In den NachrichtenWirtschaft
Die Inter­ven­tio­nen der Ande­ren

Es ver­kün­det der frü­he­re Waf­fen­lie­fe­rant des Nahen Ostens, Sig­mar Gabri­el (SPD), auf „SPIEGEL ONLINE“ (hier aus ethi­schen Grün­den nicht ver­linkt):

Wenn [Donald Trump] von uns Mil­li­ar­den zurück­for­dert für die Mili­tär­aus­ga­ben der USA, dann müs­sen wir von ihm Mil­li­ar­den zurück­for­dern, die wir für die Flücht­lin­ge aus­ge­ben müs­sen, die geschei­ter­te US-Mili­tär­in­ter­ven­tio­nen zum Bei­spiel im Irak pro­du­ziert haben.

Die aus Syri­en hin­ge­gen, die sind haus­ge­macht. Die sind jeden Cent wert.
:wallbash:

PolitikIn den Nachrichten
Assi­stolz

Nach­dem Natio­nal­stolz bis zur näch­sten Euro­pa­mei­ster­schaft im Her­ren­fuß­ball vor­erst wie­der eher ungern gese­hen wird, suchen Poli­ti­ker und Bür­ger glei­cher­ma­ßen ver­zwei­felt nach einem Ersatz­stolz. Dabei schrecken sie auch vor bizar­ren Vor­schlä­gen nicht zurück:

Und jeder Fah­rer, der mit einem Lkw mit Abbie­ge­as­si­stent unter­wegs ist, bekommt das neue Trucker-Abzei­chen #Ich­H­ab­Den­As­si. Das kön­nen die Frau­en und Män­ner am Steu­er mit Stolz auf ihren Lkws anbrin­gen.

Und spä­te­stens, wenn der Assi (Assi­stent, nicht Andre­as Scheu­er) in allen rele­van­ten Fahr­zeu­gen ver­pflich­tend ein­ge­baut wor­den sein wird, wird die­ser Stolz einer sein, der dem auf den rich­ti­gen Geburts­ort in nur noch wenig nach­steht.

Politik
Annah­men zum Links­sein (5): Aut­ar­kie ist Schwä­che.

Es schrieb Sibel Schick, „Autorin“ für „taz“ und jüngst auch „Mis­sy“, im Qua­li­täts­me­di­um „Twit­ter“:

Wer von euch hat­te Nach­rich­ten­agen­tu­ren und Main­stream­m­e­di­en auf der Blockliste?*entblockt ne Run­de*

Denn nur, wer prä­ven­tiv blockiert, erlebt kei­ne Mikro­ag­gres­sio­nen durch zu viel Rea­li­tät. Ein Ein­zel­fall ist sie nicht – auch ande­re Twit­ter­nut­zer, über­wie­gend aus dem „Jour­na­lis­mus“, schal­te­ten am Wochen­en­de plötz­lich eine Blockier­li­ste scharf.

Ich begin­ne die Sor­ge der Lin­ken um eine Öffent­lich­keit, die nur noch wahr­nimmt, was ihr Welt­bild bestä­tigt, zu ver­ste­hen; wenn auch aus gegen­tei­li­gen Grün­den.

Nerdkrams
„Siche­rer als Win­dows“ (invers) des Tages

Wenig amü­siert mich so sehr wie Linux-Befür­wor­ter, die davon schwär­men, dass man unter ihrem Stro­kel­sy­stem dau­ernd Updates machen kann und, „anders“ als unter dem blö­den Win­dows, alles so toll mit der Kon­so­le geht, aber sofort essen­zi­el­le System­kom­po­nen­ten in einer älte­ren Ver­si­on zurück­spie­len, wenn ihr gra­fi­sches Anmel­de­knöpf­chen kaputt ist.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Doma­do­ra – lacu­na jam

Rock'n'OwlEs ist Mon­tag. Fur­zen macht dünn. Eine Woche, die mit Niveau beginnt, ist bekannt­lich eine ver­lo­re­ne Woche.

Apro­pos Niveau: In Ber­lin wur­de am Sonn­abend aber­mals unter Zuhil­fe­nah­me schwer erträg­li­cher Geräu­sche („weg­bas­sen“) dafür demon­striert, dass die als mafi­ös han­delnd wahr­ge­nom­me­nen Schleu­ser und Schlep­per nicht dafür bestraft wer­den sol­len, die Not­la­ge von vor der Waf­fen­po­li­tik der rechts­po­pu­li­sti­schen SPD geflo­he­nen Armen aus­zu­nut­zen. Der Ber­li­ner Koali­ti­ons­part­ner der rechts­po­pu­li­sti­schen SPD, die ver­meint­li­che „Lin­ke“, twit­ter­te freu­dig, dass er „Hal­tung“ zei­ge, indem er zwar nicht die ertrag­rei­che Koali­ti­on auf­kün­di­ge, aber doch immer­hin Fah­nen schwin­gend dage­gen sei, dass die Sym­pto­me der von ihr geför­der­ten Krank­heit, näm­lich die Not­wen­dig­keit einer Flucht, nicht von kom­mer­zi­el­len Inter­es­sen­ten für viel Geld („Spen­den“) bekämpft wer­den dür­fen. Wenn ich noch ein biss­chen wirt­schafts­li­be­ra­ler ein­ge­stellt wäre als sowie­so schon, müss­te ich wohl künf­tig die „Lin­ke“ wäh­len. – Fol­ge­rich­tig lie­gen gemäß der neue­sten Emnid-„Sonntagsfrage“ in der Befrag­ten­gunst die AfD und die rechts­po­pu­li­sti­sche SPD erst­mals gleich­auf. Über wen das was aus­sagt, weiß ich aber nicht.

Es ist Mon­tag und mon­tags zäh­len, wie weit­hin bekannt ist, ohne­hin nur noch zwei Din­ge: Pan­da­bä­ren und Musik.

DOMADORA – Lacu­na jam [2018] (offi­ci­al video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Aivery – Becau­se

Aivery - BecauseLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Regel­mä­ßi­ge Leser wis­sen, dass Musik eine Pro­fes­si­on der Über­ra­schun­gen ist. Daher soll­te es auch kaum erstau­nen, wenn aus­ge­rech­net Öster­reich sich immer wie­der als Hei­mat­land von Musi­kern, deren Wer­ke nicht zu ken­nen bedau­er­lich wäre, her­aus­stellt.

Aivery klin­gen näm­lich eigent­lich gar nicht nach Öster­reich, ich hät­te sie eher in Austra­li­en ver­or­tet. Tat­säch­lich han­delt es sich aber um ein Wie­ner Trio rein weib­li­cher Natur, das Musik her­vor­bringt, die frü­her wohl als „Riot Grrrl“ bezeich­net wor­den wäre – nach vorn pre­schen­de Rock­mu­sik mit einer ordent­li­chen Por­ti­on power, also Kraft, näm­lich. Auch auf ihrem seit 2017 aktu­el­len Album „Becau­se“ (Amazon.de, Bandcamp.com) gelingt ihnen das bra­vou­rös.

Aivery – Don’t Dare

Inter­es­san­te Frickel­re­frains („Don’t Dare“, lei­der mit zu lang gera­te­nem out­ro) mit gern mal sehr ver­zerr­ter Gitar­re tref­fen auf gera­de­zu melo­di­sche Punk­kra­cher („Secret“), alles domi­niert von einem der kraft­voll­sten Schlag­zeu­ge, die ich in den letz­ten Jah­ren hören durf­te.

Aivery – Secret

Die drei Wie­ne­rin­nen haben, man ver­zei­he mir den Begriff, Feu­er unterm Hin­tern und sie las­sen es oben spür­bar wie­der raus.

Musik für Cabrio­fah­rer und/oder zum Abre­agie­ren. Nicht übel.

In den NachrichtenPiratenpartei
Fast alle für Euro­pa (zwei­mal).

Wäh­rend aus­ge­rech­net unter der ideel­len Füh­rung der Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten der Pira­ten­par­tei („Bünd­nis 90/Die Grü­nen“, „tages­schau“) grö­ße­rer Scha­den am euro­päi­schen Urhe­ber­recht abge­wen­det wer­den konn­te, arbei­te­te die Klein­par­tei SPD, die ein­zig das Feh­len einer Fünf-Pro­zent-Hür­de noch in irgend­ein kom­men­des Par­la­ment hie­ven wird, bereits dar­an, dass so etwas nie wie­der vor­kom­men möge, und stimm­te freu­dig dafür, dass ihr spä­te­stens bei der über­näch­sten Euro­pa­wahl kei­ner mehr rein­quatscht:

Klein­par­tei­en in Deutsch­land müs­sen ab der Euro­pa­wahl 2024 mit einer Min­dest­hür­de für den Ein­zug ins EU-Par­la­ment rech­nen.

Das ist, weiß der deut­sche Außen­mi­ni­ster (SPD, aber wenig­stens per Amt nicht mehr so oft zuge­gen), ein Sieg für uns alle:

Die Wahl­rechts­re­form ist beschlos­sen – das stärkt die Stim­me der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in der Euro­päi­schen Uni­on. (…) Jede Stim­me zählt!

So lan­ge sie nur nicht das fal­sche Lied singt. :ja:


Apro­pos Euro­pa.

Die „taz“ wür­de ja im Arti­kel dar­über, dass die Fil­te­rung von Online­din­gen alber­ne Kon­se­quen­zen haben kann, gern eine Quel­le nen­nen, aber das geht nicht:

„Um ehr­lich zu sein, ent­hält die­se Pas­sa­ge so eini­ges, was als Hass­re­de ein­ge­stuft wer­den kann“, räum­te das Blatt ein (Text wegen DSGVO in Euro­pa nicht abruf­bar).

Mit Sati­re ist dem schon lan­ge nicht mehr bei­zu­kom­men.

PolitikIn den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (3)

Da das Lie­fern von Waf­fen in Kriegs­ge­bie­te gera­de nicht den besten Ruf genießt, muss eine Aus­weich­lö­sung her, um finan­zi­el­len Scha­den von system­re­le­van­ten Unter­neh­men (hier: sol­chen, die Mord­ma­te­ri­al pro­du­zie­ren) abzu­wen­den.

Die Waf­fen­fa­bri­kan­ten­par­tei SPD hat da einen Plan:

[2019] soll der Rüstungs­haus­halt auf 42,9 Mil­li­ar­den anstei­gen, also noch ein­mal um 1,4 Mil­li­ar­den, eigent­lich aber nur um 650 Mil­lio­nen.

Muss man ja ver­ste­hen. Deutsch­land ist immer­hin von Fein­den nur so umzin­gelt – zum Bei­spiel von der Schweiz. Die haben töd­li­che Scho­ko­la­de da unten. Da hel­fen nur mehr defek­te Sturm­ge­weh­re. Die Fah­ne hoch!

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Tex­te mit Fra­ge­zei­chen.

War­um man jun­gen oder wenig­stens neu­en Jazz­mu­si­kern Gehör schen­ken soll­te, fasst Rein­hard Köchl, frei­er Musik­jour­na­list, die­ser Tage so zusam­men:

Sie alle machen Musik mit Aus­ru­fe­zei­chen.

Im Gegen­satz zu Rock­mu­sik, die statt­des­sen einen Punkt bevor­zugt, und Schla­gern, wo ein Semi­ko­lon das Gebot der Stun­de ist, hebt sich Jazz­mu­sik so auch im Schrift­bild wohl­tu­end ab.

In den Nachrichten
Tor für Eng­land.

Es spe­ku­liert „tele­schau – der medi­en­dienst“ für das skur­ri­le, zu Micro­soft gehö­ren­de Por­tal „msn unter­hal­tung“ mit einer an Foto­mon­ta­gen rei­chen Bil­der­ga­le­rie, was denn wohl pas­sie­re, wenn „die Queen“ (hier: die bri­ti­sche Köni­gin) gestor­ben sei.

Zwar wird Mon­ar­chie aus unkla­rem Anlass in Deutsch­land nicht mehr ganz so gern gese­hen wie frü­her, aber sie – die Köni­gin – sei immer­hin schon 92 und neu­lich mal krank gewe­sen, da sei es nahe­lie­gend, sich über die Gescheh­nis­se vor­her zu infor­mie­ren. Falls mal kein Fuß­ball kommt oder so.

Habe ich Fuß­ball geschrie­ben? Wie tref­fend!

Public Vie­w­ing

Auf dem Land wer­den Lein­wän­de an zen­tra­len Plät­zen auf­ge­stellt, damit auch dort die Bevöl­ke­rung die Gescheh­nis­se in Lon­don ver­fol­gen kön­nen. Für die Über­tra­gung der Beer­di­gung könn­ten even­tu­ell sogar Fuß­ball­sta­di­en ver­wen­det wer­den.

Und dazu einen Hot­dog und ein küh­les Bier. Sonst macht das doch über­haupt kei­nen Spaß. :ja:

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
John Cale – Sold-Motel // Ein biss­chen Frie­den (von rechts).

Frühstück?

Es ist Mon­tag. Lan­ge nichts mehr über – haha, klei­ner Scherz. Die Lage ist ernst, von Musik müs­sen wir da gar nicht erst anfan­gen. Das ver­gan­ge­ne Wochen­en­de näm­lich war ein schier uner­träg­lich poli­ti­sches.

Auf die Fra­ge, war­um aus­ge­rech­net die poli­ti­sche „Rech­te“ wei­ter­hin so kon­stant erfolg­reich sei, gibt es inzwi­schen, nach ihrem medi­al weit­ge­hend unbe­ach­te­ten Par­tei­tag in Augs­burg min­de­stens drei Ant­wor­ten: Könn­te es erstens dar­an lie­gen, dass die Anti­sym­pa­thie für ihre poli­ti­schen Geg­ner impli­zit zu mehr Sym­pa­thie für sie führt; zwei­tens dar­an, dass die „Sozia­len“ das Ren­ten­sy­stem auf Jahr­zehn­te hin­aus ent­kernt haben; drit­tens und letz­tens dar­an, dass die gera­de­zu infam popu­li­sti­sche Annah­me, man wer­de von denen da oben sowie­so nur belo­gen, einen wah­ren Kern hat? „Zudem teil­te Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (…) mit, dass sie von 14 euro­päi­schen Län­dern die Zusa­ge habe, mit ihnen ein Abkom­men über die schnel­le­re Rück­füh­rung von Migran­ten zu ver­ein­ba­ren. Tsche­chi­en, Ungarn und Polen haben ihre Zustim­mung dazu aber bereits demen­tiert“, berich­te­te „ZEIT ONLINE“ gestern, denn es ist ja auch nicht so wich­tig, vor­her mal gefragt zu haben. – Das sei noch gesagt: Wenn Donald Trump, wie von mir vor län­ge­rer Zeit schon ange­nom­men, der­je­ni­ge Poli­ti­ker ist, der für den mei­sten Frie­den sorgt, dann ist viel­leicht die Zeit gekom­men, über die Welt, in der alles in Schub­la­den passt, noch mal ergeb­nis­of­fen nach­zu­den­ken.

Für die­sel­be „ZEIT“ schwa­fel­te Chri­sti­na Rietz, ihr Auto sei ihr hei­lig. Drei Die­sel­un­ser vorm Schla­fen­ge­hen, dar­un­ter machen wir’s nicht. Gott Fuß­ball hat uns erfreu­li­cher­wei­se ver­las­sen.

Obwohl doch jeder weiß, dass nur zwei Din­ge gött­lich sind: Pan­da­bä­ren und Musik.

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Ver­stär­ker – Akti­vi­tät

Verstärker - AktivitätLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Um 1972 her­um, in der Blü­te­zeit des „Kraut­rocks“ also, for­mier­te sich eine lose Grup­pe von Musi­kern, die das Benut­zen klas­si­scher Musik­in­stru­men­te für zu beschrän­kend hielt und statt­des­sen ander­wei­tig Geräu­sche erzeug­te. Zu die­sen Musi­kern gehör­ten Klaus Schul­ze und Die­ter Moe­bi­us eben­so wie Bands wie Tan­ge­ri­ne Dream und Kraft­werk, die etwa zu die­ser Zeit die Rock­mu­sik hin­ter sich lie­ßen, sofern sie sie nicht – wie etwa Zweit­ge­nann­ter – von vorn­her­ein gemie­den hat­ten. Das Ergeb­nis nann­te sich mal kos­mi­sche, mal elek­tro­ni­sche Musik und wird heut­zu­ta­ge gele­gent­lich als „Ber­li­ner Schu­le“ sub­su­miert, weil dort anschei­nend mehr los was als anders­wo.

Anders­wo ist zum Bei­spiel Ken­tucky. Dort nahm die Musik­grup­pe mit dem urame­ri­ka­ni­schen Namen Ver­stär­ker, bestehend aus drei Musi­kern, deren Vor­na­me mit einem J beginnt, im Jahr 2015 das Album „Akti­vi­tät“ (Amazon.de, Bandcamp.com) auf, das noch im sel­ben Jahr ver­öf­fent­licht wur­de und im Wesent­li­chen instru­men­ta­le kos­mi­sche Musik – so auch die Eigen­be­schrei­bung der Band – ent­hält.

Das Album ist geprägt von einer hohen Dich­te. Schicht auf Schicht wird getürmt, die Abrun­dung nimmt eine Viel­zahl an elek­tro­ni­schen Effek­ten aus Syn­the­si­zern vor. Ich möch­te gar kei­ne Ver­glei­che anstel­len, sol­che wären immer unfair, aber Kraft­werk schei­nen den Ver­stär­ker­mu­si­kern durch­aus nicht unbe­kannt zu sein.

Über­tra­gung

Dass hier nicht ein gan­zes Album mit weni­gen Varia­tio­nen gefüllt wird, erklärt sich nach dem gest­ri­gen Album eigent­lich fast von selbst; „Abstrakt/Konkret“ rockt schon ziem­lich, „Über­tra­gung“ wird dem Titel ent­spre­chend mit Stör­ge­räu­schen unter­legt. Details gibt es hier in aus­rei­chen­dem Maße zu fin­den.

Das ist doch mal eine ange­neh­me Sonn­tags­ak­ti­vi­tät.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Tony Con­rad & Faust – Out­side the Dream Syn­di­ca­te

Tony Conrad & Faust - Outside the Dream SyndicateLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 1963 ent­stand, wie auf­merk­sa­me Leser längst wis­sen, in den USA das von La Mon­te Young geführ­te Theat­re of Eter­nal Music, ein Kol­lek­tiv von Musi­kern, das mini­ma­li­sti­sche Kom­po­si­tio­nen dar­bot. Drei ihrer Auf­nah­men wur­den spä­ter in der Rei­he „Insi­de the Dream Syn­di­ca­te“, über­wie­gend unter dem Namen John Cales, der eben­falls ein Mit­glied des „Thea­tres“ war, her­aus­ge­bracht.

Eini­ge der „Theatre“-Musiker, dar­un­ter Tony Con­rad und John Cale, spiel­ten ab 1964 außer­dem mit dem Stu­dio­mu­si­ker und Lied­schrei­ber Lou Reed in wech­seln­der Beset­zung und unter ver­schie­de­nen Namen zusam­men. In Tony Con­rads ehe­ma­li­ger Woh­nung fan­den Mit­glie­der der Grup­pe, die inzwi­schen aus John Cale, Ster­ling Mor­ri­son, Angus MacLi­se und Lou Reed bestand, spä­ter das Buch „The Vel­vet Under­ground“ von Micha­el Leigh und nann­ten sel­bi­ge anschlie­ßend so. Tony Con­rad selbst wand­te sich statt­des­sen dem Film zu.

Der Pro­du­zent der deut­schen Avant­gar­de­band Faust, Uwe Net­tel­beck, zeig­te jedoch Inter­es­se an sei­ner bis dahin her­vor­ge­brach­ten Musik und lud ihn nach Ham­burg ein, um gemein­sam mit Faust etwas auf­zu­neh­men. So ent­stand 1972 „Out­side the Dream Syn­di­ca­te“ (Amazon.de, TIDAL), das bis heu­te in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen ver­öf­fent­licht und aus­zugs­wei­se 1995 auch live gespielt wur­de.

Zu hören ist natür­lich mini­ma­li­sti­sche Musik, die weit über das hin­aus­geht, was vie­le ver­mut­lich unter „mini­mal“ ver­ste­hen wür­den. Im ersten Stück („From the Side of Man and Woman­kind“, auf der CD von 1993 zusätz­lich in einer alter­na­ti­ven, etwas kür­ze­ren Ver­si­on als „The Side Of Woman And Man­kind“ zu hören) ver­ur­sacht Tony Con­rads Vio­li­ne Dro­nes zu ein­fach­stem Rhyth­mus­fun­da­ment (hier von „Zap­pi“ Dier­mai­er, der abwech­selnd auf Becken und Bas­strom­mel schlägt, und Jean-Her­vé Péron, der fort­wäh­rend den glei­chen Ton auf dem Bass spielt, errich­tet), das sich kaum merk­lich ver­än­dert. Das Stück dau­ert 27 Minu­ten. Das kann sehr lang sein, ist aber durch­aus loh­nens­wert.

Tony Con­rad with Faust – From the Side of Man and Woman­kind (1973) HQ

Etwas mehr pas­siert danach („From the Side of the Machi­ne“): Hyp­no­ti­sche, jedoch vari­ie­ren­de Per­kus­si­on unter­mau­ert aber­mals sich zum Ende hin merk­lich ver­dich­ten­de Gei­gen­dro­nes, mit­ge­tra­gen vom Bass, der auch mal mehr als nur eine Note her­vor­brin­gen darf. Ist das noch Mini­ma­lis­mus? Im Hin­ter­grund erzeugt ein Syn­the­si­zer (Rudolf Sosna) aller­lei Geräu­sche. Aus Sicht der Maschi­ne ist anschei­nend mehr los. Auch die­ser Teil belegt eine gan­ze LP-Sei­te.

The Side of the Machi­ne

Und er ist, wie ich fin­de, jede Minu­te wert. Musi­ka­li­sche Ent­schleu­ni­gung – war­um nicht öfter? :ja:

ProjekteNerdkrams
Schö­ner lese­zeich­nen mit ymarks

(Vor­be­mer­kung: Etwas Wer­bung in eige­ner Sache.)

Vor etwas über einem Jahr schrieb ich:

Nun ist Xmarks offen­bar bis heu­te die ein­zi­ge Anwen­dung ihrer Art, die die Lese­zei­chen­lei­sten meh­re­rer Brow­ser in alle Rich­tun­gen mit­ein­an­der syn­chro­ni­sie­ren kann.

Das war selbst­ver­ständ­lich ein unzu­rei­chen­der Zustand, den es zu ver­bes­sern galt. Seit dem 1. Mai 2018 steht Xmarks über­dies nicht mehr zur Ver­fü­gung, was die Suche nach Alter­na­ti­ven noch wich­ti­ger macht. Aus­rei­chend getrie­ben vom vor­he­ri­gen Ist­zu­stand habe ich im Herbst 2017 begon­nen, eine Alter­na­ti­ve zu Xmarks zu pro­gram­mie­ren. Seit gestern ist die­se fer­tig genug.

Sie trägt den unfass­bar krea­ti­ven Namen ymarks, besteht aus einer Ser­ver­kom­po­nen­te und Brow­ser­er­wei­te­run­gen. Der Ser­ver funk­tio­niert unter Win­dows und diver­sen UNIX-/unixo­iden Syste­men, Erwei­te­run­gen ste­hen für Fire­fox, Chromium/Chrome und dar­auf basie­ren­de Brow­ser (auch Vival­di soll­te funk­tio­nie­ren) zur Ver­fü­gung, Micro­soft Edge ist unge­te­stet. Lei­der beherr­schen mobi­le Brow­ser das not­wen­di­ge book­marks-API noch nicht.

Den Quell­code gibt es hier. Ich wün­sche viel Ver­gnü­gen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Quo­te / Kei­ne Quo­te

Die For­de­rung nach einer geschlech­ter­pa­ri­tä­ti­schen Ver­tei­lung von Straf­ge­fan­ge­nen war bis­her ein, wie ich fin­de, durch­aus gelun­ge­ner Witz. Die Poin­te hat offen­bar nicht jeder ver­stan­den: Eine Frau­en­quo­te soll es tat­säch­lich künf­tig in bri­ti­schen Gefäng­nis­sen geben, und zwar nach oben statt nach unten. Für nicht beson­ders schwe­re Ver­ge­hen sol­len künf­tig nur noch Män­ner weg­ge­sperrt wer­den.

Wäh­rend­des­sen erhebt sich in Deutsch­land ein Wider­stand gegen die Geschlech­ter­pa­ri­tät: In Ham­burg wet­tern Frau­en und Art­ver­wand­te gegen die Gleich­stel­lung von Män­nern in Beru­fen, in denen die­se unter­re­prä­sen­tiert sind, weil dies gegen das Grund­ge­setz ver­sto­ße, so lan­ge Frau­en kei­nen Nut­zen dar­aus zie­hen. Ich begin­ne zu ver­ste­hen, war­um eine Kom­pe­tenz­quo­te aus die­sen Krei­sen so vehe­ment bekämpft wird.