auch das nicht gera­de für sei­ne Inno­va­ti­ons­kraft bekann­te Linux nach, für das es dann auch irgend­wann – viel­leicht noch die­ses Jahr – eine Lösung geben soll. Beein­druckend.

Aber um Ent­wick­lungs­ge­schwin­dig­keit geht es im Land der Soft­ware­frei­heit eben nicht, son­dern vor­ran­gig dar­um, nicht Win­dows zu sein. Als Linux­nut­zer sei man mün­dig und frei, und wenn was nicht pas­se, kön­ne man ja gehen.

Nun hat Linux aber eini­ge weni­ge Men­schen unter sei­nen Unter­stüt­zern, die den Feh­ler machen, nur das Beste für alle Linux­nut­zer errei­chen zu wol­len. Zu die­sen Men­schen zählt Lenn­art Poet­te­ring, der maß­geb­lich die Ent­wick­lung von Pul­se­Au­dio – eine Sound-Midd­le­wa­re, die sich im Ver­gleich mit ALSA dadurch aus­zeich­net, dass sie nicht funk­tio­niert – vor­an­ge­trie­ben hat und nun im Auf­trag sei­nes Arbeit­ge­bers Red Hat eine tol­le neue Idee umge­setzt hat, die eben­falls nicht funk­tio­niert: systemd.

‘systemd: Linux und die Mono­kul­tur’ wei­ter­le­sen »

Politik⁠In den Nachrichten
Bumsrebellen

Die Ärz­te, 2001:

Ficken, ficken, ficken / gegen das System!
Ficken, ficken, ficken / ihr könnt nicht über­le’m!

„Sozi­al­par­tei“ SPD, 2014:

„Men­schen­un­wür­di­ge Geschäfts­mo­del­le wie Flat­rate-Sex und Gang­bang-Par­tys wer­den ver­bo­ten“, erklär­te [Fami­li­en­mi­ni­ste­rin Manue­la] Schwe­sig.

Wer sich erwi­schen lässt, ist wahr­schein­lich, nun, gefickt, wenn nicht gar: am Arsch.

(Abt.: Niveau für Fort­ge­lau­fe­ne.)

In den Nachrichten
„O Captain! My Captain!“: Trauerflor auf Küchenmöbeln allerorten

Die bri­ti­schen Anar­cho­ko­mi­ker Mon­ty Python haben Ende Juli die­ses Jah­res nach etwa 45 Jah­ren der gele­gent­li­chen Zusam­men­ar­beit und einem letz­ten gro­ßen Auf­tritt in Lon­don die end­gül­ti­ge Auf­lö­sung der Trup­pe bekannt­ge­ge­ben. Damit endet ein Kapi­tel der glo­ba­len Humor­ge­schich­te, das wohl noch so man­che Gene­ra­ti­on posi­tiv beein­flus­sen wird.

Lum­ber jack song

Viel mehr media­les Auf­se­hen aller­dings erreg­te der vor­gest­ri­ge Tod des Schau­spie­lers Rob­bie Robin Wil­liams, der sich, wie’s die Medi­en berich­ten, mit einem Sex­spiel­zeug selbst erstickt hat. Seit vor­ge­stern nun wird rege aus sei­nen Fil­men zitiert, von „Peter Pan“ über „Mrs. Doubt­fi­re“ bis hin zum unver­meid­li­chen „Club der toten Dich­ter“, der nicht nur auf Twit­ter die Grund­la­ge für welt­wei­te Trau­er­ze­re­mo­nien bil­det, die sich bis ins öffent­lich-recht­li­che Fern­se­hen aus­deh­nen:

Mit einer unge­wöhn­li­chen Akti­on hat „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Mios­ga das Lebens­werk des gestor­be­nen Schau­spie­lers Robin Wil­liams gewür­digt. Wäh­rend ihrer Sen­dung am Diens­tag­abend stieg sie auf ihren Mode­ra­to­ren­tisch und erin­ner­te so an den „Club der toten Dich­ter“, einen der bekann­te­sten Fil­me des Hol­ly­wood-Stars.

Wie’s eben auf Twit­ter auch üblich war und ist, den Film auf sein alt­be­kann­tes Mot­to „car­pe diem“ ein­zu­damp­fen, weil 140 Zei­chen einem eben die Aus­drucks­mög­lich­kei­ten beschnei­den: Macht etwas aus eurem Leben! Macht etwas Unge­wöhn­li­ches! Macht genau das, was auch im Film vor­kommt! Und so stei­gen sie auf die Tische und rezi­tie­ren aus Walt Whit­mans immer glei­chem Gedicht den immer glei­chen Halb­satz, den auch Robin Wil­liams (für weit­aus mehr Geld) rezi­tiert hat: „O Cap­tain! My Cap­tain!“. Car­pe diem, pflücke den Tag. Schlie­ße dich an. Hebe dich nicht ab aus der Men­ge derer, die indi­vi­du­ell das Glei­che tun.

Und natür­lich wett­ei­fern Deutsch­lands Fern­seh­sen­der dar­um, wer aus dem Able­ben mit den mei­sten Robin-Wil­liams-Fil­men die höch­sten Quo­ten zie­hen kann, und ich freue mich dann doch ein biss­chen dar­über, dass Robin Wil­liams haupt­säch­lich Schau­spie­ler und kein Musi­ker war, denn dem Fern­se­hen ent­kommt unser­eins viel leich­ter als dem Radio, aus dem nach Micha­el Jack­sons Tod qua­si Dau­er­ge­kiek­se erscholl.

Die Besin­nung auf Horaz‘ „car­pe diem“ ist, dies sei noch ange­merkt, kei­nes­falls eine schlech­te Idee, so lan­ge es nicht bei blo­ßer Sym­bo­lik bleibt. Seid unan­ge­passt in allem, was ihr tut. Mon­ty Python hat­ten es lan­ge vor Robin Wil­liams erkannt:

Ihr seid alle Indi­vi­du­en

Aber auf die hört natür­lich mal wie­der nie­mand.


Skan­da­lös: Frau fand But­ters­wa­stika auf unge­sun­dem Fraß und ver­lor sofort den Appe­tit auf sel­bi­gen. Der Umkehr­schluss ist wahr­schein­lich nicht zuläs­sig.

Montagsmusik
Bob Dylan – It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding)

Guckt nur zufällig so: Ein Käuzchen.Wie schön! Es ist Mon­tag! Erdoğan wird Prä­si­dent. Mit denen kön­nen sie’s ja machen.

Nein, ein Mon­tag ist guter Tag, um beschwingt zu sein. End­lich raus aus dem Wochen­en­de und rein in den blü­hen­den Büro­all­tag!

War­um nicht mal ein wenig beschwin­gen­de Folk­mu­sik zum Mor­gen­kaf­fee?

Old lady jud­ges watch peo­p­le in pairs
Limi­t­ed in sex, they dare
To push fake morals, insult and sta­re
While money does­n’t talk, it swears
Obscen­i­ty, who real­ly cares, pro­pa­gan­da, all is pho­ny.

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten⁠Piratenpartei
Basisentscheid offline?

Beo (Symbolbild)Ach, Medi­en.

Vor bei­na­he genau vier Jah­ren schrieb ich:

LQFB jeden­falls ist bereits in sei­nem aktu­el­len Zustand nicht weni­ger als eine Reform der Demo­kra­tie.

Bei „LQFB“ (Liquid Feed­back) han­delt es sich, kurz gesagt, um eine seit Jah­ren im Test­be­trieb lau­fen­de Platt­form, auf der Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei über Anträ­ge abstim­men kön­nen. Ursprüng­lich hat­te sich die Pira­ten­par­tei Deutsch­land zum Ziel gesetzt, auf die­se oder eine ande­re Wei­se mal unter dem Begriff „BEO“ („Basis­en­t­scheid online“), mal unter dem Begriff „SMV“ („stän­di­ge Mit­glie­der­ver­samm­lung“) eine ein­fach zugäng­li­che Alter­na­ti­ve zu den mehr­mals jähr­lich an mit­un­ter nicht für jeden Teil­neh­mer ein­fach zu errei­chen­den Orten statt­fin­den­den Par­tei­ta­gen ein­rich­ten zu kön­nen. Netz­par­tei, ihr wisst schon.

Die­ses Liquid Feed­back hat aber im Lau­fe der Zeit – abge­se­hen von der mise­ra­blen Betei­li­gung, ein stän­di­ger Inter­net­zu­gang wird für eine Mit­glied­schaft in der Par­tei auch nicht vor­aus­ge­setzt – eini­ge erheb­li­che Nach­tei­le erhal­ten, sei­en es Dele­ga­tio­nen, also die Kon­zen­tra­ti­on vie­ler Stim­men auf eini­ge weni­ge Mit­glie­der, sei es die aus­blei­ben­de Berei­ni­gung der Benut­zer­da­ten­bank bei Aus­tritt oder aus­blei­ben­der Bei­trags­zah­lung. Gegen­wär­tig ist LQFB also eigent­lich nicht für ver­bind­li­che Mehr­heits­ab­stim­mun­gen inner­halb der Par­tei zu gebrau­chen.

Da aber die Basis­de­mo­kra­tie in der Pira­ten­par­tei eine wich­ti­ge Rol­le spielt, hat der Bun­des­vor­stand sich nun vor­läu­fig auf eine ande­re Metho­de zur Umset­zung des „Basis­en­t­scheids online“ geei­nigt:

Es gebe kei­ne Soft­ware, mit der eine ver­bind­li­che Mit­glie­der­be­fra­gung online abge­wickelt wer­den kön­ne. Außer­dem sei­en sol­che IT-Syste­me anfäl­lig für Mani­pu­la­tio­nen. „Des­we­gen wer­den wir den ersten Basis­en­t­scheid jetzt wohl ganz kon­ven­tio­nell, ganz her­kömm­lich auf Papier durch­füh­ren“, sag­te [der Bun­des­vor­sit­zen­de Ste­fan] Kör­ner.

Damit ist zwar noch kein „Basis­en­t­scheid online“ umge­setzt, aber zumin­dest ist es so jedem stimm­be­rech­tig­ten Mit­glied mög­lich, ohne kosten- und zeit­in­ten­si­ve Anrei­se zu einem Par­tei­tag über Anträ­ge abzu­stim­men; zudem ist die Miss­brauchs­ge­fahr gering, denn Brief­post erreicht sel­ten nicht erwünsch­te Emp­fän­ger.

Aber was gab das nicht für ein tol­les Bohei! Haha, die­se Pira­ten. Post! Off­line! Igitt! – Und so ist Twit­ter seit Stun­den vol­ler Läste­rei­en über die­ses Vor­ge­hen. Dabei sind sich man­che der Dis­ku­tan­ten auch für bescheu­er­te Ver­glei­che nicht zu scha­de:

Mit die­ser „Es muss 100% sicher sein“-Attitüde der #Pira­ten hät­ten wir weder Inter­net noch elek­tri­schen Strom oder gar Kat­zen­klos.

Von hun­dert­pro­zen­ti­ger Sicher­heit war nie die Rede, und auch Abstim­mun­gen per Post – Brief­wahl qua­si – sind nicht vor Miss­brauch geschützt, aber im Ver­gleich zur gegen­wär­ti­gen Alter­na­ti­ve noch immer die bes­se­re Wahl. Mit einem Kat­zen­klo wür­de ich aller­dings tat­säch­lich gern irgend­wo bei­na­he sicher abstim­men kön­nen. Wo genau geht das?

Der­art pri­va­te Din­ge wie eine Wahl nur des­halb ins Inter­net zu ver­la­gern, weil’s hip ist, ist, gelin­de gesagt, eine Schei­ßidee, so lan­ge nicht gewähr­lei­stet wer­den kann, dass die genann­ten Pro­ble­me eines sol­chen Wahl­sy­stems nicht beho­ben wer­den kön­nen. Post-pri­va­cy ist in der Poli­tik eben nicht egal.

Macht doch auch mal ein biss­chen Urlaub vom Inter­net!
Felix von Leit­ner

In den Nachrichten⁠Wirtschaft
„We are the 41 %!“

SPIEGEL ONLINE, 4. August 2014:

Die SPD und Tei­le der Uni­on for­dern den Abbau heim­li­cher Steu­er­erhö­hun­gen – doch Kanz­le­rin Mer­kel weist sol­che Plä­ne zurück: Die Kon­so­li­die­rung des Haus­hal­tes habe Vor­rang vor der Abschaf­fung der kal­ten Pro­gres­si­on. (…) Die kal­te Pro­gres­si­on führt dazu, dass sich Arbeit­neh­mer bei Lohn­er­hö­hun­gen, die nur die Infla­ti­on aus­glei­chen, weni­ger lei­sten kön­nen als zuvor, weil sie gleich­zei­tig in einen höhe­ren Steu­er­ta­rif rut­schen.

SPIEGEL ONLINE, 8. August 2014:

Die Gro­ße Koali­ti­on unter Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel ist so beliebt wie nie: 59 Pro­zent der Befrag­ten im ARD-Deutsch­land­trend sind mit der Regie­rung zufrie­den.

O_o

Mög­li­cher­wei­se befragt man für den ARD-Deutsch­land­trend aus­schließ­lich Rent­ner, denen es ohne­hin wurscht ist, und Ver­tre­ter des geho­be­nen Mit­tel­stands, die sich mit den Sor­gen der Arbeit­neh­mer nur im Wahl­jahr her­um­schla­gen müs­sen, anders kann ich mir das nicht sinn­voll erklä­ren. Die ehe­ma­li­ge Welt­kriegs- und Arbei­ter­par­tei SPD jeden­falls macht als Teil die­ser Regie­rungs­ko­ali­ti­on einen eher schwäch­li­chen Ein­druck, aber das ken­nen wir ja bereits von ihr. Kei­ne Sau braucht mehr die F.D.P.

Ich jeden­falls, „ARD-Deutsch­land­trend“, gehö­re zu den unzäh­li­gen Pro­zent, die kein „Befrag­ter“ sein dür­fen; ande­rer­seits wäre mei­ne Mei­nung zur „Arbeit“ der Regie­rung womög­lich nur wenig zitier­fä­hig. Ich bin die 41 Pro­zent, und vie­le ande­re sind es auch. 41 Pro­zent ent­spre­che laut SPIEGEL ONLINE unge­fähr dem vir­tu­el­len Wahl­er­geb­nis der CDU/CSU laut aktu­el­ler „Sonn­tags­fra­ge“ („Steh‘ ich auf oder bleib‘ ich im Bett?“). Bei 41 Pro­zent scheint es sich also um eine über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit der Bür­ger zu han­deln.

Ich bin nicht nur „nicht zufrie­den“, ich bin sogar höchst unzu­frie­den. Wut, Bür­ger. Anders­wo ent­ste­hen so Revo­lu­tio­nen. Die SED erfuhr ihrer­zeit auch eine gro­ße „Zustim­mung“; die hat aber auch die Steu­ern nicht erhöht. Viel­leicht wäre sie sonst noch an der Macht.

Und die Regie­rung schaut nur zu.
Die Ärz­te: Regie­rung

Netzfundstücke⁠In den Nachrichten⁠Mir wird geschlecht
Kurz verlinkt: Der Iwan, die Mina und das Gewaltmonopol

Nie wie­der Krieg! Naja, mili­tä­ri­sche Gewalt gegen den Rus­sen ist natür­lich ein Aus­weg. Si vis pacem: para bel­lum. Kein Fuß­breit den Russ­land­ver­ste­hern. Das hei­li­ge römi­sche Reich darf nie­mals unter­ge­hen, jeden­falls nicht kampf­los. Das wäre doch ent­ge­gen jeder Tra­di­ti­on.


Was macht eigent­lich die Mina („mehr kaf­fee als lat­te“, Twit­ter) heu­te so? Rich­tig: Sie hält sich für einen fünf Jah­re jün­ge­ren Mann und beschimpft des­we­gen Sascha Pal­len­berg als einen Sexi­sten, dem ihre Fol­lower infol­ge­des­sen die Bei­ne bre­chen und auf den Kopf koten wol­len.

[W]enn (…) Frau­en mer­ken, dass sie – obwohl sie so star­ke Mädels sind – auch Teil der Unter­drückung sind, egal ob gewollt oder nicht; dann ist das unan­ge­nehm und erzeugt eine kogni­ti­ve Dis­so­nanz.
Yas­mi­na Banaszc­zuk (sel­bi­ge)


Ach ja. Nie wie­der Krieg? Dann wer­den ja Res­sour­cen frei. Und auch im Fuß­ball soll das Poli­zei­auf­ge­bot gekürzt wer­den, damit die ramm­dö­si­gen Joh­ler nach dem Spiel unge­stört ein­an­der eins auf die Glocke geben kön­nen. Aber das war ja bis­her viel zu wenig effi­zi­ent, die natür­li­che Selek­ti­on schei­tert hier offen­sicht­lich, denn es schei­nen nicht weni­ger Betei­lig­te zu wer­den. Da hilft nur eins:

Der Staat hat im öffent­li­chen Raum das Gewalt­mo­no­pol. (…) Sol­len wir uns jetzt Was­ser­wer­fer und Waf­fen kau­fen und viel­leicht von Schuss­waf­fen Gebrauch machen?

Ich bit­te dar­um.

Tor!

Netzfundstücke⁠Montagsmusik
Osmi Dan – Galvanize

Jeder, den ich ken­ne, hat ein gebro­che­nes Herz. So steht’s über einem her­aus­ra­gen­den Text, den ich vor ein paar Stun­den fand. Ethisch zu sein ist egal. Ein guter Mensch zu sein ist egal. Was zählt, wer ihr seid, so lan­ge ihr die Pop­stars kennt? Seid Wer­be­trä­ger, kon­su­miert, ver­liert euch im Gedrän­ge.

Mehr Tech­nik ist nicht mehr Ant­wort. Der Aus­weg seid ihr. Drückt auf den Knopf, bevor es zu spät ist.

28. Osmi Dan – Gal­va­ni­ze (The Che­mical Brot­hers cover)

And the music sucks. Dear God, the music sucks.

Guten Mor­gen.