PolitikNetzfundstückeMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 9. März 2018

So wider­wär­tig wie erhel­lend: Mat­thi­as Streitz („SPIEGEL ONLINE“, Chef­re­dak­ti­on) erläu­tert in nur einem Tweet zugleich die wesent­li­che Auf­ga­be von Online­jour­na­lis­mus und war­um er sich wei­te­re Ver­wei­se auf „SPIEGEL ONLINE“ ver­bit­tet.


Die desi­gnier­te Gedöns­mi­ni­ste­rin Doro­thee Bär lässt wis­sen, wel­che Impul­se von ihr im Land von Daten­schutz, EDV-Sicher­heit und Breit­band in den näch­sten Jah­ren zu erwar­ten sind: Flie­gen­de Taxis und die Pflicht zum Pro­gram­mie­ren für noch mehr stump­fe, aber wirt­schaft­lich nütz­li­che Bild­schirm­ar­beit näm­lich. Was bringt ein Flug­ta­xi mit Inter­net in Edge-Geschwin­dig­keit? (Vor­sicht: t3n!)


„Die SPD lebt heu­te von einem Erbe, zu dem sie nichts mehr bei­tra­gen kann.“


Gute Nach­rich­ten für Ham­burg und Ber­lin: Gewalt­freund­li­che Flach­pfei­fen, die Autos anzün­den, sol­len künf­tig als Ter­ro­ri­sten gel­ten.

Schlech­te Nach­rich­ten für Ham­burg und Ber­lin: Das gilt bis auf Wei­te­res nur für „Rech­te“.


Berufs­frau Kata­ri­na Bar­ley (SPD) hält es für eine „gra­vie­ren­de Fehl­ent­wick­lung“, dass die AfD Gleich­stel­lung (nicht aber Gleich­be­rech­ti­gung) kri­tisch gegen­über­steht, und möch­te dies mit einer Ent­de­mo­kra­ti­sie­rung des Bun­des­tags mit­tels einer Frau­en­quo­te ent­ge­gen­wir­ken, als wäre sie nicht selbst ein gelun­ge­ner Beleg dafür, dass man vie­le weib­li­che Abge­ord­ne­te bes­ser nicht haben soll­te.


„Wenn Gehor­sam und Mensch aber gegen­ein­an­der ste­hen, ent­schei­de dich immer für den Men­schen!“

MusikIn den Nachrichten
Kein Wort zu Patrick Gen­sings Musik­ge­schmack.

Moritz Tscher­nak vom anson­sten oft zumin­dest lehr­rei­chen Meta­blog „BILD­blog“ hat, möch­te man beim Blick in die ein­schlä­gi­gen sozia­len Netz­wer­ke bei­na­he anneh­men, einen Coup gelan­det, indem er fest­ge­stellt hat, dass Juli­an Rei­chelt („BILD“) einen Tweet eines rech­ten Twit­te­rers mit sei­nen Fol­lo­wern teil­te, der hämisch (sinn­ge­mäß) kom­men­tier­te, dass es nicht unbe­dingt für Patrick Gen­sing („fak­ten­fin­der“, tagesschau.de) spre­che, dass die­ser bereits 2016 der vom meck­len­burg-vor­pom­me­ri­schen Ver­fas­sungs­schutz 2011 als „expli­zit anti-staat­lich“ dekla­rier­ten Com­bo Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let eine gewis­se Stil­si­cher­heit nicht abspre­chen woll­te, ohne sich dabei unbe­dingt auf die Tex­te zu bezie­hen.

Infol­ge der Ver­öf­fent­li­chung des Arti­kels ent­wickel­te sich eine ziem­lich lang­wei­li­ge und vor­her­seh­ba­re Dis­kus­si­on, die vor allem auf Twit­ter geführt wur­de und sich dar­um dreh­te, ob man zum Gut­fin­den einer Musik­grup­pe deren vor­ran­gig aus­ge­drück­te Welt­an­schau­ung unbe­dingt tei­len müs­se; als wäre ein Hörer der Toten Hosen auto­ma­tisch auch ein Par­ty­lö­we mit Affi­ni­tät zu Bio­lä­den, Alko­hol und Reim­ver­lust, als wäre ein Hörer von Phil­ipp Poi­sel auto­ma­tisch auch ein trau­ri­ger Lang­wei­ler, als wäre ein Hörer von Sebkha-Chott auto­ma­tisch auch ein gei­stes­kran­ker Fran­zo­se. Ich kann auch der eini­ger­ma­ßen lin­ken Band FJØRT etwas abge­win­nen und habe bis­her den­noch noch nicht das Bedürf­nis ver­spürt, ein (zumal in frem­dem Besitz befind­li­ches) Auto­mo­bil in Flam­men auf­ge­hen zu las­sen.

Nicht, dass die Gegen­sei­te weni­ger kurz däch­te: Moritz Tscher­naks Arti­kel dreht sich maß­geb­lich um die Frech­heit, dass ein hoch­ran­gi­ges Redak­ti­ons­mit­glied eines Revol­ver­blat­tes sich wei­gert, rech­ten Twit­te­rern nicht allein des­we­gen kei­ne wei­te­re „Reich­wei­te“ zu ver­schaf­fen, weil sie rech­te Din­ge, mit­un­ter gar die Unwahr­heit, publi­zie­ren. Lei­der schreibt der Autor nicht in sei­nen Arti­kel hin­ein, wes­sen Tweets statt­des­sen „geteilt“ wer­den dür­fen – die vom „BILD­blog“ und die von Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let ver­mut­lich schon, aber wel­che noch? Zählt der Bote vor der Bot­schaft, ist der Him­mel also grün, wenn ein Rech­ter ihn blau nennt, wie es tat­säch­lich aus lin­ken Krei­sen seit Jah­ren vor­ge­schla­gen wird? Ist, was fast noch inter­es­san­ter zu erfah­ren ist, der Musik­ge­schmack end­lich erlaub­ter­wei­se ein wesent­li­cher Fak­tor bei der Bewer­tung eines Men­schen? Über wen sagt die­ser Fak­tor was aus?

Fest steht: Weni­ger Wie und mehr Was täte dem poli­ti­schen Dis­kurs in den „sozia­len Medi­en“ mit­un­ter gut. 2019 ist wie­der ein bun­des­wei­tes Wahl­jahr. Wel­che Musik hört eigent­lich Andrea Nah­les am lieb­sten? Ist das wich­tig und wofür?

Ich war­te ein­fach, bis die bei­den sich für irgend­was ent­schei­den,
und solang hör ich Musik.
Die Ärz­te: Wor­um es geht

PolitikIn den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (2)

Eine ein­zi­ge Nach­richt, zwei gegen­sätz­li­che Infor­ma­tio­nen:

Der Aus­bil­dungs­ein­satz im Irak zur Unter­stüt­zung des Kamp­fes gegen die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Isla­mi­scher Staat soll auf das gan­ze Land aus­ge­wei­tet wer­den. (…) Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­rin von der Ley­en sag­te im ARD-Fern­se­hen, es gel­te, den Irak zu einem sta­bi­len Land zu machen.

Denn wo man vie­le Sol­da­ten hin­schickt, da ist bald auch viel Frie­den. Das ken­nen wir aus Afgh-

In Afgha­ni­stan will die Bun­des­re­gie­rung die Ober­gren­ze des deut­schen Kon­tin­gents von 980 auf 1.300 Sol­da­ten anhe­ben. Dort gilt die Sicher­heits­la­ge als zuneh­mend schlech­ter.

Ach, schon gut.

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusik
Mog­wai – Don’t Belie­ve the Fife

Frühling (Symboleule)Es ist Mon­tag. Es wird Früh­ling, die Rus­sen kom­men raus. Der belieb­te­ste Pan­da­bär sitzt in Ber­lin, was über Pan­da­bä­ren, die bekannt­lich über jeden Zwei­fel erha­ben sind, wie gewohnt mehr aus­sagt als über die schä­big­ste Stadt öst­lich von Han­no­ver.

Ande­re Städ­te tun ihr Bestes, den Wett­be­werb um die ber­li­nig­ste Stadt wenig­stens als Zweit­plat­zier­te abzu­schlie­ßen: Wer in Mann­heim künf­tig hin­fällt, der wird über­wacht, berich­te­ten schon im Febru­ar ver­schie­de­ne Medi­en. End­lich tut der Staat mal was! Der aller­dings hat gera­de ganz ande­re Sor­gen: Geht es nach der SPD, dann ist bald Schluss mit der lästi­gen Männ­lich­keit in der Natio­nal­hym­ne. Deutsch­land, einig Mut­ter­er­de. Mond­ge­füll­tes Ohm­was­ser für alle!

Der S.-Fischer-Verlag („S. Fischer Ver­lag“, Deutsch war aus) hat ein ähn­li­ches Pro­blem mit dem ver­flix­ten Urhe­ber­recht wie die so genann­ten „Raub­ko­pie­rer“, nur anders­rum. Da freut sich Hein­rich Mann bestimmt, dass sei­ne Rech­te in Deutsch­land noch lan­ge genug gewahrt blei­ben, um über ein hal­bes Jahr­hun­dert nach sei­nem Tod noch jeman­dem ohne gei­sti­ge Gegen­lei­stung das Kon­to voll­zu­ma­chen.

Fast bin ich ver­sucht, zivi­len Unge­hor­sam mit­tels Musik­hö­rens auf You­Tube gut­zu­hei­ßen. Die Musik macht es mir leich­ter, denn sie ist viel zu gut, um unge­hört zu blei­ben.

Mog­wai – Don’t Belie­ve the Fife live at the BBC Glas­gow Quay 2017

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Treu­doof bis in den Tod.

Es wäre ver­mes­sen, anzu­neh­men, die Par­tei des Hun­gerns habe mit ihrer bei­na­he erreich­ten Zwei­drit­tel­mehr­heit zugun­sten wei­te­rer drei­ein­halb Jah­re des Sozi­al­ab­baus bei regel­mä­ßi­ger Gehalts­er­hö­hung der Schul­di­gen nun den Bogen end­lich so weit über­spannt, dass die Ver­fech­ter einer eigen­stän­di­gen Poli­tik ihr den Rücken keh­ren wür­den.

Es spricht der Hoff­nungs­trä­ger der ande­ren SPD, der medi­al für sei­nen Idea­lis­mus bewun­dert wur­de und noch immer wird, wie folgt:

Übri­gens: Aus der #SPD tritt man nicht aus, aus der SPD stirbt man raus. (…) Es gibt kei­ne Reser­ve-SPD. Es gibt die­se, (sic! A.d.V.) oder kei­ne.

Der Treue­eid wird nicht gebro­chen. Unpo­li­tisch zu sein ist eine Pflicht und eine Ehre zugleich. Ver­stand ist zweck­los.

Zum Glück haben die nicht auch noch eine Reser­ve.

In den NachrichtenComputer
Mini­ste­ri­um für Com­pu­ter­ge­döns

Im Land der staat­lich gewünsch­ten Infek­ti­on von pri­va­ten Com­pu­tern bei gleich­zei­ti­ger durch die aus mir unbe­kann­tem Grund noch immer nicht auf­ge­ho­be­ne Teil­ver­staat­li­chung des tra­gi­ko­mi­schen Kon­zerns Deut­sche Tele­kom ver­ur­sach­ter Abwe­sen­heit von Band­brei­te, die die­sen Namen auch ver­dient, ver­kün­det die EDV-Pres­se ohne jedes sicht­ba­re Anfüh­rungs­zei­chen:

Wie das Nach­rich­ten­ma­ga­zin Der Spie­gel berich­tet, soll CSU-Chef Horst See­ho­fer bei Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) durch­ge­setzt haben, dass sei­ne Par­tei den Posten eines Staats­mi­ni­sters für Cyber Digi­ta­les im Kanz­ler­amt erhält.

Um die Eig­nung der momen­tan favo­ri­sier­ten Kan­di­da­tin für die­sen Posten soll es mir nicht gehen, geeig­ne­te Mini­ster wählt man hier­zu­lan­de sowie­so nir­gend­wo hin; span­nen­der ist die Fra­ge, wofür nun eigent­lich ein „Staats­mi­ni­ster für Digi­ta­les“ in einer Zeit und Gegend, in der selbst Klo­deckel vers­mar­tet und damit digi­tal sind, genau zustän­dig sein soll: Für alles mit Com­pu­ter drin oder wie­der nur für pro­gram­mie­ren­de Sechs­jäh­ri­ge?

Und war­um kann das eigent­lich kein Robo­ter über­neh­men?

PolitikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Dschun­gel­kö­nig erteilt Putin Befeh­le

Naja, fast:

Deut­sche TV-Jour­na­li­sten for­dern Öster­reichs Kanz­ler mit offe­nem Brief zum Ein­grei­fen auf

Sie bit­ten nicht höf­lich, sie fra­gen nicht nett nach, sie for­dern auf. Ist nur so ein schä­bi­ges Ober­haupt einer aus­län­di­schen Regie­rung, da ste­he man als deut­scher Jour­na­list doch drü­ber, so mora­lisch, impli­ziert „Mee­dia“ eben­so wie „WELT ONLINE“, der Deutsch­land­funk sowie „Die Pres­se“, die das alle­samt ähn­lich blöd for­mu­lie­ren, näm­lich unge­fähr so:

Deut­sche Jour­na­li­sten for­dern Kurz zum Han­deln auf

Nun ver­fügt letz­te­re Publi­ka­ti­on über eine Kopie des frag­li­chen Doku­ments, in der nicht von einer Auf­for­de­rung, son­dern in der Tat nur von einer Bit­te um Befas­sung mit dem als gegen­wär­tig emp­fun­de­nen Pro­blem die Rede ist. Rich­tig macht es aus­ge­rech­net „SPIEGEL ONLINE“, das eine For­de­rung von Nobel­preis­trä­gern an den tür­ki­schen Prä­si­den­ten völ­lig zutref­fend als „For­de­rung“ beschrieb.

Aber war­um soll­te jemand, der Men­schen Nach­rich­ten auf­schreibt, sich auch Gedan­ken über Wort­be­deu­tun­gen machen wol­len?

NerdkramsPersönliches
Vero: Frü­her hieß unser sozia­les Netz­werk noch „raus­ge­hen“.

Erin­nert sich noch jemand an Minds?

Minds ist, ruft eine kur­ze Recher­che zum Bei­spiel beim eben­falls zu Recht wie­der ver­ges­se­nen Maga­zin „WIRED“ in Erin­ne­rung, zwar „ein Social Net­work wie vie­le ande­re auch“, aber „etwas ist anders als bei Face­book oder Goog­le+. Denn Minds wen­det sich vor allem an Online-Akti­vi­sten – und wird sogar von Anony­mous unter­stützt“, wer auch immer „Anony­mous“ in die­sem Fall jetzt eigent­lich war. Das klingt inter­es­sant, ist aber egal: Wie auch bei Ello, GNU Social und Dia­spo­ra, wobei sich wenig­stens Ello inzwi­schen eines zwei­ten Lebens als moder­ne­re Alter­na­ti­ve zu Devi­ant­Art erfreut, blieb auch für es der dau­er­haf­te Zuspruch merk­lich gerin­ger als der für das anfangs belä­chel­te und zu spät ent­stan­de­ne, in der Andro­id­welt aber erstaun­lich domi­nan­te Goog­le+ es bis heu­te geblie­ben ist.

Man hät­te dar­aus ler­nen kön­nen, dass es für nur weni­ge Men­schen sinn­voll ist, das „sozia­le Netz­werk“, in dem sie sich ein­mal häus­lich ein­ge­rich­tet haben, ohne Not durch ein ande­res zu erset­zen oder auch nur zu erwei­tern. Wer schon unbe­dingt Wild­frem­de damit belä­sti­gen möch­te, wel­chen zuck­ri­gen Kaf­fee­er­satz er sich gera­de rein­pfeift oder in wel­cher Trend­far­be er sich heu­te ange­malt hat (das nennt man dann „Influen­cer“, wenn ich das so weit rich­tig ver­stan­den habe), der tut das zumeist dort, wo man mit dem gering­sten Auf­wand das Pro­fit­ma­xi­mum errei­chen kann. Aktu­ell schei­nen das Insta­gram und You­Tube zu sein.

Ein tritt Vero. Vero, tippt man auf „hei­se online“ aus dem Wasch­zet­tel ab, ist ein nur auf Smart­phones ver­füg­ba­res und somit für die mei­sten nor­ma­len Men­schen nur zeit­wei­se brauch­ba­res „sozia­les Netz­werk“, das drei Jah­re lang unbe­ach­tet her­um­lag, bis irgend­wel­che Laut­spre­cher („Influen­cer“) es auf Insta­gram plötz­lich zu einem „Hype“ mach­ten. Wenn etwas ein „Hype“ ist, nimmt man das ein­fach hin und fragt nicht mehr als nötig nach, wie es sich für ein gutes EDV-Fach­ma­ga­zin gehört. Der Mehr­wert lie­ge, behaup­tet man dort, dar­in, dass angeb­lich kei­ne intrans­pa­ren­ten Algo­rith­men für die Sor­tie­rung der Inhal­te sorg­ten, wor­an frei­lich gezwei­felt wird, son­dern der Nut­zer sich wie einst bei Dia­spo­ra und Goog­le+ en detail aus­su­chen kön­ne, wer wel­chen sei­ner Bei­trä­ge sehen darf. Auf der Web­site von Vero fasel­te eine Ver­mark­tungs­null gar etwas davon, dass über­haupt kei­ne Algo­rith­men zum Ein­satz kämen, was mich dar­an zwei­feln lässt, dass die Macher von Vero über­haupt so genau wis­sen, was ein Algo­rith­mus eigent­lich ist.

Natür­lich hat Vero auch eines die­ser „Mani­fe­ste“ ver­öf­fent­licht, das dem Besu­cher in Majus­keln ent­ge­gen­brüllt, dass Vero das „natür­li­che Bedürf­nis“ der Men­schen zu stil­len ver­su­che, alles, was in ihrem Leben geschieht, mit allen ande­ren Men­schen zu „tei­len“, wie man das im ech­ten Leben halt auch so mache, wofür aber die­se allen ande­ren Men­schen, anders als im ech­ten Leben, auch mit einem Smart­phone aus­ge­stat­tet und auf Vero ange­mel­det sein müs­sen. Wie Leben, nur beschränkt. Vero selbst wirbt so kon­se­quent wie dumm mit hip­ster­ge­fil­ter­ten Fotos von zu teu­rer Hard­ware auf rusti­ka­len Möbeln, damit auch die­je­ni­gen, die bis­her gar kein Inter­es­se an so einem Kram hat­ten, ver­ste­hen, wor­in der Ein­satz­zweck von Vero lie­ge: im Tei­len von hip­ster­ge­fil­ter­ten Fotos von zu teu­rer Hard­ware auf rusti­ka­len Möbeln natür­lich. Dit is Ber­lin bzw. Liba­non.

Viel­leicht habe ich inzwi­schen das Alter erreicht, in dem mich sol­che Erfin­dun­gen nicht mehr locken, viel­leicht hat mir aber auch ein­fach ohne­hin immer schon das Mit­tei­lungs­be­dürf­nis gefehlt, um mich vir­tu­ell bes­ser zu ver­net­zen als bloß mei­nen Stuss wie bis­her ein­bahn­stra­ßig ins Web zu kip­pen: Ich habe noch nie ein Foto auf Insta­gram hoch­ge­la­den, noch nie eine Web­site auf Knud­dels gepflegt, noch nie ein Kon­to bei Ello beses­sen, und das bis heu­te Letz­te, was mir in „sozia­len Netz­wer­ken“ eini­ger­ma­ßen nach­hal­tig Freu­de gemacht hat, war Gru­scheln auf stu­diVZ, denn das war zwar damals eine schlecht gemach­te Kopie des „Stup­sens“ auf dem in Deutsch­land noch nicht ver­brei­te­ten Face­book, aber da war man halt, wenn man Lan­ge­wei­le zu ver­trei­ben hat­te. Da hing man aber auch nicht den gan­zen Tag vor sei­nem Tele­fon ab und foto­gra­fier­te mit ihm sein Essen, son­dern schrieb – nicht ein­mal in Echt­zeit – ein­an­der auf ver­nünf­ti­gen Tasta­tu­ren Nach­rich­ten mit rich­ti­ger Gram­ma­tik und ohne Emo­jis, denn Emo­jis gab es auf ver­nünf­ti­gen Tasta­tu­ren noch nicht und ein Smart­phone hat­te all­ge­mein noch kaum jemand – wofür auch? Den Sprung in die Zeit des stän­dig ver­füg­ba­ren Taschen­ge­sprächs hät­te stu­diVZ aller­dings sicher­lich geschafft, wenn es das nur gewollt hät­te. Dass Dien­ste die­ser Art nicht unsterb­lich sind, hat­te noch vor der Grün­dung von stu­diVZ schon uboot.com (für Inter­net­ar­chäo­lo­gen viel­leicht inter­es­sant) unter Beweis gestellt, das von den drei „VZs“, MySpace und schließ­lich auch Face­book selbst so nach­drück­lich aus­ge­presst wur­de, dass es vor fünf Jah­ren voll­stän­dig zu exi­stie­ren auf­hör­te, obwohl dort auch irgend­wann ein­mal jeder sein muss­te. Dass die Jugend­li­chen von damals – jeden­falls: ich – sich heu­te zu alt für Vero füh­len, gibt die­sem Mono­log eine bit­te­re Note.

Aber zurück zu Vero: Der Wild­wuchs an „sozia­len Netz­wer­ken“, den ein Ein­stei­ger heu­te vor­fin­den kann, unter­gräbt die voll­mun­di­ge Behaup­tung, Vero erfül­le das „natür­li­che Bedürf­nis“ der Men­schen, alles unge­fragt für ein erwäh­nens­wer­tes Erleb­nis zu hal­ten, denn wäh­rend die­se Behaup­tung eigent­lich von mir bis­her nur aus Zügen und Bus­sen bezeugt wer­den kann, wie­sen auch die bezeug­ten Ereig­nis­se bis­lang die Eigen­heit auf, dass der Adres­sat stets eine hand­ver­le­se­ne Aus­wahl an Per­so­nen war, oft sogar nur eine ein­zi­ge. Die Men­schen – bezahl­te Rekla­me­scher­gen auf Insta­gram und You­Tube ein­mal aus­ge­nom­men – tei­len gern Din­ge, die ihnen wich­tig sind oder wenig­stens zu sein schei­nen, mit den Men­schen, die ihnen wich­tig sind oder wenig­stens zu sein schei­nen. Die Men­schen tei­len nicht gern irgend­wel­chen Fir­le­fanz mit frem­den Schuf­ten. Bei Ede­ka am „schwar­zen Brett“ hängt ja auch sel­ten ein Foto von einem Gän­se­blüm­chen am Weges­rand. Man ist viel­leicht manch­mal auch ein­fach gern allein mit sei­ner Welt.

Frü­her hieß unser sozia­les Netz­werk noch „raus­ge­hen“.

In den NachrichtenWirtschaft
Klau­en gegen Ent­eig­nung, Tasern für die Bür­ger­rech­te

Es tut sich was in armen Regio­nen.

Am Tag nach der frem­den­feind­li­chen Ent­eig­nung wei­ßer Bau­ern in Süd­afri­ka berich­te­te auch „SPIEGEL ONLINE“ über die Pro­ble­me in einer ande­ren armen Regi­on, näm­lich in Ber­lin, und ließ ein paar Akti­vi­sten gleich eine unter dem Ein­druck der anti­ka­pi­ta­li­sti­schen iPho­ne-Demon­stra­tio­nen in Ham­burg gera­de­zu ver­nünf­tig wir­ken­de Lösung vor­schla­gen:

Mit dem Slo­gan „Deutsch­land geht klau­en“ ruft [ein Wer­be­spot] zum Dieb­stahl bei den Lebens­mit­tel­händ­lern Ede­ka, Rewe, Lidl und Aldi auf, die rund 80 Pro­zent des Mark­tes abdecken. Das nicht bezahl­te Geld sol­len die Die­be über eine Inter­net­sei­te direkt an Gewerk­schaf­ten spen­den, die Pro­du­zen­ten der Lebens­mit­tel ver­tre­ten. Begrün­dung: Wenn Dis­coun­ter und Super­märk­te nicht selbst für fai­re Löh­ne sor­gen, müs­sen es die Kon­su­men­ten tun.

Die Freu­de in den Augen der Super­markt­an­ge­stell­ten, wenn ihre Löh­ne ent­spre­chend umver­teilt wer­den, wird umwer­fend sein.

Ich neh­me noch heu­te Abend einen Wer­be­spot namens „Deutsch­land geht tasern“ auf, in dem zu sehen ist, wie ein paar von die­sen Witz­bol­den im „schwar­zen Kostüm mit Wasch­bä­ren-Logo“ (ebd.) bis zum Ein­tref­fen der Poli­zei vom Laden­be­sit­zer mit ein paar geziel­ten Strom­stö­ßen dar­an gehin­dert wer­den, vor­zei­tig den Dis­coun­ter oder Super­markt zu ver­las­sen. Begrün­dung: Wenn die Poli­zei nicht selbst für die Gewähr­lei­stung unter­neh­me­ri­scher Rech­te sorgt, müs­sen es die Unter­neh­mer tun.

In den Nachrichten
Stin­ken gegen Rechts!

Eine fan­ta­sti­sche Sta­ti­stik hat der Guar­di­an heu­te gefun­den:

Men­schen mit einem grö­ße­ren Hang dazu, die Nase vom Geruch nach Urin, Schweiß und ande­ren Kör­per­ge­rü­chen abzu­wen­den, haben wahr­schein­li­cher eine rechts­au­tori­tä­re Welt­an­schau­ung, ver­mu­tet die For­schung. (…) Die Ergeb­nis­se [der Stu­die] decken auf, dass rech­ter Auto­ri­ta­ris­mus mit einem Gefühl der Absto­ßung gegen­über Kör­per­ge­rü­chen ver­bun­den sei und dass die­se Ver­bin­dung auch einen schwa­chen Zusam­men­hang zwi­schen sol­chen Gefüh­len des Ange­wi­dert­seins und der Unter­stüt­zung für Donald Trump unter­maue­re.

(Über­set­zung von mir.)

Was bedeu­tet, dass die eher „lin­ke“ Teil­grup­pe der Stu­di­en­teil­neh­mer gleich­zei­tig auch die ist, der Gestank nicht so viel aus­macht, was dem erfah­re­nen Fahr­gast von so Zügen eini­ges erklä­ren könn­te oder auch nicht. Eine mög­li­che Les­art wäre dann auch die­se: Duschen ist nicht pro­gres­siv und Deodo­rants sind, sta­ti­stisch gese­hen, wahr­schein­li­cher ein Erken­nungs­zei­chen neu­er Rech­ter als lin­ker Kampf­ge­nos­sen. Da hilft auch eine Anbie­de­rung an „lin­ke“ Gen­der­spe­renz­chen nichts mehr: Ihr seid ent­tarnt, ihr Sei­fen­na­zis!

:aufsmaul:

In den NachrichtenMontagsmusik
Peo­p­le of the North – Over Me // Was kostet Fahrt­geld?

Vielleicht findet mich der Montag ja nicht.Es ist Mon­tag. Freu wie blöd! Es ist kalt, das Selbst ist beschwer­lich und die Men­schen sind zumeist sehr uner­freu­lich. Man könn­te Bus fah­ren vor Ver­gnü­gen.

Bus­fah­ren, apro­pos, ist ja inzwi­schen, gera­de mal sechs Jah­re, nach­dem der Autor die­ser Zei­len selbst in eine Wer­be­kam­pa­gne für den fahr­schein­frei­en Nah­ver­kehr hin­ein­ge­zo­gen wur­de, auch zu einer For­de­rung gewor­den, die die oft geschol­te­nen Main­stream­m­e­di­en befür­wor­ten. Und sie machen es – Trom­mel­wir­bel! – erwar­tungs­ge­mäß falsch: Auf dem ehe­ma­li­gen EDV-Fach­por­tal „hei­se online“ fragt etwa Dusan Ziv­a­di­no­vic, wer denn bei „Gra­tis-Nah­ver­kehr“ zah­le, und bemerkt selbst nicht, dass es eben nicht um Kosten‑, son­dern um Fahr­schein­frei­heit geht. Zu zah­len hät­ten es alle; die For­de­rung nach einem fahr­schein­frei­en (also kol­lek­tiv finan­zier­ten) Nah­ver­kehr stammt eben aus der­sel­ben Hirn­schmie­de wie die nach kol­lek­tiv finan­zier­tem Geld für alle („BGE“), denn wenn man allen gleich­viel weg­nimmt und jedem etwas von der Beu­te abgibt, ist Fair­ness end­lich her­ge­stellt. Fast wie frü­her. Ochs und Esel ahnen, wie das aus­geht.

In den USA tobt der­weil immer noch der Bür­ger­krieg der Guten: Mal las­sen sie schwar­ze Köche ent­fer­nen, weil die­se es wag­ten, im „Black Histo­ry Month“ – als wäre des­sen blo­ße Exi­stenz noch nicht bekloppt genug – Din­ge auf die Spei­se­kar­te zu schrei­ben, die ihnen auch schmecken, aber lei­der Kli­scheeschwar­zen eben auch, mal sind sie zu blöd für Mathe­ma­tik: Schü­ler fin­det, Wur­zel­zei­chen sehe aus wie Hand­feu­er­waf­fe, Poli­zei tritt auf den Plan. Ich möch­te vor­sich­tig anre­gen, die Zivil­ge­sell­schaft in den USA bis auf Wei­te­res allein zu las­sen und zu war­ten, bis sich das Pro­blem von selbst löst.

Dann bleibt auch mehr Zeit für Musik.

Peo­p­le of the North – Over Me

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: At the Dri­ve-In – Dia­man­té

At the Drive-In - DiamantéVon 1993 bis 2001 bestand die texa­ni­sche Post-Hard­core-Band At the Dri­ve-In, die in ein­schlä­gi­gen Musik­me­di­en als – um nicht schon wie­der die­ses unsäg­li­che Wort „abfei­ern“ zu ver­wen­den – ziem­lich gut beschrie­ben wur­de. Aus Grün­den wur­den aus ihr dann jedoch zwei ver­schie­de­ne Grup­pen, näm­lich die mir völ­lig unbe­kann­ten Spar­ta und die mir in recht posi­ti­ver Wei­se bekann­ten The Mars Vol­ta. Letz­te­re Grup­pe nann­te ich vor ein paar Jah­ren „Kra­wall­ben­gels“ und kurz dar­auf hat­te ich sie dann auch ver­stan­den.

Seit 2012 sind At the Dri­ve-In jedoch wie­der ver­eint, wobei mitt­ler­wei­le an der Per­so­nal­schrau­be gering­fü­gig gedreht wur­de: Mit­grün­der Jim Ward wur­de 2016 durch Kee­ley Davis von Spar­ta ersetzt, sonst ist alles beim Alten. Nach dem ersten Stu­dio­al­bum nach 16 alben­frei­en Jah­ren, dem von mir 2017 gänz­lich unter­schla­ge­nen „in•ter a•li•a“, erschien noch im Novem­ber 2017 der/die/das EP „Dia­man­té“ (Amazon.de, TIDAL) mit drei Lie­dern, die mich in einem Maße erfreu­en, das in mir den Wunsch her­vor­ruft, mich doch noch mal ein biss­chen genau­er mit dem bis­he­ri­gen Werk des Quin­tetts aus­ein­an­der­zu­set­zen.

At The Dri­ve In – Amid Ethics

Gara­gen­gi­tar­ren, Mit­wip­p­rhyth­mus, unschei­ßer Gesang – so leicht ist es, mich musi­ka­lisch zu begei­stern. Dass es trotz­dem so weni­ge Grup­pen schaf­fen, spricht nicht für die Musik­sze­ne die­ses Jahr­zehnts. „Dia­man­té“ klingt wie ein Cock­tail im Som­mer auf der Auto­bahn (natür­lich auf dem Bei­fah­rer­sitz) – und das bei den der­zei­ti­gen Tem­pe­ra­tu­ren!

Hei­ße Schei­be, ins­ge­samt.