PolitikIn den Nachrichten
Ter­ror­but­ter­bro­te in Nie­der­sach­sen und Bre­men

Ist man hin­rei­chend stark und ver­fügt über genü­gend Fan­ta­sie, so erkennt man sicher­lich in den mei­sten Gegen­stän­den eine mög­li­che Waf­fe. Selbst schar­fe Kan­ten sind oft schnell her­ge­stellt. Damit ist es auch als wenig klu­ge Idee zu begrei­fen, alles, was eine Waf­fe sein kann, als Gefahr ein­zu­stu­fen.

Und weil die Idee so dumm ist, haben die bei­den SPD-geführ­ten Bun­des­län­der Nie­der­sach­sen und Bre­men dar­aus einen Geset­zes­ent­wurf gemacht:

Auf bundesrat.de teil­te die Län­der­kam­mer mit, dass Spring­mes­ser und fest­ste­hen­de Mes­ser mit einer Klin­gen­län­ge von mehr als sechs Zen­ti­me­tern nach For­de­rung der Antrag­stel­ler künf­tig gar nicht mehr in der Öffent­lich­keit mit­ge­führt wer­den dür­fen.

Ich möch­te der Ver­mu­tung, dass auch ein weni­ger als sechs Zen­ti­me­ter lan­ges Mes­ser emp­find­li­che Schä­den an einem Kör­per hin­ter­las­sen kön­nen, hier gar nicht mehr Raum ein­räu­men als not­wen­dig. Auch den offen­sicht­li­chen Hin­weis dar­auf, dass damit öffent­li­ches But­ter­brot­schmie­ren unter Stra­fe ste­hen wird, las­se ich bei­sei­te, denn man­che But­ter­bro­te möch­te man im vol­len Ver­kehrs­mit­tel im hei­ßen Som­mer wirk­lich lie­ber ver­bo­ten sehen.

Aber wäre es nicht ins­ge­samt kosten­gün­sti­ger, man ver­bö­te ein­fach das Umbrin­gen von Men­schen?

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Raket­ka­non – RKTKN #2

Raketkanon - RKTKN #2: CoverbildLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Aus Bel­gi­en drängt die Grup­pe Raket­ka­non auf Beach­tung und die­se will ich ihr gewäh­ren. Bis­her hat sie drei Stu­dio­al­ben namens „RKTKN #1“, „RKTKN #2“ und „RKTKN #3“ ver­öf­fent­licht, letz­te­res erst 2019. Auf mei­ner Jah­res­be­sten­li­ste wird es ver­mut­lich nicht vor­kom­men; nicht, weil es nicht gut wäre, son­dern, weil ich hier statt­des­sen aus­führ­lich über sei­nen Vor­gän­ger (Amazon.de, TIDAL) refe­rie­ren möch­te, von dem sich „RKTKN #3“ sti­li­stisch ins­be­son­de­re dadurch unter­schei­det, dass die Band auf ihm eine merk­li­che Hin­wen­dung zur Indie-Rock-Elek­tro­nik voll­zieht, was ich für etwas weni­ger gelun­gen hal­te. Scha­de eigent­lich.

Die Lie­der auf Alben von Raket­ka­non hei­ßen nor­ma­ler­wei­se so wie Men­schen mit Vor­na­men hei­ßen. Auf „RKTKN #2“ fin­de ich aber auch ein Lied namens „Nico Van Der Eeken“, was ent­we­der ein sehr umständ­li­cher Vor­na­me oder etwas völ­lig ande­res ist. Es sei Raket­ka­non ver­zie­hen, dass sie mit deut­schen Namen nicht umge­hen kön­nen: Das letz­te Lied heißt „Hanz“.

Hanz

Gleich­zei­tig ist es mit über neun Minu­ten Lauf­zeit das läng­ste Stück auf dem Album und auch das unge­wöhn­lich­ste, gewährt es doch der blub­bern­den und zir­pen­den Elek­tro­nik mehr Raum als es der bis­he­ri­ge Teil des Albums ver­hieß. Das geht ver­mut­lich als Doom durch. Oder als Post­rock. Völ­lig egal, wir sind ja zum Spaß hier.

Das schlägt sich auch in der Musik nie­der: Pro­gres­si­ve Metal, Sludge, Noi­se­r­ock – so weit die Beschrei­bun­gen aus dem Inter­net. Mit­un­ter mei­ne ich Mike Pat­ton sin­gen zu hören, es ist aber auch nur der spä­te­stens jetzt beein­drucken­de Pie­ter-Paul Devos. In „Harald“ ertönt im Hin­ter­grund ein merk­wür­di­ges Jam­mern. Ich bin’s nicht, ich emp­fin­de hin­rei­chend viel Ver­gnü­gen. In Deutsch­land waren Raket­ka­non zuletzt 2015 live zu sehen, aber das soll­te man viel­leicht mal im Auge behal­ten.

Raket­ka­non – Mat­hil­de

Hier­mit jeden­falls bis auf Wei­te­res emp­foh­len.

MusikIn den Nachrichten
Vinyl 3 (5): Gre­ta wür­de Plat­ten kau­fen.

Ich hal­te von der eher lästi­gen „Bewe­gung“, die frei­tags so tut, als wäre ihr das Kli­ma wich­tig, so lan­ge sie nicht im Flug­zeug in den war­men Süden sitzt, bekannt­lich nur das Nötig­ste. Mit­un­ter rät man mir, nicht so nega­tiv an die mei­sten Din­ge her­an­zu­tre­ten, wes­halb ich die­se Gele­gen­heit nut­ze, um die Ret­tung des Kli­mas aus­drück­lich gut­zu­hei­ßen.

Und zwar, indem man die Fin­ger von Leih­mu­sik lässt und wei­se kauft:

Der CO2-Aus­stoß (von Strea­ming, A.d.V.) liegt deut­lich über dem aus frü­he­ren Zei­ten – und zwar sogar ver­gli­chen mit den Boom­pha­sen des Vinyl- und CD-Ver­kaufs.

Wer die Natur schüt­zen will, dem sei von Spo­ti­fy abge­ra­ten. Vinyl­plat­ten – ich schwärm­te davon – zei­gen nicht nur die Lie­be zu Musik, son­dern auch die zum Pla­ne­ten. Ein Baum­mör­der ist, wer für Strea­ming bezahlt. Natur­schutz geht uns alle an. :ja:


Und dann war da noch die „Groß­de­mo“ gegen das nie­der­säch­si­sche Poli­zei­ge­setz, auf der sich die grü­ne Jugend „Ablei­s­mus“ ver­bit­tet, aber selbst­ver­ständ­lich mehr­fach dar­auf hin­weist, dass dort gegan­gen wer­den soll. Hof­fent­lich bekommt die grü­ne Jugend dort einen Platz­ver­weis.

MusikIn den Nachrichten
„Aus Deutsch­hau­sen, bit­te sehr!“

Da, da, da in Ber­lin, der Stadt mit den Dro­gen­stän­den, zeig­te sich Bodo Rame­low atem­los und hyper-hyper-ven­ti­lier­te in die Mikro­fo­ne der „Rhei­ni­schen Post“ hin­ein:

„Ich sin­ge die drit­te Stro­phe unse­rer Natio­nal­hym­ne mit, aber ich kann das Bild der Nazi­auf­mär­sche von 1933 bis 1945 nicht aus­blen­den“, sag­te der Lin­ke-Poli­ti­ker der „Rhei­ni­schen Post“.

Ich möch­te nicht der­je­ni­ge sein müs­sen, der sich am Fen­ster mit Bodo Rame­low dar­über unter­hält, dass die deut­sche Natio­nal­hym­ne – jahr­zehn­te­lang feh­lend – bereits seit 1991 ledig­lich aus einer ein­zi­gen Stro­phe besteht und das drei­stro­phi­ge Lied, aus der die­se stammt, sich nor­ma­ler­wei­se kei­ner all­zu gro­ßen Beliebt­heit mehr erfreut. Ver­mu­ten möch­te ich hin­ge­gen, dass ein 1956 gebo­re­ner Poli­ti­ker, der ange­hörs der deut­schen Natio­nal­hym­ne vor dem gei­sti­gen Auge Mili­ta­ri­sten mar­schie­ren sieht, viel­leicht mal mit medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal und nicht unbe­dingt mit der Pres­se dar­über spre­chen soll­te.

Wei­ter:

Auch 30 Jah­re nach dem Mau­er­fall wür­den vie­le Ost­deut­sche die Hym­ne nicht mit­sin­gen, sag­te Rame­low wei­ter.

Die geschei­ter­te Inte­gra­ti­on der Ost­deut­schen in die Kul­tur unse­res west­li­chen Abend­lan­des zeigt klar das Ver­sa­gen der kohl­schen Bun­des­re­gie­rung. Es gibt meh­re­re mög­li­che Reak­tio­nen auf die­se Fest­stel­lung, Bodo Rame­low ent­schloss sich zu die­ser:

„Ich wür­de mir wün­schen, dass wir eine wirk­lich gemein­sa­me Natio­nal­hym­ne hät­ten. Bis­her hat die­ser Wunsch lei­der immer nur für empör­te Auf­re­gung gesorgt.“ Er plä­dier­te für einen neu­en Text, „der so ein­gän­gig ist, dass sich alle damit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen und sagen: Das ist meins“.

Wel­cher Text aber ver­bin­det die mei­sten Deut­schen unab­hän­gig von Alter, Geschlecht, Her­kunft, Wohn­ort, sozia­ler Stel­lung und Welt­an­schau­ung mit­ein­an­der und ist dabei so ein­gän­gig, dass sich alle von ihnen damit iden­ti­fi­zie­ren kön­nen? Ich habe lan­ge über­legt und Ideen ver­wor­fen, aber nach Abwä­gung aller Inter­es­sens­kon­flik­te mei­ne ich die Ant­wort gefun­den zu haben:

Kraft­werk Auto­bahn full

Ich wei­ge­re mich, die­se Idee nicht gran­di­os zu fin­den. End­lich machen Staats­be­su­che wie­der Spaß!

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Befreit Kata­ri­na Bar­ley! (2)

Der fran­zö­si­sche Geheim­dienst lässt Kata­ri­na Bar­ley (SPD) nicht nur immer noch nicht frei, er benutzt sie inzwi­schen offen­sicht­lich auch, um die Cyber­ab­wehr der Deut­schen erheb­lich zu schwä­chen:

Ich will, dass man auch zwi­schen Three­ma, Signal, Whats­app etc. bar­rie­re­frei kom­mu­ni­zie­ren kann.

Denn wenn mich an „Three­ma, Signal etc.“ eines stört, dann ist es zwei­fels­oh­ne, dass Whats­App mei­ne dor­ti­gen Gesprä­che nicht auf Face­books Ser­ver hoch­lädt. :ja:


Apro­pos SPD: „Unser schö­nes Bun­des­land ist ein Küsten­land und gera­de­zu prä­de­sti­niert für das Leit­the­ma des Kon­gres­ses“ (Homöo­pa­thie, A.d.V.); ich glau­be, Manue­la Schwe­sig hat Meck­len­burg-Vor­pom­mern vor­hin belei­digt.

Netzfundstücke
Die deut­sche Lust am Kott­or­na­do über Nich­tig­kei­ten

Die deutsch­spra­chi­ge Wiki­pe­dia infor­miert:

Shits­torm (…) bezeich­net im Deut­schen [einen] „Sturm der Ent­rü­stung in einem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­me­di­um des Inter­nets, der zum Teil mit belei­di­gen­den Äuße­run­gen ein­her­geht“, der im Eng­li­schen als fire­storm bezeich­net wird.

Ich las­se die Ety­mo­lo­gie hier unkom­men­tiert auf das Publi­kum wir­ken, man den­ke sich zur gei­sti­gen Beschaf­fen­heit der Neo­lo­gis­mie­rer das Sei­ne.

Erfolg­reich ist das hin­ter dem Wort ste­hen­de Kon­zept aber frag­los: Allein in den letz­ten zwei Wochen fäkal­stürm­te es aus der deut­schen „Netz­ge­mein­de“ („tages­spie­gel“) unter ande­rem

  • bei Boris Pal­mer für die Fest­stel­lung, dass nicht die Mehr­heit der hie­si­gen Bahn­fah­rer aus Anders­far­bi­gen besteht;
  • bei Oli­ver Pocher dafür, dass er nach wie vor weder Anstand noch Witz zeigt;
  • bei Jeff Fow­ler (hier gar als „Mega-Shits­torm“) dafür, dass eine nicht gera­de lebens­nah gestal­te­te Figur aus zu vie­len Com­pu­ter­spie­len in einer drei­di­men­sio­na­len Kino­ver­si­on nicht echt genug aus­sieht;
  • bei Anja Rüt­zel dafür, eine Selbst­dar­stel­le­rin der Selbst­dar­stel­lung zu über­füh­ren;
  • bei Pick Up! dafür, in einer Rekla­me für kleb­ri­ge Kek­se über einen blö­den Kino­film teil­wei­se zutref­fen­de Aus­sa­gen zu machen;
  • bei Lena Ohnen­ach­na­men dafür, dass sie ihren auf bil­lig pro­du­zier­ten Mas­sen­pop abfah­ren­den Anhän­gern bil­lig pro­du­zier­te Mas­sen­kla­mot­ten andre­hen will;
  • erst gestern schließ­lich spe­ku­lier­te das beschränk­te „Hori­zont“, ob nicht viel­leicht Ede­ka das Ziel eines wei­te­ren Kott­or­na­dos sein dür­fe, weil es anläss­lich des dies­jäh­ri­gen Mut­ter­tags dum­me Wit­ze auf Kosten von Vätern mache.

Die Liste ist bekannt unvoll­stän­dig.

Wie über­zo­gen das Geblä­se jeweils gewe­sen zu sein scheint, möch­te ich hier nicht bewer­ten – ich ver­mu­te, all­zu tief in die Gescheh­nis­se ein­zu­drin­gen ist für den wachen Ver­stand nicht för­der­lich. Eigent­lich woll­te ich statt­des­sen auf die Fra­ge hin­aus, war­um die deut­sche „Netz­ge­mein­de“ sich so inten­siv mit sol­chen Nich­tig­kei­ten befasst, aber auch wei­ter­hin dar­auf ver­zich­tet, den noch immer unbe­hel­lig­ten Ver­ur­sa­chern und Ver­fech­tern des frei­heits­feind­li­chen Staats­tro­ja­ners eine wenig­stens ver­gleich­ba­re Behand­lung zukom­men zu las­sen, immer­hin betrifft die in ihm bestehen­de Gefahr jeden Com­pu­ter­nut­zer und nicht bloß die welt­weit viel­leicht fünf Men­schen, die immer noch fern­se­hen.

Lei­der hat­te ich aber kei­ne Zeit mehr, die­ser Fra­ge näher nach­zu­ge­hen: Angeb­lich wur­de ein ehe­ma­li­ger Fuß­ball­spie­ler in einer Wer­bung für eine Müs­li­fir­ma gesich­tet. Dem wer­de ich was husten!

In den Nachrichten
Kurz ange­merkt zur #rp19

Nie­mand möge ver­mu­ten, im Krei­se der Laut­spre­cher, Wind­beu­tel und Schaum­schlä­ger, der seit heu­te drei Tage lang nicht nur wie üblich – man teilt mit­ein­an­der sogar die Fil­ter­bla­se – auf Twit­ter, son­dern auch off­line nur mit ihres­glei­chen reden, auf dass die Welt da drau­ßen, der es völ­lig bana­ne ist, vor wie vie­len Jah­ren man schon mal ein miss­lun­ge­nes Rezept für Holz­span­ku­chen im Web geteilt hat, obwohl es noch gar kein Insta­gram Schräg­strich Flickr Schräg­strich Tumb­lr Schräg­strich You­Porn gab, so lan­ge man nichts außer einer Fri­sur vor­zu­wei­sen hat, anschlie­ßend erfah­re, dass es nur bei ihnen, den gen­der­ster­nen­den Alpharü­den und ‑rüdin­nen von der Bezahlt­blog­ge­ria, „mit Wis­sen und Infor­ma­ti­on“ den wah­ren Umgang mit den „neu­en Medi­en“ (2019, bit­ches!) zu erler­nen gebe, pas­sie­re viel mehr als die gegen­sei­ti­ge Ver­si­che­rung, dass man mehr zu sagen habe als wie sinn­voll es doch sei, das Leben nur noch als Bewegt­bild aus dem Gad­get wahr­zu­neh­men, denn immer­hin war der Bun­des­prä­si­dent (SPD, alt) auch da und man ist nicht mehr allein im Kreis der End­vier­zi­ger ohne Ver­or­tung im Dies­seits, „der jun­gen Gene­ra­ti­on und ihren The­men“ wid­me man näm­lich mehr Auf­merk­sam­keit als zuvor, etwa Tran­si­den­ti­tät, Bein­ra­su­ren und Deutschrap; und es gibt ein war­mes, woh­li­ges Gefühl, dass die ver­meint­li­chen Alt­vor­de­ren der quer­ver­link­ten Belang­lo­sig­kei­ten sich in ihrem eige­nen Spie­gel­bild so gut gefal­len, dass man wenig­stens drei Tage lang kaum mehr Notiz von ihnen neh­men kann.

In den NachrichtenNerdkrams
💩 (5)

Puh, na „end­lich“:

Ent­wick­ler und Kom­man­do­zei­len­be­nut­zer kön­nen auf Win­dows künf­tig eine neue Ter­mi­nal-Anwen­dung ver­wen­den, die schlicht Win­dows Ter­mi­nal hei­ßen soll. Die­se soll Nut­zern im Ver­gleich zu bis­her vor allem eine aktu­el­le Ober­flä­che bie­ten. Dazu gehört unter ande­rem die Unter­stüt­zung für Schrift­ty­pen mit Emo­jis.

Unab­hän­gig von der auch hier sicher­lich ange­brach­ten Kri­tik an der Unart, eine Soft­ware, die trotz aller tech­ni­scher Wei­ter­ent­wick­lun­gen 2019 immer noch einen tele­ty­pe emu­liert, aus­ge­rech­net „Ter­mi­nal“ zu nen­nen, ist genau das das wesent­li­che fea­ture, das mir in der Fern­schrei­ber­si­mu­la­ti­on von Win­dows noch gefehlt hat: Lachen­de Kot­häuf­chen kön­nen bald end­lich rich­tig ange­zeigt wer­den. :ja:

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Rus­si­an Cir­cles – 309 // Chrom­e­fox‘ Fang­schuss

Seufz!Es ist Mon­tag. Chrom­e­fox ist kaputt und bestimmt ist im hek­tisch nach­ge­scho­be­nen Update auf Ver­si­on 66.0.4 auch wie­der irgend­ein häss­li­cher Bug drin. Zur mit­tel­fri­sti­gen Behe­bung des Pro­blems hät­te man Teil eines Bot­net­zes wer­den kön­nen, ich für mei­nen Teil habe den immer wei­ter von mei­nen Bedürf­nis­sen weg­pro­gram­mier­ten Möch­te­gern­chro­me vor­ge­stern ent­sorgt. Ein neu­er Web­brow­ser ist wie ein neu­es Leben. Neu­es Leben an einem Mon­tag ist neu­es Leben, das wün­schens­wert wie sonst nur ein Pan­da­bär ist.

Das Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz frisst sei­ne Eltern: Eine SPD-Poli­ti­ke­rin wur­de auf Twit­ter gesperrt, Hei­ko „NetzDG“ Maas ist empört, weil es mal nicht die Bösen trifft. So ist das mit Zen­sur­ge­set­zen, sie gel­ten auch für ihre lau­te­sten Markt­schrei­er. Das reich­ste Bun­des­land kürt der­weil die besten Armen­kü­chen, obwohl die SPD dort gar nicht regiert, son­dern ihre ver­meint­li­chen Wider­sa­cher CSU und Freie Wäh­ler. Zu nie­man­des Über­ra­schung ist die PARTEI auch kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge nach einer ver­nunft­be­gab­ten Alter­na­ti­ve. Dem­nächst ist Euro­pa­wahl und ich muss noch Wür­fel kau­fen.

Wenn Isra­el Zivi­li­sten sprengt, dann heißt das bei „SPIEGEL ONLINE“ übri­gens „Ver­gel­tung“. Die Auf­tei­lung der Welt in gutes und schlech­tes Met­zeln von Unbe­tei­lig­ten ist zwar eine ange­nehm zyni­sche, aber auch eine, der ich vehe­ment wider­spre­chen muss. Und da wir gera­de im Aus­land waren: Die Anhän­ger Gre­ta Thun­bergs töten die Natur in Süd­ame­ri­ka. Wer die Natur zu schät­zen weiß, der lässt tun­lichst die Fin­ger von Elek­tro­au­tos.

Auch von Poli­tik soll heu­te nicht mehr die Rede sein, denn es ist Zeit für ein wenig Musik. Man sprach anders­wo davon, hier sei mon­tags jeweils ein Gröl­bei­trag zu fin­den. Ich ver­nei­ne das und prä­sen­tie­re statt­des­sen Klän­ge ohne Wort­bei­trag.

Rus­si­an Cir­cles „309“ – Empros Live Stu­dio Ses­si­ons

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Hug – Neon Dream

Hug - Neon DreamLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 1962 grün­de­te Man­fred Mann zusam­men mit Mike Hugg eine Blues-Jazz-Band namens Mann-Hugg Blues Brot­hers, die 1963 einen Plat­ten­ver­trag mit EMI unter­zeich­ne­te und sich in Man­fred Mann umbe­nann­te. Das war sicher­lich sehr merk­wür­dig für den Namens­ge­ber, der ande­rer­seits eigent­lich auch anders hieß. Über Man­fred Manns Wir­ken ist hin­rei­chend viel geschrie­ben wor­den, Mike Hugg aber blieb eine ver­gleich­ba­re Bekannt­heit ver­wehrt.

Dabei kann man ihm nicht vor­wer­fen, es nicht ver­sucht zu haben: Außer sei­ner Mit­glied­schaft in ver­schie­de­nen Grup­pen mit, von und um Man­fred Mann hat er 1975 in Quar­tett­be­set­zung unter dem Namen Hug – wenig­stens mit nur einem „g“ – das Album „Neon Dream“ (Amazon.de, „Der­zeit nicht ver­füg­bar“) ver­öf­fent­licht. Die­ses Album ist eigent­lich recht erträg­lich.

hug – star tra­vel­ler

Auf ihm zu hören ist ein leicht­fü­ßi­ger Jazz­rock mit teil­wei­se mehr­stim­mi­gem typi­schem Gesang und ange­nehm har­mo­ni­schem Zusam­men­spiel von Bass und Key­boards. Klar: Span­nend ist das nicht, für Span­nung möge man auf ande­re Arten der Musik zurück­grei­fen. Aber muss es immer anstren­gend sein?

So geht’s doch auch.

PolitikNetzfundstücke
Wahl-Schwach-o-Mat (3)

In sozia­len Medi­en und Alpha­blogs wer­den zur­zeit Aus­wer­tun­gen des „Wahl-o-Maten“ wie Sie­ger­ur­kun­den prä­sen­tiert. Das scheint eine Art visua­li­sier­ter Gut­gläu­big­keit hin­sicht­lich der Par­tei­pro­gram­me zu sein, genau die­se näm­lich wer­den dort blö­de abge­fragt. Dass die mei­sten eher lin­ken Par­tei­en nach einer Wahl nicht mehr viel davon hal­ten, was sie vor­her ver­spro­chen haben, soll­te aber bekannt sein, eben­so auch, dass man sich wün­schen wür­de, die CDU/CSU ver­zich­te­te viel häu­fi­ger dar­auf, ihren Dro­hun­gen Taten fol­gen zu las­sen.

Im August 2013 schrieb ich zum sel­ben The­ma:

Ein Wahl-O-Mat, der Par­tei­en anhand ihres Abstim­mungs­ver­hal­tens und nicht anhand gedruck­ten Papiers bewer­ten lässt, wür­de sich womög­lich tat­säch­lich dazu eig­nen, wil­li­gen Wäh­lern die rich­ti­ge Ent­schei­dung vor­zu­schla­gen.

Ein sol­cher exi­stiert inzwi­schen, er heißt (nicht unul­kig) „Dein Wal“ und ist seit kur­zer Zeit auch für die dies­jäh­ri­ge Euro­pa­wahl ver­füg­bar. Zu nie­man­des Erstau­nen weist das Abstimm­ver­hal­ten der Par­la­men­ta­ri­er mit dem Pro­gramm ihrer Bun­des­par­tei näm­lich nur sel­ten Über­ein­stim­mun­gen auf, selbst die Abge­ord­ne­te der Pira­ten­par­tei igno­rier­te gele­gent­lich die Mehr­heits­mei­nung der Pira­ten­par­tei Deutsch­land.

Unver­än­dert sei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass, wer nicht weiß, wer zu wäh­len ist, sich nicht unbe­dingt im Inter­net einen Rat holen soll­te; der „Wal“ scheint den­noch die deut­lich weni­ger beknack­te Alter­na­ti­ve zum Wahl-Schwach-o-Maten zu sein.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Tittr (2)

„hei­se online“, 4. Dezem­ber 2018:

Ab 17. Dezem­ber ver­bit­tet sich der Blog­ging-Dienst Tumb­lr sexu­el­le Dar­stel­lun­gen. Das hat die Veri­zon-Toch­ter am Mon­tag mit­ge­teilt.

„hei­se online“, 6. Dezem­ber 2018:

Zahl­rei­che Tumb­lr-Nut­zer berich­ten, dass plötz­lich völ­lig unver­fäng­li­che Inhal­te mar­kiert wor­den sind. Dar­un­ter etwa nied­li­che Car­toons (mit Kul­ler­au­gen), Fotos von Strick-Ker­zen oder Blei­stift­zeich­nun­gen von Dino­sau­ri­ern.

(Das müs­sen die­se „intel­li­gen­ten Algo­rith­men“ sein, die künf­tig urhe­ber­rechts­ge­schütz­tes Mate­ri­al zuver­läs­sig erken­nen kön­nen sol­len. Axel Voss ist ein wah­rer Visio­när!)

„hei­se online“, 3. Mai 2019:

Veri­zon sucht offen­bar nach einem Käu­fer für die Blog­ging-Platt­form Tumb­lr. (…) Unter den Tumb­lr-Inter­es­sen­ten befin­det sich auch Porn­hub.

Der freie Markt regelt alles! :ja:

In den NachrichtenNerdkrams
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt dar­in um (3).

Was einem Unter­neh­men eben so pas­siert, wenn es „sei­ne“ Daten auf den Com­pu­tern ande­rer Leu­te ablegt:

Hun­der­ten Ent­wick­lern wur­den ihre Git-Quell­code-Repo­si­to­ri­en gesäu­bert und mit der For­de­rung nach Löse­geld ersetzt.

(Furcht­ba­re Über­set­zung von mir.)

Ist halt so prak­tisch, das alles.

THIS IS WHAT HAPPENS WHEN YOU STORE YOUR DATA IN THE CLOWN.

Jamie Zawin­ski

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz ange­merkt zum 1. Mai

Wenn in einer dop­pelt siche­ren Stadt dazu auf­ge­ru­fen wird, sel­bi­ge zu zer­le­gen, als sei weni­ger intak­ter Wohn­raum plötz­lich doch ein guter Zustand, anders­wo gesichts­lo­se Nichts­nut­ze femi­ni­stisch gegen Deutsch­land vor­zu­ge­hen pro­pa­gie­ren, als sei ein staa­ten­lo­ser Femi­nis­mus einer fried­li­chen Gesell­schaft zuträg­li­cher als ein ande­rer, und schließ­lich Kevin Küh­nert in einem gewohnt wir­ren Inter­view den Vor­schlag vor­bringt, man sol­le es doch mal mit Sozia­lis­mus pro­bie­ren, denn bis­her am Sozia­lis­mus geschei­ter­te Staa­ten sei­en gar nicht sozia­li­stisch gewe­sen, dann möch­te ich lei­se Zwei­fel an der Ver­mu­tung anbrin­gen, dass das schwe­len­de Pro­blem der all­jähr­li­chen Demon­stra­tio­nen die Schwä­che der Gewerk­schaf­ten sei – es ist viel­mehr die Schwä­che des libe­ra­len Sou­ve­räns.


Dem­nächst bei Ama­zon: Cyber­block­chains in der Cloud!