In den NachrichtenMontagsmusikMir wird geschlecht
Gold­ray – Rising // Doc­tress Who // Rame­lows Prä­zi­si­on

Bitte zurück ins Nest bringen.Es ist Mon­tag. Pünkt­lich zum Wochen­en­den­de hat sich auch der Kopf­schmerz wie­der beru­higt, auf dass man fro­hen Mutes zur immer­hin bezahl­ten Tat schrei­ten kann. Pan­da­bär in Ber­lin müss­te man sein, dann bekä­me man jetzt Eis mit Gemü­se, aber statt­des­sen ist man weit von Ber­lin ent­fernt und denkt als blo­ßer Mensch über Pan­das nach. So kann es gehen.

Und die Nach­rich­ten so? Der seit 54 Jah­ren männ­li­che Titel­held aus „Doc­tor Who“ ist ab Ende die­ses Jah­res eine Femi­ni­stin, was der Serie, die in jün­ge­rer Zeit neben dem erst­mals weib­li­chen Ant­ago­ni­sten mit „Bill“ auch eine Neben­dar­stel­le­rin („Com­pa­n­ion“) bekom­men hat, deren wesent­li­che Eigen­schaft es war, eine les­bi­sche Femi­ni­stin zu sein, zwar eine gewis­se Kon­ti­nui­tät ver­leiht, mich hin­ge­gen skep­tisch min­de­stens eine Augen­braue heben lässt, denn, wenn­gleich die schau­spie­le­ri­sche Lei­stung eines „Doc­tors“ bis­lang kei­nes­wegs geschlechts­be­zo­gen zu beur­tei­len war, die Seri­en­ma­cher schei­nen in letz­ter Zeit das drin­gen­de Bedürf­nis zu haben, dem ver­damm­ten Patri­ar­chat über­ra­gend selbst­si­che­re Frau­en­fi­gu­ren ent­ge­gen­zu­stel­len, die außer dem Frau­sein nichts wirk­lich gut kön­nen. Haben die „Ghost­bu­sters“ ver­passt?

Der auf­ge­bran­de­te Jubel auf Twit­ter, end­lich dür­fe eine Frau mal einen sowie­so unsterb­li­chen Hel­den mit einer lan­gen Ver­gan­gen­heit und vor­aus­sicht­lich Zukunft ver­kör­pern, was unab­hän­gig von der cha­rak­ter­li­chen Ent­wick­lung schon des­halb gut sei, weil sie kein Mann sei, ist jeden­falls ein schlech­tes Zei­chen, belegt er doch, dass vie­le der Zuschau­er eine Fern­seh­se­rie nicht als Unter­hal­tung, son­dern als poli­ti­sches Mit­tel zur Macht­ver­schie­bung begrei­fen, als habe irgend­ei­ne Welt­an­schau­ung plötz­lich gewon­nen, nur, weil in einer Serie, in der das aller­dings schon mehr­fach pas­siert ist, eine Figur das Geschlecht wech­selt. Dem Patri­ar­chat dürf­te das jeden­falls eini­ger­ma­ßen egal sein und den ver­blie­be­nen nicht ret­tungs­los bescheu­er­ten Zuschau­ern bleibt zu hof­fen, dass es end­lich mal wie­der eine Neu­be­set­zung in „Doc­tor Who“ gibt, die der Serie inhalt­li­che Tie­fe zurück­gibt. Apro­pos: In Ber­lin-Lich­ten­berg ist der anti­pa­tri­ar­cha­li­sche Vor­stoß der ört­li­chen „Grü­nen“, poten­zi­el­len Red­nern im Bezirks­par­la­ment nach Geschlecht statt Inhalt das Wort zu ertei­len, nun vor­erst geschei­tert. Wie viel wäre auf die­ser Welt gewon­nen, ach­te­te man nur mehr auf die Qua­li­tät des Erbrach­ten statt auf das Geschlecht des Erbrin­gers!

Wäh­rend die ehe­mals qua­li­täts­fo­kus­sier­te Pira­ten­par­tei in Kon­stanz, Mün­chen und Leip­zig anläss­lich der jewei­li­gen Chri­sto­pher-Street-Day-Para­de um netz­po­li­tisch eben­so des­in­ter­es­sier­te Unter­stüt­zer für die kom­men­de Bun­des­tags­wahl warb, gin­gen unbe­merkt zwei Nach­rich­ten von letz­ter Woche fast ver­lo­ren: Die CIA hackt völ­lig über­ra­schend auch Linux, was ich hier nur ver­lin­ke, weil das Didi immer so schön her­aus­for­dert; schlim­mer jedoch: es wur­de die Nach­fol­ge­rin von Gün­ther Oet­tin­ger, also die neue EU-Digi­tal­kom­mis­sa­rin, ver­ei­digt, die gern „schär­fe­re Regeln gegen Hassäu­ße­run­gen und Falsch­mel­dun­gen“ („hei­se online“) durch­set­zen las­sen wür­de. In einer gesun­den Gesell­schaft wür­de sich zahl­rei­cher Wider­stand for­mie­ren, aber es ist Wahl­kampf, da macht man nichts mit Poli­tik.

Der thü­rin­gi­sche Mini­ster­prä­si­dent Bodo Rame­low („Lin­ke“), der auch nichts mit Poli­tik macht, hat gestern vor­ge­schla­gen, man möge, um den Erfolg von lan­des­an­säs­si­gen „Rechts­rock­kon­zer­ten“ (als sei­en Schla­ger leich­ter zu ertra­gen) ein­zu­däm­men, das Ver­samm­lungs­recht, für Ost­deut­sche bekannt­lich kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, doch bit­te „prä­zi­sie­ren“; mit ande­ren Wor­ten: Zu vie­le Din­ge gehen der­zeit als „Ver­samm­lung“ durch. Unklar bleibt, wel­che Art von Kon­zer­ten künf­tig noch als legi­ti­me Ver­samm­lung gel­ten darf. Hof­fent­lich nichts mit Phil Coll­ins!

Här nix Ton, nix Musik.

Gold­ray – Rising – [Offi­ci­al Video]

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Ex Eye

Ex Eye (Coverbild)For­dern wir wie­der ein­mal unse­ren Geist und hören wir ein wenig Musik.

Aus aus­ge­rech­net den Ver­ei­nig­ten Staa­ten stammt das Quar­tett Ex Eye, des­sen Schlag­zeu­ger Greg Fox, den Pop­Mat­ters mit John Bon­ham zu ver­glei­chen sich nicht scheut, sich bereits bei Zs und Lit­ur­gy aus­to­ben durf­te. Statt klas­si­scher Rock­band­be­set­zung schar­ten Ex Eye, die sich selbst als Post-Alles-Band beschrei­ben, sich um den kana­di­schen Saxo­pho­ni­sten Colin Stet­son, der bis­lang unter ande­rem mit Tom Waits, Fred Frith und Mats Gustafs­son zusam­men­ge­ar­bei­tet hat und also durch­aus weiß, wie gute Musik klin­gen soll­te.

EX EYE – „Xen­o­lith; The Anvil“ (Offi­ci­al Music Video)

Beschrei­ben lässt sich das auf dem im Juni prä­sen­tier­ten Debüt­al­bum Gehör­te als instru­men­ta­ler Jazz­me­tal, mit­un­ter lässt sich aber auch ein­mal New Art­rock im Sti­le der unver­ges­se­nen Por­cupi­ne Tree aus­ma­chen. Dass es kei­nen Gesang gibt, ist hier kaum ein auf­fäl­li­ges Kri­te­ri­um, denn der wür­de wahr­schein­lich auch nur stö­ren.

Ex Eye — Anai­tis Hym­nal; The Arko­se Disc

Ich bin durch­aus ange­tan.

PolitikIn den Nachrichten
Die nie­mals gezo­ge­ne Leh­re aus dem Bochu­mer Brüll­auf­stand

„Das Pro­blem bei den Lin­ken“, so schätz­te es Chri­sti­an Lind­ner ange­sichts der kürz­lich erfolg­ten Anbrül­le­rei durch eine lin­ke Stu­den­tin, die über eine Stim­me, mit der sie viel­leicht lie­ber etwas ande­res machen soll­te als Paro­len zu brül­len, ver­füg­te oder noch immer ver­fügt, ein, sei es, „dass nur sie glau­ben, Wahr­heit zu besit­zen“, und wäh­rend die Medi­en von den Axel-Sprin­ger-Blät­tern über die „Huf­fing­ton Post“ bis hin zu „RP ONLINE“ sei­ne die­ser Fest­stel­lung fol­gen­de sou­ve­rän-läs­si­ge Reak­ti­on auf das Gebrül­le nicht zu Unrecht, wenn auch mit gewohnt schlei­mi­ger Atti­tü­de, als sou­ve­rän-läs­si­ge Reak­ti­on auf das Gebrül­le beschrie­ben, so fehlt es doch an einem Hin­weis auf die eine wesent­li­che Wahr­heit, die mit jedem medi­al rezi­pier­ten Gebrüll erneut den Fokus auf sich zu zie­hen ver­sucht und es trotz­dem nicht in die Rei­he der gesell­schaft­lich als Kon­sens akzep­tier­ten Regeln für einen zivi­li­sa­to­ri­schen Min­dest­stan­dard auf allen Sei­ten des poli­ti­schen und sozia­len Spek­trums geschafft hat, weil ver­mut­lich jene, die sie vor­zu­tra­gen ver­such­ten, schlicht nicht zu Wort kamen: dass näm­lich eine als sonst­wie poli­tisch miss­ver­stan­de­ne Aus­sa­ge, die lau­ten Gebrülls bedarf, um ver­mit­telt zu wer­den, nie­mals näm­lich von Lei­sen und kei­nes­falls ohne offen­sicht­lich mit­schwin­gen­de Aus­ru­fe­zei­chen (oft und gern im Plu­ral) münd­lich, vor­ge­tra­gen wird, einen auf­merk­sa­men Adres­sa­ten nicht ver­dient haben kann.

NetzfundstückeNerdkrams
Kurz ver­linkt: „Pro­gram­mie­rer“ / Chrom­e­fox‘ Goo­g­le­ana­ly­se

Was über Python-„Programmierer“ und Git­Hub-Nut­zer im Übri­gen noch zu ver­lin­ken bleibt:

Ein Python-Modul, das auto­ma­tisch den erst­be­sten leid­lich rele­van­ten Code von StackOverflow.com her­un­ter­lädt und ein­bin­det – best­ernt von über 1.400 Git­Hub-Kon­ten.

:wallbash:


Die zivi­li­sa­to­ri­sche Decke unter Daten­schüt­zern wird dün­ner: Fire­fox bin­det Goog­le Ana­ly­tics ein.

"Genießen Sie den Browser mit den meisten integrierten Datenschutzfunktionen" (Quelle: https://www.mozilla.org/de/firefox/new/)

Da wächst zusam­men, was zusam­men gehört.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Initia­ti­ve D21: Eine fast rich­ti­ge Pres­se­mit­tei­lung

Ber­lin, 04. Juli 2017. Die Mit­glie­der des Initia­ti­ve D21 e. V. haben zur heu­ti­gen Mit­glie­der­ver­samm­lung ein­stim­mig das Außer­kraft­tre­ten der Kom­pe­tenz­quo­te für den Gesamt­vor­stand beschlos­sen. Ab sofort darf min­de­stens ein Drit­tel der Per­so­nen des Vor­stan­des nicht mehr nach qua­li­ta­ti­ven Kri­te­ri­en aus­ge­wählt wer­den. Zusätz­lich zur Ein­schrän­kung der Quo­te wird die Rege­lung des „lee­ren Stuhls“ ein­ge­führt. Wenn sich nur kom­pe­ten­te Per­so­nen zur Wahl stel­len oder gewählt wer­den, blei­ben die ent­spre­chen­den Plät­ze frei.

Prä­si­dent Han­nes Schwa­de­rer begrüßt es sehr, dass die bereits seit Jah­ren statt­fin­den­den Bestre­bun­gen, den Kom­pe­tenz­an­teil im Vor­stand zu sen­ken, nun per Sat­zung fest­ge­schrie­ben sind: „Zum einen soll mit der festen Höchst­quo­te ein deut­li­ches Signal nach außen gesen­det wer­den und sich auch ande­re Ver­bän­de ent­spre­chend fest­le­gen. Zum ande­ren haben unse­re Mit­glieds­un­ter­neh­men und ‑Insti­tu­tio­nen aus­rei­chend Inkom­pe­ten­te im Kol­le­gi­um und wir möch­ten ihre gerin­ge­re Kom­pe­tenz auch für das Wir­ken der Initia­ti­ve D21 gewin­nen“.

Auch Schatz­mei­ste­rin Prof. Bar­ba­ra Schwar­ze zeigt sich erfreut: „Noch immer ist die sozia­le und poli­ti­sche Gleich­stel­lung von Kom­pe­ten­ten und Inkom­pe­ten­ten in Deutsch­land nicht erreicht. Dass nun min­de­stens ein Drit­tel der Posi­tio­nen im Vor­stand der Initia­ti­ve D21 durch Inkom­pe­ten­te besetzt wer­den müs­sen, wird auch auf unse­re Mit­glieds­un­ter­neh­men wir­ken, denn schluss­end­lich setzt sich der Gesamt­vor­stand aus den Füh­rungs­po­si­tio­nen die­ser Unter­neh­men und Insti­tu­te zusam­men“. Da die Ver­än­de­run­gen nur sehr lang­sam von allein kämen, sei die Sen­kung der Quo­ten ein erster Schritt in Rich­tung gesell­schaft­li­chem Wan­del, stimmt Schwa­de­rer zu. Die Initia­ti­ve D21 sei bemüht, auch über die beschlos­se­ne Inkom­pe­tenz­quo­te hin­aus, den Gesamt­vor­stand pari­tä­tisch zwi­schen Kom­pe­ten­ten und Inkom­pe­ten­ten zu beset­zen.

Die För­de­rung der Chan­cen­gleich­heit zwi­schen Begabt und Unbe­gabt ist eine der zen­tra­len Auf­ga­ben der Initia­ti­ve D21. Bereits zur Grün­dung des Ver­eins 1999 wur­de die För­de­rung der Gleich­be­rech­ti­gung von Kom­pe­ten­ten und Inkom­pe­ten­ten in der Sat­zung fest­ge­schrie­ben. So enga­gie­re sich die Initia­ti­ve D21 gemein­sam mit den Mit­glie­dern u. a. im Rah­men der Auf­takt­ver­an­stal­tung zum bun­des­wei­ten Incom­pet­ents‘ Day spe­zi­ell für Chan­cen­gleich­heit von Unbe­gab­ten durch das Auf­zei­gen von beruf­li­chen Alter­na­tiv­mo­del­len und erfas­sen und bekämp­fen unab­läs­sig den digi­ta­len Gra­ben zwi­schen den unter­schied­lich Begab­ten.

Alter­na­ti­ve Les­art hier.

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt: Penis!

Da hat­te jemand Spaß:

Zer­stör­ter Fels „Troll­pe­nis“: Er steht wie­der (…) Er woll­te – ja, es ist wirk­lich nicht ein­fach, die­se gan­ze Sache ohne Zoten zu erzäh­len – er woll­te also den „Troll­pe­nis“ wie­der ste­hen sehen. (…) Nun muss die gan­ze Sache – sor­ry auch hier für die Wort­wahl – noch ein paar Tage aus­här­ten. (…) Die Tou­ri­sten kön­nen also – und das ist jetzt wirk­lich die letz­te zwei­deu­ti­ge For­mu­lie­rung die­ses Tex­tes – kom­men.

„SPON“-Redakteure. Da steckt man auch nicht drin.

In den NachrichtenMontagsmusik
Ulver – So Falls the World

Wach wie ein PandaEs ist Mon­tag. Die Welt fin­det zur gewohn­ten Brä­sig­keit zurück und die­ses eigen­ar­ti­ge Gefühl, der bei Wei­tem Aller­brä­sig­ste zu sein, ist vor­über wie eines die­ser schwer erträg­li­chen Lie­bes­lie­der, die man sich aus­denkt, wäh­rend man so über sein Leben sin­niert. Leben ist Fir­le­fanz, aber ein immer­hin not­wen­di­ger, seufzt ein Käuz­chen.

Zum nun­mehr end­lich ver­gan­ge­nen Wochen­en­de blie­be noch man­ches anzu­mer­ken, aber da reg­te man sich dann doch wie­der nur unnö­tig auf, was selbst der staub­be­deck­te­ste Bun­des­prä­si­dent der letz­ten paar Jah­re, ent­sä­ku­la­ri­sier­ter Dodo des Monats Juni und auch sonst stets für Geschwätz zu haben, kaum zu lin­dern ver­mag. Schwei­fen wir also lie­ber in die Fer­ne: Die NASA hat in den Wei­ten des Welt­raums Din­ge ent­deckt, die die bis­he­ri­gen Vor­stel­lun­gen von den Anfän­gen „unse­res“ Uni­ver­sums ein wenig kor­ri­gie­ren. Eine rea­li­sti­sche Mög­lich­keit zur schnel­len Anrei­se ist bis­her aller­dings nicht ent­hal­ten.

Apro­pos Zukunft: In den USA sind mehr­fach blue­tooth­fä­hi­ge Hand­krei­sel („Fidget Spin­ner“) explo­diert, was die Ver­mu­tung, zum lang­fri­sti­gen Über­le­ben müs­se man nicht nur stark, son­dern auch eini­ger­ma­ßen schlau sein, selbst heu­te, da der Mensch sich als weit­ge­hend domi­nan­te Ras­se erwie­sen hat, noch als bedeut­sam kenn­zeich­net. Die „Neue Zür­cher Zei­tung“ fragt in eigent­lich nicht aus­schließ­lich die­sem Zusam­men­hang, ob die moder­ne Gesell­schaft zu doof für den Fort­schritt gewor­den ist. Dass sie nicht von den Klüg­sten ange­führt wird, mag als Argu­ment nicht aus­rei­chen, und so lan­ge sie noch wun­der­ba­re Musik her­vor­bringt, ist jeden­falls das Wesent­li­che gesi­chert; zum Bei­spiel eben so:

Guten Mor­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Abschlie­ßen­de Bemer­kung zu G20: Feu­er und Flam­me fürs Kli­ma

Die anti­ka­pi­ta­li­sti­sche Lin­ke, leben­des Beleg­ex­em­plar der Huf­ei­sen­theo­rie, hat end­lich neue iPho­nes und denkt sogar mal über Kör­per­pfle­ge nach. Durch die Ankur­be­lung der Gla­se­rei- und Auto­wirt­schaft mit­tels der Zer­stö­rung von Schau­fen­stern und Dienst­fahr­zeu­gen von Kran­ken­pfle­gern wur­de dem Kapi­ta­lis­mus ein Schnipp­chen geschla­gen und es ist sicher nur noch eine Fra­ge der Zeit, bis die Ban­ken frei­wil­lig dem Frei­heits­drang der Bür­ger nach­ge­ben. Die Ver­scho­nung von Geschäf­ten, deren Besit­zer recht­zei­tig bekannt gege­ben haben, auf der rich­ti­gen Sei­te zu ste­hen, hat in Deutsch­land bekannt­lich eine bald acht­zig Jah­re alte Tra­di­ti­on und Tra­di­ti­on ist wich­tig.

Dass nicht etwa die inter­na­tio­na­le Hoch­fi­nanz, son­dern klei­ne Geschäfts­leu­te, Jour­na­li­sten und Poli­zi­sten teils rui­niert, teils schwer ver­letzt wur­den, war auf dem Weg zu einer bes­se­ren Welt unver­meid­lich, denn nie­mand muss Geschäfts­mann, Jour­na­list oder Poli­zist sein oder in Ham­burg woh­nen. Nach­dem das Kli­ma jetzt geret­tet und der Kapi­ta­lis­mus end­gül­tig besiegt ist, bleibt nur noch eine Fra­ge unge­klärt:

Wie dumm ist Wer­ner Rätz?

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Far­flung – 5

Das eng­li­sche Wort „far-flung“ bedeu­tet unge­fähr „breit­flä­chig“. Unter die­sem spre­chen­den Namen wur­de 1992 in Los Ange­les eine Spa­ce­rock­band gegrün­det, die aktu­ell als Trio musi­ziert und 2016 mit „5“ ihr aktu­el­les (nach mei­ner Zäh­lung jedoch längst nicht mehr ihr fünf­tes) Stu­dio­al­bum (Amazon.de, TIDAL) ver­öf­fent­lich­te.

Spa­ce­rock? Neh­men wir das mit den Gen­res mal lie­ber nicht so genau, denn was die Musik der drei Her­ren von Far­flung aus­macht, ist nicht etwa der hun­dert­ste Auf­guss von Hawkwind’schem Spiel, son­dern es ist die gekonn­te Ein­flech­tung hete­ro­gen­ster Sti­le in ein von jeden­falls mir bis­lang noch unge­hör­tes musi­ka­li­sches Rezept, aus dem Tanz­mu­sik im besten Sin­ne ent­stand.

Far­flung – Hive

Das auf „5“ zu Hören­de wird bei all sei­ner Hete­ro­ge­ni­tät von flir­ren­den Klang­ef­fek­ten in Form gehal­ten, die Musik prescht zügel­los nach vorn und reißt dabei alles mit, was ihr im Weg liegt: Spa­ce­rock, Hard­rock, Shoe­ga­ze, Ame­ri­ca­na, in „Being Boi­led“ – hier mit beson­ders bemer­kens­wer­tem Bass­spiel – darf es auch mal Doom sein. Das Repe­ti­tiv-Hyp­no­ti­sche auf „5“ ist mehr als nur Mit­tel zum Zweck. Das Star-Wars-Wüsten­co­ver­bild ver­mag das Ohr nicht zu trü­gen.

Far­flung – 044MPZ

Ich habe kei­ne Ahnung, was die ein­schlä­gi­gen Medi­en momen­tan als pas­sen­des Album zum Cock­tail am Strand und/oder zum wil­den Sitz­tanz emp­fiehlt. Gehört zu den übli­chen Emp­feh­lun­gen jedoch nicht „5“, so möch­te ich es hier­mit zu die­sen hin­zu­ge­fügt wis­sen.

Persönliches
Sel­ber hyg­ge!

Nach Son­die­rung des diesmo­na­ti­gen Ange­bots an Frau­en­zeit­schrif­ten – regel­mä­ßi­ge Leser die­ser Web­site wis­sen um deren humo­ri­sti­sche Qua­li­tä­ten – ließ es sich nicht ver­mei­den, dass auch mir als von Trends nicht viel hal­ten­dem Wirr­kopf das Hyg­ge­s­ein als Lebens­stil begeg­ne­te, immer­hin gera­de mal ein hal­bes Jahr, nach­dem es die „ZEIT“ umfang­reich the­ma­ti­sier­te. Was also ist ein Hyg­ge?

So heißt Gemüt­lich­keit in Däne­mark. Die hal­be Welt will von den Dänen ler­nen, wie man es sich drin­nen nett macht, wenn es drau­ßen unge­müt­li­cher wird.

Ver­ste­he: Weil Deutsch­land sei­ne Gemüt­lich­keitseit 1892 auch im anglo­pho­nen Raum ein Begriff – abhan­den gekom­men ist, ver­su­chen wir es statt­des­sen mit einem Import aus einer ande­ren Gesell­schaft als der unse­ren.

Um die­ser Gemüt­lich­keit äuße­ren Nach­druck zu ver­lei­hen, wird der Pres­se­markt mit Erzeug­nis­sen wie dem Maga­zin „hyg­ge“ aus der Ver­lags­grup­pe „Deut­sche Medi­en-Manu­fak­tur“, die sonst auch Welt­erfol­ge wie die Küchen­heft­chen „essen & trin­ken“, „essen & trin­ken mit THERMOMIX“ und „flow“, als „eine Zeit­schrift ohne Eile, über klei­nes Glück und das ein­fa­che Leben“ bereits eine eta­blier­te Kon­kur­renz aus eige­nem Hau­se, in ihrem Port­fo­lio auf­führt, und jedes Mal, wenn irgend­ein Kack­un­ter­neh­men, in dem von Hand­ar­beit noch kaum jemand auch nur etwas gehört hat, sich „Manu­fak­tur“ nennt, emp­fin­de ich ein biss­chen weni­ger Gemüt­lich­keit als noch zuvor. Dage­gen hilft auch kein nicht alko­hol­hal­ti­ges Maga­zin die­ses Lan­des mehr. Hat nur noch die­se Zeit­schrift gefehlt, als sei tur­nus­mä­ßig repro­du­zier­tes, mehr­sei­ti­ges Gequat­sche ein wert­vol­le­rer Rat­ge­ber als fünf ein­fa­che Wor­te.

Laut Amazon.de wer­den seit Herbst 2016 nicht nur unge­zähl­te Zeit­schrif­ten, son­dern vor allem auch Bücher über die jeweils beste Art zu hyg­gen publi­ziert, der dor­ti­ge „Best­sel­ler“ wie auch der der „Sun­day Times“ und der „New York Times“ ist der­zeit „The Litt­le Book of Hyg­ge: The Danish Way to Live Well“, ein­sor­tiert in die Kate­go­rie „Skan­di­na­vi­sche Küche“, als gin­ge es bloß ums Essen und nicht um eine qua­si voll­stän­di­ge Lebens­an­lei­tung.

„Hyg­ge­lig“, fasel­te Alix Ber­ber für „ben­to“, sei­en „auf dem Sofa Fil­me schau­en“, „selbst backen“ und „kla­re Struk­tu­ren“, und beim Gebäck sei es nicht etwa irgend­ein Kuchen, son­dern „eigens kre­ierte Zimt­kek­se mit gesun­dem Voll­korn­mehl“, und dazu ein ver­mut­lich ent­kof­fe­inier­ter Kaf­fee aus hand­ge­roll­ten Kaf­fee­boh­nen und ein „Bild­band über Wäl­der“. Frü­her nann­te man das sprö­den Wal­dorf­char­me oder Prenz­lau­er-Berg-Habi­tus, heu­te ist es eben „hyg­ge­lig“. Sel­ten fand ich mein ent­tren­de­tes Leben so inter­es­sant.

Sub­jek­ti­ve Gemüt­lich­keit her­zu­stel­len, indem man Feng-Shui-mäßi­ge Ein­rich­tungs­tipps von Frem­den befolgt, erscheint mir jeden­falls nicht als ein ver­stän­di­ger Weg zum Glück. Das hat nun immer­hin auch die Lebens­stil­ver­mark­tungs­bran­che erkannt und mel­det selbst Zwei­fel an der von ihr geschaf­fe­nen Hyg­ge­bla­se an – denn schon bald ist alles hal­lyu.

:irre:

In den Nachrichten
Kurz notiert zur römi­schen Selbstin­qui­si­ti­on

Und sie­he, Gott sand­te ein Zei­chen und ließ die Ver­tre­ter der Ver­tre­ter sei­nes Ver­tre­ters auf Erden im Dro­gen­rausch dort, wo noch bis 1908 der Name der hei­li­gen Inqui­si­ti­on sei­ne Ver­kör­pe­rung fand, der Unzucht frö­nen, als besit­ze das Neue Testa­ment im Stamm­land der weni­ger anti­se­mi­ti­schen Hälf­te des euro­päi­schen Chri­sten­tums nur für jene Men­schen Gül­tig­keit, die sich mit dem Gedan­ken an ein kon­ser­va­ti­ves Fami­li­en­le­ben anfreun­den kön­nen, und als sei eben­je­ne hei­li­ge Inqui­si­ti­on, die im Ein­klang mit den Glau­bens­nor­men die betei­lig­ten Pfaf­fen als Ket­zer wenig­stens einer gött­li­chen Todes­stra­fe hät­te unter­wer­fen müs­sen, nie gesche­hen; und dann sei aber zu ihrer mora­li­schen Ent­la­stung erwähnt, dass, so wenig man auch von der katho­li­schen oder über­haupt irgend­ei­ner Kir­che hält, dies­mal nur zwar gei­stig unrei­fe (denn sonst wären sie nicht katho­lisch), wohl aber kör­per­lich erwach­se­ne Men­schen Teil der Aus­übung der höchst unchrist­li­chen sexu­el­len Frei­heit waren, was, wenn die Sexua­li­tät von Katho­li­ken in den Nach­rich­ten ist, ja durch­aus nicht als Regel­fall ange­se­hen wer­den soll­te.

(via Schwerdt­fe­gr)

In den NachrichtenWirtschaft
Von Voll­be­zah­lung hat ja nie­mand etwas gesagt.

Im Sep­tem­ber steht die näch­ste Bun­des­tags­wahl an; Zeit also, schon ein­mal dar­über nach­zu­den­ken, wen es zu wäh­len gilt. Wäh­rend die frü­he­ren Mit­re­gen­ten „Die Grü­nen“ längst Spott und Scha­den auf sich ver­ei­nen, ist die der­zei­ti­ge Regie­rungs­ko­ali­ti­on aus CDU/CSU und SPD pro­duk­tiv damit beschäf­tigt, poten­zi­el­len Wäh­lern im Fal­le eines Wahl­sie­ges Ver­spre­chen hin­sicht­lich der zu erwar­ten­den Poli­tik zu machen. Wenn sie doch nur eine Gele­gen­heit gehabt hät­te, auch mal Din­ge umzu­set­zen!

Wäh­rend die SPD schon vor etwas län­ge­rer Zeit unter dem Bei­fall ihrer tra­di­tio­nell ver­gess­li­chen Anhän­ger mit­teil­te, wenn sie doch nur end­lich regie­ren dürf­te, wür­de sie die unmensch­li­che Sozi­al­po­li­tik der SPD grund­le­gend revi­die­ren, nebel­te es aus CDU/C­SU-Krei­sen noch eher zurück­hal­tend, denn eini­gen konn­te man sich zwar dar­auf, wei­ter­hin inhu­man und sonst­wie grau­sam zu sein, nicht aber auf eine kon­kre­te Aus­prä­gung. Der put­zi­ge CDU-Gene­ral­se­kre­tär Peter Tau­ber ließ gestern – noch vor der Vor­stel­lung des gemein­sa­men Wahl­pro­gramms – zumin­dest den Hin­weis fal­len, dass die­je­ni­gen, die meh­re­re schlecht bezahl­te Arbeits­plät­ze haben, halt eine anstän­di­ge Aus­bil­dung hät­ten machen sol­len, denn dann hät­ten sie das Pro­blem jetzt nicht, was er spä­ter revi­dier­te, indem er zumin­dest die Zahl, nicht aber die Exi­stenz von schlecht bezahl­ten Arbeits­plät­zen kri­ti­sier­te: „Mini-Jobs“ sei­en näm­lich „an sich gut“, sie betref­fen ja nie­man­den, der lie­ber in Voll­zeit und anstän­dig bezahlt arbei­ten wür­de, nicht wahr?

Seit gestern Abend jeden­falls gibt es ein gemein­sa­mes Wahl­pro­gramm („Regie­rungs­pro­gramm“) von CDU und CSU, in dem mein spa­ßi­ges Lieb­lings­ka­pi­tel die Über­schrift „Gute Arbeit auch für mor­gen – Voll­be­schäf­ti­gung für Deutsch­land“ trägt. Voll­be­schäf­ti­gung kennt die Kanz­le­rin, ein Kind der DDR, noch von frü­her, als es in ihrer Hei­mat eine staat­lich ver­ord­ne­te Arbeits­lo­sen­zahl von 0 Pro­zent und ein Pro­duk­ti­vi­täts­ni­veau von 40 Pro­zent gab. Das, frei­lich, ist nicht merk­lich anders als heu­te: Men­schen, deren dau­er­haf­te Arbeits­kraft dem Markt kei­nen Mehr­wert bringt, wer­den statt­des­sen zu unpro­duk­ti­ver Arbeit über­re­det, die nur exi­stiert, um die Arbeits­lo­sen­zahl zu sen­ken. „Sozi­al ist, was Arbeit schafft“, heißt es im Pro­gramm, und um die all­zu plum­pe Pro­vo­ka­ti­on, dass somit auch NS- und Sowjet­la­ger eine Fol­ge erfolg­rei­cher Sozi­al­po­li­tik gewe­sen sein müss­ten, zu ver­mei­den, mag mir der Hin­weis genü­gen, dass mir zur Sozi­al­po­li­tik der gegen­wär­ti­gen „gro­ßen Koali­ti­on“, die so viel Arbeit schafft, dass vie­le Leu­te sogar drei davon haben, so man­ches Adjek­tiv ein­fällt, „sozi­al“ aber nicht dar­un­ter ist.

Aus dem glei­chen Kapi­tel des Wahl­pro­gramms:

Die Zahl der offe­nen Stel­len wächst bestän­dig.

Die von der „Uni­on“ haben auch eine gewis­se Stel­le offen, wie mir scheint.


Könn­te man auch mal gele­sen haben: Oba­ma war immer total höf­lich.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt: Män­ner, Frau­en und Tran­s­al­go­rith­men sind vor dem Gesetz gleich.

Apro­pos „die EDV nicht ver­ste­hen“:

In Anleh­nung an das zehn Jah­re alte All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) spricht sich Maas für ein „digi­ta­les AGG, ein Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­ge­setz für Algo­rith­men gegen digi­ta­le Dis­kri­mi­nie­rung und für vor­ur­teils­frei­es Pro­gram­mie­ren“ aus.

Ich for­de­re eine Algo­rith­men­quo­te in deut­schen DAX-Vor­stän­den von min­de­stens 30 Pro­zent! :aufsmaul:

NetzfundstückeMontagsmusikComputer
Cos­mic Fall – Hau­mea

Euli krank, Euli Bettchen.Es ist Mon­tag. Juch­hei! Es pocht der Kopf­schmerz genüss­lich im Takt, so musi­ka­lisch war man seit Jah­ren nicht gelaunt. Das Regen­wet­ter als Sym­bol für das Wohl­be­fin­den zu betrach­ten ist eines Zyni­kers wür­dig, also tun wir das und dre­hen gering­fü­gig durch. Frü­her war mehr Din­gens.

Eine Stu­die belegt, dass Solar­ener­gie der Umwelt grö­ße­ren Scha­den zufügt als Kern­ener­gie. Das hät­te ja ruhig mal wer vor­her sagen kön­nen! Aber die Mär von der „sau­be­ren“ Ener­gie der „Zukunft“ – als stür­be der Pla­net spä­ter, trans­por­tier­te man die erplün­der­ten Res­sour­cen nur noch mit Solar­au­tos fort – hält gan­ze Indu­strie­zwei­ge am Leben und Indu­strie­zwei­ge sind für irgend­et­was „wich­tig“.

Man­cher Men­schen Idio­tie betrifft wenig­stens nur ande­re Leu­te: Linux­nut­zer mit einer Null vorn in ihrem Anmel­de­na­men krie­gen vom neu­en gro­ßen Ding systemd vol­le System­rech­te geschenkt. Das sei kein Feh­ler, sagen die Ent­wick­ler, weil eine Null vorn gar nicht sein kön­ne, und wenn doch, mache man was falsch, denn das sei so nicht gedacht. Mit dem Erfolg von Linux auf irgend­wel­chen Quatsch­sy­ste­men hat tech­nisch ori­en­tier­tes Den­ken wohl lei­der nicht gerech­net.

Machen wir es zu unse­rem eige­nen Schutz so wie die Ent­wick­ler von systemd und schal­ten erst ein­mal das Hirn ab – nur lie­ber mit ein wenig guter Musik.

Guten Mor­gen.

Nerdkrams
Deutsch­land ergeht sich in Platt­form­ge­wäsch.

Medi­en auf: Alles vol­ler „Platt­for­men“.

„Platt­for­men“, erklärt Stef­fan Heu­er aktu­ell in einem mehr­sei­ti­gen Arti­kel im Wirt­schafts­ma­ga­zin „brand eins“ (S. 48 ff.), sei­en die Dien­ste von Unter­neh­men wie Face­book, Ama­zon und Slack, von denen Ent­schei­der aus Ein­fach­heits­grün­den gern mal Gebrauch machen. Dass Slack, das restrik­ti­ve IRC für Maus­schub­ser, als Stan­dard­lö­sung für Fir­men­chats und das Betriebs­sy­stem Unix als Com­pu­ter­fir­ma (Sei­te 53 unten) bezeich­net wird, nimmt dem Arti­kel frei­lich man­che Seriö­si­tät.

Trotz­dem sind „Platt­for­men“ (als wäre nicht jede pop­li­ge Web­sei­te bereits eine klei­ne „Platt­form“!) gera­de auch wegen des „NetzDG“, des vom Bun­des­tag jüngst durch­ge­wink­ten Zen­sur­ge­set­zes, gera­de wie­der ein aktu­ell schwe­len­des The­ma: Patrick Brey­er, einer der weni­gen ver­blie­be­nen Daten­schutz- und Netz­po­li­tik­fach­leu­te der Pira­ten­par­tei, hat die­ser Tage sei­nen Twit­ter­ac­count ent­fernt und wird fort­an nur noch auf GNU Social erreich­bar sein. GNU Social, den Jün­ge­ren muss man das erklä­ren, ist eine vom fana­tisch reli­giö­sen GNU-Pro­jekt gesteu­er­te „dezen­tra­le“ Alter­na­ti­ve zu Twit­ter, die ähn­lich aus­sieht, aber zumin­dest in der Theo­rie von jedem Benut­zer selbst instal­liert wer­den kann, so dass die Anzahl an mit­ein­an­der ver­netz­ten Ser­vern belie­big groß ist und eine zen­tra­le Zen­sur­in­fra­struk­tur nicht ohne Wei­te­res ein­ge­rich­tet wer­den kann. Von GNU Social gab es in der Ver­gan­gen­heit mit Quit­ter eine twit­ter­ähn­li­che Instanz, die wäh­rend einer der unge­zähl­ten Wel­len von „wir gehen jetzt alle von dem doo­fen Zen­s­urt­wit­ter weg“ in den letz­ten Jah­ren einen bedeut­sa­men Zuspruch fand; erst vor weni­gen Wochen fan­den Gab.ai und Mast­o­don als wei­te­re Twit­ter­al­ter­na­ti­ven grö­ße­re media­le Auf­merk­sam­keit.

Nun steht und fällt natür­lich der Erfolg einer sol­chen „Platt­form“ (mein­ten Sie: Web­site?) mit einer aus­rei­chend gro­ßen Sog­wir­kung, und wer vor ein paar Jah­ren das Gewe­se um Ello, Minds und Dia­spo­ra mit­be­kom­men hat, die alle­samt ein viel bes­se­res Face­book sein soll­ten, aber bis heu­te von den mei­sten der weni­gen Benut­zer ver­mut­lich höch­stens als Zweit- oder Dritt­ka­nal zu Twit­ter genutzt wer­den, der fasst sich bei Auf­for­de­run­gen, man möge doch bit­te in irgend­ei­nes die­ser wie Unkraut nach­wach­sen­den „dezen­tra­len Net­ze“ kom­men, nur mehr an die Stirn. Twit­ter ist nicht so groß gewor­den, wie es heu­te ist, weil es beson­ders aktiv die Daten sei­ner Nut­zer schützt, son­dern, weil man gern nicht nur mit sich selbst reden wür­de. Auf GNU Social (und so wei­ter) sind die Inter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten mit ande­ren Men­schen in Erman­ge­lung ande­rer Men­schen hin­ge­gen eher begrenzt, was durch die unre­gel­mä­ßig auf­tre­ten­de Auf­tei­lung der com­mu­ni­ty in diver­se, teil­wei­se mit­ein­an­der inkom­pa­ti­ble Bes­ser-als-Twit­ters nicht bes­ser wird.

Natür­lich gibt es Dien­ste, die man hin­sicht­lich ihrer libe­ra­len Tech­nik irgend­wie bes­ser fin­den kann als ande­re, die zumeist irgend­wel­chen kom­mer­zi­ell ori­en­tier­ten Unter­neh­men gehö­ren. Man kann also sei­ne Erreich­bar­keit in den gro­ßen „sozia­len Netz­wer­ken“ auf ein Mini­mum beschrän­ken und der drit­te oder vier­te Benut­zer von GNU Social wer­den. Man kann auch aus Prin­zip irgend­ein Nischen­be­triebs­sy­stem nut­zen, für das es höch­stens drei brauch­ba­re Anwen­dun­gen gibt, um es Micro­soft mal so rich­tig zu zei­gen. Man kann sich auch ein Bein abhacken, damit skru­pel­lo­se Schuh­her­stel­ler nur noch die Hälf­te bekom­men. Blöd­heit ist ja nicht ver­bo­ten.

Effek­tiv ist sie nur eben auch nicht unbe­dingt.

(Offen­le­gung: Man fin­det mich sowohl auf Dia­spo­ra als auch auf Quit­ter, jedoch bin ich ins­be­son­de­re auf Quit­ter allen­falls alle paar Wochen ein­mal lesend aktiv.)