In den NachrichtenPolitik
Diese Barbaren!

Apro­pos “SPIEGEL ONLINE” (und, wie üblich, die “Grü­nen”):

“Bedenkt man, wie leicht Senf- und Chlor­gas zu schmuggeln sind und dass diese Bar­baren immer mehr auf Ter­ror auch im West­en set­zen, dann ist das alarmierend”, meint der Grü­nen-Sicher­heit­spoli­tik­er Omid Nouripour.

…, meint Markus Beck­er, Brüs­sel, und will damit vielle­icht sagen, dass Omid Nouripour die Bar­barei eines Kriegs mit ein­er Vielzahl an zivilen Todes­opfern, wie zum Beispiel eine von USA, Frankre­ich und Großbri­tan­nien unter­stützte “Koali­tion” unter der Führung Sau­di-Ara­bi­ens ihn im Jemen führt, nur dann für alarmierend hält, wenn Senf- und Chlor­gas zum Ein­satz kom­men, weil das Zer­fet­ztwer­den ja meist recht schnell und darum unbar­barisch geschieht: Klappe auf, Bombe runter, Explo­sion, Kör­p­er zerteilt, alle Bösen (Gute gehen bekan­ntlich nicht dahin, wo Bomben hin­fall­en) tot. Das ist nicht bar­barisch, das ist effizient!

Zwar wisse nie­mand genau, wie hoch die Wahrschein­lichkeit für einen Ter­ro­ran­schlag mit Massen­ver­nich­tungswaf­fen sei, sagt Browne (ehem. britis­ch­er Vertei­di­gungsmin­is­ter, A.d.V.). Allerd­ings wächst unter Experten die Sorge darüber, dass der IS wegen der Serie von Nieder­la­gen im Nahen Osten aus Verzwei­flung zu Massen­ver­nich­tungswaf­fen greifen kön­nte.

Die der IS ander­er­seits ver­mut­lich eben­falls dort besorgt hat, woher ein großer Teil seines übri­gen Arse­nals stammt; aus Sau­di-Ara­bi­en näm­lich, das sein­er­seits ger­ade ver­sucht, durch das Meucheln möglichst viel­er jemeni­tis­ch­er Zivilis­ten (vul­go: “Frauen und Kinder”) den IS zum Frieden zu überre­den.

Der Gegen­be­griff zu „bar­barisch“ ist heute demgemäß etwa „zivil­isiert“.
Wikipedia

Netzfundstücke
Hey, Marc Röhlig!

Anlässlich der gestern im deutschen Fernse­hen gesende­ten Folge “Die Braut des Grauens” der selt­samen Fernsehserie “Sher­lock” fra­gen Sie Ihre wahlweise jovial oder respek­t­los geduzten Leser auf “ben­to”, der noch hässlicheren kleinen Schwest­er von “SPIEGEL ONLINE”:

Sex macht doof

Möchte man die volle Punk­tzahl für das Ergeb­nis, man sei “so schlau wie Sher­lock” und eben­so unbe­liebt, was also offen­sichtlich von Ihnen als erstrebenswert — volle Punk­tzahl! — erachtet wird, erre­ichen, so muss man Fra­gen wie die abge­bildete möglichst schlau beant­worten.

Aber welche der drei Antworten ist die beste? Lei­der haben Sie keine Auflö­sung beigelegt, allerd­ings habe ich zumin­d­est schon her­aus­ge­fun­den, dass Sie “Unnötig.” als akzept­able Antwort gel­ten lassen. Jet­zt mal so dumm wie Dr. Wat­son gefragt: Heißt das, dass das Befür­worten von sex­uellem Aus­tausch automa­tisch wertvolle Punk­te auf der Schlauheitsskala kostet, oder ist man dann ein­fach nur nor­mal schlau, aber nicht mehr so schlau?

Mögen Sie vielle­icht ein­fach nur keinen Sex?

Komm­ste nich drauf klar.
Marc Röh­lig in anderem Zusam­men­hang

Montagsmusik
Monomyth — Huygens

Augen zu und durchStellt euch vor, es ist Mon­tag und kein­er geht hin.

Man wacht auf und weiß nicht, warum, weil man ja nicht raus muss, aber etwas drückt, nein, bedrückt so sehr, dass man auch ohne einen Blick auf den Kalen­der weiß, welch­er Wochen­tag heute ist, was man ja seit den ersten Stu­di­ense­mes­tern ver­lernt hat­te. Die Gle­ich­form kommt später, jaja. Was hat man sich eigentlich gedacht? Hat man sich über­haupt etwas gedacht?

Mon­tags­füh­ligkeit. Zum Schreien.

Nicht hinzuge­hen fühlt sich auch ein biss­chen wie Sach­sen-Anhalt an, das aus der Sache (der Land­tagswahl näm­lich) eine wichtige Lek­tion mitgenom­men hat:

“Dieses Zur-Tage­sor­d­nung-Überge­hen ist wohl Teil des Schocks”, sagt David Begrich von der Arbeitsstelle Recht­sex­trem­is­mus des Sach­sen-Anhal­ter Demokratie-Vere­ins Miteinan­der.

Sich vor lauter (niemals auch: leis­er) Schock­iertheit erst ein­mal nor­mal zu ver­hal­ten ist eine Eigen­schaft, die so manchem Hys­ter­ischen zwar abge­ht, aber nicht fehlt, nimmt man doch das mit der Empörung in manchen Kreisen zwar wahr, aber nur in den falschen Momenten auch sich zu Herzen, weil Plär­ren das Gegen­teil von vernün­ftigem (also: wün­schenswertem) Han­deln ist, beziehungsweise: runter kom­men sie immer.

Mon­o­myth — Huy­gens

Guten Mor­gen.

ProjekteNerdkrams
Mit Common Lisp gegen Webmüll

Im Novem­ber 2015 schrieb ich, der kosten­lose Web­di­enst feed43 sei zum Ent­müllen von Web­sites mit­tels RSS prinzip­iell geeignet, ver­schlucke sich aber gele­gentlich. Das ist auf Dauer ganz schön anstren­gend. Außer­dem beste­ht wie bei allen kosten­losen Web­di­en­sten die Gefahr, dass ich eines Tages ohne ihn auskom­men muss. Ich habe mir also selb­st eine Alter­na­tive entwick­elt, die auf einem mein­er Serv­er läuft und deren kor­rek­te Funk­tion­sweise ich im Zweifels­fall also selb­st sich­er­stellen kann.

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KaufbefehleMusikkritik
Arenna — Given to Emptiness

Arenna - Given to EmptinessNoch so ein Album, das man nicht uner­wäh­nt lassen sollte. Aren­na — mit Doppel‑N, nicht die schlimme Neo­progkapelle des ehe­ma­li­gen Mar­il­lion-Schlagzeugers — ist ein spanis­ches Quin­tett, das 2015 nach vier Jahren sein zweites Album “Giv­en to Empti­ness” veröf­fentlicht hat.

Was mich an spanis­ch­er wie an ital­ienis­ch­er Rock­musik meist beson­ders stört, ist der Gesang in der Lan­dessprache — nicht, weil mir die Ken­nt­nisse fehlten, dem Text inhaltlich zu fol­gen, son­dern, weil es ein­fach nicht gut klingt; wohl wis­send, dass das sub­jek­tiv ist. Aren­na umge­hen dies, indem sie ein­fach auf Englisch sin­gen. Nun kön­nte man eigentlich mal wieder Götz Als­mann huldigend zitieren, der ein­mal sagte, man könne in ein­er frem­den Sprache keine Texte schreiben, die von Herzen kom­men, und damit wahrschein­lich sog­ar Recht hat­te, und sich nicht entschei­den kön­nen, ob man nicht vielle­icht doch lieber schlechter klin­gen­den Gesang gehabt hätte oder gle­ich gar keinen, obwohl man die Texte dann wiederum wahrschein­lich ins­ge­samt ver­mis­sen würde. Man kön­nte aber auch ein­fach zur Abwech­slung mal das Gute her­vorheben: Das son­st stiltyp­is­che anstren­gende Über­fracht­en des Gesangs mit Echoef­fek­ten besticht hier durch Abwe­sen­heit.

Ach, der Stil. Das hat­ten wir ja noch gar nicht.

Ist aber auch gar nicht so schwierig, denn eigentlich ist “Giv­en to Empti­ness” vor­rangig eine Ston­er-Rock-Plat­te, wie Ston­er Rock eben so klingt, näm­lich vor allem laut: Gitar­ren­bre­itwände, die sich zu einem musikalis­chen Rausch verdicht­en, den man in jed­er Fas­er spürt. Fünf Sterne auf Ama­zon, son­st ja nicht ger­ade ein gutes Bew­er­tungsportal für Qual­itätsmusik. — Nein, Aren­na machen das wirk­lich großar­tig.

Die Frage, ob sie’s kön­nten, ein­mal bei­seite gelassen (denn das kön­nen sie): Das übliche “mehr vom Gle­ichen” ist hier nicht zu erwarten. Hören wir nach dem die Mess­lat­te in Schwindel erre­gende Höhen hän­gen­den Anfang “Butes”, noch ein wenig benom­men vom Staunen, doch mal in das fast neun­minütige “Chro­ma” hinein. Ist das Pink Floyd? Es gibt keinen Gesang, dafür den David-Gilmour-sound in den Gitar­ren, der sich allmäh­lich zu ein­er Psy­che­delic/­S­ton­er-Num­mer verdichtet, die dabei nicht ein­mal gewollt klingt, son­dern wie aus Verse­hen ins Schöne ger­at­en.

Oder “Move Through Fig­ure­head Lights”, ein bemerkenswertes Stück Folkrock und/oder Artver­wandtes. So kön­nten Kansas klin­gen, wenn sie ihren wein­er­lichen Sänger ins Bett brächt­en und sich jeman­den sucht­en, der sin­gen und nicht jam­mern will.

Der Leere gegeben. Die Augen zu und immer ein wenig neben dem Rhyth­mus nick­en, weil man tak­t­los ist.

Gute Reise.

NetzfundstückeNerdkrams
Nope.js

(Vorbe­merkung: Meine per­sön­lichen Erfahrun­gen mit Node.js beschränken sich außer der test­weisen Instal­la­tion von Ether­pad Lite auf den zumin­d­est erfol­gre­ichen Ver­such, eine Desk­topan­wen­dung mit Elec­tron zu schreiben. Diese Anwen­dung wird allerd­ings zunächst in ein­er anständi­gen Sprache neu imple­men­tiert, bevor ich sie für hier veröf­fentlichungstauglich halte; auch, weil Node.js eine schlicht unbrauch­bare Pro­gram­mierumge­bung ist.)

Dieser Tage geht das NPM-Debakel durch deutsche Tech­nikme­di­en, das sich etwa fol­gen­der­maßen zusam­men­fassen lässt: Der Entwick­ler ein­er bekan­nten und viel genutzten JavaScript-Bib­lio­thek, die aus einem Zufall her­aus genau so heißt wie ein­er der zahlre­ichen ICQ-Klone, wird von den Mach­ern dieses ICQ-Klons darum gebeten, den Namen zur eige­nen Ver­wen­dung freizugeben; er bietet ihnen kulant an, dass sie ihm den Namen abkaufen kön­nen, sie lehnen ab und dro­hen stattdessen den Mach­ern von “npm”, einem großen Verze­ich­nis von JavaScript-Bib­lio­theken, mit rechtlichen Schrit­ten, wenn sie den Namen für ihre geplante Bib­lio­thek nicht freigegeben bekom­men. Der Entwick­ler der ein­gangs erwäh­n­ten Bib­lio­thek bekommt also “seinen” Namen von Drit­ten ent­zo­gen und zieht daraufhin ver­ständlicher­weise erbost all seine Pro­jek­te aus dem Verze­ich­nis zurück, woraufhin offen­sichtlich ein bedeut­samer Teil der dort aufge­führten Pro­jek­te, darunter große Frame­works wie React.js, plöt­zlich nicht mehr funk­tion­ierte, weil sie ihrer­seits für triv­iale Auf­gaben (dazu komme ich gle­ich) auf seinen Code zurück­ge­grif­f­en haben.

Nun kön­nte man darüber spekulieren, wer hier eigentlich “die Schuld” trägt und ob der Kap­i­tal­is­mus nicht drin­gend abgeschafft wer­den sollte, um solche Stre­it­igkeit­en um Marken­rechte kün­ftig nicht mehr zu lukra­tiv­en Nebenein­nah­men machen zu kön­nen. Dabei liegt das Prob­lem viel näher — das Prob­lem heißt Node.js.

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PolitikIn den Nachrichten
Sie haben den Terror gewählt.

Was immer der Ter­ror­is­mus will, ob Gerechtigkeit oder Machter­halt, ist Gegen­stand manch­er Speku­la­tion; Einigkeit scheint darüber zu beste­hen, dass er die west­lichen Werte bekämpfen will, näm­lich Frei­heit, Indi­vid­u­al­is­mus und so weit­er.

Wenn es das ist, was einen Ter­ror­is­ten definiert, dann ist der Islamis­mus unser ger­ing­stes Prob­lem.

Frei­heit ist nicht ohne Sicher­heit denkbar.
@csu

CDU-Innen­min­is­ter Thomas de Maiz­ière gibt zu bedenken, die Atten­tate hät­ten “unser­er Frei­heit” und “allen, die Teil der EU sind” gegolten, ist von den Anschlä­gen in Brüs­sel allerd­ings anscheinend so sehr ent­täuscht, dass er kün­fti­gen Ter­ror­is­ten­gener­a­tio­nen noch in den “Tages­the­men” vor­ma­chte, wie das mit dem “Anschlag auf die Frei­heit” kün­ftig effizien­ter als mit irgendwelchen Sprengsätzen ablaufen kann:

Daten­schutz ist schön, aber in Krisen­zeit­en hat Sicher­heit Vor­rang.

Dieselbe CDU/CSU, die dem West­en die Frei­heit nehmen will, ruft nun zur Vertei­di­gung gegen die Feinde dieser Frei­heit auf. Das ist bizarr, aber lobenswert. Wir soll­ten unser Bestes tun, um diesem Wun­sch nachzukom­men.

SonstigesIn den Nachrichten
Medienkritik XCVI: Sensationsterrorismus

Gefällt mirDie Kom­pagnons des geris­se­nen Burschen, der sich monate­lang zu Hause ver­steckt hat­te, was eine mit der neuesten Überwachung­stech­nolo­gie aus­ges­tat­tete über­staatliche Polizei nur mit Mühe her­aus­find­en kon­nte, haben heute effek­tre­ich mit­geteilt, dass sie es nicht gut find­en, wenn die Welt nicht mehr von ihnen spricht. Pri­ma, endlich wieder was los in Europa!

Was? Nein, nicht pri­ma für den Frieden und die Ratio­nal­ität, um Him­mels Willen! Für den Jour­nal­is­mus natür­lich, den Google und Face­book fast an den Bet­tel­stab gebracht hät­ten; denn zwar wusste man auch nach Stun­den eigentlich nichts, außer dass das rou­tinemäßige Befum­meln von Flug­pas­sagieren einen Flughafen nicht schützt und dass irgend­was explodiert ist, nach­dem irgendw­er Ara­bisch gesprochen hat, was in ein­er Stadt wie Brüs­sel ja schon mal passieren kann, aber für “Wir wis­sen nichts” kriegt man — ich deutete es an — auch keine Wer­be­fläche voll. Die Anschläge “dürften”, so spekulierte man zeit­nah und lange vor der Offen­barung seit­ens der ver­meintlichen Drahtzieher auf “ZEIT ONLINE”, “das Werk dschi­hadis­tis­ch­er Ter­ror­is­ten sein”, und wenn nicht, dann eben nicht.

Schon nach weni­gen Minuten hat­te jede halb­wegs große Nachricht­en­web­site min­destens einen Livet­ick­er und mehrere Artikel mit den immer gle­ichen Auf­nah­men: Die immer gle­ichen Men­schen, die bluten, ren­nen, weinen. Mit irgend­was muss man seine not­dürftig getarn­ten Wer­be­flächen ja bebildern, und Men­schen guck­en gern dahin, wo es Leid gibt. Guck­ense mal trau­rig, Frol­lein. Dür­fen wir Ihre Schmerzen zeigen, um Klicks zu gener­ieren? Nicht? Machen wir trotz­dem, natür­lich unver­pix­elt, denn das ist exk­lu­siv, das bringt Leser. Das ätzende “SPIEGEL ONLINE”, das ein trau­riger Zeuge des viel zu langsamen Ster­bens von sog. “Online­jour­nal­is­mus” ist, emp­fiehlt: “Lesen Sie dazu auch: Ama­teurvideo: Flucht und Panik nach der Explo­sion am Flughafen”. Das ist authen­tisch, das wollen die Leute sehen. Dau­men hoch! — Dass die Gesten “Dau­men hoch” und “Dau­men runter”, vom jew­eili­gen Feld­her­rn aus­ge­führt, in der Antike, so sagt man, über Leben und Tod eines Glad­i­a­tors entsch­ieden, ist auch insofern eine bemerkenswerte Par­al­lele.

Aber was macht der West­en nun mit all den Anschlä­gen? Ändert euer Twit­ter­a­vatar, betet für Brüs­sel, denn Reli­gion hil­ft bekan­ntlich immer. Je suis le Man­neken-Pis. BND und NSA hat­ten Bel­gien bekan­ntlich bere­its überwacht, was offen­sichtlich super funk­tion­iert hat. Da helfen nur noch mehr Kam­eras und, natür­lich, die Vor­rats­daten­spe­icherung; damit man hin­ter­her sagen kann, man habe ja so einen Ver­dacht gehabt. “Recht” wie in “Richt­en”, nicht wie in “Frei­heit­srechte”. Hörnse­ma, hier ist ger­ade der Terrorismus!!11 vor Ihrer Haustür und Sie wollen Frei­heit für sich in Anspruch nehmen? Ganz schön verdächtig, kom­mense mal mit.

Machen Sie Schluss

Bild­strecke! Klickst du an, siehst du Qual!

Kein­er soll sagen, er habe von nichts gewusst.


Vielle­icht noch dies als Schlus­sakko­rd: Frauen­quoten waren, sind und bleiben ver­fas­sungswidrig. Empört euch!

PolitikNetzfundstückeMir wird geschlecht
Genitalverstümmelung muss deutsch bleiben!

Ronald Dük­er (“ZEIT ONLINE”) wirkt ehrlich begeis­tert, dass ihm, äh, den Flüchtlin­gen endlich mal wer erk­lärt, wie Fick­en geht:

Das Aufk­lärungsportal “Zanzu – Mein Kör­p­er in Wort und Bild” richtet sich an Migranten. “Vor allem zu uns geflüchtete Men­schen”, heißt es in ein­er amtlichen Mit­teilung, “die noch nicht lange in Deutsch­land leben, erhal­ten hier einen diskreten und direk­ten Zugang zu Wis­sen in diesem Bere­ich.”

Man lernt dort: Sex ist ganz in Ord­nung, wenn alle Beteiligten Spaß daran haben und nie­man­dem etwas zustößt. Dabei gibt der Ver­ant­wortliche für das Schnack­sel­por­tal, das Bun­desmin­is­teri­um für Gesund­heit, den väter­lichen Rat­ge­ber, verzichtet jedoch lei­der darauf, das mit den Geset­zen allzu genau zu nehmen:

Nur am Rande dräut Ärg­er durch Über­schre­itun­gen, die den Flüchtlin­gen dann doch zuge­traut wer­den. Eigene Abteilung: Gen­i­talver­stüm­melung, die “ist in Deutsch­land geset­zlich ver­boten”.

So weit, so Quatsch.

Ende Dezem­ber 2012 hat die dama­lige Bun­desregierung das geset­zliche Ver­bot von Gen­i­talver­stüm­melung durch den Erlass von § 1631d BGB gelock­ert, in dem es heißt:

(1) Die Per­so­n­en­sorge umfasst auch das Recht, in eine medi­zinisch nicht erforder­liche Beschnei­dung des nicht ein­sichts- und urteils­fähi­gen männlichen Kindes einzuwilli­gen, wenn diese nach den Regeln der ärztlichen Kun­st durchge­führt wer­den soll. Dies gilt nicht, wenn durch die Beschnei­dung auch unter Berück­sich­ti­gung ihres Zwecks das Kindeswohl gefährdet wird.

Das heißt: Ein sorge­berechtigter Vor­mund, zum Beispiel eine nur heim­lich geis­tes­gestörte Mut­ter, hat hochof­fiz­iös das Recht, aus nicht nen­nenswerten Grün­den die Gen­i­tal­ien ihrer Söhne — natür­lich nicht der Töchter, dieses Priv­i­leg ste­ht in einem anständi­gen Patri­ar­chat gefäl­ligst nur Söh­nen zu — ver­stüm­meln zu lassen (denn was, wenn nicht Ver­stüm­melung, ist das Abschnei­den klein­er Kör­perteile wie Ohrläp­pchen, Fin­gerkup­pen oder Vorhäuten?), so lange es jemand tut, der nach­weis­lich ärztliche Kun­st zu vol­lziehen ver­mag, und sei sie auch noch so abstrakt.

Es kommt noch schlim­mer:

(2) In den ersten sechs Monat­en nach der Geburt des Kindes dür­fen auch von ein­er Reli­gion­s­ge­sellschaft dazu vorge­se­hene Per­so­n­en Beschnei­dun­gen gemäß Absatz 1 durch­führen, wenn sie dafür beson­ders aus­ge­bildet und, ohne Arzt zu sein, für die Durch­führung der Beschnei­dung ver­gle­ich­bar befähigt sind.

So genau muss man es mit der ärztlichen Kun­st nicht nehmen: Ein für das Befassen mit Kinder­gen­i­tal­ien beson­ders aus­ge­bilde­ter (zum Beispiel katholis­ch­er) “dazu vorge­se­hen­er” Heils­bringer darf — von notwendi­ger Ein­willi­gung der Sorge­berechtigten spricht das Gesetz hier inter­es­san­ter­weise nicht — im ersten hal­ben Leben­s­jahr dem Kind (lies: dem männlichen Kind) das Fortpflanzung­sor­gan zer­schnei­den. Ein paar Kun­st­fehler fall­en in der Sta­tis­tik kaum auf.

Man kann nur hof­fen, dass diejeni­gen Flüchtlinge, die hier bleiben wollen, möglichst got­t­lose und anständi­ge Eltern haben.

PolitikIn den Nachrichten
Werte im Wind

In Ham­burg sitzt seit 2015 die AfD, das in Deutsch­land umge­hende Gespenst, in der Bürg­er­schaft herum, allerd­ings als schwäch­ste der dor­ti­gen Parteien mit nur 6,1 Prozent der Stim­men. Erstaunlicher­weise ist Ham­burg seit­dem noch immer nicht von schw­eren Krisen heimge­sucht wor­den.

Zeit, das zu ändern, find­et die Ham­burg­er CDU:

Die Ham­burg­er CDU will in öffentlichen Schulen in Ham­burg die deutsche und die europäis­che Flagge hissen als “iden­titätss­tif­tende Sym­bole unser­er Wer­te­ord­nung”. (…) Es gehe dabei nicht um “Deutschtümelei oder nation­al­is­tis­che Über­höhung”, sagte Prien. Den Kindern solle hinge­gen ein “wertege­bun­den­er Patri­o­tismus” ver­mit­telt wer­den.

Es ist insofern nur wenig über­raschend, dass die CDU sich von der AfD dis­tanziert. Mit Ver­rück­ten will man ja nichts zu tun haben.

NetzfundstückeMontagsmusik
Leonard Cohen — Store Room

Flügel schonend fliegen.Mon­tag, du Wochen­tag gewor­den­er aus­gestreck­ter Mit­telfin­ger. Wenn die Aufteilung der Woche Men­schen­werk ist, ist die bloße Beschaf­fen­heit des Mon­tags ein weit­er­er Grund zur Mis­an­thropie.

Zumal doch schon Leute, die einem nicht mon­tags begeg­nen, an der Sinnhaftigkeit men­schlichen Daseins zweifeln lassen: Het­ero­topie auf der Toi­lette, die Selb­stern­iedri­gung durch Imi­ta­tion ist in der Bild­chenge­sellschaft mit beängsti­gend wenig Schamge­fühl ver­bun­den. Ich bin ja nicht kon­ser­v­a­tiv, aber ein wenig weniger Gaga wäre der zugeknöpften Zeit wirk­lich angemessen. Apro­pos Erniedri­gung; ein Blick nach links. Sprachver­hun­z­er, Twit­tertrolle, Kapuzen­hei­nis, Gen­der­spral­los. Ist das ‘links’? Kann man das “vere­inen”? Will das irgendw­er? Ist das Kun­st oder kann das weg?

Grandiose Idee des Monats: WLAN in Herz­schrittmach­ern, weil ein Gerät ohne WLAN kein gutes Gerät sein kann. Was kann schon schiefge­hen? — Aber es heißt ja, ein Men­sch sollte niemals die Mode ignori­eren, auch nicht in der Küche. Für “SPIEGEL ONLINE” ermit­telte man, dass die Mode ger­ade autother­a­peutis­ches Erken­nt­nis­back­en umfasst. Ich backe ver­bran­nten Kuchen, schon der Farbe wegen.

Erwäh­nte ich, dass Mon­tag ist?

Leonard Cohen — Store Room (1967)

There’s noth­ing left to choose and there is so much more to lose.

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Karokh — Needle, Thread & Nail Polish

Karokh - Needle, Thread & Nail PolishWisst ihr noch, Karokh? Waren sie 2014 noch eine Über­raschung für mich, so hat­te ich sie im Fol­ge­jahr doch wieder völ­lig aus den Augen ver­loren. Um so erfreulich­er ist ihre Rück­kehr in zumin­d­est mein Bewusst­sein.

Nur 31:31 Minuten lang ist das mit einem kurzen Tweet angekündigte zweite Album der sieben Oslo­er, dafür gibt es außer MP3 auch Vinyl dazu. “Nadel, Faden und Nagelpoli­tur”, früher haben sich nur schlimme Folk­bands solche Titel aus­gedacht, aber früher gab es auch viel zu viele davon. Dies jedoch ist Karokh. Karokh ist gut. Hören wir doch mal rein.

“Poke” begin­nt mit zurück­ge­hal­tenem Gitar­ren­rhyth­mus, es klingt nach Süd­see und ein biss­chen Grunge. Es set­zen Trompete und Syn­the­siz­er ein — ah, doch keine Karibik-CD, son­dern fein­er Jaz­zrock mit Gen­reaus­flü­gen in inter­es­sante Rich­tun­gen. Ina Sagstuen ist noch immer eine beein­druck­ende Sän­gerin mit Tal­ent zur Vokalakro­batik, über­haupt ist Gle­ich­för­migkeit für das Septett noch immer nicht von Bedeu­tung. Wohl kalkulierte Mis­stöne erin­nern daran, dass man dem RIO (mitunter: Think­ing Plague) näher ist und bleiben will als dem Beliebigkeit­spop. Dass weite Streck­en des Liedes mit einem eingängi­gen Kopfnick­rhyth­mus unter­legt sind, kon­trastiert das schräge Haupt­pro­gramm, dessen gefühlte Dis­so­nanz es nahezu unmöglich macht, diesem Drang nachzugeben, vortr­e­f­flich. Ich mag das.

Apro­pos Kon­traste: Lasst euch von “Smile”, etwa vier Minuten lang ein qua­si min­i­mal­is­tis­ches, hyp­no­tis­ches Stück, nicht in falsch­er Sicher­heit wiegen; seine ver­störende zweite Hälfte, eine recht wilde Schlacht der Instru­mente, lässt keine Ein­wände mehr gel­ten. Dage­gen klingt “Boo­gies” teils ger­adezu düster nach einem sur­realen Traum, in dem Primus und Devo gemein­sam Peter Ham­mill cov­ern (oder umgekehrt), wäre da nicht der wider­spen­stige Bass, der sich in die Wahrnehmung fräst und wie zum Trotz auch als let­zter Ton abklingt. Leichte Kost ist ja dann doch eher was für “SPIEGEL ONLINE” als für unsere­inen; das haben wir jet­zt davon.

Das Titel­stück als vor­let­ztes: Ah, Sechziger-Jahre-Rock. Oder? Nein, eine Explo­sion:

Karokh — Nee­dle, Thread and Nail Pol­ish

Das viere­in­halb­minütige und in sein­er Eingängig- und Kan­ten­losigkeit beina­he sin­gle­taugliche “Chude”, das das Album beschließt, run­det es zugle­ich würdig ab. Karokh haben sich auf ihrem Zweitling nicht ein­fach “weit­er­en­twick­elt”, wie man es ja gern umschreibt, son­dern sind noch exper­i­menteller, noch ver­spiel­ter gewor­den. So kann es bleiben.

Die Plat­ten­fir­ma für das Album heißt “No Fore­vers”. Hof­fentlich ist das nicht ernst gemeint.

Netzfundstücke
Nom.

Was hat uns allen denn noch gefehlt? Richtig:

Jessie ist Food­blog­gerin und seit kurzem auch zu sehen bei Nom, einem neuen Stream­ing­di­enst für Essensvideos des YouTube-Grün­ders Steve Chen.

Vielle­icht gründe ich näch­ste Woche “Klatsch”, einen neuen Stream­ing­di­enst für Videos, in denen sich Leute mit der flachen Hand ins Gesicht schla­gen. Kosten­lose Wer­bung dafür machen die Anderen schon jet­zt.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Liegengebliebenes vom 16. März 2016

Pri­ma Schlagzeile: Madon­na fällt betrunk­en vom Dreirad.


Hur­ra, wir haben jeman­den umge­bracht!


Was passiert eigentlich, wenn man im CDU-Land Sach­sen-Anhalt von der Polizei über­fahren wird? Meis­tens nichts, aber für eventuelle Lackschä­den hat man selb­st aufzukom­men.


Während das Fraun­hofer-Insti­tut gemein­sam mit der BND-Tochter­fir­ma Telekom sich mit der Erfind­ung beson­ders schlecht konzip­iert­er Ver­schlüs­selung schmückt, hört man sog­ar von der Piraten­partei wieder Sin­nvolleres: Die Stör­erhaf­tung in WLANs ist eine unzuläs­sige Regelung, befind­et man am Europäis­chen Gericht­shof.


“SPIEGEL ONLINE”, das Fach­magazin für Poli­tikver­mei­dung, zeigt sich beruhigt: Wladimir Putin hat kein Bügel­brett im Arbeit­sz­im­mer.


Beruhi­gende Worte schließlich auch für das Föje­tong: Wer am Woch­enende nicht die AfD gewählt hat, hat Angela Merkel gewählt und damit — das bleibt im Dunkeln — die Partei, die die Außen­gren­zen der EU vor Flüchtlin­gen schützt.

PersönlichesPolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Kein Fragment (Klammern). // Bryan Ferry — Bitter-Sweet

Käuzchen in mondloser Nacht(… und dann ist Mon­tag und man hat wieder ein­mal ver­sagt, weil man es oder wenig­stens sich selb­st nicht abwarten kon­nte und man vor Sichgut­fühlen manch­mal eben doch die Lage verken­nt und zeigt, was man für müh­sam unter Kon­trolle bekom­men hielt, weil man ein­fach nicht ver­ste­hen kann, was man hat und warum man es hat und dass nichts, aber auch gar nichts ein Zufall ist. Man bekommt, was man ver­di­ent.

Es ist Mon­tag und man weiß genau, was daran falsch ist.

Bryan Fer­ry — Bit­ter-Sweet

Es ist immer zu früh, um einan­der ver­loren zu geben, und doch: man ahnt, wie sich ein Käuzchen fühlt; und schre­it.)


Der­weil kol­la­biert die Welt. Drei Bun­deslän­der haben mit bös­er Miene Quatsch gewählt (“Land­tagswahlen sind eine Art kleine Bun­destagswahl”, Han­nelore Crol­ly, c/o “WELT ONLINE”) und Kei­th Emer­son ist tot; Fre­itod, sagen sie und meinen wahrschein­lich nicht die drei Bun­deslän­der. Weit­er möchte man die Nachricht­en auch gar nicht lesen und tut es dann doch. Die Märk­te gehen durch die Decke, die Bosse tanzen Sam­ba, alles flüchtet in Immo­bilien, der Mak­ler reibt Hände ohne Ende, nur deine Lebensver­sicherung ist lei­der total im Arsch, Papi.

Die Kassen stim­men. Mit­tel­stand, Ger­ingver­di­ener? Das hat sich Erhard, sein­er Partei zum Trotz, wahrschein­lich auch anders vorgestellt. Geht doch nach drüben. Uns geht es gut. Wir schaf­fen das, vor allem schaf­fen wir uns. Das gefällt nicht? Das macht nichts. Seht euch das Elend an und dann wählt etwas anderes. Die dehy­dri­erten Greise, deren Ver­fall vom Gesund­heitssys­tem in so enge Bah­nen gelenkt wurde, dass es für ein Kreuzchen bei Scheiß­parteien alle zwei Jahre noch aus­re­icht, damit als Dankeschön mehr Geld zwecks Ver­prassens von ihrer Rente gestrichen wer­den kann, sind eure eigene Zukun­ft.

Diejeni­gen Wahlkreise in Sach­sen-Anhalt, in denen die AfD nicht zur Wahl stand, gin­gen alle­samt an die CDU; von der man aber auch genau das erwartet hätte. Die Poli­tik von CDU und SPD wird keine bessere, wenn sie stattdessen von Grü­nen und AfD gemacht wird. Die Idiokratie frisst ihre Kinder.

Tief dur­chat­men. Sie wer­den kom­men.

Guten Mor­gen.