Politik
Medienkritik in Kürze: Schrödingers Autoritarismus

Fol­gen­de Fra­ge an die „taz“:

Was der Frak­ti­ons­chef sagt, bedeu­tet aber offen­bar nichts mehr. (…) Bis dahin muss die Uni­on klä­ren, wo sie steht: auf der Sei­te der libe­ra­len Demo­kra­tie oder auf der Sei­te der Auto­ri­tä­ren? Bei­des wird nicht funk­tio­nie­ren. (…) Soll­te der Kanz­ler und Par­tei­vor­sit­zen­de dafür kei­ne Auto­ri­tät mehr haben, braucht die CDU einen neu­en.

Ist es jetzt eigent­lich gut oder schlecht, wenn ein­zel­ne Poli­ti­ker wenig zu mel­den haben?

Netzfundstücke⁠In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 6. Oktober 2026

Cory Doc­to­row schreibt über die Über­wa­chungs­fan­ta­sien des Ora­cle-Grün­ders, Meuch­lers der Fir­ma Sun und ihrer Pro­duk­te sowie auch sonst recht unan­ge­neh­men Men­schen Lar­ry Elli­son (eigent­lich eng­lisch­spra­chig):

Wir wei­gern uns, uns so zu ver­hal­ten, dass die Welt für Elli­son opti­mal wird. Des­halb wird er eine Welt stän­di­ger Über­wa­chung, Beur­tei­lung und Bestra­fung schaf­fen. In die­ser Welt wer­den wir uns so sehr davor fürch­ten, beschämt zu wer­den, dass wir alle unser wah­res Ich unter­drücken und Mas­ken auf­set­zen, die nach Elli­sons Vor­stel­lun­gen gestal­tet sind.

Ist es nicht erstaun­lich, dass die­je­ni­gen, die das mei­ste Geld dafür anhäu­fen, die Pri­vat­sphä­re ande­rer Leu­te zu miss­ach­ten, ihre eige­ne für bedin­gungs­los schüt­zens­wert hal­ten?


Gute Fra­ge aus dem Inter­net: War­um ist es so schwie­rig, heu­ti­ge Kom­man­do­zei­len­pro­gram­me dazu zu bewe­gen, dunk­len Text auf hel­lem Hin­ter­grund abzu­bil­den, so dass man als jemand, der wie jeder ande­re nor­ma­le Mensch auch den „hel­len“ anstel­le des „dunk­len“ Modus sei­nes Betriebs­sy­stems bevor­zugt, statt­des­sen erbärm­li­chen Kon­trast erdul­den muss, wenn man nicht bei jeder neu­en Soft­ware erst mal im Hand­buch nach den Farb­op­tio­nen suchen will?

(Die Umge­bungs­va­ria­ble NO_COLOR funk­tio­niert manch­mal, aber sehr oft auch nicht.)


Putin, den Knopf bit­te:

In einer der hit­zig­sten Dis­kus­sio­nen, die der­zeit auf X geführt wer­den, geht es um die Ethik eines Git­Hub-Pro­jekts, in dem jemand an einer Rei­he lokal geho­ste­ter gro­ßer Sprach­mo­del­le Saw-ähn­li­che „Fol­ter“- und „Schmerz“-Experimente durch­führt. Das ver­an­lasst eine Rei­he von Altru­isten und Men­schen, die glau­ben, dass LLMs emp­fin­dungs­fä­hig sei­en, Git­Hub anzu­fle­hen, das Pro­jekt zu löschen, weil die „KI“ lei­de und die­ses lamett­abe­han­ge­ne Text­aben­teu­er­spiel auf irgend­ei­ne Wei­se grau­sam sei.

(Erneut übel­setzt aus dem Eng­li­schen.)

Ich lei­de ja auch, zum Bei­spiel unter sol­chen Nach­rich­ten. Aber ich bin natür­lich auch kei­ne „KI“.


Die „WELT“ (will nicht ver­linkt wer­den, LSR) berich­tet über den neue­sten Ulk, den mei­ne Steu­ern so trei­ben:

Seit Mon­tag hal­ten meh­re­re ICE-Lini­en der Deut­schen Bahn (DB) von Binz/Greifswald Rich­tung Nord­rhein-West­fa­len und Han­no­ver nicht mehr am Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof, wie ein Bahn­spre­cher auf Nach­fra­ge mit­teil­te. (…) Um die Pünkt­lich­keit bun­des­weit zu sta­bi­li­sie­ren, pas­se die Infra­struk­tur­ge­sell­schaft DB Infra­GO das Fahr­plan­kon­zept bei weni­gen, beson­ders stör­an­fäl­li­gen Lini­en hin­sicht­lich des Ver­lau­fes und der Hal­te an.

Ein Zug, der nicht hält, hält auch nicht zu spät: Ein wah­rer Genie­streich. Wolfs­bur­ger Bahn­kun­den ken­nen das.

Netzfundstücke⁠Musikkritik⁠Persönliches⁠Musik
Arthur Brown – Open Hearts // Performatives Klotanzen

Nicht immer haben meine Bildbeschriftungen einen tieferen Sinn. Meine Dateinamen auch nicht.

Es ist Mon­tag. Drei­er­lei Nach­trag zu mei­nem jüng­sten Aus­flug nach Lon­don sei mir zuge­stan­den: Flie­gen ist mit sei­nen unschö­nen Aus­wir­kun­gen auf mein kör­per­li­ches Wohl­be­fin­den – ich wer­de das mit dem Druck­aus­gleich wohl mein Leben lang nicht so recht anzu­wen­den ver­ste­hen – und der mit ihm längst untrenn­bar ver­bun­de­nen „Sicherheits“-Paranoia auch ein Vier­tel­jahr­hun­dert nach dem Ver­schwin­den zwei­er gräss­lich gestal­te­ter Tür­me eine noch unbe­frie­di­gen­de­re Art des Rei­sens als Bahn­fah­ren (ich wer­de die­ses Flug­zeug unter Zuhil­fe­nah­me einer klei­nen Fla­sche vol­ler Mine­ral­was­ser in mei­ne Gewalt brin­gen, har har), ich habe unab­hän­gig davon, wie lan­ge ich dort bin, immer genau einen Tag zu wenig Zeit, um alles zu erle­ben, was es zu erle­ben gilt, und Deutsch­land wirkt jedes Mal, wenn ich zurück­keh­re, noch ein biss­chen drö­ger, wenn nicht gar: ver­schla­fe­ner.

Bel­gi­en und Däne­mark machen jeden­falls das nicht mit mir.

(Der­weil in der Schweiz: Poli­zei? Ach was! Wir küm­mern uns selbst um Ver­ge­wal­ti­ger!)

Medi­en­kri­tik aus Russ­land (All­er­gi­ker­war­nung: .ru): Ukrai­ni­sche Droh­nen hin­dern ukrai­ni­sche Ein­woh­ner an der Flucht aus einer von sel­bi­gen Droh­nen ein­ge­schlos­se­nen Stadt, Schuld an den huma­ni­tä­ren Fol­gen sei aus­weis­lich des „SPIE­GELs“ der Rus­se. Mach­ste nix.

Kur­ze Durch­sa­ge aus der Tanz­mu­sik­sze­ne: Der Tanz­bo­den im Tech­no-Club, das ist nicht der main flo­or, denn die­ser ist das Klo.

Die Toi­let­te hat sich vom exi­sten­zi­el­len Abort zur per­for­ma­ti­ven Dar­bie­tung trans­for­miert.

Tech­no­skep­ti­ker, wie ich es nun mal bin, könn­ten dar­aus jetzt despek­tier­li­che Kom­men­ta­re zu Tech­no­schup­pen ablei­ten. Ich über­las­se das dem Kom­men­ta­ri­at. – Zum qua­si glei­chen The­ma auch bzw. hihi: Anschei­nend kann man den Leu­ten iro­nisch mit Lie­dern von Tay­lor Swift dro­hen und sie glau­ben das dann. Ich kann das ver­ste­hen. Pop­mu­sik rich­tet bis­wei­len grö­ße­re Schmer­zen an als ein durch­schnitt­li­cher Zahn­arzt­be­such.

Schmerz­frei: Musik (gut).

Guten Mor­gen.

Persönliches
Herz und Heimat / Der Habeck in mir

Eigent­lich bin ich wie Robert Habeck, sieht man vom Cha­ris­ma ab.

Nicht nur habe auch ich ein gesun­des Ver­ständ­nis vom Völ­ker­recht (Hüh­ner, Schwei­ne, Kühe mel­ken), son­dern ich emp­fin­de auch, je älter ich wer­de, zuse­hends bzw. ‑füh­lens nach, was er zum all­ge­mei­nen Miss­fal­len bzw. Ver­gnü­gen in ein Buch schrieb:

Patrio­tis­mus, Vater­lands­lie­be also, fand ich stets zum Kot­zen.

Als der Text, den ihr gera­de lest, erscheint, bin ich auf dem Weg zu einem Flug­ha­fen (ist jetzt eh egal), um es den Bri­ten gleich­zu­tun und end­lich mal wie­der die EU zu ver­las­sen, und fra­ge mich, was Hei­mat ist.

‘Herz und Hei­mat / Der Habeck in mir’ wei­ter­le­sen »

Mir wird geschlecht
Gewaltpflicht

Eigent­lich wür­de es mir ja schon rei­chen, könn­ten Regie­rung und Gesell­schaft sich eini­gen, ob Män­ner jetzt auf­grund ihres Geschlechts bereit zum Töten sein sol­len (Wehr­pflicht) oder lie­ber nicht (Fer­nan­des).

Politik⁠In den Nachrichten⁠Montagsmusik
Harald Grosskopf & Eberhard Kranemann – Be Cool // Bundesverdienstkreuzinflation

Jetzt 'ne Stunde schlummern und dann ins Bett

Es ist Mon­tag. Gute Fra­ge aus dem Inter­net: war­um wird eigent­lich alles immer ein­far­bi­ger? Die 80er waren in allen Lebens­be­rei­chen, Tech­nik und Klei­dung ein­ge­schlos­sen, zu bunt, aber war­um ist in den 2020ern alles nur noch schwarz und grau? Ist das so ein mind­set-Ding? (Getippt auf einem schwar­zen Schreib­tisch vor einem schwar­zen Bild­schirm. Auf einem schwar­zen Stuhl. Aber mei­ne Tasta­tur ist eher creme­far­ben. Hihi (?).)

Isso:

Aus­ge­rech­net die Links­par­tei stän­dig des Anti­se­mi­tis­mus zu beschul­di­gen sei „eine zyni­sche poli­ti­sche Instru­men­ta­li­sie­rung“, mit der „bei­na­he jede Kri­tik an der israe­li­schen Poli­tik mit Anti­se­mi­tis­mus“ gleich­ge­setzt wer­de.

Zumal Völ­ker­mord ja neu­er­dings Aus­le­gungs­sa­che zu sein scheint. – (Habt ihr eigent­lich schon alle ein Bun­des­ver­dienst­kreuz? Nein? War­um nicht? – Mitt­ler­wei­le hal­te ich die­je­ni­gen Men­schen auto­ma­tisch für ehren­vol­ler, die kei­nes bekom­men haben und wahr­schein­lich auch nie­mals eines bekom­men wer­den. Das ist offen­sicht­lich eine höhe­re Hür­de. Ein Bun­des­ver­dienst­kreuz hat heu­te den Wert eines Sani­fair­cou­pons. Und man kann damit auch unge­fähr so über­zeu­gend prah­len. [Will man das eigent­lich, mit Orden prah­len?])

Apro­pos Ver­schwen­dung: Der Vor­stands­vor­sit­zen­de des skru­pel­lo­sen Umwelt­schmutz­kon­zerns Nvi­dia ließ jüngst die Welt­öf­fent­lich­keit wis­sen, wel­chen Nut­zen es haben soll­te, dass die Kin­der künf­tig nicht mehr so viel kön­nen müs­sen; er kön­ne sich näm­lich nicht mal sei­ne Adres­se mer­ken. Wofür auch? Es gibt ja Com­pu­ter. Vor­wärts immer.

Rück­wärts immer aber gern auch: Musik.

Be Cool

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Generative Selbstopferung

Gedan­ke (trüb): Wenn die Ver­fech­ter von Recht und Ord­nung jemals erfah­ren, wie ein­fach es ist, die Deut­schen dazu zu brin­gen, jeder daher­ge­lau­fe­nen Web­site außer ihrem Namen, ihrer Anschrift, ihrem Geburts­da­tum, ihren Kon­to­da­ten und ihrem Maus­be­we­gungs­ver­hal­ten auch noch ihre oft unnö­tig bio­me­tri­schen Gesichts­auf­nah­men mit­tels For­mu­lar zu über­mit­teln, wenn man ihnen nur ver­spricht, dass sie hin­ter­her ein com­pu­ter­ge­nerier­tes Bild her­un­ter­la­den kön­nen, auf dem sie aus­se­hen wie der erbärm­lich­ste Miss­brauch eines Föns, den die­se Welt jemals zu sehen das Miss­ver­gnü­gen hat­te, dann kön­nen wir hier ein­packen. Bes­ser wird’s nicht mehr.

Politik⁠In den Nachrichten
Schweriner Demokratie

Gut für die Demo­kra­tie sei es also, wenn die drei schwäch­sten Par­tei­en, die alle­samt Pro­zent­punk­te ver­lo­ren haben und inso­fern abge­wählt wor­den sind (also die demo­kra­ti­sche Mehr­heit), gemein­sam die Regie­rung bil­den, damit der Wahl­sie­ger nicht regie­ren kann, weil der was gegen die Demo­kra­tie habe.

Man kann zwei­fels­oh­ne die gefun­de­ne Lösung argu­men­ta­tiv ver­tei­di­gen (AfD dohf), aber Wör­ter hat­ten irgend­wann mal eine Bedeu­tung und Wah­len auch.

Gut. Ist ja bloß Spra­che.

Politik⁠Montagsmusik
Kristin Hersh – Moths // Bürgernichtmeister

Herbstzeit ist Naturzeit

Es ist Mon­tag. Wie sieht es eigent­lich aus, wenn man sich die Arbeit mit einer „KI“ (dem Ergeb­nis eines „nie zuvor da gewe­se­nen Aus­ma­ßes an Dieb­stahl“, glaubt man Micro­soft) erleich­tern möch­te, indem sie tri­via­le Auf­ga­ben über­nimmt? Zum Bei­spiel so. Ob es sich jedoch lohnt, dafür gewal­ti­ge Was­ser­men­gen zu ver­schwen­den, ist augen­schein­lich noch nicht abschlie­ßend geklärt.

(Seit lan­gem gute Emp­feh­lung: Wenn ihr schon E‑Mail-Signa­tu­ren mit Wer­bung für irgend­ei­nen Käse drin haben wollt, dann eine mit ASCII-Rib­bon. HTML-Mails sind noch gru­se­li­ger als Wahl­er­geb­nis­se.)

Apro­pos, der Par­la­men­ta­ris­mus ist offen­kun­dig ein vol­ler Erfolg: In einer Gemein­de in Meck­len­burg-Vor­pom­mern hat­te gestern nie­mand Bock (Archiv­ver­si­on) dar­auf, den Bür­ger­mei­ster zu spie­len. Das ist wit­zig. Man sehe mir aber nach: Statt mit Wahl­be­richt­erstat­tung (die fast so lang­wei­lig ist wie die Poli­tik selbst) den Tag zu ver­plem­pern, habe ich gestern mei­ne Zeit mit etwas Schö­nem ver­bracht, näm­lich mit: Musik.

Moths can feel no pain.

Guten Mor­gen.

Politik⁠In den Nachrichten
Internet ist freiwillig: Ein Nachtrag zu d‑you

Die Bun­des­re­gie­rung:

Ab Anfang 2027 steht die digi­ta­le Brief­ta­sche EUDI-Wal­let allen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern sowie Ein­woh­ne­rin­nen und Ein­woh­nern in Deutsch­land (…) frei­weil­lig [sic! A.d.V.] zur Ver­fü­gung.

Die EU (Archiv­ver­si­on), sinn­ge­mäß:

Nein.

Ab wie vie­len guten Grün­den darf man EU-Skep­sis eigent­lich end­lich als EU-Müdig­keit beti­teln?