KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Goat – Com­mu­ne

Goat - CommuneLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Die schwe­di­sche Band Goat, anschei­nend ein Quin­tett absicht­lich unbe­kann­ter Beset­zung, ver­öf­fent­licht seit ihrem Bestehen gele­gent­lich Alben, Sin­gles und Kon­zert­auf­nah­men, zuerst 2012 das tref­fend benann­te Album „World Music“. Heu­te soll es hier um das 2014 ver­öf­fent­lich­te Stu­dio­werk „Com­mu­ne“ (Amazon.de, TIDAL, Band­camp) gehen. Das hät­te aller­dings eben­so tref­fend auch „World Music 2“ hei­ßen kön­nen, denn auch auf ihm las­sen sich Goat von Musik aus aller Welt inspi­rie­ren, ins­be­son­de­re von der eher krau­ti­gen krea­ti­ven Lei­stung des jewei­li­gen Lan­des.

Daher ist „Welt­mu­sik“ auch als bereits eta­blier­te Gen­re­bezeich­nung natür­lich völ­li­ger Unsinn, denn hier wird immer noch so viel mit­ein­an­der ver­eint, dass kaum eine Gemein­sam­keit zu fin­den ist, die über die psy­che­de­li­sche Stim­mung hin­aus­geht, die über die­sem Album schwebt. Wie wär’s mit „Hip­pie­mu­sik“? Naja, fast!

Goat – Words (not the video)

„Com­mu­ne“ ist ein fast 39 Minu­ten lan­ger musi­ka­li­scher trip zwi­schen Afro­beat, Folk­mu­sik, Stoner Rock und 60er-Psy­che­de­lic, gar­niert mit Anflü­gen von New Wave („Words“), die aber schnell und geschickt ins gro­ße Gan­ze ein­ge­bun­den wer­den. Ich erken­ne an, dass in jün­ge­rer Zeit ver­mehrt Grup­pen auf­tre­ten, die sich auf ähn­li­che Vor­bil­der beru­fen. Das ist einer der Grün­de, die es beson­ders erfreu­lich machen, wenn eine von die­sen Grup­pen ein so bemer­kens­wer­tes Album wie „Com­mu­ne“ vor­legt.

Goat­child

Die Chan­ce für das nahe lie­gen­de Wort­spiel mit dem Com­mu­nis­mus möch­te ich hier unge­nutzt ver­strei­chen las­sen, um so frü­her kann der Musik­ge­nuss begin­nen. „Com­mu­ne“ gefällt mir wirk­lich gut. :ja:

In den Nachrichten
Säku­la­ris­mus wann anders. (3)

Ihr habt kei­nen Bock auf Schu­le, aber das Kli­ma inter­es­siert euch ein­fach nicht genug und/oder ihr seid zu ehr­lich, um den Frei­tags­de­mon­stra­tio­nen bei­zu­woh­nen? Fürch­tet euch nicht, der HErr erlö­set euch:

Wegen des 37. Deut­schen Evan­ge­li­schen Kir­chen­tags fällt in Dort­mund die Schu­le aus, weil die Schul­ge­bäu­de den Kir­chen­tags­be­su­chern als Über­nach­tungs­mög­lich­keit die­nen.

Im post­auf­ge­klär­ten Got­tes­staat sind Bil­dung und Wis­sen­schaft eine ver­zicht­ba­re Last. Das christ­li­che Abend­land hat eine ein­ge­bau­te Vor­fahrt. Schu­le ist ja auch unspan­nend für die hip­pen kids, da lässt man sich lie­ber zwei­tau­send Jah­re alte Mär­chen vor­le­sen:

„Die Kin­der haben dann die Gele­gen­heit, ein ech­tes Mega-Event zu erle­ben“, schreibt ruhr24.de denn auch frei her­aus.

Wer braucht schon Schu­le, wenn er auch ein Mega-Event haben kann? :ja:

Piratenpartei
Bom­ber Har­ris‘ spä­ter Sieg

Der Wahl­kampf beginnt, die schmut­zi­ge Wäsche wird aus­ge­packt: Unter media­lem Bei­fall ist Julia Reda aus der Pira­ten­par­tei aus­ge­tre­ten und emp­fiehlt in einem viel (daher nicht hier) zitier­ten Video auf You­Tube, die Pira­ten­par­tei nicht mehr zu wäh­len. Der Grund dafür sei, dass ihre Par­tei recht­lich kei­ne Hand­ha­be hat, den von ihr selbst als ihren Nach­fol­ger auf­ge­bau­ten Zweit­plat­zier­ten von der ein­ge­reich­ten Liste strei­chen zu las­sen.

Von der unvor­teil­haf­ten Situa­ti­on abge­se­hen, dass die Pira­ten­par­tei nach dem über­wäl­ti­gen­den Zuspruch der letz­ten Wochen einen der­ar­ti­gen Schlag in die Magen­gru­be von der­je­ni­gen Abge­ord­ne­ten, ohne die sie die­sen Zweit­plat­zier­ten ver­mut­lich nicht mal ken­nen wür­de, zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht so ein­fach weg­stecken kann und wird, da sich auf Twit­ter bereits die übli­chen Mobs for­men, die geschlos­sen zur Wahl ande­rer Par­tei­en auf­ru­fen, über­rascht mich weni­ger die schier idio­ti­sche Vor­stel­lung, der bis­her ein­zugs­si­che­re Erst­plat­zier­te – der höchst bemer­kens­wer­te Netz­po­li­ti­ker Patrick Brey­er – sei ein Opfer, des­sen Feh­len im Par­la­ment in den näch­sten fünf Jah­ren nie­man­dem wirk­lich weh tun wür­de (als sei EU-Netz­po­li­tik nicht gera­de jetzt ein wich­ti­ges Feld!), als die Ver­strickun­gen erle­digt geglaub­ter Gestal­ten: Es gra­tu­lier­te zum Aus­stieg neben Jas­na „Gum­mi­bär“ Strick auch der ehe­ma­li­ge Bun­des­vor­sit­zen­de Thor­sten Wirth mit Dan­kes­wor­ten an Julia Reda einer- und die Anti­fa ande­rer­seits. Anschei­nend ist ein Aus­tritt aus der Pira­ten­par­tei auch dann ein gro­ßer Erfolg, wenn man sich vier­ein­halb Jah­re lang über­haupt nicht wesent­lich um ihr Schick­sal geschert hat.

Das alles pas­siert, wäh­rend bei den bay­ri­schen Pira­ten die ersten Kar­rie­ri­sten wie­der ihren häss­li­chen Kopf aus der Erde recken. Dort tra­ge sich, wie man hört, zur­zeit zu, dass die jewei­li­gen Vor­sit­zen­den des Mün­che­ner und des bay­ri­schen Ver­bands aktiv gegen einen jun­gen Akti­vi­sten aus ihren Rei­hen oppo­nie­ren, weil sie ver­hin­dern möch­ten, dass er bekann­ter wird als sie. Anschei­nend tut die­ser Par­tei ein biss­chen Auf­trieb nicht gut.

Es ist den­noch beru­hi­gend zu sehen, dass Zei­tun­gen mit der alten Vor­stel­lung, eine Kleinst­par­tei mit Dreck bewer­fen zu las­sen sor­ge für zuver­läs­sig hohe Klick­zah­len, immer noch nicht falsch lie­gen. Wenn mein Beruf mir irgend­wann nicht mehr genug Geld ein­bringt, grün­de ich viel­leicht eine Zei­tung, die nur wäh­rend eines Wahl­kamp­fes erscheint und als Quel­len aus­schließ­lich „sozia­le“ Web­sites akzep­tiert. Das scheint leicht ver­dien­tes Geld zu sein.


Nach­trag I: Zu nie­man­des beson­ders gro­ßer Über­ra­schung lässt sich die Ant­wort des inkri­mi­nier­ten Par­tei­mit­glieds so inter­pre­tie­ren, dass aus den Rei­hen der 2014 abge­wähl­ten Par­tei­lin­ken aus­schließ­lich Mani­pu­la­tio­nen und Lügen zu erwar­ten sind. Mein über­rasch­tes Gesicht sieht merk­wür­di­ger­wei­se genau so aus wie mein ganz nor­ma­les Gesicht.

Nach­trag II: Die deut­sche Ent­spre­chung der thun­ber­gi­schen Kli­ma­pa­nik­par­tei fin­det plötz­lich, Angst sei ein Zei­chen von Schwä­che. Mensch, fast wie frü­her!

NerdkramsIn den Nachrichten
Staats­tro­ja­ner (2019)

Ich war schon bei­na­he in Sor­ge: In den Wir­run­gen um die Urhe­ber­rechts­re­form, deren Abbruch ein­zig die Blöd­heit der SPD ver­hin­dert zu haben scheint, schien gar kei­ne wei­te­re Schwei­ne­rei aus den Rei­hen der CDU/CSU vor­be­rei­tet zu wer­den. Es beru­higt mich ein biss­chen, dass der inzwi­schen über 2.727 Tage alte Staats­tro­ja­ner die Sta­ti­stik ret­tet:

See­ho­fer will dem Ver­fas­sungs­schutz künf­tig das Mit­le­sen von Mes­sen­ger­dien­sten wie Whats­App erlau­ben. Dafür dürf­te der Geheim­dienst „Staats­tro­ja­ner“ ein­set­zen, mit denen Nach­rich­ten noch vor einer Ver­schlüs­se­lung abge­fan­gen wer­den könn­ten – eine soge­nann­te Quel­len-Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­über­wa­chung. (…) Bei den Betrof­fe­nen sol­len Daten, die „den Kern­be­reich pri­va­ter Lebens­ge­stal­tung betref­fen“, nicht erho­ben wer­den – „soweit mög­lich“.

Und da das auf einem Gerät, das über­wie­gend intim­ste Lebens­be­rei­che erfasst, kaum sinn­voll mög­lich ist, ahne ich, wie groß das Bedau­ern sein wird, wenn es lei­der zu einem grö­ße­ren Daten­ab­fluss kam. Manch­mal wünsch­te ich, CDU/CSU wären tat­säch­lich, wie heu­te vie­ler­orts zu lesen, zu blöd und nicht zu skru­pel­los für das freie Inter­net. Abzu­war­ten bleibt, ob digi­ta­le Selbst­ver­tei­di­gung nicht zur Straf­tat erklärt wird.

Wo bleibt eigent­lich die Revo­lu­ti­on?

PolitikIn den Nachrichten
Befreit Kata­ri­na Bar­ley!

Offen­sicht­lich wer­den deut­sche Par­la­men­ta­ri­er in fran­zö­si­scher Gei­sel­haft gehal­ten:

Bun­des­ju­stiz­mi­ni­ste­rin Kata­ri­na Bar­ley (SPD) sei gegen die Upload­fil­ter, sag­te der SPD-Abge­ord­ne­te Tie­mo Wöl­ken. Sie habe sich aber Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) beu­gen müs­sen, die „einen Deal mit Frank­reich geschlos­sen hat“.

Schnell, wir müs­sen sie da raus­ho­len! Bun­des­wehr­ein­satz in Frank­reichs Inne­rem jetzt!

In den NachrichtenMontagsmusik
Wind­hand – Red Cloud // Der Pro­gram­mier­papst

Noch fünf Minuten, MutterEs ist Mon­tag. Ciao, Anti-AKW! Trott­ein, trottaus; wie lan­ge ist der letz­te ech­te Sonn­tag her? – Ohne Sod­bren­nen wäre man ja nur ein hal­ber Mensch, also kann die Woche ange­mes­sen begin­nen. Gleich mal in die Nach­rich­ten gucken, wor­über es sich auf­zu­re­gen lohnt.

Über das alt­be­kann­te Pro­blem, dass Funk­ta­sta­tu­ren unsi­cher sind, lohnt es sich nicht ein­mal mehr die Nase zu rümp­fen. Es soll doch jeder selbst zwi­schen Kom­fort und Sicher­heit die fal­sche Ent­schei­dung tref­fen. Span­nend wird es in der Zukunft, wenn der Staat (und damit jeder auf­ge­weck­te Drei­jäh­ri­ge) in „ver­netz­ten“ Autos rum­hacken darf. Das ist ja alles so prak­tisch in die­ser Zukunft.

An Pro­gram­mie­rern man­gelt es wenig­stens nicht: Selbst der Papst habe jetzt was pro­gram­miert, wird mit­ge­teilt. Da kann ja nichts mehr schief­ge­hen. Wenn sich bei der Benut­zung irgend­ei­ner neu­en Soft­ware also künf­tig der Aus­ruf „oh Gott!“ anbie­tet: Da hat­te wohl Papst Franz die Fin­ger im Spiel.

Noch eine schlech­te Nach­richt zum Wochen­an­fang? Gern: Das Man­ne­ken Pis uri­niert kein Trink­was­ser mehr. Das ist vor allem für die­je­ni­gen ärger­lich, die beim Anblick eines Urin­strahls spon­tan Durst bekom­men, von denen es ja man­che geben soll. Habe ich gehört.

Was ich außer­dem höre: Musik.

WINDHAND – Red Cloud (Offi­ci­al Music Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Regal Worm – Pig Views

Regal Worm - Pig ViewsLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

2011 grün­de­te Jar­rod Gosling, der zuvor sei­ne viel­in­stru­men­ta­len Fähig­kei­ten andern­orts aus­üben durf­te, sein eige­nes Band­pro­jekt Regal Worm, das bis heu­te nomi­nell nur aus ihm selbst besteht. Auf des­sen aktu­el­lem Stu­dio­al­bum „Pig Views“ (Amazon.de, TIDAL, Band­camp), im Juli 2018 erschie­nen, sind es über zwan­zig ver­schie­de­ne Instru­men­te von Mello­tron bis Schlag­zeug. Das heißt natür­lich nicht, dass „Pig Views“ eine rei­ne Solo­plat­te ist: Sie­ben Gäste, dar­un­ter zwei Sän­ge­rin­nen und ein Sän­ger, ste­hen ihm zur Sei­te. Ich behaup­te: Das war eine klu­ge Ent­schei­dung.

Dem Cover­bild ent­spre­chend spie­len Regal Worm weit­ge­hend Retro-Prog mit deut­li­chem Can­ter­bu­ry­ein­fluss, es las­sen sich aber auch spa­ci­ge Klang­ef­fek­te aus­ma­chen. Was ein pas­sen­des Adjek­tiv angeht, so bin ich unent­schie­den zwi­schen „beschwingt“ und „fröh­lich“. Neh­men wir „beschwöh­lich“. Camel, Cara­van und mit­un­ter Mag­ma las­sen freund­lich grü­ßen.

Huge Machi­ne, You Are so Hea­vy

Mag­ma? Ja, wahr­lich: Der immer wie­der mal auf­tau­chen­de Chor­ge­sang hat tief in Zeuhl geba­det. Ein Kalt­herz, wer hier nicht min­de­stens einen Ohr­wurm abzu­grei­fen ver­mag.

You can’t burn me, I’m the Win­ter man
You can’t burn me, I’m the cold man

Jawoll.

Der Gesang ist über­haupt ein ent­schei­den­der Bestand­teil die­ses Albums: Wie – um im Gen­re zu blei­ben – Hat­field and the North ohne die Nor­thet­tes nicht das­sel­be gewe­sen wären, so formt auch der Chor auf „Pig Views“ die Musik maß­geb­lich, wie nicht zuletzt sei­ne Lei­stung in „Reve­a­led as a True Future Tyrant“ beweist.

Reve­a­led as a True Future Tyrant

Das mit Abstand läng­ste, drei­tei­li­ge Stück auf dem Album, „The Drea­ded Lurg“, schiebt Regal Worm dank der Flö­te und der all­ge­mein aus­schwei­fen­den Klang­land­schaft wie­der in Camel­nä­he, was ja auch nicht schlecht ist. Dass das kur­ze out­ro „But­ter­fly“ eigent­lich ver­zicht­bar ist, schmä­lert mei­ne Begei­ste­rung nicht im Gering­sten.

Ich nen­ne die Arti­kel­ru­brik, in der ich die­se Kri­ti­ken ver­öf­fent­li­che, ja durch­aus nicht unüber­zeugt „Kauf­be­feh­le“ statt „Kauf­emp­feh­lun­gen“. „Pig Views“ zu hören soll­te Grund genug sein.

PolitikIn den Nachrichten
Vom „Brexit“ für die EU ler­nen

Der Vor­sit­zen­de der Libe­ral Demo­crats, der bri­ti­schen F.D.P., ver­mel­de­te gestern auf Twit­ter einen groß­ar­ti­gen Erfolg der Stop-Brexit-Kam­pa­gne sei­ner Par­tei: Auf zwei Fotos ist eine anschei­nend gro­ße Zahl an Men­schen zu sehen, die Schil­der bei sich tra­gen, auf denen unter ande­rem „We demand a people’s vote“ („Wir ver­lan­gen eine Volks­ab­stim­mung“), „Put it to the peo­p­le“ („Über­lasst es dem Volk“) und „I want a say on Brexit“ („Ich wür­de beim Brexit gern mit­re­den dür­fen“) steht. Dem Vor­sit­zen­den zufol­ge habe man nun eine Mehr­heit von 60 Pro­zent bei­sam­men, die einen Aus­stieg Groß­bri­tan­ni­ens aus der Euro­päi­schen Uni­on ableh­ne.

Es ist wahr­schein­lich nicht not­wen­dig, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sol­che Zah­len meist von der Situa­ti­on sowie von der Aus­wahl der Befrag­ten abhän­gen. Ich hal­te es aber für bemer­kens­wert, dass sich nicht ein­mal drei Jah­re nach einer Volks­ab­stim­mung, bei der es dem Volk über­las­sen wur­de, was mit der EU-Zuge­hö­rig­keit künf­tig pas­sie­ren sol­le, aus­rei­chend vie­le Men­schen zusam­men­fin­den, die, unzu­frie­den mit der Ent­schei­dung des Vol­kes, gern so oft abstim­men las­sen wür­den, bis ihnen das Ergeb­nis passt.

Ande­rer­seits birgt die­ses Ver­hal­ten eine gro­ße Chan­ce auch für die Euro­päi­sche Uni­on und Deutsch­land: Bekom­men die ange­nom­me­nen 60 Pro­zent der Bri­ten ihren Wil­len und dür­fen ein­fach noch mal abstim­men, dann soll­te es kein gro­ßes Pro­blem dar­stel­len, das auch in ande­ren Mit­glieds­staa­ten der EU durch­zu­füh­ren. Wer nicht unzu­frie­den mit der Arbeit sei­ner Regie­rung ist, wer­fe den ersten Kugel­schrei­ber. Wäh­len wir doch künf­tig ein­fach wöchent­lich und ret­ten wir die Demo­kra­tie. Die, die regel­mä­ßig unan­stän­di­gen Par­tei­en in Ber­lin (Land) und Ber­lin (Bun­des­haupt­stadt) zu Ein­fluss ver­hel­fen, spre­chen sel­ten für die Mehr­heit: 78 Pro­zent der Deut­schen sei­en unzu­frie­den mit der Bun­des­re­gie­rung, zitier­te „ZEIT ONLINE“ letz­ten Juli. Kei­ne Ahnung, wo die Wäh­ler immer her­kom­men.

Viel­leicht soll­te man Wah­len an sich künf­tig durch die Fra­ge erset­zen, mit wel­cher Regie­rung man am ehe­sten zufrie­den wäre. Das wären amü­san­te Ergeb­nis­se für uns Zyni­ker.

NetzfundstückePiratenpartei
Meta­me­di­en­kri­tik (mehr oder weni­ger): Mit Faken­ews­fakes gegen Upload­fil­ter

Fefe fragt zu Recht:

Ver­steht eigent­lich jemand, wie­so die Pira­ten­par­tei das Bohei um Arti­kel 13 nicht genutzt hat, um sich wie­der ins Gespräch zu brin­gen?

Sieht man von den euro­pa­wei­ten Demon­stra­tio­nen gegen die unsag­bar dum­me Poli­tik der Euro­pa­frak­tio­nen von CDU/CSU und SPD, die sich heu­te zumin­dest einig dar­in sind, nicht schuld sein zu wol­len, ab, die hier­zu­lan­de meist von den ört­li­chen Pira­ten maß­geb­lich mit­ge­stal­tet oder – etwa in Han­no­ver – über­haupt erst orga­ni­siert wur­den, bemer­ke jeden­falls ich aus der Par­tei her­aus einen unvor­sich­ti­gen Über­mut. End­lich ein Geg­ner!

Dass man sich da – wie etwa Gre­go­ry Engels, Platz 6 der Euro­pa­li­ste der Pira­ten­par­tei – zur Auf­ga­be von Vor­sicht hin­rei­ßen lässt, ist zwar ver­ständ­lich, aber gefähr­lich:

Der Tho­mas Thiel von @FAZ_Feuilleton denkt auch, wir sind alle #bots! Und er schreibt auch „Blog­ger wer­den für poli­ti­sche Bei­trä­ge auf You­tube von You­tube bezahlt.“ Braucht noch jemand ein Bei­spiel für den Wör­ter­buch für die Defi­ni­ti­on von #FakeN­ews?

Man mag von der „FAZ“ hal­ten, wonach einem selbst der Sinn steht, aber in die­sem Punkt hat der Tho­mas Thiel nicht Unrecht: Vie­le You­Tube-Selbst­dar­stel­ler, auch im deut­schen Sprach­raum, leben inzwi­schen von ihren Vide­os und den damit ver­bun­de­nen Ver­mark­tungs­tä­tig­kei­ten; und das wohl nicht so schlecht. Ob man nun einen poli­ti­schen Bei­trag ver­fasst, die aber­tau­send­ste Cover­ver­si­on von „Yester­day“ singt oder sich schei­ße anmalt: Sobald es genug Leu­te sehen wol­len, ist ein Geld­ge­winn nicht aus­ge­schlos­sen. Das bedeu­tet, dass die Aus­sa­ge, You­Tuber wür­den für Vide­os, in denen sie die bescheu­er­te Poli­tik von CDU/CSU und SPD kri­ti­sie­ren, von You­Tube (und damit Goog­le) bezahlt, so erst mal nicht falsch ist. Die­se Aus­sa­ge nun aus stra­te­gi­schen Grün­den als „Faken­ews“ zu eti­ket­tie­ren ist vor­ei­lig und erweist der Sache auch nicht gera­de den erhoff­ten Dienst.

Für das poli­ti­sche Kli­ma zwi­schen denen und uns wäre es manch­mal sinn­voll, die Bar­ri­ka­den nicht durch Laut­spre­cher aus­zu­wech­seln.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Lak­ta­ting Yak – Ori­gin of the Yak

Laktating Yak - Origin of the YakLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Bei Lak­ta­ting Yak, was über­setzt „Milch abson­dern­der Yak“ heißt, han­delt es sich um ein texa­ni­sches Sex­tett, das sich selbst in RIO-Tra­di­ti­on sieht und 2018 mit „Ori­gin of the Yak“ (Band­camp) sein bis­her anschei­nend ein­zi­ges Album ver­öf­fent­licht hat. Was es mit dem Yak auf sich hat, erläu­tert der Pres­se­text: Anschei­nend ist der Kon­sum von Yak­milch ein wich­ti­ger Bestand­teil einer Berg­be­stei­gung. Für mich wäre das ja nichts.

In sechs von sie­ben Stücken auf dem Album kommt das Wort Yak im Titel vor, ledig­lich „The Erro­rist“ („Sobald die Yak­milch getrun­ken wor­den ist, inter­agiert sie che­misch ähn­lich wie Adre­na­lin mit der mensch­li­chen Ana­to­mie und mini­miert wäh­rend einer Expe­di­ti­on die Ver­rückt­hei­ten des ‚Erro­ri­sten‘ “, teilt besag­ter Pres­se­text mit) bil­det eine Aus­nah­me. Ich bin geneigt, ein Kon­zept hin­ter dem Album anzu­neh­men, obwohl es an Tex­ten man­gelt. Zu hören gibt es jeden­falls instru­men­ta­len Zeuhl, psy­che­de­li­schen Kraut­rock und Folk­mu­sik mit Did­ge­ri­doo (Did­ge­ri­doo!).

Lak­ta­ting Yak – Ori­gin of the Yak FULL ALBUM (2018)

Es domi­nie­ren Per­kus­si­on und Saxo­pho­ne, auch wenn Char­lie Bryan an der Gitar­re in Fripp’scher Manier hier und da („Invo­ka­ti­on of the Yak Pt. 2“) einen lau­ten Ein­wand erhe­ben darf. Talk Talk (Mark Hol­lis lebe ewig fort), Renais­sance, Mag­ma und Pink Floyd sei­en hier name­ge­droppt, die haben die Musi­ker offen­bar mit der Yak­milch auf­ge­so­gen. Ein emp­feh­lens­wer­tes Album, das auf mehr hof­fen lässt.

Die Milch macht’s.

PersönlichesNerdkrams
Smart­phone­blues (fin)

Im Sep­tem­ber 2010 erzähl­te ich sicht­lich begei­stert von mei­ner damals neue­sten Spie­le­rei, mei­nem Android-Smart­phone. In den fol­gen­den Jah­ren bis heu­te hat­te ich Android nicht auf­ge­ge­ben, obwohl mir schon 2016 auf­ge­fal­len war, wie lang­wei­lig die­ses System und die es umge­ben­de Medi­en­land­schaft gewor­den war. Es ging nur noch um Belang­lo­sig­kei­ten: Noch mehr noch bun­te­re Kame­ras, noch lau­te­re Laut­spre­cher bei noch weni­ger Kopf­hö­rer­an­schlüs­sen zu noch höhe­ren Prei­sen.

Dass es auch gün­sti­ge­re Andro­id­ge­rä­te als die jewei­li­gen „Flagg­schif­fe“ Sam­sungs gab und gibt, ist ein Umstand, der auf die Qua­li­tät und Update­po­li­tik die­ser Gerä­te kei­ne Rück­sicht nimmt – um die ist es oft nicht gut bestellt. Nicht, dass Sam­sung es noch bes­ser mach­te! In einem viel beach­te­ten Test der im März 2019 aktu­el­len „Flagg­schif­fe“ (das Wort erin­nert mich regel­mä­ßig an Pira­te­rie) von Apple und Sam­sung kam als Fazit her­aus, dass das Sam­sung­ge­rät unter Umstän­den zwar etwas schnel­ler als das iPho­ne arbei­tet, jedoch Apps wäh­rend der Benut­zung des Öfte­ren abge­stürzt sind. Ich ver­mu­te, das hat die gewon­ne­nen Sekun­den mehr als nur aus­ge­gli­chen.

Ich stell­te vor eini­gen Mona­ten die Ver­mu­tung auf, dass Sam­sung mit sei­nen zwei­fels­oh­ne gut gemach­ten Mobil­ge­rä­ten viel­leicht lie­ber Soft­ware ande­rer Her­stel­ler aus­lie­fern soll­te, denn Sam­sungs Andro­id­soft­ware zeich­net sich – von sei­ner iTu­nes-Alter­na­ti­ve KIES bis hin zu sei­nen Bedien­ober­flä­chen Touch­Wiz, Expe­ri­ence und inzwi­schen One UI – vor allem dadurch aus, dass man sie nach der ersten Benut­zung lie­ber künf­tig weg­lässt. Über die wei­te­ren Pro­ble­me Andro­ids muss man ange­sichts der Gerä­te selbst schon fast gar nicht mehr reden: Nicht nur sind die ver­füg­ba­ren Apps, kosten­los oder nicht, oft von wenig erbau­li­cher Qua­li­tät, man muss außer­dem eini­gen Auf­wand trei­ben, wenn man nicht das vir­tu­el­le Pen­dant zu einer gro­ßen Wer­be­ta­fel bei sich tra­gen möch­te, wäh­rend man sein Gerät benutzt. Ist es wirk­lich zu ver­nach­läs­si­gen, einen nen­nens­wer­ten Teil sei­nes Lebens unter den wach­sa­men Augen des Markt­füh­rers in blö­der Rekla­me (wenn nicht gar: Schad­soft­ware) zu füh­ren?

Ange­sichts des letz­ten anste­hen­den Neu­kaufs eines Smart­phones – wie üblich hat auch mein letz­tes Andro­id­ge­rät beschlos­sen, dass Lade­ge­rä­te ihm ins­ge­samt zuwi­der sind – habe ich also noch ein­mal dar­über nach­ge­dacht, was ich eigent­lich nach neun Jah­ren mit Android eigent­lich – von gele­gent­li­chen Tele­fo­na­ten abge­se­hen – mit dem Gerät anstel­le und was nicht. Zu mei­nem eige­nen Erstau­nen sind mir neben sei­ner Kosten­los­kul­tur und der von mir noch nie genutz­ten, anschei­nend aber von iOS über­nom­me­nen Mög­lich­keit, in den Code des System­kerns rein­zu­gucken, noch ein paar ande­re Din­ge völ­lig egal:

  • App­ent­wick­lung betrei­be ich pri­vat über­haupt nicht mehr – ich habe gar kei­ne Zeit dafür und gar kei­ne Lust mehr, dar­an etwas zu ändern.
  • Die Anpass­bar­keit man­cher Ver­sio­nen von Android reizt mich nicht mehr. Der von mir instal­lier­te Micro­soft Laun­cher „kann“ zwar man­ches, aber fast nichts davon habe ich jemals wirk­lich gebraucht; und für Sym­bol­pa­ke­te und Klin­gel­tö­ne bin ich, fürch­te ich, inzwi­schen ein­fach zu alt.
  • Das Zusam­men­spiel zwi­schen Mobil­ge­rät und rich­ti­gem Com­pu­ter erle­di­ge ich seit jeher über Drop­box, One­Dri­ve und/oder mei­ne eige­nen Ser­ver. Ich mei­de die ver­meint­li­chen Annehm­lich­kei­ten, die man ver­spro­chen bekommt, wenn auf mög­lichst vie­len essen­zi­el­len Kom­po­nen­ten die­sel­be Mar­ke klebt, nach Mög­lich­keit.
  • Eben­so besit­ze ich kei­ne gad­gets von Sam­sung, Goog­le oder der­glei­chen, die mich in ein „Öko­sy­stem“ ein­schlie­ßen wür­den: „Smar­te“ Heim­au­to­ma­ti­sie­rung und ‑digi­ta­li­sie­rung inter­es­siert mich nicht mal theo­re­tisch, die Neben­wir­kun­gen recht­fer­ti­gen die Auf­wands­er­spar­nis längst noch nicht.

Das macht mich eigent­lich zu einem dank­ba­ren Kun­den für jeden Smart­phone­her­stel­ler, denn mei­ne acti­vi­ties, die ich immer­hin zumeist im Sit­zen aus­füh­ren kann, sind fast egal: Ich höre Musik, küm­me­re mich um mei­ne voll lau­fen­den Mail­post­fä­cher, „sur­fe“ im Web, in Gopher und im Use­net, unter­hal­te mich gele­gent­lich, fer­ti­ge Noti­zen an, pla­ne Ter­mi­ne, lese die Nach­rich­ten, war­te mei­ne Ser­ver, navi­gie­re über meh­re­re Ver­kehrs­mit­tel und kann schlecht leug­nen, dass dann und wann auch mal ein Tweet abge­setzt wird.

Fol­ge­rich­tig habe ich nach Abwä­gung aller genann­ten Punk­te die, wie ich hof­fe, ein­zig ver­nünf­ti­ge Ent­schei­dung getrof­fen: Auf mei­nem Neu­erwerb klebt ein ange­knab­ber­ter Apfel; wohl um die qua­si jähr­li­chen Rufe wis­send, das Unter­neh­men sei so gut wie am Ende, erscheint es mir zur­zeit als das klein­ste Übel.

So tief muss­te Android ja auch erst mal sin­ken.

In den NachrichtenMontagsmusik
Uni­vers Zéro – Den­se

PandaohreuleEs ist Mon­tag. Die schä­bi­ge SPD, die die Ein­füh­rung von Upload­fil­tern mit ihrer Stim­me begün­stigt hat, fin­det, die CDU sol­le gefäl­ligst dage­gen stim­men. Ange­wand­tes Arsch­loch­tum scheint ein Neben­fach der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten zu sein. Ich möch­te das nicht, aber ich bekom­me ohne­hin sel­ten, was ich möch­te (i.e. einen Pan­da­bä­ren).

Immer­hin „fol­ge­rich­tig“ wird Axel Voss von Idio­ten bom­ben­be­droht. Es ist ja nicht so, dass ein biss­chen mehr Mili­tanz der Netz­po­li­tik viel­leicht manch­mal hel­fen könn­te, aber doch nicht so. Anders­wo wer­den Men­schen inzwi­schen danach beur­teilt, wem sie den Geburts­tags­ku­chen weg­fres­sen bzw. mit wem sie ihn tei­len, und ist es Matus­sek, dann ist es schlecht. Mattus­seks Geburts­ta­ge ver­bie­ten! Wie haben die Men­schen es frü­her nur hin­be­kom­men, so viel ent­spann­ter zu sein als heu­te? Ach, viel­leicht sind es die moder­nen gad­gets, die wir ja frü­her noch nicht hat­ten: Die Action-Cam für den Schnie­del, Penis­vlog­ger auf­ge­merkt. Alle bekloppt, alle rest­los bekloppt.

Wis­sen wol­len sie ja auch nichts mehr: Bei Goog­le wird einer der Grün­der von Green­peace der dam­na­tio memo­riae über­ant­wor­tet, nach­dem er schwän­zen­de Kin­der nicht so vor­be­halts­los gran­di­os fand, wie es sich die­ser Tage geziemt. Will­kom­men im 21. Jahr­hun­dert. Ich wie­der­ho­le mich ungern: Ich möch­te das nicht.

Grund­sätz­lich könn­te Musik aus dem 20. Jahr­hun­dert Abhil­fe schaf­fen, wenn man sie nur laut genug hört.

UNIVERS ZERO live at GOUVEIA ART ROCK 2005 – „Den­se“

Guten Mor­gen.