Persönliches
Sel­ber hyg­ge!

Nach Son­die­rung des diesmo­na­ti­gen Ange­bots an Frau­en­zeit­schrif­ten – regel­mä­ßi­ge Leser die­ser Web­site wis­sen um deren humo­ri­sti­sche Qua­li­tä­ten – ließ es sich nicht ver­mei­den, dass auch mir als von Trends nicht viel hal­ten­dem Wirr­kopf das Hyg­ge­s­ein als Lebens­stil begeg­ne­te, immer­hin gera­de mal ein hal­bes Jahr, nach­dem es die „ZEIT“ umfang­reich the­ma­ti­sier­te. Was also ist ein Hyg­ge?

So heißt Gemüt­lich­keit in Däne­mark. Die hal­be Welt will von den Dänen ler­nen, wie man es sich drin­nen nett macht, wenn es drau­ßen unge­müt­li­cher wird.

Ver­ste­he: Weil Deutsch­land sei­ne Gemüt­lich­keitseit 1892 auch im anglo­pho­nen Raum ein Begriff – abhan­den gekom­men ist, ver­su­chen wir es statt­des­sen mit einem Import aus einer ande­ren Gesell­schaft als der unse­ren.

Um die­ser Gemüt­lich­keit äuße­ren Nach­druck zu ver­lei­hen, wird der Pres­se­markt mit Erzeug­nis­sen wie dem Maga­zin „hyg­ge“ aus der Ver­lags­grup­pe „Deut­sche Medi­en-Manu­fak­tur“, die sonst auch Welt­erfol­ge wie die Küchen­heft­chen „essen & trin­ken“, „essen & trin­ken mit THERMOMIX“ und „flow“, als „eine Zeit­schrift ohne Eile, über klei­nes Glück und das ein­fa­che Leben“ bereits eine eta­blier­te Kon­kur­renz aus eige­nem Hau­se, in ihrem Port­fo­lio auf­führt, und jedes Mal, wenn irgend­ein Kack­un­ter­neh­men, in dem von Hand­ar­beit noch kaum jemand auch nur etwas gehört hat, sich „Manu­fak­tur“ nennt, emp­fin­de ich ein biss­chen weni­ger Gemüt­lich­keit als noch zuvor. Dage­gen hilft auch kein nicht alko­hol­hal­ti­ges Maga­zin die­ses Lan­des mehr. Hat nur noch die­se Zeit­schrift gefehlt, als sei tur­nus­mä­ßig repro­du­zier­tes, mehr­sei­ti­ges Gequat­sche ein wert­vol­le­rer Rat­ge­ber als fünf ein­fa­che Wor­te.

Laut Amazon.de wer­den seit Herbst 2016 nicht nur unge­zähl­te Zeit­schrif­ten, son­dern vor allem auch Bücher über die jeweils beste Art zu hyg­gen publi­ziert, der dor­ti­ge „Best­sel­ler“ wie auch der der „Sun­day Times“ und der „New York Times“ ist der­zeit „The Litt­le Book of Hyg­ge: The Danish Way to Live Well“, ein­sor­tiert in die Kate­go­rie „Skan­di­na­vi­sche Küche“, als gin­ge es bloß ums Essen und nicht um eine qua­si voll­stän­di­ge Lebens­an­lei­tung.

„Hyg­ge­lig“, fasel­te Alix Ber­ber für „ben­to“, sei­en „auf dem Sofa Fil­me schau­en“, „selbst backen“ und „kla­re Struk­tu­ren“, und beim Gebäck sei es nicht etwa irgend­ein Kuchen, son­dern „eigens kre­ierte Zimt­kek­se mit gesun­dem Voll­korn­mehl“, und dazu ein ver­mut­lich ent­kof­fe­inier­ter Kaf­fee aus hand­ge­roll­ten Kaf­fee­boh­nen und ein „Bild­band über Wäl­der“. Frü­her nann­te man das sprö­den Wal­dorf­char­me oder Prenz­lau­er-Berg-Habi­tus, heu­te ist es eben „hyg­ge­lig“. Sel­ten fand ich mein ent­tren­de­tes Leben so inter­es­sant.

Sub­jek­ti­ve Gemüt­lich­keit her­zu­stel­len, indem man Feng-Shui-mäßi­ge Ein­rich­tungs­tipps von Frem­den befolgt, erscheint mir jeden­falls nicht als ein ver­stän­di­ger Weg zum Glück. Das hat nun immer­hin auch die Lebens­stil­ver­mark­tungs­bran­che erkannt und mel­det selbst Zwei­fel an der von ihr geschaf­fe­nen Hyg­ge­bla­se an – denn schon bald ist alles hal­lyu.

:irre:

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Senfecke:

  1. Ich habe heu­te zufäl­lig in einer alten Zeit­schrift vom Juni 1982 (kein Tipp­feh­ler) einen Bericht über Kopen­ha­gen gele­sen, da ging es auch schon um hyg­ge. Den Trend gibt es also min­de­stens seit 35 Jah­ren, er wird eben für jede Gene­ra­ti­on noch­mal neu auf­ge­kocht. Lass dir’n Schnurr­bart wach­sen.

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