Politik⁠In den Nachrichten
Si vis pacem, para bellum. (5)

Es begrü­ßen die Ver­ei­nig­ten Staa­ten den anste­hen­den brexit:

Der Brexit bie­te Groß­bri­tan­ni­en die Chan­ce, ein „star­kes und unab­hän­gi­ges Land“ zu wer­den, sag­te der Trump-Bera­ter.

Denn wofür eig­net sich ein „star­kes und unab­hän­gi­ges Land“ bes­ser als ein EU-Staat? Rich­tig:

Bol­ton füg­te hin­zu: „Ich den­ke, es wird uns beson­ders in der Nato hel­fen, effek­ti­ver zu sein, und das ist ein Plus.“

Das müs­sen die­ser Frie­de und die­se Demo­kra­tie sein, die „unse­re“ west­li­chen Wer­te aus­ma­chen. Was die Moti­va­ti­on zum Meu­cheln („Auf­klä­rungs­ar­beit“) in ande­ren Staa­ten betrifft, so bleibt jedoch das deut­sche Wesen das, an dem die Welt gene­sen möge. Weni­ge Staa­ten beherr­schen die Gewin­nung neu­er Berufs­krie­ger bes­ser als das post­schrö­der­sche Deutsch­land:

Im März kün­dig­te Volks­wa­gen an, wei­te­re 7000 Stel­len abzu­bau­en, im Wesent­li­chen in Wolfs­burg. Ford zog nach und kün­dig­te den Abbau von 5000 Stel­len in Deutsch­land in Köln, Saar­lou­is und Aachen an. Offen­bar sahen die PR-Stra­te­gen der Bun­des­wehr die Chan­ce, den Men­schen, die von Ent­las­sung bedroht sind, die Alter­na­ti­ve eines Jobs bei der Bun­des­wehr vor­zu­gau­keln[.] In Wolfs­burg: „Jetzt Job fürs Volk wagen! Mach, was wirk­lich zählt.“

Der gan­ze Krieg, schrieb Carl von Clau­se­witz, set­ze mensch­li­che Schwä­che vor­aus. Der ver­bis­sen­ste Kämp­fer ist der­je­ni­ge, der nichts mehr hat, was ihn am Leben fest­hal­ten lässt. Die Mili­ta­ri­sten in poli­tisch kon­ser­va­ti­ven Krei­sen haben der SPD vie­les zu ver­dan­ken.

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

Musik⁠Netzfundstücke⁠In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 30. Mai 2019

Die über­schätz­te Pop­grup­pe The Beat­les wand­te sich bekannt­lich im letz­ten Drit­tel ihrer gemein­sa­men Kar­rie­re – die Quar­ry­men groß­zü­gig ein­ge­rech­net – der weni­ger schlech­ten Rock­mu­sik zu. Dafür gibt es meh­re­re mög­li­che Grün­de, eini­ge von ihnen sind beleg­bar. Van Bad­ham, natür­lich Femi­ni­stin, fauch­te in den „Guar­di­an“ einen wei­te­ren hin­ein: Die Män­ner haben den Frau­en Com­pu­ter, Bier und die Beat­les weg­ge­nom­men.


Litau­en ist eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie. Deutsch­land nicht.


Hihi: „Eigent­lich kann man zu die­sem The­ma aktu­el­le (sic) gar kei­ne Blog­po­stings schrei­ben. Denn wäh­rend man schreibt und dann online stellt, bla­miert sich gleich der näch­ste CDU’ler.“


Bei Lucas Schop­pe sind die Bild­un­ter­schrif­ten fast noch lesens­wer­ter als die Tex­te, aber die­ser Text ist auch gut:

Andrea Nah­les ver­spricht der Bewe­gung, mehr Tem­po zu machen – als wüss­te sie schon ganz genau, in wel­che Rich­tung sie denn los­ren­nen will[.]


Gre­ta tötet Nas­hör­ner!

Politik⁠In den Nachrichten
Tottwittern gegen den Jugendwahn

Wäh­rend CDU-Alters­durch­schnitts­he­ber dar­über mut­ma­ßen, ob es der CDU nicht bes­ser gin­ge, senk­te man das Durch­schnitts­al­ter ihrer Mit­glie­der, trifft sich der Rest der Geron­to­kra­tie zu wit­zi­gen Kon­fe­ren­zen:

The­men der infor­mel­len Dis­kus­sio­nen sei­en unter ande­rem die Zukunft des Kapi­ta­lis­mus und Social Media als Waf­fe.

In den Hän­den der Fal­schen ist offen­bar alles eine Waf­fe. Der erfolg­rei­che Bank­über­fall scheint zum Grei­fen nahe: Hän­de hoch oder ich schrei­be einen Tweet! Dass aber die Annah­me, nied­ri­ges Alter sor­ge für mehr Weit­sicht, unwi­der­spro­chen ist, ver­wun­dert mich. Der jun­ge Leut Luca Leit­ters­torf (frü­her Jun­ge Uni­on, heu­te AfD) besticht eben­so­we­nig durch eine klas­sisch pro­gres­si­ve Welt­sicht wie Seba­sti­an Kurz, wäh­rend die Weg­be­rei­ter der libe­ra­len, ver­netz­ten Gesell­schaft und damit die natür­li­chen poli­ti­schen Geg­ner der CDU ihr 40. Lebens­jahr längst weit hin­ter sich gelas­sen haben.

Ist dümm­li­che Poli­tik denn eine bes­se­re, wenn sie von Men­schen gemacht wird, die ihre Zukunft noch selbst ver­der­ben kön­nen?

In den Nachrichten
Standardpäderasten

End­lich tut mal einer was:

Ein neu­es Insti­tut der katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land soll ein­heit­li­che Stan­dards bei der Auf­ar­bei­tung des sexu­el­len Miss­brauchs ent­wickeln. (…) „Als Kir­che müs­sen wir unbe­dingt ver­lo­re­nes Ver­trau­en nach den Miss­brauchs­fäl­len wie­der­ge­win­nen“, erklär­te der Köl­ner Kar­di­nal Rai­ner Maria Woel­ki: „Dafür ist die Ein­füh­rung von ein­heit­li­chen, hohen Stan­dards im Bereich Prä­ven­ti­on (…) in allen deut­schen Bis­tü­mern wich­tig.“

Der bis­he­ri­ge ein­heit­li­che Stan­dard – der Penis ist nicht unge­be­ten in ande­re Men­schen zu stecken – bedurf­te offen­sicht­lich drin­gend einer gründ­li­chen Über­ar­bei­tung. Ihn ein­hal­ten zu wol­len war ein sinn­lo­ses Unter­fan­gen. Da ist es doch eine erfreu­li­che Nach­richt, dass es end­lich Gegen­stan­dards geben soll. Man kann nie genug Stan­dards haben. :ja:

Politik⁠In den Nachrichten
CDU selbstkritisch: Man muss den Käse nur besser verkaufen.

Das über­schau­bar gute Ergeb­nis ihrer Par­tei bei der frisch zurück­ge­leg­ten EU-Wahl ana­ly­siert Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er mit gewohn­ter Schär­fe: Man sei nicht etwa dar­an geschei­tert, dass die Poli­tik der Par­tei Auf­klä­rung und digi­ta­lem Fort­schritt aktiv wider­spre­chen­der Schwach­sinn aus den Fuff­z’­gern sei, son­dern es sei­en Vide­os, Debat­ten und Kom­mu­ni­ka­ti­on das Pro­blem:

Ihre Par­tei habe es nicht geschafft, ihre Kern­the­men in den Mit­tel­punkt der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit zu stel­len. (…) Die „Serie der Unent­schlos­sen­heit“ im Umgang mit dem Kli­ma­pro­test von Schü­lern Fri­days for Future und das CDU-kri­ti­sche Video von You­Tubern hät­ten zu einer Abkehr unter 30-jäh­ri­ger Wäh­le­rin­nen und Wäh­ler geführt, eben­so wie die Debat­te über Upload­fil­ter für das Inter­net.

Die blö­den Wäh­ler wis­sen ein­fach nicht, was gut für sie ist. :motz:

In den Nachrichten⁠Montagsmusik
Boris – Huge // 90 Prozent gegen das Internet

Soon...Es ist Mon­tag. Deut­lich über 90 Pro­zent der deut­schen Wäh­ler haben sich, jedem atem­lo­sen Gefuch­tel in irgend­wel­chen Film­chen von Lüg­nern zum Trotz, gestern für ein weni­ger frei­es Inter­net aus­ge­spro­chen. Mit einem Höchst­wahl­al­ter wäre das nicht pas­siert. Mich über­rascht, dass der Zustand der Breit­band­ver­sor­gung ange­sichts die­ser poli­ti­schen Lage noch jeman­den über­rascht. Wolf­gang Schäub­le von der CDU, die sich mit lästi­gen Gegen­mei­nun­gen gar nicht unbe­dingt beschäf­ti­gen will, beklag­te sich am ver­gan­ge­nen Frei­tag dar­über, dass in die­sem Inter­net sowie­so jeder nur auf die Sei­nen höre statt auf ihn. Ich fin­de ja, jeder soll­te nur noch auf Pan­da­bä­ren hören, oder hat schon mal jemand etwas von einer schlech­ten Ent­schei­dung eines Pan­da­bä­ren gehört?

Vor eini­gen Jah­ren befand einer der Grün­der von Whats­App, Wer­bung belei­di­ge die Intel­li­genz derer, denen sie ange­zeigt wird. Man ent­schei­de selbst, was das über die Plä­ne von Whats­App aus­sagt, dem­nächst Wer­bung anzu­zei­gen. – Neu­es inzwi­schen von den west­li­chen Wer­ten: Die schwe­di­sche Regie­rung wür­de gern nor­di­sche Schrift ver­bie­ten, wegen Hit­ler. Ich fin­de, das geht noch nicht weit genug: Schwe­den soll­te alle blau­äu­gi­gen Blon­di­nen zur Ein­fär­bung ver­pflich­ten, um wei­te­ren Rechts­rücken vor­zu­beu­gen. Weh­ret usw.! Immer­hin gibt Deutsch­land end­lich genug Geld für Krieg aus.

Wofür man kei­nes­wegs genug Geld aus­ge­ben kann, ist Musik. Dem Anlass ange­mes­sen darf sie gern brül­len.

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke⁠Wirtschaft
Kapitalismussatire mit der „FAZ“

Die maxi­ma­le Sät­ti­gung an Kapi­ta­lis­mus im Jour­na­lis­mus scheint erreicht zu sein:

  • Die „FAZ“ – hier bewusst nicht direkt ver­linkt (LSR) – ver­öf­fent­lich­te einen Arti­kel dar­über, dass die finan­zi­el­len Inter­es­sen von zur­zeit viel gelob­ten You­Tube-Prot­ago­ni­sten deren Absich­ten „pro­ble­ma­tisch“ erschei­nen lie­ßen.
  • Sie plat­zier­te die­sen Arti­kel hin­ter einer Bezahl­schran­ke, was ihre Absich­ten wie­der­um für mich pro­ble­ma­tisch erschei­nen lässt, aber „Jour­na­lis­mus“ kostet nun mal „Geld“.
  • Für die­je­ni­gen, die Geld dafür aus­ge­ben, die­se Bezahl­schran­ke nicht sehen zu müs­sen, wur­de ein Wer­be­blocker­blocker scharf geschal­tet, denn Wer­bung sei nun mal eine wich­ti­ge Quel­le für Geld und „Jour­na­lis­mus“ koste nun mal sel­bi­ges.

Das muss die­se Lei­stung sein, die man mit Upload­fil­tern und Zitat­ver­bot recht­lich zu schüt­zen gedenkt.

Politik
Kurz gefragt zur YouTube-Situation vor der Europawahl

Was sagt es eigent­lich über den Zustand der Netz­po­li­tik in Deutsch­land aus, dass sich unter den wach­sa­men Augen inter­na­tio­na­ler Pres­se recht­zei­tig zur ersten Euro­pa­wahl nach der ver­hee­ren­den Durch­win­kung von Upload­fil­tern die wohl bekann­te­sten YouTube-„Influencer“ des Lan­des – bekannt gewor­den zwar nicht durch soli­de Kennt­nis­se in Phy­sik oder Poli­tik, jedoch unter ande­rem durch Schmin­ken (Dagi Bee), Brust­be­sitz (Kat­ja Kra­sa­vice) und Ver­schwö­rungs­theo­rien (Simon Unge) – in einem Video zusam­men­fin­den, um ihren Ein­fluss erst­mals dazu zu nut­zen, die netz­feind­li­chen Par­tei­en CDU, CSU und SPD auf­grund ihrer von ihnen als falsch emp­fun­de­nen Kli­ma­po­li­tik nicht zu wäh­len, und war­um füh­le ich mich ange­sichts der Wahl plötz­lich bedeu­tend unwoh­ler als noch gestern?

Kaufbefehle⁠Musikkritik
Kurzkritik: Sunn O))) – Life Metal

Sunn O))) - Life MetalLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Das Kut­ten tra­gen­de Gitar­ren­duo Sunn O))) schaff­te es bis­her nur weni­ge Male, mich beson­ders zu über­ra­schen. Das hat sicher­lich auch damit zu tun, dass es sein Erfolgs­kon­zept – jedes sei­ner Alben besteht im Wesent­li­chen dar­aus, dass zwei Gitar­ren weni­ge Töne her­vor­brin­gen – kaum nen­nens­wert ver­än­dert, sieht man von sol­chen Alben ab, die eine Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Künst­lern (in der Ver­gan­gen­heit etwa Boris und Scott Wal­ker) sind. „Life Metal“, das ach­te Stu­dio­al­bum der US-Ame­ri­ka­ner (Amazon.de, TIDAL), wur­de im April 2019 ver­öf­fent­licht und stellt eine die­ser weni­gen Über­ra­schun­gen dar.

Schon der Name – das Gegen­teil von „Death Metal“ – und die ver­gleichs­wei­se far­ben­fro­he gra­fi­sche Gestal­tung der Ver­packung sind unge­wöhn­lich. Das ist doch wohl nicht etwa ein Ton­trä­ger vol­ler fröh­lich hüp­fen­der Pop­mu­sik? Nein, kei­ne Sor­ge – aber es ist trotz­dem pri­ma.

„Bet­ween Sleipnir’s Breaths“ ist ein ange­mes­se­ner Beginn für ein sol­ches Album: Nach vier­ein­halb Minu­ten Gitar­rend­röh­nen ertönt eine Stro­phe sanf­ten Gesangs von Gast­cel­li­stin Hil­dur Guðna­dót­tir, spä­ter noch eine. Das waren doch nur zwei, oder? Ich ver­ges­se ein biss­chen die Zeit über die­sem Stück. Es ist eines von nur vie­ren auf die­sem Album und mit fast drei­zehn Minu­ten Län­ge nur das zweit­kür­ze­ste.

Sunn O))) – Bet­ween Sleipnir’s Breaths

Das fol­gen­de „Trou­bled Air“, wie­der­um um die band­ty­pisch dro­hen­den Dro­nes her­um gestrickt, fällt dadurch auf, dass in ihm eine Pfei­fen­or­gel zu hören ist. Gesun­gen wird in die­sem Stück nicht, instru­men­tal klingt es wie die Ruhe zwi­schen zwei Stür­men. Es endet in einer instru­men­ta­len Kli­max, die mich an ein Lied von den Beat­les erin­nert, aber ich ver­ra­te nicht, an wel­ches. In „Auro­ra“ schla­gen die Wel­len auch wie­der don­nernd hoch, ver­lau­fen sich aber dann an der Küste. Wie­der kein Gesang. Macht ja nichts!

Das fast halb­stün­di­ge „Novæ“ beschließt das Album, in ihm darf schließ­lich auch das Cel­lo ein­mal als Dron­ein­stru­ment bril­lie­ren. Der lan­ge Mit­tel­teil des Stücks sorgt so für eine unge­wöhn­lich beklem­men­de Stim­mung, die die Band bei­na­he in den Post­rock schö­be, wäre da nicht das feh­len­de Schlag­zeug.

Sunn O))) – Novæ

Es ist ersicht­lich: Auf „Life Metal“ pas­siert nicht viel. Für die schnel­le Bespaßung zwi­schen zwei Ter­mi­nen ist es ange­sichts sin­ken­der Auf­merk­sam­keits­span­nen nicht geeig­ne­ter als jedes ande­re Album von Sunn O))) auch. Aber muss denn immer alles als leicht ver­dau­li­ches fast food für die Ohren daher­kom­men?

Ich wei­ge­re mich, „Life Metal“ nicht zu mögen. Da müs­sen wir jetzt alle durch.

Politik⁠In den Nachrichten
Die Milch macht’s.

Inzwi­schen in Groß­bri­tan­ni­en:

Es wäre eine Unter­trei­bung gro­ßen Aus­ma­ßes, zu sagen, die Span­nun­gen im Ver­ei­nig­ten König­reich sei­en gera­de groß. (…) Wäh­rend ver­schie­de­ne poli­ti­sche Grup­pen sich wei­ter­hin über die näch­sten Schrit­te zum Brexit oder dar­über zan­ken, ob er über­haupt statt­fin­den soll, haben Demon­stran­ten sich auf eine beson­ders poin­tier­te und Anzug zer­stö­ren­de Metho­de beson­nen, ihr Miss­fal­len aus­zu­drücken. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten wur­den Per­so­nen wie der kon­tro­ver­se UKIP-Kan­di­dat Carl Ben­ja­min und der Vor­sit­zen­de der Brexit Par­ty, Nigel Fara­ge, auf der Stra­ße mit Milch­shakes getrof­fen.

(Mise­ra­ble Über­set­zung von mir.)

Die Evo­lu­ti­on schrei­tet unauf­hör­lich rück­wärts. Mal sehen, wie lan­ge es dau­ert, bis sich die Demon­stran­ten in Schür­zen aus Tier­fell klei­den und ihren Oppo­nen­ten mit Keu­len auf­lau­ern.

Das muss die­se Zivi­li­sa­ti­on sein.

Politik⁠In den Nachrichten
70 Jahre selektive Menschenwürde

„ZEIT ONLINE“, 22. Sep­tem­ber 2006:

Kur­naz saß fünf Jah­re lang in einem Käfig in Guan­tá­na­mo. Heu­te weiß man, dass er unschul­dig ist. (…) Schon vor vier Jah­ren boten die USA ja an, den Mann frei­zu­las­sen. Doch die Geheim­dienst­ex­per­ten, allen vor­an (…) der dama­li­ge Geheim­dienst­ko­or­di­na­tor und heu­ti­ge Bun­des­au­ßen­mi­ni­ster Frank-Wal­ter Stein­mei­er (…) [schlug] das Ange­bot aus[.] (…) Ein­mal habe man ihn mit Elek­tro­schocks gefol­tert, ein ande­res Mal an den Hän­den auf­ge­hängt. Er sol­le doch zuge­ben, so bedeu­te­te man ihm, Moham­med Atta und Osa­ma bin Laden gekannt zu haben. Dann wer­de es ihm bes­ser gehen. Kur­naz sei auch mit Pla­stik­schläu­chen zwangs­er­nährt wor­den, als er in den Hun­ger­streik trat.

„SPIEGEL ONLINE“, 14. Novem­ber 2016:

Stein­mei­er gilt als Schlüs­sel­fi­gur und Archi­tekt der Reform von Arbeits­markt und Sozi­al­sy­ste­men (2003 vom Bun­des­tag gebil­ligt). Vor allem die Zusam­men­le­gung von Arbeits­lo­sen- und Sozi­al­hil­fe („Hartz IV“) war par­tei­in­tern hef­tig umstrit­ten und war wesent­li­cher Grund für den Auf­stieg der Links­par­tei.

„ZEIT ONLINE“, 22. Mai 2019:

Das Grund­ge­setz mache „uns zu frei­en und gleich­be­rech­tig­ten Men­schen“, resü­mier­te Stein­mei­er.

Außer Rent­nern, Arbeits­lo­sen, Nied­rig­lohn­be­schäf­tig­ten, Ein­woh­nern von bösen Staa­ten und Murat Kur­naz, ver­steht sich – aber so genau neh­men wir es heu­te nicht.

Alles Gute, Grund­ge­setz. Du bist nicht gut geal­tert.

Persönliches⁠Musik
Textsicher und stillos

„Mein Geni­tal tut furcht­bar weh, immer dann, wenn ich pis­se.“
– Die Ärz­te: Onpran­ge­ring (vom Album „Run­ter mit den Spen­dier­ho­sen, Unsicht­ba­rer!“, mit Pla­tin aus­ge­zeich­net)


Wie regel­mä­ßi­ge Leser wis­sen, gehö­re ich zu der­je­ni­gen Min­der­heit der Musik­hö­rer, deren Ange­hö­ri­gen außer­halb der Wir­kungs­mu­sik und ins­be­son­de­re bei inlän­di­schen Grup­pen Tex­te nicht völ­lig unwich­tig sind. Aus Rap­kon­su­men­ten­krei­sen wur­de mir vor einer Wei­le berich­tet, dass der zu die­sem Zeit­punkt füh­ren­de, mir jedoch bis heu­te nur nament­lich bekann­te Rap­per Capi­tal Bra zwar Tex­te habe, die eigent­lich grau­en­voll sei­en, aber die Melo­dien und die beats „gin­gen“ nun mal „ab“. Die­se Her­an­ge­hens­wei­se tei­le ich sel­ten.

Nun ist es nicht so, dass ein anson­sten gut dar­ge­bo­te­nes Gesangs­stück durch Fehl­lei­stung des jeweils zustän­di­gen Lyri­kers auto­ma­tisch an Beliebt­heit bei mir ver­lö­re. Vie­le Lie­der in der ersten Hälf­te mei­ner per­sön­li­chen Besten­li­ste haben einen Text, den ich mir als Buch nie­mals zuleg­te, denn wäh­rend mei­ne Freu­de an der Musik von Bob Dylan eine vor allem text­ba­sier­te ist, über­zeu­gen ande­re Künst­ler, dar­un­ter Bent Knee, mehr mit der Dar­bie­tung als mit dem, was sie als mes­sa­ge mit­brin­gen.

SDP – Das Lied (feat. Bela B)

Dar­aus lässt sich zum Bei­spiel fol­gern, dass unab­sicht­lich blö­de Tex­te und unzu­rei­chen­de musi­ka­li­sche Fähig­kei­ten nur gemein­sam ein Lied zu einem ins­ge­samt schreck­li­chen machen kön­nen, nicht aber müs­sen: Selbst die Fan­ta­sti­schen Vier, deren Her­vor­brin­gun­gen musi­ka­lisch weit von mei­nen per­sön­li­chen Vor­lie­ben ent­fernt sind, haben wegen ihrer Tex­te einen siche­ren Platz in mei­ner Samm­lung. Dass San­dro Gal­fet­ti von „Ener­gy Schweiz“ kürz­lich anreg­te, man möge auf lyrics „schei­ßen“ – „Haupt­sa­che Mit­sin­gen“ -, hal­te ich den­noch für eine nicht löb­li­che Hal­tung, denn was nützt die schön­ste Text­si­cher­heit, wenn sie stil­los bleibt?

In der „Micky Maus“ emp­fahl man mir, als ich noch ein Kind war und den Kram noch kauf­te, ich möge mei­ner Umge­bung einen Streich spie­len, indem ich sie dazu auf­for­der­te, beschwö­rend „owi dowi spinn“ – „oh, wie doof isch bin“ – zu mur­meln und abzu­war­ten, wie lan­ge es wohl dau­ern wür­de, bis die Teil­neh­mer es bemerk­ten. Ich habe damals dar­auf ver­zich­tet, denn ich habe schon als Kind eher ungern aufs Maul bekom­men. Ste­tig weni­ger ver­ständ­lich wird es für mich jedoch, war­um Tei­le der­sel­ben Men­schen, denen ein Rein­fal­len auf besag­ten Streich augen­schein­lich schreck­lich unan­ge­nehm wäre, nicht ein­mal an öffent­li­chen Plät­zen wie etwa in Wirts­häu­sern davor zurück­schrecken, laut­hals Lie­der zu into­nie­ren, in denen es im Wesent­li­chen um Dro­gen, ums Vögeln und/oder ums Meu­cheln geht. Mög­li­cher­wei­se wäre es erfolg­reich, bräch­te man ein stumpf stamp­fen­des Lied her­aus, des­sen Text nur aus dem Refrain besteht und unge­fähr „ich habe auf Koks Sex mit dei­ner Lei­che“ lau­tet. Das schnel­le Geld winkt in der Knei­pe, wenn man nur hin­rei­chend rufi­gno­ran­ter Lied­schrei­ber ist.

Es gibt gute Argu­men­te für Instru­men­tal­mu­sik. Karao­ke­aben­de sind nur eines von ihnen.


„Auf der Rei­se zu den Inseln wer­den wir das Schiff anpin­seln.“
– Sub­way to Sal­ly: Auf der Rei­se