NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 25. April 2018

Ban­de benutzt den Fin­ger eines toten Man­nes, um des­sen Smart­phone zu ent­sper­ren.


Andre­as Kem­per „erklärt“, was Män­ner­recht­ler mit der NPD zu tun haben:

Und da gibt es ganz deut­lich NPD-Posi­tio­nen. Dazu gehört (…) ein ille­ga­ler Inter­net-Auf­tritt ohne gül­ti­ges Impres­sum usw.

Kein gül­ti­ges Impres­sum zu haben ist rechts! :hitler:


Die unfass­ba­re PETA fin­det, dass man in Meu­chel­spie­len angeln kann, sei Tier­quä­le­rei.


Ande­re Län­der, ande­re Sit­ten: In Kana­da wur­de ein Amok­fah­rer von einem Poli­zi­sten zur Auf­ga­be gequatscht, weil die­ser ihn nicht erschie­ßen woll­te.


Paul Inge­da­ay merkt zur Auf­lö­sung der Eta im Feuil­le­ton der „FAZ“ (möch­te wegen LSR nicht ver­linkt wer­den) an:

Beson­ders zynisch ist die Unter­schei­dung zwi­schen zufäl­li­gen Todes­op­fern und denen, auf die Eta-Atten­ta­te tat­säch­lich ziel­ten. Deren Ange­hö­ri­ge wer­den näm­lich nicht um Ver­zei­hung gebe­ten, denn in den Augen der Ter­ro­ri­sten rich­te­te sich der „bewaff­ne­te Kampf“ ja völ­lig zu Recht gegen die Urhe­ber des „poli­ti­schen Kon­flikts“.

Nur ein noch beson­de­re­r­er Zyni­ker wür­de ergän­zen wol­len, dass sich das ja eigent­lich auch nicht wesent­lich von der Vor­ge­hens­wei­se der Scheiß-NATO unter­schei­det, deren „Krieg gegen den Ter­ror“ ja auch das Umbrin­gen der Urhe­ber des „poli­ti­schen Kon­flikts“ zum Ziel hat und manch­mal halt aus Ver­se­hen Kol­la­te­ral­schä­den anrich­tet. Selbst­ver­ständ­lich ist die­ser Ver­gleich aber unan­ge­mes­sen: Die sind, wis­sen Qua­li­täts­me­di­en, nun mal „böse“.


In bay­ri­schen Behör­den sol­len künf­tig noch mehr Kreu­ze hän­gen als bis­her. Das soll wahr­schein­lich die Begei­ste­rung der dor­ti­gen Beam­ten für einen lan­gen, schmerz­haf­ten Lei­dens­weg signa­li­sie­ren.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Roy­al mit Käse.

Der Wir­bel (Vor­sicht: Goog­le!) um die schein­bar bedeut­sa­me Geburt des drit­ten Kin­des eines mon­ar­chi­sti­schen Bri­ten­pär­chens nebst aus­führ­li­cher Wür­di­gung der dor­ti­gen Nah­rungs­ket­te lässt zwar nicht nur, aber durch­aus auch den Schluss zu, dass die Sehn­sucht nach einem star­ken, jun­gen, cha­ris­ma­ti­schen Füh­rer auch ein Jahr­hun­dert nach dem Ende des bis­lang letz­ten deut­schen Kai­ser­reichs noch mehr­heits­taug­lich ist, so lan­ge nur die Regen­bo­gen­pres­se (u.a. „WELT“ und „Süd­deut­sche Zei­tung“) hin­rei­chend ent­zückt von ihm berich­tet.

In den NachrichtenMontagsmusik
Shob – Except I’m 65 // Eine Par­tei wie ein Unfall.

Heute mal nur eine kurze.Es ist Mon­tag. Dem Inter­net sei es gedankt, dass der Weg hier­her gesäumt war von Musik, die mit­ein­an­der zu tei­len letzt­lich alles ist, was bleibt. Klang gewor­de­nes Glück ist die zweit­be­ste Art von Glück, die beste jedoch trägt zwei­far­bi­ges Fell.

Völ­lig inter­net- wie glücks­fern hin­ge­gen sind ganz ande­re Gestal­ten: Den gest­ri­gen SPD-Par­tei­tag, in des­sen Ver­lauf zwecks „Erneue­rung“ der Par­tei eine alte Funk­tio­nä­rin an die Spit­ze gewählt wur­de, was allein des­halb bereits als ein gutes Zei­chen gilt, weil sie kei­nen Penis, son­dern eine Vagi­na trägt, haben zu vie­le Men­schen in mei­nem Umfeld aktiv ver­folgt; die glei­chen Leu­te regen sich über Gaf­fer bei einem Auto­un­fall auf, obwohl ein Auto­un­fall doch noch weni­ger Scha­den anrich­tet.

Am ver­gan­ge­nen Diens­tag sab­bel­te Han­nes Stein für das Medi­um „WELT ONLINE“ ins Web hin­ein, dass „die Medi­en“ sich mit den Pulit­zer-Prei­sen selbst „fei­ern“, und zwar „zu Recht“. So reflek­tiert muss man ja auch erst mal sein. Noch weni­ger reflek­tiert aller­dings der Betrei­ber eines ande­ren gro­ßen Web­por­tals, der Face­book heißt und auf den öffent­lich­keits­wirk­sa­men „Daten­skan­dal“ fol­gen­der­ma­ßen reagiert: Das sozia­le Netz­werk hat jetzt eine auto­ma­ti­sche Gesichts­er­ken­nung. – In einem wie­der­um ande­ren Medi­um emp­fahl der als „Erfin­der des iPods“ (laut „hei­se online“ aber auch ein­fach nur des iPod) geschol­te­ne Tony Fadell der Fir­ma Apple, künf­tig etwas mehr dage­gen zu tun, dass iPho­nes so viel benutzt wür­den. Eine Reak­ti­on von Apple ist nicht über­lie­fert, ver­mut­lich lachen sie immer noch. Auch etwas zu lachen hat­te ein unbe­kann­ter Bank­kun­de – die Deut­sche Bank hat­te ihm aus Ver­se­hen 28 Mil­li­ar­den Euro irgend­wo­hin über­wie­sen. Das sind Feh­ler, die unser­eins gar nicht machen kann. Ich weiß aber noch nicht, ob mich das freu­en soll­te.

Beim Oster­ha­sen und/oder beim Meu­cheln von Pre­di­gern han­delt es sich, glaubt man dem „Christ­li­chen Medi­en­ver­bund KEP“, um einen Glau­bens­in­halt, über den man sich nicht lustig machen dür­fe. Es bleibt unklar, war­um sich ein ver­meint­lich auf­ge­klär­tes Land noch immer eine Steu­er zugun­sten die­ser fröh­li­chen Gesel­len lei­stet. Man könn­te das Geld doch viel sinn­vol­ler anle­gen, zum Bei­spiel in gute Musik.

Wie wäre es mit die­ser hier?

SHOB – Except i’m 65 (feat Lau­rè­ne P Magna­ni)

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Sperr­klau­sel­fan­ta­sie

Wäre es im Schein der Plä­ne, aber­mals bestimm­ten Par­tei­en auf­grund einer will­kür­lich gezo­ge­nen Gren­ze die Wahr­neh­mung ihres Wäh­ler­auf­trags zu ver­weh­ren, nicht eigent­lich rat­sam, die­se will­kür­lich gezo­ge­ne Gren­ze nicht etwa auf zwei bis fünf, son­dern auf fünf­zig Pro­zent der erhal­te­nen Stim­men fest­zu­set­zen, wor­auf­hin wenig­stens eine ein­zi­ge Par­tei sich dar­um bemü­hen müss­te, die mei­sten Bür­ger inhalt­lich zu über­zeu­gen?

PolitikIn den Nachrichten
Gefa­sel lesen gegen Rechts!

Was haben die SPD und der Axel-Sprin­ger-Ver­lag eigent­lich außer einer Ver­gan­gen­heit mit Chri­sto­pher „Knal­ler“ Lau­er noch gemein­sam? Dar­über geben die heu­ti­gen Nach­rich­ten Auf­schluss.

Die eyeo GmbH näm­lich, die auf ihrer Web­site gegen­wär­tig einen Graf­fi­ti sprü­hen­den Nin­ja zeigt und damit offen­sicht­lich zum Aus­druck brin­gen möch­te, dass sie die coo­le Fir­ma ist, die unge­fragt bun­te Bild­chen auf frem­de Wän­de schmiert, hat vom Bun­des­ge­richts­hof bestä­tigt bekom­men, dass es im Ermes­sen der Nut­zer liegt, ob sie Wer­bung sehen möch­ten oder nicht. Der Dada­ver­lag Axel Sprin­ger hat dar­auf­hin eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­kün­digt, da „Pro­gram­me wie Adblock Plus die frei­heit­li­che Medi­en­ord­nung gefähr­de­ten“, als zwin­ge eine „frei­heit­li­che Medi­en­ord­nung“ den Kon­su­men­ten zu bestimm­tem Kon­sum und nicht etwa den Anbie­ter zu einem bestimm­ten Ange­bot.

Geht es nach Kata­ri­na Bar­ley, Nach­fol­ge­rin Hei­ko Maas‘ im Justiz­mi­ni­ste­ri­um und zugleich eines mei­ner leben­den Lieb­lings­ar­gu­men­te gegen die Frau­en­quo­te, dann ist eine sol­che „Medi­en­ord­nung“, wenn ich sie gera­de nicht völ­lig falsch ver­ste­he, schon bald Gesetz: Um die Bil­dung von „Fil­ter­bla­sen“, in denen Men­schen nur noch mit Nach­rich­ten umge­ben sind, die sie auch inter­es­sie­ren, zu erschwe­ren, sol­len „sozia­le Netz­wer­ke“ wie Face­book dazu ange­hal­ten wer­den, plu­ra­li­stisch zu agie­ren, indem es sei­ne „Pro­gram­me“ (hier wohl: Algo­rith­men) anpasst, denn die­se soll­ten „nicht allein dar­auf aus­ge­rich­tet sein, was einem gefällt“. Als führ­te es unver­meid­lich zu einer Radi­ka­li­sie­rung des Vol­kes, wenn es kei­ne Wahl mehr hat, ob es mit Nach­rich­ten über Sport, Phil Coll­ins oder zum Bei­spiel die SPD beschallt wer­den möch­te! Dabei hat mich poli­tisch bis­her kaum etwas so nach­drück­lich bewegt wie die Ergüs­se von Mini­stern aus dem Ana­log­land.

In jün­ge­ren Umfra­gen gewinnt die SPD im Übri­gen wie­der neu­en Zuspruch. Wäre ich AfD-Mit­glied, auch ich wür­de in die­sen Umfra­gen ange­ben, dass ich natür­lich die SPD wäh­le. Eine bes­se­re Wer­bung als deren Per­so­nal­ent­schei­dun­gen könn­te ich selbst für die Oppo­si­ti­ons­füh­re­rin nie­mals machen.

Immer noch tön­ten die frei erfun­de­nen Sta­ti­sti­ken aus dem Tele­vi­sor. Im Ver­gleich zum ver­gan­ge­nen Jahr gab es mehr zu essen, mehr Klei­dung, mehr Hau­ser, mehr Möbel, mehr Koch­töp­fe, mehr Heiz­ma­te­ri­al, mehr Schif­fe, mehr Flug­zeu­ge, mehr Bücher, mehr Neu­ge­bo­re­ne – mehr von allem außer Krank­heit, Ver­bre­chen und Wahn­sinn.
Geor­ge Orwell: 1984

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Was man noch sagen darf.

In der media­len Dis­kus­si­on über den MDR Sach­sen, der gestern eine Dis­kus­si­ons­run­de über „poli­ti­sche Kor­rekt­heit“ – also das ver­meint­li­che Schön­for­mu­lie­ren von gro­bem Unfug – abhal­ten woll­te, scheint es einen Kon­sens zu geben, der mit dem erfolg­rei­chen Weg­brül­len der Sen­dung sei­ne end­gül­ti­ge Form erreicht zu haben scheint. Die­ser Kon­sens lau­tet offen­bar, dass man selbst­ver­ständ­lich „Neger“ nicht mehr sagen dür­fe, weil sich davon unter Umstän­den irgend­ein Anwe­sen­der ver­letzt füh­len könn­te.

Nun leben wir in einer Zeit, in der eine grö­ßer wer­den­de Grup­pe eine stän­di­ge Ver­letzt­heit zum Lebens­stil erho­ben hat und die­se, von US-ame­ri­ka­ni­schen Hoch­schu­len aus­ge­hend, auch in Deutsch­land zu kul­ti­vie­ren ver­sucht, was vor nicht all­zu lan­ger Zeit einen sehr anstren­gen­den Streit über ein Gedicht an einer Wand anfeu­er­te, der mit der Ent­fer­nung des Gedichts ende­te und vie­le Men­schen als erschreckend dumm ent­larv­te. Inso­fern scheint es nicht immer die rich­ti­ge Ent­schei­dung zu sein, in jeden Sprech­akt mög­li­cher­wei­se ver­letz­te Gefüh­le ein­zu­be­zie­hen; zumal die Empö­rung oft eine Stell­ver­tre­te­r­em­pö­rung ist: Dem MDR Sach­sen wur­de eine gewal­ti­ge Wel­le an Auf­re­gung ent­ge­gen­ge­spült, weil man doch „Neger“ nicht sagen dür­fe, weil dun­kel­häu­ti­ge Mit­men­schen das bestimmt nicht gut fin­den. Kei­ner der Auf­ge­reg­ten war selbst betrof­fen. Der Volks­sport des ver­tre­ten­den Belei­digt­seins erscheint mir gegen­über den angeb­lich Betrof­fe­nen unver­schämt, weil ent­mün­di­gend, und ist damit eine Her­ab­wür­di­gung die­ser angeb­lich Betrof­fe­nen, die doch gera­de ange­pran­gert wer­den soll­te.

Anson­sten ist die Fra­ge falsch for­mu­liert: Selbst­ver­ständ­lich darf man „Neger“ sagen und sogar schrei­ben, wie ich es hier gera­de erst getan habe, und „Zigeu­ner“ sowie „Fett­wanst“, der Fett-ist-schön-„Bewegung“ (als gin­ge es ihnen um Bewe­gung!) zum Trotz, eben­so. Kein Gesetz ver­bie­tet die Ver­wen­dung von ein­zel­nen Wör­tern unter allen Umstän­den, was gut und rich­tig so ist. Man darf auch Phil Coll­ins hören, was wahr­schein­lich nie­man­den unglück­li­cher macht als mich. Nicht alles, was man darf, ist jedoch auch emp­feh­lens­wert, und sobald eine nicht all­zu per­sön­lich ver­trau­te und nicht unsym­pa­thi­sche Per­son der Adres­sat ist, ist ein gewis­ses Grund­ni­veau emp­foh­len. Es besteht ein nicht nur ober­fläch­li­cher Unter­schied zwi­schen der Anre­de eines alten Schul­freunds und eines Frem­den als „du Neger“. Man darf also, wenn­gleich mit begrün­de­ter Aus­nah­me des ollen Hit­ler­gru­ßes, bei­na­he alles sagen, nur nicht zu jedem.

Aber das passt so natür­lich nicht in einen Tweet.

MusikIn den Nachrichten
Der Anti­mu­sik­preis

Man stel­le sich eine Aus­zeich­nung vor, die all jenen erteilt wird, die nicht etwa musi­ka­lisch oder wenig­stens text­lich bedeut­sa­me Wer­ke mit Tief­gang und von über­ra­gen­der Krea­ti­vi­tät und Qua­li­tät her­vor­brin­gen, son­dern die das Geschäft, in dem es dar­um geht, mit mög­lichst wenig eige­ner Lei­stung, indem man sich zum Bei­spiel von Die­ter Boh­len oder einem der unge­zähl­ten Hilfs­schrei­ber der Indu­strie Melo­die und Text vor­ge­ben lässt und dann nur noch, wegen man­geln­den Kön­nens stark ver­frem­det, einen kli­nisch rein tönen­den Com­pu­ter beglei­tet, mög­lichst viel kurz­fri­sti­gen Erfolg (engl. „air­play“) zu erzie­len, ver­stan­den haben und zu nut­zen wis­sen.

Im Rah­men einer mög­li­chen Gala, die unter aus­schließ­li­cher Berück­sich­ti­gung von mög­li­chen Rei­zen zur Locke­rung des Porte­mon­naies um die­se Aus­zeich­nung her­um geschnei­dert wür­de, könn­ten dann zum Bei­spiel irgend­wel­che Kin­der­stars auf­tre­ten und, um die­sen Auf­tritt wenig­stens seman­tisch zu begrün­den, ein Kin­der­lied­chen sin­gen oder ein Gedicht, lyrics also, auf­sa­gen („rap­pen“). Im Vor­feld geäu­ßer­te Beden­ken gegen die­ses Gedicht wür­den sicher­stel­len, dass die Gala viel gut bezahl­te Auf­merk­sam­keit ver­schafft. Auch schlecht gelaun­te Zuschau­er sind Zuschau­er. Dass der­je­ni­ge Preis­trä­ger, der – ganz Punk – die lau­te­sten Beden­ken gegen das undeut­lich Erzähl­te äußert, die­se Aus­zeich­nung den­noch als Ehre begreift, wäre dabei selbst­ver­ständ­lich, denn die Aus­zeich­nung könn­te ja nichts dafür, dass man sie nicht für Qua­li­tät erhält. Ein ver­nünf­ti­ger Künst­ler wür­de sich durch eine sol­che Aus­zeich­nung belei­digt füh­len, dar­um wür­den ver­nünf­ti­ge Künst­ler gar nicht erst nomi­niert.

Man stel­le sich vor, die­sen Unsinn nenn­te man dann einen Musik- und nicht etwa einen Kon­sum­preis, obwohl das für sei­ne Exi­stenz Wesent­li­che doch der Kon­sum und nicht das Kon­su­mier­te ist. Unter etwas ande­ren Umstän­den wäre die­se Vor­stel­lung wohl eine Medi­en­sa­ti­re, jedoch heißt sie in Deutsch­land schlicht „Echo“ und beschäf­tigt die Medi­en und deren Emp­fän­ger seit Tagen, als wäre die Aus­zeich­nung von min­der­qua­li­ta­ti­vem Murks ein Sym­ptom eines Pro­blems und nicht etwa der Kern des Kon­zepts „Echo“.

Eine lebens­wer­te Gesell­schaft eta­blier­te „Vor­sicht: Echo-Gewin­ner!“ als Warn­schild auf ein­schlä­gi­gen Ton­trä­gern, auf dass dem neu­gie­ri­gen Käu­fer schon im Vor­aus klar sein möge, dass er es hier mit Funk­ti­ons­mu­sik zu tun haben wird, deren wesent­li­che Fähig­keit es ist, Lebens­zeit zu ver­schwen­den. Eine Gesell­schaft ande­rer­seits, die sich über­haupt einen sol­chen Anti­mu­sik­preis lei­stet, wird so lebens­wert nie­mals sein.


Nach­trag vom 18. April 2018: „Wer so redet, ver­steht Hip-Hop nicht.“

In den NachrichtenMontagsmusik
Sammal – Ylis­tys ja kumar­rus

Die Detonation steht unmittelbar bevor.Es ist Mon­tag. Das ist ziem­lich scha­de, denn mon­tags gilt es auf­zu­ste­hen und etwas für die Wirt­schaft zu tun, denn sie muss brum­men wie sonst nur ein Pan­da­bär und/oder der Schä­del nach einer durch­zech­ten Nacht, die man brauch­te, um sich men­tal auf den Mon­tag vor­zu­be­rei­ten. Der Mensch ist sein Laster.

Apro­pos Laster: Der Iwan wird auch medi­al in Syri­en bekämpft. Dem Schur­ken­staat Isra­el sowie der deut­schen Kanz­le­rin gefällt das. Die Welt, teil­te Boris John­son mit, sei „ver­eint in ihrer Empö­rung über den Gebrauch von che­mi­schen Waf­fen“, jedoch ver­schwieg er, dass die Welt Angriffs­krieg auch gegen die Bösen oft nicht so gut fin­det. Bom­ben gegen Tode! Da weiß man, was man an den Medi­en hat; woher sonst soll­te man sei­ne aus­rei­chend auf­ge­heiz­te Stim­mung noch bezie­hen?

Wir blei­ben bei Voll­trot­teln: Bernd Riex­in­ger von den Ber­li­ner „Lin­ken“ möch­te, wie „Lin­ke“ das eben so machen, Ver­mie­ter ent­eig­nen las­sen. Alles wie frü­her in Ber­lin. Es war ja nicht alles schlecht. Pas­send dazu kom­me, jubelt schwer leit­ar­ti­kel­nd der „musik­ex­press“, die Audio­kas­set­te zurück. Ob es wohl im Som­mer auch wie­der Pril­blu­men geben wird?

Alles Schlech­te kommt von oben, zum Bei­spiel Viren. Die Woche aber begin­nen wir lie­ber, indem wir mit bei­den Bei­nen auf dem Boden blei­ben und statt­des­sen erdi­ge Musik hören, etwa sol­che aus Finn­land.

Sammal: Ylis­tys ja kumar­rus (Offi­ci­al Music Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Sounds Of New Soma – Moe­bi­us Tun­nel

Sounds Of New Soma - Moebius TunnelWas ver­bin­det man mit Kre­feld?

Was auch immer hier die erste Ant­wort gewe­sen sein mag, sie lau­te­te wahr­schein­lich nicht „Kraut­rock“. Genau sol­chen aber bringt seit eini­gen Jah­ren das Kre­fel­der Duo Sounds Of New Soma („Klän­ge des neu­en Kör­pers“ o.s.ä.) her­vor. Das 2016 ver­öf­fent­lich­te Album „Moe­bi­us Tun­nel“ (Bandcamp.com, Amazon.de) legt hier­über ein Zeug­nis ab, das kaum über­hört wer­den kann. Die Eck­da­ten ver­spre­chen schon Freu­de: Gema­stert wur­de „Moe­bi­us Tun­nel“ von Eroc, dem frü­he­ren Schlag­zeu­ger und spä­te­ren Nach­lass­ver­wal­ter der Hage­ner Krautrock­mei­ster Grob­schnitt.

Die Titel allein spre­chen eigent­lich bereits für sich: Das erste Stück heißt „Lys­erg­del­fin“ und klingt auch genau so.

Sounds Of New Soma – Lys­erg­del­fin

Anson­sten domi­nie­ren vor allem Space- und Psy­che­de­lic Rock: Das fol­gen­de „Kos­mo­nau­ten­glück“, das „Lys­erg­del­fin“ klang­lich in den Welt­raum ver­frach­tet, stimmt den Hörer auf „Sub­raum­ver­zer­rung“ ein, das sich mit sei­nem treu­ben­den Rhyth­mus den gran­dio­sen Hawk­wind und deren Weg­ge­fähr­ten wei­ter annä­hert. „Stech/Apfel“ ergänzt Geräu­sche, die mich an eine Sitar erin­nern, aller­dings kann ich die fern­öst­li­chen Instru­men­te bis­lang noch nicht immer zuver­läs­sig aus­ein­an­der­hal­ten.

Im Über­elf­mi­nü­ter „Mor­gen­ge­bet“, für Reli­gi­ons­all­er­gi­ker mit erfreu­lich feh­len­dem spi­ri­tu­el­len Bezug, wird aus einem elek­tro­ni­schen Blub­bern eine aus­ge­dehn­te Gedan­ken­rei­se, auf der man sich plötz­lich und über­ra­schend wie­der­fin­det. Mit „Neu­land“ – es war 2016, da ging das noch – klingt das Album lei­se und wie­der­um mit fern­öst­li­chem touch aus.

Hat man das alles schon mal irgend­wo gehört? Na klar! Ist es des­halb schlecht? Natür­lich nicht! „Moe­bi­us Tun­nel“ gefällt und ent­spannt; und ist das nicht alles, was zählt?

Netzfundstücke
Den Kapi­ta­lis­mus ein­fach aus­trin­ken (2)

Was das „Neue Deutsch­land“ kann, kann „Tele­po­lis“ schon lan­ge:

Vor 50 Jah­ren begann nach der Ent­ste­hung der Hip­pie­be­we­gung im Lau­fe der 1960er Jah­re die von lin­ker Gesell­schafts­kri­tik getra­ge­ne Revol­te der jun­gen Men­schen, die Stu­den­ten­re­vol­te. (…) Mit dem „68er-Kaf­fee“ wol­len wir einen Blick zurück­wer­fen, auf Träu­me, Auf­bruchs­wün­sche, Uto­pien und eine Lust auf Revol­te und Befrei­ung, die sich eher in Form von Neben­wir­kun­gen gesell­schaft­lich durch­ge­setzt haben. (…) Wir begin­nen mit zwei exklu­si­ven Sor­ten: Patu­ca, einem Fil­ter­kaf­fe aus Hon­du­ras, und Boque­ron, einen Espres­so aus Bra­si­li­en, Peru und Mexi­ko.

Kaffché

Hasta la vic­to­ria siemp­re.
Ché Gue­va­ra

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz ange­merkt zur lästi­gen „ver.di“-Gewerkschaft

Unter dem Ein­druck des zwei­fel­los gege­be­nen Umstands, dass unser­eins von der Gewerk­schaft „ver.di“ medi­al nur dann etwas mit­be­kommt, wenn die­se wie­der ein­mal Men­schen, die eine anstän­di­ge Aus­bil­dung bekom­men haben und sich daher bei Gehalts­knapp­heit nicht etwa aus Pro­test gan­ze Städ­te einen Tag lang zu ent­wirt­schaf­ten erblö­den, auf dass die­se ent­wirt­schaf­te­ten Städ­te plötz­lich mehr Geld aus dem Hut zau­bern, son­dern ein­fach den Arbeit­ge­ber wech­seln, mit­tels Blocka­de öffent­li­cher Ein­rich­tun­gen wie etwa des Nah­ver­kehrs dar­an hin­dert, einer gere­gel­ten Arbeit nach­zu­ge­hen, mit der letzt­end­lich auch die anschei­nend immer noch über­höh­ten Gehäl­ter der pfei­fen­den Pfei­fen bezahlt wür­den, kann ich mich der Ver­mu­tung nur noch schwer erweh­ren, dass die bal­di­ge Über­flüs­sig­ma­chung von Gewerk­schaf­ten mit­hil­fe von die bis­he­ri­gen Arbeits­plät­ze der Streik­ham­mel beset­zen­den Robo­tern, die ein­fach ihre Arbeit ver­rich­ten und die Fres­se hal­ten, statt ihre Stel­lung zu miss­brau­chen, um ver­nünf­tig Gebil­de­ten finan­zi­ell zu scha­den, eine Aus­sicht ist, die mir erstaun­lich gro­ße Freu­de berei­ten wird.