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Musik 06/2017 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 18 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Ach, wie haben sich die Leu­te doch gefreut, als das für Musi­ker erstaun­lich töd­li­che Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich war­te­te mit der musi­ka­li­schen Jah­res­rück­schau 2016 also sicher­heits­hal­ber bis Janu­ar – und am Tag dar­auf wur­de der Tod John Wet­tons ver­mel­det. Eben­so hat die­ses Jahr bis­her Chuck Ber­ry, Allan Holds­worth und sicher noch ein paar bemer­kens­wer­te Musi­ker sozu­sa­gen auf dem Gewis­sen. Das macht doch alles kei­nen Spaß mehr.

Und wie immer, wenn ich den Spaß zu ver­lie­ren mei­ne, hilft – der Iro­nie bin ich mir bewusst – Musik, den rech­ten Pfad wie­der­zu­fin­den. Es fol­gen kon­se­quent die pri­ma­sten Musikal­ben des ersten hal­ben Jah­res 2017 abzüg­lich der bereits zuvor the­ma­ti­sier­ten neu­en Alben von Buckethead, Pon­ti­ak und All Them Wit­ches. Ich emp­feh­le alles Wei­te­re den jewei­li­gen Arti­keln zu ent­neh­men.

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PolitikIn den Nachrichten
Kein Tag zum Fei­ern.

Heu­te sei, jubel­te man auf Twit­ter, „ein Tag zum Fei­ern“, denn der deut­sche Bun­des­tag hat heu­te mit den Stim­men der Grü­nen Vol­ker Becks „Lebens­werk“ – nein, nicht das mit den nack­ten Kin­dern oder das mit den Dro­gen, son­dern das mit dem Ner­ven von Men­schen und der Öff­nung einer anti­quier­ten Lebens­wei­se für mehr Paa­re als bis­her – beschlos­sen.

Wäh­rend also aller­or­ten die Pro­sec­co­kor­ken unter lau­tem „Stöß­chen!“ knall­ten, wand­te man sich in der „gro­ßen Koali­ti­on“, deren all­ge­mei­nes Gewis­sen bekannt­lich nur für eine ein­zi­ge Abstim­mung gefragt war, einem The­ma zu, von dem die Abge­ord­ne­ten gemein­hin noch weni­ger Ahnung haben als von moder­nen Bezie­hungs­ent­wür­fen, näm­lich dem Inter­net: Irgend­wo zwi­schen den unzäh­li­gen über­schwäng­li­chen Begei­ste­rungs­stür­men über die Ehe­r­e­form inklu­si­ve eines Regen­bo­gen-Os im Logo von „SPIEGEL ONLINE“ (objek­ti­ver Jour­na­lis­mus ist sooo 90er!) ist ein Arti­kel ver­steckt, der davon berich­tet, dass neben­bei in einem plötz­lich fast lee­ren Ple­num – der Groß­teil der zuvor anwe­sen­den Abge­ord­ne­ten hat­te wohl bereits etwas vor, zum Bei­spiel hei­ra­ten – das wohl ver­fas­sungs­feind­li­che Netz­werk­durch­set­zungs­ge­setz („NetzDG“), eine Art staat­lich for­cier­ter Lösch­in­fra­struk­tur für Pri­vat­un­ter­neh­men, beschlos­sen wur­de; was immer­hin aber­mals bekräf­tigt, dass eine Web­site, die man nicht selbst betreibt, ein denk­bar unge­eig­ne­ter Ort für poli­ti­sche Äuße­run­gen ist.

Wer es wagt, hin­sicht­lich des heu­ti­gen Tages von einem „guten Tag“ für Bür­ger- und Men­schen­rech­te zu spre­chen, der kann kein guter Mensch sein.

In den Nachrichten
Real kann nicht, wenn jemand zuguckt.

Die Super­markt­ket­te Real – in Eigen­schrei­bung real,-, obwohl es dort gar nicht so vie­le Pro­duk­te mit einem gera­den Euro­preis gibt – war erst neu­lich zusam­men mit der Deut­schen Post in den Nach­rich­ten, indem in eini­gen ihrer Filia­len Kun­den­ge­sich­ter ana­ly­siert wur­den (ich reg­te mich bereits dar­über auf). Nun hat sie – die Super­markt­ket­te, nicht die Deut­sche Post – ange­kün­digt, vom Wei­ter­be­trieb der umstrit­te­nen Tech­nik vor­erst abzu­se­hen.

Haben sie doch noch ihr Ver­ständ­nis für die Per­sön­lich­keits­be­lan­ge ihrer Kun­den wie­der­ge­fun­den? Nun ja:

Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung ist die in den ver­gan­ge­nen Tagen öffent­lich geführ­te Dis­kus­si­on, die den Ein­druck erweck­te, in real,- Märk­ten (sic! A.d.V.) wür­den im Kas­sen­be­reich ohne Wis­sen der Kun­den Daten erho­ben.

Ver­damm­te Dis­kus­sio­nen immer.

PolitikIn den Nachrichten
Wie die „Ehe für alle“ nach dem Wil­len der SPD das Ehe­recht ein­schrän­ken soll

Zu mei­nem Erstau­nen hat die SPD kurz vor der Bun­des­tags­wahl doch noch bemerkt, dass sie bei Regie­rungs­ent­schei­dun­gen nicht zur Untä­tig­keit ver­ur­teilt ist, son­dern vom Wäh­ler sogar die Mög­lich­keit ein­ge­räumt bekom­men hat, sie aktiv mit­zu­ge­stal­ten, und so küm­mert sie sich vol­ler Taten­drang end­lich um die wirk­lich wich­ti­gen Pro­ble­me des Lan­des:

SPD will Abstim­mung über Ehe für alle noch in die­ser Woche

Ja, Mensch, end­lich tut mal einer was! Um den unsin­ni­gen Begriff von der „Ehe für alle“, die eben kei­nes­wegs „für alle“ ist, soll es heu­te mal nicht gehen, denn dar­über habe ich mich letz­te Woche schon aus­rei­chend auf­ge­regt. Neh­men wir ein­fach mal an, die „Ehe für alle“ hie­ße in der poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Dis­kus­si­on statt­des­sen „Ehe für homo- und hete­ro­se­xu­el­le Paa­re“, und fah­ren wir zur Abwechs­lung mal inhalt­lich fort.

Die SPD regt an, vor allem § 1353 I 1 BGB zu ändern, wodurch eine „Lösung“ her­bei­ge­führt wür­de, wie sie behaup­tet. Die bis­he­ri­ge For­mu­lie­rung lau­tet:

Die Ehe wird auf Lebens­zeit geschlos­sen.

So weit, so lustig, denn genau genom­men stellt damit jede Schei­dung, sofern bei­de Part­ner noch am Leben sind, selbst einer völ­lig gott­lo­sen (und damit wenig­stens spa­ßi­gen) Ehe einen Geset­zes­ver­stoß dar. Eine Ein­schrän­kung ist hier aber nicht zu sehen, denn der Geset­zes­text legt weder Anzahl noch Geschlecht der mög­li­chen Ehe­part­ner fest. Das soll sich ändern, schlägt die SPD mit fol­gen­dem Ersatz­satz vor:

Die Ehe wird zwi­schen zwei Per­so­nen glei­chen oder ver­schie­de­nen Geschlechts auf Lebens­zeit geschlos­sen.

Die ein­zi­ge inhalt­li­che Ände­rung, die eine Annah­me des Geset­zes­vor­schlags also zur Fol­ge hät­te, wäre es, dass die Ehe gemäß Bun­des­ge­setz­buch auf zwei Men­schen beschränkt wird, was mit einer „Öff­nung der Ehe“ nichts zu tun hat. Tat­säch­lich ist das Pro­blem kein gesetz­li­ches, son­dern ein geleb­tes: Stan­des­be­am­te wei­gern sich ohne gesetz­li­che Grund­la­ge, zwi­schen nicht ver­schie­den­ge­schlecht­li­chen Paa­ren (oder gar grö­ße­ren Grup­pen von Men­schen) etwas ande­res als eine ein­ge­tra­ge­ne Lebens­part­ner­schaft zu schlie­ßen. Ein Gesetz, das schon bis­her die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe erlaubt hat, dahin­ge­hend zu ändern, dass es Poly­ga­mie expli­zit aus­schließt, ist zwar immer­hin eine Ände­rung, aber kei­ne, die plötz­lich einen über­ra­schen­den neu­en Rah­men schaf­fen wür­de.

Viel­leicht ist das Kon­zept der welt­li­chen Ehe in einer vor­geb­lich säku­lä­ren Zeit auch ein­fach eines, das nicht geöff­net, son­dern ersatz­los abge­schafft wer­den soll­te.

(Übri­gens: Bei den Vor­be­rei­tun­gen für die­sen Text ist mir an vie­len Stel­len die Behaup­tung begeg­net, in Deutsch­land sei die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe nicht erlaubt. Einen Nach­weis für die­se Behaup­tung erbrach­te kei­ne der Quel­len.)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Thü­rin­gi­sche Gynai­ko­kra­tie

Die „Thü­rin­gi­sche Lan­des­zei­tung“ berich­tet:

Rot-Rot-Grün will die pari­tä­ti­sche Beset­zung von Par­la­men­ten gesetz­lich regeln. „Es geht um uns die seit Lan­gem über­fäl­li­ge Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter in den demo­kra­ti­schen Gre­mi­en“, sag­te die Lin­ke-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de, Susan­ne Hen­nig-Well­sow.

Genau so habe ich mir eine Demo­kra­tie immer vor­ge­stellt.

In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Menis­cus – Over­hang

Selbstbild als...Es ist Mon­tag. Das war kei­ne beson­ders gute Idee, aber ist jetzt lei­der auch nicht mehr zu ändern. Wenn mein Leben ein­mal ver­filmt wird, soll der Film bit­te­schön Mon­tag hei­ßen. Dann geht wenig­stens nie­mand rein. (Auch: Wenn das Wet­ter eine Stadt wäre, wäre es Ber­lin.)

Gestern fand ich in der nie enden wol­len­der Liste der ein­tref­fen­den Infor­ma­tio­nen einen Blog­ein­trag der Film­chen­platt­form Porn­Hub, des­sen Autor in ihm eine Sta­ti­stik auf­be­rei­te­te, die besagt, dass gera­de Frau­en in der ersten Jah­res­hälf­te 2017 auf­fal­lend oft nach Por­nos mit Fidget-Spin­nern (das sind die­se alber­nen Pla­stik­hand­krei­sel, die gera­de wie­der ein­mal eine Renais­sance erle­ben) such­ten. Regel 34. Mei­nen herz­li­chen Dank dem Infor­ma­ti­ons­ge­ber, jetzt habe ich vor noch mehr Men­schen Angst als bis­her. – Apro­pos Por­no­gra­fie: Der­je­ni­ge Teil des illi­be­ra­len Netz­fe­mi­nis­mus, der einem pro­vo­kan­ten Blog­ger seit Jah­ren das Leben schwer mach­te, weil jener sich gegen üble Nach­re­de zu weh­ren ver­such­te, wur­de nun anschei­nend zu wohl­tä­ti­gen Spen­den ver­don­nert. Die neu­en legis­la­ti­ven Bestre­bun­gen zur Ver­fol­gung von „Hass­re­de“ sind wohl doch nicht die beste Waf­fe gegen das Patri­ar­chat.

Hüb­scher Vor­schlag zu einem ganz ande­ren The­ma: Die Ener­gie­ef­fi­zi­enz von Soft­ware deut­lich kenn­zeich­nen, damit Ent­wick­ler auf­hö­ren, schlech­te Soft­ware zu ent­wer­fen. Ich befür­wor­te die­se Idee.

Was ich eben­falls befür­wor­te: Musik.

Menis­cus – Over­hang (Music Video)

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
G20: Demon­stran­ten mit Hal­tungs­schä­den

Heu­te fand in drei Län­dern eine Men­schen­ket­te gegen Atom­kraft­wer­ke statt. Die Fra­ge, was sozi­al Abge­häng­te mit ihrer vie­len Frei­zeit so anzu­fan­gen wis­sen, erüb­rigt sich. Dem Ver­neh­men nach wur­den für die Men­schen­ket­te, deren Pla­ner sich sicher­lich zuvor tief­grün­di­ge Gedan­ken über den poli­ti­schen Nut­zen des Händ­chen­hal­tens gemacht haben, unter ande­rem auch Flag­gen der Pira­ten­par­tei miss­braucht. Soll­ten hier Jour­na­li­sten mit­le­sen: Als Mit­glied der Pira­ten­par­tei distan­zie­re ich mich aus­drück­lich von jedem Pro­test gegen unschul­di­ge Kern­ener­gie und befür­wor­te eine Züch­ti­gung jedes Teil­neh­mers.

Aber dar­um soll es heu­te mal nicht gehen, statt­des­sen um Demon­stra­tio­nen, die noch in der Zukunft lie­gen.

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PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 23. Juni 2017

Moder­ner Femi­nis­mus scheint sei­ne Prot­ago­ni­stin­nen so ein­sam zu machen, dass sie um eine neue Errun­gen­schaft nicht her­um­ka­men: Sie hei­ra­ten sich jetzt selbst. :roll:


Geheim­dien­st­über­ra­schung zum Ersten: Der deut­sche Geheim­dienst BND hat angeb­lich auch in den USA spio­niert. Das konn­te, impli­ziert man beim „SPIEGEL“, ja wohl nie­mand ahnen!


Geheim­dien­st­über­ra­schung zum Zwei­ten: Es könn­te sich zum all­ge­mei­nen Erstau­nen her­aus­ge­stellt haben, dass die Bun­des­re­gie­rung bei der Beschrei­bung der Zusam­men­ar­beit mit der NSA gelo­gen haben könn­te. Zum Glück haben wir einen Aus­schuss, der das her­aus­ge­fun­den hat, sonst wäre das sicher­lich nie­man­dem auch nur ein­ge­fal­len!


Für einen festen Monats­be­trag kann man bei Ama­zon jetzt eine klei­ne Aus­wahl an E‑Books her­un­ter­la­den, jubelt Dani­el Ber­ger auf „hei­se online“. Die­ses laut Pres­se­dar­stel­lung auf­re­gend neue Kon­zept soll­te sich unbe­dingt ein­mal durch­set­zen, um die­se schmerz­li­che Markt­lücke einer Art Video­thek für Bücher zu fül­len. Viel­leicht sogar mit papier­nen Büchern?


Das Schlimm­ste am neu­en SPD-Spio­na­ge­ge­setz? Nein, nicht der Staats­tro­ja­ner, der wird aller Vor­aus­sicht nach ohne­hin erstens abwehr­bar (nein, „schab eh Linux“ wird nicht genü­gen) sein und dürf­te zwei­tens vom BVerfG gekippt wer­den. Viel schlim­mer: Zeu­gen einer ver­mu­te­ten Straf­tat ver­lie­ren einen Groß­teil ihrer Bür­ger­rech­te. Wer wählt so was?


Apro­pos Ver­bre­cher­par­tei­en: Ver­fas­sungs­feind­li­chen Par­tei­en soll künf­tig die Staats­fi­nan­zie­rung ent­zo­gen wer­den; dass die­ses Gesetz aller Vor­aus­sicht nach nur für pro­gram­ma­tisch, nicht aber für tat­säch­lich ver­fas­sungs­feind­li­che Par­tei­en wie die SPD gel­ten wird, ist bei­na­he das ein­zig Trau­ri­ge dar­an.

Politik
#fedidw­gugl: Der Schlag­an­fall als poli­ti­sches Signal.

Auf­merk­sam­keit erhal­ten jun­ge, gut ver­netz­te Erst­wäh­ler seit heu­te von unge­wohn­ter Sei­te: Die rechts­po­pu­li­sti­sche CDU springt auf den von Pira­ten und SPD eta­blier­ten poli­ti­schen Trend des Twit­ter­wahl­kamp­fes auf und hat nun auch einen eige­nen, keck augen­zwin­kern­den Hash­tag in den ein­schlä­gi­gen „sozia­len Medi­en“. Er lau­tet #fedidw­gugl und beweist damit nicht nur Mut und Geschmack, son­dern auch Krea­ti­vi­tät – alles Eigen­schaf­ten, die in der poli­ti­schen Land­schaft meist schmerz­lich ver­misst wer­den.

:ja:

Politik
Kurz notiert zur selt­sa­men Idee von der „Ehe für alle“

So lan­ge der Volks­mund durch zähes Wie­der­ho­len der unzu­läs­si­gen Ver­kür­zung der ange­streb­ten Öff­nung der Ehe auch für homo­se­xu­el­le Paa­re als „Ehe für alle“ nicht ein­mal ver­ste­hen zu wol­len ange­hal­ten wird, wie­so homo- und hete­ro­se­xu­el­le Paa­re eben noch lan­ge nicht alle sind; so lan­ge Poly­amo­rie in der Dis­kus­si­on nicht vor­kommt und die Poli­ti­ker zudem davon aus­ge­hen, dass man pünkt­lich zu sei­nem acht­zehn­ten (aus­nahms­wei­se: sech­zehn­ten) Geburts­tag plötz­lich merk­lich ehe­fä­hi­ger ist als noch am Tag zuvor; so lan­ge den sozi­al­ro­man­ti­schen „Grü­nen“ als Argu­ment, die­se „Ehe für alle“ unbe­dingt ein­füh­ren zu wol­len, nicht viel mehr ein­fällt als dass es 2017 ist; so lan­ge abschlie­ßend die­se Ehe für sehr vie­le Men­schen eigent­lich nur wegen der Steu­er­erleich­te­run­gen inter­es­san­ter ist als eine ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft, der wie­der­um auch nicht der Todes­hauch der Kir­che anhaf­tet: so lan­ge darf die Fra­ge nicht lau­ten, war­um nicht hete­ro­se­xu­el­le Paa­re nicht hei­ra­ten dür­fen, son­dern, war­um ein vor­geb­lich fort­schritt­li­cher Staat starr an der Schaf­fung von Pri­vi­le­gi­en für Ver­hei­ra­te­te fest­hält, die ande­ren ein­an­der Lie­ben­den nicht zuste­hen.

Netzfundstücke
„Dan­ke für unse­re Über­wa­chung, hier ist Ihr Gut­schein.“

Da kommt einem direkt der Kaf­fee wie­der hoch:

Zum 1. August 2017 star­tet ein sechs­mo­na­ti­ges Pro­jekt zur Erpro­bung von intel­li­gen­ter Video­tech­nik. (…) Wer am häu­fig­sten durch die mar­kier­ten Kame­ra­be­rei­che läuft, hat die Chan­ce, neben einem Ein­kaufs­gut­schein im Wert von 25 Euro einen von drei attrak­ti­ven Haupt­prei­sen zu gewin­nen.

Zucker­brot jetzt, Peit­sche spä­ter.

PersönlichesIn den NachrichtenMontagsmusik
Por­cupi­ne Tree – Arri­ving Some­whe­re But Not Here

Montagsstimmung (Symboleule)Es ist Mon­tag, doch die schwe­re Mensch­lich­keit des Wochen­en­des sitzt noch tief unter der Haut. Niveau­vol­ler Unsinn in guter Gesell­schaft und völ­li­ge Ver­wir­rung durch sonst sicher­lich Gewöhn­li­ches; davon zehrt ein Men­schen­skep­ti­ker für Wochen. Bloß nicht nach­las­sen und dann aber eben doch wie­der an der eige­nen Unzu­läng­lich­keit fast ersticken. Hoch zu pokern ver­lei­det einem nur das Schach­spiel. Leben, du alte Knack­wurst. Den­ken wir rat­los an Anta­lya und tun wir unbe­ein­druckt.

Gute Nach­rich­ten: In Wien wird laut öster­rei­chi­scher Pres­se das erste Wohn­haus des Lan­des gebaut, in dem Men­schen aller sexu­el­len Ori­en­tie­run­gen gleich­zei­tig woh­nen dür­fen. Bis jetzt muss­ten Schwu­le in Öster­reich anschei­nend außer­halb von Häu­sern woh­nen.

Der­weil auf „SPIEGEL ONLINE“: „Trump-Geg­ner fei­ern poli­ti­sche Ideen aus dem 19. Jahr­hun­dert“, schreibt Ben­ja­min Mol­den­hau­er, als sei dies ein gera­de­zu revo­lu­tio­nä­rer Schritt in einem Staa­ten­bund, des­sen Ver­fas­sung im 19. Jahr­hun­dert schon alt war und der sich in Tei­len auf ein poli­ti­sches System aus dem vor­christ­li­chen Athen beruft. Anders­wo flie­gen wäh­rend­des­sen Fuß­ball­trai­ner raus, weil sie zu erfolg­reich sind. Geg­ner muss man auch mal gewin­nen las­sen, näm­lich. Sonst sind sie trau­rig.

Did you ever ima­gi­ne the last thing you’d hear as you’­re fading out was a song?

Por­cupi­ne Tree – Arri­ving Some­whe­re But Not Here (Live)

Guten Mor­gen.

In den NachrichtenWirtschaft
Hoff­nung Dexit.

(Vor­be­mer­kung: Wie üblich habe ich von Wirt­schaft kei­ne Ahnung und schrei­be daher im Fol­gen­den nur Quatsch.)

Die „Finan­cial Times“ berich­te­te heu­te, dass „die EU“ har­te Stra­fen gegen den Tech­nik­kon­zern Alpha­bet erwägt, weil die­ser es wage, inner­halb der eige­nen Ange­bo­te die eige­nen Pro­duk­te zu bevor­zu­gen, was zumin­dest kei­ne all­zu fal­sche Annah­me ist, denn mit Kon­zep­ten wie dem bei Nut­zern eher unbe­lieb­ten AMP und der prio­ri­sier­ten Suche von You­Tube-Vide­os ist die zu Alpha­bet gehö­ren­de Fir­ma Goog­le weit davon ent­fernt, ein neu­tra­ler Dienst­lei­ster zu sein.

Nun ist Goog­le kei­ne staat­li­che Fir­ma, son­dern Teil der „frei­en Wirt­schaft“ und somit kei­nes­wegs dazu ange­hal­ten, sei­nen Mit­be­wer­bern pro­mi­nen­te Wer­be­plät­ze ein­zu­räu­men. Mei­nes Wis­sens hat bis­her selbst inner­halb der EU nie­mand Bur­ger King dar­auf ver­klagt, künf­tig auch Pro­duk­te von McDonald’s im Sor­ti­ment zu füh­ren, und auch Apple wei­gert sich so stand­haft wie erfolg­reich, sei­ne Gerä­te optio­nal mit Android oder Win­dows aus­zu­lie­fern. Dage­gen soll­te die EU wirk­lich mal was tun!

Dass die EU zur eili­gen Markt­be­rei­ni­gung sonst neigt, ist frei­lich kei­ne Auf­se­hen erre­gen­de Fest­stel­lung (Gur­ken­krüm­mung! Gemü­se­na­men! Glüh­bir­nen! Geld!) und bedarf inso­fern kei­ner wei­te­ren Aus­füh­rung. Über die­se selek­ti­ve Behin­de­rung frei­en Waren­ver­kehrs („der Wirt­schaft“) hin­aus hat die Euro­päi­sche Uni­on ins­ge­samt poli­tisch unge­fähr Fol­gen­des zu bie­ten:

Ich wage eine Behaup­tung auf­zu­stel­len: Ein Poli­ti­ker, der sich als libe­ral und als Men­schen­freund ver­steht, soll­te aus genau die­sen Grün­den und in Erfül­lung sei­ner Ver­ant­wor­tung gegen­über denen, deren Inter­es­sen er zu ver­tre­ten ver­pflich­tet ist, alles dar­an set­zen, ein bal­di­ges Ende der Euro­päi­schen Uni­on her­bei­zu­füh­ren.

Es ist nicht alles schlecht in Groß­bri­tan­ni­en.