In den NachrichtenComputerPolitik
Byte­ge­schos­se

Nach all dem Ärger mit den nicht funk­tio­nie­ren­den Geweh­ren zieht, so liest man, unse­re Lieb­lings­mi­ni­ste­rin Ursu­la von der Ley­en die ein­zig logi­sche Kon­se­quenz und ver­knüpft ihr jah­re­lan­ges ziel­lo­ses Enga­ge­ment gegen Böse­wich­te im Inter­net mit ihrem jah­re­lan­gen ziel­lo­sen Enga­ge­ment gegen Böse­wich­te in der frei­en Natur:

Der Cyber-Krieg, sagt die Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­rin, sei „inde­ed very important“. (…) Um Fak­tor fünf sei­en die feind­li­chen Attacken auf indi­sche Com­pu­ter-Netz­wer­ke gestie­gen, schon 2013 habe man den Scha­den auf vier Mil­li­ar­den Dol­lar geschätzt, Ten­denz stei­gend. (…) Des­halb habe man (mit dem indi­schen Pre­mier­mi­ni­ster, A.d.V.) ver­ein­bart, „sehr viel enger zusam­men­zu­ar­bei­ten“, um den neu­en Krieg zu gewin­nen.

Frau von der Ley­en, die vor ein paar Jah­ren trau­ri­ge Cyber-Berühmt­heit erlangt hat und nun der Bun­des­wehr vor­steht, möch­te aus der Bun­des­wehr also nun Cyber-Krie­ger machen. Film­freun­de, die nun an „Tron“ den­ken, lie­gen aber wahr­schein­lich falsch:

Gleich­zei­tig will sie die Bun­des­wehr mit indi­scher Exper­ti­se bes­ser für Com­pu­ter-Angrif­fe rüsten, ein Aus­tausch­pro­gramm ist ange­dacht. (…) Seit Mona­ten plant ihr Haus eine Art Kom­pe­tenz­team für den elek­tro­ni­schen Krieg.

Wer schon ein­mal im EDV-Bereich mit Indern zu tun hat­te, der wun­dert sich viel­leicht ein biss­chen über den Begriff des Kom­pe­tenz­teams, ist jene doch in deren Hei­mat­land zwar preis­wert, aber oft auch nicht gera­de über­wäl­ti­gend gut; sei’s drum: In einer Zeit, in der Deutsch­land nur noch in der Vasal­len­rol­le Krieg spie­len darf, bis das näch­ste Koso­vo sich erhebt, ist jedes Mit­tel recht, um nicht die Mit­tel zu ver­lie­ren.

Was hat sie denn eigent­lich im Sinn? Nun, natür­lich noch Ille­ga­les:

Für eine ech­te Abwehr, die nur durch akti­ve Attacken auf feind­li­che Rech­ner funk­tio­nie­ren kann, gibt es bis­her kein Man­dat.

Angriff. Ver­tei­di­gung. Wir sind Kol­la­te­ral­scha­den, müs­sen künf­tig nicht nur die NSA, den BND und die Chi­ne­sen, son­dern oben­drein digi­ta­les Mili­tär fürch­ten, das dann wenig­stens – hof­fent­lich – wie gewohnt dane­ben­schießt.

Von einem „High­tech-Krieg gegen Com­pu­ter-Viren“ ist in der Ein­lei­tung auf „SPIEGEL ONLINE“ die Rede. Win­zi­ge Pan­zer, die das Inter­net durch­fah­ren, sind zumin­dest, vom Ernst der Lage abge­se­hen, eine amü­san­te Vor­stel­lung. Viel­leicht sind auch win­zi­ge Sol­da­ten an Bord, die jedem Virus, des­sen sie hab­haft wer­den, ein Stopp­schild vor die win­zi­ge Nase set­zen. Damit die Viren wis­sen, dass sie da nicht durch­dür­fen.

Ich blei­be aber bei mei­ner Posi­ti­on, dass das Inter­net kein rechts­frei­er Raum ist und die Frei­heit der Mas­sen­kom­mu­ni­ka­ti­on Gren­zen hat, wo die Wür­de ande­rer Men­schen ver­letzt wird.
Ursu­la von der Ley­en (CDU), 2009

In den NachrichtenSpaß mit Spam
hal­lo geschafts­vor­schlag

Auf SPIEGEL ONLINE wun­dert sich Chri­sti­an Stöcker heu­te offen­bar völ­lig uniro­nisch:

Spam, Phis­hing, Über­wa­chung – die E‑Mail ist uner­träg­lich und trotz­dem immer noch da.

So geht’s mir mit Chri­sti­an Stöcker zwar auch, aber mich bezahlt natür­lich kei­ner für sol­che Emp­fin­dun­gen. Man muss sich Chri­sti­an Stöcker als einen Men­schen vor­stel­len, der aus­schließ­lich Spam- und Phis­hing­mails bekommt und es nicht irgend­wie merk­wür­dig fin­det, sich auf einer track­ing­durch­setz­ten Web­site wie SPIEGEL ONLINE über die Über­wa­chung mit­tels E‑Mails zu empö­ren.

Dabei ist E‑Mail auch ein Medi­um für das Knüp­fen von Geschäfts­be­zie­hun­gen. Mich erreich­te zum Bei­spiel heu­te fol­gen­der Kon­takt­ver­such:

geschafts­vor­schlag

Krea­ti­ve Anre­den för­dern die Auf­merk­sam­keit des Lesers. Gut gemacht!

Grüß Gott

Ah, ein Süd­deut­scher schreibt. Oder?

Ich bin mit die­sem Medi­um, um Sie über die Trans­ak­ti­on zur Abga­be von $21.500.000 (Ein­und­zwan­zig Mil­lio­nen fünf­hun­dert­tau­send Euro) in mei­ner Bank in Chi­na, Sie als Emp­fän­ger zu infor­mie­ren.

Schlim­me Gram­ma­tik, merk­wür­di­ger Umrech­nungs­kurs, Bank im Aus­land – ja, ein­deu­tig ein Süd­deut­scher.

Es wird zu 100% sicher, dass der Finanz­vor­stand des ver­stor­be­nen Kun­den.

Es ist zu 100% sicher, dass der Ver­fas­ser.

Bit­te auf mei­ne pri­va­te E‑Mail: sangchin24@gmail.com, für wei­te­re
Infor­ma­tio­nen.

Ich schrei­be prin­zi­pi­ell nie­man­dem an eine Goog­le-Mail-Adres­se. SPIEGEL ONLINE sagt, da wer­de ich über­wacht.

Dann eben nicht.


Ach, die „Homo-Ehe“, also die Hoch­zeit zwei­er Men­schen glei­chen Geschlechts, treibt die Medi­en mal wie­der um. Von einer „Gleich­be­rech­ti­gung“ sei die Rede, die geför­dert wer­de, wenn man statt einer nun sogar zwei ver­schie­de­ne Lebens­part­ner­schaf­ten lega­li­siert. Was aber soll das für eine Gleich­be­rech­ti­gung sein, in der ein Mann nicht ein­mal sei­ne Loko­mo­ti­ve hei­ra­ten darf?

MusikPolitikIn den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Nach­rich­ten­über­blick, 23. Mai 2015

Die Frie­dens­of­fen­si­ve der Bun­des­re­gie­rung geht wei­ter: Auch das neue Leu­te­tot­schieß­ge­rät der Bun­des­wehr funk­tio­niert nicht.


Mozil­la sei wich­tig für „unser offe­nes Netz“, heißt es. Wie offen? So offen:

Mozil­la möch­te (…) bewei­sen, dass rele­van­te Wer­bung auch dann mög­lich sei, wenn die Pri­vat­sphä­re der Nut­zer geach­tet wer­de (…).

Unge­fragt als wil­li­ger Emp­fän­ger von Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen, als Kun­de statt als Nut­zer ange­se­hen zu wer­den fühlt sich natür­lich gleich viel bes­ser an, wenn nie­mand erfährt, dass man es wird.


Ande­rer­seits sind ent­rech­ten­de Kon­zer­ne gera­de wie­der ein­mal im Auf­wind: Der augen­schein­lich Kun­den ver­ach­ten­de Scheiß­kon­zern Sony (der mit den Inter­net­sper­ren und den Tro­ja­nern auf an Kun­den aus­ge­lie­fer­ten Ton­trä­gern) hat­te mit dem Eigen­tum ableh­nen­den Unter­neh­men Spo­ti­fy einen zumin­dest von 2011 bis 2014 gül­ti­gen Ver­trag abge­schlos­sen, dem zufol­ge nicht nur – wie in Fire­fox – viel­fach Wer­be­flä­che ver­mie­tet wer­den soll­te, son­dern auch Ein­nah­men abge­tre­ten wer­den muss­ten:

Als eigent­li­che Tan­tie­men muss­te Spo­ti­fy min­de­stens 60 Pro­zent sei­nes Brut­to­um­sat­zes an die Label aus­schüt­ten. (…) Dabei wur­den 0,225 bis 0,25 Dol­lar-Cent je wer­be­fi­nan­zier­tem Stream, plus drei Dol­lar pro Monat und nor­ma­lem Abon­nen­ten, plus sechs Dol­lar und Monat je Pre­mi­um-Abon­nen­ten ver­an­schlagt. Die­se Sät­ze gal­ten auch dann, wenn ein Abon­nent Spo­ti­fy in einem Monat über­haupt nicht genutzt hat­te.

Die nied­ri­ge anbie­ter­sei­ti­ge Ent­loh­nung von Musi­kern, über deren Höhe seit Jah­ren geschimpft wird, ist also nicht ein­mal unbe­dingt pri­mär die Schuld derer, die sich in sol­che Kne­bel­ver­trä­ge fügen müs­sen, um ihr Ange­bot erwei­tern zu kön­nen. Nichts­de­sto­trotz ist der tat­säch­li­che Besitz von Musik auch aus die­sem Grund eine gute Idee – es sieht nicht nur schö­ner im Regal aus, man trägt zudem weni­ger zur Aus­beu­tung der Inter­pre­ten bei.


Deutsch­land fie­bert mit: Heu­te Abend wer­den wir alle wie­der ein­mal durch einen herz- und belang­lo­sen eng­lisch­spra­chi­gen Schla­ger im Aus­land ver­tre­ten. Freut ihr euch auch schon so sehr wie ich?

In den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt: Das biss­chen Über­wa­chung.

Die Gewerk­schaft der Lok­füh­rer, so liest man vie­ler­orts, habe jeden Grund zu strei­ken, da die Deut­sche Bahn AG ihre gigan­ti­schen Ein­nah­men für eige­ne Zwecke hor­te, statt sie unter ihren Mit­ar­bei­tern auf­zu­tei­len. Nun ver­fü­ge die Gewerk­schaft der Lok­füh­rer aller­dings selbst über mehr Geld, als sich (…) die Rei­sen­den wün­schen, das für die Streiks gehor­tet wer­de (zumal’s sowie­so um Schlim­me­res geht), statt es unter den Mit­glie­dern auf­zu­tei­len, gab ihr Vor­sit­zen­der zu Pro­to­koll. Viel­leicht ist dies ein guter Anlass, ein­mal die Prio­ri­tä­ten der Gewerk­schaft zur Dis­kus­si­on zu stel­len.

Das muss aber noch ein wenig war­ten, denn eine ande­re Mel­dung erreg­te mei­ne Auf­merk­sam­keit: Abge­ord­ne­te fürch­ten: Ame­ri­ka­ni­sche Geheim­dien­ste grei­fen uns an, was mich einer­seits freut, denn zwei Jah­re nach Snow­den und Jahr­zehn­te seit Aus­bruch des Kal­ten Krie­ges wäre es doch ein wenig beschä­mend, wür­de man sich im Bun­des­tag noch immer gegen die Vor­stel­lung weh­ren, aus­län­di­sche Geheim­dien­ste wür­den in Deutsch­land Geheim­dienst­ar­bei­ten ver­rich­ten (einen „Feh­ler“ nennt man das sei­tens der deut­schen Hand­lan­ger lapi­dar); ande­rer­seits hät­ten die Abge­ord­ne­ten dann aber schon gern die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, also die anlass­lo­se Total­über­wa­chung der Kom­mu­ni­ka­ti­on ihrer Bür­ger, denn Aus­hor­chen ist hier immer noch Chef­sa­che. Der Staat ver­traut euch nicht und ihr dem Staat eben auch nicht; aber was juckt es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr scheu­ert? Die Revo­lu­ti­on der lei­sen Töne schei­tert seit ’68. Ich wer­de zu eurer Sicher­heit video­über­wacht, ver­kün­det ein Schild in einer Fast-Food-Filia­le.

BND-Affä­re drückt Ver­trau­en in Mer­kel, es mögen die Bedrück­ten künf­tig wie­der SPD wäh­len, denn die hat ein biss­chen mehr Ver­trau­en drin­gend nötig. Ande­rer­seits: Die F.D.P. ist wie­der da, die in der Zeit, als der umstrit­te­ne US-ame­ri­ka­ni­sche Mili­tär­stütz­punkt „Dag­ger Com­plex“ gebaut wur­de, den Bun­des­prä­si­den­ten stell­te und sich über sech­zig Jah­re spä­ter frag­te, was die da eigent­lich genau machen.

Hier, die­ser Ame­ri­ka­ner da, der irgend­was von Über­wa­chung faselt: Lasst den mal nicht in Deutsch­land aus­sa­gen. Aber was ist mit unse­ren Com­pu­tern los?

:facepalm:

Netzfundstücke
Auf den Punkt

Habt ihr mor­gen ab 19:30 Uhr schon etwas vor? Anson­sten hat das Maga­zin „Leben!“ („Fach­zei­tung für Gesund­heit Well­ness, (sic!) gei­sti­ges Hei­len, Psy­cho­lo­gie, Pra­xis-Infor­ma­tio­nen und Erfolgs­trai­ning“), das bereits Kory­phä­en wie Gesa Rusche („Ho’o­po­no­po­no“, das „Ver­ge­bungs­ri­tu­al spe­zi­ell für die Wir­bel­säu­le“) und Anke Wei­mer („Über­tra­gung der Er-Lösungs-ener­gien aus dem Chri­stus­licht­feld“) eine Büh­ne bie­ten durf­te, ein Ange­bot für euch, das ihr nicht aus­schla­gen könnt:

Access The BARS® Alles im Leben kommt zu mir mit Freu­de, Leich­tig­keit uns Herr­lich­keit
sanf­te Berüh­rung von 32 Punk­ten am Kopf Blocka­den lösen so ein­fach wie “LÖSCHEN” drücken am PC

(Recht­schrei­bung und krea­ti­ve Zei­chen­set­zung unver­än­dert.)

Aus lang­jäh­ri­ger Erfah­rung mit PCs und Leu­ten, die einen sol­chen benut­zen, kann ich berich­ten, dass das Drücken von „Löschen“ nicht nur schwer ver­ständ­lich („woher weiß der denn dann, dass er nicht den gan­zen Com­pu­ter löschen soll?“), son­dern oben­drein manch­mal gar nicht so ein­fach durch­zu­füh­ren ist. Mei­ne Tasta­tur hat jeden­falls kei­ne Taste namens „Löschen“.

Aber das ist nicht genug Meta­ebe­ne, denn es geht um ein heh­res Ziel:

Es gibt eine Mög­lich­keit, die Gedan­ken, Vor­stel­lun­gen, Stand­punk­te, Sicht­wei­sen und Emo­tio­nen, die uns davon abhal­ten, ein Leben in Freu­de, Leich­tig­keit und Fül­le zu leben, ganz ein­fach zu ver­än­dern. (…) Dabei hal­ten wir bei unse­ren Kli­en­ten im ent­spann­ten Lie­gen 32 Punk­te am Kopf, die bestimm­ten Lebens­be­rei­chen zuge­ord­net sind und lösen gespei­e­cher­te Limi­tie­run­gen aus allen Lebens­zei­ten ein­fach auf.

Um näm­lich Fol­gen­des zu errei­chen:

• mehr Freu­de und Frie­den
• mehr Wohl­be­fin­den
• gestei­ger­tes Wohl­be­fin­den

Freu­de! Frie­den! Mehr Wohl­be­fin­den, und das auch noch gestei­gert! Da könn­te man ja fast die Dro­gen weg­las­sen, bräuch­te man sie nicht, um die­sen Irr­sinn noch irgend­wie ertra­gen zu kön­nen.

„Access The BARS®“. „Geht an die Bars“. Ein­ge­tra­ge­nes Waren­zei­chen. Pro­sit.

If you were a Hin­du, I could aim for the dot.
Blood­hound Gang: Yum­my Down On This

MusikIn den Nachrichten
WiMP, TIDAL, Groo­veshark: Das neue Über­all?

Apro­pos Musik.

Letz­te Woche bemerk­te auch der ten­den­zi­ell eher lang­sa­me Nach­rich­ten­dienst golem.de, dass die kal­ku­lier­te Ent­wer­tung von Musik durch ver­meint­lich attrak­ti­ve Ver­mie­tung an Leu­te, denen der Besitz von Musik einst eini­ges bedeu­te­te, ein Geschäfts­mo­dell ist, des­sen Belie­big­keit es nach und nach zer­stö­ren wird: „Spo­ti­fy schreibt tief­ro­te Zah­len, die ersten Dien­ste machen dicht“ oder wer­den wie WiMP von skru­pel­lo­sen Unter­neh­mern auf­ge­kauft und mit einem häss­li­chen Namen neu gelauncht (übli­cher­wei­se launcht man im anglo­pho­nen Raum ja auch Rake­ten und ähn­li­che Tötungs­din­ge). Im Fal­le von WiMP – ein Dienst, um den es wirk­lich scha­de ist, immer­hin gibt es dort ein Ange­bot zum Strea­men im FLAC-For­mat – wur­de nicht nur der Name häss­lich.

TIDAL

„Available on all systems“, „ver­füg­bar auf allen Syste­men“, sei TIDAL, und wäh­rend das für WiMP noch stimm­te, ist das, was man bei TIDAL unter „allen Syste­men“ ver­steht, nur ein biss­chen depri­mie­rend. Best view­ed with Inter­net Explo­rer 4. Viel­leicht ändert sich das ja noch. – Wäh­rend­des­sen trotzt der von mir bereits mehr­fach erwähn­te Dienst Groo­veshark stür­mi­schen Gezei­ten: Nach einer Zwangs­räu­mung hat ein angeb­lich ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter zunächst unter altem Namen eine schreck­li­che Kopie mit stark ein­ge­schränk­ter Funk­tio­na­li­tät ins Netz gestellt; unklar bleibt, was folgt.

Auf golem.de wird abschlie­ßend ein Mana­ger des längst durch­kom­mer­zia­li­sier­ten Dien­stes Nap­ster zitiert:

Der Kun­de möch­te nicht vor­ge­schrie­ben bekom­men, wie und wo er sei­ne Musik nut­zen kann.

Und das, genau das ist der Grund, war­um der Besitz von Musik Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft blei­ben wird.

In den NachrichtenMontagsmusik
John McLaugh­lin & The 4th Dimen­si­on (live)

Hi.GEHEIMDIENSTE SIND MÖRDER! GEHEIMDIENSTE SIND ÜBERFLÜSSIG! GEHEIMDIENSTE GEHÖREN ABGESCHAFFT! GEHEIMDIENSTE SIND SCHEI- was?

Der Bun­des­nach­rich­ten­dienst soll den Ame­ri­ka­nern einen ent­schei­den­den Hin­weis gege­ben haben, der zur Ermor­dung Ergrei­fung von Osa­ma Bin Laden führ­te.

GEIL! GEHEIMDIENSTE HELFEN BEIM MEUCHELN BÖSER MENSCHEN! MEHR GEHEIMDIENSTE JETZT!

:aufsmaul:

Kri­sen­jazz! Schnell!

Guten Mor­gen.

SonstigesIn den NachrichtenMir wird geschlecht
[TW: GNTM]

Bis­lang war ich der Ansicht, die grau­en­haf­te Fern­seh­sen­dung „Germany’s Next Top­mo­del“, in der ent­ge­gen ihrem Namen aller­lei eher mit­tel­mä­ßig aus­se­hen­de jun­ge Frau­en ohne Scham- oder Selbst­wert­ge­fühl dar­um wett­ei­fern, sich für die maxi­ma­le Dau­er einer Staf­fel nach Kräf­ten bla­mie­ren zu dür­fen, belei­di­ge ledig­lich die Intel­li­genz der Zuschau­er, Ver­wand­ten und Teil­neh­me­rin­nen. Offen­sicht­lich ist mir da ein wich­ti­ger Aspekt ent­gan­gen, wie mir die Fol­gen der gest­ri­gen Bom­ben­dro­hung – als wäre die nicht schon bescheu­ert genug – auf­ge­zeigt haben:

Die Jury – samt Tho­mas Hayo und Wolf­gang Joop – soll an einem gehei­men Ort unter­ge­bracht wor­den sein. (…) Zunächst sei auch ihnen von einer „tech­ni­schen Stö­rung“ berich­tet wor­den, erst etwa 20 Minu­ten nach dem Abbruch sei mit der Eva­ku­ie­rung der Hal­le begon­nen wor­den, sagt der Insi­der unter Beru­fung auf einen Publi­kums­gast. (…) „Wenn die 10.000 Men­schen ver­recken, ist es nicht so schlimm, wie wenn die Pro­mis (sic! A.d.V.) ver­recken“, sag­te dem­nach eine 23-Jäh­ri­ge aus Lud­wigs­ha­fen.

Zumin­dest kann man den Machern der Sen­dung nicht vor­wer­fen, ihren Zuschau­ern vor­zu­spie­len, sie sei­en ihnen wich­tig und kein aus­tausch­ba­res Ele­ment im Kon­zept, weil’s ja eben schon egal ist, wie die Kin­der hei­ßen, die ihr Taschen­geld für den Unsinn ver­plem­pern.

Apro­pos ver­plem­pern: Hat Hans-Peter Uhl eigent­lich schon die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gefor­dert?


Trig­ger­war­nung des Tages: Latei­ni­sche Klas­si­ker.

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik: Daten zäh­len mit der ZEIT

Kai Bier­mann stell­te auf ZEIT ONLINE gestern im Zusam­men­hang mit den immer sump­fi­ge­ren Untie­fen der Spio­na­ge durch unse­re ame­ri­ka­ni­schen Freun­de (c/o SPD, schon mehr­fach dabei, bit­te nicht wie­der wäh­len) die rich­ti­ge Fra­ge:

Aber wie vie­le Daten lie­fert der BND als Ergeb­nis an die Ame­ri­ka­ner?

„Wie vie­le?“ ist bekannt­lich eine Fra­ge nach der Stück­zahl. Ein guter Jour­na­list wür­de viel­leicht nun in Erfah­rung brin­gen wol­len, was für Daten aus­ge­tauscht wur­den und um wel­ches Grö­ßen­ver­hält­nis es geht; aber die Anzahl – rele­vant! – ist ja auch mal schön. Also, Kai Bier­mann, wie vie­le waren’s denn?

ZEIT ONLINE hat­te bereits im Febru­ar auf­ge­deckt, dass der BND in aller Welt unge­fähr 220 Mil­lio­nen Meta­da­ten pro Tag abhört und spei­chert. (…) Laut (…) neu­en Akten wer­den „bis zu 1,3 Mil­li­ar­den Daten pro Monat“ wei­ter­ge­schickt.

Die Zahl sieht jetzt zwar schön kon­kret und recher­chiert aus, aber sie ent­hält kei­ne tat­säch­li­che Infor­ma­ti­on. Wie vie­le „Daten“ ent­hält mei­ne IP-Adres­se, wie vie­le „Daten“ bil­den die über mich gespei­cher­ten Infor­ma­tio­nen ab? Sind „Daten“ Daten­sät­ze, Wör­ter oder Zei­chen? Wie vie­le Gelds kostet die Über­tra­gung einer Date den Staat pro Stück? Was Kai Bier­mann ver­mut­lich aus­drücken woll­te: Es sind bereits ver­gleichs­wei­se vie­le Byte zwi­schen BND und NSA aus­ge­tauscht wor­den. Lei­der schreibt er nicht auf, wor­auf sich die­ser Ver­gleich bezieht, wohl aber zumin­dest einen vagen Anhalts­punkt:

Außer­dem erstellt der BND aus abge­saug­ten Daten und Inhal­ten „Mel­dun­gen“ genann­te Berich­te, die er an ver­schie­de­ne Stel­len schickt. (…) Das wären ins­ge­samt 1.317 Mel­dun­gen, die eben­falls auf Selek­to­ren basier­ten und 2012 an aus­län­di­sche Geheim­dien­ste oder an die Afgha­ni­stan-Trup­pe Isaf gesandt wur­den. Für 2013 ist die Zahl ähn­lich hoch.

„Mel­dun­gen“ bestehen also aus die­sen vie­len „Daten“ und eben­falls unklar defi­nier­ten „Inhal­ten“. Ange­nom­men, die 220 Mil­lio­nen „Daten“ wür­den zu einem gro­ßen Teil zu „Mel­dun­gen“ ver­ar­bei­tet, so ist die Zahl 1.317 über­ra­schend klein. Ent­we­der sind „Mel­dun­gen“ sehr groß oder „Daten“ tat­säch­lich sehr klein. Der Leser erfährt hier also drei­er­lei:

  1. Der deut­sche Geheim­dienst BND lei­stet Geheim­dienst­ar­beit.
  2. Es wer­den Din­ge in gro­ßer Stück­zahl ver­sen­det.
  3. Der Ver­sand erfolgt in Pake­ten namens „Mel­dung“.

Wie es heißt, gehör­te es ein­mal zum Selbst­ver­ständ­nis eines Jour­na­li­sten, nicht vor­han­de­ne Infor­ma­tio­nen auch nicht auf­zu­schrei­ben. Aber was beklag‘ ich mich – es hät­te immer­hin auch in Fuß­ball­fel­dern ange­ge­ben wer­den kön­nen.


Was machen die­je­ni­gen Pira­ten, die aus lin­ken Grün­den die Par­tei ver­las­sen haben, inzwi­schen eigent­lich so? Nun, eini­ge von ihnen (etwa der hier) enga­gie­ren sich laut ihren Twit­ter­pro­fi­len nun in Ver­ei­nen wie der „Eman­zi­pa­to­ri­schen Lin­ken“. Das sind die hier:

Honig im Kopf

Damit dürf­te auch erklärt sein, wie­so eine als Nerd­par­tei gegrün­de­te Gemein­schaft eigent­lich plötz­lich ein „bedin­gungs­lo­ses Grund­ein­kom­men“ gefor­dert hat. Sein Geld mit Arbeit zu ver­die­nen ist offen­sicht­lich uneman­zi­pa­to­risch. :aufsmaul:

In den NachrichtenMontagsmusik
Cic­ca­da (live)

SonnenkauzErnüch­ternd: Ein Mon­tag. Die Rufe der Käuz­chen hei­ßen nicht grund­los Schreie. Apro­pos: Die „Schles­wi­ger Nach­rich­ten“ (wol­len dank LSR nicht mehr ver­linkt wer­den) berich­te­ten am Sonn­abend, die GEMA habe die Schlie­ßung eines Senio­rensing­krei­ses, in des­sen Rah­men Klas­si­ker wie „Hoch auf dem gel­ben Wagen“ into­niert wür­den, zu ver­ant­wor­ten, da es sich um eine uner­laub­te öffent­li­che Auf­füh­rung hand­le. Recht­lich gese­hen ist die­se Auf­fas­sung zutref­fend, recht­lich gese­hen ist aller­dings eine ange­mes­se­ne Reak­ti­on auf die Exi­stenz der GEMA auch unzu­läs­sig.

Hören wir statt­des­sen lie­ber ein paar talen­tier­ten Grie­chen zu.

Cic­ca­da live @ Music Works – 25/6/2011 – part 2

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Brem’s bes­se­re Hälf­te

Vor eini­gen Jah­ren sah ich in einer nie­der­säch­si­schen Stadt das Graf­fi­to „Grün wie Gras und weiß wie Schnee / das ist der SV Wer­der Bre­men“. In den fol­gen­den Jah­ren lern­te ich, dass die letz­te Sil­be des Namens des Lan­des Bre­men tat­säch­lich eigent­lich nur geschrie­ben exi­stiert und ihre Aus­spra­che qua­si belie­big scheint. In die­sem facet­ten­rei­chen Land fand heu­te wie­der ein­mal eine Bür­ger­schafts­wahl – Land­ta­ge sind sooo Nord­rhein-West­fa­len – statt, an der unge­fähr die Hälf­te der wahl­be­rech­tig­ten Bür­ger teil­nahm; die ande­re Hälf­te ist ver­mut­lich über­wie­gend die­je­ni­ge, die in den kom­men­den vier Jah­ren wie­der Leser­brief­spal­ten mit dem Satz „die da ohm machen doch eh, wat­se woll’n“ in ver­schie­de­nen Varia­tio­nen fül­len wird. Dafür spricht eine aktu­el­le Umfra­ge:

TODO

„Ich gehe bewusst nicht zur Wahl, um mei­ne Unzu­frie­den­heit mit der Poli­tik zu zei­gen“ (jetzt haben sie es denen da oben aber mal so rich­tig gezeigt!) ist wahr­schein­lich das Blö­de­ste, was jemals ein Bre­mer in ein Mikro­fon hin­ein­ge­spro­chen hat; zudem ist es eigent­lich ziem­lich ärger­lich, denn wer nicht wählt, wählt Hit­ler oder Schlim­me­res:

Seit dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs stellt die SPD in Bre­men den Bür­ger­mei­ster – und das bleibt offen­bar auch in den näch­sten vier Jah­ren im klein­sten deut­schen Bun­des­land so.

Von Ber­lin zu ler­nen heißt sicher auch irgend­was. In Stadt­staa­ten wählt man heut­zu­ta­ge selt­sam. Die F.D.P. ist auch wie­der da, was den Par­tei­vor­sit­zen­den zu ver­mu­ten ver­an­lass­te, die F.D.P. habe „den Nerv der Stadt getrof­fen“, und wer schon mal beim Zahn­arzt war, der hat jetzt eine unge­fäh­re Vor­stel­lung davon, was Chri­sti­an Lind­ner für wäh­lens­wert hält. Aus dem Wie­der­erstar­ken der F.D.P. zieht vor allem die AfD einen Nach­teil, aus deren Dunst­kreis nun viel­fa­che Gerüch­te zu hören sind, Bernd Lucke, der pro­mi­nen­te­ste ver­blie­be­ne Ver­tre­ter des libe­ra­len Par­tei­flü­gels, pla­ne sei­nen Aus­tritt oder auch nicht. Die Geschich­te der Pira­ten­par­tei durch­läuft die AfD im Zeit­raf­fer.

Wir wis­sen, wohin das noch füh­ren wird.

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The Hirsch Effekt: holon : agno­sie / Die Devo­lu­ti­on der Pop­mu­sik

Musik, die wir hören, Musik, die uns begei­stert; je neu­er sie ist, desto schlech­ter scheint sie zu wer­den. Stimmt das? Gemäß einer jüngst ver­öf­fent­lich­ten Stu­die über die Ent­wick­lung der Pop­mu­sik in der schlim­men US-ame­ri­ka­ni­schen Hit­pa­ra­de von 1960 bis 2010 zumin­dest zum Teil: Zwar scheint der New Wave end­lich über­wun­den, aber auch der Jazz geht zurück.

Genres

Der Trend geht zur Ver­fla­chung. Der Kropf links und in den charts ist der Hip-Hop. Woher die Ret­tung neh­men?

The-Hirsch-Effekt-Holon-AgnosieDie Ret­tung kann nur in Schü­ben erfol­gen. Auch aus Deutsch­land? Ach, Hele­ne Fischer und Hei­no; nein, Han­no­ver. Doch, wirk­lich! Das ver­rück­te Trio The Hirsch Effekt, das hier schon häu­fi­ger The­ma war, schließt in die­sem Jahr mit „holon : agno­sie“ („das Sei­en­de: Erkennt­nis“) sei­ne erste Alben­tri­lo­gie wür­dig ab. Im April 2014 kün­dig­ten die Musi­ker an, das drit­te Album wer­de „ein­gän­gi­ger“, sie wür­den ja auch nicht jün­ger. Zum Glück haben sie ihre Dro­hung nur sehr kurz wahr­ge­macht.

Du wirst Staub / bap bap bad­ap, bap bap bad­ap,
wie ich auch / bap bap bad­ap, bap bap bad­ap
Bezoar

Es gab bei allen Ähn­lich­kei­ten inklu­si­ve der kryp­ti­schen Lied­ti­tel aller­dings tat­säch­lich eini­ge Ände­run­gen bei The Hirsch Effekt: Phil­ipp Wen­de gab kurz nach der Ver­öf­fent­li­chung von „holon : ana­mne­sis“ das Schlag­zeug an Moritz Schmidt ab und die Tex­te haben fast ver­ges­sen, dass der Ich-Erzäh­ler 2010 noch sei­ner Ver­flos­se­nen nach­ge­weint hat. Wie einst King Crims­on voll­zie­hen auch The Hirsch Effekt auf „holon : agno­sie“ eine Hin­wen­dung zur Gesell­schafts­kri­tik, exem­pla­risch etwa aus­zu­ma­chen in „Jayus“ („Statt nach links und rechts / guckt jeder nur / in sei­ne Scheiß-Hand“, die gra­s­ses­quen Zei­len­um­brü­che sind Teil des Kon­zepts). Dank­bar ist man den drei Her­ren dann zumin­dest für das Text­blatt, denn wo auf dem Debüt noch zu sach­ten Melo­dien geschwelgt wur­de, gibt’s inzwi­schen das vol­le Brett.

Die Agno­sie, gleich­sam eine Erlö­sung, ist trotz all­dem beherr­schen­des The­ma. Genug der inver­tier­ten Trau­er. Dass „Fixum“, der Abschluss des eigent­li­chen „Holon“-Themas, bereits seit über einem Jahr auf Kon­zer­ten zu hören war und somit wohl das älte­ste Lied auf dem Album ist, mag erklä­ren, wie­so es den ele­gan­ten Brücken­schlag von den „alten“ zu den „neu­en“ Lie­dern schafft:

Schau dich noch zwei­mal /
jetzt um und /
lass bloß nichts lie­gen /
wenn du gehst /
Jedes Ende /
hat sei­nen /
Preis

Ein­gän­gig? Ach, woher denn! Es math­rockt die Gitar­re, dass man vor lau­ter Takt­zäh­len ver­gisst, sich beim Sitzt­an­zen nicht weh­zu­tun. Han­no­ver. Da kriegt man frü­her oder spä­ter einen Hasch­mich.

Die Zumu­tung des Jah­res und schon jetzt eines der Alben des­sel­ben, aber hal­lo. Und das Vinyl ist auch noch hübsch. Rein­hö­ren? Rein­hö­ren!

Rockt.