Netzfundstücke
Liegengebliebenes vom 18. August 2017

Bei “Golem.de” fand man über­rascht her­aus: Ein inter­net­ges­teuert­er Garten funk­tion­iert nicht ohne eine Verbindung.


Die kanadis­che Ryer­son-Uni­ver­sität hat gegen freie Rede nichts einzuwen­den, aber bitte woan­ders.


Der ehe­ma­lige Waf­fen­ex­port­min­is­ter Sig­mar Gabriel find­et Waf­fen­ex­porte blöd, teilt sein Min­is­teri­um mit. Voraus­sichtlich wird sich seine Partei aus par­la­men­tarischen Grün­den jedoch auch kün­ftig anders entschei­den.


Lustig: Lea-Ver­e­na Mein­gast find­et in einem Artikel auf “ze.tt”, in dem sie das “Gen­der­sternchen” alle paar Sil­ben dazwis­chen­spuckt, der akademis­che Titel gehöre nicht auf ein Klin­gelschild, weil er Aus­län­der ver­wirre.


Die “c’t”-Redaktion “informiert”: Geräte physisch zu beschädi­gen nen­nt man “Hack­en”.

In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: Polizei findet Terrorautos in Barcelona

Auf “ZEIT ONLINE” gibt Karsten Polke-Majew­s­ki — pri­ma Name eigentlich — anlässlich der kür­zlich erfol­gten Anschläge in Barcelona anderthalb gesicherte Fak­ten bekan­nt:

Ein (…) Liefer­wa­gen ist (…) in die Fußgänger­zone La Ram­bla in Barcelona gefahren und hat min­destens 13 Men­schen getötet. (…) Die Polizei soll zudem ein weit­eres Auto gefun­den haben, vielle­icht sollte es als Flucht­wa­gen dienen.

Erst fährt ein Liefer­wa­gen von ganz allein irgend­wo rein und dann ste­ht irgend­wo in Barcelona auch noch ein zweites Auto herum, das vielle­icht dem Liefer­wa­gen als Flucht­wa­gen dienen sollte und vielle­icht auch nicht. Die Auto­mo­bilin­dus­trie schreckt auch vor nichts mehr zurück.

(via @MarvinWendland1)

In den NachrichtenComputer
Das Internet ist kaputt und kein Nazi trägt daran die Schuld.

Waf­fen­nar­retei und Ein­wan­derungskri­tik, ließ dieser Tage das Essen­sportal Insta­gram seine Benutzer wis­sen, seien selb­stre­dend gern gese­hen, aber Fotos fet­ter Igel wür­den keineswegs geduldet und ihre Ver­bre­itung führe verse­hentlich zum sofor­ti­gen Auss­chluss des Verur­sach­ers.

Ob es insofern eine beson­ders gute Idee ist, Algo­rith­men statt Men­schen über richtig und falsch, über legal und ille­gal, über den Unter­schied zwis­chen Igelfo­tos und zum Beispiel Kinder­pornografie entschei­den zu lassen, ist eine Frage, die sich unkri­tisch tech­nikhörige, weil klick­hun­grige Massen­me­di­en bedauer­licher­weise viel zu sel­ten stellen, was nicht nur Unsinn wie Insta­gram bet­rifft, son­dern auch viel weit­er reichende Auswirkun­gen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewor­de­nen Denk­fehlern von Heiko Maas wis­sen. Bis zur endgülti­gen moralis­chen Klärung dieses Prob­lems verbleiben immer­hin noch Men­schen an den Schalthe­beln, denen der Kon­sens, der so etwas wie eine weltweite Ver­net­zung über­haupt erst sin­nvoll machte, nicht ganz so wichtig ist wie ihr eigen­er moralis­ch­er Stand­punkt, weshalb sie ohne Not auch schon mal an den Grundpfeil­ern des Inter­nets rüt­teln, um das Böse angemessen zu besiegen.

“ZEIT ONLINE” (unisono mit anderen zeit­genös­sis­chen Pub­lika­tio­nen) berichtet heute etwa vom Kampf “des Inter­nets” gegen “die Nazis”:

Wer sich als Web­site­be­treiber von einem (…) Unternehmen benachteiligt fühlt, kann the­o­retisch ein­fach zu einem anderen gehen. Doch fak­tisch wer­den viele dieser acht Ebe­nen von sehr weni­gen, sehr mächti­gen Unternehmen kon­trol­liert. Wer ihre Dien­ste nicht nutzen kann, ist im Netz unsicht­bar, schw­er erre­ich­bar, angreif­bar, geschäft­sun­fähig.

Der Hin­ter­grund des Artikels ist, dass der ver­schlüs­selungskri­tis­che Net­z­di­en­st­be­treiber Cloud­flare, der noch 2015 so tat, als sei ihm wichtig, dass Domä­nensper­run­gen allen­falls auf judika­tives Urteil hin erfol­gen müssten, auf die Eskala­tion der US-amerikanis­chen Schar­mützel zwis­chen alter­na­tiv­en Recht­en und regres­siv­en Linken (irgend­was mit einem Auto) dergestalt reagierte, dass er die reißerische Web­site “Dai­ly Stormer” aus der öffentlichen Erre­ich­barkeit ent­fer­nte. Der­jenige, der diese Entschei­dung getrof­fen hat­te, näm­lich der Vor­standsvor­sitzende von Cloud­flare, vertei­digte sie zunächst mit der Begrün­dung, dass er die Autoren des “Dai­ly Stormer” für Arschlöch­er halte, veröf­fentlichte jedoch außer­dem einen dop­pelzüngi­gen Blog­a­r­tikel, in dem er zwar zugab, dass Cloud­flare hier einge­grif­f­en hat­te, um den Ver­dacht, das Unternehmen unter­stütze heim­lich Neon­azis, zu zer­streuen, es gle­ichzeit­ig aber bedauerte, dass Cloud­flare das über­haupt könne; als sei der Vor­wurf, dass ein für die Neu­tral­ität des Inter­nets nicht völ­lig unwichtiges Unternehmen sich nicht für die richtige poli­tis­che Seite entschei­det, ein Anlass, ebendiese Neu­tral­ität über den Haufen zu wer­fen.

Ob man nun die Mei­n­ungs­frei­heit weit genug auslegt, um ihre Ausübung auch “den Nazis” zuzugeste­hen, oder nicht, spielt bei der Bew­er­tung des bedeut­sam­sten Prob­lems in dieser Sache jeden­falls keine Rolle, das da näm­lich lautet: Je inten­siv­er “die Nazis” (oder wer auch immer die aktuell meistver­achtete Grup­pierung sein mag) weggelöscht wer­den, desto wahrschein­lich­er ist es, dass sie irgend­wann eine aus­re­ichend große Schlagkraft entwick­elt haben, um ihr eigenes unzen­siertes Gegen­netz aufzubauen; wom­it sie, “die Nazis”, let­ztlich gewon­nen hät­ten, denn dem gesund­kon­so­li­dierten Wohlfüh­lin­ter­net, in dem es Ein­hornkotze und Nutel­la reg­net, stünde ihr Abgrund ent­ge­gen, der sicher­lich seine Eck­en und Kan­ten haben dürfte, was den Human­is­mus bet­rifft, aber nichts­destotrotz frei wäre. Anders gesagt: Unternehmen wie Cloud­flare wer­den, wenn sich die Net­zpoli­tik in beste­hen­der Weise weit­er entwick­elt, die Schuld daran tra­gen, dass die Let­zten, die sich noch über ein freies Inter­net freuen dür­fen, irgend­wann “die Nazis” sein wer­den, während hierzu­lande in enger Zusam­me­nar­beit mit Übersee die SPD, der bescheuerte Axel-Springer-Ver­lag und GitHub ihr bedauer­licher­weise Bestes tun, um einen schon in der bloßen The­o­rie fatal­en Kom­pro­miss aus glob­aler Frei­heit und kle­ingärt­ner­ischem Ver­ständ­nis von Recht und Unrecht zu find­en und zu etablieren, not­falls mit juris­tis­ch­er Gewalt. Kann, wem jedes Mit­tel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Dark­net kann man ja auch nicht mehr. Da sind jet­zt auch eure Eltern.

In den NachrichtenComputer
Empörend: Öffentliche Dateiablage dient der öffentlichen Dateiablage!

Applekun­den in New York sind erbost:

In New York miss­brauchen offen­bar Exhi­bi­tion­is­ten das Air­Drop-Fea­ture und schick­en wahl­los iPhone-Nutzern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den mod­er­nen Exhi­bi­tion­is­ten zum Opfer zu fall­en, muss Air­Drop so eingestellt sein, dass man Dat­en von jedem Nutzer emp­fan­gen kann.

Früher war ein “Opfer” ja noch jemand, der einen tat­säch­lichen Schaden davon­trug, und nie­mand, dem Fremde in einen Ord­ner, den er absichtlich für die ganze Welt zum Schreiben freigegeben hat, irgendwelche Bild­dateien leg­en, aber früher hat­ten unsere Tele­fone auch noch Schnur und Scheibe.

MontagsmusikIn den Nachrichten
North Sea Radio Orchestra — Vishnu Schist

Hellwach (Symbolbild)Es ist Mon­tag, ein Tag voller Ungemach. Pand­abären sind fan­tastisch, jedoch noch nicht aus­re­ichend ver­bre­it­et; ein Zus­tand, den zu ändern es gilt, so lange das Leben noch schwelt. Zunächst jedoch ist Müdigkeit Dom­i­nanz. In der Ferne ein Schweif.

Was in der Ferne, näm­lich an den USA, dem Staaten­bund mit den smarten Haustüren, völ­lig unver­ständlich ist, sind ja auch die Nachricht­en. Fox News zum Beispiel zeigt auf YouTube ein Video, auf dem zu sehen ist, dass ein Auto in eine Men­schen­menge fährt, was also offen­sichtlich nicht so schlimm ist — der Aus­ruf “Fuck!” hinge­gen, den ein Pas­sant angemessen­er­weise tätigt, wurde über­piept. Tote sind schade, aber Fluchen ist tabu!

Zur gestri­gen Feier des Jahrestags des Mauer­baus gab das Auswär­tige Amt auf Twit­ter bekan­nt, dass es froh sei, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskä­men, und hat damit nicht ein­mal Unrecht, denn die Außen­gren­zen der EU beste­hen vor allem aus Wass­er und hohen Zäunen. So fortschrit­tlich war die DDR nicht.

Die “Frank­furter All­ge­meine Woche” titelte unlängst, keine Droge werde so sehr ver­harm­lost wie Cannabis. Während sich die fol­gen­den Disku­tan­ten weit­ge­hend darüber einig waren, dass die eigentlich furcht­barste ver­harm­loste Droge Alko­hol sei, saß ich total high mit der einzi­gen Droge herum, deren Glücks­ge­fühl schon ab der Geburt legal zu erzie­len ist: Musik.

North Sea Radio Orches­tra: Vish­nu Schist [Offi­cial Video]

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hundredth — Rare

Zu den angenehmen Über­raschun­gen des Jahres 2017 zählt nun­mehr auch das neueste Stu­dioal­bum “Rare” des US-amerikanis­chen Shoegaze-Quar­tetts Hun­dredth (Amazon.de). Im Klangge­wand der 80-er Jahre ent­fal­tet sich eine erfreulich bre­it­wandi­ge musikalis­che Land­schaft, auf der das Gras nicht bloß grün, son­dern auch noch voller wild sitz­tanzen­der, viel­far­ben­er Kühe ist.

Das ist so natür­lich Quatsch, geschrieben im Über­schwang. Fest ste­ht aber, dass die mir bish­er unbekan­nten Hun­dredth, sich laut Inter­net mit “Rare” musikalisch neu erfind­end, das Kun­st­stück schaf­fen, grauen­hafte — ich höre tat­säch­lich Place­bo und die Pet Shop Boys her­aus — Ein­flüsse zu im pos­i­tiv­en Sinne bemerkenswert­er Musik zu kom­binieren.

Hun­dredth — Youth (Visu­al)

Das kann daran liegen, dass die dekadenüblichen Spielzeugkey­boards auf “Rare” keine nen­nenswerte Rolle spie­len, denn stattdessen gibt es mal aggres­sive, mal überzeugt hüpfende, oft mehrschichtige Gitar­ren­klänge zu kraft- und damit druck­vollem Rhyth­mus aus selb­st­sicherem Bass und erfreulich wenig zurück­hal­ten­dem Schlagzeug; post-hard­core nen­nt sich das in den ein­schlägi­gen Wer­be­tex­ten und post ist oft gut. Post-Punk und New Wave kreisen hier neugierig in immer engeren Kreisen umeinan­der, die Stim­mung ist eige­nar­tig; die Dichte fördert Melan­cholie, die Dar­bi­etung jedoch ani­miert ver­schiedene Kör­perteile des Kon­sumenten zur autarken Bewe­gung. Kann man bedrückt sitz­tanzen? Ich ver­suche es ein­fach mal.

Hun­dredth — Neu­rot­ic (Offi­cial Music Video)

“Rare” ist ein fra­g­los im dun­klen Jahrzehnt ver­wurzeltes Album, das trotz­dem mod­ern klingt und Spaß macht — wahrlich: so was ist sel­ten. Und deswe­gen ist es gut.

In den Nachrichten
Braunschweiger Neuland

Das Dig­i­tal­isierung­sun­ternehmen Deutsche Telekom macht sich um die Zukun­ft der Tele­fonzellen kaum Sor­gen, denn diese haben gegenüber diesen neu­modis­chen Mit­nah­me­tele­fo­nen einen wesentlichen Vorteil, wie die heutige “Braun­schweiger Zeitung” berichtet:

“Immer mehr Men­schen benutzen statt Tele­fonzellen ihr Handy. Ger­ade im ländlichen Bere­ich ver­lieren viele Tele­fonzellen deshalb an Bedeu­tung”, erk­lärt Telekom-Sprech­er McK­in­ney. Dabei kann so eine Tele­fonzelle mehr als gedacht: “Unsere Münzetele­fone (sic) akzep­tieren noch D‑Mark-Münzen.”

(via @freshmango)

NetzfundstückeMontagsmusik
Googles eingebildetes Frauenproblem (Nachtrag)

Auf den Aufregertext eines mit­tler­weile gefeuerten Google-Mitar­beit­ers über die Prob­leme der beste­hen­den Diver­sität­spoli­tik inner­halb Googles hat der Fem­i­nis­mus eine pri­ma Antwort gefun­den:

Hören Sie auf, “Wis­senschaft” mit Wahrheit gle­ichzuset­zen!

Wir haben immer­hin 2017 und irgendwelche Män­ner glauben immer noch an diesen Wis­senschaft­squark!

NetzfundstückeNerdkrams
Medienkritik CVII: t3ns sieben Tipps für eine schnellere Einordnung als schändlicher Spambot

E‑Mail-Sig­na­turen — ken­n­ta? -, in der Frühzeit der Kom­mu­nika­tion via E‑Mail ein dur­chaus prak­tis­ches Hil­f­s­mit­tel, um nicht jedes Mal händisch “Ruhe jet­zt! Her­zlichst, NAME” drun­ter­schreiben zu müssen, sind seit dem Aufkom­men von HTML-for­matierten E‑Mails durch irgendwelch­es redun­dantes Wer­bergeschmeiß eigentlich nur noch dafür da, den Spam­fil­ter zuver­läs­siger kon­fig­uri­eren zu kön­nen: Je bunter die Sig­natur, desto uner­wün­schter die E‑Mail.

Das hat sich wenig über­raschend freilich noch nicht bis zu “t3n” (Unter­ti­tel “dig­i­tal pio­neers”), deren Redak­tions-E-Mails ich ver­mut­lich auch lieber niemals erhal­ten möchte, herumge­sprochen, denn dort gibt Andreas Weck derzeit sieben Tipps für eine bessere E‑Mail-Sig­natur, bei deren Lesen man sich einiger­maßen unsich­er wird, ob die Sig­natur jet­zt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? — Eben!)

Also:

Wer eine smarte E‑Mail-Sig­natur anle­gen möchte, sollte diese sieben Tipps beacht­en.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr startet, wenn dem Smart­phone mal das Netz aus­ge­ht, oder ein sprachges­teuert­er Salzstreuer — kurz gesagt: so was möchte man nicht haben, wenn man keinen gewalti­gen Bir­nen­schaden hat.

Das ist Andreas Weck allerd­ings offen­sichtlich egal, denn er fährt, albern-jovial duzend, unbeir­rt mit den “sieben Tipps” fort:

1. Arbeite mit Far­ben

Denn es ist wichtig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E‑Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drüber ver­schwen­det, son­dern von Anfang an den wichtig­sten Inhalt fokussiert, näm­lich die Reklame vom — zumeist — Arbeit­ge­ber des Absenders. Wäre ja blöd son­st!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eignet sich beispiel­sweise eine weiße Wand, vor der sich die Per­son ablicht­en lässt.

Oder auch ein tanzen­der Jesus oder eine Nahauf­nahme ein­er Wasser­le­iche. Soll sich ja “visuell ein­bren­nen” (ebd.), die Sig­natur. — Dass anständi­ge Mail­pro­gramme (also nicht unbe­d­ingt so Browserkram) einge­bun­dene Bilder entwed­er direkt als Spam­merk­mal markieren oder die Bilder wenig­stens als Anhang statt als direkt einge­bun­denes Bild herun­ter­laden, so dass der Empfänger, falls er die E‑Mail über­haupt zu sehen bekommt, noch ein­mal zusät­zlich aktiv wer­den muss, nur um die lang­weilige Fresse eines Wer­bers, die er, falls er ger­ade mobil ist, auch noch kosten­in­ten­siv herun­ter­laden musste, sehen zu dür­fen, spricht prinzip­iell ja schon dage­gen, aber was weiß man bei “t3n” schon von anständi­gen Mail­pro­gram­men und/oder mobilen Net­zen?

3. Pri­or­isiere die Infor­ma­tio­nen

Es gilt immer, den begren­zten Platz nicht mit nut­zlosen Infor­ma­tio­nen zu ver­schwen­den.

Das ist prinzip­iell richtig und dieser Tipp hätte, wäre es nach mir gegan­gen, der einzige Tipp sein sollen, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E‑Mail-Sig­na­turen nicht der richtige Abla­geort für Werbescheiße sind; aber natür­lich musste Andreas Weck das präzisieren:

Die per­sön­liche E‑Mail-Adresse sollte beispiel­sweise schnell­stens aus der Sig­natur ver­schwinden, denn die braucht der E‑Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E‑Mail-Head­er ste­hen pro­tokollbe­d­ingt alle wesentlichen Infor­ma­tio­nen zur Per­son, darunter die Absender­adresse (sofern nicht gefälscht), der Absender­name (sofern nicht gefälscht) und das Absende­da­tum. Alles Infor­ma­tio­nen, die nicht über­flüs­siger­weise nochmals sep­a­rat über­mit­telt wer­den müssten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hochau­flösende Fotos von Wirtschaft­spfeifen vor noch weißen Wän­den) bleibt.

Ander­er­seits:

4. Leite visuell durch die Infor­ma­tio­nen

(…) Der eigene Name kön­nte sich beispiel­sweise durch größere oder fette Buch­staben abset­zen.

Der eigene Name, der sowieso schon darüber oder daneben ste­ht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowieso schon darüber oder daneben ste­ht? Ja, wie denn nun?

Sin­nvoll ist beispiel­sweise auch, dass Texte neben ein­er der oben genan­nten Bild­dateien zu find­en sind. Das Bild wird das Augen­merk sofort auf sich lenken und die wichti­gen Infor­ma­tio­nen ste­hen direkt daneben.

Denn die wichti­gen Infor­ma­tio­nen in ein­er E‑Mail ste­hen, wie jed­er weiß, in der Sig­natur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA sollte sich ent­lang der aktuellen Ziele ori­en­tieren. Wollt ihr beispiel­sweise euren neuen Snapchat-Chan­nel pushen? Dann fügt einen Snap­code zum Abscan­nen ein.

Wenn ich mal von einem großen Inter­netkonz­ern gebeten wer­den sollte, ein neues E‑Mail-Pro­tokoll zu entwer­fen, werde ich als ersten Schritt einge­bun­dene Bilder als ungültig kennze­ich­nen. :motz:

6. Sag, wo Kun­den dich auch per­sön­lich tre­f­fen kön­nen

(…) Ein Satz wie „Ich werde vom 25. bis 26. Feb­ru­ar auf der Online-Mar­ket­ing-Rock­stars in Ham­burg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ kön­nte der Auf­mach­er für ein span­nen­des Gespräch sein.

Der Auf­mach­er für ein span­nen­des Gespräch mit einem poten­ziellen Kun­den oder Geschäftspart­ner gehört nach meinem Ver­ständ­nis ja in den ver­dammten E‑Mail-Text und nicht auf die Wer­be­fläche unten drunter, denn der Text ist in der Regel zumin­d­est wenig­stens teil­weise anlass­be­zo­gen und wird nicht ein­fach gedanken­los weit­er­ver­wen­det. Ich meine: Ich schließe nicht aus, dass Andreas Weck (“Online- und Print-Redak­teur”) sein Leben lang immer nur Sig­na­turen, aber noch keinen einzi­gen Mail­text geschrieben hat und nicht ein­mal etwas dafür kann, weil man bei “t3n” nur noch über Snapchat und nicht mehr über E‑Mail miteinan­der redet. Dann möchte ich diesen Ein­wand zurückziehen. In allen anderen Fällen gibt es für die Annahme, den Auf­mach­er für ein Gespräch platziere man am besten an ein­er Stelle, die der Empfänger mit großer Wahrschein­lichkeit höch­stens noch bis zur ersten hal­ben Zeile lesen wird, keine vernün­ftige Ausrede.

7. Achte auf die Pflich­tangaben

So nach den ersten drei Bild­schirm­seit­en Sig­natur kann man ja get­rost ein­mal darüber nach­denken, auch noch steuer­rechtliche Quatsch­texte in Schrift­größe 9 unterzubrin­gen. Dann ist der Scroll­balken auch länger und der Empfänger freut sich gle­ich dop­pelt darüber, so viel schöne Sig­natur lesen zu dür­fen. (Ich krei­de dies aus­drück­lich, jedoch aus­nahm­sweise, nicht Andreas Weck an, halte die rechtlichen Vor­gaben, sofern sie in der Tat den beschriebe­nen Inhalt haben, aber für riesen­große Scheiße.)

Ich ver­misse die Zeit, als man für eine Sig­natur, die mehr als drei Textzeilen umfasste, noch umge­hend auf irgendwelchen kill­files lan­dete.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Googles eingebildetes Frauenproblem

In der Rei­he der Tech­niko­r­gan­i­sa­tio­nen, in denen ein zer­set­zen­des Kli­ma herrscht, seit Krawallfem­i­nis­ten aller­lei Geschlechts die Ansicht durchzubox­en ver­suchen, ein kusche­liges Miteinan­der sei in der EDV min­destens genau so wichtig wie, ver­mut­lich aber noch weitaus wichtiger als Pro­duk­tiv­ität (denn gegen­seit­iges Ver­ständ­nis dafür, wenn man sich heute geschlechtsmäßig als Apache-Kampfhub­schrauber fühlt, hat einem Unternehmen gefäl­ligst mehr zu bedeuten als dass man deswe­gen heute lei­der nicht pro­duk­tiv arbeit­en kann #auf­schrei), ste­ht nach dem Tor-Pro­jekt und GitHub jet­zt, wie man liest, auch Google.

Google, eines dieser Unternehmen, die stolz einen “Code of Con­duct” vor sich her­tra­gen und natür­lich eine eigens für Diver­sität zuständi­ge Vizepräsi­dentin über­bezahlen, als sei Geschäft­ser­folg zweitrangig, ver­sucht ger­ade einen Sturm im Wasser­glas zu über­winden, nach­dem ein­er sein­er Angestell­ten, der in einem inter­nen Schreiben die Ansicht ver­trat, dass Frauen in der EDV nicht völ­lig grund­los unter­repräsen­tiert sind, son­dern wom­öglich ein­fach naturgemäß andere Inter­essen haben, wom­it der Wun­sch Googles, Frauen aktiv zu fördern, let­ztlich Män­ner diskri­m­iniere, als Beweis dafür, dass er damit völ­lig Recht hat­te, der Arbeit­slosigkeit übergeben wurde.

Ich mein­er­seits halte ja — anders, als der Fem­i­nis­mus, den ander­er­seits eine Unter­repräsen­tierung in mies bezahlten Handw­erks­berufen augen­schein­lich keineswegs zu inter­essieren scheint, denn “Geschlechterg­erechtigkeit”, also leis­tung­sun­ab­hängig hohes Gehalt, soll es bitteschön nur dort geben, wo genug Net­to­geld reinkommt, es gern hätte — nach wie vor sehr viel vom Ver­di­en­st­prinzip. Wer scheiße pro­gram­miert, der ist auch dann jemand, der scheiße pro­gram­miert, wenn er ein gefäl­ligst wertzuschätzen­des Geschlecht hat und/oder zu haben glaubt. Daran ändert auch ein Ver­hal­tenskodex bemerkenswert wenig. Ein Geschlecht zu haben ist noch kein sin­nvoller Beitrag für die Gesellschaft. Selb­stre­dend ist die medi­ale Rezep­tion seit­ens fach­fern­er Autoren eine andere: Im “Tagesspiegel” zum Beispiel behauptet Oliv­er Voss von vorn­here­in, Infor­matik sei einst Frauen­sache gewe­sen, als beste­he zwis­chen dem Umstand, dass für das Pro­gram­mieren von Com­put­ern in deren Frühzeit, also in den 1940-er Jahren, kaum lebendi­ge, nicht gefan­gene und nicht ander­weit­ig beschäftigte Män­ner zu find­en waren, und dem Fakt, dass ger­ade ein Weltkrieg stat­tfand, kein­er­lei Zusam­men­hang. Frauen hat­ten eben nicht beson­ders viel zu tun und waren auch eher ungern an der Front.

Dabei scheint der ursprüngliche Fehler, der bei Google (und so weit­er) gemacht wurde, allein der zu sein, das Geschlecht über­haupt zu einem entschei­den­den Kri­teri­um für irgen­det­was gemacht zu haben. In ein­er Welt, die Geschlechter­gren­zen ein­reißen soll (es gebe, sagt man, sowieso unzählbar viele Geschlechter), ist der Ver­such, ein bes­timmtes Geschlecht stärk­er aktiv einzu­binden als ein anderes, ein moralis­ch­er Rückschritt, der sich ins linksre­gres­sive Nar­ra­tiv der Zeit zwar har­monisch ein­fügt, dessen Folgeschä­den jedoch unab­se­hbar bleiben.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Bask — Shake The Soot // Christian Lindners italienische Bewegung

Ob dort draußen wohl ein Panda ist?Es ist Mon­tag. Penis! Was tut man nicht alles zur Stim­mungsaufhel­lung an einem Tag wie diesem (näm­lich: Mon­tag)? Das Som­mer­loch ist da und es lang­weilt mich. Es geht mit großen Schrit­ten auf diverse Wahlen zu und da redet man nicht mehr so gern über wichtige The­men, obwohl das Reden wahrlich fehlt (auch: syn­onym). Das Käuzchen verzweifelt leise.

Das ist auch wenig über­raschend, die Ver­drossen­heit hat Gründe; welch­er Auto­mo­bilkonz­ern auch immer — in Nieder­sach­sen voraus­sichtlich Volk­swa­gen, wis­sen die unser­iösen Jour­nal­is­ten von “SPIEGEL ONLINE” — die näch­sten paar Wahlen gewin­nen wird, seine Partei macht sich sicher­heit­shal­ber schon vorher lächer­lich. Berlin­er wis­sen nicht erst jet­zt: SPD, Linke und Grüne sind ein Griff ins Klo.

Andere Parteien, andere Sit­ten: Nach der CDU, Ital­ien und der EU spricht sich nun auch Chris­t­ian Lind­ner dafür aus, dass Deutsch­land die europäis­che Flüchtlingspoli­tik anwen­det. Post­wen­dend fan­den sich auf Twit­ter Schrei­hälse, die diese Forderung mit denen der “Iden­titären Bewe­gung” gle­ich­set­zten, ver­säumten dabei aber zu erk­lären, was sie en detail daran störe; klar: wenn die medi­al auserko­re­nen Bösewichte etwas gut find­en, dann kann das, was sie gut find­en, gar nicht gut sein. Niemals nicht.

Was aber unbe­stre­it­bar gut ist und bleibt: Musik.

Bask — Shake The Soot

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: OHHMS — The Fool

OHHMS - The FoolOHHMS! Endlich mal wieder eine Band, deren Musik so klingt, wie sie heißt.

Nach immer­hin drei Jahren und eini­gen EPs veröf­fentlichte die britis­che Met­al­band OHHMS mit “The Fool” (Band­camp, Amazon.de) 2017 endlich ihr Debü­tal­bum.

Die sechs enthal­te­nen Stücke sind bis zu 21 Minuten (“The Hiero­phant”) lang, Radio­hör­er sind hier also nicht unbe­d­ingt die Ziel­gruppe. Zu hören gibt es das, was wohl ander­swo “Sludge” genan­nt wird, bei mir indes als ordentlich dröh­nende psy­che­delis­che Doom-Musik (“The Hiero­phant”) und angenehm entschlossen­er Hardrock (“The World”) ankommt.

Das aggres­sive, aber rhyth­mis­che Klangge­wit­ter auf “The Fool” wird von Paul Wallers dur­chaus vari­abler Stimme begleit­et, zwis­chen lieblichem Säuseln (“The Lovers”) und heftigem Nieder­schlag (“The Hanged Man”) sind manche Graustufen auszu­machen — immer nur zu dröh­nen und zu poltern ließe “The Fool” auch schnell lang­weilig wer­den.

Zu diesem Album jedoch ist Langeweile keine gute Beilage, denn es reizt vielmehr zur Kanal­i­sa­tion von Wut; hört man “The Fool”, so kann man sich dabei her­vor­ra­gend über die Welt aufre­gen. Es gibt solche Momente im Leben, und sie ver­lan­gen nach solch­er Musik. Kein Narr ist, wer sie ein­mal hören möchte.

Nur zu!