PersönlichesNetzfundstücke
Warum man das hier macht (Reprise)

Sascha von Pew­Pew­Pew, ein­er dieser Leute, die mit dem Insin­ter­netschreiben ange­fan­gen haben, als es schon nicht mehr cool war (d.h. nach mir), und fol­gerichtig jet­zt zu viel Zeit mit Quatschen (= Pod­cast) und zu wenig Zeit mit Schreiben ver­bringt, erken­nt trotz­dem richtig:

Diese Blog­ger waren aber Vor­bilder und Inspi­ra­tion. Nicht nur im Sinne von Con­tentliefer­an­ten, son­dern ich sah Men­schen ver­bun­den im Geiste.

Es geht eben nicht darum, seinen Leben­sun­ter­halt damit zu ver­di­enen, dass man irgendwelchen Kram ins Netz kübelt (son­st hätte auch ich wahrschein­lich inzwis­chen ein Whisky‑, ein Musik- und ein Com­put­ertech­nik-aus-den-90ern-Blog oder wenig­stens über­haupt mal etwas, das ich uniro­nisch „Blog“ zu nen­nen wil­lens wäre), son­dern, aufzuschreiben, was ger­ade durch den Kopf geht. Produktpla(t)zierungen sind was für Leute, die sich gern von irgendwelchen bekok­sten BWL-Pin­guinen dafür bezahlen lassen, Papagei spie­len zu dür­fen. (Geschrieben auf meinem Uni­comp Mod­el M. Eine sehr gute Tas­tatur.) Als Influ­encer wäre ich offen­sichtlich eine totale Niete. Ich habe eine fürchter­liche Stimme, weiß außeror­dentlich gern nicht mein Gesicht in Bewegt- und/oder Stand­bildern verewigt und wenn ich ein Pro­dukt wirk­lich scheußlich finde, dann nehme ich dafür kein Geld und ertrage es trotz­dem gequält lächel­nd, son­dern sage „das ist wirk­lich ein grauen­haftes Scheißpro­dukt“ und hätte schon wieder ein halbes Dutzend Wer­bepart­ner ver­loren.

Und sin­gen wollt ihr mich wirk­lich nicht hören.

Sich­er, die Lesege­wohn­heit­en der Men­schen — nicht umson­st gibt es immer mehr Gelaber und immer weniger Geschriebenes, da kann man auch bess­er schw­er zu block­ierende Wer­bung rein­tun — haben sich geän­dert:

Leser*innen [sic! A.d.V.] auf Social Media zur kleinen Bloghöh­le zu lock­en, wenn doch eh kein­er Lust hat, aus seinen Apps zu sprin­gen, fühlte sich zuerst zweck­los an, später pein­lich.

Ich bemerke hin und wieder, dass ich hier — vorhin ja auch schon wieder — auch mal Dinge rein­schreibe, die son­st in einen Tweet gepasst hät­ten. Mir erscheint diese Plat­tform hier als die richtige Bühne für kurze Anflüge von Melan­cholie. In sozialen Medi­en bedi­ene ich noch wesentlich inten­siv­er meine eher trol­lige Seite, die sich ja auch irgend­wo aus­to­ben muss. Dass allerd­ings auch meine (sowieso nie wirk­lich im main­stream angekomme­nen) Ver­laut­barun­gen seit vie­len Jahren kaum neues Pub­likum find­en, ist mir nicht ent­gan­gen. Ich nehme an den ein­schlägi­gen Social­iz­ing-Ange­boten eben nicht teil. Manch­mal begeg­nen mir Men­schen, die auch ein­fach blöde ins Inter­net rein­schreiben, auf der Straße. Nur sel­ten kam dann zur Sprache, wie wir „das Beste“ aus unserem antiquiert wirk­enden gemein­samen Treiben her­aus­holen kön­nen, denn „das Beste“ ist es doch, ein­fach ungestört Sachen irgend­wo hin­schreiben zu kön­nen und dann ist im Kopf wieder Platz für was Schönes.

(Ein aktuelles Beispiel kommt aus der Rei­he „Nachricht­en, bei denen ich zur Ameise werde“, das heißt, mir platzt der Arsch: Chris­t­ian Lind­ner denkt über Steuersenkun­gen [Archivver­sion] für zuge­zo­gene Fachkräfte nach, um die Abwan­derung hiesiger Fachkräfte in Län­der, in denen mehr Net­to vom Brut­to bleibt, zu kom­pen­sieren. Mal eine ganz ver­rück­te Idee: Was, wenn man die Steuer­last ein­fach für alle so weit senkt, dass Auswan­dern weniger attrak­tiv wird? Nein? Dachte ich mir. — Jet­zt habe ich das aufgeschrieben und muss jet­zt nicht mehr darüber nach­denken, was ich schreiben würde, wenn ich was dazu schreiben wollte. Und schon ist diese latent schlechte Laune wieder ver­flo­gen. Leser kön­nten es sicher­lich lesen und denken: Ach nee, schon wieder olle Poli­tik. Mach doch mal was mit Musik! Oder mit Whisky! Oder mit Tit­ten! Und ich würde dann sagen: Mache ich, aber nicht hier, und Auf­tragsar­beit­en gle­ich dreimal nicht. Ich empfehle gern Musik oder Whisky [aber keine Tit­ten], doch brauche ich hier­für Inspi­ra­tion. Unin­spiri­erte Empfehlun­gen erteile ich nur hier in der Kom­mentarecke oder im per­sön­lichen Gespräch, aber um hier Rezensen­tenkasper zu spie­len, bin ich ein­deutig zu desin­ter­essiert an den Vor­lieben ander­er Leute. Regelmäßige Kon­sumenten mein­er Musikempfehlun­gen bestäti­gen das ver­mut­lich gern; Klam­mer zu.)

Ich bin rel­a­tiv beein­druckt von Men­schen, die eben­falls nur das ins Dig­i­tale rein­blasen, worauf sie Bock haben, und dabei qua­si neben­bei noch irgendwelche Spon­soren­gelder abgreifen, ohne sich die Integrität nehmen zu lassen. Ger­ade die Pub­lika­tio­nen der­jeni­gen, die sich als Biographen und/oder His­torik­er der Pop­kul­tur ver­ste­hen, lese ich selb­st gern, obwohl ich oft nicht fol­gen kann. Bei mir hat es jet­zt seit bald 20 Jahren nur zu ein paar sub­jek­tiv­en Musikbeschrei­bun­gen in einem mit­tler­weile in den Ruh­e­s­tand geschick­ten Musik­blog gere­icht und das ist völ­lig in Ord­nung für mich. Also nicht der Ruh­e­s­tand. Aber wir wer­den ja alle nicht jünger.

(Hier, ein Musik­tipp: Alber Jupiter haben auf ihrem diesjähri­gen Album vieles — wenn auch sich­er nicht alles — richtig gemacht. Empfehle ich gern weit­er.)

Worauf ich hin­aus wollte: Es ist schön, dass es noch Men­schen gibt, die schreiben, weil sie schreiben wollen, und nicht nur, weil ein Ander­er will, dass sie schreiben. Es ist schade, dass die alte Garde der­er, die auch mal nur geschrieben haben, weil sie schreiben woll­ten, wahlweise als Lit­faßsäule arbeit­et oder aber Texte nur noch run­ter­leiert, statt sie aufzuschreiben. Und es ist egal, ob jemand mit­bekommt, dass ich hier ab und zu mal Dinge auf­schreibe. Die Nach­welt wird vergessen haben, dass es mal so etwas wie diese Web­site hier gab, und das ist völ­lig in Ord­nung für mich.

(Der alte Text zum sel­ben The­ma.)

Senfecke:

  1. Hol Dir doch Auto­tune. Dann spielst Du die Mid von In der Halle des “Bergkönigs” ab und Du trällerst dazu „Tux­or rules the I‑net scene” und schon klappts wieder mit dem Sin­gen und den Wer­bepart­nern.

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