In den Nachrichten
Bilderstürmer

Ich bin sehr dank­bar dafür, dass wegen der Rassismussache die­ses blö­de Corona end­lich vor­bei ist. Vorbei? Zumindest scheint es so zu sein, denn man ist (inzwi­schen ach­sel­zuckend mas­kiert und ent­da­ten­ge­schützt, es ist ja nur zu unse­rem Besten) bereits beim über­näch­sten Thema ange­langt und die Teilnehmer kra­kee­len­der Menschenansammlungen sind end­lich wie­der links und nicht alu­be­hü­tet. Zum Glück pas­siert immer nur eine Sache gleich­zei­tig auf der Welt, sonst wäre es ja total lächer­lich, ein Thema fal­len zu las­sen, bloß weil es ein neu­es Thema gibt.

Dieses neue Thema scheint die Renaissance des Bildersturms zu sein: Weltweit wer­den Kulturgegenstände zer­stört oder beschä­digt, deren Abgebildete sich der Sklaverei ver­däch­tigt gemacht haben und nicht Karl Marx sind. Ich höre den Islamischen Staat aus Palmyra feixen.

Und weil sie mit Kulturgegenständen ohne­hin wenig anfan­gen kön­nen, mit Streamingquatsch aber um so mehr, pip­pi­l­ang­strump­fen sie jetzt auch die Filmhistorie, wie ein Medium, das ver­linkt zu wer­den rigo­ros ablehnt, beschreibt:

Nach Protesten wegen „ras­si­sti­scher Beleidigungen“ hat der bri­ti­sche Streaming-Dienst UKTV die Folge „The Germans“ (Die Deutschen) der Kultserie „Fawlty Towers“ aus dem Programm genom­men. Der Streamingdienst der BBC erklär­te am Freitag, die Folge wer­de „geprüft“. (…) Der Sender teil­te dar­auf­hin mit, die Episode sol­le dem­nächst zusam­men mit „zusätz­li­chen Hinweisen“ wie­der online gestellt wer­den. Ältere Beiträge wür­den regel­mä­ßig geprüft, um zu garan­tie­ren, dass Zuschauererwartungen erfüllt wer­den. Dabei wer­de beson­ders auf „ver­al­te­te Sprache“ geachtet.

Auch ande­re Filme hat es erwischt:

Eine Streaming-Plattform nimmt “Vom Winde ver­weht” vor­läu­fig aus dem Programm, weil der Anbieter befürch­tet, die Darstellung der Sklaverei in dem Film sei verletzend.

Nun bin ich ja immer sehr dank­bar dafür, dass man mich an die Hand nimmt und mir mit zusätz­li­chen Hinweisen erklärt, dass Satire sati­risch gemeint sein könn­te und die Darstellung von Sklaverei in einem in der Sklavereizeit spie­len­den Film als akzep­tier­ter Alltag im gege­be­nen Kontext nicht als Aufforderung zu ver­ste­hen ist. Auch dass die­ser eine Schinken von dem Österreicher mit dem Chaplinbart nur in einer kom­men­tier­ten Ausgabe zu haben ist, ist erleich­ternd. Ohne die Kommentare käme da sonst sicher­lich noch jemand auf komi­sche Ideen. Mich über­rascht, dass „1984“ noch unkom­men­tiert ver­kauft wer­den darf, denn immer­hin wirft es einen selt­sa­men Blick auf eine Gesellschaft, die ihre Geschichte als sol­che nicht mehr zu akzep­tie­ren bereit sein darf.

Als man uns ver­sprach, das Internet schenk­te uns das Wissen der Welt direkt ins Wohnzimmer, ver­schwieg man wohl nicht grund­los, dass mit ihm auch die schlech­ten Eigenschaften ihrer Bewohner aus­ge­lie­fert würden.

Senfecke:

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.

Senf hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du willst deinen Senf dazugeben, dir ist aber der Senf ausgegangen? Dann nutz den SENFOMATEN! Per einfachem Klick kannst du fertigen Senf in das Kommentarfeld schmieren, nur dazugeben musst du ihn noch selbst.