Sonstiges
(So was wie) Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Zei­chen­trick in der Schwe­be

Ein inter­es­san­tes medi­en­über­grei­fen­des Phä­no­men im comic und im Zei­chen­trick – sta­tisch wie ani­miert – ist die weit­ge­hend ähn­li­che Dar­stel­lung von Schwe­be­zu­stän­den. Tat­säch­lich schei­nen Außer­ir­di­sche, Raum­schif­fe und wei­te­re flug­fä­hi­ge Ele­men­te eines sol­chen Medi­ums grund­sätz­lich Hum­meln im Hin­tern zu haben; sie heben und sen­ken sich kon­ti­nu­ier­lich.

Bemer­kens­wert ist, dass Gala­xi­us vom Saxil­us in der Serie „Fami­lie Feu­er­stein“ (1959 – 1966) noch nicht zur schwan­ken­den Schwe­be neig­te:

The Flints­to­nes Meet The Gre­at Gazoo 2

In der Gegen­wart und Zei­chen­trick­zu­kunft dage­gen hat man das offen­bar ver­ges­sen; seit eini­gen Jahr­zehn­ten bis in fer­ne Zukunft scheint es auf der Zei­chen­tricker­de mitt­ler­wei­le unmög­lich zu sein, den unbe­weg­ten Schwe­be­zu­stand zu errei­chen (cf. Futura­ma 7x14 „2‑D Black­top“ und wei­te­re Epi­so­den mit „schwe­ben­den“ Fahr­zeu­gen und Raum­schif­fen). Die Fern­seh­se­rie „Dark­wing Duck“ etwa ist eine reich­hal­ti­ge Quel­le für anschau­li­che Bele­ge (man beach­te etwa die Kin­der am Anfang die­ser Epi­so­de; Lau­fen ist eben sooo 21. Jahr­hun­dert), Ana­lo­gien sind in den mei­sten Dis­ney­trick­pro­duk­tio­nen zu fin­den. Die­ser Drang nach Ver­deut­li­chung des Schwe­be­zu­stands mani­fe­stiert sich sogar in nicht ani­mier­ten comics, in denen das In-der-Luft-Ste­hen nicht ohne die einst von Rudolph Dirks erdach­ten Bewe­gungs­strei­fen zu funk­tio­nie­ren scheint. Blo­ße Effekt­ha­sche­rei?

Die aus mir uner­gründ­li­chen Grün­den belieb­te Film­rei­he „Star Trek“ zum Bei­spiel, die selbst auf blo­ße Effekt­ha­sche­rei setzt, zeigt des Öfte­ren im frei­en Raum schwe­ben­de Objek­te, auch Raum­schif­fe. Die ste­hen ein­fach in der Luft, die schwin­gen nicht auf und ab. Wenn vor eurer Nase plötz­lich ein Poli­zist aus der Zukunft appa­rier­te und, wäh­rend er mit euch spricht, stän­dig in der Luft her­um­wackelt, wie viel Respekt wür­det ihr ihm zol­len kön­nen, sofern er ihn ver­dien­te?

Wor­auf ich eigent­lich hin­aus­will, ihr Manga‑, Comic- und son­sti­gen Zeich­ner: Schwe­ben ist ein unbe­weg­tes Tun. Nehmt das bit­te wohl­wol­lend zur Kennt­nis.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXI: „Bür­ger­krieg: Droht jetzt ein Bür­ger­krieg?“

Ver­ständ­nis­fra­ge:

Tage­lan­ge teils blu­ti­ge Mas­sen­pro­te­ste, die zum Sturz eines Prä­si­den­ten und zur Macht­über­nah­me durch das Mili­tär des jewei­li­gen Lan­des füh­ren, wür­det ihr doch auch „Bür­ger­krieg“ nen­nen, oder?

N24 nicht.

Nach tage­lan­gen teils blu­ti­gen Mas­sen­pro­te­sten für und gegen den Isla­mi­sten Mur­si hat­te das Mili­tär den ersten frei­ge­wähl­ten Prä­si­den­ten Ägyp­tens am Mitt­woch­abend gestürzt und unter Arrest gestellt. Welt­weit löste die Ent­wick­lung Sor­ge vor wei­te­rer Gewalt bis hin zu einem Bür­ger­krieg aus.

Huch – am Ende wird noch jemand ver­letzt!

Piratenpartei
Ost­deut­sche Intri­g­anz­pi­ra­ten

(Vor­be­mer­kung: Viel­leicht wäre es für das Anse­hen der Pira­ten­par­tei klü­ger, auf die­sen Text zu ver­zich­ten. Ich per­sön­lich wür­de aber gern wei­ter­hin mit Stolz statt vol­ler Scham dazu ste­hen, Pirat zu sein; dazu gehört es, auch unbe­que­me Vor­fäl­le zu pro­to­kol­lie­ren. Ich bin Pirat und ich fin­de das gut. – Alle Namen wur­den gekürzt, um wei­te­ren Scha­den abzu­wen­den.)

In unse­rer belieb­ten Rei­he „war­um man die Pira­ten­par­tei momen­tan nicht in irgend­wel­chen Par­la­men­ten sehen wol­len soll­te“ hat sich schon seit Wochen nichts mehr getan. Die Pira­ten­par­tei wäre aber nicht die Pira­ten­par­tei, wenn sie die­sen untrag­ba­ren Zustand nicht schnellst­mög­lich revi­die­ren wür­de. Nun: Mis­si­on erfolg­reich!

Am Sonn­abend näm­lich fand in Des­sau im schö­nen Sach­sen-Anhalt, dem Land der Früh­auf­ste­her (wer halt sonst nüscht hat), bekannt­lich ein außer­or­dent­li­cher Par­tei­tag der dor­ti­gen Pira­ten­par­tei statt. Nach­dem im Mai der Vor­stand groß­teils zurück­ge­tre­ten war, war der Lan­des­ver­band prak­tisch ent­schei­dungs- und damit hand­lungs­un­fä­hig. Dass die Ein­la­dun­gen für den anbe­raum­ten Ter­min teil­wei­se eini­ge Tage zu spät abge­schickt wur­den und damit der Par­tei­tag theo­re­tisch anfecht­bar ist, ist ein inter­es­san­tes Bon­mot, aber bei Pira­ten ja längst guter Stil. (Ob das noch zu Pro­ble­men füh­ren wird, bleibt abzu­war­ten.)

Auf die­sem Par­tei­tag jeden­falls soll­te also ein neu­er Lan­des­vor­stand gewählt wer­den. Da die eigent­lich beab­sich­tig­te Ver­samm­lungs­lei­tung, unter ande­rem bestehend aus dem gegen­wär­ti­gen Lebens­ab­schnitts­ge­fähr­ten der ehe­ma­li­gen Lan­des­vor­sit­zen­den, nen­nen wir sie Frl. O., womög­lich auf­grund von Befan­gen­heit nicht fähig gewe­sen wäre, sich nicht aktiv ins Wahl­ge­sche­hen ein­zu­mi­schen, bot sich ein Team aus Nie­der­sach­sen an, das bereits Erfah­run­gen als Ver­samm­lungs- und Wahl­lei­tung gesam­melt hat­te; so hat­te etwa der desi­gnier­te Ver­samm­lungs­lei­ter in die­sem Team zuvor schon eini­ge Par­tei­ta­ge auf kom­mu­na­ler wie auf Lan­des­ebe­ne gelei­tet. Die­ses Team hat­te sich, um opti­mal auf die Auf­ga­be vor­be­rei­tet zu sein, im Vor­feld des Par­tei­tags qua­si unun­ter­bro­chen mit der Geschäfts­ord­nung des Par­tei­tags beschäf­tigt und sie an vie­len Stel­len rechts­si­cher umge­schrie­ben, um wei­te­re Anfech­tun­gen zu erschwe­ren. (Dass das nicht ganz geklappt hat, sie­he oben, ist zumin­dest nicht dem Team anzu­la­sten.) Bis dahin stand die­se – von allen ver­meint­lich unbe­merkt – wegen des Begriffs der „Beur­kun­dung“, ursprüng­lich mit­tels copy & paste aus der Geschäfts­ord­nung eines Bun­des­par­tei­tags kopiert und somit für einen Lan­des­par­tei­tag eigent­lich nicht ein­mal taug­lich, auf sehr wack­li­gen Füßen. Ein Hauch hät­te genügt, sie umzu­wer­fen. Nun stand also ein ein­ge­spiel­tes Drei­er­team aus opti­mal vor­be­rei­te­ten Frei­wil­li­gen zur Ver­fü­gung, die Ver­ant­wor­tung für den rei­bungs­lo­sen Ablauf des Par­tei­tags auf sich zu neh­men.

Es fällt mir als nicht direkt in den Ent­schei­dungs­pro­zess invol­vier­tem Pira­ten also nicht unbe­dingt leicht, etwas ande­res als die Gier nach Macht­er­halt zu unter­stel­len, wenn ich den Umstand bewer­ten soll, dass Frl. O. eigens einen Gegen­kan­di­da­ten für die Ver­samm­lungs­lei­tung aus Mün­chen (Bay­ern) ein­fah­ren ließ. Um ihrem Gegen­kan­di­da­ten Rück­halt aus der Ver­samm­lung zu ver­schaf­fen, ver­brei­te­te sie wis­sent­lich Unwahr­hei­ten über die Kon­kur­ren­ten; sie hät­ten das nie gemacht und kei­ne Erfah­rung oder der­glei­chen. Ja, Frl. O., sonst vor allem dafür bekannt gewor­den, sich nur all­zu gern mit Leu­ten zu umge­ben, die im Hin­ter­grund die Fäden zu zie­hen glau­ben, hat eine fas­zi­nie­ren­de Kar­rie­re hin­ter sich; von der Ver­samm­lungs­lei­tungs­no­vi­zin zur Tel­ler­wä­sche­rin im inner cir­cle. Dafür müs­sen ande­re lan­ge buckeln!

Trotz aller Ver­net­zung und Strip­pen­zie­he­rei schei­ter­te ihr Vor­ha­ben, die Wahl des neu­en Vor­stands unter die eige­ne Ägi­de zu stel­len. Der eigens aus Mün­chen ange­karr­te Ver­samm­lungs­lei­ter bekam zumin­dest ange­sichts der erdrücken­den Viel­zahl an Men­schen im Publi­kum – gan­ze 50 akkre­di­tier­te Pira­ten stell­ten den Höchst­wert des Tages dar – Lam­pen­fie­ber und wei­ger­te sich, sei­nen zuer­kann­ten Posten aus­zu­üben. Statt­des­sen stell­te er sich also als Wahl­lei­ter zur Wahl; wohl­ge­merkt: als voll­kom­men unvor­be­rei­te­ter Wahl­lei­ter (der sich das durch­aus anmer­ken ließ), der nicht ein­mal mit der gül­ti­gen (also alten) Geschäfts­ord­nung ver­traut war, woll­te er einen Teil des ein­ge­spiel­ten Teams erset­zen. Wohl auch auf­grund der Für­spra­che Frl. O.s wur­de er zumin­dest in die­sem Amt bestä­tigt. Inwie­fern das nun eine Ver­bes­se­rung gegen­über der ursprüng­lich geplan­ten Beset­zung sein soll­te, ist mir unbe­kannt.

Der Par­tei­tag lief dann auch ohne grö­ße­re Pro­ble­me ab. War­um nun eigens jemand aus Bay­ern anrei­sen muss­te (wofür ihm Fahrt­ko­sten aus Par­tei­kas­sen zuste­hen), bleibt zu hin­ter­fra­gen. Die Tor­pe­die­rung der Ver­samm­lungs­lei­tung ist zumin­dest geschei­tert. Beäng­sti­gend ist jedoch, war­um es sich ein gan­zer Lan­des­ver­band, in dem es in den letz­ten Mona­ten nicht unbe­dingt gesit­tet und pro­duk­tiv vor­ging, es för­dert, dass ein ehe­ma­li­ges Vor­stands­mit­glied ver­sucht einen gere­gel­ten Ablauf der Neu­wahl zu ver­hin­dern. Bedenk­lich ist dabei auch, dass die­ses ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glied wohl kei­ner­lei Kon­se­quen­zen zu befürch­ten hat.

Wer will Pop­corn?

In den NachrichtenNerdkrams
PRISM? Digi­ta­le Mün­dig­keit!

Ich wer­de gele­gent­lich gefragt, war­um ich als Alter­na­ti­ve zu dem nicht erst wegen PRISM und TEMPORA höchst bedenk­li­chen Online­dienst Goog­le Mail grund­sätz­lich emp­feh­le, einen eige­nen Mail­ser­ver auf­zu­set­zen. Sei das nicht über­trie­ben, wenn man es mit einem Durch­schnitts­nut­zer zu tun hat, der nur mal eben sei­nen Mail­ver­kehr abwickeln will?

Tja: Nein.

Dabei ist das eigent­li­che Pro­blem nicht ein­mal, dass es schwie­rig ist, einen „fer­ti­gen“ Mail­an­bie­ter zu fin­den, der garan­tiert kei­ne Hin­ter­tür­chen für NSA oder BND offen hält und den Inhalt von Mails nicht an Wer­be­part­ner ver­scher­belt. (Ob es einen sol­chen über­haupt gibt, bleibt fest­zu­stel­len.) Das Pro­blem ist das mit der digi­ta­len Mün­dig­keit.

Men­schen möch­ten grund­sätz­lich die Kon­trol­le dar­über, was sie wem preis­ge­ben, behal­ten. Sie möch­ten wis­sen, wer ihr Leben wie und war­um mit­be­stimmt. Da kann es kul­tu­rel­le Unter­schie­de geben, aber ich habe die Hoff­nung, dass es zum Bei­spiel ein poli­tisch radi­ka­ler Mon­arch die­ser Tage schwer haben dürf­te, in Deutsch­land eine Allein­herr­schaft zu errich­ten. Die Men­schen wür­den Fra­gen stel­len, auch, weil es schon mehr als genug Dik­ta­tu­ren auf deut­schem Boden gab. Demo­kra­tie (par­la­men­ta­risch) haben die mei­sten Deut­schen gelernt, sie haben das Recht auf Mit­be­stim­mung zumin­dest prin­zi­pi­ell ver­stan­den. Anders ver­hiel­te es sich wahr­schein­lich, wenn sie nie von dem Kon­zept einer Demo­kra­tie gehört hät­ten. Vie­le Bür­ger, die in einer Dik­ta­tur leben, ken­nen alter­na­ti­ve Staats­ent­wür­fe viel­leicht nicht ein­mal und hal­ten eine Dik­ta­tur daher für eine gute Lösung. (Ande­re hal­ten sie auch in Kennt­nis demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en für eine sol­che. Das hat dann ande­re Grün­de.)

So ähn­lich ver­hält es sich nach mei­nem Dafür­hal­ten mit der digi­ta­len Mün­dig­keit. In einer Zeit, in der der gemei­ne Nut­zer über all der Bequem­lich­keit des Inter­nets zuse­hends an Rech­ten und Pri­vat­sphä­re ver­liert, ist es ins­be­son­de­re wich­tig, dass er das Kon­zept ver­steht. Goog­le Mail kann nütz­lich und irre bequem sein, das stel­le ich nicht in Abre­de. Für den „DAU“, den „dümm­sten anzu­neh­men­den User“, sei alles Ande­re voll­kom­men irrele­vant, höre ich oft. Aber war­um soll­te ein sol­cher „DAU“ immer einer blei­ben? Tat­säch­lich bin ich davon über­zeugt, dass mehr Men­schen sich für die Pro­ble­me von Dritt­an­bie­ter­dien­sten inter­es­sie­ren wür­den, wüss­ten sie um deren Schwä­chen.

Das Ver­sen­den und Emp­fan­gen von E‑Mails über von Drit­ten kon­trol­lier­te Ser­ver ist unge­fähr wie das Ver­sen­den einer Post­kar­te. Es ist wün­schens­wert, dass der Post­bo­te (der Mail­ser­ver) nur die Adres­se liest und wei­ter­gibt, aber wirk­lich wis­sen kön­nen es weder Absen­der noch Emp­fän­ger. Kon­se­quent schreibt auch hof­fent­lich nie­mand Ver­trau­li­ches auf eine Post­kar­te. Das belieb­te Gegen­ar­gu­ment, man schrei­be in Mails sowie­so nie etwas, was nie­mand wis­sen dür­fe, wird an die­ser Stel­le meist von denen ange­bracht, die Gar­di­nen vor ihr Fen­ster hän­gen und beim Toi­let­ten­gang die Tür hin­ter sich schlie­ßen. War­um tun sie das?

Eine mög­li­che Lösung zur Wah­rung des Daten­schut­zes auch gegen­über Geheim­dien­sten ist die Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung etwa per GnuPG. Hier­bei wird aus­schließ­lich ver­schlüs­sel­ter Text über die frem­den Mail­ser­ver geschickt, den nur der (über­prüf­ba­re) Absen­der und der jewei­li­ge Emp­fän­ger lesen kön­nen. Die­se Art der Sicher­heit nimmt jedoch (je nach ver­wen­de­tem Mail­pro­gramm) ein wenig Kom­fort aus der Kom­mu­ni­ka­ti­on, zudem ist sie bei vie­len Web­mail­an­bie­tern nicht ein­mal mög­lich. Die von mir vor­ge­schla­ge­ne Alter­na­ti­ve ist, wie erwähnt, die Instal­la­ti­on eines eige­nen Mail­ser­vers. Ein sol­cher Ser­ver ist gün­stig zu bekom­men (ein lei­stungs­schwa­cher vSer­ver genügt, bei Inter­net­flat­rate kann oft auch bereits der hei­mi­sche Rou­ter oder ein aus­ran­gier­ter Alt­rech­ner ohne Mehr­preis als Mail­ser­ver ein­ge­rich­tet wer­den) und ermög­licht die vol­le Kon­trol­le dar­über, was mit dem Post­ein- und ‑aus­gang pas­siert.

Dass dafür min­de­stens rudi­men­tä­re System­kennt­nis­se von Vor­teil sind, ist neben dem Ein­rich­tungs- und War­tungs­auf­wand (gele­gent­li­che Sicher­heits­ak­tua­li­sie­run­gen wer­den natür­lich emp­foh­len) der ein­zi­ge nen­nens­wer­te Nach­teil die­ser Lösung. Tat­säch­lich gibt es im Inter­net vie­le mal umfang­rei­che, mal eher rudi­men­tä­re Anlei­tun­gen für Mail­ser­ver­no­vi­zen aller Betriebs­sy­ste­me, auch Win­dows­nut­zer kön­nen sich mit weni­gen Klicks einen funk­tio­nie­ren­den Mail­ser­ver ins Wohn­zim­mer stel­len.

E‑Mail ist auch nur ein Bei­spiel für die Pro­ble­ma­tik. Habt ihr mal dar­über nach­ge­dacht, ob der Face­book-Chat wirk­lich ein Gespräch unter vier Augen ist? Wisst ihr so genau, was tech­nisch pas­siert, wenn ihr eurer Flam­me per Whats­App ein pein­li­ches Bild von euch sen­det? Wür­de es euch unbe­rührt las­sen, wenn eure Sky­pe-Tele­fo­na­te über eine dum­me Sicher­heits­lücke offen im Inter­net lan­den? Das mag alles im Ver­gleich mit selbst kon­trol­lier­ten Lösun­gen (zum Bei­spiel Dia­spo­ra, Jab­ber und Mum­ble) so unglaub­lich prak­tisch sein, aber ist es das wert?

Es mag bequem sein, mit bun­ten Knöp­fen und „mach­ste an und läuft“ an der Hand durch das Inter­net geführt zu wer­den. Aber wür­det ihr einen Frem­den auf der Stra­ße bit­ten, kurz auf eure Geld­bör­se auf­zu­pas­sen, nur weil er unver­däch­tig lächelt?

Ihr wer­det vom Staat (von wel­chem auch immer) nur des­halb bei allem, was ihr tut, beob­ach­tet und prä­ven­tiv belauscht, weil es euch nicht schert. Nie­mand kann euch dazu zwin­gen, den nöti­gen Auf­wand zu trei­ben, um Herr über euer digi­ta­les Dasein zu blei­ben. Ihr soll­tet nur wis­sen, dass ihr dazu jeder­zeit die Chan­ce habt.

Nutzt sie. Habt Mut, euch eures eige­nen Ver­stan­des zu bedie­nen.

Ihr habt nur die Frei­heit, die ihr euch nehmt. Das soll­tet ihr nie­mals ver­ges­sen.

Nerdkrams
„Ja oder Ja?“

Wer glaubt, all­zu schrä­ge Pro­gramm­tex­te sei­en stets die Schuld eines Über­set­zers, der könn­te zum Bei­spiel die Android-app STweaks als Gegen­bei­spiel neh­men:

STweaks

„Es wird fest­ge­legt, wie man mit I/O‑Anfragen umgeht und wie man mit ihnen umgeht.“

Bei­des! Prak­tisch!

MusikkritikKaufbefehle
Musik 06/2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 11 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Eeeeei­nen­wun­der­schö­nen­gu­ten­tag, wer­te Freun­de des ange­wand­ten Musik­ge­nus­ses!

Ein Blick in mei­nen Kalen­der wies mich mah­nend dar­auf hin, dass das erste hal­be Jahr 2013 ja qua­si vor­über ist. Das bedeu­tet, dass es (wie alle sechs Mona­te) Zeit ist für mei­ne Rück­schau der kau­fens­wer­te­sten Musikal­ben 2013. Ich muss euch aller­dings ver­schämt geste­hen, dass ich ein­fach nicht die Zeit gefun­den (oder mir genom­men habe), allen Musikal­ben, die viel­ver­spre­chend erschie­nen, genug Zeit zu geben, sich zu ent­fal­ten.
‘Musik 06/2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Oh, ein mör­de­ri­sches Regime. Gleich mal anfreun­den.

Die Euro­päi­sche Uni­on dient nicht nur dem Zweck, däm­li­che gesetz­li­che Rege­lun­gen durch­zu­drücken, die auf Lan­des­ebe­ne nicht die Legis­la­ti­ve pas­sie­ren, son­dern auch dem einer mög­lichst gemein­sa­men Wirt­schafts- und Frie­dens­po­li­tik inner­halb Euro­pas. Das ist an sich nicht schlimm, amü­sant wird’s nur, wenn sich die Prio­ri­tä­ten ungün­stig ver­schie­ben.

Dass in der Tür­kei (etwa drei Pro­zent ihrer Land­mas­se befin­den sich auf euro­päi­schem Boden) momen­tan auf Demon­stran­ten und deut­sche Poli­ti­ker geschos­sen wird, habe ich ja bereits kurz erwähnt. Da die Tür­kei sich um eine Auf­nah­me in die Euro­päi­sche Uni­on bemüht, ist es natür­lich die ehren­vol­le Auf­ga­be eines EU-Außen­po­li­ti­kers, sich mit die­sem Fall zu beschäf­ti­gen.

Das wur­de jetzt getan.

Die Euro­päi­sche Uni­on hat sich sich bei einem Tref­fen der Außen­mi­ni­ster in Luxem­burg dar­auf ver­stän­digt, ein neu­es „Kapi­tel“ mit der Tür­kei zu eröff­nen.

Ach, da lässt ein Regie­rungs­chef sein Volk met­zeln. Pri­ma, so was fehlt uns noch in unse­rer Samm­lung! Ande­rer­seits: Das ist ja auch nicht so schlimm, es ist ja nur eine schwie­ri­ge Lage, aber das geht vor­bei:

Aus Sicht von Wester­wel­le sei das „eine gute Ent­schei­dung in schwie­ri­ger Lage“, wie sein Spre­cher sag­te.

Natür­lich gehe es näm­lich nicht in Ord­nung, wenn fried­li­che Demon­stran­ten um Leib und Leben fürch­ten müss­ten, aber die freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen Deutsch­land und tür­ki­schem Geld soll­te man des­halb trotz­dem nicht leicht­fer­tig auf’s Spiel set­zen!

Wester­wel­le hat­te sei­ne Kri­tik an den Unru­hen in der Tür­kei wie­der­holt, aller­dings von „stra­te­gi­schen, lang­fri­sti­gen Inter­es­sen“ gespro­chen, die gewahrt blei­ben müss­ten.

Man muss ja zusam­men­hal­ten gegen die Bedro­hung von außen. Da ste­hen ein paar Demon­stran­ten nur im Weg. Eine Demo­kra­tie kann so etwas unmög­lich dul­den!

Ist Weiß­russ­land eigent­lich schon in der EU?

In den NachrichtenFotografie
Hmm, Gift.

Aktu­ell brennt es in einer Lager­hal­le einer Fabrik in Lud­wigs­ha­fen. (Auf Face­book gefällt das bereits fast zwei­hun­dert Men­schen; ich neh­me an, es han­delt sich über­wie­gend um Mann­hei­mer – Mann­heim und Lud­wigs­ha­fen ver­bin­det seit der Grün­dung der BASF eine inni­ge Feind­schaft ähn­lich der von Köln und Düs­sel­dorf.)

Benach­bar­te Wohn­häu­ser wur­den eva­ku­iert. Anwoh­ner sol­len Türen und Fen­ster geschlos­sen hal­ten sowie Kli­ma-Anla­gen aus­schal­ten. Die Feu­er­weh­ren von Lud­wigs­ha­fen und Mann­heim sind im Ein­satz.

Das heißt, der Rauch wird als nicht son­der­lich gesund­heits­freund­lich bekannt gemacht.

Aber im schö­nen Lud­wigs­ha­fen pas­siert eben nie etwas Auf­re­gen­des, und so schert man sich dann auch nicht um das biss­chen Gift:

Großbrand in Ludwigshafen

Charles Dar­win wäre bestürzt.

(mit Dank an S.!)

PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 7)

„Sag, war­um bist du ver­schlos­sen, wenn du weißt, was du ver­misst?“
– EAV: Es tut weh und es tut gut (Bäng, Bäng)


… Er hat­te nie an Wun­der geglaubt, seit er sich zurück­er­in­nern konn­te.

War­um gera­de jetzt? Immer­hin hat­te er sich schon oft genug den Kopf gesto­ßen beim Ver­such, ihre Gunst zu gewin­nen, und jedes Mal war­te­te er, bis die Wun­de ver­heilt war, und nahm erneut Anlauf. Immer wie­der jedoch hat­te er selbst das Tor in ihr Herz ver­schlos­sen und konn­te es doch nicht ver­hin­dern, dass Wider­sa­cher den Moment nutz­ten. Ihm blieb nichts übrig als taten­los zuzu­se­hen, wie ande­re das beka­men, was er sich am mei­sten wünsch­te.

Und doch kamen sie immer wie­der zusam­men, und das Spiel begann von neu­em. Wie Kat­zen schli­chen sie umein­an­der, stets wis­send, dass die Kral­len nur ver­steckt sind; und er brach­te sie oft dazu, ihre Kral­len an ihm zu wet­zen. Und doch konn­te und woll­te er das nie­mals auf­ge­ben. Er hat­te nie­mals für jeman­den so viel emp­fun­den, und obwohl er jedes Mal ver­such­te, sei­ne Wun­den von ande­ren Kat­zen lecken zu las­sen, blieb sie die Kon­stan­te, der Ruhe­pol in sei­nem Leben.

War­um aus­ge­rech­net sie ihm so viel bedeu­te, woll­te sie nicht nur ein­mal wis­sen. Er wuss­te es nicht. War es mög­lich, Gefüh­le zu erklä­ren? – Er hat­te in sei­nem gan­zen bis­he­ri­gen Leben erst zwei­mal jeman­dem sei­ne Lie­be gestan­den. Eine die­ser Jeman­de war längst fort, sie jedoch war auch Jah­re spä­ter noch da. Sie hat­te ihn ver­zau­bert, seit er sie zum ersten Mal gese­hen hat­te. Zwar hat­te er sich lan­ge gewei­gert, es sich ein­zu­ge­ste­hen, aber letzt­lich schien doch, gemes­sen an ihr, jede ande­re Frau in sei­nem Leben wie ein jäm­mer­li­cher und von Anfang an zum Schei­tern ver­ur­teil­ter Ver­such, sie zu erset­zen. Das war ihm nie gelun­gen.

Sie hat­te ihm gewährt, wor­um er seit Jah­ren gefleht hat­te. Das Tor stand offen, viel­leicht zum letz­ten Mal. Dies­mal schlug er es nicht zu, er schritt hin­durch; und wenn­gleich er sich jah­re­lang immer wie­der in Gedan­ken aus­ge­malt hat­te, dass ihm schon das Bewusst­sein, dass er wahr­haf­tig bei ihr sein konn­te, den Atem neh­men wür­de, durch­leb­te er die fol­gen­den Tage wie durch Nebel. Trotz­dem warf alles, was gesche­hen war, mehr Fra­gen auf als es beant­wor­te­te. Wie in Trance hör­te er sich selbst „ich lie­be dich“ sagen, als sie Abschied von­ein­an­der nah­men. Soll­te es noch­mals Jah­re dau­ern?

Müh­sam rich­te­te er sich auf, taste­te neben sich und spür­te, dass er allein in sei­nem eige­nen Bett auf­ge­wacht war. Der Traum, der seit Jah­ren wie ein Echo immer wie­der in sei­nem Kopf wider­hall­te, war vor­über. Oder fing er gera­de erst an? Er wuss­te noch nicht, wohin die­ser Weg füh­ren wür­de, aber er war sich sicher, er wür­de ihn nie­mals wie­der ver­las­sen. …


„Lie­be, Lie­be, Lie­be­lei; mor­gen ist sie viel­leicht vor­bei.“
– Tony Holi­day: Tan­ze Sam­ba mit mir

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt CLXIX: Eine Frist für die Frist!

Goog­le gefällt das:

Seit Mona­ten dro­hen euro­päi­sche Daten­schüt­zer mit Sank­tio­nen – doch bis­her hat Goog­le nichts an der Samm­lung sei­ner Nut­zer­da­ten ver­än­dert. Nun gibt es erneut eine Frist, das Super-Pro­fil an euro­päi­sches Recht anzu­pas­sen.

„Und wenn’s wie­der nicht klappt, dann eben mit der näch­sten.“
– Haus­mar­ke: Mäd­chen No. 1