Google, die Marketingagentur mit angeflanschter Suchverhinderungsmaschine, habe eine Usenetgruppe – de.rec.mampf – „im digitalen Nirwana versenkt“, las ich heute früh in einem Blogartikel, in dem sich die Betreiberin (zu Recht) über die fehlende Eignung von Google als Suchmaschine ausließ und dafür Belege bei der Google-„KI“ statt woanders suchte. Das ist lustig.
Kurz über die anscheinend neu gewonnene Allmacht von Google erschrocken, ging ich dieser Meldung nach und kann Entwarnung aussprechen: Die Gruppe ist noch da. Ein Auszug:

Man melde sich hierzu im Usenet an, abonniere mit einem Newsreader seiner Wahl (die meisten von ihnen können brauchbar nach Gruppen suchen) die Gruppe(n) seiner Wahl, verinnerliche die Netiquette und kann künftig auch hierfür auf Google verzichten.
Freilich lässt sich auch im Web nach dem (deutlich älteren und entspannteren) Usenet suchen. Ein verlässlicher Indikator für dessen Fortbestehen ist das allerdings nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob das zwingend eine Generationsfrage ist, ob also jeder neu Heranwachsende noch etwas weniger versteht, was Internetdienste sind und was ein „WWW“ von Usenet, Gopher, FTP und meinetwegen E‑Mail unterscheidet; ab und zu mal auf deren Existenz hinzuweisen kann aber, glaubt man dem Kommentariat unter besagtem Artikel, auch für Zeitgenossen nützlich sein, wenn schon nicht für die Nachwelt. Hiermit mal wieder erledigt.


Full ACK!
Leicht OT:
Oh, Mozilla hat das Usenet in Thunderbird noch nicht kaputtgemacht?
Das überrascht mich jetzt.
P.s. Ob ich nochmal ins usenet schaue? Wenn ich nicht an mir halten kann und es genauso Scheisse is wie vor 10 Jahren, bist Du Schuld!!!11 (oder diese komische Google-Kuchentrulla oder beide).
Anzeige is raus!!11
Ich weiß es gar nicht. Ich habe Thunderbird zuletzt angefasst, als Enigmail für GnuPG gerade das große Ding war, und das lief so hervorragend, dass ich es postwendend deinstalliert hatte.
Enigmail Schmenigmail, was hältst Du davon, dass Mozilla das Usenet noch nicht kaputtgemacht hat? Das ist doch absurd? Das bindet doch Entwicklerkapazitäten von dem einen Entwickler? Ich versteh das nicht.
Es sollte mich wundern, wenn die Führungsetage von LOLzilla das Usenet überhaupt kennt. Außer für Warez.
Mich beschäftigt vor allem die Erleichterung darüber, dass de.rec.mampf noch existiert. Das Usenet ist offenbar in einen Zustand eingetreten, den man sonst von sehr alten Verwandten kennt: Man hört längere Zeit nichts und ist dann angenehm überrascht, dass alles noch da ist.
Noch schöner ist die Vorstellung, Google habe eine Newsgroup „versenkt“. Das setzt voraus, dass etwas aufhört zu existieren, sobald Google es nicht mehr ordentlich findet.
Vielleicht ist das der eigentliche Reiz des Usenet: Es braucht keine Aufmerksamkeit, keinen Algorithmus und offenbar nicht einmal das Wohlwollen moderner Plattformen.
Man meldet sich an, nimmt einen Newsreader und liest.
Für 2026 ist das beinahe schon subversiv. 🦌
Und vor allem werbefrei. Ein weithin unterschätztes Gut.
(Natürlich ist das Usenet voller Algorithmen. Inzwischen glaube ich aber, wir brauchen ein neues Wort dafür. Das Wort „Algorithmus“ scheint inzwischen mit Algorithmen nicht mehr viel zu tun zu haben, sonst hätten die Leute nicht so eine Angst davor.)
Moderne Plattformen wären schön doof, die Leute wegzulotsen. Da gehen ja dann Einnahmen flöten. (Siehe auch: Qualitätspresse, die niemals verlinkt.)
Strategischer Schachzug. de.rec.mampf löschen und das Usenet aushungern.
Monster!