In den NachrichtenNerdkrams
Laut­spre­cher, aber Leis­hö­rer

Da es noch immer Men­schen für eine groß­ar­ti­ge Idee hal­ten, sich vom eige­nen Erspar­ten Din­ge ins Schlaf­zim­mer zu stel­len, die mensch­li­che Geräu­sche durch das Inter­net an irgend­wel­che Ser­ver zur Aus­wer­tung schicken kön­nen, sei viel­leicht noch auf die­se groß­ar­ti­ge Zusatz­funk­ti­on ver­wie­sen:

Sprach­ge­steu­er­te digi­ta­le Assi­sten­ten las­sen sich kapern, ohne dass der recht­mä­ßi­ge Nut­zer es hören kann.

Neu: Nicht­sprach­steue­rung! Selbst­ver­ständ­lich ist nicht davon aus­zu­ge­hen, dass die­se Funk­ti­on einen Nut­zen für irgend­wem außer dem recht­mä­ßi­gen Besit­zer des Geräts haben könn­te, denn sonst wäre es ja ein gera­de­zu rekord­ver­däch­tig däm­li­ches Tun, sich einen sol­chen Assi­sten­ten ins Haus zu holen, nicht wahr?

Bonu­s­poin­te:

Die­se Ver­zer­run­gen kön­nen Hacker aus­nut­zen, um Befeh­le aus­zu­lö­sen, die für Men­schen (…) wie sinn­lo­ses Geplap­per klin­gen (…).

Jetzt ver­ste­he ich den Wahl­kampf der Grü­nen!

NetzfundstückeMontagsmusik
Slow­di­ve – Sugar for the Pill

Man kann nicht genug Käuzchen haben.Es ist Mon­tag. Noch alle Tas­sen im Schrank zu haben klingt wie eine Dro­hung, kein Buch im Haus zu haben wie Unge­mach. Ist dies das ech­te Leben oder ist das Kunst? Com­pu­ter­spie­le sind Kul­tur­gut, kom­men gegen Pan­da­bä­ren aber trotz­dem nicht an.

Tüdeldü, die Nach­rich­ten: Die Welt ist ver­rückt gewor­den. Wer braucht flie­gen­de Autos, wenn er statt­des­sen auch Per­so­nen über das Inter­net elek­tro­ku­tie­ren kann? Die Visio­nä­re von einst stel­len gleich­falls ungern fest, dass das Netz über­rannt wird von Trot­teln, Dep­pen, bär­ti­gen Hip­stern. Schön und gut, dass Sie Krebs geheilt haben, aber ohne Ver­hal­tens­ko­dex blei­ben Sie drau­ßen!

Der stell­ver­tre­ten­de rechts­po­li­ti­sche Spre­cher der „Uni­on“ fin­det der­weil, die War­nun­gen Geor­ge Orwells vor einem all­se­hen­den Über­wa­chungs­staat äng­stig­ten nur die Rich­ti­gen. Genau so habe ich mir Rechts­po­li­tik – also die rech­te Poli­tik von CDU/CSU – immer vor­ge­stellt.

Musik ist heu­te völ­lig über­zo­gen, völ­lig über­reizt.

Slow­di­ve – Sugar for the Pill (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

PolitikNetzfundstücke
Rheu­ma­po­li­tik

Es stellt sich her­aus, dass in die Ren­ten­kas­se vor allem von den­je­ni­gen hin­ein­ge­grif­fen wird, die, wären sie nicht in der Poli­tik, selbst etwas davon hät­ten:

Das Durch­schnitts­al­ter der Wahl­be­rech­tig­ten liegt bei knapp 53 Jah­ren. Das Durch­schnitts­al­ter der Mit­glie­der von SPD und CDU liegt noch dar­über, näm­lich bei 60. (…) Die Par­tei­en sind daher nicht die trei­ben­de Kraft der Gesell­schaft, son­dern ihr Brems­klotz. Lei­den­schaft­li­che (enthu­sia­sti­sche oder gar mit­rei­ßen­de) Aus­ein­an­der­set­zun­gen darf man von ihnen nicht erwar­ten.

Viel­leicht ist die­se Zwangs­ver­ren­tung ab einem bestimm­ten Alter in bestimm­ten Beru­fen doch gar kei­ne so schlech­te Idee.

(via Schwerdt­fe­gr)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz notiert zum „linksunten“-Verbot

Wäh­rend man auf „SPIEGEL ONLINE“ lesen kann, dass es offen­bar „links­extre­me Inter­net­sei­ten“ gibt, die also nachts ver­mut­lich heim­lich Stein­da­tei­en auf Nazi­ser­ver schmei­ßen, schwelt in den sozia­len Netz­wer­ken unter bedau­er­li­cher Aus­blen­dung der Fra­ge, ob die unbe­ding­te Frei­heit des Inter­nets nicht viel­leicht auch irgend­was mit der unbe­ding­ten Frei­heit, Blöd­sinn in es hin­ein­zu­schrei­ben, zu tun hat, die Dis­kus­si­on dar­über, war­um der Staat in sei­nem tra­di­tio­nel­len lin­ken Halb­jahr vor einer Wahl jetzt zur Abwechs­lung mal etwas gegen Links­extre­mis­mus tue, denn so sei der Wunsch nach der Löschung von Hass im Netz doch bit­te­schön nicht gemeint gewe­sen; und war­um denn so Nazi­sei­ten immer noch online sei­en, obwohl jene doch viel schlim­mer sei­en, denn „links­un­ten“ habe ja nicht nur zur Gewalt ange­lei­tet und auf­ge­ru­fen, son­dern auch etwas zur Auf­klä­rung von NSU- und ähn­li­chen Fäl­len bei­getra­gen, als wür­de das jede Begei­ste­rung für die Gefähr­dung eines unbe­scha­de­ten Lebens von Zivi­li­sten und Poli­zi­sten inva­li­die­ren und als set­ze unter ande­rem die Stö­rung des zivi­len Bahn­ver­kehrs in Deutsch­land ein merk­li­ches Zei­chen gegen das Unrecht im Nahen Osten, was jeden­falls mir nicht wesent­lich schmerz­är­mer auf­stößt als die Wie­der­ho­lung der so alten wie dum­men Geschich­te, die Regie­rung des Drit­ten Reichs habe immer­hin auch Arbeits­lo­sig­keit ab- und Infra­struk­tur auf­ge­baut, so schlimm kön­ne sie also gar nicht gewe­sen sein.

PersönlichesPiratenpartei
War­um Basis­de­mo­kra­tie kein Blan­ko­scheck sein darf

Davon, dass die zeit­li­che Nähe zwi­schen dem Nie­der­gang der Hacker­kul­tur und dem gesell­schaft­li­chen Auf­stieg von Leu­ten, deren wesent­li­ches Inter­es­se der Neu­de­fi­ni­ti­on ihres Geschlechts gilt, war hier bereits 2016 die Rede, ich stell­te hier­für einen Zusam­men­hang zwi­schen dem Cha­os Com­pu­ter Club und der Pira­ten­par­tei her, wobei ich ins­be­son­de­re die Fol­gen für erste­ren Ver­ein the­ma­ti­sier­te. Aus aktu­el­lem Anlass möch­te ich heu­te ein­mal die ande­re Sei­te gering­fü­gig genau­er beleuch­ten.

Es gibt näm­lich gute Grün­de, dass es meh­re­re Par­tei­en gibt, und die­se lie­gen nicht nur dar­in, dass die Exi­stenz nur einer Par­tei dem jeden­falls papier­nen Anspruch der Reprä­sen­ta­ti­on des gan­zen hete­ro­ge­nen Volks zuwi­der­lie­fe, wes­we­gen im Übri­gen auch eine pro­zen­tua­le „Hür­de“ für den Ein­stieg in irgend­ein Par­la­ment mei­ner Auf­fas­sung von Volks­ver­tre­tung nicht ent­spricht. Es gibt, bewusst grif­fig ver­kürzt, mit den „Grü­nen“ eine Öko­par­tei, es gibt mit der SPD eine ehe­ma­li­ge Arbei­ter­par­tei, es gibt eine BGE-Par­tei die­ses Namens, es gibt eine erschreckend apo­li­ti­sche „Par­tei“ namens PARTEI, es gibt mit der „Uni­on“ sogar zwei Par­tei­en für den poli­tisch apa­thi­schen Durch­schnitts­bür­ger; es gibt außer­dem eine Par­tei, die sich für netz­po­li­ti­sche Belan­ge ein­zu­set­zen pfleg­te, und ihr Name ist Pira­ten­par­tei.

Die Pira­ten­par­tei, auf­ge­baut in und dank der Annah­me, jeder Bei­trag sei eine gro­ße Hil­fe bei der Umset­zung der poli­ti­schen Plä­ne, was spä­ter als „Basis­de­mo­kra­tie“ zusam­men­ge­fasst wur­de, kämpf­te über­zeu­gend dafür, dass die Belan­ge derer, die 2017 kol­lek­tiv belei­di­gend als „die Netz­ge­mein­de“ bezeich­net wer­den, als sei das Netz eine abweich­ler­freie Sek­te und kein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um, eine grö­ße­re Rol­le in der Bun­des­po­li­tik spie­len soll­ten. Bedau­er­li­cher­wei­se wur­de die Bereit­schaft, kei­nen am The­ma Inter­es­sier­ten abzu­wei­sen, bald der­ge­stalt fehl­in­ter­pre­tiert, dass davon aus­ge­gan­gen wur­de, dass jede noch so bescheu­er­te Idee, der in ande­ren Par­tei­en nicht genug zuge­hört wur­de, bei der Pira­ten­par­tei gut auf­ge­ho­ben sei, von Kern­kraft­kri­tik über Radi­kal­fe­mi­nis­mus bis hin zum lei­stungs­lo­sen Gra­tis­geld („BGE“).

Dass das kla­re und von allen ande­ren deut­schen Par­tei­en weit ent­fern­te, somit ein­ma­li­ge Pro­fil der Par­tei, die sich für eine poli­ti­sche Inte­gra­ti­on des Inter­nets in gesell­schaft­li­che Fra­gen ein­setzt, seit 2011 zuse­hends mehr ver­wäs­sert wur­de, ist Teil des Pro­blems, des­sen Fol­gen sich in per­ver­ser Gesetz­ge­bung und Ver­meh­rung von Über­wa­chungs­me­cha­nis­men zei­gen, und es gibt gute Grün­de, dar­an den­je­ni­gen eine per­sön­li­che Schuld zu geben, die den Unter­schied zwi­schen der Hil­fe beim Auf­bau einer schlag­kräf­ti­gen Par­tei­ba­sis und der Mög­lich­keit, sei­ne eige­ne Agen­da zu publi­zie­ren, nicht ver­stan­den haben.

Ich erklä­re das Pro­blem ein­mal mit einer Ana­lo­gie: Neh­men wir an, es gibt jeman­den, der zu Hau­se „kein Inter­net“ hat und des­sen Hob­bys Rüben­zucht und Tau­ben­jagd sind. Wel­che Par­tei ver­tritt sei­ne per­sön­li­chen Inter­es­sen am besten, in wel­cher wür­de er sich will­kom­men füh­len und gar mit sei­ner Exper­ti­se die­se Par­tei vor­an­brin­gen? In einer netz­po­li­ti­schen, einer wirt­schafts­ori­en­tier­ten gar?

Eine Par­tei, man ver­zei­he mir den Zir­kel­schluss, heißt Par­tei, weil sie Par­tei für eine bestimm­te Grup­pe (ihre Kli­en­tel, ihre Stamm­wäh­ler­schaft eben) ergreift, nicht aber zwangs­läu­fig für jeden gei­sti­gen Total­aus­fall, der gera­de was sagen will. Offe­ne Arme für jeden Fan­ta­sten haben schon ganz ande­re Pro­jek­te als bloß eine Par­tei zer­stört. Wenn jemand offen­sicht­lich völ­lig ande­re poli­ti­sche Vor­stel­lun­gen als ich selbst habe, dann neh­me ich das zur Kennt­nis, weiß aber auch, dass ein Kon­sens nicht funk­tio­nie­ren kann, wes­halb ich die­sen Jemand auch nicht „ein­zu­bin­den“ und „teil­ha­ben“ zu las­sen ver­su­che. Es ist ein gewal­ti­ger Feh­ler, als Par­tei anzu­neh­men, dass jeder Knall­kopf Gehör fin­den soll­te, wofür Zeit geop­fert wer­den müss­te, die statt­des­sen auch in sinn­vol­le­re Tätig­kei­ten, zum Bei­spiel für den Kampf für anstän­di­ge Netz­po­li­tik, inve­stiert wer­den könn­te. Par­tei­en sind kei­ne Buch­klubs.

Die Pira­ten­par­tei – Offen­le­gung: noch immer mit mei­ner Mit­glied­schaft aus­ge­stat­tet – ist kon­zep­tio­nell eine netz­po­li­ti­sche Par­tei, zusam­men­ge­setzt zwei­fel­los aus Men­schen ver­schie­den­ster Art. Dage­gen ist prin­zi­pi­ell nichts ein­zu­wen­den. Wer jedoch zwar vor viel­fäl­ti­gen Ideen nur so über­schäumt, jedoch kei­ner­lei Inter­es­se an einer moder­nen Netz- oder wenig­stens Urhe­ber­rechts­po­li­tik hat, der ist in einer poli­ti­schen, inner­par­tei­li­chen Dis­kus­si­on mit mir per­sön­lich nicht will­kom­men, weil er anders als die­je­ni­gen, die wenig­stens in den The­men, die der Pira­ten­par­tei über­haupt einen Grund zum Fort­be­stand ver­lei­hen, eine dis­kus­si­ons­wür­di­ge Mei­nung ver­tre­ten, ledig­lich ein Klotz am Bein wäre, denn er hat zur Umset­zung der Zie­le, für die die­se Par­tei über­haupt exi­stiert, nichts bei­zu­tra­gen, was es wert wäre, gehört zu wer­den.

Eine Par­tei muss auch mal sagen: Leu­te, ihr seid uns hier echt im Weg.

(Zweit­ver­wer­tet aus einer Dis­kus­si­on auf Twit­ter.)

In den NachrichtenComputer
Das Inter­net ist kaputt und kein Nazi ist dar­an schuld (Nach­trag).

Ein Gedan­ken­spiel: In naher Zukunft wird ein Rechts­au­ßen mit der Absicht, einen von ihm unge­lieb­ten, weil pro­vo­kan­ten lin­ken Benut­zer los­zu­wer­den, eine Spen­den­kam­pa­gne eröff­nen, um das füh­ren­de sozia­le Netz­werk – der Ein­fach­heit hal­ber neh­men wir an, es sei Face­book – zu kau­fen. Befeu­ert von einem welt­wei­ten über­wie­gend posi­ti­ven Medi­en­echo wird das ein rie­si­ger Erfolg: Bin­nen weni­ger Wochen ist das über­nom­me­ne Face­book nicht nur um einen, son­dern um vie­le Benut­zer ärmer, denn wenn man schon mal einen Sperr­knopf gekauft hat, dann will man ihn auch nut­zen. Sehr bald ist freie Rede nur noch eine schwä­cher wer­den­de Erin­ne­rung in die­sem Netz­werk, die ver­blei­ben­den Benut­zer akzep­tie­ren das aber, denn es war ja immer­hin auch ein Pro­vo­kant unter den Ent­fern­ten.

Will man das?

Will man das?

Die ehe­ma­li­ge CIA-Agen­tin Vale­rie Pla­me Wil­son hat eine Crow­fun­ding-Kam­pa­gne gestar­tet, um genü­gend Akti­en des Unter­neh­mens Twit­ter zu kau­fen, und so Ein­fluss neh­men zu kön­nen. Ihr Ziel: Donald Trump zu ver­ban­nen.

Stil­le wird unter­schätzt.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Skin­ny Pup­py – VIVI­sect­VI

Skinny Puppy - VIVIsectVIIch höre aber auch immer einen Scheiß.

Auf einem mei­ner Streif­zü­ge durch die Wiki­pe­dia wegen eines eigent­lich ganz ande­ren The­mas – ich kann nie­man­dem emp­feh­len, die Wiki­pe­dia zu durch­strei­fen – stieß ich aus Ver­se­hen auf die kana­di­sche Post-Indu­stri­al-Band Skin­ny Pup­py und bekam urplötz­lich Lust, die Tausch­bör­se mei­nes Ver­trau­ens nach ihr zu fra­gen. Das erst­be­ste Ergeb­nis war deren Album „VIVI­sect­VI“ (Amazon.de), was, ver­mut­lich, irgend­was mit „666“ zu tun hat, von 1988, und es ist so grau­en­haft, dass es mir schon wie­der erschreckend gut gefällt.

VX Gas Attack – Skin­ny Pup­py

Ton­band- und effekt­la­sti­ge elek­tro­ni­sche Tanz­mu­sik, von betei­lig­ten Musi­kern selbst als „Psy­che­de­lic Indu­stri­al“ bezeich­net, mit ver­zerrt vor­ge­tra­ge­nen Tex­ten über Natur­schutz, Ver­ge­wal­ti­gung und Che­mie­waf­fen, als hät­ten Throb­bing Grist­le ver­se­hent­lich mal die fal­schen Dro­gen genom­men, bricht hier über den sonst jazz­um­schmei­chel­ten Rezen­sen­ten her­ein.

Was ist das und war­um kann ich es nicht ein­fach weg­ma­chen?

Human Dise­a­se (S.K.U.M.M.) – Skin­ny Pup­py

All is a dise­a­se. Die Tex­te, angeb­lich via Bewusst­seins­strom und somit eigent­lich unab­sicht­lich ent­stan­den, sind min­de­stens so ver­stö­rend wie ihre Ver­packung und viel­leicht ist das ein Teil der Anzie­hungs­kraft, die „VIVI­sect­VI“ aus­übt. Man soll­te ja stets den Hori­zont, den Tel­ler­rand und so wei­ter zu wei­ten bereit sein, bis nur noch ein gro­ßes Loch übrig bleibt. In so Seri­en kommt aus gro­ßen Löchern ja gern ein­mal aller­lei Unge­mach.

Dreams ama­ze me, time escapes me („Dogs­hit“).

Man wird ziem­lich blöd davon. Auch mal schön.

Montagsmusik
Katie Von Schlei­cher – Move Through

Eines Tages.Es ist Mon­tag. Laut einer Eil­mel­dung, die wohl lei­der nicht noch ein paar Minu­ten war­ten konn­te, muss jeden­falls Jer­ry Lewis das nicht mehr mit­er­le­ben, wäh­rend man selbst gern den Tag erle­ben wür­de, an dem nur noch das eine Eil­mel­dung ist, was unver­züg­li­ches Han­deln erfor­dert. Sowie­so im Ver­zug: Man selbst. Mon­tags ist die Melan­cho­lie meist am lau­te­sten.

Apro­pos Zwei­sam­keit – es gibt gute Nach­rich­ten für alle, die gefähr­det sind, den Glau­ben an die Ver­nunft des Men­schen zurück­zu­be­kom­men: Es gibt jetzt Sex­ro­bo­ter, die man so ein­stel­len kann, dass sie über­haupt kei­nen Sex wol­len, jubelt das Gen­der­por­tal „ze.tt“; so lebens­echt waren die Din­ger ver­mut­lich noch nie.

Weni­ger lebens­echt: Goog­le lässt jetzt „künst­li­che Intel­li­genz“ auf „Hass­ver­bre­chen“ (also unhöf­li­che Online­kom­mu­ni­ka­ti­on) los, denn Com­pu­ter sind bekannt­lich unfehl­bar. Das har­mo­niert präch­tig mit der For­de­rung der Umwelt­wis­sen­schaft­le­rin Jen­ni­fer Jac­quet, die in der „Süd­deut­schen Zei­tung“ (möch­te aus Lei­stungs­schutz­grün­den nicht ver­linkt wer­den) für das US-ame­ri­ka­ni­sche Ver­ständ­nis von sozia­ler Gerech­tig­keit, näm­lich die nament­li­che öffent­li­che Bloß­stel­lung („Pran­ger“) von Mis­se­tä­tern, wirbt, ein­ge­bet­tet in ein „Gespräch“ dar­über, war­um Donald Trump so ist, wie er zu sein scheint, lei­der jedoch ohne Refe­renz dar­auf, dass sei­ne bis­he­ri­ge poli­ti­sche Bilanz noch immer mehr ver­spricht als sein Vor­gän­ger zu hal­ten ver­moch­te. Die Bewer­tung aus­län­di­scher Prä­si­den­ten in aus­ge­rech­net deut­schen Medi­en, ande­rer­seits, ist des Man­tels des Schwei­gens schon immer wür­dig gewe­sen. Wie lächer­lich „der Typ“ eigent­lich sei, fragt Timur Ver­mes auf „SPIEGEL ONLINE“ und lässt mich plötz­lich genau die glei­che Fra­ge stel­len. Zufäl­le gibt’s!

Ganz und gar nicht lächer­lich ist und bleibt: Musik.

Katie Von Schlei­cher | Blue Room | Thrd­Co­ast

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 18. August 2017

Bei „Golem.de“ fand man über­rascht her­aus: Ein inter­net­ge­steu­er­ter Gar­ten funk­tio­niert nicht ohne eine Ver­bin­dung.


Die kana­di­sche Ryer­son-Uni­ver­si­tät hat gegen freie Rede nichts ein­zu­wen­den, aber bit­te woan­ders.


Der ehe­ma­li­ge Waf­fen­ex­port­mi­ni­ster Sig­mar Gabri­el fin­det Waf­fen­ex­por­te blöd, teilt sein Mini­ste­ri­um mit. Vor­aus­sicht­lich wird sich sei­ne Par­tei aus par­la­men­ta­ri­schen Grün­den jedoch auch künf­tig anders ent­schei­den.


Lustig: Lea-Vere­na Mein­gast fin­det in einem Arti­kel auf „ze.tt“, in dem sie das „Gen­der­stern­chen“ alle paar Sil­ben dazwi­schen­spuckt, der aka­de­mi­sche Titel gehö­re nicht auf ein Klin­gel­schild, weil er Aus­län­der ver­wir­re.


Die „c’t“-Redaktion „infor­miert“: Gerä­te phy­sisch zu beschä­di­gen nennt man „Hacken“.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Poli­zei fin­det Ter­ror­au­tos in Bar­ce­lo­na

Auf „ZEIT ONLINE“ gibt Kar­sten Pol­ke-Majew­ski – pri­ma Name eigent­lich – anläss­lich der kürz­lich erfolg­ten Anschlä­ge in Bar­ce­lo­na andert­halb gesi­cher­te Fak­ten bekannt:

Ein (…) Lie­fer­wa­gen ist (…) in die Fuß­gän­ger­zo­ne La Ram­bla in Bar­ce­lo­na gefah­ren und hat min­de­stens 13 Men­schen getö­tet. (…) Die Poli­zei soll zudem ein wei­te­res Auto gefun­den haben, viel­leicht soll­te es als Flucht­wa­gen die­nen.

Erst fährt ein Lie­fer­wa­gen von ganz allein irgend­wo rein und dann steht irgend­wo in Bar­ce­lo­na auch noch ein zwei­tes Auto her­um, das viel­leicht dem Lie­fer­wa­gen als Flucht­wa­gen die­nen soll­te und viel­leicht auch nicht. Die Auto­mo­bil­in­du­strie schreckt auch vor nichts mehr zurück.

(via @MarvinWendland1)

In den NachrichtenComputer
Das Inter­net ist kaputt und kein Nazi trägt dar­an die Schuld.

Waf­fen­nar­re­tei und Ein­wan­de­rungs­kri­tik, ließ die­ser Tage das Essens­por­tal Insta­gram sei­ne Benut­zer wis­sen, sei­en selbst­re­dend gern gese­hen, aber Fotos fet­ter Igel wür­den kei­nes­wegs gedul­det und ihre Ver­brei­tung füh­re ver­se­hent­lich zum sofor­ti­gen Aus­schluss des Ver­ur­sa­chers.

Ob es inso­fern eine beson­ders gute Idee ist, Algo­rith­men statt Men­schen über rich­tig und falsch, über legal und ille­gal, über den Unter­schied zwi­schen Igel­fo­tos und zum Bei­spiel Kin­der­por­no­gra­fie ent­schei­den zu las­sen, ist eine Fra­ge, die sich unkri­tisch tech­nik­hö­ri­ge, weil klick­hung­ri­ge Mas­sen­me­di­en bedau­er­li­cher­wei­se viel zu sel­ten stel­len, was nicht nur Unsinn wie Insta­gram betrifft, son­dern auch viel wei­ter rei­chen­de Aus­wir­kun­gen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewor­de­nen Denk­feh­lern von Hei­ko Maas wis­sen. Bis zur end­gül­ti­gen mora­li­schen Klä­rung die­ses Pro­blems ver­blei­ben immer­hin noch Men­schen an den Schalt­he­beln, denen der Kon­sens, der so etwas wie eine welt­wei­te Ver­net­zung über­haupt erst sinn­voll mach­te, nicht ganz so wich­tig ist wie ihr eige­ner mora­li­scher Stand­punkt, wes­halb sie ohne Not auch schon mal an den Grund­pfei­lern des Inter­nets rüt­teln, um das Böse ange­mes­sen zu besie­gen.

„ZEIT ONLINE“ (uni­so­no mit ande­ren zeit­ge­nös­si­schen Publi­ka­tio­nen) berich­tet heu­te etwa vom Kampf „des Inter­nets“ gegen „die Nazis“:

Wer sich als Web­site­be­trei­ber von einem (…) Unter­neh­men benach­tei­ligt fühlt, kann theo­re­tisch ein­fach zu einem ande­ren gehen. Doch fak­tisch wer­den vie­le die­ser acht Ebe­nen von sehr weni­gen, sehr mäch­ti­gen Unter­neh­men kon­trol­liert. Wer ihre Dien­ste nicht nut­zen kann, ist im Netz unsicht­bar, schwer erreich­bar, angreif­bar, geschäfts­un­fä­hig.

Der Hin­ter­grund des Arti­kels ist, dass der ver­schlüs­se­lungs­kri­ti­sche Netz­dienst­be­trei­ber Cloud­fla­re, der noch 2015 so tat, als sei ihm wich­tig, dass Domä­nen­sper­run­gen allen­falls auf judi­ka­ti­ves Urteil hin erfol­gen müss­ten, auf die Eska­la­ti­on der US-ame­ri­ka­ni­schen Schar­müt­zel zwi­schen alter­na­ti­ven Rech­ten und regres­si­ven Lin­ken (irgend­was mit einem Auto) der­ge­stalt reagier­te, dass er die rei­ße­ri­sche Web­site „Dai­ly Stor­mer“ aus der öffent­li­chen Erreich­bar­keit ent­fern­te. Der­je­ni­ge, der die­se Ent­schei­dung getrof­fen hat­te, näm­lich der Vor­stands­vor­sit­zen­de von Cloud­fla­re, ver­tei­dig­te sie zunächst mit der Begrün­dung, dass er die Autoren des „Dai­ly Stor­mer“ für Arsch­lö­cher hal­te, ver­öf­fent­lich­te jedoch außer­dem einen dop­pel­zün­gi­gen Blog­ar­ti­kel, in dem er zwar zugab, dass Cloud­fla­re hier ein­ge­grif­fen hat­te, um den Ver­dacht, das Unter­neh­men unter­stüt­ze heim­lich Neo­na­zis, zu zer­streu­en, es gleich­zei­tig aber bedau­er­te, dass Cloud­fla­re das über­haupt kön­ne; als sei der Vor­wurf, dass ein für die Neu­tra­li­tät des Inter­nets nicht völ­lig unwich­ti­ges Unter­neh­men sich nicht für die rich­ti­ge poli­ti­sche Sei­te ent­schei­det, ein Anlass, eben­die­se Neu­tra­li­tät über den Hau­fen zu wer­fen.

Ob man nun die Mei­nungs­frei­heit weit genug aus­legt, um ihre Aus­übung auch „den Nazis“ zuzu­ge­ste­hen, oder nicht, spielt bei der Bewer­tung des bedeut­sam­sten Pro­blems in die­ser Sache jeden­falls kei­ne Rol­le, das da näm­lich lau­tet: Je inten­si­ver „die Nazis“ (oder wer auch immer die aktu­ell meist­ver­ach­te­te Grup­pie­rung sein mag) weg­ge­löscht wer­den, desto wahr­schein­li­cher ist es, dass sie irgend­wann eine aus­rei­chend gro­ße Schlag­kraft ent­wickelt haben, um ihr eige­nes unzen­sier­tes Gegen­netz auf­zu­bau­en; womit sie, „die Nazis“, letzt­lich gewon­nen hät­ten, denn dem gesund­kon­so­li­dier­ten Wohl­fühl­in­ter­net, in dem es Ein­horn­kot­ze und Nutel­la reg­net, stün­de ihr Abgrund ent­ge­gen, der sicher­lich sei­ne Ecken und Kan­ten haben dürf­te, was den Huma­nis­mus betrifft, aber nichts­de­sto­trotz frei wäre. Anders gesagt: Unter­neh­men wie Cloud­fla­re wer­den, wenn sich die Netz­po­li­tik in bestehen­der Wei­se wei­ter ent­wickelt, die Schuld dar­an tra­gen, dass die Letz­ten, die sich noch über ein frei­es Inter­net freu­en dür­fen, irgend­wann „die Nazis“ sein wer­den, wäh­rend hier­zu­lan­de in enger Zusam­men­ar­beit mit Über­see die SPD, der bescheu­er­te Axel-Sprin­ger-Ver­lag und Git­Hub ihr bedau­er­li­cher­wei­se Bestes tun, um einen schon in der blo­ßen Theo­rie fata­len Kom­pro­miss aus glo­ba­ler Frei­heit und klein­gärt­ne­ri­schem Ver­ständ­nis von Recht und Unrecht zu fin­den und zu eta­blie­ren, not­falls mit juri­sti­scher Gewalt. Kann, wem jedes Mit­tel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Dark­net kann man ja auch nicht mehr. Da sind jetzt auch eure Eltern.

In den NachrichtenComputer
Empö­rend: Öffent­li­che Datei­ab­la­ge dient der öffent­li­chen Datei­ab­la­ge!

App­le­kun­den in New York sind erbost:

In New York miss­brau­chen offen­bar Exhi­bi­tio­ni­sten das Air­Drop-Fea­ture und schicken wahl­los iPho­ne-Nut­zern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den moder­nen Exhi­bi­tio­ni­sten zum Opfer zu fal­len, muss Air­Drop so ein­ge­stellt sein, dass man Daten von jedem Nut­zer emp­fan­gen kann.

Frü­her war ein „Opfer“ ja noch jemand, der einen tat­säch­li­chen Scha­den davon­trug, und nie­mand, dem Frem­de in einen Ord­ner, den er absicht­lich für die gan­ze Welt zum Schrei­ben frei­ge­ge­ben hat, irgend­wel­che Bild­da­tei­en legen, aber frü­her hat­ten unse­re Tele­fo­ne auch noch Schnur und Schei­be.