In den Nachrichten
Geben wir die Simpsons doch ein­fach den Chi­ne­sen!

Gute Nach­rich­ten, der Ras­sis­mus ist so gut wie besiegt:

Seit dem Tod von Geor­ge Floyd setzt sich alle Welt wie­der mehr mit dem The­ma Ras­sis­mus aus­ein­an­der. Das trifft auch die Kult­se­rie “Die Simpsons”: Dort wer­den bis­her auch nicht wei­ße Figu­ren wie Apu von wei­ßen Schau­spie­lern ein­ge­spro­chen, was auf Kri­tik stößt. (…) Wie unter ande­rem der “Spie­gel” und “Deutsch­land­funk” (…) berich­ten, soll sich das jetzt ändern. Das betrifft dem­nach kon­kret die Figu­ren Apu Nahas­apee­ma­pe­ti­lon und Dr. Hib­bert, die künf­tig nicht mehr wie bis­her von wei­ßen Spre­chern syn­chro­ni­siert wer­den sol­len.

Nun ist die ein­zi­ge wirk­lich wei­ße Figur in den „Simpsons“ der jüdi­sche Clown Krus­ty (die Reli­gi­on sei­nes Spre­chers ist mir bedau­er­li­cher­wei­se unbe­kannt), der nur sel­ten mit sei­ner natür­li­chen Haut­far­be zu sehen ist. Nahe­zu alle ande­ren Figu­ren sind gelb.

Was sagt es eigent­lich über die­je­ni­gen aus, die für schwar­ze Comic­fi­gu­ren gefäl­ligst schwar­ze Stim­men hören wol­len, gleich­zei­tig aber gel­be Figu­ren für wei­ße Figu­ren hal­ten, dass sie auch nur irgend­was von dem, womit sie Seri­en­ma­cher die­ser Tage belä­sti­gen, völ­lig ernst mei­nen?

Netzfundstücke
J@@@.

Lil­ly Blau­ds­zun, SPD-Teen­ager und beein­flus­send, kün­dig­te auf Twit­ter an, sie wer­de zur Eröff­nung der mor­gi­gen TINCON spre­chen. Die TINCON ist eine unter ande­rem von meh­re­ren Bun­des­mi­ni­ste­ri­en und Stif­tun­gen geför­der­te Kon­fe­renz für Jugend­li­che, die von einem Mitt­fünf­zi­ger und sei­ner Frau erson­nen wur­de und auch sonst nur weni­ge Teen­ager – hier­für steht das T im Namen – unter den spea­k­ern auf­wei­sen kann.

Die Begei­ste­rung der – ich wie­der­ho­le mich: von meh­re­ren Bun­des­mi­ni­ste­ri­en geför­der­ten – Aus­rich­ter kann­te kaum Gren­zen, vor allem nicht sprach­lich:

J@@@! Lil­ly, wenn du los­legst, schä­len wir uns erst­mal 1 Cor­net­to auf den Kick­off ✌ *Freu*

Seit­dem pla­gen zwei ent­schei­den­de Fra­gen mich und mein see­li­sches Wohl­be­fin­den: Wann genau fand die Abkopp­lung zwi­schen der Jugend und uns statt und war­um fühlt sich das so ange­nehm an?

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Plün­dern ist auch bloß Pogo.

Die scheuß­li­che „taz“, Fach­ma­ga­zin für die Unkennt­nis von der Funk­ti­ons­wei­se eines Kata­ly­sa­tors, brüllt wegen Stutt­gart:

Kata­ly­sa­tor für die Gewalt ist wohl die Tat­sa­che, dass die Clubs in Stutt­gart wegen Coro­na geschlos­sen sind und man­che, die man frü­her wohl Halb­star­ke genannt hät­te, in die­ser par­ty­ar­men Zeit nicht wis­sen, wohin mit ihrer Kör­per­lich­keit.

Kennt man ja: Da lädt man drei Freun­de aus einem Wohn­wa­gen mal nicht zum Fei­ern ein und schon grün­den sie eine Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on. Und wie viel Tote man hät­te ver­hin­dern kön­nen, hät­te Afgha­ni­stan 2001 nur einen Tanz­club gehabt!


Trau­er beim WDR: Die Viel­falt der Spra­che auch im Aus­druck von Miss­fal­len mache …

[…] es für Netz­wer­ke wie Face­book schwer, mit „künst­li­cher Intel­li­genz“ dage­gen vor­zu­ge­hen.

Da hilft nur noch News­peak! :ja:

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Fri­ends of Gas – Kein Wet­ter

Friends of Gas - Kein WetterLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Da ich gera­de bei 2020 war: Auch das neue Album der Fri­ends of Gas (nach 2016) ist da (Amazon.de, Band­camp, TIDAL) und es ist gran­di­os. Nina Wal­ser, mitt­ler­wei­le auch als Gast­sän­ge­rin bei Gewalt auf­ge­taucht, ver­leiht der gewohnt repe­ti­ti­ven Lyrik zu unge­wohnt druck­vol­lem Instru­men­ta­ri­um ihre ganz eige­ne Wür­ze, die auch vier Jah­re danach nichts von ihrem Reiz ver­lo­ren hat.

Text­lich bleibt es im wei­ten Feld zwi­schen Exi­sten­tia­lis­mus („Im Bad“) und Revo­lu­ti­on der Psy­che mit gele­gent­li­chen Aus­flü­gen in die Lie­be („Stech­pal­men­wald“), kei­ne Sekun­de lang beglei­tet von musi­ka­li­scher Tri­stesse, selbst im im eigent­lich gut abge­han­ge­nen Post­punk noch­mals ein Aus­ru­fe­zei­chen set­zen­den „Teil­chen“ über­wiegt der Bewe­gungs­drang des Hörers. Wie ärger­lich. Das geht doch wie­der auf die Gelen­ke.

Schrump­fen

Das letz­te Stück „Sel­ber Kei­ne“ ist über zehn Minu­ten lang und basiert auf der ener­gisch vor­ge­tra­ge­nen und zu sehr gei­lem Gitar­ren­ge­flim­mer wie­der­hol­ten Fest­stel­lung, man sei eben­dies, näm­lich sel­ber kei­ne.

Ein Album wie „ein Wald­brand, ein Wald­brand, ein Wald­brand“ („Wald­brand“). Da wird, wie in den besun­ge­nen sozia­len Medi­en, nicht gelöscht. Da wird nur noch bewun­dert. Mei­nen Glück­wunsch und mei­nen Dank.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: T E S A – C O N T R O L

TESA - CONTROLLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Dass ich tesa – inzwi­schen mit einer stei­gen­den Zahl an Leer­zei­chen unge­fähr „T E S A“ geschrie­ben – nach ihrem wun­der­vol­len Album „G H O S T“ ein biss­chen ver­nach­läs­sigt habe, tut mir selbst ja auch leid. 2020 – in dem Jahr, in dem sogar mei­ne Halb­jah­res­rück­schau­en lei­den müs­sen – kamen sie mit „C O N T R O L“ (Amazon.de, Band­camp, TIDAL) jeden­falls zurück in mei­ne Auf­merk­sam­keits­sphä­re und spie­len immer noch einen „groß­ar­tig groo­ven­den Post­rock“ (ich wie­der­ho­le mich, wo es ange­bracht ist), der vor­he­ri­gen Alben in nichts nach­steht.

Ich hat­te ja vor zwei Wochen schon eines der Stücke hier, hier ist der Rest:

T E S A – C O N T R O L (Full Album 2020)

End­lich kann ich mir den Namen erklä­ren: Was hier gespielt wird, lässt sich Zeit und bleibt doch hän­gen. Hübsch, das.

In den NachrichtenWirtschaft
Mehr­fleisch­steu­er

Neu­lich:

Um den Kon­sum anzu­kur­beln, hat die Bun­des­re­gie­rung beschlos­sen, die Mehr­wert­steu­er vor­über­ge­hend zu sen­ken. (…) Sie ruft die Händ­ler dazu auf, die gesenk­te Mehr­wert­steu­er eins zu eins an die Ver­brau­cher wei­ter­zu­ge­ben.

Aber:

Eini­ge Unter­neh­men haben bereits ange­kün­digt, die Sen­kun­gen nicht oder nur teil­wei­se an Ver­brau­cher wei­ter­zu­ge­ben und den ver­rin­ger­ten Steu­er­satz nur auf aus­ge­wähl­te Pro­duk­te anzu­wen­den.

Vor­ge­stern:

Bun­des­land­wirt­schafts­mi­ni­ste­rin Julia Klöck­ner hat den Preis­kampf bei Fleisch kri­ti­siert[.] „Fleisch ist zu bil­lig“, sag­te die CDU-Poli­ti­ke­rin der Deut­schen Pres­se-Agen­tur am Sams­tag. (…) Kon­kret schla­gen die Exper­ten dabei einen Preis­auf­schlag von 40 Cent pro Kilo Fleisch, zwei Cent pro Kilo Milch und pro Ei sowie 15 Cent für ein Kilo Käse oder But­ter vor.

Bestimmt läuft es dies­mal ganz anders!

In den NachrichtenMontagsmusik
Spoon – Insi­de Out (live) // Kif­fen macht wütend.

Wie, Montag?!Es ist Mon­tag. Die cloud macht das Leben mal wie­der lie­bens­wert: Blu-ray-Spie­ler könn­ten mög­li­cher­wei­se nach einem Update nicht mehr so recht funk­tio­nie­ren, was sie natür­lich gegen­über dem guten, alten Video­re­kor­der klar als Fort­schritt aus­weist. Im Forum zum Arti­kel schrieb jemand, das sei alt­be­kannt, auch bei ihm habe ein teu­er gekauf­tes Abspiel­ge­rät irgend­wann auf­ge­hört, man­che Din­ge abspie­len zu kön­nen, und er habe sich damit abge­fun­den. Ist ja auch bloß Geld und nichts von Bedeu­tung (zum Bei­spiel ein Pan­da­bär).

Am Wochen­en­de wur­de Stutt­gart geham­burgt. Poli­zei­be­rich­ten zufol­ge führ­te eine Kon­trol­le wegen eines Joints zu einer spon­ta­nen Soli­da­ri­sie­rung der städ­ti­schen Par­ty­sze­ne, und selbst unter der Annah­me, dass die Exi­stenz einer Par­ty­sze­ne in aus­ge­rech­net Stutt­gart mehr als ein blo­ßes Hirn­ge­spinst ist, bleibt die Fra­ge: Wenn Kif­fer wegen einer Kon­trol­le bereits eine Stadt demo­lie­ren, soll­te man dann nicht über die Lega­li­sie­rung von Can­na­bis, weil Kif­fen psy­chisch viel unge­fähr­li­cher sei als Alko­hol, noch mal kri­tisch nach­den­ken?

Weni­ge Stun­den zuvor frag­te jeden­falls die „taz“, über deren künf­ti­ge Ver­link­bar­keit wie­der­um ich mich kri­tisch nach­zu­den­ken ver­an­lasst sehe, wie viel Poli­zei­ge­walt ver­hin­dert wer­den könn­te, wenn Poli­zi­sten nur end­lich zwecks Kom­mu­ni­ka­ti­on mit typi­schen Tätern Ara­bisch sprä­chen. Wie viel Pro­zent der Vor­fäl­le die­se Ergän­zung des poli­zei­li­chen Hand­werks­zeugs abdecken wür­de, steht sicher­heits­hal­ber aber nicht dran.

Neu­es vom Sturm auf die Sta­tu­en: In Gel­sen­kir­chen habe aus­ge­rech­net die MLPD gera­de jetzt eine Lenin­sta­tue errich­tet, wird berich­tet; damit wol­le sie den Weg­be­rei­ter für „Frei­heit und Demo­kra­tie für die Mas­sen“ (MLPD) ehren. Das ist aller­dings auch das gute Recht der MLPD: Die Sta­tue wur­de auf ihrem Pri­vat­be­sitz errich­tet. Pri­ma Sache, die­ser Pri­vat­be­sitz.

Was man drin­gend auch pri­vat besit­zen soll­te: Musik.

Spoon per­forming „Insi­de Out“ Live on KCRW

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Anti­fa gegen Bür­ger­rä­te

So moral­fle­xi­bel muss man sich ja als Guter auch erst mal ver­bie­gen kön­nen, dass einem als Ant­wort auf den Ein­wand, es sei womög­lich unan­ge­mes­sen, Men­schen auf­grund ihres Berufs mit Abfall gleich­zu­set­zen, sofort ein­fällt, dass die Gewerk­schaft der so Geschol­te­nen, histo­risch alles ande­re als ein Vehi­kel der dem Nazis­mus Nahe­ste­hen­den, eine rech­te sei; hier­für im Übri­gen mein Respekt.

PolitikMir wird geschlecht
Guter-Wumms-Gesetz

Beim „SPIEGEL“ – will nicht ver­linkt wer­den – inter­view­twur­de Kat­rin Göring-Eckardt immer­hin nicht völ­lig falsch:

„Bazoo­ka“, „Kraft­pa­ket“, „Wumms“: Schon an der Spra­che wer­de klar, für wen in der Coro­na­kri­se Poli­tik gemacht wird, sagt die Grü­nen-Frak­ti­ons­chefin Kat­rin Göring-Eckardt.

Ich fän­de das aller­dings weit bedrücken­der, wenn außer­halb der Coro­na­kri­se eine ande­re Spra­che gewählt wür­de als aus­ge­rech­net der weib­li­che Gegen­part:

Nach Ansicht von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­ni­ste­rin Gif­fey tref­fen das „Gute-Kita-Gesetz“ und das „Star­ke-Fami­li­en-Gesetz“ genau den Bedarf der Eltern.

Erstaun­lich, dass im Kraft­pa­ket kei­ne Lut­scher­ga­ran­tie zuge­si­chert wur­de.

(sie­he auch: Feyn­sinn)


Nach­trag vom 28. Juni 2020: Sie­he auch RND.

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Open Source (Sym­bol­mel­dung)

War­um Deutsch­land nicht selbst über ein gro­ßes Unter­neh­men zur Her­stel­lung von Smart­phones ver­fü­ge, wur­de ich heu­te gefragt, und was ich gegen Open Source hät­te, frag­te man mich zuvor.

Bei­des beant­wor­tet zufrie­den­stel­lend Golem.de:

Die Coro­na-App soll bei ledig­lich 80 Pro­zent aller Begeg­nun­gen die Abstän­de kor­rekt mes­sen. (…) SAP und die Deut­sche Tele­kom haben die App für einen Net­to­preis von 20 Mil­lio­nen Euro in den ver­gan­ge­nen Wochen ent­wickelt. (…) Sowohl die Ver­tre­ter der Bun­des­re­gie­rung als auch die betei­lig­ten Unter­neh­men lob­ten dabei den Open-Source-Ansatz bei der Ent­wick­lung der App.

Nun ist natür­lich eine von T‑Systems und SAP ent­wickel­te Soft­ware, die in 80 Pro­zent der Fäl­le rich­tig funk­tio­niert, trotz­dem eine erst mal erfreu­li­che Nach­richt. Aber wie vie­le Schü­ler hät­te man eigent­lich mit 20 Mil­lio­nen Euro aus 20 Pro­zent Feh­ler­quo­te her­aus­leh­ren kön­nen?

Doch immer­hin:

Daten­ver­kehr, der durch die Nut­zung der neu­en Coro­na-Warn-App anfällt, wird von deut­schen Pro­vi­dern nicht vom Kon­tin­gent abge­zo­gen. Das teil­te die Tele­kom mit.

Erstaun­lich, für wel­chen Quatsch (Pod­casts, Musik­vi­deo­the­ken, Bewe­gungs­ver­fol­gung) der Daten­ver­kehr plötz­lich belie­big umfang­reich sein kann und nichts mehr kostet. War­um zahlt eigent­lich noch jemand für mehr Giga­byte mehr Geld?

In den NachrichtenMontagsmusik
Vola­ré – …In Two Seconds Of Time… // Vom Bache­lor zum Skla­ven­hal­ter

Immer noch ein besserer Präsident als SteinmeierEs ist Mon­tag. Die geplan­te „Coro­na-App“ fällt bereits jetzt dadurch auf, dass man sie sicher­heits­hal­ber nicht ein­set­zen soll­te – wie immer gut ange­leg­te Steu­ern also. Was man von dem Geld alles für die Pan­da­bä­ren hät­te tun kön­nen!

Apro­pos EDV: Bei Tails, einer Linux­dis­tri­bu­ti­on für ver­meint­lich Sicher­heits­be­wuss­te, wur­de 2017 von Face­book eine Sicher­heits­lücke raus­ge­tra­gen, wonach ein Nut­zer ein­ge­sperrt wur­de. Kei­ne Sor­ge, es traf zum Glück nur einen Bösen und dage­gen kann ja nie­mand etwas haben, oder? Oder? – Das­sel­be Face­book hält sich aber wenig­stens sonst an bekann­te Regeln einer wech­sel­haf­ten Zeit: Ein Foto von ange­ket­te­ten austra­li­schen Urein­woh­nern darf dort nicht gezeigt wer­den. Wegen Skla­ve­rei? Nein, natür­lich nicht: Wegen Nackt­heit.

Wir blei­ben beim The­ma: Um Ras­sis­mus zu besie­gen (oder so ähn­lich), wür­de Git­Hub künf­tig gern – unge­ach­tet der Tat­sa­che, dass black­lists und white­lists mit der Haut­far­be von irgend­je­man­dem noch nie etwas zu tun hat­ten – white­lists in Erlau­be­li­sten umbe­nen­nen und auch das Kon­zept eines master-Zweigs in der Ent­wick­lung in irgend­was blö­des umbe­nen­nen, denn Skla­ve­rei sei abge­schafft und daher ist allein die Erwäh­nung eines Mei­sters zu ver­mei­den. Ich wuss­te doch, die­se Bolognare­form hat einen Haken! Man füh­re das Diplom wie­der ein und kom­me künf­tig nicht mehr auf sol­che Ideen.

In meh­re­ren deut­schen Städ­ten demon­strier­ten gestern zahl­rei­che Men­schen unter dem Mot­to der Unteil­bar­keit für alles Mög­li­che, für Femi­nis­mus, gegen Ras­sis­mus, Bür­ger­rä­te in Betrie­ben und irgend­was mit grie­chi­schen Lagern; lei­der auch dies­mal nichts gegen Erd­be­ben. Auf Twit­ter wur­de die­ses Durch­ein­an­der als der Bauch­la­den unter den Demon­stra­tio­nen bezeich­net und das trifft es ganz gut. Alba­tross!

Auch für alle Gele­gen­hei­ten geeig­net, aber wesent­lich weni­ger bescheu­ert: Musik.

Vola­ré – …In Two Seconds Of Time…

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
Bil­der­stür­mer

Ich bin sehr dank­bar dafür, dass wegen der Ras­sis­mus­sa­che die­ses blö­de Coro­na end­lich vor­bei ist. Vor­bei? Zumin­dest scheint es so zu sein, denn man ist (inzwi­schen ach­sel­zuckend mas­kiert und ent­da­ten­ge­schützt, es ist ja nur zu unse­rem Besten) bereits beim über­näch­sten The­ma ange­langt und die Teil­neh­mer kra­kee­len­der Men­schen­an­samm­lun­gen sind end­lich wie­der links und nicht alu­b­e­hü­tet. Zum Glück pas­siert immer nur eine Sache gleich­zei­tig auf der Welt, sonst wäre es ja total lächer­lich, ein The­ma fal­len zu las­sen, bloß weil es ein neu­es The­ma gibt.

Die­ses neue The­ma scheint die Renais­sance des Bil­der­sturms zu sein: Welt­weit wer­den Kul­tur­ge­gen­stän­de zer­stört oder beschä­digt, deren Abge­bil­de­te sich der Skla­ve­rei ver­däch­tigt gemacht haben und nicht Karl Marx sind. Ich höre den Isla­mi­schen Staat aus Pal­my­ra fei­xen.

Und weil sie mit Kul­tur­ge­gen­stän­den ohne­hin wenig anfan­gen kön­nen, mit Strea­ming­quatsch aber um so mehr, pip­pi­lang­strump­fen sie jetzt auch die Film­hi­sto­rie, wie ein Medi­um, das ver­linkt zu wer­den rigo­ros ablehnt, beschreibt:

Nach Pro­te­sten wegen „ras­si­sti­scher Belei­di­gun­gen“ hat der bri­ti­sche Strea­ming-Dienst UKTV die Fol­ge „The Ger­mans“ (Die Deut­schen) der Kult­se­rie „Fawl­ty Towers“ aus dem Pro­gramm genom­men. Der Strea­ming­dienst der BBC erklär­te am Frei­tag, die Fol­ge wer­de „geprüft“. (…) Der Sen­der teil­te dar­auf­hin mit, die Epi­so­de sol­le dem­nächst zusam­men mit „zusätz­li­chen Hin­wei­sen“ wie­der online gestellt wer­den. Älte­re Bei­trä­ge wür­den regel­mä­ßig geprüft, um zu garan­tie­ren, dass Zuschau­er­er­war­tun­gen erfüllt wer­den. Dabei wer­de beson­ders auf „ver­al­te­te Spra­che“ geach­tet.

Auch ande­re Fil­me hat es erwischt:

Eine Strea­ming-Platt­form nimmt “Vom Win­de ver­weht” vor­läu­fig aus dem Pro­gramm, weil der Anbie­ter befürch­tet, die Dar­stel­lung der Skla­ve­rei in dem Film sei ver­let­zend.

Nun bin ich ja immer sehr dank­bar dafür, dass man mich an die Hand nimmt und mir mit zusätz­li­chen Hin­wei­sen erklärt, dass Sati­re sati­risch gemeint sein könn­te und die Dar­stel­lung von Skla­ve­rei in einem in der Skla­ver­ei­zeit spie­len­den Film als akzep­tier­ter All­tag im gege­be­nen Kon­text nicht als Auf­for­de­rung zu ver­ste­hen ist. Auch dass die­ser eine Schin­ken von dem Öster­rei­cher mit dem Chap­lin­bart nur in einer kom­men­tier­ten Aus­ga­be zu haben ist, ist erleich­ternd. Ohne die Kom­men­ta­re käme da sonst sicher­lich noch jemand auf komi­sche Ideen. Mich über­rascht, dass „1984“ noch unkom­men­tiert ver­kauft wer­den darf, denn immer­hin wirft es einen selt­sa­men Blick auf eine Gesell­schaft, die ihre Geschich­te als sol­che nicht mehr zu akzep­tie­ren bereit sein darf.

Als man uns ver­sprach, das Inter­net schenk­te uns das Wis­sen der Welt direkt ins Wohn­zim­mer, ver­schwieg man wohl nicht grund­los, dass mit ihm auch die schlech­ten Eigen­schaf­ten ihrer Bewoh­ner aus­ge­lie­fert wür­den.