MontagsmusikIn den Nachrichten
Field Music – Count It Up // Aus­zu­hal­ten­de Fakes.

Endlich wieder zu hell!Es ist Mon­tag. Die Son­ne scheint, die Innen­städ­te rie­chen end­lich wie­der nach Men­schen. Aus unkla­rem Grund sind ande­re Men­schen dar­über nicht uner­freut und bege­ben sich, bizarr geklei­det, in die Eis­die­len, denn die ersten Son­nen­strah­len lei­ten nicht nur zu war­mer, son­dern auch zu kal­ter Spei­se ein. Eigent­lich ist also alles wie noch im Win­ter, nur die Pan­da­bä­ren fin­den kei­nen Schnee mehr zum Spie­len. Das ist ein biss­chen bedau­er­lich.

Für Schnee ist aber auch ein ande­res Land bekann­ter als das unse­re, pas­sen­der­wei­se tob­te um es in der ver­gan­ge­nen Woche aber­mals eine Medi­en­schlacht von ange­mes­sen feh­len­der Tie­fe. Russ­land näm­lich ist, glaubt man den Medi­en, das ein­zi­ge Land, des­sen Spio­ne einen Mord mit­hil­fe des aller­t­öd­lich­sten Gifts über­le­ben. Ras­pu­tin war ein Witz dage­gen. Liegt es am Wod­ka oder sind ein­fach nur die Medi­en nicht mehr ganz nüch­tern? – Der grund­sätz­lich lesens­wer­te Hal Faber behaup­te­te auf „hei­se online“ in sei­ner wöchent­li­chen Rück­schau, die von „Rus­sia Today“ getrof­fe­ne Annah­me, Carles Puig­de­mont sei poli­ti­scher Gefan­ge­ner gewe­sen, sei ein „aus­zu­hal­ten­der Fake“, ohne das frei­lich zu begrün­den. Die Nen­nung von „Rus­sia Today“ als Quel­le muss Qua­li­täts­me­di­en als Argu­ment genü­gen.

Ein letz­ter Blick ins Inland: Fefe stellt fest, dass Mün­chen sich vor allem dar­in von Ber­lin unter­schei­de, dass dort auch mal Din­ge repa­riert und nicht nur kaputt­ge­macht wer­den, was über Ber­lin alles mit­teilt, was man wis­sen soll­te, wenn man noch nie dort war.

Wir brau­chen, las ich gestern, mehr Men­schen­schutz­ver­ei­ne – und immer und auf jeden Fall auch: mehr Musik.

Field Music – Count It Up (Offi­ci­al Music Video)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Nach­trag zur Arbeits­wei­se deut­scher Medi­en nach Anschlä­gen

Vor­hin ist in Mün­ster ein Mensch mit einem Auto in ande­re Men­schen rein­ge­fah­ren und hat sich anschlie­ßend erschos­sen. Den­noch kommt er in der media­len Dar­stel­lung nur als zufäl­lig hin­ter dem Steu­er sit­zen­de Per­son vor.

„ZEIT ONLINE“:

Ein Auto ist in der Alt­stadt von Mün­ster in eine Grup­pe von sit­zen­den Per­so­nen gefah­ren.

„RP ONLINE“:

Den Anga­ben zufol­ge soll ein Klein­la­ster in eine sit­zen­de Men­schen­grup­pe gefah­ren sein.

„WELT ONLINE“:

In Mün­ster ist ein Klein­trans­por­ter in eine Men­schen­grup­pe gefah­ren.

„SPIEGEL ONLINE“:

In Mün­ster ist ein Klein­last­wa­gen in eine Grup­pe von Men­schen gefah­ren: Es gibt meh­re­re Tote und Ver­letz­te.

„Frank­fur­ter All­ge­mei­ne“:

In Mün­ster hat es meh­re­re Tote und Ver­letz­te gege­ben, als ein Auto in eine Men­schen­men­ge gefah­ren ist.

„Süd­deut­sche Zei­tung“:

In Mün­ster ist ein Klein­trans­por­ter in eine Men­schen­men­ge gefah­ren.

Was zu bewei­sen war.

In den Nachrichten
„Ich brauch kei­ne Aus­bil­dung, ich mach You­Tube“ des Tages

Aus irgend­ei­ner sehr zyni­schen (näm­lich: mei­ner) Sicht ist das wun­der­voll: You­Tube dreht You­Tube­rin, die Vide­os über Ernäh­rungs­e­so­te­rik macht, wie vie­len ande­ren Video­ma­chern auch das Geld ab, prompt sieht sie sich gezwun­gen, statt gro­ßen Geld­re­gens in ihrem Auto zu leben. Etwas spä­ter schießt sie in der You­Tube-Zen­tra­le, augen­schein­lich vor allem erbost dar­über, dass sich ihr eige­nes Kön­nen dar­auf beschränkt, sich beim Sül­zen zu fil­men, um sich, tötet dabei jedoch vor­erst nur sich selbst, denn auch als Schüt­zin ist sie mise­ra­bel. Offen­sicht­lich ver­roht You­Tube die Jugend und die CDU soll­te es drin­gend im Auge behal­ten.

Bonu­s­poin­te:

In einer Stel­lung­nah­me teil­te die Poli­zei von Moun­tain View mit, dass Beam­te Agh­dam am Diens­tag gegen 2 Uhr mor­gens schla­fend in ihrem Auto vor­ge­fun­den und ihr eine Rei­he von Fra­gen gestellt haben, dar­un­ter, „ob sie eine Gefahr für sich oder ande­re dar­stel­le.“

(Über­set­zung von mir.)

Wer wäre denn da so blöd, die Wahr­heit zu sagen? :irre:

Persönliches
Die Mas­ken in ihren Köp­fen

Da ste­hen sie und lächeln und man sieht, dass es nicht stimmt. Sie tra­gen Mas­ken hin­ter ihrem Gesicht, denn mit Authen­ti­zi­tät kom­men sie in ihrem Stre­ben nach mög­lichst viel Haben bei mög­lichst wenig Soll nicht wei­ter und sie wis­sen das. Ein käuf­li­cher Cha­rak­ter strahlt nur Käl­te aus, die­se Käl­te kann man rie­chen.

Jäger sein oder Beu­te? Wer nicht jagt, dem las­sen sie kei­ne Chan­ce. Dass man sich in Unter­neh­men anders, als es Hol­ly­wood vor­macht, meist nicht hoch­schla­fen kann, das haben sie schnell ver­stan­den. Dass man sich statt­des­sen jedoch, sicher­lich für alle wesent­lich ange­neh­mer, hoch­lü­gen kann, sei es beruf­lich oder gera­de auch pri­vat, das wuss­ten sie im Grun­de ihres stei­ner­nen Her­zens seit ihrer Geburt. Sie sind Blen­der und dies ist ihre Chan­ce.

Sie haben sich ange­passt an das, was sie für eine Gesell­schaft hal­ten, in der sie leben möch­ten. Man sol­le doch mit­ma­chen, sagen sie, und nicht immer so vie­le Fra­gen stel­len, denn nur dann sei man will­kom­men. Die Gesell­schaft habe halt Regeln, die sei­en jetzt halt so und nie­mand hat die Macht, sie zu ändern. Ob das nicht unauf­rich­tig sei? Na klar sei es das, aber man habe ja auch etwas davon, näm­lich kön­ne man sein Leben mit all den ande­ren Blen­dern ver­brin­gen und der Mensch sei nun mal ein sozia­les Wesen. Was das denn bedeu­te? Wie – das wis­se man nicht? Dann sei ohne­hin alles ver­lo­ren.

Man erin­nert sich an den Jun­gen in der Grund­schu­le, der für ein biss­chen zusätz­li­ches Taschen­geld Regen­wür­mer geges­sen hat­te, und lächelt wis­send zurück.

NerdkramsIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zu 1.1.1.1

Natür­lich kann man sei­nen DNS-Anbie­ter vom welt­größ­ten Anbie­ter von Onlinere­kla­me – näm­lich Goog­le – zu einem US-ame­ri­ka­ni­schen Anbie­ter von so Cloud­kram umzie­hen, wie es „hei­se online“ aktu­ell vor­schlägt, weil die IP-Adres­se so schön klei­ne Zah­len hat, aber aus Daten­schutz­sicht ist es die min­de­stens zweit­dümm­ste Idee, einem Unter­neh­men, das einen Groß­teil der Tor-Nut­zer für poten­zi­el­le Böse­wich­te hält und ent­spre­chend aus­sperrt und gleich­zei­tig qua Gesetz eine Schnitt­stel­le für US-ame­ri­ka­ni­sche Geheim­dien­ste anbie­ten muss, auf dass die­se wis­sen mögen, wel­che Web­sites man denn so auf­zu­lö­sen gedenkt, sei­ne Surf­ge­wohn­hei­ten sozu­sa­gen frei Haus zu lie­fern.

NetzfundstückeMontagsmusikMir wird geschlecht
Birth of Joy – You Got Me How­ling

Der Osterhase hat eine Eule versteckt.Es ist Mon­tag. Dar­an hat gestern mal wie­der nie­mand gedacht und auch heu­te tun es nur weni­ge, denn es ist Fei­er­tag. Irgend­wo in Süd­eu­ro­pa stan­den zu vie­le Men­schen und lie­ßen einen alten Mann einen Zau­ber­spruch auf­sa­gen. Ab mor­gen gilt aber wie­der, beglei­tet von täg­li­chem Geläu­te, dass wir in einer auf­ge­klär­ten Zeit leben und Sek­ten im Wort­sin­ne brand­ge­fähr­lich sind und unbe­dingt gemie­den wer­den sol­len, denn nur Dum­me las­sen sich so leicht ver­füh­ren, wenn’s nicht gera­de der Papst ver­sucht. Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Gestern war im Übri­gen der 1. April, sicher­heits­hal­ber habe ich also alle Qua­li­täts­me­di­en unge­le­sen belas­sen und mir ledig­lich Blogs ange­se­hen, denen jeder Humor völ­lig abgeht. Hier­bei habe ich unter ande­rem ein Inter­view mit „Don Alphon­so“ gele­sen, des­sen Lek­tü­re zumin­dest erhel­lend ist. Es ist die Bot­schaft zu beur­tei­len und nicht der Bote, was in einer schnelllebi­gen Medi­en­welt oft die Schlag­zei­lerei erschwert. Ein biss­chen blö­der füh­le ich mich hin­ge­gen nach dem Lesen die­ser über­ra­schen­den Mel­dung: Ein Gericht hat her­aus­ge­fun­den, dass Goog­le mit Android Geld ver­dient und es sich daher um ein kom­mer­zi­el­les Betriebs­sy­stem han­delt.

Eben­so blöd: Fran­zis­ka Gif­fey (natür­lich SPD) habe in ihrer Eigen­schaft als „jun­ge Frau“ (F. Gif­fey, Jahr­gang 1978, über F. Gif­fey), las ich andern­tags und ‑orts („FAZ.net“), beklagt, dass eine Zwangs­hei­rat, bei der Frau­en allen­falls die Wahl zwi­schen ver­schie­de­nen Cou­sins haben, die­se Frau­en unter­drück­te, woge­gen man etwas tun müs­se, als wäre es undenk­bar, dass sich die­se Cou­sins nicht frei­wil­lig für ihre Zwangs­frau­en ent­schie­den hät­ten. Schlau ist allen­falls Brad Pitt, denn war­um soll­te eine moder­ne, auf­ge­klär­te Femi­ni­stin, die sich jede Beur­tei­lung von Kör­per­li­chem ver­bit­tet, ihn sonst ver­eh­ren?

Ohne Zwei­fel und ohne ein Aber ver­eh­rens­wert bleibt ganz kör­per­los: Musik.

Birth of Joy – «You Got Me How­ling»

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Melt Dow­ner

Melt DownerAls Zei­chen mei­ner Uner­schrocken­heit und zur ange­mes­se­nen Wür­di­gung des Tages der bescheu­er­ten Wit­ze wage ich heu­te mal wie­der etwas, wovon ich mir selbst meist eher abra­ten wür­de: Ich höre Musik aus Öster­reich.

Öster­rei­chi­scher Musik haf­tet zumeist nicht der Ruf an, beson­ders gran­dio­ser Qua­li­tät oder auch nur Viel­falt zu sein. Gemein­hin als „Austro­pop“ klas­si­fi­zier­te Lie­der mit dop­pel­tem Text­bo­den mögen gele­gent­lich posi­tiv her­vor­ste­chen, sind jedoch musi­ka­lisch von wenig Über­ra­schun­gen geprägt. Zum Glück gibt es auch in Öster­reich mehr als nur eine Musik­rich­tung.

In eine völ­lig ande­re näm­lich drin­gen Melt Dow­ner mit ihrem Debüt­al­bum (Band­camp) vor, das 2017 ver­öf­fent­licht wur­de. Über eine Stun­de lang stoner- und postrocken die drei Her­ren in klas­si­scher Rock­band­be­set­zung (Gitarre/Gesang, Schlag­zeug, Bass) sich in Ohren und Ver­stand des unvor­be­rei­te­ten Publi­kums (hier: die mei­nen).

Melt Dow­ner – Back Down For The Peo­p­le Of The Past (Stu­dio A Ses­si­on)

Nach den ersten elf Stücken folgt als Schluss­ak­kord und Höhe­punkt des Albums das bei­na­he halb­stün­di­ge „Daw­ner“, über das mit dem dort zu hören­den Aus­ruf, den man wohl als „wuhu!“ tran­skri­bie­ren kann, eigent­lich alles gesagt ist: Gitar­ren- und Rhyth­mus­es­ka­pa­den explo­die­ren aus dem Kopf­hö­rer, uner­bitt­lich trei­ben die Musi­ker die Wel­le vor­an. „Lasst den Mann in Ruhe!“ for­dert ein als Film- oder wenig­stens Seri­en­zi­tat erkenn­ba­res, mehr­fach wie­der­hol­tes Sprach-Sam­ple gegen Ende des­sel­ben Stücks. Ich bin nicht unglück­lich dar­über, dass die Band dem erst eini­ge Minu­ten spä­ter Fol­ge lei­ste­te.

Das Durch­ste­hen, schrieb Flo­ri­an Kölsch für den „musik­ex­press“, loh­ne sich sehr. Das hal­te ich für maß­los unter­trie­ben.

NetzfundstückeMir wird geschlecht
„ZEIT“ ver­leiht den Block­chain­preis.

Die „ZEIT“ kön­ne man, befand ich erst gestern, auch nicht mehr ruhi­gen Gewis­sens lesen. Wohl dem, der – anders als ich selbst – die­sem Rat Fol­ge lei­ste­te, denn ihm blieb die­se Eigen­wer­bung erspart:

Sie (…) set­zen sich für eine weib­li­che­re Raum­fahrt ein oder bera­ten Regie­run­gen in Sachen Gleich­stel­lung: Frau­en, die unse­re Wirt­schaft revo­lu­tio­nie­ren, so heißt der dies­jäh­ri­ge Edi­ti­on F Award, den das Online­ma­ga­zin in Koope­ra­ti­on mit ZEIT ONLINE und dem Han­dels­blatt zum fünf­ten Mal ver­leiht.

Eine „weib­li­che­re Raum­fahrt“ ist jetzt zunächst ein­mal nichts, wor­über ich per­sön­lich mich so sehr freu­en wür­de, dass ich es für preis­wür­dig hiel­te, aber ich bin ja auch weder eine Frau noch aus­rei­chend gei­stig ent­kernt, um einen Preis namens „Frau­en, die unse­re Wirt­schaft revo­lu­tio­nie­ren (Edi­ti­on F Award)“ o.vglb. als Beloh­nung und nicht als Ver­höh­nung zu betrach­ten. Und er hat noch einen zwei­ten Namen:

Die Jury des 25 Frau­en Awards hat aus 500 Nomi­nie­run­gen eine Vor­auswahl von 50 Frau­en getrof­fen, die (…) unse­re Wirt­schaft ver­än­dern und mit­ge­stal­ten.

Bin­de­stri­che sind anschei­nend kein Frau­en­ding. – Nicht unin­ter­es­sant ist die­se Ersatz­be­nen­nung des Prei­ses aber auch aus inhalt­li­cher Sicht, sagt sie doch nur aus, dass man eine von 25 Frau­en war, die irgend­was gemacht haben. Da kann man den Enkeln spä­ter sicher­lich eine total inter­es­san­te Geschich­te erzäh­len.

Wer also sind die 50 Delin­quen­tin­nen? Nun, zum Bei­spiel sie:

We are Kal heißt das von Cathe­ri­ne Allié gegrün­de­te Label, das hand­ge­spon­ne­ne und hand­ge­wo­be­ne Tex­ti­li­en aus Sei­de und Wol­le her­stellt.

Schon klar: Mit einem Inno­va­ti­ons­preis kann die Frau nicht rech­nen, eine Ver­än­de­rung der Wirt­schaft ist hier nicht aus­zu­ma­chen. (Darf man Frau Allié auf­grund ihrer Tätig­keit eigent­lich „Spin­ne­rin“ nen­nen oder bekommt man dann wie­der Ärger?) Wenn aber jemand, der einen klas­si­schen Hand­werks­be­ruf aus­übt bezie­hungs­wei­se aus­üben lässt, bereits allein hier­für die Vor­auswahl über­steht, dann wirft das auf die ande­ren 450 Nomi­nier­ten ein eher ungu­tes Bild. Und dann behaup­ten Femi­ni­sten jed­wel­chen Geschlechts, Frau­en wür­den unter­schätzt!

Wei­ter­hin die­se Dame:

Char­lot­te Bartels stu­dier­te Volks­wirt­schafts­leh­re (…). In ihrer Pro­mo­ti­on, die mehr­fach aus­ge­zeich­net wur­de, zeig­te sie, dass der deut­sche Sozi­al­staat immer weni­ger umver­teilt.

„Die Armen wer­den immer ärmer.“
„Dafür bekom­men Sie einen Preis!“

:bravo:

Auch sie ist dabei:

Ise Bosch ist eine Enke­lin und Erbin des Unter­neh­mers Robert Bosch. Mit ihrem Ver­mö­gen will sie ande­ren Men­schen hel­fen und die Gesell­schaft ver­än­dern. (…) Als Grün­de­rin und Geschäfts­füh­re­rin der Drei­lin­den gGmbH setzt sich Bosch gegen Dis­kri­mi­nie­rung und Gewalt auf­grund von Geschlechts­iden­ti­tät und sexu­el­ler Ori­en­tie­rung ein.

Ich wür­de ja unter­stel­len wol­len, dass das Auf­bau­en einer Gesell­schaft, die vor allem Geld ver­teilt, mit den Mit­teln, die von einem erfolg­rei­chen und pro­duk­ti­ven männ­li­chen Unter­neh­mer geerbt (also ohne gro­ße Gegen­lei­stung geschenkt wor­den) sind, sich für eine posi­ti­ve Ver­än­de­rung der Wirt­schaft und einen Frau­en­preis nicht eig­net, aber ich bin auch nicht in der Jury und ich ver­mu­te, ich ken­ne sogar den Grund dafür.

Zeich­net sich denn nie­mand der zu Ernen­nen­den durch etwas ande­res als Unsinn aus? Doch, natür­lich, aber ande­re eben auch nicht:

Als Chief Finan­cial Offi­cer des US-Kre­dit­kar­ten­un­ter­neh­mens Master­card gilt Mar­ti­na Hund-Mejean welt­weit als eine der ein­fluss­reich­sten Per­so­nen der Finanz­bran­che.

Dass sowohl die Grün­der als auch die momen­ta­nen Vor­sit­zen­den des Unter­neh­mens Master­Card Män­ner sind und Frau Hund-Mejean in der eng­lisch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia nicht erwähnt wird, lässt mich an ihrem Ein­fluss in der Wirt­schaft zwei­feln. Ande­rer­seits hat ver­mut­lich jedes grö­ße­re Unter­neh­men min­de­stens eine Frau, die dann sei­ne ein­fluss­reich­ste ist. Die ein­zi­ge gefun­de­ne Quel­le für die Behaup­tung, sie sei „eine der ein­fluss­reich­sten Per­so­nen der Finanz­bran­che“, ist jeden­falls „Tre­a­su­ry & Risk“, ein frag­wür­di­ges Maga­zin, das besag­te Wiki­pe­dia in kei­ner Spra­che zu ken­nen scheint.

Viel­leicht wird man in typi­schen „Frau­en­do­mä­nen“ eher fün­dig? Aber klar:

#For­ward Beau­ty heißt das Stra­te­gie­pro­gramm, mit dem Tina Mül­ler, CEO und Vor­sit­zen­de der Geschäfts­füh­rung der Dou­glas GmbH, die Kos­me­tik­in­du­strie ver­än­dern will. Um die Mar­ke lang­fri­stig vor­an­zu­trei­ben, braucht es ihrer Mei­nung nach eine digi­ta­le und weib­li­che Neu­aus­rich­tung des Unter­neh­mens.

Denn bekannt­lich haf­tet Dou­glas der Ruf an, sich als Unter­neh­men vor allem an die Bedürf­nis­se von Män­nern zu rich­ten – von Män­nern, die gern nach Blu­men­wie­se duf­ten. :ja:

Das soll natür­lich nicht hei­ßen, dass in der vor­ge­fil­ter­ten Liste nicht auch Frau­en zu fin­den sind, die sich auch von Män­ner­the­men rei­zen las­sen, zum Bei­spiel Bull­shit:

Sher­min Voshm­gir ist Grün­de­rin des Block­chain-Hubs, ein Infor­ma­ti­ons-Hub und Thinktank in Ber­lin, der die welt­wei­te Ent­wick­lung der Block­chain-Tech­no­lo­gie vor­an­treibt, kom­mu­ni­ziert und dis­ku­tiert. (…) Außer­dem unter­stützt sie Start-ups mit dem Schwer­punkt Block­chain.

Frau Voshm­gir wird sich in der Abstim­mung allein im Grad des Bull­shits, der sie qua­li­fi­ziert, aller­dings geschla­gen geben müs­sen, denn die Frau, die ich gera­de über­sprun­gen habe, über­trifft sie um Län­gen:

Hen­ri­ke von Pla­ten ist über­zeugt, dass Frau­en und Geld zusam­men­ge­hö­ren

Stimmt, denn wel­cher Mann hät­te nicht gern bei­des gleich­zei­tig und nicht nur eines davon? – Ach, der Satz geht noch wei­ter:

Hen­ri­ke von Pla­ten ist über­zeugt, dass Frau­en und Geld zusam­men­ge­hö­ren und Lohn­ge­rech­tig­keit schon mor­gen mög­lich wäre. Mit der Grün­dung von Fair Play Inno­va­ti­on Lab (…) möch­te sie das Ziel der Lohn­ge­rech­tig­keit für alle umset­zen.

Wenn Frau von Pla­ten also dafür sor­gen möch­te, dass mehr Frau­en sich künf­tig aktiv für tech­ni­sche Beru­fe inter­es­sie­ren, einen bes­se­ren Schul­ab­schluss machen, län­ger im sel­ben und grö­ße­ren Unter­neh­men blei­ben, Über­stun­den machen, nicht vor Schmutz zurück­schrecken und Schicht­ar­beit lei­sten, dann wäre das sicher­lich lobens­wert.

Möch­te sie aber gar nicht:

Des­we­gen setzt sie sich seit vie­len Jah­ren für gerech­te Bezah­lung und die Ver­net­zung von berufs­tä­ti­gen Frau­en welt­weit ein und grün­de­te einen Frau­en­in­vest­ment­club.

Na dann.

Die tags des „ZEIT“-Artikels sind „Digi­ta­li­sie­rung“, „Award“, „Block­chain“, „Frau­en“, „Aus­zeich­nung“ und „Start­ups“. Hät­te ich sie zuerst gele­sen, hät­ten sie also am Anfang und nicht am Ende des Arti­kels Platz gefun­den, so wäre mir die Lek­tü­re und mei­nen Lesern die­ser Arti­kel ver­mut­lich erspart geblie­ben.

Sel­ber schuld.

In den NachrichtenNerdkrams
Geteil­te Daten sind dop­pel­te Daten (2): Web-Anwen­der in der NZZ-Fal­le

Unter der unge­wöhn­lich wenig rei­ße­ri­schen Über­schrift „Web-Anwen­der in der Tracker-Fal­le“ sülz­te gestern Ste­fan Bet­schon für die „Neue Zür­cher Zei­tung“ sein eige­nes Ver­ständ­nis von der Her­aus­for­de­rung, die der media­le Umgang mit Face­book mit sich bringt, in ein unvor­be­rei­te­tes Web hin­ein:

Auf Face­book könn­te man not­falls ver­zich­ten. Aber ohne das Web kann man nicht leben.

Kann man nicht. Geht nicht. Ist nicht vor­ge­se­hen. Der Ver­such ist garan­tiert töd­lich. Des­we­gen ster­ben arme Kin­der in fer­nen Län­dern auch immer so früh: Kein Web. Kann man nix machen.

Und sobald man den Web-Brow­ser auf­star­tet und Web­sites auf­ruft, lädt man sich klei­ne Pro­grämm­chen (Scripts) in den Haupt­spei­cher, die meist ohne Wis­sen des Betrof­fe­nen und manch­mal auch ohne Wis­sen des zustän­di­gen Web­site-Betrei­bers per­so­nen­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen sam­meln. (…) Meist geht es dar­um, Web-Benut­zer zu beob­ach­ten.

Die­se sehr fal­sche Vor­stel­lung von einer Web­site – als wären die Pro­grämm­chen ver­pflich­tend! – sei zur Refe­renz ein­mal vor­ge­merkt, eben­so übri­gens die mora­li­sche Bewer­tung sel­bi­ger:

Das ist nicht unbe­dingt ver­werf­lich. Sol­che Tracker kön­nen bei­spiels­wei­se dazu bei­tra­gen, die Gestal­tung von Web­sites zu ver­bes­sern, indem sie dem Web­site-Betrei­ber zei­gen, wie die Benut­zer bei der Infor­ma­ti­ons­su­che vor­ge­hen. Manch­mal aber fol­gen die­se Tracker dem Benut­zer von Web­site zu Web­site, nach­dem sie (…) beson­de­re Merk­ma­le des Com­pu­ters fest­stel­len konn­ten. Manch­mal zeich­nen sol­che Tracker (…) sehr detail­liert alle Aktio­nen eines Web-Nut­zers auf, regi­strie­ren jede Bewe­gung der Maus und jede Ein­ga­be mit der Tasta­tur[.]

Wie das „Vor­ge­hen bei der Infor­ma­ti­ons­su­che“, gegen des­sen Beob­ach­tung Ste­fan Bet­schon offen­sicht­lich nichts ein­zu­wen­den hat, sich von einer Auf­zeich­nung aller Aktio­nen, die Ste­fan Bet­schon offen­sicht­lich zu Recht für eher unan­ge­nehm hält, unter­schei­det, wird im vor­lie­gen­den Arti­kel lei­der nicht erklärt. Dafür wird eini­ger­ma­ßen aus­führ­lich erklärt, wie vie­le Tracker denn unge­fähr kur­sie­ren:

Laut den Infor­ma­tio­nen die­ses Web Trans­pa­ren­cy and Accoun­ta­bi­li­ty Pro­ject kom­men in den USA auf den 50 popu­lär­sten Web­sites jeweils meh­re­re Dut­zend Tracker zum Ein­satz. Alles in allem haben die For­scher mehr als 80 000 Unter­neh­men beob­ach­tet, die Tracker ver­wen­den. (…) Die Tracker ste­hen meist im Dienst der Online-Wer­bung, laut Nara­ya­nan ist es aber leicht mög­lich, die Track­ing-Infra­struk­tur für staat­li­che Über­wa­chung umzu­funk­tio­nie­ren.

Das klingt ja gefähr­lich! Ist etwa auch die „NZZ“ betrof­fen? Nein, das wäre ja sonst auch unred­lich:

Im Rah­men der «nicht abschlie­ssen­den Unter­su­chung» wur­den im März 374 popu­lä­re Schwei­zer Web­sites auf­ge­ru­fen, und dabei hat man her­aus­ge­fun­den, dass min­de­stens 24% der Web­sites – dar­un­ter jene von Digi­tec, NZZ, Swiss und Zalan­do – Fin­ger­prin­ting-Ver­fah­ren nut­zen. (…) Bei der NZZ wur­de das Fin­ger­prin­ting vor­über­ge­hend ein­ge­setzt im Bemü­hen, die kosten­pflich­ti­gen Online-Inhal­te bes­ser zu schüt­zen. Das Ver­fah­ren wird inzwi­schen nicht mehr ein­ge­setzt.

Genau, die NZZ macht das nicht mehr. Dann ist doch alles in bester Ord­nung. Bis auf die­sen Teil des Arti­kel­quell­texts natür­lich:

<script src="//aka-cdn.adtech.de/dt/common/DAC.js"></script> <script src="//aka-cdn.adtech.de/dac/1135.1/w1070036.js"></script> <script> 
 try {
 window.performance.mark('js.ads.done');
 }
 catch (e) {}
 </script> <script class="adtech-data">
 if (window.adgroupid == undefined) {
 window.adgroupid = Math.round(Math.random() * 1000);
 }
 var ADTECH = ADTECH || {};
 if (ADTECH.config) {
 ADTECH.config.page = {
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 server: "adserver.adtech.de",
 network: "1135.1",
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 kv: {},
 params: {
 kvkw: "wirtschaft",
 kvarticle: "yes:ld.1370488",
 kvmorph: "desktop",
 loc: "100",
 grp: "" + window.adgroupid,
 misc: "" + new Date().getTime()
 }
 };
 ADTECH.config.page.params.kvcac = 'none';
 window.audienzz = window.audienzz || {};
 window.audienzz.dmp = {providerId: '-1262851859831711409', userHash: ''}
 }
</script><script src="//adnz.co/dmp/publisher.js"></script>

Und die­sen:

<script>
 var ADTECH = ADTECH || {};
 if (ADTECH.config && ADTECH.config.placements) {
 ADTECH.config.placements[2945552] = {
 adContainerId: 'resor__item--2945552',
 sizeid: 1217,
 params: {alias: '', target: '_blank'}
 }
 var showAd = true;
 if (showAd) {
 ADTECH.loadAd(2945552);
 }
 }
 </script>

Und die­sen:

<script>
 var ADTECH = ADTECH || {};
 if (ADTECH.config && ADTECH.config.placements) {
 ADTECH.config.placements[2945402] = {
 adContainerId: 'resor__item--2945402',
 sizeid: 154,
 params: {alias: '', target: '_blank'}
 }
 var showAd = true;
 if (showAd) {
 ADTECH.loadAd(2945402);
 }
 }
 </script>

Von die­sen Pro­grämm­chen fin­det man noch man­ches, als Bei­spie­le sol­len die hier ein­ge­füg­ten jedoch ein­mal rei­chen. Auf­fäl­lig sind neben „loadAd“, des­sen Funk­ti­ons­wei­se ich abse­hen zu kön­nen mei­ne, die Auf­ru­fe von „Audi­enzz“ bezie­hungs­wei­se „adnz“. Dies ist, es soll­te kaum über­ra­schen, eine Rekla­me­part­ner­fir­ma der NZZ (vasteh­ste, „Audi­eNZZ“) und hat unter ande­rem sol­ches im Reper­toire:

Detail­lier­te Infor­ma­tio­nen über Nut­zer, Ange­bo­te und Nut­zungs­ver­hal­ten. Aus­wer­tun­gen nach Sprach­re­gio­nen mög­lich. Inter­na­tio­na­le Ver­gleich­bar­keit.

Es sei, zitie­re ich aber­mals, „leicht mög­lich, die Track­ing-Infra­struk­tur für staat­li­che Über­wa­chung umzu­funk­tio­nie­ren.“ Gemäß der NZZ ist es somit für die eige­ne Sicher­heit eini­ger­ma­ßen gefähr­lich, die Web­site der „Neu­en Zür­cher Zei­tung“ ohne beson­de­ren Schutz gegen etwa­ige Pro­grämm­chen – also Wer­be- und Pro­grämm­chen-Blocka­den – zu besu­chen.

Ob sie wohl auch bald – wie zuvor schon „SPIEGEL ONLINE“ – vol­ler Unver­ständ­nis für die­se Maß­nah­men ihr Online­an­ge­bot hin­ter einer Bezahl­schran­ke ver­steckt?


Die „ZEIT“ kann man ja auch nicht mehr ruhi­gen Gewis­sens lesen.

MusikIn den Nachrichten
Tanz­ver­bot für Phil Coll­ins

In der Zeit vor Ostern wird tra­di­tio­nell auch in dem Land, das sich drin­gend dar­um zu bemü­hen sucht, sich auf sei­ne christ­li­chen Tra­di­tio­nen (i.s. Kreuz­zü­ge und Juden­ver­fol­gung) zu besin­nen, um sich von den Mos­lems abzu­gren­zen, all­jähr­lich Reli­gi­ons­kri­tik laut, denn wie auch an Hei­lig­abend – was aus unkla­rem Grund sel­ten zur Spra­che kommt – soll an Kar­frei­tag allen­falls trau­rig getanzt wer­den.

Da es nur wenig gibt, was trau­ri­ger wäre als Han­no­ver, hielt ich die Web­site der Stadt Han­no­ver für eine geeig­ne­te Quel­le, um das genau­er zu erfor­schen. Und tat­säch­lich gibt es dort Infor­ma­tio­nen:

Nach dem Nie­der­säch­si­schen Fei­er­tags­ge­setz (NFei­er­tagsG) sind Tanz­ver­an­stal­tun­gen am Grün­don­ners­tag, Kar­frei­tag und Kar­sams­tag unzu­läs­sig.

Dass die­sel­be Stadt Han­no­ver auch am kom­men­den Kar­frei­tag zum Tanz lädt, las­se ich hier aus dra­ma­tur­gi­schen Grün­den weit­ge­hend unkom­men­tiert und gucke mir statt­des­sen das NFei­er­tagsG an.

Was zunächst auf­fällt, ist, dass es expli­zit regelt, wann Video­the­ken öff­nen dür­fen. Es ist erfri­schend, dass die Digi­ta­li­sie­rung noch nicht über­all um sich greift. Für den vor­lie­gen­den Kasus rele­vant ist aber ins­be­son­de­re § 5 NFei­er­tagsG:

An den in § 3 genann­ten Tagen sind wäh­rend der Zeit von 7 bis 11 Uhr mor­gens fol­gen­de Ver­an­stal­tun­gen und Hand­lun­gen ver­bo­ten (…):

a) öffent­li­che Ver­samm­lun­gen unter frei­em Him­mel und öffent­li­che Auf­zü­ge, die nicht mit dem Got­tes­dienst zusam­men­hän­gen; das Grund­recht der Ver­samm­lungs­frei­heit ( Arti­kel 8 Abs. 2 des Grund­ge­set­zes) wird inso­weit ein­ge­schränkt;

Man muss ja Prio­ri­tä­ten set­zen: Chri­sten­tum oder Ver­samm­lungs­frei­heit? Die Ent­schei­dung lag doch wohl auf der Hand!

b) die der Unter­hal­tung oder dem Ver­gnü­gen die­nen­den Ver­an­stal­tun­gen, bei denen nicht ein höhe­res Inter­es­se der Kunst, der Wis­sen­schaft oder der Volks­bil­dung vor­liegt;
c) Ver­an­stal­tun­gen und Hand­lun­gen, soweit sie reli­giö­se oder welt­an­schau­li­che Fei­ern stö­ren oder den Besu­che­rin­nen oder Besu­chern die­ser Fei­ern den Zugang erschwe­ren.

Dass es Reli­gio­nen geben soll, die zu ihren Aus­drucks­mit­teln den freu­di­gen Tanz zäh­len, sei hier auf­grund mei­nes aus­blei­ben­den Inter­es­ses, die­se Behaup­tung zu veri­fi­zie­ren, nur als Poin­te ange­bracht. Ent­schei­dend scheint mir aber Satz „b“ zu sein: Zählt es nicht bereits als Volks­bil­dung, wenn man als Pro­test gegen die­ses für einen vor­geb­lich säku­lä­ren Staat son­der­ba­re Gesetz eine Tanz­ver­an­stal­tung abhält, durch die mög­li­cher­wei­se Bür­ger dazu bewegt wer­den, sich mit der gän­gi­gen Recht­spre­chung aktiv statt nur pas­siv zu beschäf­ti­gen? Wel­ches höhe­re Inter­es­se hat „die Kunst“ und was ist eigent­lich Kunst? Wer schließ­lich bestimmt, was Ver­gnü­gen berei­tet und was nicht? Mir zum Bei­spiel berei­tet die Musik von Phil Coll­ins anhal­ten­de Schmer­zen – ist es mir also wei­ter­hin gestat­tet, an einem Kar­frei­tag mit schmerz­ver­zerr­ter Mie­ne zu Phil Coll­ins zu tan­zen?

Andern­falls hät­te ich gegen eine Aus­wei­tung der Gül­tig­keit des Geset­zes auf einen Groß­teil des übri­gen Jah­res näm­lich nichts ein­zu­wen­den.

PolitikIn den Nachrichten
Kal­ter Krieg, rel­oa­ded. (3)

Um zu signa­li­sie­ren, dass er sei­nem Amts­vor­gän­ger im Säen von Zwie­tracht zwi­schen den Völ­kern nicht nach­steht, beschloss Außen­mi­ni­ster Hei­ko Maas, die letz­te Geheim­waf­fe der SPD, sich mit so etwas wie einem Bür­ger­krieg in fer­nen Län­dern gar nicht erst abzu­ge­ben – nein, der Kal­te Krieg muss das Min­de­ste sein und die Soli­da­ri­tät ist ein will­kom­me­nes Vehi­kel:

Wir haben heu­te vier rus­si­sche Diplo­ma­ten aus Deutsch­land aus­ge­wie­sen. Denn nach dem Gift­an­schlag von #Salis­bu­ry trägt Russ­land noch immer nicht zur Auf­klä­rung bei.

Das­sel­be Russ­land frei­lich, dem es nach wie vor ver­wehrt bleibt, zwecks Hil­fe bei der Auf­klä­rung Pro­ben des ver­wen­de­ten Gif­tes zu erhal­ten, kommt ein­zig als Täter in Betracht. Er habe, lügt Hei­ko Maas, sich die Ent­schei­dung „nicht ein­fach gemacht“, wie es guter „Lin­ker“ Art eben ist; die Grü­nen haben sich ihre Ent­schei­dung für TTIP gleich­falls sicher­lich nicht ein­fach gemacht. Von „Soli­da­ri­tät“ ist also die Rede, denn in einem Land, in dem die Par­tei des Außen­mi­ni­sters die­sel­be unter Bür­gern in einem lan­gen, schmerz­haf­ten Pro­zess weit­ge­hend liqui­diert hat, ist nicht mehr anzu­neh­men, dass sie es wagen wür­den zu wider­spre­chen, wenn man ihnen sagt, was gut für sie ist. Der Rus­se, er muss es gewe­sen sein, dar­an kann und darf es kei­nen Zwei­fel geben. War­um sonst soll­ten füh­ren­de Poli­ti­ker selbst der F.D.P. for­dern, sein Land müs­se auf­hö­ren, dem Westen zu dro­hen?

Wer hat jemals behaup­tet, Groß­bri­tan­ni­en, unser histo­ri­scher Ver­bün­de­ter in Han­dels­din­gen, ste­he vor der Tür? Schon dar­um ist es offen­sicht­lich, wo der Feind sitzt. Da ist dann auch TTIP egal – Tra­di­tio­nen müs­sen gewahrt blei­ben.

Koste es, was es wol­le.

In den NachrichtenMontagsmusik
Dun­gen – Häxan // Das Geschwätz und wir

Ich weiß doch auch nicht

Es ist Mon­tag. In Deutsch­land wer­den Exil­prä­si­den­ten zur Abwechs­lung mal fest­ge­nom­men, bei den ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten von Irak und Liby­en war man nicht so zim­per­lich. Viel­leicht kann der Bun­des­prä­si­dent, der in einem frü­he­ren poli­ti­schen Amt Murat Kur­naz in einem Fol­ter­knast gefan­gen hal­ten ließ, inter­ve­nie­ren. Aber wer wären wir, der spa­ni­schen Regie­rung in ihre Poli­tik rein­zu­re­den?

Anfäl­lig für Geschwätz sind wir. „Aus­ge­rech­net“ Donald Trump, quatsch­te am Don­ners­tag aus­ge­rech­net „WELT ONLINE“, habe die „welt­weit beste Kli­ma­bi­lanz“. Aus­ge­rech­net! Bei­na­he wäre man ein biss­chen wütend, aber dann bemerkt man noch recht­zei­tig, dass dann auch Men­schen im per­sön­li­chen Umfeld mer­ken könn­ten, dass man manch­mal „WELT ONLINE“ liest, und das gilt es unbe­dingt zu ver­mei­den. Grum­meln wir also heim­lich wei­ter! Ande­re Medi­en haben auch dum­me Mel­dun­gen: Offen­sicht­lich han­delt es sich bei Lie­dern, die inzwi­schen seit Jahr­hun­der­ten zum volks­tüm­li­chen Lied­gut gehö­ren, um „SS-Lie­der“, weil sie auch in SS-Lied­bü­chern auf­tauch­ten. Es möge „Backe, backe Kuchen“ nie­mals auf sei­nen poli­ti­schen Hin­ter­grund unter­sucht wer­den.

Neu­es hin­ge­gen wis­sen die Medi­en vom Spiel­geld: Bit­co­ins sind in Deutsch­land unter Umstän­den ille­gal. Es ist ja nicht alles schlecht in der Block­cha­in­for­schung.

Es ist Mon­tag und kein Pan­da­bär ist zuge­gen. Stets zuge­gen wie ret­tend aber ist Musik.

Dun­gen – Häxan | The Furious Ses­si­ons en Sol de Sants Stu­di­os (Bar­ce­lo­na)

Guten Mor­gen.

Persönliches
Kopf­ver­ka­tert.

(Was man, ande­rer­seits, offen­sicht­lich schon wie­der viel zu lan­ge nicht mehr erlebt hat­te, war es, Lek­tio­nen hin oder her, zu füh­len, wie das Leben eigent­lich funk­tio­niert. We teach old hearts to break. Der sich furcht­los erhe­ben­de Tag spen­det Licht sowie Zer­streu­ung und fragt nicht, was bes­ser dun­kel blei­ben soll­te. Die Lebens­ma­xi­me „ja, aber“ weiß um ihren Reiz, sind Über­zeu­gun­gen erst ein­mal fle­xi­bel. Il n’y a que la véri­té qui bles­se.

Die Rech­nung bleibt uner­bitt­lich. Wie viel Trink-Geld darf es sein? Es ist alles gelie­fert wie bestellt, ins­be­son­de­re auch: man selbst. Dem Gefühlska­ter ist mit Aspi­rin nicht bei­zu­kom­men. Man kön­ne, heißt es, auf der zwei­ten Sei­te von Such­ergeb­nis­sen eine Lei­che ver­stecken, denn dort sehe nie­mand nach. Selbst­bild als Such­ma­schi­ne.

Fehl­far­ben – Paul Ist Tot

Acht Jah­re Mid­life­cri­sis. Man­che Fra­gen stellt man ein­fach nicht.)

In den NachrichtenComputer
War­um Chri­sto­pher Lau­er ver­staat­licht wer­den muss

Chri­sto­pher Lau­er, geschei­ter­ter Chri­sto­pher-Lau­er-Dar­stel­ler, nutzt die ihm nach sei­nem Rück­zug aus der „Poli­tik“ frei gewor­de­ne Zeit für Mei­nun­gen in Mei­nungs­me­di­en, die sich im aktu­el­len Fall unge­fähr mit die­sem Zitat zusam­men­fas­sen las­sen:

Laut einer Pew-Rese­arch-Stu­die aus 2017 nut­zen 45 Pro­zent der US-Ame­ri­ka­ner Face­book als Nach­rich­ten­sei­te, und wie­der­um 50 Pro­zent die­ser Grup­pe nut­zen Face­book als ein­zi­ge Nach­rich­ten­quel­le. (…) Face­book ist dafür ver­ant­wort­lich, wie sich für sei­ne Nut­zer die Rea­li­tät dar­stellt. (…) Die eigent­li­che, viel inter­es­san­te­re Fra­ge ist, wie ein Gebil­de wie Face­book ver­staat­licht und unter demo­kra­ti­sche Auf­sicht gestellt wer­den kann.

Denn wenn Men­schen die mei­sten Infor­ma­ti­ons­quel­len bei­sei­te las­sen und sich eine ein­zi­ge als ihre Nach­rich­ten ein­rich­ten, dann ist es doch offen­sicht­lich, dass die­se eine Infor­ma­ti­ons­quel­le die allei­ni­ge Schuld dar­an trägt und man die­sem Umstand nur mit mehr Staat bei­kom­men kann.

Für die Men­schen hin­ge­gen, die den „Tages­spie­gel“ als ein­zi­ge Nach­rich­ten­quel­le nut­zen, stellt sich eine Rea­li­tät dar, in der so ein Quark als „Gast­bei­trag“ ange­nom­men und so ver­brei­tet wird, was einen Ein­fluss dar­auf hat, wie sich für sei­ne Leser die Rea­li­tät dar­stellt. Die Fra­ge muss also lau­ten, wie ein Gebil­de wie Chri­sto­pher Lau­er ver­staat­licht und unter demo­kra­ti­sche Auf­sicht gestellt wer­den kann.