Politik⁠In den Nachrichten⁠Montagsmusik
Thomas D – Nur Mut // „Mögen Sie Tod?“

Es ist Mon­tag. Hal­lo! Zufäl­lig sah ich die­ser Tage eine Wer­bung für ein Pro­dukt namens „City Light“, das wohl aus beleuch­te­ten Wer­be­ta­feln besteht. Alles, was man über den Zustand der Mensch­heit in unse­rer post­in­du­stri­el­len, post­iro­ni­schen und post­mo­der­nen Zeit wis­sen muss, ist in die­ser Namens­wahl zu fin­den.

Der üble Tötungs­kon­zern Palan­tir, Ver­trags­part­ner von aller­lei Unrechts­re­gimes, schreibt „Golem“, stel­le am lieb­sten den­je­ni­gen Men­schen­schlag ein, der kein Pro­blem damit hat, dass sei­ne „Arbeit“ Men­schen tötet. Mord ist ja immer leicht tole­riert, wenn man nicht dort ist, wo er statt­fin­det. Das ist ein biss­chen wie mit der Wehr­pflicht: Je wei­ter man von der Front ent­fernt in sei­ner Vil­la haust, desto groß­ar­ti­ger fin­det man die Vor­stel­lung, dass die Jugend in einem Land, das man auf der Welt­kar­te nicht mal annä­hernd ver­or­ten könn­te, in den Tod geschickt wird. Man ist ja nicht die Jugend. – „Palan­tir“ kommt ver­mut­lich aus einer India­ner­spra­che und heißt eben­falls ver­mut­lich so viel wie „Dreck­säcke“. Ver­mu­tun­gen zum Namen unse­res aller­lieb­sten Mini­sters für Ver­tei­di­gung stel­le ich hier im Übri­gen nicht an. (Mich über­rascht immer weni­ger, dass die Volks­ver­tre­tung sich bevor­zugt im gepan­zer­ten Fahr­zeug unters Volk begibt. Mich über­rascht eben­falls immer weni­ger, was dar­aus folgt.)

Qua­si zum sel­ben The­ma ein gelun­ge­nes Zitat zu Rein­hard Mey, das 2014 auf­ge­schrie­ben wur­de, mir jedoch neu­lich erst begeg­net ist:

Dann wei­ger­te er sich auch noch, in kom­plett über­stei­ger­ten Maß an Deutsch­land zu lei­den. Vor allem war er zu sehr Mensch und hat­te zu viel Ver­ständ­nis.

Medi­en­kri­tik: In der dies­wö­chi­gen Fol­ge der „Anstalt“ wird sich fast eine Stun­de lang im Wesent­li­chen über das Wahl­pro­gramm der sach­sen-anhal­ti­ni­schen AfD aus­ge­las­sen. Nun kann man des­sen Inhalt nebst Par­tei sicher­lich begründ­bar irgend­wie nicht gut fin­den, aber die Impli­ka­ti­on, dass Wahl­pro­gram­me seit 1949 irgend­ei­ne Par­tei nach einer Wahl noch inter­es­sie­ren, ist wit­zig. Glau­ben die Men­schen ohne jede Iro­nie (zuge­ge­ben: Agi­ta­ti­on und Iro­nie – zwei unver­ein­ba­re Zie­le), aus­ge­rech­net die AfD wäre, soweit es ihre Wahl­ver­spre­chen betrifft, die ein­zi­ge ehr­li­che Par­tei? Wenn ja: war­um?

Statt kei­ner Angst: Nur Mut.

Nur Mut

Guten Mor­gen.

(Nach­trag: Der Mon­tagspan­da war ein Dupli­kat. Um Ver­wir­rung zu ver­mei­den, wur­de er ent­fernt. Ich bit­te um Nach­sicht.)

Politik⁠Netzfundstücke
Schlechtes Deutsch für die Kommune

Der Kom­mu­nal­wahl­kampf in Nie­der­sach­sen läuft schon jetzt genau so über­zeu­gend wie erwar­tet, lese ich ver­gnügt: Da lei­stet sich eine mit aller­lei Geld aus­ge­stat­te­te Par­tei, bei der sogar die Mit­glied­schaft eini­ger­ma­ßen teu­er ist, in exakt drei rele­van­ten (und daher groß gedruck­ten) Wör­tern auf ihrem Kom­mu­nal­wahl­pla­kat einen sprach­li­chen Faux­pas – gutes Lek­to­rat ist halt teu­er – und stellt dann pünkt­lich zum Auf­häng­be­ginn fest, dass man lei­der-lei­der schon zu vie­le Pla­ka­te bestellt hat und das jetzt des­we­gen halt so bleibt.

Ist ja bloß Spra­che, das muss man als Par­tei nicht so kön­nen.

In den Nachrichten
„Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.“

Obi­ges Franz-Becken­bau­er-Zitat, las ich heu­te in der „WELT“ (will nicht direkt ver­linkt wer­den, LSR), pur­zel­te aus Dani­el Fun­ke, Ehe­mann des umstrit­te­nen „Poli­ti­kers“ Jens Spahn, her­aus, nach­dem bekannt gewor­den war, dass zuvor noch etwas ande­res aus ihm her­aus­ge­pur­zelt war, näm­lich ein Kind mit einer nicht mit ihm ver­hei­ra­te­ten Leih­mut­ter in/aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Dem „klei­nen Men­schen“ schrieb man außer­dem bereits jetzt, also lan­ge, bevor er lesen kann (was womög­lich der­weil gut für den Fami­li­en­frie­den ist), auf Insta­gram, wo er, geht es nach dem Wil­len sei­ner Par­tei, noch lan­ge nicht ver­tre­ten sein wird, den Wunsch, „Got­tes rei­cher Segen“ möge ihn auf sei­nem „Weg beschüt­zen“.

Der lie­be Gott, das möch­te ich dem Gefröm­mel nur kurz ent­ge­gen­ge­stellt haben, hät­te aus­weis­lich der Bibel die vor­lie­gen­de Situa­ti­on mög­li­cher­wei­se kom­plett anders beur­teilt; aber was weiß der schon?

Netzfundstücke⁠Mir wird geschlecht
Kurz gefragt zur GEW

Dass in der Debat­te über Nicht­bi­när- und Diver­sen­tum eini­ges bis­wei­len zumin­dest wun­der­lich zugeht, ist nun nichts Neu­es; aber eine Fra­ge hät­te ich dann doch, Gewerk­schaft Erzie­hung und Wis­sen­schaft, „die Bil­dungs­ge­werk­schaft im DGB“ (GEW über GEW):

GEW-Diverse

Alles tog­go bei euch? Braucht ihr Hil­fe? Zwei­mal blin­zeln heißt Ja.

(Quel­le der Tabel­le) *reim*

Montagsmusik⁠Computer
Ulrika Spacek – No. 1 Hum (live) // Kein Menschenweb für niemanden

Montagsgefühl

Es ist, was bleibt uns auch ande­res übrig?, Mon­tag. Beob­ach­tung (nicht von mir): Es wird der­zeit eini­ges an Arbeit inve­stiert, um das Web für irgend­wel­che „KI“-Spielereien bes­ser benutz­bar zu machen. Wäre es nicht für alle irgend­wie schö­ner, hät­ten auch die Men­schen eines Tages wie­der ein Web, das ihnen nicht den All­tag mit Rekla­me, Bezahl­schran­ken und so wei­ter unnö­tig ver­gällt?

Auch für alle schö­ner: Mal frü­her zum Punkt zu kom­men. Und natür­lich: Musik.

Ulri­ka Spacek – No.1 Hum (Live Ses­si­on)

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Kurz angemerkt zur „Prüf!“-Demonstration in Hannover

Ich hal­te es übri­gens für tak­tisch über­den­kens­wert, eine Demon­stra­ti­on mit der Absicht, jeman­den dazu zu bewe­gen, dass er bit­te eine ande­re Par­tei als eine der­je­ni­gen, derer man sich selbst ver­bun­den fühlt, auf ihre Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit über­prü­fen möge, so zu gestal­ten, dass sie mög­lichst wenig Zuspruch bei denen fin­det, die nicht sowie­so schon teil­neh­men, indem man die aller­scheuß­lich­ste Musik mit dem Inhalt, was der Staat, Adres­sat die­ser Demon­stra­ti­on, einen alles mal kön­ne, abspielt, Kla­mot­ten, Fri­su­ren und Gesich­ter aus dem Pri­mark spa­zie­ren­trägt und anstel­le gut sicht­ba­rer Pla­ka­te, auf denen man jeder­zeit ohne Kopf­ver­dre­hun­gen erken­nen kann, was der Unsinn eigent­lich zu bedeu­ten hat, dazu bizarr­ste Flag­gen wie etwa eine mir bis dahin (zum Glück) völ­lig neue „Pride-EU“-Flagge (wis­sen die eigent­lich, wie die EU arbei­tet?) mit sich her­um­trägt, als wäre es den Demon­stran­ten so egal wie allen ande­ren, als ob jede Flag­ge bes­ser wäre als kei­ne Flag­ge (da muss man ja froh sein, dass kei­ner eine mit Adler drauf im Fun­dus gefun­den hat­te) und als ob sie selbst wüss­ten, dass das mög­lichst nach­drück­li­che Ner­ven der Umwelt zwar dem ver­meint­li­chen Demon­stra­ti­ons­zweck eher nicht för­der­lich ist, aber etwas Dum­mes zu tun eben wenig­stens kein Nichts­tun ist.

Sonstiges
Miniaturen (10.07.26)

Inmit­ten des dies­jäh­ri­gen Fina­les der Frau­en­fuß­ball­welt­mei­ster­schaft der Män­ner sol­le es eine „Halb­zeit­show“ geben, deret­we­gen mög­li­cher­wei­se auch die Halb­zeit­pau­se ver­län­gert wer­den sol­le, las ich in irgend­wel­chen Nach­rich­ten. Dort sol­len dann irgend­wel­che Pop­mu­si­ker irgend­wel­che Pop­mu­sik vor sich hin­knö­deln. Ich neh­me zur Kennt­nis, dass die Ver­an­stal­ter selbst nicht der Ansicht sind, zu so einer Ver­an­stal­tung trei­be man die Men­schen am besten mit der Aus­sicht auf inter­es­san­ten Sport.


Demo­kra­tie bedeu­tet, dass eine Mehr­heit die Ober­hand behält. Das ist ein biss­chen wie beim Mob­bing.


Dass die Deut­schen bei den in letz­ter Zeit wie­der häu­fi­ger auf­tre­ten­den „Not­arzt­ein­sät­zen“ auf Bahn­strecken nur sel­ten nach dem Aus­lö­ser, dafür stets nach Fahr­kar­ten­er­stat­tung fra­gen, ist zur Kennt­nis genom­men.


Sprach­li­che Marot­te, die jetzt schon zu vie­le Gene­ra­tio­nen von Men­schen beglei­tet: „Ficken“ (z.B. Poli­zi­sten oder Par­tei­en) als Aus­druck von etwas Schlech­tem zu begrei­fen.


Ich hal­te es übri­gens für völ­lig in Ord­nung, dass Men­schen die Frei­heit haben, mit­tels eben­die­ses Fickens all­zu oft brül­len­den Nach­wuchs in die über­for­der­te Welt zu set­zen, der spä­ter mal kei­ne Ren­te mehr bekom­men wird. Für kei­nes­falls selbst­ver­ständ­lich hal­te ich aber das Recht, mit die­sem Nach­wuchs dann in mei­nem Abteil zu sit­zen.


Wol­len wir uns wirk­lich die Welt von Men­schen erklä­ren las­sen, die „strugg­len“ schrei­ben, wenn sie „strau­cheln” mei­nen?

In den Nachrichten⁠Montagsmusik⁠Politik
Tori Amos – Pyrite // Zwangsjacken ziehen um

An dieser Stelle alles Gute auch von mir.

Es ist Mon­tag. Gute Idee: „KI“ ab sofort nur noch „Ange­wand­te Sta­ti­stik“ nen­nen. Damit die Men­schen es ver­ste­hen. – Zuge­ge­ben: Bei den „Com­pu­tern ande­rer Leu­te“ („Cloud“) hat es auch nicht viel genützt, sieht man von dem beknack­ten „Digi­tal Inde­pen­dence Day“ ab, den so Medi­en gera­de uni­so­no „abfei­ern“, wie die jun­gen Leu­te sagen.

(Apro­pos jun­ge Leu­te: Der Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress, all­jähr­li­ches Stell­dich­ein der Sozia­le-Arbeit-Sze­ne, benö­ti­ge grö­ße­re Räum­lich­kei­ten, lese ich amü­siert. Die Betei­lig­ten sei­en in den letz­ten Jah­ren „in der Zwangs­jacke“ gewe­sen, schrei­ben die Autoren. Ob sie in der Ham­bur­ger Mes­se dann wohl ande­re Klei­dung bekom­men?)

Jeder drit­te Euro der Staats­aus­ga­ben gehe künf­tig – ganz im Sin­ne der AfD übri­gens – für Krieg drauf (end­lich passt „drauf­ge­hen“ mal), schreibt das Tötungs­f­an­zine „Augen gera­de­aus!“. Merk­wür­dig: Je älter ich wer­de, desto offe­ner ste­he ich der Idee gegen­über, Par­tei­ar­beit zu blockie­ren. Kann ich die­se Poli­tik für die Mit­tel­schicht noch mal sehen? – Wit­zig in glei­chem Zusam­men­hang: Die Grü­nen, neu­er­dings die Par­tei der Looks­ma­x­xer mit Protz­kar­ren, haben einen auto­bio­gra­fi­schen Text über Demo­kra­tie raus­ge­bracht (als wär’s Müll).

Wenn eine Par­tei wie die AfD Zugang zu Innen­mi­ni­ste­ri­en, Sicher­heits­be­hör­den oder Medi­en­auf­sicht erhält, könn­te sie Gegner*innen ein­schüch­tern, För­der­gel­der in ihrem Sin­ne gezielt ein­set­zen und den öffent­li­chen Dienst poli­tisch beset­zen. Damit wür­de sie unse­re Demo­kra­tie von innen aus­höh­len.

Es muss ein schreck­li­ches Gefühl sein, wenn man ein drän­gen­des Pro­blem kor­rekt ver­stan­den hat, aber auf gar kei­nen Fall an einer Lösung inter­es­siert ist, so lan­ge man von deren Feh­len pro­fi­tiert.

Stets pro­fi­ta­bel, und sei’s nur men­tal: Musik.

Pyri­te

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten⁠Wirtschaft
Kekse für die Moral

Meta, ehe­mals Face­book, ersu­che sei­ne Ange­stell­ten um mehr Freu­de bei der Arbeit, indem es unter ande­rem das Snack­bud­get erhöht. Zucker­brot und Peit­sche.

Aus Arbeit­neh­mer­sicht, erfreu­li­cher­wei­se bis­her stets für ande­re Peit­scher, gebe ich den Daten­punkt zu beden­ken, dass mir Arbeit vor allem dann gefällt, wenn man mich für sie gut bezahlt und wäh­rend­des­sen best­mög­lich in Ruhe lässt, statt mit irgend­wel­chen events noch mehr mei­ner Frei­zeit mit Arbeits­re­le­vanz zu ver­gäl­len; aber Kek­se nehm‘ ich natür­lich auch.

Die esse ich dann, wäh­rend mich nie­mand stört.

Aber was weiß ich schon.