In den NachrichtenMontagsmusik
June of 44 – Cut Your Face

Och!Es ist Mon­tag. Es könn­te schlim­mer sein, man könn­te in Mag­de­burg woh­nen; aber sein Leben hat man trotz­dem nicht im Griff. Der lau­fen­de Frie­dens­pro­zess wird zur­zeit durch hef­ti­ge Kampf­hand­lun­gen gestört und genau so fühlt es sich auch an, wie hef­ti­ge Kampf­hand­lun­gen mit sich selbst, wohl wis­send, dass man das han­di­cap hat, bei einem Kampf mit sich selbst grund­sätz­lich als Ver­lie­rer her­vor­zu­ge­hen.

Allein: auch Män­ner haben Gefüh­le (es sind, glaubt man Farin Urlaub, unge­fähr drei). Man­che füh­ren sogar eine lang­jäh­ri­ge Bezie­hung mit einer Karot­te:

Dass es dann zu einer beson­de­ren Bezie­hung zwi­schen die­ser Plüsch­möh­re und mir kam, lag vor allem an mei­ner dama­li­gen Freun­din. (…) Ich moch­te es, Dör­te anzu­schau­en. Und da es gera­de die Zeit der ersten Digi­tal­ka­me­ras war und ich viel über­schüs­si­ge Ener­gie in expe­ri­men­tel­le Foto­gra­fie inve­stier­te, hat­te ich den Wunsch, mei­ne Freun­din an unter­schied­li­chen Orten zu foto­gra­fie­ren. (…) Auf Unver­ständ­nis folg­te Streit, dann Wut, dann Trotz, dann mei­ne Möh­re. Statt Dör­te foto­gra­fier­te ich fort­an nur noch mein Lieb­lings­ge­mü­se.

Apro­pos Din­ge, die eine Tugend sind: Die diesmo­na­ti­ge „JOY“ emp­fiehlt 26 „Moves & Posen“ (sic!), die eine Frau anwen­den soll, wenn sie beim Bum­sen sexy aus­se­hen will. Es wird Früh­ling. Merkt ihr’s? Ita­lie­ni­sche Poli­zi­sten ver­tei­di­gen sich als Piz­za­bo­ten, Mam­ma mia, der Witz über Res­sen­ti­ments schreibt sich ja fast von allein.

Aber es ist Mon­tag. Das ist nicht wit­zig. Das ist eher so.

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 15. April 2016

Es war gera­de­zu skan­da­lös:

Beim dies­jäh­ri­gen Linz-Mara­thon, der am Wochen­en­de über die Büh­ne ging, sorg­ten über­mo­ti­vier­te Eltern für ein empö­ren­des Bild: Es zeigt, wie sie ihre heu­len­den Kin­der an den Hän­den über die Ziel­li­nie zerr­ten.

Aber kei­ne Sor­ge – die Eltern haben dar­aus gelernt:

Die Eltern, die ihre wei­nen­den Kin­der beim Lin­zer Juni­or-Mara­thon ins Ziel gezerrt hat­ten, über­rasch­ten sie jetzt mit einem Aus­flug ins Dis­ney­land Paris als Wie­der­gut­ma­chung. Vor Ort ent­brann­te jedoch ein Kon­kur­renz­kampf unter den Eltern. Sie zerr­ten ihre wei­nen­den Kin­der stun­den­lang durch das Dis­ney­land, um vor den ande­ren fer­tig zu sein.

(Rant­no­tiz, absicht­lich mit „t“ geschrie­ben: Eltern, die ihr Kind an sei­nen Lei­stun­gen mes­sen und ihm bei bes­se­ren oder schlech­te­ren Sport­er­geb­nis­sen, Schul­no­ten oder Model­plat­zie­run­gen mehr oder weni­ger Zunei­gung und Für­sor­ge ent­ge­gen­brin­gen, haben es nicht ver­dient, Eltern genannt zu wer­den. Das Kind als Tro­phäe auf­zu­zie­hen, weil man in sei­nem eige­nen Leben jäm­mer­lich beim Ver­such ver­sagt hat, stolz auf sich selbst sein zu kön­nen, ist einer der erbärm­lich­sten Trie­be, die die heu­ti­ge Gesell­schaft noch nicht gene­rell zu einer Äch­tung des Ver­sa­gen­den ver­lei­ten.)


Aus der belieb­ten Rei­he „ich ernäh­re mich vegan, denn vegan ist gesund“:

Das „Veganz Hanf­pro­te­in-Pul­ver Roh­kost­qua­li­tät“ ent­hal­te so viel Del­ta-9-Tetra­hy­dro­can­na­bi­nol (THC), dass bei Klein­kin­dern die maxi­mal emp­foh­le­ne täg­li­che Auf­nah­me über­schrit­ten wer­den kön­ne[.]

Die „Ernaeh­rungs Umschau“ (sic!) rät in ihrer aktu­el­len Aus­ga­be ja prin­zi­pi­ell dazu, dass Vega­ner ihre Man­gel­er­näh­rung gele­gent­lich mal über­prü­fen las­sen. Womög­lich soll­te außer­dem ein Dro­gen­be­ra­ter anwe­send sein.


Pro­blem: Debi­an Linux lie­fert zu alte Soft­ware aus. Die offen­sicht­li­che Lösung: Den ner­vi­gen Hin­weis dar­auf, dass es eine neue­re Ver­si­on gibt, ein­fach ent­fer­nen.


Als ich mich unlängst über Raser auf­reg­te, hat­te ich gar nicht bedacht, dass es für Leu­te, die wie Arsch­lö­cher fah­ren, auch freund­li­che­re Begrif­fe geben könn­te. „SPIEGEL ONLINE“ schlägt „Tem­po­sün­der“ vor, denn wenn jemand irgend­wen tot­fährt, weil er zum Bei­spiel in einer ver­kehrs­be­ru­hig­ten Zone drin­gend auf’s Gas tre­ten muss­te, dann rei­chen vier Vater­un­sers und sie­ben Ave­ma­ri­as und dann ist alles wie­der in bester Ord­nung, denn im Gegen­satz zu einer aso­zia­len Straf­tat ver­zeiht der lie­be Kreuz­fah­rer­gott klei­ne Sün­den sofort. Lobet den Herrn.

PolitikNetzfundstücke
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: War­um Jakob Aug­stein nicht wäh­len darf.

Kennt ihr eigent­lich Jakob Aug­stein?

Jakob Aug­stein ist, weiß die Autoren­in­for­ma­ti­ons­spal­te auf „SPIEGEL ONLINE“, der­zeit Ver­le­ger der Wochen­zei­tung „Der Frei­tag“, über die man gemäß jener Spal­te nichts Inhalt­li­ches wis­sen muss, aber wenig­stens sehe sie gut aus:

Die Gestal­tung des Lay­outs vom „Frei­tag“ wur­de bereits viel­fach aus­ge­zeich­net, unter ande­rem durch den Art Direc­tors Club, die Lead Awards, den Euro­pean News­pa­per Award und die Socie­ty for News Design.

Wenn Jakob Aug­stein nicht gera­de Zei­tun­gen ver­legt, deren ein­zig nen­nens­wer­te Eigen­schaft ihr Aus­se­hen ist, schreibt er „SPIEGEL ONLINE“ mit fürch­ter­li­chen Kolum­nen voll, in denen er käsi­ge Den­k­un­fäl­le wie die­sen hier ver­ur­sacht und dann Fah­rer­flucht begeht:

Sol­len die Men­schen an den poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen mehr betei­ligt wer­den? Bloß nicht. (…) Es betei­ligt sich eben nicht „das Volk“ – son­dern nur ein bestimm­ter Aus­schnitt, vor allem die Gebil­de­ten und die Män­ner.

Jakob Aug­stein fühlt sich von poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen aus­ge­schlos­sen und erklärt die Demo­kra­tie für geschei­tert, weil nur Gebil­de­te und Män­ner sich an demo­kra­ti­schen Wah­len betei­lig­ten – dass jemand wie er selbst sich da nur unzu­rei­chend ver­tre­ten fühlt, liegt nur all­zu offen­sicht­lich auf der Hand.

Wir brau­chen ein beson­de­res Wahl­recht für Doo­fe, damit auch Jakob Aug­stein eine Stim­me bekommt. Inklu­si­on ist das Gebot der Stun­de.

Spaß mit Spam
Kurz­spam: Blit­zer­war­ner Aus­ver­kauf – spa­re viel

Unter obi­gem Betreff erreich­te mich soeben eine Wer­be­mail für (ver­mut­lich) irgend­ein Dings­da, das wie auch die lächer­li­chen „Flit­zer­blit­zer“ im unnö­ti­gen Radio vor Geschwin­dig­keits­kon­trol­len war­nen soll.

Völ­lig unent­gelt­lich möch­te ich hier­mit den Spam­mern und Radio­ma­chern das küm­mer­li­che Geschäft kaputt­ma­chen, indem ich einen völ­lig kosten­lo­sen Geheim­tipp mit euch tei­le, der euch alle wei­te­ren Pro­ble­me mit sol­chen Kon­trol­len erspart:

Fahrt nicht wie ein Arsch­loch!

Bit­te­schön.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
The Raveo­net­tes – Aly, Walk With Me

Was, Montag?!„Natur hat die Nei­gung zum Plu­ral, nur Stei­nen ist der Plu­ral egal.“
– Foy­er des Arts: Zwei Refrains


Es ist – hur­ra! – Mon­tag. Wäh­rend Mit­glie­der der offen­bar von allen guten Gei­stern ver­las­se­nen Ber­li­ner „Lin­ken“, deren maß­geb­li­che Kar­rie­re­qua­li­fi­ka­ti­on es bis­her war, mehr oder weni­ger feh­ler­frei frem­de Tex­te vor­zu­le­sen, ver­ge­bens ver­su­chen, ihr haupt­säch­li­ches Feind­bild per Akkla­ma­ti­on zu ver­wirk­li­chen, hat man nicht ein­mal mehr die Muße, um sich anstän­dig dar­über zu echauf­fie­ren, weil man ja schon immer wuss­te, was ande­re nun schmerz­voll erfah­ren müs­sen, und der­weil ganz ande­re Sor­gen sich mani­fe­stie­ren, nament­lich die Ent­beh­rung (mein­ten Sie: Ent­bä­rung?), die selbst ein Wochen­en­de hin­ter Schlei­er legt. Das muss nicht so, das ist kaputt.

Klin­ge­ling, ding­dong, die Nach­rich­ten. Ein Flücht­lings­heim brennt, ein Syrer war’s. Man hat es auch nicht leicht als Neo­na­zi heut­zu­ta­ge, die­se Flücht­lin­ge neh­men einem sogar die Hob­bys weg. Zu dem unlu­sti­gen Kas­per Jan Böh­mer­mann, den irgend­wie gut zu fin­den selbst mir zu doof wäre, bleibt, übri­gens, an die­ser Stel­le zur Abwechs­lung mal Ser­dar Somun­cu zu zitie­ren: „Wir reden nicht über Geschmack.“ – Das wäre im deut­schen Fern­se­hen auch ein sehr kur­zes Gespräch.

Und sonst so? In Chi­na gibt es flausch­be­fell­te Pan­da­bä­ren, in Japan gibt es Igel­ku­scheln für acht Euro. Asi­at müss­te man sein, aber Betrübt ist ja auch ganz schön. Viel­leicht soll­te sich statt der omi­nö­sen free hugs ein­mal das Kon­zept der paid hugs durch­set­zen; oder über­haupt: hugs.

Aly, walk with me in my dreams all through the night.

The Raveo­net­tes – Aly, Walk With Me (Live on KEXP)

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Hei­li­ge Hand­gra­na­te

Und dann guckt man ins Web und liest aus Ver­se­hen:

Hei­li­ge Hand­gra­na­ten auch HHG genannt kön­nen laut Lek­tü­re zum ent­stö­ren von Elek­tro­smog, Erd­strah­len wie Was­ser­adern und Mobil­funk­strah­len ein­ge­setzt wer­den.
HHGs sind viel­sei­tig ein­ge­setz­bar schaf­fen ein homo­ge­nes Ener­gie­feld, wel­ches sich posi­tiv Mensch und Tier aus­wir­ken kann.

:irre:

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenparteiMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 7. April 2016

Immer die­se pro­ame­ri­ka­ni­schen Propagandistensender!!1

Euro­zen­tri­stisch mit einem star­ken Hang zu US-lie­be­die­ne­ri­scher Dar­stel­lung, regie­rungs­fromm mit Blick auf Ber­lin, anti­rus­sisch und anti­chi­ne­sisch, igno­rant gegen­über geo­po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen, unvoll­stän­dig und ten­den­zi­ös in ihren Bil­dern aus Latein­ame­ri­ka, noch defi­zi­tä­rer hin­sicht­lich aller Afri­ka betref­fen­den Nach­rich­ten, agi­ta­to­risch, pro­pa­gan­di­stisch und des­in­for­ma­tiv.

Ein Skan­dal ist es eben nur, wenn der Iwan die Schuld trägt.


In Japan haben Tau­sen­de von Men­schen am Sonn­tag beim all­jähr­li­chen Kana­ma­ra Mats­u­ri («Festi­val des metal­le­nen Phal­lus») dem männ­li­chen Glied gehul­digt.


Lei­stung muss sich wie­der loh­nen: Die F.D.P. hat einen eige­nen Dienst­lei­ster zum Twit­tern.


Apro­pos F.D.P.: Ein paar Daten­wis­sen­schaft­ler haben das Pro­gramm der AfD ana­ly­siert und dabei zum Einen fest­ge­stellt, dass die Par­tei weni­ger rechts ist als CDU und F.D.P., zum Ande­ren, dass „der Algo­rith­mus bei­spiels­wei­se bei der SPD gar kei­ne ein­deu­ti­ge Aus­sa­ge“ erkennt. Aus wis­sen­schaft­li­cher Sicht kann die SPD also gar nicht umfal­len, weil sie gar kei­ne The­men besetzt.


Lustig: Die Uni­ver­si­tät Mar­burg hält Gen­der Stu­dies für eine ernst­haf­te Wis­sen­schaft, die es zu ver­tei­di­gen gilt, die Pira­ten­par­tei Mar­burg fasst sich an die Stirn.


Schö­ne, neue Welt: Es gibt jetzt Sex­si­mu­la­to­ren.

Spaß mit Spam
Mit Bit­te um Prü­fung: Cos­mos­Di­rekts höf­li­che Auf­trags­spam­mer von der online­facts UG

Gele­gent­lich habe ich an die­ser Stel­le schon etwas zu den The­men Alko­hol und Jugend geschrie­ben. Über wel­chen der Bei­trä­ge der Herr von der online­facts UG aus Mün­chen letzt­lich gestol­pert sein mag, als er beschloss, mich über eine „Initia­ti­ve“ der offen­sicht­lich sehr ver­zwei­fel­ten Cos­mos­Di­rekt-Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zu infor­mie­ren, lässt sich lei­der nicht so genau rekon­stru­ie­ren; unter dem Betreff „Bit­te um Prü­fung“ erhielt ich heu­te jeden­falls fol­gen­de E‑Mail:

Sehr geehr­ter Herr (Name aus dem DENIC-Whois, A.d.V.),

auf Ihrer Web­sei­te tuxproject.de betrei­ben Sie eine hilf­rei­che Link­li­ste:

https://tuxproject.de/blog/2013/04/kurz-verlinkt-clvi-zweimal-tammtamm/

Da Sie von dort aus auf infor­ma­ti­ve Sei­ten ver­wei­sen, möch­te ich Ihnen die Initia­ti­ve „Don’t Drink and Dri­ve – Gegen Alko­hol am Steu­er“, die unse­re Exper­ten-Redak­ti­on gemein­sam mit pro­mi­nen­ten Bot­schaf­tern aus dem Fern­se­hen rea­li­siert hat, vor­stel­len.

Schau­en Sie doch gern ein­mal vor­bei: (Spam­link her­aus­re­di­giert, A.d.V.)

Es sind beein­drucken­de Zah­len, mit denen wir vor allem jun­ge Fah­rer dazu auf­for­dern die Fin­ger von Alko­hol im Stra­ßen­ver­kehr zu las­sen:

• pro Minu­te sind schät­zungs­wei­se 170 Auto­fah­rer alko­ho­li­siert auf deut­schen Stra­ßen unter­wegs

• 35,3 Pro­zent der ins­ge­samt 455 von uns befrag­ten Fahr­schu­len berich­ten von Vor­fäl­len mit Fahr­schü­lern, die alko­ho­li­siert eine Fahr­stun­de antre­ten woll­ten

Unse­re Initia­ti­ve ist selbst­ver­ständ­lich wer­be­frei und der­zeit infor­mie­ren sich bis zu 15.000 Leser pro Tag auf unse­rer Sei­te.

Wir wür­den uns freu­en, wenn auch Sie Ihren Lesern mit unse­rer Initia­ti­ve eine wei­te­re infor­ma­ti­ve Quel­le anbie­ten und uns zu Ihrer Link­li­ste hin­zu­fü­gen möch­ten. Falls Sie einen Ban­ner benö­ti­gen, fin­den Sie die­sen im Anhang.

Mit freund­li­chen Grü­ßen
Mar­tin Röm­hild

online­facts UG (haf­tungs­be­schränkt)
Paul-Heyse-Stra­ße 27
80336 Mün­chen

Die Kam­pa­gne, deren Link ich oben aus dra­ma­tur­gi­schen Grün­den (und um Spam nicht unnö­tig zu beloh­nen; ver­we­ge­ne Leser mögen eine Such­ma­schi­ne ihrer Wahl bemü­hen) nicht ste­hen ließ, befin­det sich unter­halb der Domain cosmosdirekt.de, es han­delt sich hier somit trotz des Spam­mers Fir­mie­rung unter „online­facts UG“ um Auf­trags­spam im Namen eines bis­her wohl fälsch­li­cher­wei­se für mehr oder weni­ger seri­ös gehal­te­nen Ver­si­che­rungs­kon­zerns.

Wäh­rend ich im All­ge­mei­nen durch­aus ange­tan davon bin, dass sich Ver­si­che­run­gen ganz unei­gen­nüt­zig für weni­ger Leicht­sinn im Stra­ßen­ver­kehr ein­set­zen, bin ich von der E‑Mail alles ande­re als begei­stert.

Schön ist, dass man sich zumin­dest die Mühe gemacht hat, sich wenig­stens ansatz­wei­se mit der Web­site, auf der man gern bewor­ben wer­den möch­te, zu beschäf­ti­gen: Es han­delt sich um einen Blog mit Lesern und hin und wie­der tau­chen auch Links auf. Ein auto­ma­tisch aus­ge­le­se­nes Domain-Whois sorgt zumin­dest für eine eini­ger­ma­ßen gesit­te­te Anre­de. So weit das Posi­ti­ve an der E‑Mail.

Nicht so schön ist, dass man sich im Hau­se „online­facts UG“ und somit auch bei denen, die sie um Wer­be­ver­mitt­lung bit­ten, um Anstand und Geset­ze allem Anschein nach nicht schert. Die ange­nom­me­ne Her­lei­tung „hat eine Web­site, betreibt also sicher irgend­wel­che bunt zusam­men­ge­wür­fel­ten Link­li­sten, in die wir super rein­pas­sen“ lädt der­ma­ßen wenig dazu ein, der Fir­ma „online­facts UG“ eine wenig­stens grund­le­gen­de Ahnung von die­sem „online“ zu atte­stie­ren, das sie fak­tisch in ihrem Namen trägt, dass ich tat­säch­lich mal kurz nach­gucken muss­te, was die­se Fir­ma eigent­lich macht (Vor­sicht: Ver­weis geht auf die Web­site von „online­facts“!):

Die online­facts Unter­neh­mer­ge­sell­schaft mit Sitz in der Münch­ner Innen­stadt ist ein Zusam­men­schluss unab­hän­gi­ger Redak­teu­re aus ganz Deutsch­land, die Ver­brau­cher in den Medi­en auf­klä­ren. Mit unse­ren Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen schaf­fen wir Klar­heit und arbei­ten dafür mit nam­haf­ten Exper­ten und Pro­mi­nen­ten zusam­men.

Zu den „pro­mi­nen­ten Bot­schaf­tern“, die Herr Röm­hild – übri­gens einer der bei­den Geschäfts­füh­rer der „online­facts UG“ – im Zusam­men­hang mit der Cos­mos­Di­rekt-Kam­pa­gne anpries, zäh­len übri­gens Licht­ge­stal­ten wie Dani­el Küb­lböck (!), Ricky Har­ris (!), Indi­ra Weis (!) und Nina Ruge (!), die alle­samt ein „State­ment“ (ebd.) zu der bewe­gen­den Fra­ge, ob man – spoi­ler: Nein! – besof­fen ein Kraft­fahr­zeug füh­ren soll­te, abge­ge­ben haben. Wenn ihr gera­de nicht so genau wisst, wer das alles ist, schlagt es bes­ser nicht nach oder ach­tet vor­her dar­auf, dass ihr kein Getränk im Mund habt.

Wie konn­te die „online­facts UG“ trotz­dem so bekannt wer­den? Nun, ihre Web­site gibt dazu Aus­kunft:

Bekannt aus dem Sondermüll

Soso.

Aber kom­men wir noch mal kurz auf die per se lobens­wer­te Kam­pa­gne „Don’t Drink and Dri­ve“ – natür­lich im Ori­gi­nal mit gera­dem statt typo­gra­fisch kor­rek­tem Apo­stroph, weil eine deutsch­spra­chi­ge Web­site gefäl­ligst irgend­wie eng­lisch zu hei­ßen hat, sonst klickt ja kei­ner drauf, wäh­rend natür­lich jeder Hans­franz, mich ein­ge­schlos­sen, dau­ernd auf irgend­wel­chen Spam­links rum­klickt – zurück. Herr Röm­hild führ­te aus:

Unse­re Initia­ti­ve ist selbst­ver­ständ­lich wer­be­frei[.]

Gucken wir doch mal in die­se wer­be­freie Web­site hin­ein. Zwar wur­de eine Mög­lich­keit ein­ge­bun­den, die Kam­pa­gne statt per Spam­mail auch via „sozia­lem Netz­werk“ zu ver­tei­len, aller­dings han­delt es sich um die weit­ge­hend unbe­denk­li­che „Zwei-Klick-Lösung“, die erst nach aus­drück­li­cher Geneh­mi­gung Daten aus­horcht:

Zweiklickspam

Aber halt – was bemän­gelt jetzt uMa­trix? Herr Röm­hild hat doch nicht etwa gelo­gen? Da gucken wir doch noch mal genau­er hin:

<script src="https://t13.intelliad.de/cl/5343834333236323131303.js" data-phase="app-preprocess"></script>

Ich hal­te die Kom­bi­na­ti­on aus „Intel­li-“ und „Ad“, also „intel­li­gen­te Wer­bung“, ja für ein Oxy­mo­ron, aber ich bin auch eher tech­nik- als wirt­schafts­be­gei­stert; jeden­falls: damit nicht genug!

<script>
$(function(){var a=Math.random()+"";var a=a*10000000000000;$("body").append('<iframe src="//fls.doubleclick.net/activityi;src=1002335;type=2016;cat=fahrafaq;ord='+a+'?" width="1" height="1" frameborder="0" style="display:none!important;"></iframe>')});
</script>
<noscript><iframe src="//fls.doubleclick.net/activityi;src=1002335;type=2016;cat=fahrafaq;ord=1?" width=1 height=1 frameborder=0 style="display:none!important;"></iframe></noscript>

Natür­lich: display:none!important, Vali­di­tät ist sooo 90er und mehr Mühe sind wir dem nutz­lo­sen Wer­ber­pack eben nicht wert. Nun kann es gut sein, dass der für die­se Kam­pa­gne ver­ant­wort­li­che – lei­der nicht: zur Ver­ant­wor­tung gezo­ge­ne – Pixel­schub­ser hier ein­fach nur Code hin­ein­ko­piert hat, den ihm der Wer­be­ver­mark­ter Dou­ble­Click emp­foh­len hat, was die Sache jedoch nicht bes­ser macht. (Was ver­dient eigent­lich so ein Geschäfts­füh­rer bei der „online­facts UG“, also finan­zi­ell, nicht mora­lisch?) Der Name „Dou­ble­Click“ soll­te euch übri­gens bekannt vor­kom­men, denn das ist der Name, unter dem das Unter­neh­men Goog­le Inc. seit eini­gen Jah­ren bedau­er­lich erfolg­reich Online­mar­ke­ting betreibt und es damit schon zu trau­ri­ger Berühmt­heit gebracht hat:

Dou­ble­click will let adver­ti­sers con­trol how often an ad is shown to a brow­ser, how long it is shown for and how often it will appear. (…) For exam­p­le, if you are on a news web­site and you visit the sports pages, then adverts for match tickets may be more rele­vant than make­up. This infor­ma­ti­on belongs to the web­site owner only. (…) Becau­se it records your IP address, Dou­ble­click can also make a good guess of your coun­try and town/city, too.

Besu­che ich also die selbst­ver­ständ­lich wer­be­freie Web­site besag­ter „Initia­ti­ve“, so lässt die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Cos­mos­Di­rekt ohne mei­ne Zustim­mung die Berufs­spam­mer­ab­tei­lung des US-ame­ri­ka­ni­schen Unter­neh­mens Goog­le wis­sen, wo ich unge­fähr woh­ne und dass ich mich für Alko­hol am Steu­er inter­es­sie­re. Oder für Dani­el Küb­lböck.

:zensur:

Die DENIC weist übri­gens dar­auf hin, dass die Nut­zung der Doma­in­da­ten „zu Wer­be- oder ähn­li­chen Zwecken“ einen Ver­stoß gegen die Nut­zungs­be­din­gun­gen dar­stellt. Da der Mail­ver­fas­ser die von ihm als für sei­ne Zwecke fälsch­li­cher­wei­se als pas­send erkann­te Web­site zwei­fels­frei nicht ein­mal auf­ge­ru­fen hat, so dass die Aus­re­de, die Anre­de könn­te auch aus dem Impres­sum stam­men, hier nur schwer­lich mög­lich ist, haben wir es hier also nicht nur mit ein­fa­cher Spam (also mit dem Ver­dacht einer kri­mi­nel­len Hand­lung, cf. § 7 UWG) zu tun, son­dern über­dies mit der mut­maß­li­chen Erschlei­chung von Dienst­lei­stun­gen. Wirk­lich beein­drucken­de Geschäfts­prak­ti­ken unter­stützt die Cos­mos­Di­rekt AG da.

Der Bit­te um Prü­fung des Anlie­gens und anschlie­ßen­de Infor­ma­ti­on mei­ner Leser hof­fe ich hier­mit hin­rei­chend ent­spro­chen zu haben. War mir ein Ver­gnü­gen!

NetzfundstückeMontagsmusik
Ben Levin Group – Freak Machi­ne

Erst mal aufräumenMon­tag. Ich mei­ne: MONTAG! Das Wochen­en­de, so san­gen die Wise Guys einst, war mal wie­der süß und zart, mon­tags gibt es dafür einen Tritt mit Anlauf; und den hat man dann auch noch ver­dient. Wenig­stens hält sich das brül­len­de gel­be Biest am Him­mel wenig­stens heu­te vor­nehm zurück.

Und trotz­dem fehlst du mir.
Die Ärz­te: Som­mer, Pal­men, Son­nen­schein

Es gibt aber auch nicht mehr viel zu lachen auf der Welt. Schon wie­der nah­men aus­ge­rech­net die­je­ni­gen Leu­te am dies­jäh­ri­gen 1. April teil, die bis­her nicht mit ihrer her­aus­ra­gen­den Wit­zig­keit auf­fie­len. Es ist also bemer­kens­wert, dass der wohl amü­san­te­ste April­scherz die­ses Jah­res von Comic­zeich­nern stammt, die sich einen gemein­sa­men Witz aus­ge­dacht haben, des­sen Poin­te es ist, dass er nicht mal beson­ders lustig ist. Das trifft mei­nen Humor vor­züg­lich.

Viel­leicht soll­ten wir ein­fach alle durch­dre­hen.

Freak Machi­ne Music Video – Ben Levin Group

Guten Mor­gen.

Sonstiges
Medi­en­kri­tik XCVII: Knack­po, aber schnell!

Von den „effek­tiv­sten Tricks der Stars“ zum Errei­chen eines „Knack­pos“ – aber schnell! – berich­tet die noch aktu­el­le „JOY“ (Aus­ga­be „April 2016“), wo’s für effi­zi­en­te Tricks schon nicht reicht, eben­so wie von „50 Beau­ty-Blitz­tricks für unter­wegs“. Die wis­sen eben, wie sie mich zum Kauf ver­füh­ren, wenn schon des Maga­zins unge­fähr sie­ben­und­drei­ßig­stes Jes­si­ca-Alba-Cover­bild nicht reicht.

JOY April 2016

Gucken wir doch mal rein.

‘Medi­en­kri­tik XCVII: Knack­po, aber schnell!’ wei­ter­le­sen »

In den NachrichtenNerdkrams
War­um „Ubun­tu für Win­dows“ den plötz­li­chen Jubel nicht ver­dient

Nun, da die erste gro­ße Wel­le der Begei­ste­rung abge­flacht ist und die bei­den ver­fein­de­ten Lager sich nach Aber­tau­sen­den von Kom­men­ta­ren erschöpft zurück­ge­zo­gen haben, um neue Kraft für das wei­te­re Gesche­hen zu sam­meln, möch­te ich die­se Mel­dung an die­ser Stel­le auch nicht unkom­men­tiert las­sen:

Micro­soft hat ein Linux-Sub­sy­stem für Win­dows 10 ent­wickelt, mit dem sich Linux-Pro­gram­me für die Kom­man­do­zei­le direkt unter Win­dows aus­füh­ren las­sen.

Was einen „Jour­na­li­sten“ von „hei­se online“ gera­de­zu vor Begei­ste­rung auf die Tasta­tur spei­cheln lässt, ist für erfah­re­ne Com­pu­ter­nut­zer ein alter Hut: Eine sol­che Abstrak­ti­ons­schicht kennt man aus Syste­men wie Free­BSD – dort heißt sie „Linuxu­la­tor“ – schon seit Jah­ren. Dar­um wur­de aber merk­wür­di­ger­wei­se nie so ein Gewe­se gemacht wie um die fas­zi­nie­ren­de Neu­ig­keit, dass Micro­softs anfangs noch für das Betriebs­sy­stem OS/2 geplan­ter NT-Ker­nel schon immer in der Lage war, ver­schie­de­ne Sub­sy­ste­me zu nut­zen. Win­dows NT 3.1, die erste „NT-Ver­si­on“ von Win­dows, wur­de von vorn­her­ein neben dem Win32- auch mit einem POSIX- und einem OS/2‑Subsystem aus­ge­lie­fert, es war also, wie man bei „hei­se online“ heut­zu­ta­ge wohl schrei­ben wür­de, drei Betriebs­sy­ste­me in einem.

‘War­um „Ubun­tu für Win­dows“ den plötz­li­chen Jubel nicht ver­dient’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Die­se Bar­ba­ren!

Apro­pos „SPIEGEL ONLINE“ (und, wie üblich, die „Grü­nen“):

„Bedenkt man, wie leicht Senf- und Chlor­gas zu schmug­geln sind und dass die­se Bar­ba­ren immer mehr auf Ter­ror auch im Westen set­zen, dann ist das alar­mie­rend“, meint der Grü­nen-Sicher­heits­po­li­ti­ker Omid Nou­ri­pour.

…, meint Mar­kus Becker, Brüs­sel, und will damit viel­leicht sagen, dass Omid Nou­ri­pour die Bar­ba­rei eines Kriegs mit einer Viel­zahl an zivi­len Todes­op­fern, wie zum Bei­spiel eine von USA, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en unter­stütz­te „Koali­ti­on“ unter der Füh­rung Sau­di-Ara­bi­ens ihn im Jemen führt, nur dann für alar­mie­rend hält, wenn Senf- und Chlor­gas zum Ein­satz kom­men, weil das Zer­fetzt­wer­den ja meist recht schnell und dar­um unbar­ba­risch geschieht: Klap­pe auf, Bom­be run­ter, Explo­si­on, Kör­per zer­teilt, alle Bösen (Gute gehen bekannt­lich nicht dahin, wo Bom­ben hin­fal­len) tot. Das ist nicht bar­ba­risch, das ist effi­zi­ent!

Zwar wis­se nie­mand genau, wie hoch die Wahr­schein­lich­keit für einen Ter­ror­an­schlag mit Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen sei, sagt Brow­ne (ehem. bri­ti­scher Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster, A.d.V.). Aller­dings wächst unter Exper­ten die Sor­ge dar­über, dass der IS wegen der Serie von Nie­der­la­gen im Nahen Osten aus Ver­zweif­lung zu Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen grei­fen könn­te.

Die der IS ande­rer­seits ver­mut­lich eben­falls dort besorgt hat, woher ein gro­ßer Teil sei­nes übri­gen Arse­nals stammt; aus Sau­di-Ara­bi­en näm­lich, das sei­ner­seits gera­de ver­sucht, durch das Meu­cheln mög­lichst vie­ler jeme­ni­ti­scher Zivi­li­sten (vul­go: „Frau­en und Kin­der“) den IS zum Frie­den zu über­re­den.

Der Gegen­be­griff zu „bar­ba­risch“ ist heu­te dem­ge­mäß etwa „zivi­li­siert“.
Wiki­pe­dia

Netzfundstücke
Hey, Marc Röh­lig!

Anläss­lich der gestern im deut­schen Fern­se­hen gesen­de­ten Fol­ge „Die Braut des Grau­ens“ der selt­sa­men Fern­seh­se­rie „Sher­lock“ fra­gen Sie Ihre wahl­wei­se jovi­al oder respekt­los geduz­ten Leser auf „ben­to“, der noch häss­li­che­ren klei­nen Schwe­ster von „SPIEGEL ONLINE“:

Sex macht doof

Möch­te man die vol­le Punkt­zahl für das Ergeb­nis, man sei „so schlau wie Sher­lock“ und eben­so unbe­liebt, was also offen­sicht­lich von Ihnen als erstre­bens­wert – vol­le Punkt­zahl! – erach­tet wird, errei­chen, so muss man Fra­gen wie die abge­bil­de­te mög­lichst schlau beant­wor­ten.

Aber wel­che der drei Ant­wor­ten ist die beste? Lei­der haben Sie kei­ne Auf­lö­sung bei­gelegt, aller­dings habe ich zumin­dest schon her­aus­ge­fun­den, dass Sie „Unnö­tig.“ als akzep­ta­ble Ant­wort gel­ten las­sen. Jetzt mal so dumm wie Dr. Wat­son gefragt: Heißt das, dass das Befür­wor­ten von sexu­el­lem Aus­tausch auto­ma­tisch wert­vol­le Punk­te auf der Schlau­heits­ska­la kostet, oder ist man dann ein­fach nur nor­mal schlau, aber nicht mehr so schlau?

Mögen Sie viel­leicht ein­fach nur kei­nen Sex?

Komm­ste nich drauf klar.
Marc Röh­lig in ande­rem Zusam­men­hang