In den NachrichtenMontagsmusik
Need­le­point – Aim­less Mary // Aste­rix bei den Fran­zo­sen

Sehe ich aus, als hätte ich Brückentag?Es ist Mon­tag. Der Auf­schwung ist da, Krieg wird jetzt moder­ner. Scha­de: Kei­ne Welt­raum­schlach­ten. Noch scha­der: Kein Pan­da­bär. Ist doch Käse mit Käse oben­drauf. Viel­leicht hilft ein kur­zer Win­ter­schlaf.

Was Mode ist, ver­mo­dert: Die „Washing­ton Post“ fin­det, die Mode­indu­strie soll­te wirk­lich mal was dage­gen unter­neh­men, dass poli­tisch eher rechts ste­hen­de Demon­stran­ten sich wie auch die hie­si­gen Knall­tü­ten von der „PARTEI“ um einen attrak­ti­ven Klei­dungs­stil bemü­hen. Viel­leicht wird bald die Losung aus­ge­ru­fen, dass ech­te Demo­kra­ten sich künf­tig dadurch von den Böse­wich­ten abzu­gren­zen haben, dass sie sich absicht­lich schei­ße anzie­hen. Geschmack ist Nazi!

Von ande­ren unlieb­sa­men Demon­stran­ten berich­te­te gestern das nicht seri­ös arbei­ten­de Käse­blatt „SPIEGEL ONLINE“, dem zufol­ge in Kata­lo­ni­en als Stra­fe dafür, dass die dort leben­den Men­schen über­wie­gend ungern Spa­ni­er sind, sel­bi­ge Men­schen beim Ver­such, die­ser Mei­nung per Wahl Aus­druck zu ver­lei­hen, von der spa­ni­schen Poli­zei „ange­mes­sen und pro­fes­sio­nell“ (ebd.) ver­dro­schen wur­den. Ein Land wei­ter war gestern aller­dings eben­falls wie­der Stim­mung: Ein Atten­tä­ter ver­üb­te ein Atten­tat und der „Isla­mi­sche Staat“ teil­te hin­ter­her mit, es habe sich um einen der Sei­nen gehan­delt, wie er das eben des Öfte­ren so macht. Im Jahr 1979 erschien der „Asterix“-Band „Aste­rix bei den Bel­gi­ern“, des­sen Hand­lung dar­in besteht, dass die Bel­gi­er mit den heft­üb­li­chen Gal­li­ern dar­um wett­ei­fern, wel­cher denn der Tap­fe­re­re von bei­den Stäm­men sei, indem sie Römer­la­ger ver­wü­sten und den Ver­prü­gel­ten jeweils nach erfolg­ter Ver­prü­ge­lung mit­tei­len, wel­chem der bei­den Stäm­me sie denn ange­hör­ten, damit sich das auch zuver­läs­sig her­um­spre­chen möge. Ich weiß auch nicht, wie ich jetzt gera­de auf Aste­rix kom­me.

Apro­pos „kom­men“: Es gibt einen neu­en Hacker­sport namens „Screw­dri­ving“, bei dem man im Wesent­li­chen irgend­wel­ches Sex­spiel­zeug aus rela­ti­ver Fer­ne zum Vibrie­ren bringt. Die­se Digi­ta­li­sie­rung ist schon drol­lig.

Musik!

Need­le­point – Aim­less Mary

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Rich­tig gepflegt eine schal­lern und dann ist Ach­ter­bahn hier, Jun­ge!

Schlä­ger­par­tei Deutsch­lands:

Nach­dem sie am Vor­mit­tag ein letz­tes Mal am Regie­rungs­tisch Platz genom­men habe, füh­le sie sich ein biss­chen weh­mü­tig, erzähl­te Nah­les den Jour­na­li­sten: „Aber ab mor­gen krie­gen sie in die Fres­se.“ „Sie“, das ist die neue Bun­des­re­gie­rung.

Et klatscht gleich, vasch­teh­ste? Vor dem Früh­stück erst mal schön dem Lind­ner links, rechts eine kle­ben, damit der nicht immer so schei­ße guckt, den Schäub­le aus dem Rol­li kip­pen und dem Hof­rei­ter sei­ne däm­li­chen Haa­re in den Mixer stecken, damit die Chab­os wis­sen, wer hier die Baboi­ne ist. Hate-Speech war gestern, heu­te gibt’s auf’s Maul! Ist sie zu stark, bist du zu schwach. Das kennt Andrea Nah­les noch aus ihrer Zeit als Hartz-IV-Mini­ste­rin. Schwe­ster, mei­ne Pil­len, aber die mit dem Smi­ley drauf, und zwar ein biss­chen zackig, wenn ich bit­ten darf!

Politik
Hala­li!

Franz-Josef Strauß (CSU) in der „WELT“ 1974:

Was wir hier in die­sem Land brau­chen, sind muti­ge Bür­ger, die die roten Rat­ten dort­hin jagen, wo sie hin­ge­hö­ren (…).

Lud­ger Vol­mer (Grü­ne) am Wahl­abend nach der Bun­des­tags­wahl 1994:

Wir wer­den den Kanz­ler jagen.

Hei­de Simo­nis (SPD) in der „BILD am Sonn­tag“ 1995:

Wir müs­sen den Bun­des­kanz­ler rich­tig jagen[.]

Dag­mar Enkel­mann (PDS, heu­te Die Lin­ke) 1996:

Die Oppo­si­ti­on könn­te wirk­sa­mer sein und die Regie­rung jagen (…).

Chri­sti­an Lind­ner (F.D.P.) auf dem Drei­kö­nigs­tref­fen 2014:

Wir wer­den die Bun­des­re­gie­rung jagen!

Alex­an­der Gau­land (AfD) am Wahl­abend nach der Bun­des­tags­wahl 2017:

Die Bun­des­re­gie­rung, wie immer sie aus­sieht, kann sich warm anzie­hen, wir wer­den sie jagen[.]

Was frei­lich, glaubt man diver­sen sonst nicht unver­nünf­ti­gen Twit­ter­nut­zern und son­sti­gen sozia­len Medi­en, übel­ster „Nazi­sprech“ (ebd.) und damit Schlimm­denk ist; so lan­ge das tra­di­tio­nell kur­ze Gedächt­nis der Wäh­ler eben dies­mal andau­ert.

MontagsmusikPolitikIn den Nachrichten
Rhys Chat­ham – Pytha­go­re­an Dream (Part Two) // Bun­des­tags­qual

„... und dann haben sie DAS gewählt!“Es ist Mon­tag, der Tag danach; ein Tag, den allen­falls ein Pan­da­bär noch ret­ten könn­te, denn das lang­wei­li­ge Deutsch­land hat gewählt.

Gewon­nen, so viel sei gesagt, haben ganz unab­hän­gig vom Wahl­er­geb­nis der Sozi­al­ab­bau, die Ren­ten­strei­chun­gen, die immer­hin (spät) sank­tio­nier­te Alters­ar­mut, die Bun­des­wehr – ver­lo­ren aber hat, Medi­en­be­rich­ten zum Trotz, kei­nes­wegs der Rechts­po­pu­lis­mus, denn der stellt auch 2017 noch hoch­ran­gi­ge Mini­ster, son­dern der Wäh­ler, den das Schreck­ge­spenst AfD aber­mals erfolg­reich davon abge­hal­ten hat, die Zukunft sinn­voll mit­zu­ge­stal­ten. Etwa 87 Pro­zent der Wäh­ler haben nicht die AfD gewählt, etwa 90 Pro­zent nicht die Grü­nen und immer noch fast 70 Pro­zent nicht die Kanz­le­rin, den­noch bestimmt das Gesche­hen eine mög­li­che Koali­ti­on, die im Medi­an von einer deut­li­chen Mehr­heit nicht gewählt wur­de. Koali­tio­nen sind aus demo­kra­ti­scher Sicht tout comp­te fait aller­dings grund­sätz­lich eine Kata­stro­phe, eine rich­ti­ge im Fal­schen ist nicht aus­zu­ma­chen. Der mora­li­sche Sie­ger bekommt beim Wett­ren­nen ja auch nur noch einen Trost­preis. – Man stel­le sich vor, das Volk trä­fe nicht nur alle vier Jah­re, son­dern pau­sen­los dum­me Ent­schei­dun­gen. Man sehe sogleich: Nur Volks­ab­stim­mun­gen könn­ten das alles noch schlim­mer machen.

Bringt alles nichts. Ich habe jeden­falls beschlos­sen, über die Beschlüs­se der kom­men­den Bun­des­re­gie­rung in die­ser Publi­ka­ti­on bis zur näch­sten Bun­des­tags­wahl kein Wort mehr zu ver­lie­ren. Das schont die Ner­ven ins­be­son­de­re zum Wochen­be­ginn und lässt mehr Zeit für Schö­nes, näm­lich für Musik. Und danach kom­men wir noch mal auf den Pan­da­bä­ren zurück.

Guten Mor­gen und viel Glück.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 24. Sep­tem­ber 2017

Genau mein Humor: Ein hoch­ran­gi­ger Kir­chen­ver­tre­ter fin­det, man sol­le die Wirk­lich­keit nicht ver­zer­ren.


Jungs sind bes­ser in Phy­sik, weil sie häu­fi­ger einen Penis anfas­sen. Das klingt, als könn­te man das sozia­le Gefäl­le hier ziem­lich ein­fach begra­di­gen.


Eil­mel­dung des Tages: Kon­kur­renz macht den Penis län­ger. Aller­dings bei Enten.


„Corey Doc­to­row slow­ly beings to rea­li­ze that the inter­net, like ever­ything else, exists at the con­ve­ni­ence of peo­p­le with money.“


For­mel 1 zu lei­se? Hil­fe ist unter­wegs!

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Igorrr – Sava­ge Sinu­so­id

Igorrr - Savage SinusoidIgorrr!

Schon der Name – lei­der ohne Aus­ru­fe­zei­chen – ist so klang­voll, dass man es leicht ver­schmerzt, dass hier nicht auf Rus­sisch musi­ziert wird. Statt Kalin­ka wird der aku­sti­sche Angriff besun­gen, stil­echt ein­ge­lei­tet durch einen Kriegs­schrei („Vian­de“), der sogleich in don­nern­den Metal über­geht. War­um kleckern, wenn man klot­zen kann? „Sava­ge Sinu­so­id“ (Amazon.de, TIDAL), das laut Inter­net sech­ste Album der Fran­zo­sen, weckt seit Juni die­ses Jah­res ver­mut­lich so man­chen Toten auf.

Igorrr – ieuD [OFFICIAL VIDEO]

Gele­gent­li­che Elek­tro­ni­ka und Effek­te las­sen Eti­ket­tie­rung sowie­so nicht sinn­voll zu, zumal nicht ein­mal hier ein Still­stand aus­zu­ma­chen ist: Gau­tier Ser­re, die trei­ben­de Kraft hin­ter Igorrr, hat Spaß an Expe­ri­men­ten und lässt den Hörer das auch mer­ken. Wo eben noch das wil­de nor­di­sche Leben tob­te, erfolgt gleich die Umschal­tung in den musi­ka­li­schen Bal­kan, wäh­rend der Voka­list sich all­mäh­lich hei­ser zu schrei­en scheint. Plötz­li­cher The­men­wech­sel: Krau­ti­ger Art­pop wech­selt sich mit struk­tu­rell hag­gar­de­s­quem Brüll- einer- und Post­me­tal ande­rer­seits mit pri­ma Opern­ge­sang von Lau­re Le Pru­nen­ec ab, man­nig­fal­tig elek­tro­nisch mani­pu­liert – „ieuD“ bringt in fast vier Minu­ten mehr Sti­le unter als vie­le ande­re Künst­ler auf drei Stu­dio­al­ben.

Igorrr – Che­val [OFFICIAL VIDEO]

Ein Stück wie die­ses auf „Sava­ge Sinu­so­id“ dabei nicht ein­mal eine beson­de­re Aus­nah­me; „Hou­mous“ inte­griert Kirmes‑, 8‑Bit- und Welt­mu­sik in ein alles ande­re als enges Math­rock­kor­sett, ande­re Stücke wie „Apo­patho­dia­phul­a­to­pho­bia“ tra­gen ihre völ­li­ge Abge­dreht­heit schon im Namen. Ich fin­de ja mit­un­ter durch­aus Gefal­len an Abge­dreh­tem.

Gro­ße Klas­se.

PolitikIn den Nachrichten
Kri­ti­sche Beglei­tung und ihre Gefah­ren

(Vor­be­mer­kung: Zynis­mus befreit den Geist, ich kann ihn inso­fern nur emp­feh­len.)

In den Tagen vor der Wahl wird die ohne­hin schon nicht gera­de wert­neu­tra­le Bericht­erstat­tung tra­di­ti­ons­be­wusst noch krei­schen­der. Auch Anna Bisel­li vom schräg-grü­nen Per­so­na­li­ty­b­log „Netzpolitik.org“ (hier wie bis­her aus ethi­schen Grün­den nicht ver­linkt) grub am ver­gan­ge­nen Mon­tag die Pira­ten­par­tei wie­der aus, nur um dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man die ja gera­de nicht so wäh­len kön­ne, weil das The­ma so was von durch sei; so weit muss man sei­ne eige­nen Aus­schei­dun­gen halt auch erst ein­mal wer­fen kön­nen, dafür gibt es min­de­stens mei­nen Respekt.

Wenig­stens der Rest der Medi­en, ob sozi­al oder nicht, hält sich brav ans Nar­ra­tiv und ver­brei­tet zwecks Fein­des­ab­wehr unter ande­rem Gra­fi­ken vom Vor­jahr, die das „rech­te Netz­werk“ des Buh­manns AfD – von denen las­sen wir uns doch nicht unse­re christ­so­zia­le Poli­tik weg­neh­men, ist schließ­lich Deutsch­land hier – „auf­decken“, dabei kei­nes­wegs die per­so­nel­len Ver­bin­dun­gen mit der NPD über­se­hen, die mit der „Uni­on“ aber geflis­sent­lich igno­rie­ren. Das muss man ver­ste­hen, die „Uni­on“ war schon eta­bliert, als die Eltern der gerech­ten Demo­kra­ten noch mit der Ras­sel um den christ­lich-west­lich guten Weih­nachts­baum gestol­pert sind, und eta­blier­te Poli­tik kann nicht schlecht sein, denn sonst wäre sie ja nicht eta­bliert.

Die durch den aus­blei­ben­den Kampf gegen die CDU/CSU frei­en Res­sour­cen wer­den daher in die Schlacht für die gerech­te Sache gesteckt, wobei man das selbst­ver­ständ­lich nicht „Schlacht“ nennt, denn das wäre mili­tant und unlinks. Statt­des­sen wird das Vor­ha­ben rhe­to­risch unge­fähr so beti­telt:

Am Sonn­tag Abend rufen wir dazu auf die Wahl­par­ty der Ham­bur­ger AfD kri­tisch zu beglei­ten.

Wie beglei­tet man eine Wahl­par­ty kri­tisch? Unter „kri­ti­scher Beglei­tung“ stell­te ich mir, bis ich die­sen Quatsch­satz gele­sen habe, meist eine jour­na­li­sti­sche Tätig­keit vor, indem regel­mä­ßig irgend­wel­che seman­ti­schen oder aus­nahms­wei­se auch mal fach­li­chen Ana­ly­sen des Gesag­ten in ein­schlä­gi­gen Peri­odi­ka erschei­nen. Wie Jour­na­li­sten wir­ken die Sei­ten­ma­cher auf mich jedoch eben­so wenig wie mir klar ist, wie umfang­reich eine Bericht­erstat­tung über einen Abend des kalo­rien­rei­chen Bal­ken­guckens über­haupt sein kann. „Eil­mel­dung: Mit­glied der Ham­bur­ger AfD ver­stößt gegen sei­nen Diät­plan!“

Dass die­se „kri­ti­sche Beglei­tung“ sich ande­rer­seits auch nicht auf das Schwen­ken von Pla­ka­ten beschrän­ken, son­dern auch in enge­rem Zusam­men­hang mit destruk­ti­ver Inter­ak­ti­on ste­hen dürf­te, zeigt eine Ein­la­dung für den­sel­ben Wahl­abend in Ber­lin in der glei­chen recht­schreib­kri­ti­schen Publi­ka­ti­on, aber an ande­rer Stel­le:

Zie­hen wir der AfD den Stecker!
Licht aus für Rech­te Infra­struk­tur!

Nun ist kri­ti­sche Beglei­tung ja noch kein Ter­ror­akt, denn ein Ter­ror­akt impli­ziert im Gegen­satz zu einem Sabo­ta­ge­akt nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung Men­schen­scha­den, und Pfla­ster­stei­ne haben bekannt­lich noch nie­man­dem gescha­det; die kri­ti­sche Beglei­tung der Poli­zei­ar­beit anläss­lich des G20-Gip­fels in Ham­burg sorg­te eben­falls aus­schließ­lich für ein fried­li­che­res, soli­da­ri­sches Mit­ein­an­der und hat nie­man­dem gescha­det, der es nicht qua Beruf in prae­ci­pio ver­dient hät­te. Selbst die kri­ti­sche Beglei­tung von Tou­ri­sten durch IS-Sym­pa­thi­san­ten lie­ße sich sicher­lich auch mit einem fried­li­che­ren Wort als „Ter­ro­ris­mus“ beti­teln. Die haben halt die fal­sche Par­tei Reli­gi­on und dafür krie­gen sie jetzt ordent­lich Ärger. Selbst schuld, wer sich der neu­en Welt­ord­nung ver­wei­gert.

Nie­mand muss Tou­rist sein.

NetzfundstückeSonstiges
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Groß­maul fickt gut.

Die „Cos­mo­po­li­tan“, das fröh­li­che Maga­zin, auf des­sen Okto­ber­aus­ga­be schon wie­der Jes­si­ca Alba zu sehen ist, was über die „Cos­mo­po­li­tan“ frei­lich mehr aus­sagt als über Jes­si­ca Alba, ent­täuscht den Freund absur­der Text­kom­bi­na­tio­nen nur sel­ten.

Auch dies­mal nicht:

Denn neben der Befas­sung mit den typi­schen Pro­ble­men, die man als Frau so hat („Macht Smog Fal­ten?“) wird einer­seits für Smart­sein gewor­ben [1], denn Smart­sein mache bes­se­ren Sex, gleich­zei­tig aber davor gewarnt, dass es Leu­te gibt, die sich smar­ter­wei­se für eine Woh­nung mit Sex bezah­len las­sen möch­ten [2] (sind wohl auch „Cosmopolitan“-Leser); es wer­den Anlei­tun­gen gege­ben, „Groß­mäu­lern“ auf­grund deren Sei­ten­hie­ben „ele­gant den Mund zu stop­fen“ [3], gleich­zei­tig aber auch sol­che, selbst groß­mäu­lig Sei­ten­hie­be zu ver­tei­len [4]. Ob es einen Zusam­men­hang zwi­schen der „Kunst, Sei­ten­hie­be wort­los zu kon­tern“, und der Fra­ge, ob man als „Traum­job“ nicht viel­leicht doch lie­ber „Influen­cer“ sein (also sein Geld statt im Team statt­des­sen damit ver­die­nen, allein im hei­mi­schen Kel­ler irgend­wel­che Din­ge in so Netz­wer­ken zu ver­tei­len) soll­te, gibt, kann ich lei­der nur raten.


Spek­tral­netz­wer­ke und ihre Tücken: Auf „Golem“ wies Tobi­as Költzsch gestern einen hal­ben Arti­kel lang merk­lich unge­hal­ten dar­auf hin, dass das Mikro­blog­netz Gab.ai „Figu­ren vom rech­ten Rand“ (für „Nazi­är­sche“ war wohl doch noch zu viel Rest­jour­na­lis­mus da) ein „Spek­trum“ bie­te, wie auch immer man „ein Spek­trum bie­ten“ kann; als soll­te ein Inter­net­dienst grund­sätz­lich immer und bit­te­schön genau wie die Figur vom Golem-Rand wer­ten, statt neu­tral zu sein; es sei, ver­steht sich, denn, man (hier: Költzsch) ver­steht unter Netz­neu­tra­li­tät nur schnel­les Her­un­ter­la­den von schlech­ter Musik und nicht etwa, dass die Frei­heit des Net­zes eine links­po­li­ti­sche zu sein hat, denn dann ist sei­ne feh­len­de Hal­tung sicher­lich zwar immer noch beknackt, aber wenig­stens begrün­det.

PolitikMontagsmusik
Toun­dra – Kits­une // Sechs Tage ahnungs­los.

Es wird Herbst, die Eulen verlieren ihre Blätter.Es ist Mon­tag; womit die Welt das ver­dient hat, ist jedoch lei­der unklar. Beru­hi­gend aber ist es, dass sie ihren Humor nicht ver­lo­ren hat: Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag wur­de ein Gespräch mit Hil­la­ry Clin­ton von einem Video eines nie­sen­den Pan­das unter­bro­chen, anschlie­ßend aber lei­der fort­ge­setzt. Einen prä­si­dia­len Pan­da­bä­ren wür­de ich jeden­falls wäh­len.

Falls es über­haupt so weit kommt, denn das poli­ti­sche System ist auch hier­zu­lan­de irri­tie­rend. In nur einer Woche hät­te es wie­der kei­ner ahnen wol­len, denn Demo­sko­pie geht meist vom frei erfun­de­nen Ide­al­fall aus, näm­lich davon, dass Men­schen strin­gent han­deln und Wahl­pro­gram­me irgend­et­was mit Real­po­li­tik zu tun haben. Dann wird wie­der irgend­je­mand betrof­fen in irgend­ei­ne Kame­ra gucken und ver­kün­den, dass die Popu­li­sten zwar „lei­der“ irgend­wo „drin“ sei­en, aber immer­hin iso­liert, denn tat­säch­lich hat in der bei­na­he unver­meid­li­chen knap­pen Mehr­heit für die rechts­po­pu­li­sti­sche Koali­ti­on aus dem unhei­li­gen Bünd­nis aus CDU und CSU sowie der Par­tei des Sozi­al­ab­baus (PdS, ehem. SPD) nie­mand sonst ein Wört­chen mit­zu­re­den, was unge­fähr der Poli­tik der ver­gan­ge­nen vier Jah­re ent­spricht: Die Iso­la­ti­on der Mehr­heit als Bewah­rung der Demo­kra­tie. Was dann kom­men wird, ist abseh­bar: In Medi­en, die nicht ver­linkt wer­den möch­ten, for­der­te die­ser Tage der heu­te sei­nen 75. Geburts­tag fei­ern­den (weil „bege­hen­den“ doch recht unchar­mant wäre) Wolf­gang Schäub­le eine Ren­te ab 70 Jah­ren. Ich bin ja sel­ten sei­ner Mei­nung, fin­de aber, er hat Ren­te wirk­lich drin­gend nötig.

Neu­es aus der Geschlech­ter­for­schung: Auti­sten bei­der­lei Geschlechts haben beson­ders männ­li­che Gesich­ter, von einer Auti­sten­quo­te in Füh­rungs­po­si­tio­nen ist daher ver­mut­lich gleich dop­pelt Abstand zu neh­men. Ande­rer­seits: Um irgend­wo als Chief Secu­ri­ty Offi­cer anfan­gen zu dür­fen, reicht ja auch ein Musik­stu­di­um aus.

Passt ja, für Logik sind sich sowie­so die mei­sten Bran­chen zu fein: Der Nutz­los­dienst Golem.de behaup­te­te gestern, bei „Ale­xa“ und „Goog­le Assi­stant“ han­de­le es sich um „smar­te Laut­spre­cher“, wäh­rend zu mei­ner Zeit Gerä­te, in die man rein­spricht und die dann irgend­was machen, noch „Mikro­fo­ne“ (wenn sicht­bar) oder „Wan­zen“ (wenn nicht so offen­sicht­lich sicht­bar) hie­ßen. Gerä­te, die smar­ter sind als die­je­ni­gen, die über sie berich­ten: Das ist wohl die­se Zukunft, von der immer alle reden.

Da hal­te ich mich doch lie­ber an die Ver­gan­gen­heit, zum Bei­spiel an das Jahr 2016.

Toun­dra – KITSUNE

Guten Mor­gen.


In eige­ner Sache: Ich habe mein Word­Press-Plug­in WP-Wahl­B­lack­out für die anste­hen­de Bun­des­tags­wahl ein biss­chen über­ar­bei­tet, unter ande­rem mit etwas sinn­vol­le­ren Ver­wei­sen auf der mit­ge­lie­fer­ten, aber immer noch zweck­mä­ßig gestal­te­ten Abschalt­sei­te. Wer es nut­zen möch­te, der möge das tun.

In den Nachrichten
Okto­ber­fest ist wie Hit­ler.

Apro­pos Okto­ber­fest.

Sel­bi­ges war noch nicht ein­mal rich­tig ange­lau­fen, da gab es schon die ersten Beschwer­den: In einer Online­pu­bli­ka­ti­on aus dem wei­te­ren Umfeld der Ver­an­stal­ter wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ein Bier­zelt vol­ler Alko­ho­li­sier­ter sowie sich Alko­ho­li­sie­ren­der mög­li­cher­wei­se nicht der rich­ti­ge Ort sei, um sei­ne grü­nen Hip­pie­idea­le von unglück­li­cher Lie­be für alle Geschlech­ter mit allen Geschlech­tern zu pro­pa­gie­ren, um Rück­sicht auf die rusti­ka­le­ren Teil­neh­mer zu neh­men, die wenig Inter­es­se an einem Pra­xis­be­richt aus dem All­tag mit Homo­se­xua­li­tät haben. Sofort spran­gen sich als gerecht ver­ste­hen­de Rit­ter jed­wel­chen Geschlechts aus dem vir­tu­el­len Gebüsch her­vor und quak­ten drauf­los, dass das nicht in Ord­nung sei und der Ver­an­stal­ter kein Recht habe, für eine von ihm ver­an­stal­te­ten Fei­er ein­fach irgend­wel­che Regeln auf­zu­stel­len, die ihnen per­sön­lich miss­fal­len. Dass die mei­sten der Drauf­los­qua­ker nicht selbst betrof­fen zu sein schei­nen, bekräf­tigt die Ver­mu­tung, dass als sich „modern“ bezeich­nen­des „Links­sein“ im Wesent­li­chen aus Empö­rung im Namen ande­rer Leu­te und somit aus deren uner­be­te­ner Ent­mün­di­gung besteht.

Der Kon­sens scheint jeden­falls nicht zu sein, dass man, wenn man mit die­ser Ver­laut­ba­rung nicht ein­ver­stan­den ist, nicht ein­fach nicht dahin geht, wo man sich für nicht erwünscht hält (was bei Berück­sich­ti­gung der Rosa Wiesn ohne­hin noch frag­wür­dig ist, eine „Hete­ro-Wiesn“ suche ich jeden­falls gera­de ver­geb­lich), und statt­des­sen sein eige­nes Fest abhält, son­dern, dass man dem Ver­an­stal­ter jetzt erst recht drin­gend wei­ter auf den Sack gehen müs­se, denn dann sei man sicher viel will­kom­me­ner. Homo­pho­bie müs­se „über­all bekämpft wer­den“, laber­te Seba­sti­an Dicke von der Bochu­mer Pira­ten­par­tei drauf­los, denn „Homo­pho­be“ – als hät­te irgend­wer „Schwuch­teln müs­sen drau­ßen blei­ben“ geschrie­ben – sei­en wie Rechts­ra­di­ka­le, wor­aus ich besorgt die Infor­ma­ti­on ent­neh­me, dass auf dem dies­jäh­ri­gen Okto­ber­fest höchst­wahr­schein­lich irgend­wel­che Wut­bür­ger her­um­lau­fen wer­den, die nur da sind, um sich mal so rich­tig über Wild­frem­de auf­zu­re­gen, und den Unter­schied zwi­schen dem Anzün­den von Asy­lan­ten­hei­men und Nase­rümp­fen beim Anblick eines gleich­ge­schlecht­li­chen Pär­chens für nicht vor­han­den hal­ten. Okto­ber­fest ist wie Hit­ler, erst trinkt man zu viel und hin­ter­her ist man auf der Auto­bahn.

Nun also wird Mün­chen sich ein paar Tage lang an wun­der­schö­nen Bil­dern von fei­er­freu­di­gen Men­schen ergöt­zen dür­fen, ob es will oder nicht, und ande­re Städ­te – kaum eine grö­ße­re Stadt lässt die Gele­gen­heit für ein paar baye­ri­sche Tage unge­nutzt – zie­hen ihm gleich, denn Tra­di­ti­on ist nicht nur wich­tig, son­dern macht auch reich: „Nach Berech­nun­gen des Ver­an­stal­ters (…) betrug der Wirt­schafts­wert des Okto­ber­fests 2014 gut eine Mil­li­ar­de Euro“ (muenchen.de); Geld, das, dies sei als Bemer­kung gestat­tet, statt­des­sen auch für Wich­ti­ge­res (Schu­len, Ren­ten, Musik) aus­ge­ge­ben wer­den könn­te. Allein: Fei­ern­des Volk ist fröh­li­ches Volk und fröh­li­ches Volk mag kei­ne Ver­än­de­run­gen. Wäre ich baye­ri­scher Poli­ti­ker, ich feix­te tage­lang.

Jede Auf­wei­chung führt zu Ver­harm­lo­sung. Ver­harm­lo­sung führt zu mehr Kon­sum. Und mehr Kon­sum führt zu mehr dro­gen­be­ding­ten Gesund­heits­schä­den.
Mar­le­ne Mor­tler, lei­der über Can­na­bis

In den Nachrichten
Bemer­kung im Zusam­men­hang mit Jour­na­lis­mus

Auf „SPIEGEL ONLINE“, SRF.ch, „20 Minu­ten“, in der „Klei­nen Zei­tung“ und ande­ren Qua­li­täts­me­di­en wur­den heu­te Bemer­kun­gen im Zusam­men­hang mit Ter­ro­ris­mus in Paris gemacht:

Ein Mann hat mit einem Mes­ser einen patrouil­lie­ren­den Sol­da­ten in Paris ange­grif­fen. (…) Der Mann soll Bemer­kun­gen im Zusam­men­hang mit Allah gemacht haben.

Bezie­hungs­wei­se:

Aus Ermitt­ler­krei­sen hiess es, der Angrei­fer habe etwas im Zusam­men­hang mit «Allah» gesagt.

Bezie­hungs­wei­se:

Der Mann soll etwas im Zusam­men­hang mit „Allah“ gesagt haben.

Hof­fent­lich wird der Rich­ter Bemer­kun­gen im Zusam­men­hang mit einer Stra­fe machen.