Ach, „yones.net“.
Treffender kann’s niemand zusammenfassen.
Heute wurde ein neues iPhone vorgestellt – naturgemäß ein Ereignis, anlässlich dessen renommierte Nachrichtenmagazine wie SPIEGEL ONLINE Krieg und Fußball vorübergehend links liegen lassen und sich reichlich Küchenrollen zwecks Entfernung des eigenen begeisterten Speichelns zurechtlegen.
Und tatsächlich handelt es sich um einen wahren Paukenschlag. Apple präsentierte nicht etwa einen Neuaufguss des altbewährten Konzepts, sondern eine Weltneuheit in Form eines Geräts, dessen umgangssprachliche Bezeichnung variiert: Die Berliner Zeitung spricht von einem „Billig-iPhone und Billig-Handy“, t3n.de und AndroidPIT schließen sich an. Einzig Matthias Kremp und Ole Reißmann von SPIEGEL ONLINE ließen sich mit „Billigmodell“ selbst etwas einfallen, verbargen ihren Markenfetisch ansonsten aber nur unzureichend:
Die neuen iPhones sind nicht die herausragenden Geräte, die sie hätten sein sollen.
Bedauerlich!
Einig sind sich die Medien aber immerhin darin, dass es sich um ein Billigmodell handelt. Die Übersetzung für den journalistischen Fachbegriff „billig“ liefern sie immerhin gleich mit:
Das Modell mit 16 GB Speicher kostet rund 600 Euro, das mit 32 GB rund 700 Euro.
Prima für den kleinen Geldbeutel. Da muss man einfach zuschlagen!
Mitten rein.
Linuxwitz des Tages: Die Sicherheit in Linux basiert zu einem beachtlichen Teil auf einem proprietären Chip. Das ist bestimmt dieses „ihr könnt den Code angucken“, von dem immer alle reden.
Im Wahlkampf möchte die F.D.P. im Übrigen ihren Mitbewerbern in nichts nachstehen und hat sogar ein Informationsportal im Internet aufbauen lassen, das unschlüssige Wähler über verschiedene Gründe in Kenntnis setzen soll, sie (die F.D.P.) zu wählen. Sie hat leider vergessen, ihre Argumente mit konkreten Beispielen zu belegen. Das ist wahrscheinlich besser so. Einiges hatte ich ja in der Vergangenheit schon kritisiert, aber die Selbstdarstellung der F.D.P. lädt zur Langfassung ein:
Die FDP ist die einzige Partei der Freiheit. Deshalb stellen wir uns weiter gegen jeden Versuch, die Vorratdatenspeicherung (sic!) in Deutschland einzuführen. Wir arbeiten weiter für wirksamen Datenschutz, Netzneutralität, eine modernisierte Sicherheitsarchitektur in Deutschland, mehr Bürgerbeteiligung, die weitere Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften und die grundsätzliche Zulassung der Doppelten Staatsbürgerschaft.
(Alle Links von mir.)
Eigentlich macht es ja gar keinen Spaß mehr, sich damit satirisch auseinanderzusetzen.
Wisst ihr eigentlich, warum Veganer selbst über ihr Mittagessen hochemotionale Diskussionen zu führen imstande sind? Ich habe da eine Theorie: Die Östrogene sind schuld.
Es wäre mir nun natürlich ein Leichtes, aus dieser seltsamen Einleitung jetzt eine geeignete Überleitung zur dieswöchigen Montagsmusik zu generieren, anbieten würde sich etwa irgendwas von Birth Control. Stattdessen gebe ich unumwunden zu, dass ich die Inspiration hierzu aus der Serie „The Big Bang Theory“ bezogen habe, schäme mich ein bisschen dafür, dass ich kurzzeitig im Begriff war, selbige Information als Ergebnis eigener Recherche herauszustellen, und spiele euch was ganz anderes vor.
Statt Birth Control, den alten Krautrockern, rotiert nämlich just in diesem Moment, in dem ich dies schreibe, das aktuelle Album „Crash“ der französischen Artrockband Elora im stationären Musikspieler. Ein Adjektiv, das sich anbietet: Atmosphärisch. Porcupine Tree sind niemals fern. Und wie könnte man eine Woche besser beginnen als mit atmosphärischer Musik?
Genau.
Guten Morgen.
Auf der diesjährigen Demonstration „Freiheit statt Angst!“, über die sehr unterschiedlich berichtet wurde, hat die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland symbolisch die Freiheit geheiratet. Während ihr das zweifelsohne eine löbliche Liebe zur Freiheit bescheinigt (auf Vermögensteilung kann sie in diesem Fall zumindest nicht hoffen), stellt sich mir die Frage, was das für die anderen Menschen bedeutet, die ebenfalls gern die Freiheit einen wichtigen Teil ihres Lebens sein ließen. Führt Frau Nocun eine offene Ehe, oder steht die Freiheit nun niemandem außer ihr mehr zur Verfügung?
„Freiheit, Freiheit ist das Einzige, was zählt.“
– Marius Müller-Westernhagen: Freiheit
„Du bist alles, was jetzt zählt.“
– Die Ärzte: Alles
Diejenigen von euch, die bislang das Vergnügen hatten, sich mit mir als Privatperson und nicht nur als virtuellem agent provocateur auseinanderzusetzen, sind vielleicht bereits damit vertraut, dass ich so manche Stunde meines Lebens damit verbracht habe, darüber zu sinnieren, ob Zweisamkeit überhaupt eine Lösung sein kann, und bislang keine dauerhaft zufriedenstellende Lösung fand. Wenn aber die Ehe das Maximum der Gefühle und nicht nur Selbstzweck mit Option auf Hinterhalt ist, ist es nicht die Symbolik allein, die die Delinquenten am Gemeinsam festhalten lässt?
Eine ziemlich seltsame Angewohnheit meist junger Paare ist das Anbringen von „Liebesschlössern“ an Brücken (bevorzugt in großen Städten):
Vordergründig geht es hier wie auch bei der Eheschließung um die Besiegelung ewiger Liebe, und es nähme mich nicht wunder, behälten die meisten von ihnen einen Schlüssel zur späteren Buße bei sich, nur zur Sicherheit. Nur schwer zu übersehen ist jedenfalls, dass ein Vorhängeschloss als Symbol für ewige Liebe ungefähr so tauglich ist wie Handschellen (gekreuzte Ringe, ein verbreitetes Symbol für die Ehe, sehen diesen ja nicht unähnlich); Vorhängeschlösser dienen nun einmal vor allem dem Wegschließen von Dingen. Ein besseres Symbol für Ewigkeit wäre vielleicht eines dieser alten Nokia-Mobiltelefone oder eine Deutschlandfahne. Deutschland ist, das wissen wir seit 1953, bekanntlich ebenfalls ewig.
Während Zweisamkeit in ihrer reinen Form, stets im Bewusstsein ihrer meist unabwendbaren Endlichkeit, dem eigenen Leben bei Gefallen einen nicht unangenehmen Aspekt hinzufügen kann, stellt ihre Festigung einen meist gravierenden Einschnitt in die Freiheit dar, zumal Kompromisse auf Kosten der jeweils eigenen Entfaltung in der Regel unabwendbar sind. Einer wie auch immer gearteten Liaison, die nur deshalb Bestand hat, weil mindestens einer der von ihr Betroffenen Zugeständnisse macht und dabei Einbußen in Bezug auf seine eigene Individualität in Kauf nimmt, gilt es entsprechend zu begegnen. (Selbst das Annehmen des Namens des jeweiligen Partners im Zuge der Eheschließung ist eine Selbstaufgabe, indem man sich zu einem Bestandteil seines Partners degradiert, was andersherum aber nicht der Fall ist.)
Man verstehe meine Ausführungen nicht falsch: Freiheit und Beziehungen, welcher Art auch immer sie sein mögen, schließen sich nicht gegenseitig aus. Allzu töricht ist es aber, aufgrund einer solchen Beziehung, die bislang unbeschadet Bestand hatte, ohne erkennbaren Anlass weitere Freiheit aufzugeben.
Insofern ist es womöglich tatsächlich nur konsequent von Frau Nocun, die Freiheit zu ihrem Lebenspartner zu wählen, denn nur in diesem Fall wird ihre eigene Freiheit nicht eingeschränkt. Ist halt nur, wie gesagt, doof für alle anderen.
„Bewahrt einander vor Herzleid. (…) Bewahrt einander vor der Zweisamkeit.“
– Rammstein: Herzeleid
Die 1980-er Jahre sind nicht dafür bekannt, eine reichhaltige Quelle guter Musik zu sein. Die Neue Deutsche Welle und die Depressionsmusik von The Cure haben das dunkle Jahrzehnt der Musik überschattet wie (deine Mudda beziehungsweise) ein toter Deutscher in den Nachrichten grundsätzlich hundert tote Nichtdeutsche überschattet. Die wenigen Ausnahmen von dieser Regel gilt es wie Rosinen aus einem vergifteten Kuchen zu picken, denn zumindest bei der Wahl zwischen Rosinen und Gift gewinnen bei mir die Rosinen.
Zu diesen im positiven Sinne bemerkenswerten Hinterlassenschaften des dunklen Jahrzehnts gehört im Übrigen die britische Alternative-Rock-Band Pop Will Eat Itself, die 1987 mit „Box Frenzy“ ihr lobenswertes Debütalbum, reich gefüllt mit Sprachsamples, Beastie-Boys-Anleihen und einer ordentlichen Dosis Gitarre (und Plastikschlagzeug), vorlegten und sich Mitte der 1990er Jahre schließlich trennten.
Die derzeit auf Tour befindliche Reunion, zu deren Besetzung nur eines der ursprünglichen Mitglieder (allerdings immerhin der einstige Frontmann) gehört, wirkt auf Liveaufnahmen ein wenig kraftlos. Wie viel aufregender ist es da, dem Original aus den 80-ern zu lauschen, unzufrieden mit dem zu sein, was sich heutzutage „Rockband“ nennen darf, und dies deutlich anzuprangern, während man fröhlich zu „She’s Surreal“ von besagtem Debütalbum zappelt?
Die Antwort ist wenig überraschend: Es ist sehr viel aufregender. Zwar hat man das alles schon mal irgendwo – womöglich bei den Beastie Boys – gehört, aber erzählt der Welt mit dem begrenzten Tonvermögen eines Menschen doch einmal eine völlig neue Geschichte. Und an Vielseitigkeit mangelte es Pop Will Eat Itself nicht, ich bin gar versucht, sie als weniger verrückte Version von Cheer-Accident zu bezeichnen. Doofen Elektropop („U.B.L.U.D.“) haben sie auf „Box Frenzy“ immerhin genau so unterbringen können wie das, was die Autoren der Wikipedia wahrscheinlich dazu veranlasste, Pop Will Eat Itself in die Nähe der „Dance“-Musik zu rücken:
Negativ anlasten kann ich „Box Frenzy“ allenfalls den „Plastik“-Klang des Albums; aber das waren eben die 80-er Jahre, da war ein Schlagzeug aus der Dose eine Offenbarung und nichts, worüber man sich aufgeregt hat. Das könnte man dann eigentlich mal nachholen. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Box Frenzy“ tatsächlich Spaß macht. Diesen Spaß teile ich mit euch, weil ich (wegen des Albums) gerade gut gelaunt bin. Da habt ihr noch mal Glück gehabt.
Vergnügt euch und vergesst nicht, gelegentlich gute Musik in euer Leben zu lassen. Wie trist wäre es ohne sie?
Natürlich ist Open Source die Antwort. Ihr habt nur die Frage vergessen.
Die CDU liege, behauptet Forsa, zurzeit bei etwa 40 Prozent voraussichtlicher Wählerschaft. Wo die wohl alle herkommen?
Zumindest nicht aus der CDU, nehme ich an:
Die Parteigranden telefonieren herum, um Busladungen von Merkel-Fans am Sonntag nach Düsseldorf zu bringen. In NRW beackert Landesgeneral Bodo Löttgen die Chefs der Kreisverbände angeblich persönlich. Sie sollen für mehr Menschen sorgen.
Die Bürger haben momentan – Fußball sei Dank – eben „Interessanteres“ – Fußball – im Sinn als der Bundeskanzlerin für die Fernsehkameras zuzujubeln. Ihr habt die Halle leer / ihr habt die Halle leer / ihr habt, ihr habt / ihr habt die Halle leer!
Für die halbleere Halle hatte die Physikerin Merkel in der Vorstandssitzung eine ganz pragmatische Lösung. Am Montag verdonnerte die Chefin den gesamten Bundesvorstand, bei dem Sonntagstermin zu erscheinen.
Der Physikerin Merkel empfehle ich ja eine Recherche bezüglich des Energieerhaltungssatzes (gern in Verbindung mit Hohlraumphysik), aber sie ist immer sehr beschäftigt und hat für solcherlei keine Zeit.
40 Prozent – das gesetzliche Minimum für den Alkoholgehalt von Whisky. Honi soit qui mal y pense.
(via Schwerdtfegr)
Völlig ironiefrei vermeldet SPIEGEL ONLINE heute:
Wenn junge Deutsche im Netz unterwegs sind, dann vor allem bei Facebook. Eine neue Studie zeigt: Das umstrittene soziale Netzwerk ist für die Generation U30 die wichtigste Informationsquelle.
Das kommt SPIEGEL ONLINE zugute, das selbst im umstrittenen sozialen Netzwerk Facebook vertreten ist (hier aus Ekelgründen nicht verlinkt) und den umstrittenen Datenschutzverstößen („umstritten“ scheint so ein Lieblingswort im Hause SPIEGEL ONLINE zu sein) gleichmütig gegenübersteht:
Für wen ist eigentlich SPIEGEL ONLINE die wichtigste Informationsquelle?
Ich hatte mich im Juli zu den „Kryptopartys“ und zu anonymem Surfen mittels eines VPNs geäußert. Ich schrieb damals über das (immerhin unter einer BSD-Lizenz stehende) Anonymisierungsnetzwerk Tor, das unter anderem der digitalcourage e.V. empfiehlt:
Auch das Tor-Netzwerk, also die Umleitung „eures Internets” über drei unabhängige Router, wird gelegentlich empfohlen, ist aber prinzipiell kompromittierbar (ein Angreifer muss nur mindestens auf zwei der drei Router zugreifen können, was einem Geheimdienst vermutlich nicht schwer fällt) und obendrein aus verständlichen Gründen wirklich sehr, sehr langsam.
Inzwischen gibt es auch belastbare Zahlen zu der potenziellen Kompromittierbarkeit:
Rund 80% aller Tor-Nutzer ließen sich schon nach 6 Monaten Betrieb eines mittleren Tor-Relays deanonymsieren. Wenn ein Angreifer den kompletten Verkehr eines Teilbereichs des Internet (…) kontrolliert, müssen Tor-Nutzer mit einer 95-prozentigen Gefahr rechnen, dass ihre Identität innerhalb von drei Monaten aufgedeckt wird. Mehr Ressourcen unter Kontrolle des Überwachers beschleunigen den Vorgang.
Das klingt nach einer annehmbar hohen Fehlertoleranz, aber glaubt nur nicht, dass diejenigen, vor denen ein Bürger Geheimnisse haben sollte, nicht über diese mehr Ressourcen verfügen. Lasst es mich anders ausdrücken: Tor ist nicht sicher! Dass für die Enttarnung bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, sollte euch nicht blauäugig auf einen Glücksfall hoffen lassen. Nur, weil eure Verbindung über mehrere Router in mehreren Ländern geleitet werden kann, heißt das nicht, dass keiner dieser Router Informationen über euch preisgibt. Je mehr dieser Router von einer einzelnen Institution (etwa der NSA – an dieser Stelle könnt ihr gern euren Aluminiumhut gegen die bösen Strahlen aufsetzen) kontrolliert werden, desto wahrscheinlicher wissen die, wer ihr seid und was ihr tut.
Was im Übrigen das gleichfalls freie I2P als Konkurrenzimplementierung eines anonymen, dezentralen Netzes betrifft: Trotz all des Komforts (und aufgrund der ekligen Java-Basis) muss euch klar sein, dass auch die Sicherheit von I2P mit der Autarkie der einzelnen Knoten steht und fällt. Dass „seit PRISM“ also immer wieder für solche Routingdienste Werbung gemacht wird, ist vordergründig verständlich, aus technischer Sicht jedoch Augenwischerei.
Auch weiterhin ist also davon auszugehen, dass ein anonymes (nicht pseudonymes) VPN das Mittel der Wahl sein sollte, wenn ihr die nächste Revolution planen wollt. Aber achtet auf die Mittagsruhe, in Deutschland ist die wichtig.
(Diesen Artikel hätte ich ja mit „Eigen-Tor“ überschrieben, wenn halt die c’t den Titel nicht schon reserviert hätte. Na, nächstes Mal dann.)
Nachtrag: Achtet hier auch auf die Kommentare, „dakira“ hat einen wichtigen Hinweis hinterlassen.
Heutiger Aktionstag: Deutscher Kopfschmerztag. Ich bin schon ganz gespannt, was für Aktionen mich heute so erwarten.
Der Äppelladen GRAVIS so:
Die Apple-Kette Gravis vertreibt künftig auch Produkte des direkten Apple-Rivalen Samsung.
Einst war GRAVIS ein Händler der Apple und Zubehör führte und die Kunden dabei wohl war. (…) Ich kann nur nein sagen, so ein Laden sieht mich nicht. Das Geld lasse ich woanders.
Wer will schon ein Applegerät (mit Samsung-Hardware drin) kaufen, das von der räumlichen Nähe zu Samsunggeräten besudelt wurde? Ein Sakrileg!!1
(Abt.: Kannste dir nicht ausdenken, sowas.)
Blinde reden über Farben, Taube huldigen dem Postrock und drei Menschen, die sich nie mehr im Leben Sorgen um ihr finanzielles Überleben machen müssen, reden über Mindestlöhne. Oh, Verzeihung – letzteres ist tatsächlich passiert:
Mit scharfen Wortgefechten über Mindestlohn, Rente und Steuern haben die Spitzenkandidaten von Grünen, Linken und FDP um unentschlossene Wähler gekämpft.
Der aufmerksame Wähler weiß, dass die Grünen zusammen mit der SPD die gegenwärtige Altersarmut maßgeblich forciert und die seit einigen Jahren wieder mitregierende F.D.P. bislang nichts dagegen getan hat. Zwei der drei Teilnehmer haben also zumindest Wissen aus erster Hand vorzuweisen, von dem sie auch reichlich Gebrauch machen. Jürgen „Dosenpfand“ Trittin etwa gab zu verstehen, den grünen Wandel gebe es nur mit starken Grünen; gut, dass er das erklärt, denn bislang dachte ich, dafür müssten die Grünen besonders schwach sein.
Beim Rententhema war er trotzdem nicht gut vorbereitet:
Trittin plädierte dafür, das Rentenniveau durch höhere Einkommen zu stabilisieren. Auch dazu diene unter anderem ein Mindestlohn. [Er] verteidigte die von seiner Partei bei einem Wahlsieg angekündigten Steuererhöhungen. Bei dem Konzept würden durch eine Anhebung des Grundfreibetrags 90 Prozent der Einkommensbezieher mehr Netto vom Brutto haben.
Es soll also mehr Rente geben, indem es mehr Einkommen gibt, das dazu führt, dass es höhere Steuern gibt, die dazu führen, dass die Leute mehr Geld haben. Kommt ihr noch mit? Ich nicht. Wahrscheinlich habe ich aber auch nichts verpasst.
Seltsamerweise hat keiner der drei Politiker vorgeschlagen, denen, die kein Brot haben, stattdessen zum Kuchen zu raten. Sie haben wider Erwarten ja doch etwas gelernt.
Über Sublime Text habe ich ja schon so manches berichtet, mich auch in Form von Todo.txt-Unterstützung am reichhaltigen Erweiterungsfundus beteiligt. Nun macht sich aber die Kehrseite von closed source bemerkbar: Der Entwickler hätte gern noch mehr Geld von mir.
Die Entwicklung von Sublime Text 2 ist seit langem beendet, obwohl es durchaus noch einige Unzulänglichkeiten zu beheben gäbe. Sämtliche Entwicklungsarbeit kommt momentan Sublime Text 3 zugute, das in der Betaphase steckt und momentan noch mit einer Sublime-Text-2-Lizenz funktioniert, das soll sich aber mit der finalen Version ändern. Die wesentliche Neuerung? Python 2 wurde durch Python 3 ersetzt. Für mich als Nicht-Python-Nutzer ist das natürlich überflüssiger Quatsch. Bei Sublime Text 2 zu bleiben halte ich für keine gute Lösung, die bekannten Probleme einer nicht mehr gepflegten Software werden mit der Zeit ja nicht von selbst verschwinden, sondern sich eher noch vermehren. Sublime Text 3 ließe sich wahrscheinlich wie schon Sublime Text 2 ohne Lizenz (mit gelegentlichen Nerv-Popups) nutzen, aber das halte ich für falsches Vorgehen. Ich verstehe ja auch Leute nicht, die jahrelang WinRARs Nervpopups ertragen, statt auf freie Alternativen wie PeaZip oder 7‑Zip umzusteigen.
Die Lösung? Vermutlich bleibt mir, wenn ich nicht plötzlich im Lotto (das ich nicht spiele) gewinnen sollte, nichts anderes übrig als das Ökosystem Sublime Text mit all seinen Annehmlichkeiten (in meinem Fall wären dies der herausragende Paketverwalter Package Control und das killerfeature Goto Anything, insbesondere die Symbolliste) wieder durch etwas aus der Welt der freien Software zu ersetzen. Wer weiß, wie lange es dauert, bis Sublime Text 4 wiederum das Ende der aktuellen Entwicklungen einläutet? Nur wodurch?
‘Sublime Text: Na ja, ich hab’s versucht.’ weiterlesen »
Während die deutsche Medienlandschaft ein weiteres Mal unter Beweis stellt, dass sie zu blöde ist, das substanzlose Gebrüll einer feministischen Minderheit in der Piratenpartei von der an sich lobenswerten Politik zu unterscheiden, für die diese Partei steht, dreht die Welt sich weiter – schwupps! ist schon wieder Montag.
Für die dieswöchige Montagsmusik muss ich vermutlich erst einmal etwas erklären, nämlich, warum ich, anders als sonst, keinen YouTube-Link setze. Die Antwort ist banal: Das heute anzupreisende Stück Musik ist dort zurzeit nicht verfügbar (oder ich suche nur falsch). Ich habe tatsächlich lange mit mir gerungen, ob ich stattdessen musicmp3, ein offiziell russisches Streamingportal (hier aufgrund unklarer rechtlicher Situation nicht verlinkt), als Quelle angeben sollte, wo das dieswöchige Montagsstück natürlich zu finden ist, aber in diesen Tagen weiß man ja nie so genau, welche Branchen die florierende Abmahnwirtschaft gerade beackert.
Stattdessen: Spotify oder Grooveshark. Eines dieser Enteignungsportale. Beide haben das gesuchte Stück. Warum es gerade dieses sein muss? Muss es wahrscheinlich nicht – aber, und da bin ich als jemand, dem Texte bekanntlich nicht ganz unwichtig sind, ich halte dieses Stück für eines der textlich großartigsten, die eine deutschsprachig musizierende Musikgruppe in diesem Jahrtausend bislang zustande gebracht hat. Peter Hein sei zu preisen für diese Zeilen.
Die Fehlfarben, vor über dreißig Jahren mit „Monarchie und Alltag“ und insbesondere Liedern wie „Ein Jahr (es geht voran)“ („Keine Atempause / Geschichte wird gemacht / es geht voran“, kennta) Vorreiter des deutschsprachigen Postpunk, der Neuen Deutschen Welle und sicher noch so allerlei Musik, waren trotz gelegentlichen Tiefgangs nur selten so brillant wie auf „Xenophonie“. Noch so ein Album, das ich 2012 rechtzeitig zu hören vergessen habe. „Herbstwind“, ein schwermütiger und synthesizerlastiger Fastzehnminüter, ist der krönende Abschluss und ein, mindestens, verdammtes Meisterwerk.
Labt euch daran. Auf Spotify oder auf Grooveshark oder auf einem dieser Portale, die man in eurer Lieblingssuchmaschine halt so findet. Vergesst das gestrige unsägliche TV-„Duell“. Geratet trotzdem in Schwermut. Hört den Text. Versteht den Text. Macht das Beste daraus.
Guten Morgen.