In den NachrichtenPolitik
Stutt­gart raus aus der EU!

Die öffent­li­che Mei­nung neigt nicht zur Beson­nen­heit. Als bekannt wur­de, dass in Istan­bul – die Hin­ter­grün­de set­ze ich ein­fach mal als bekannt vor­aus – Demon­stran­ten nicht mehr nur abge­wehrt, son­dern aktiv ange­grif­fen wur­den, for­mier­ten sich im Inter­net sofort vir­tu­el­le Sprech­chö­re: Die Tür­kei darf nicht in die EU rein, weil man so was näm­lich als EU-Land nicht macht, also auf Demon­stran­ten schie­ßen und der­glei­chen. Na gut, in Stutt­gart ist das viel­leicht erlaubt, aber doch nicht in der EU! (Ich neh­me an, ihr merkt selbst, wo das Pro­blem liegt.)

Sze­nen­wech­sel. Vor fünf Jah­ren gab Clau­dia Roth in einem Inter­view bekannt: „Tür­kei ist für mich zwei­te Hei­mat. Ich mache seit zwan­zig Jah­ren Tür­kei­po­li­tik (…).“ Und so ist es auch nur wenig erstaun­lich, dass sich die Grü­ne auch in eher unru­hi­gen Zei­ten in der Tür­kei auf­hält („[i]hr Gesicht ist Roth rot und geschwol­len“ – im Bun­des­tag kom­men­tiert das auch nie­mand) und hin­ter­her lamen­tiert:

„Das fühlt sich an, als wür­de man ver­gif­tet“, berich­tet Roth. „In einem gro­ßen Fest­saal in dem Hotel war eine Art Laza­rett, da waren vie­le Ärz­te und vie­le Ver­letz­te.“ Es sei klar gewe­sen, dass es sich um eine Ambu­lanz han­de­le. Den­noch habe die Poli­zei wei­ter Trä­nen­gas ver­sprüht. „In einer Kriegs­si­tua­ti­on wäre das ein Kriegs­ver­bre­chen“, sag­te Roth N24.

Ach, in der Tür­kei herrscht kein Krieg. Stimmt ja! Die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung defi­niert Krieg so:

Krieg bezeich­net einen orga­ni­sier­ten, mit Waf­fen gewalt­sam aus­ge­tra­ge­nen Kon­flikt zwi­schen Staa­ten bzw. zwi­schen sozia­len Grup­pen der Bevöl­ke­rung eines Staa­tes (…).

Stimmt; ist kein Krieg, die Demon­stran­ten haben ja kei­ne Waf­fen.

Und jetzt stellt euch vor, Clau­dia Roth wäre Bun­des­mi­ni­ste­rin. Beäng­sti­gend, nicht?

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXVII: Haupt­sa­che, Fern­se­hen geht.

Man soll­te mei­nen, in Grie­chen­land (das war das Land mit den Finanz­pro­ble­men aus den Nach­rich­ten, habt ihr viel­leicht mit­be­kom­men) gäbe es ernst­haf­te Pro­ble­me und Auf­stän­de. Und tat­säch­lich schwelt dort der Zorn der Wut­bür­ger und eska­liert gele­gent­lich:

Die Wut war groß, jetzt gibt Grie­chen­lands Regie­rungs­chef Sama­ras ein biss­chen nach. Der geschlos­se­ne Staats­sen­der ERT soll zumin­dest wie­der Nach­rich­ten­pro­gram­me sen­den.

Der Staat ist plei­te, die Jugend­ar­beits­lo­sig­keit erreicht unan­ge­neh­me Wer­te; aber Haupt­sa­che, die Glot­ze läuft. So muss das sein.

Und das eigent­lich Erschrecken­de ist: Auch in Deutsch­land wür­de es nicht kom­plett anders ver­lau­fen. Gebt dem Pöbel bil­li­ge Unter­hal­tung und er wird schwei­gen. Die Welt ist reif, sie will gepflückt wer­den.

Fotografie
Ampel­mann.

Ihr habt euch die­se Woche noch nicht für das Tun ande­rer Leu­te geschämt? Dann wird es Zeit.

Ein hei­ßer Anwär­ter auf den Fremd­schäm­grund der Woche ist die­ses pos­sier­li­che Ampel­männ­chen, das mir heu­te in einem gro­ßen Elek­tronik­fach­markt auf­fiel:

Ampelmann

Der Text unten auf der Ver­packung lau­tet „Inklu­si­ve Ampel­mann Song! Inklu­si­ve Ampel­mann Video!“ – bei­des selbst­ver­ständ­lich ohne Bin­de­strich.

Ampel­mann-Lied und ‑Video. Natür­lich.

In den NachrichtenNerdkrams
„Und plötz­lich merkt ihr, dass man sich an einem Mes­ser ja ver­let­zen kann.“

Viel­leicht hät­te man es ja wis­sen kön­nen. Schon 2011 erkann­ten auch eher lang­sa­me Medi­en wie SPIEGEL ONLINE, dass Richard Stall­man Recht hat, wenn er schreibt, dass die cloud vor allem Ent­eig­nung bedeu­tet.

Wer sei­ne Daten, wie öffent­lich und belang­los sie auch sein mögen, auf einen frem­den Ser­ver hoch­lädt, der gibt damit die Herr­schaft über die­se Daten ab. Wie kann ein Nut­zer der cloud prü­fen, was der Ser­ver­be­trei­ber mit den Daten anstellt? Aber es ist doch so prak­tisch, sein digi­ta­les Leben auf Goog­le und Face­book – nicht nur bei frem­den Anbie­tern, son­dern auch in einem frem­den Land – zu ver­tei­len, man hat ja nichts zu ver­ber­gen.

Und trotz­dem muss erst PRISM, ein Über­wa­chungs­sze­na­rio, das von Geheim­dien­sten schon seit Jah­ren – von der Öffent­lich­keit nicht wei­ter zur Kennt­nis genom­men und für Hirn­ge­spin­ste von Alu­hü­ten, also Daten­schüt­zern, gehal­ten – auch im Inland prak­ti­ziert wird, daher­kom­men, bis deut­sche Blog­ger aus allen Wol­ken (eben aus der cloud) fal­len:

Lan­ge war sich die Netz­wirt­schaft einig: Daten und Rechen­pro­zes­se sind in der Cloud am besten auf­ge­ho­ben. Doch im Lich­te der US-Inter­net­über­wa­chung erscheint das Kon­zept plötz­lich wie eine ziem­lich dum­me Idee.

Was die Wirt­schaft sagt, wird schon stim­men. Natür­lich kann man es auch über­le­ben, wenn man rus­si­sches Rou­lette spielt. Dass erst jemand auf die eine Kugel im Lauf hin­wei­sen muss, bevor die Mit­spie­ler mer­ken, dass da irgend­et­was gefähr­lich sein könn­te, ist aller­dings ein biss­chen bedenk­lich. Wie unfass­bar naiv seid ihr eigent­lich, ihr Mar­tin Wei­gerts und ihr Netz­wirt­schaft­ler die­ses Lan­des, dass ihr glaubt, der lächeln­de Mann im Anzug mit dem Geld­kof­fer, dem ihr zufäl­lig an der Bus­hal­te­stel­le begeg­net, sei ver­trau­ens­wür­dig genug, dass ihr ihm eure Pass­wör­ter und euer Leben anver­trau­en könnt, falls ihr bei­des mal ver­lo­ren haben soll­tet?

Ihr wer­det euch noch wün­schen, wir wären para­no­id gewe­sen.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt CLXVI: „War­um haben Sie sich dafür ent­schie­den, Aus­län­der zu sein?“

Supi-Fra­ge­stel­lung übri­gens, „Deutsch­land­stif­tung Inte­gra­ti­on“, die ihr da habt, wenn sich jemand bei euch für euer Sti­pen­di­en­pro­gramm „Geh‘ dei­nen Weg“ bewer­ben möch­te:

Erzäh­len Sie uns bit­te kurz (150 Wör­ter), war­um Sie einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund haben.

„Na ja, ich wur­de im Aus­land gebo­ren und mei­ne Fami­lie auch“ scheint als Anfor­de­rung nicht zu genü­gen. Viel­leicht wird eine Ant­wort wie die­se, die­se, die­se oder die­se erwar­tet.

Ich habe einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund, weil ich mir das so aus­ge­sucht habe. Er macht mich exo­tisch und somit inter­es­sant für Arbeit­ge­ber.

rotfl

(via @KatiKuersch)

Fotografie
„Was für ein Thea­ter!“

Die Thea­ter­schau­spie­ler in der nie­der­säch­si­schen Qua­si­me­tro­po­le Wol­fen­büt­tel haben ihren Wil­helm Tell genau stu­diert: Selbst­ver­ständ­lich ver­sucht die Titel­fi­gur in der Schlüs­sel­sze­ne sei­nem Sohn einen Apfel in den Kopf zu schie­ßen.

Was für ein Theater!

Klas­si­sche Schul­bil­dung braucht eben auch nie­mand mehr.

Montagsmusik
Ian Ander­son – Loco­mo­ti­ve Breath

Natür­lich könn­te das Leben auch ein­fach mal so funk­tio­nie­ren, wie man sich das vor­ge­stellt hat. Ein Haus mit Gar­ten und Frau und einskom­ma­noch­was Kin­dern wäre viel­leicht zu viel des Guten, so weit wol­len wir ja dann auch nicht gehen, aber die­ses gro­ße Stopp­schild da gefällt schon ästhe­tisch nicht.

Das Wort „Welt­schmerz“ ist ein deut­scher Export­schla­ger, und es näh­me mich nicht Wun­der, wür­de man uns dar­um auch noch benei­den. Zie­gen­mist.

Ian Ander­son. Loco­mo­ti­ve Breath live in Mála­ga 08.02.2013 HD 1080

Old Char­lie sto­le the hand­le,
and the train, it won’t stop going,
no way to slow down

Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXV: Steu­er­gel­der bei der Arbeit

Offen­sicht­lich genügt es der F.D.P. nicht mehr, im Kampf gegen Steu­er­erhö­hun­gen auf blo­ße Wor­te zu set­zen. Jetzt müs­sen Taten her:

In weni­gen Tagen läuft in den Kinos der deut­schen Lan­des­haupt­städ­te ein Spot der FDP-Frak­ti­on an. Die Libe­ra­len wol­len dar­in ihre poli­ti­schen Errun­gen­schaf­ten loben. Das Geld für den Spot stammt nach Infor­ma­tio­nen des SPIEGEL aus öffent­li­chen Kas­sen.

Seht ihr, ohne Steu­er­erhö­hun­gen wird es so etwas bald nicht mehr geben!

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Das kür­ze­ste Jahr­hun­dert der Welt.

Die mei­ste Jahr­hun­dert­flut aller Zei­ten rollt durch das deutsch­spra­chi­ge Inter­net (ich berich­te­te). Und weil der Umstand, dass Groß­städ­te seit Tagen meter­hoch unter Was­ser ste­hen, offen­bar ohne irgend­wel­che ‑lati­ve nicht gut genug ver­kauft wird, müs­sen eben Über­trei­bun­gen her­hal­ten.

Inso­fern kann man Deni­se Pei­kert von der FAZ zu ihrem Jahr­hun­dert­text nur beglück­wun­schen, bedarfs­wei­se beglei­tet von sar­ka­sti­schem Jahr­hun­der­tap­plaus:

Als 2002 schon ein­mal eine Jahr­hun­dert­flut durch Dres­den roll­te, stieg Seba­sti­an Kret­sch­mar in sei­ne Watt­ho­sen und zog los.

(Her­vor­he­bung von mir.)

Möge das Geläch­ter noch jahr­hun­der­te­lang nicht ver­klin­gen!

PolitikIn den Nachrichten
Schmal­hans des Tages: Ulf Homey­er, Jun­ge Uni­on Hes­sen

Die­ser Arti­kel ist Teil 7 von 18 der Serie Schmal­hans des Tages

Zu den unan­ge­neh­men Gewalt­ex­zes­sen anläss­lich der „Blockupy“-Proteste in – unter ande­rem – Frank­furt merkt die Jun­ge Uni­on Hes­sen – wer sonst? – an:

Beson­ders erschüt­tert sei man von der Wel­le der Soli­da­ri­sie­rung mit gewalt­tä­ti­gen Links­extre­men, die ver­mummt und bewaff­net zu einer ver­meint­lich fried­li­chen Demon­stra­ti­on gekom­men sei­en. „Nie­mand darf der Illu­si­on ver­fal­len, dass es sich dabei um fried­li­che Akti­vi­sten gehan­delt hat. Wer mit Far­be gefüll­te Glas­fla­schen auf Poli­zi­sten wirft, nimmt schwer­ste Ver­let­zun­gen in Kauf“, so der stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de Ulf Homey­er.

Waren es nicht die hes­si­schen Poli­zi­sten, die ver­mummt und bewaff­net zu einer ver­meint­lich fried­li­chen Demon­stra­ti­on gekom­men sind? Das sind also alles gewalt­be­rei­te Links­extre­me! Von denen soll­te man sich distan­zie­ren!

Die For­de­rung der Grü­nen Jugend Hes­sen nach einer Kenn­zeich­nung der Poli­zi­sten sei blan­ker Hohn. Man dür­fe nicht ver­ges­sen, dass bei dem Ein­satz am Wochen­en­de Poli­zi­sten zum Teil schwer ver­letzt wor­den sei­en – unter ande­rem wur­de ein Beam­ter mit einem Schrau­ben­zie­her ange­grif­fen und ver­letzt.

Die Ver­an­stal­ter spre­chen von meh­re­ren Hun­dert Ver­letz­ten, davon eini­ge bewusst­los. Die Poli­zei gibt an, dass 21 Poli­zi­sten ver­letzt wur­den. Kla­rer Fall: Hier haben sich eini­ge Hun­dert die­ser radi­ka­len Links­extre­mi­sten selbst Ver­let­zun­gen zuge­fügt, um das Anse­hen der ehr­ba­ren Poli­zei zu schmä­lern. Wo soll das nur hin­füh­ren?

„Wer gewalt­tä­ti­ge Links­extre­me in einer sol­chen Art und Wei­se in Schutz nimmt dis­qua­li­fi­ziert sich von jeg­li­cher poli­ti­schen Dis­kus­si­on“, so die JU Hes­sen, die sich seit jeher gegen jeg­li­chen Extre­mis­mus aus­spricht.

Die gewalt­tä­ti­gen Links­extre­men waren, wenn ich mich recht ent­sin­ne (sie­he oben), die hes­si­schen Poli­zi­sten, rich­tig? In Schutz nimmt die­se Gewalt­tä­ter der stell­ver­tre­ten­de Lan­des­vor­sit­zen­de Ulf Homey­er. Ich emp­feh­le die War­nung der Jun­gen Uni­on Hes­sen ernst zu neh­men und jede poli­ti­sche Dis­kus­si­on mit Ulf Homey­er künf­tig zu mei­den. Ein Idi­ot ist bekannt­lich in der Lage, eine Dis­kus­si­on auf sein Niveau her­ab­zu­zie­hen und dort auf­grund sei­ner Erfah­rung zu bril­lie­ren.

„Gewalt erzeugt Gegen­ge­walt, hat man dir das nicht erzählt?“
– Die Ärz­te – Schun­der-Song

Nerdkrams
Todo.txt und Org­mo­de: War­um kom­pli­ziert, wenn’s auch ein­fach geht?

Zu den Din­gen, die den durch­schnitt­li­chen Benut­zer meh­re­rer Com­pu­ter (etwa Lap­top und Smart­phone und Spiel-PC) trotz (oder wegen) all des Webzweinull­quat­sches immer noch zu über­for­dern schei­nen, gehört es offen­bar, eine Liste zu erle­di­gen­der Din­ge anzu­fer­ti­gen, die auf allen benutz­ten Syste­men glei­cher­ma­ßen zur Ver­fü­gung steht. Wie sonst ist es zu erklä­ren, dass immer wie­der neue Vari­an­ten des Kon­zepts „Liste von Din­gen mit Datums­an­ga­be“ als neu­es kom­men­des Ding ange­prie­sen wer­den?

All die Wun­der­lists, Tood­le­dos und Astrids haben jeden­falls eines gemein­sam: Sie machen es zu kom­pli­ziert.

Frü­her, bevor der Com­pu­ter Din­ge ver­kom­pli­zier­te, bestan­den sol­che Listen noch aus rei­nem Text, wich­ti­ge dead­lines wur­den gele­gent­lich auch in papier­nen Kalen­dern notiert. Beson­de­re Spei­cher­for­ma­te waren nicht not­wen­dig, auch kei­ne Dechif­frier­me­tho­den: Benö­tigt wur­den ledig­lich Lese- und Schreib­kennt­nis­se.

Im Jahr 2003 ent­stand mit dem org­mo­de ein erstaun­lich spä­ter Ver­such, die­ses ein­fa­che Kon­zept in digi­ta­ler Form nach­zu­bil­den. Die ent­ste­hen­den Datei­en ent­hal­ten Prio­ri­tä­ten, Datums­an­ga­ben und auch sonst aller­lei Infor­ma­tio­nen, die man für ein todo benö­ti­gen könn­te. Der essen­zi­el­le Vor­teil gegen­über oben genann­ten Alter­na­ti­ven: Die .org-Datei­en sind rei­ne Text­da­tei­en ohne beson­de­re For­mat­an­wei­sun­gen – sie las­sen sich in jedem Text­edi­tor feh­ler­los und ein­fach bear­bei­ten. Mit Mobi­le­Org gibt es auch eine Android-app inklu­si­ve einer Mög­lich­keit, die .org-Datei­en per Inter­net frei­zu­ge­ben, was für uns Mehr­ge­rä­te­nut­zer ein deut­li­ches Plus ist. (Ob die­se app ein wid­get zur schnel­len Über­sicht noch zu erle­di­gen­der Auf­ga­ben besitzt, weiß ich lei­der nicht.)

Doof am org­mo­de ist es, dass man mehr oder weni­ger an Emacs gebun­den ist. Eini­ge wei­te­re Text­edi­to­ren neben Emacs, der die Refe­renz­im­ple­men­tie­rung des org­mo­des bis heu­te beher­bergt, haben inzwi­schen auch Syn­tax­high­light­ing und wei­te­re Unter­stüt­zung für das org­mo­de-For­mat als Plug­in erhal­ten; stets aktu­ell ist jedoch nur die Ori­gi­nal­ver­si­on, Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten nicht aus­ge­schlos­sen. Außer­dem hat die Auf­tei­lung in meh­re­re Datei­en zwar struk­tu­rel­le Vor­tei­le, aber den Nach­teil, dass es kom­pli­zier­ter wird, alle Auf­ga­ben im Blick zu behal­ten.

Die von mir zur­zeit bevor­zug­te Alter­na­ti­ve ist Todo.txt. Die­ses For­mat folgt ähn­li­chen Ziel­set­zun­gen wie der org­mo­de, ist jedoch frei von den erwähn­ten Nach­tei­len: Zum Einen gibt es kei­nen Stan­dard­edi­tor für das For­mat (es ist nicht ein­mal ein offi­zi­el­les Plug­in vor­han­den), zum Ande­ren beschränkt sich das For­mat auf eine ein­zi­ge Datei (eben die Datei Todo.txt), was nicht nur die Über­sicht, son­dern auch das Syn­chro­ni­sie­ren erleich­tert. (Offi­zi­ell wird zur­zeit nur Drop­box unter­stützt, natür­lich funk­tio­niert aber auch jeder ande­re ähn­li­che cloud-Dienst.) Dafür ist es mög­lich, für jeden Ein­trag eine Prio­ri­tät, Anfangs- und End­da­tum, einen „Kon­text“ und ein „Pro­jekt“ fest­zu­le­gen. Es gilt: Jede Auf­ga­be ent­spricht einer Zei­le.

Ein Bei­spiel:

(A) 2013-06-04 Schreibe Artikel über Todo.txt +nichtblog @online

Die­se Zei­le besagt: Die höchst­prio­ri­sier­te („(A)“) Auf­ga­be – Teil des Pro­jekts „nicht­blog“ im Kon­text „online“ – wur­de am 4. Juni 2013 geplant. Hier­bei sind fast alle Anga­ben optio­nal – vali­de wäre also auch ein­fach:

Schreibe Artikel über todo.txt

Eine aus­führ­li­che For­mat­be­schrei­bung (eng­lisch­spra­chig) ist im Pro­jekt­wi­ki zu fin­den.

Es gibt diver­se Desk­tope­di­to­ren für Todo.txt, unter ande­rem für Win­dows und Linux. Eini­ge von ihnen sind auf der Pro­jekt­web­site ver­linkt. Ich mei­ner­seits benut­ze in der Regel den von mir bereits 2011 geprie­se­nen Edi­tor Sub­li­me Text für die­se Auf­ga­be – immer­hin han­delt es sich bekannt­lich um „nor­ma­le“ Text­da­tei­en. Um mir das trotz­dem ein biss­chen zu ver­ein­fa­chen, ent­wick­le ich gele­gent­lich ein Syn­tax-High­light­ing-Plug­in für Sub­li­me Text, das Farb­ko­die­run­gen für die ein­zel­nen Ele­men­te hin­zu­fügt.

Außer dem recht mäch­ti­gen Kom­man­do­zei­len­skript „Todo.txt CLI“ gibt es von der Ent­wick­le­rin auch eine mobi­le app für iOS und Android, die ein Drop­box­kon­to zwar zwin­gend vor­aus­setzt, aber alles Nöti­ge mit­bringt. Auch ein wid­get ist ver­füg­bar:

Todo.txt-Widget (Screenshot von Gina Trapani, lizenziert unter by-nc-sa)

Natür­lich ist das alles weni­ger cool als die umfang­reich gestal­te­te Hype-app der Wahl zu benut­zen. Anders­her­um betrach­tet aber: Todo.txt und .org-Datei­en wer­den noch ver­füg- und benutz­bar sein, wenn die klei­nen Unter­neh­men, die für die Alter­na­ti­ven ver­ant­wort­lich sind, längst nicht mehr exi­stie­ren.

Man kann es auch über­trei­ben mit dem ver­meint­li­chen Kom­fort.

In den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt CLXIV: „Wann kommt die Flut?“

Was macht eigent­lich Ange­la Mer­kel gera­de? Da Wahl­jahr ist, macht sie das mit der Volks­nä­he:

Bei ihrer Rei­se in die Hoch­was­ser­ge­bie­te hat Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel den geschä­dig­ten Men­schen Gel­der des Bun­des zuge­sagt.

Das Wort „Rei­se“ fin­de ich hier wie auch den „Besuch“ in der Über­schrift „Kanz­le­rin besucht über­flu­te­te Gebie­te“ sehr gelun­gen – Ange­la Mer­kel als Kata­stro­phen­tou­ri­stin? Dann fühlt sie sich in der „ehe­ma­li­gen“ DDR ja gleich dop­pelt zu Hau­se. (Im Fol­ge­satz ist von einer „Tour“ die Rede. Sport­lich!)

Mer­kel trug Wan­der­schu­he statt Gum­mi­stie­fel und ver­sprach den Men­schen schnel­le Hil­fe.

Natür­lich trug sie kei­ne Gum­mi­stie­fel, denn sie war ja auch nicht dort, um anzu­packen. Wäh­rend etwa Mit­glie­der der Pira­ten­par­tei Sand­säcke schlepp­ten, schwa­dro­nier­te die Kanz­le­rin vom Geld:

Der Bund wer­de 100 Mil­lio­nen Euro als Sofort­hil­fe für die betrof­fe­nen Regio­nen bereit­stel­len, sag­te Mer­kel am Mitt­woch in Pas­sau. (…) „Wenn die Mit­tel sehr schnell abflie­ßen, wer­den wir sicher noch mal bera­ten“, füg­te Mer­kel hin­zu.

Hehe, „abflie­ßen“. Hehe­he.

Par­don.

Pas­saus Ober­bür­ger­mei­ster Jür­gen Dup­per (SPD) dank­te der Kanz­le­rin für das „kla­re Signal“ (…).

Die Bür­ger arbei­ten schwer und ver­su­chen irgend­wie ihr Hab und Gut vor dem Total­ver­lust zu bewah­ren; die Kanz­le­rin trägt Wan­der­schu­he und schaut mal vor­bei. Auch ich als Wäh­ler dan­ke für das „kla­re Signal“.

Gern wie­der!

Musikkritik
Kurz­kri­tik: Mr Aver­ell – Grid­lock

Mr Averell - GridlockWas macht eigent­lich David Jack­son? Nun, seit sei­nem Aus­stieg bei Van der Graaf Gene­ra­tor vor eini­gen Jah­ren blieb der Stil prä­gen­de Saxo­pho­nist nicht musi­ka­lisch untä­tig und tat sich mit ver­schie­de­nen ande­ren Künst­lern zusam­men. Einer die­ser Künst­ler ist René van Com­me­née, ein nie­der­län­di­scher Künst­ler, der gele­gent­lich auch was mit Musik macht. Sein neue­stes Pro­jekt, eher lie­d­ori­en­tiert, heißt Mr Aver­ell (offen­bar ohne den Punkt). Ich hab’s mir mal ange­hört.

Dass das Album mit der Geräusch­col­la­ge „Lock“ beginnt, ist zwar ein viel ver­spre­chen­der Anfang, lei­der fällt das Niveau schnell. Der Gesang Herrn van Com­me­nées erin­nert an Joe Cocker, Tom Waits und den spä­ten Bob Dylan, jedoch deut­lich jün­ger. So klingt „Break the mir­ror“ auch eher nach einem See­manns­lied als nach einer Avant­gar­de­kom­po­si­ti­on. Gele­gent­lich dür­fen aber auch ande­re Per­so­nen ans Mikro­fon, im fol­gen­den „Kiss the girl!“ zum Bei­spiel die mir bis­lang unbe­kann­te Lene Lovich. David Jack­son steu­ert Dop­pel­horn­spiel dazu bei, neben ihm sind auf dem Album auch Hugh Ban­ton (Orgel), Stuart Gor­don (Gei­ge, Elek­tro­nik), John Ellis (diver­se Sai­ten­in­stru­men­te) und Judge Smith (Eupho­ni­um) zu hören, alle­samt aus ver­schie­de­nen Inkar­na­tio­nen von Van der Graaf Gene­ra­tor bekannt. „Kiss the girl!“ klingt ent­spre­chend wie eine sehr fröh­li­che, bei­na­he dem Pop zuge­hö­ri­ge Tanz­ver­si­on von Van der Graaf Gene­ra­tor. (War­um wird so etwas eigent­lich nie als Sin­gle ver­öf­fent­licht?)

Wei­te Strecken von „Grid­lock“ wer­den von René van Com­me­nées Akkor­de­on (See­manns­lie­der – da sind sie wie­der) domi­niert. Das klingt nur ober­fläch­lich lang­wei­lig. Immer wie­der wird der Hörer davor bewahrt, ein­zu­schla­fen, etwa mit dem belu­sti­gen­den, plötz­li­chen Refrain von „Boxes“. René van Com­me­née kann aber auch den Ham­mill: Der schon vom Titel her ham­mil­les­que „The fear of dre­a­ming (For Mari­jke)“ könn­te eben­so wie das drei­zehn­se­kün­di­ge „100 pres­ents“ von des­sen Solo­wer­ken stam­men. Fröh­li­cher wird’s dann wie­der im Titel­stück („Grid­lock“), in dem wie­der­um Lene Lovich Herrn van Com­me­nées Duett­part­ne­rin ist, und auch das abschlie­ßen­de „Rideehoo!!“ ist wohl fröh­lich gemeint, klingt aber eher nach einer Mischung aus Kir­mes- und Coun­try­mu­sik.

Wer sich von der illu­stren Gäste­li­ste hat täu­schen las­sen, der sei vor „Grid­lock“ gewarnt. Für ein RIO-Album ist es zu lie­d­ori­en­tiert, einem VdGG-Anhän­ger dürf­te es deut­lich an Span­nung feh­len. Licht­blicke sind die sel­te­nen star­ken Momen­te von David Jack­son eben­so wie die Duet­te mit Lene Lovich, eine Frau, zu der ich wahr­schein­lich auch mal Genaue­res erle­sen soll­te; lei­der gibt es zu weni­ge von die­sen.

Die Musik­pres­se fin­det „Grid­lock“ ziem­lich klas­se. Aber was kann man von denen auch erwar­ten?