PolitikIn den Nachrichten
F.Digitalkompetenz.P.

Die F.D.P., bekan­nt aus Funk und Fernse­hen, macht Ernst:

Angesichts oft nur mit­telmäßiger Com­put­er-Ken­nt­nisse deutsch­er Schüler will die FDP dig­i­tale Kom­pe­ten­zen im Bil­dungssek­tor vorantreiben. [Gen­er­alsekretärin Nico­la Beer] betonte, Kinder müssten “von Anfang an dig­i­tale Kom­pe­tenz erwer­ben kön­nen – egal, aus welchem Eltern­haus sie kom­men. Hier fängt soziale Gerechtigkeit an. Wer dig­i­tales Anal­pha­beten­tum zulässt, ver­sündigt sich.”

So ganz ohne religiös­es Gedöns geht es eben nicht; und aber jeden­falls sollen auch die ärm­sten Eltern­häuser ihrem Nach­wuchs zuvörder­st beib­rin­gen, wie man, dem von Frau Beer zitierten Vor­bild Est­land, wo 2012 das Schul­fach Pro­gram­mieren ab der ersten Klasse einge­führt wurde, wom­it die Kinder schon pro­gram­mieren (und ver­mut­lich Englisch) ler­nen sollen, bevor sie ihre Mut­ter­sprache und grundle­gende Math­e­matik halb­wegs all­t­agstauglich beherrschen — denn wer braucht schon Bil­dung, wenn er stattdessen auch in einem IDE sein­er Wahl das aber­tausend­ste “Hal­lo Welt” oder Tic-Tac-Toe zusam­men­klick­en kann? -, gle­ich, mit so Com­put­erkrams umge­ht, was aus den Rei­hen ein­er Partei, die zum Twit­tern einen exter­nen Dien­stleis­ter braucht, zumin­d­est absurd klingt, aber man muss ja mit der Zeit gehen:

“Selb­st Est­land hängt Deutsch­land ab bei der Dig­i­tal­isierung”, sagte Beer. “Dort tanzt man schon lange zu dem, was in Deutsch­land besten­falls Zukun­ftsmusik ist.” Hierzu­lande indes träten immer noch andauernd “Bedenken­träger auf die Bremse”, kri­tisierte die FDP-Poli­tik­erin.

Bedenken­träger etwa wie Philipp Rösler, der noch 2012 Net­zpoli­tik als Wirtschaft­spoli­tik sah und die Wirtschaft ja nun alles Andere als ein Fre­und des freien Aus­tauschs im Inter­net ist; der — Rösler — im Übri­gen sein­erzeit Vor­stand der­sel­ben F.D.P. war, die im März 2013 gegen ein biss­chen Vor­rats­daten­spe­icherung nicht viel einzuwen­den hat­te. Wenn ich an dig­i­tale Kom­pe­tenz auf dem Niveau eines Grund­schülers denke, fällt mir auch immer zuerst die F.D.P. ein.

Ob es jet­zt unbe­d­ingt nötig ist, Kinder zu Pro­gram­mier­ern zu machen, und ob Frau Beer das über­haupt meinte, bleibt unklar; eben­so unklar lei­der allerd­ings auf jeden Fall, woher diese Dig­italkom­pe­tenz angesichts mit dem tech­nis­chen Wan­del über­forderten Lehrern, viel zu langsam anzu­passenden Cur­ric­u­la und der Eltern­gener­a­tion, die “das Inter­net” nicht mehr von Face­book und allen­falls What­sApp und YouTube unter­schei­den kann, denn kom­men soll.

Vielle­icht sollte die F.D.P. erst ein­mal etwas dafür tun, dass diejeni­gen, die Dig­italkom­pe­tenz ver­mit­teln sollen, diese Dig­italkom­pe­tenz ver­mit­telt bekom­men. Dafür gibt es doch sich­er auch einen exter­nen Dien­stleis­ter.


Apro­pos Kom­pe­tenz: Schule in North Car­oli­na eröffnet einen Schieß­s­tand. Damit die lieben Kleinen das Zie­len üben kön­nen und nicht immer aus Verse­hen ihre Mitschüler umni­eten, weil sie den Lehrer nicht erwis­cht haben.

PolitikIn den Nachrichten
Christine Buchholz: Mit dem Flammenwerfer gegen Brandstifter.

ZEIT ONLINE, 2008:

Vor­standsmit­glieder der Linken, wie Chris­tine Buch­holz, sym­pa­thisieren offen mit der palästi­nen­sis­chen Hamas oder der libane­sis­chen His­bol­lah, die bei­de zur Ver­nich­tung des israelis­chen Staates aufrufen.

Jüdis­che All­ge­meine, 2010:

In der Erk­lärung ver­langt die Linke die Schaf­fung eines palästi­nen­sis­chen Staates, beken­nt sich zum Exis­ten­zrecht Israels in den Gren­zen von 1967, fordert den Stopp des Sied­lungs­baus und »die Ein­beziehung der Hamas in poli­tis­che Gespräche«. (…) bei (…) ein­er Gegen­stimme der Abge­ord­neten Chris­tine Buch­holz

Blog “Mis­sion Impos­si­ble”, 2014:

Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel, Sahra Wagenknecht, Chris­tine Buch­holz und Nor­man Paech gehören zu der “Creme de la Creme” der “Israelkri­tik­er” in der Linkspartei, sie sind freilich nur die Spitze des anti­semi­tis­chen Eis­berges dieser Partei.

ZEIT ONLINE, 17. April 2016:

Die reli­gion­spoli­tis­che Sprecherin der Linken, Chris­tine Buch­holz, warf der AfD Islamhass und eine Vergif­tung des gesellschaftlichen Kli­mas vor. “Die AfD wirft geistige Brand­sätze und ist so mitver­ant­wortlich für die steigende Zahl von islam­feindlichen Über­grif­f­en und Anschlä­gen auf Flüchtling­sheime.”

Feuer frei.

MontagsmusikIn den Nachrichten
June of 44 — Cut Your Face

Och!Es ist Mon­tag. Es kön­nte schlim­mer sein, man kön­nte in Magde­burg wohnen; aber sein Leben hat man trotz­dem nicht im Griff. Der laufende Frieden­sprozess wird zurzeit durch heftige Kampfhand­lun­gen gestört und genau so fühlt es sich auch an, wie heftige Kampfhand­lun­gen mit sich selb­st, wohl wis­send, dass man das hand­i­cap hat, bei einem Kampf mit sich selb­st grund­sät­zlich als Ver­lier­er her­vorzuge­hen.

Allein: auch Män­ner haben Gefüh­le (es sind, glaubt man Farin Urlaub, unge­fähr drei). Manche führen sog­ar eine langjährige Beziehung mit ein­er Karotte:

Dass es dann zu ein­er beson­deren Beziehung zwis­chen dieser Plüschmöhre und mir kam, lag vor allem an mein­er dama­li­gen Fre­undin. (…) Ich mochte es, Dörte anzuschauen. Und da es ger­ade die Zeit der ersten Dig­italk­a­m­eras war und ich viel über­schüs­sige Energie in exper­i­mentelle Fotografie investierte, hat­te ich den Wun­sch, meine Fre­undin an unter­schiedlichen Orten zu fotografieren. (…) Auf Unver­ständ­nis fol­gte Stre­it, dann Wut, dann Trotz, dann meine Möhre. Statt Dörte fotografierte ich for­t­an nur noch mein Lieblings­gemüse.

Apro­pos Dinge, die eine Tugend sind: Die dies­monatige “JOY” emp­fiehlt 26 “Moves & Posen” (sic!), die eine Frau anwen­den soll, wenn sie beim Bum­sen sexy ausse­hen will. Es wird Früh­ling. Merkt ihr’s? Ital­ienis­che Polizis­ten vertei­di­gen sich als Piz­z­aboten, Mam­ma mia, der Witz über Ressen­ti­ments schreibt sich ja fast von allein.

Aber es ist Mon­tag. Das ist nicht witzig. Das ist eher so.

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Liegengebliebenes vom 15. April 2016

Es war ger­adezu skan­dalös:

Beim diesjähri­gen Linz-Marathon, der am Woch­enende über die Bühne ging, sorgten über­mo­tivierte Eltern für ein empören­des Bild: Es zeigt, wie sie ihre heulen­den Kinder an den Hän­den über die Ziellinie zer­rten.

Aber keine Sorge — die Eltern haben daraus gel­ernt:

Die Eltern, die ihre weinen­den Kinder beim Linz­er Junior-Marathon ins Ziel gez­er­rt hat­ten, über­rascht­en sie jet­zt mit einem Aus­flug ins Dis­ney­land Paris als Wiedergut­machung. Vor Ort ent­bran­nte jedoch ein Konkur­ren­zkampf unter den Eltern. Sie zer­rten ihre weinen­den Kinder stun­den­lang durch das Dis­ney­land, um vor den anderen fer­tig zu sein.

(Rant­no­tiz, absichtlich mit “t” geschrieben: Eltern, die ihr Kind an seinen Leis­tun­gen messen und ihm bei besseren oder schlechteren Sportergeb­nis­sen, Schul­noten oder Mod­elplatzierun­gen mehr oder weniger Zunei­gung und Für­sorge ent­ge­gen­brin­gen, haben es nicht ver­di­ent, Eltern genan­nt zu wer­den. Das Kind als Trophäe aufzuziehen, weil man in seinem eige­nen Leben jäm­mer­lich beim Ver­such ver­sagt hat, stolz auf sich selb­st sein zu kön­nen, ist ein­er der erbärm­lich­sten Triebe, die die heutige Gesellschaft noch nicht generell zu ein­er Äch­tung des Ver­sagen­den ver­leit­en.)


Aus der beliebten Rei­he “ich ernähre mich veg­an, denn veg­an ist gesund”:

Das “Veg­anz Hanf­pro­tein-Pul­ver Rohkostqual­ität” enthalte so viel Delta-9-Tetrahy­dro­cannabi­nol (THC), dass bei Kleinkindern die max­i­mal emp­foh­lene tägliche Auf­nahme über­schrit­ten wer­den könne[.]

Die “Ernaehrungs Umschau” (sic!) rät in ihrer aktuellen Aus­gabe ja prinzip­iell dazu, dass Veg­an­er ihre Man­gel­ernährung gele­gentlich mal über­prüfen lassen. Wom­öglich sollte außer­dem ein Dro­gen­ber­ater anwe­send sein.


Prob­lem: Debian Lin­ux liefert zu alte Soft­ware aus. Die offen­sichtliche Lösung: Den nervi­gen Hin­weis darauf, dass es eine neuere Ver­sion gibt, ein­fach ent­fer­nen.


Als ich mich unlängst über Ras­er aufregte, hat­te ich gar nicht bedacht, dass es für Leute, die wie Arschlöch­er fahren, auch fre­undlichere Begriffe geben kön­nte. “SPIEGEL ONLINE” schlägt “Tem­posün­der” vor, denn wenn jemand irgendwen tot­fährt, weil er zum Beispiel in ein­er verkehrs­beruhigten Zone drin­gend auf’s Gas treten musste, dann reichen vier Vaterun­sers und sieben Ave­marias und dann ist alles wieder in bester Ord­nung, denn im Gegen­satz zu ein­er asozialen Straftat verzei­ht der liebe Kreuz­fahrergott kleine Sün­den sofort. Lobet den Her­rn.

PolitikNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Warum Jakob Augstein nicht wählen darf.

Ken­nt ihr eigentlich Jakob Aug­stein?

Jakob Aug­stein ist, weiß die Autoren­in­for­ma­tion­ss­palte auf “SPIEGEL ONLINE”, derzeit Ver­leger der Wochen­zeitung “Der Fre­itag”, über die man gemäß jen­er Spalte nichts Inhaltlich­es wis­sen muss, aber wenig­stens sehe sie gut aus:

Die Gestal­tung des Lay­outs vom “Fre­itag” wurde bere­its vielfach aus­geze­ich­net, unter anderem durch den Art Direc­tors Club, die Lead Awards, den Euro­pean News­pa­per Award und die Soci­ety for News Design.

Wenn Jakob Aug­stein nicht ger­ade Zeitun­gen ver­legt, deren einzig nen­nenswerte Eigen­schaft ihr Ausse­hen ist, schreibt er “SPIEGEL ONLINE” mit fürchter­lichen Kolum­nen voll, in denen er käsige Denkun­fälle wie diesen hier verur­sacht und dann Fahrerflucht bege­ht:

Sollen die Men­schen an den poli­tis­chen Entschei­dun­gen mehr beteiligt wer­den? Bloß nicht. (…) Es beteiligt sich eben nicht “das Volk” — son­dern nur ein bes­timmter Auss­chnitt, vor allem die Gebilde­ten und die Män­ner.

Jakob Aug­stein fühlt sich von poli­tis­chen Entschei­dun­gen aus­geschlossen und erk­lärt die Demokratie für gescheit­ert, weil nur Gebildete und Män­ner sich an demokratis­chen Wahlen beteiligten — dass jemand wie er selb­st sich da nur unzure­ichend vertreten fühlt, liegt nur allzu offen­sichtlich auf der Hand.

Wir brauchen ein beson­deres Wahlrecht für Doofe, damit auch Jakob Aug­stein eine Stimme bekommt. Inklu­sion ist das Gebot der Stunde.

Spaß mit Spam
Kurzspam: Blitzerwarner Ausverkauf — spare viel

Unter obigem Betr­e­ff erre­ichte mich soeben eine Werbe­mail für (ver­mut­lich) irgen­dein Dings­da, das wie auch die lächer­lichen “Flitzerblitzer” im unnöti­gen Radio vor Geschwindigkeit­skon­trollen war­nen soll.

Völ­lig unent­geltlich möchte ich hier­mit den Spam­mern und Radiomach­ern das küm­mer­liche Geschäft kaputtmachen, indem ich einen völ­lig kosten­losen Geheimtipp mit euch teile, der euch alle weit­eren Prob­leme mit solchen Kon­trollen erspart:

Fahrt nicht wie ein Arschloch!

Bitteschön.

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
The Raveonettes — Aly, Walk With Me

Was, Montag?!“Natur hat die Nei­gung zum Plur­al, nur Steinen ist der Plur­al egal.”
– Foy­er des Arts: Zwei Refrains


Es ist — hur­ra! — Mon­tag. Während Mit­glieder der offen­bar von allen guten Geis­tern ver­lasse­nen Berlin­er “Linken”, deren maßge­bliche Kar­ri­erequal­i­fika­tion es bish­er war, mehr oder weniger fehler­frei fremde Texte vorzule­sen, vergebens ver­suchen, ihr haupt­säch­lich­es Feind­bild per Akkla­ma­tion zu ver­wirk­lichen, hat man nicht ein­mal mehr die Muße, um sich anständig darüber zu echauffieren, weil man ja schon immer wusste, was andere nun schmerzvoll erfahren müssen, und der­weil ganz andere Sor­gen sich man­i­festieren, namentlich die Ent­behrung (mein­ten Sie: Ent­bärung?), die selb­st ein Woch­enende hin­ter Schleier legt. Das muss nicht so, das ist kaputt.

Klin­geling, ding­dong, die Nachricht­en. Ein Flüchtling­sheim bren­nt, ein Syr­er war’s. Man hat es auch nicht leicht als Neon­azi heutzu­tage, diese Flüchtlinge nehmen einem sog­ar die Hob­bys weg. Zu dem unlusti­gen Kasper Jan Böh­mer­mann, den irgend­wie gut zu find­en selb­st mir zu doof wäre, bleibt, übri­gens, an dieser Stelle zur Abwech­slung mal Ser­dar Somuncu zu zitieren: “Wir reden nicht über Geschmack.” — Das wäre im deutschen Fernse­hen auch ein sehr kurzes Gespräch.

Und son­st so? In Chi­na gibt es flauschbe­fellte Pand­abären, in Japan gibt es Igelkuscheln für acht Euro. Asi­at müsste man sein, aber Betrübt ist ja auch ganz schön. Vielle­icht sollte sich statt der ominösen free hugs ein­mal das Konzept der paid hugs durch­set­zen; oder über­haupt: hugs.

Aly, walk with me in my dreams all through the night.

The Raveonettes — Aly, Walk With Me (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Heilige Handgranate

Und dann guckt man ins Web und liest aus Verse­hen:

Heilige Hand­granat­en auch HHG genan­nt kön­nen laut Lek­türe zum entstören von Elek­tros­mog, Erd­strahlen wie Wasser­adern und Mobil­funkstrahlen einge­set­zt wer­den.
HHGs sind viel­seit­ig einge­set­zbar schaf­fen ein homo­genes Energiefeld, welch­es sich pos­i­tiv Men­sch und Tier auswirken kann.

:irre:

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenparteiMir wird geschlecht
Liegengebliebenes vom 7. April 2016

Immer diese proamerikanis­chen Propagandistensender!!1

Eurozen­tris­tisch mit einem starken Hang zu US-liebe­di­ener­isch­er Darstel­lung, regierungs­fromm mit Blick auf Berlin, antirus­sisch und antichi­ne­sisch, igno­rant gegenüber geopoli­tis­chen Entwick­lun­gen, unvoll­ständig und ten­den­z­iös in ihren Bildern aus Lateinameri­ka, noch defiz­itär­er hin­sichtlich aller Afri­ka betr­e­f­fend­en Nachricht­en, agi­ta­torisch, pro­pa­gan­dis­tisch und desin­for­ma­tiv.

Ein Skan­dal ist es eben nur, wenn der Iwan die Schuld trägt.


In Japan haben Tausende von Men­schen am Son­ntag beim alljährlichen Kana­ma­ra Mat­suri («Fes­ti­val des met­al­lenen Phal­lus») dem männlichen Glied gehuldigt.


Leis­tung muss sich wieder lohnen: Die F.D.P. hat einen eige­nen Dien­stleis­ter zum Twit­tern.


Apro­pos F.D.P.: Ein paar Daten­wis­senschaftler haben das Pro­gramm der AfD analysiert und dabei zum Einen fest­gestellt, dass die Partei weniger rechts ist als CDU und F.D.P., zum Anderen, dass “der Algo­rith­mus beispiel­sweise bei der SPD gar keine ein­deutige Aus­sage” erken­nt. Aus wis­senschaftlich­er Sicht kann die SPD also gar nicht umfall­en, weil sie gar keine The­men beset­zt.


Lustig: Die Uni­ver­sität Mar­burg hält Gen­der Stud­ies für eine ern­sthafte Wis­senschaft, die es zu vertei­di­gen gilt, die Piraten­partei Mar­burg fasst sich an die Stirn.


Schöne, neue Welt: Es gibt jet­zt Sexsim­u­la­toren.

Spaß mit Spam
Mit Bitte um Prüfung: CosmosDirekts höfliche Auftragsspammer von der onlinefacts UG

Gele­gentlich habe ich an dieser Stelle schon etwas zu den The­men Alko­hol und Jugend geschrieben. Über welchen der Beiträge der Herr von der online­facts UG aus München let­ztlich gestolpert sein mag, als er beschloss, mich über eine “Ini­tia­tive” der offen­sichtlich sehr verzweifel­ten Cos­mos­Di­rekt-Ver­sicherungs­ge­sellschaft zu informieren, lässt sich lei­der nicht so genau rekon­stru­ieren; unter dem Betr­e­ff “Bitte um Prü­fung” erhielt ich heute jeden­falls fol­gende E‑Mail:

Sehr geehrter Herr (Name aus dem DENIC-Whois, A.d.V.),

auf Ihrer Web­seite tuxproject.de betreiben Sie eine hil­fre­iche Lin­kliste:

https://tuxproject.de/blog/2013/04/kurz-verlinkt-clvi-zweimal-tammtamm/

Da Sie von dort aus auf infor­ma­tive Seit­en ver­weisen, möchte ich Ihnen die Ini­tia­tive “Don’t Drink and Dri­ve — Gegen Alko­hol am Steuer”, die unsere Experten-Redak­tion gemein­sam mit promi­nen­ten Botschaftern aus dem Fernse­hen real­isiert hat, vorstellen.

Schauen Sie doch gern ein­mal vor­bei: (Spam­link her­ausredigiert, A.d.V.)

Es sind beein­druck­ende Zahlen, mit denen wir vor allem junge Fahrer dazu auf­fordern die Fin­ger von Alko­hol im Straßen­verkehr zu lassen:

• pro Minute sind schätzungsweise 170 Aut­o­fahrer alko­holisiert auf deutschen Straßen unter­wegs

• 35,3 Prozent der ins­ge­samt 455 von uns befragten Fahrschulen bericht­en von Vor­fällen mit Fahrschülern, die alko­holisiert eine Fahrstunde antreten woll­ten

Unsere Ini­tia­tive ist selb­stver­ständlich wer­be­frei und derzeit informieren sich bis zu 15.000 Leser pro Tag auf unser­er Seite.

Wir wür­den uns freuen, wenn auch Sie Ihren Lesern mit unser­er Ini­tia­tive eine weit­ere infor­ma­tive Quelle anbi­eten und uns zu Ihrer Lin­kliste hinzufü­gen möcht­en. Falls Sie einen Ban­ner benöti­gen, find­en Sie diesen im Anhang.

Mit fre­undlichen Grüßen
Mar­tin Römhild

online­facts UG (haf­tungs­beschränkt)
Paul-Heyse-Straße 27
80336 München

Die Kam­pagne, deren Link ich oben aus dra­matur­gis­chen Grün­den (und um Spam nicht unnötig zu belohnen; ver­we­gene Leser mögen eine Such­mas­chine ihrer Wahl bemühen) nicht ste­hen ließ, befind­et sich unter­halb der Domain cosmosdirekt.de, es han­delt sich hier somit trotz des Spam­mers Fir­mierung unter “online­facts UG” um Auf­tragss­pam im Namen eines bish­er wohl fälschlicher­weise für mehr oder weniger ser­iös gehal­te­nen Ver­sicherungskonz­erns.

Während ich im All­ge­meinen dur­chaus ange­tan davon bin, dass sich Ver­sicherun­gen ganz uneigen­nützig für weniger Leichtsinn im Straßen­verkehr ein­set­zen, bin ich von der E‑Mail alles andere als begeis­tert.

Schön ist, dass man sich zumin­d­est die Mühe gemacht hat, sich wenig­stens ansatzweise mit der Web­site, auf der man gern bewor­ben wer­den möchte, zu beschäfti­gen: Es han­delt sich um einen Blog mit Lesern und hin und wieder tauchen auch Links auf. Ein automa­tisch aus­ge­le­senes Domain-Whois sorgt zumin­d­est für eine einiger­maßen gesit­tete Anrede. So weit das Pos­i­tive an der E‑Mail.

Nicht so schön ist, dass man sich im Hause “online­facts UG” und somit auch bei denen, die sie um Wer­bev­er­mit­tlung bit­ten, um Anstand und Geset­ze allem Anschein nach nicht schert. Die angenommene Her­leitung “hat eine Web­site, betreibt also sich­er irgendwelche bunt zusam­mengewür­fel­ten Lin­klis­ten, in die wir super rein­passen” lädt der­maßen wenig dazu ein, der Fir­ma “online­facts UG” eine wenig­stens grundle­gende Ahnung von diesem “online” zu attestieren, das sie fak­tisch in ihrem Namen trägt, dass ich tat­säch­lich mal kurz nachguck­en musste, was diese Fir­ma eigentlich macht (Vor­sicht: Ver­weis geht auf die Web­site von “online­facts”!):

Die online­facts Unternehmerge­sellschaft mit Sitz in der Münch­n­er Innen­stadt ist ein Zusam­men­schluss unab­hängiger Redak­teure aus ganz Deutsch­land, die Ver­brauch­er in den Medi­en aufk­lären. Mit unseren Aufk­lärungskam­pag­nen schaf­fen wir Klarheit und arbeit­en dafür mit namhaften Experten und Promi­nen­ten zusam­men.

Zu den “promi­nen­ten Botschaftern”, die Herr Römhild — übri­gens ein­er der bei­den Geschäfts­führer der “online­facts UG” — im Zusam­men­hang mit der Cos­mos­Di­rekt-Kam­pagne anpries, zählen übri­gens Licht­gestal­ten wie Daniel Küblböck (!), Ricky Har­ris (!), Indi­ra Weis (!) und Nina Ruge (!), die alle­samt ein “State­ment” (ebd.) zu der bewe­gen­den Frage, ob man — spoil­er: Nein! — besof­fen ein Kraft­fahrzeug führen sollte, abgegeben haben. Wenn ihr ger­ade nicht so genau wisst, wer das alles ist, schlagt es bess­er nicht nach oder achtet vorher darauf, dass ihr kein Getränk im Mund habt.

Wie kon­nte die “online­facts UG” trotz­dem so bekan­nt wer­den? Nun, ihre Web­site gibt dazu Auskun­ft:

Bekannt aus dem Sondermüll

Soso.

Aber kom­men wir noch mal kurz auf die per se lobenswerte Kam­pagne “Don’t Drink and Dri­ve” — natür­lich im Orig­i­nal mit ger­a­dem statt typografisch kor­rek­tem Apos­troph, weil eine deutschsprachige Web­site gefäl­ligst irgend­wie englisch zu heißen hat, son­st klickt ja kein­er drauf, während natür­lich jed­er Hans­franz, mich eingeschlossen, dauernd auf irgendwelchen Spam­links rumk­lickt — zurück. Herr Römhild führte aus:

Unsere Ini­tia­tive ist selb­stver­ständlich wer­be­frei[.]

Guck­en wir doch mal in diese wer­be­freie Web­site hinein. Zwar wurde eine Möglichkeit einge­bun­den, die Kam­pagne statt per Spam­mail auch via “sozialem Net­zw­erk” zu verteilen, allerd­ings han­delt es sich um die weit­ge­hend unbe­den­kliche “Zwei-Klick-Lösung”, die erst nach aus­drück­lich­er Genehmi­gung Dat­en aushorcht:

Zweiklickspam

Aber halt — was bemän­gelt jet­zt uMa­trix? Herr Römhild hat doch nicht etwa gel­o­gen? Da guck­en wir doch noch mal genauer hin:

<script src="https://t13.intelliad.de/cl/5343834333236323131303.js" data-phase="app-preprocess"></script>

Ich halte die Kom­bi­na­tion aus “Intel­li-” und “Ad”, also “intel­li­gente Wer­bung”, ja für ein Oxy­moron, aber ich bin auch eher tech­nik- als wirtschafts­begeis­tert; jeden­falls: damit nicht genug!

<script>
$(function(){var a=Math.random()+"";var a=a*10000000000000;$("body").append('<iframe src="//fls.doubleclick.net/activityi;src=1002335;type=2016;cat=fahrafaq;ord='+a+'?" width="1" height="1" frameborder="0" style="display:none!important;"></iframe>')});
</script>
<noscript><iframe src="//fls.doubleclick.net/activityi;src=1002335;type=2016;cat=fahrafaq;ord=1?" width=1 height=1 frameborder=0 style="display:none!important;"></iframe></noscript>

Natür­lich: display:none!important, Valid­ität ist sooo 90er und mehr Mühe sind wir dem nut­zlosen Wer­ber­pack eben nicht wert. Nun kann es gut sein, dass der für diese Kam­pagne ver­ant­wortliche — lei­der nicht: zur Ver­ant­wor­tung gezo­gene — Pix­elschub­ser hier ein­fach nur Code hineinkopiert hat, den ihm der Wer­bev­er­mark­ter Dou­bleClick emp­fohlen hat, was die Sache jedoch nicht bess­er macht. (Was ver­di­ent eigentlich so ein Geschäfts­führer bei der “online­facts UG”, also finanziell, nicht moralisch?) Der Name “Dou­bleClick” sollte euch übri­gens bekan­nt vorkom­men, denn das ist der Name, unter dem das Unternehmen Google Inc. seit eini­gen Jahren bedauer­lich erfol­gre­ich Online­mar­ket­ing betreibt und es damit schon zu trau­riger Berühmtheit gebracht hat:

Dou­bleclick will let adver­tis­ers con­trol how often an ad is shown to a brows­er, how long it is shown for and how often it will appear. (…) For exam­ple, if you are on a news web­site and you vis­it the sports pages, then adverts for match tick­ets may be more rel­e­vant than make­up. This infor­ma­tion belongs to the web­site own­er only. (…) Because it records your IP address, Dou­bleclick can also make a good guess of your coun­try and town/city, too.

Besuche ich also die selb­stver­ständlich wer­be­freie Web­site besagter “Ini­tia­tive”, so lässt die Ver­sicherungs­ge­sellschaft Cos­mos­Di­rekt ohne meine Zus­tim­mung die Beruf­ss­pam­mer­abteilung des US-amerikanis­chen Unternehmens Google wis­sen, wo ich unge­fähr wohne und dass ich mich für Alko­hol am Steuer inter­essiere. Oder für Daniel Küblböck.

:zensur:

Die DENIC weist übri­gens darauf hin, dass die Nutzung der Domain­dat­en “zu Werbe- oder ähn­lichen Zweck­en” einen Ver­stoß gegen die Nutzungs­be­din­gun­gen darstellt. Da der Mail­ver­fass­er die von ihm als für seine Zwecke fälschlicher­weise als passend erkan­nte Web­site zweifels­frei nicht ein­mal aufgerufen hat, so dass die Ausrede, die Anrede kön­nte auch aus dem Impres­sum stam­men, hier nur schw­er­lich möglich ist, haben wir es hier also nicht nur mit ein­fach­er Spam (also mit dem Ver­dacht ein­er krim­inellen Hand­lung, cf. § 7 UWG) zu tun, son­dern überdies mit der mut­maßlichen Erschle­ichung von Dien­stleis­tun­gen. Wirk­lich beein­druck­ende Geschäft­sprak­tiken unter­stützt die Cos­mos­Di­rekt AG da.

Der Bitte um Prü­fung des Anliegens und anschließende Infor­ma­tion mein­er Leser hoffe ich hier­mit hin­re­ichend entsprochen zu haben. War mir ein Vergnü­gen!

NetzfundstückeMontagsmusik
Ben Levin Group — Freak Machine

Erst mal aufräumenMon­tag. Ich meine: MONTAG! Das Woch­enende, so san­gen die Wise Guys einst, war mal wieder süß und zart, mon­tags gibt es dafür einen Tritt mit Anlauf; und den hat man dann auch noch ver­di­ent. Wenig­stens hält sich das brül­lende gelbe Biest am Him­mel wenig­stens heute vornehm zurück.

Und trotz­dem fehlst du mir.
Die Ärzte: Som­mer, Pal­men, Son­nen­schein

Es gibt aber auch nicht mehr viel zu lachen auf der Welt. Schon wieder nah­men aus­gerech­net diejeni­gen Leute am diesjähri­gen 1. April teil, die bish­er nicht mit ihrer her­aus­ra­gen­den Witzigkeit auffie­len. Es ist also bemerkenswert, dass der wohl amüsan­teste Aprilscherz dieses Jahres von Comicze­ich­n­ern stammt, die sich einen gemein­samen Witz aus­gedacht haben, dessen Pointe es ist, dass er nicht mal beson­ders lustig ist. Das trifft meinen Humor vorzüglich.

Vielle­icht soll­ten wir ein­fach alle durch­drehen.

Freak Machine Music Video — Ben Levin Group

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medienkritik XCVII: Knackpo, aber schnell!

Von den “effek­tivsten Tricks der Stars” zum Erre­ichen eines “Knack­pos” — aber schnell! — berichtet die noch aktuelle “JOY” (Aus­gabe “April 2016”), wo’s für effiziente Tricks schon nicht reicht, eben­so wie von “50 Beau­ty-Blitztricks für unter­wegs”. Die wis­sen eben, wie sie mich zum Kauf ver­führen, wenn schon des Mag­a­zins unge­fähr siebe­nund­dreißig­stes Jes­si­ca-Alba-Cover­bild nicht reicht.

JOY April 2016

Guck­en wir doch mal rein.

‘Medi­enkri­tik XCVII: Knack­po, aber schnell!’ weit­er­lesen »

In den NachrichtenNerdkrams
Warum “Ubuntu für Windows” den plötzlichen Jubel nicht verdient

Nun, da die erste große Welle der Begeis­terung abge­flacht ist und die bei­den ver­fein­de­ten Lager sich nach Aber­tausenden von Kom­mentaren erschöpft zurück­ge­zo­gen haben, um neue Kraft für das weit­ere Geschehen zu sam­meln, möchte ich diese Mel­dung an dieser Stelle auch nicht unkom­men­tiert lassen:

Microsoft hat ein Lin­ux-Sub­sys­tem für Win­dows 10 entwick­elt, mit dem sich Lin­ux-Pro­gramme für die Kom­man­dozeile direkt unter Win­dows aus­führen lassen.

Was einen “Jour­nal­is­ten” von “heise online” ger­adezu vor Begeis­terung auf die Tas­tatur spe­icheln lässt, ist für erfahrene Com­put­er­nutzer ein alter Hut: Eine solche Abstrak­tion­ss­chicht ken­nt man aus Sys­te­men wie FreeB­SD — dort heißt sie “Lin­ux­u­la­tor” — schon seit Jahren. Darum wurde aber merk­würdi­ger­weise nie so ein Gewese gemacht wie um die faszinierende Neuigkeit, dass Microsofts anfangs noch für das Betrieb­ssys­tem OS/2 geplanter NT-Ker­nel schon immer in der Lage war, ver­schiedene Sub­sys­teme zu nutzen. Win­dows NT 3.1, die erste “NT-Ver­sion” von Win­dows, wurde von vorn­here­in neben dem Win32- auch mit einem POSIX- und einem OS/2‑Subsystem aus­geliefert, es war also, wie man bei “heise online” heutzu­tage wohl schreiben würde, drei Betrieb­ssys­teme in einem.

‘Warum “Ubun­tu für Win­dows” den plöt­zlichen Jubel nicht ver­di­ent’ weit­er­lesen »