Es liegt mir fern, Klara Geywitz – immerhin stellvertretende Vorsitzende der SPD, die sich ihren Vorstand ja immer sehr gut aussucht – zu unterstellen, sie sei ein bisschen blöde; allein: Ich vermute, Saskia Esken, deren Wirken als SPD-Vorsitzhälfte in den Medien häufiger thematisiert wird als das ihres Amtskollegen Norbert Walter-Borjans bewerten, weil dieser sich mit öffentlichen Äußerungen zu gescheiterten Wirtschaftssystemen vornehm zurückhält, wird nicht deshalb für ihre Aussagen kritisiert, weil sie eine Frau ist, sondern, obwohl sie eine Frau ist.
Long Distance Calling – Into The Black Wide Open
Es ist Montag. Klimaschutz müsse feministisch, antikapitalistisch, antifaschistisch und sozial gerecht sein, krawallte jemand von „Fridays for Future Dortmund“ per Smartphone ins Internet rein. Schade – schon kaputtgespielt. Die Woche beginnt somit bedauernd.
Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass das „soziale Medium“ Twitter den Datenschutz seiner nicht zahlenden Kunden – auch, weil es gar keine bezahlten Konten gibt – nicht besonders ernst nimmt. Wir sind alle sehr überrascht. Ebenso überraschend ist es, dass eine bestimmte Sauerbratensoße gar nicht vegan ist. Was kippt man sich denn als Veganer jetzt stattdessen auf das Schwein?
Witziges aus der Welt der autoaggressiven Kleinstparteien: Die Regierungspartei SPD hat vorgestern in Berlin für andere Gesetze demonstriert. Hoffentlich hört die SPD der SPD endlich mal zu, die scheint ja voller guter Ideen zu stecken! – Witziges auch aus der Welt der EDV: Ein Hardwarehersteller gestaltet das Auftragen von Kühlpaste jetzt etwas anders als zuvor, damit Eltern nicht denken, dass es sich um Drogenkonsum handle. Wohl dem, dessen Eltern als Kind auch nicht anders waren.
Ich versprach gestern Gitarren. Hier kommen die Gitarren.
Guten Morgen.
Kurzkritik: Eminem – Music to Be Murdered By
Eminem macht es uns Freunden eher melodischer Klänge nicht leicht: Seine ersten zwei bis drei richtigen Alben waren durchaus bemerkenswert und wenigstens ein track aus jedem von ihnen fast überall zu hören, seine kalkulierten Provokationen trafen meist ins Schwarze und ärgerten die Richtigen. Anschließend versumpfte sein Tun ein wenig, was dazu führte, dass er fortwährend irgendwelche Popstars einen Refrain jammern ließ, was ich ganz persönlich für belanglos, langweilig, uninteressant hielt und halte.
Plötzlich, im August 2018, gab es „Kamikaze“, ein überraschend gedropptes, wie man in der Szene wohl sagt, Album, das auf „Revival“ (2017) folgte, das wiederum Gaststars wie Beyoncé, Pink und Alicia Keys aufwies und dessen Lieder zwar radiotauglich waren, aber nicht das aufwiesen, was Eminem für einen wie mich so interessant macht: Wut. Man werfe mir ein kindisches Gemüt vor, wenn ich schreibe, was ich gleich schreibe, nämlich, dass diejenigen Stücke von Eminem, die ich am wenigsten ungern höre, wahlweise diejenigen sind, in denen seine Rapgeschwindigkeit bemerkenswert hoch ist („Rap God“, „Speedom WWC 2“ u.a.), oder aber diejenigen, in denen er wütet; „Kim“ und dergleichen. Ich verstehe mich selbst oft nicht. Da „Revival“ aufgrund seiner Bräsigkeit sogar von blöden Medien wie dem „Stern“ und der „WELT“ als ungut empfunden wurde, tat Eminem das, was man von einem vernünftigen Künstler erwarten sollte: Er nahm mit „Kamikaze“ das stilistische Gegenteil von „Revival“ auf, knöpfte sich darauf textlich seine Kritiker und seine Genrekollegen vor und war dabei und darum dermaßen inspiriert, dass es das erste Eminemalbum seit langer Zeit geworden war, das ich mochte.
Das (abgesehen von der späteren Vinyl- und der ebenso späteren CD-Version) vorgestern ebenso überraschend veröffentlichte Nachfolgealbum von „Kamikaze“, „Music to Be Murdered By“ (Amazon.de, TIDAL), ist eine Folge dieses erneuten Freischwimmens. Irgendeine Rezensentennuss hat eines der enthaltenen Stücke „widerlich“ genannt, weil Eminem in dessen Text beiläufigen Bezug auf ein Attentat während eines Ariana-Grande-Konzerts nahm. Da werde ich spontan solidarisch, da kann man nichts machen. So bin ich eben.
„Music to Be Murdered By“, vom Namen über das Titelbild bis hin zu ganzen Wortbeiträgen gespickt mit Alfred-Hitchcock-Zitaten, ist also auch wieder ein Album geworden, auf dem alles einen Platz findet, was ein Kaumraphörer wie ich an seinem mittlerweile bärtigen Künstler so schätze: Provokationen, Wut – diesmal immerhin nicht vorrangig auf die Nichtkonsumenten seiner Alben – und versiert vorgetragene Selbsterhöhung in überdurchschnittlicher Geschwindigkeit („Godzilla“).
Mit „Darkness“, das ausgerechnet Simon and Garfunkel zitiert und einen weiteren Massenmord mit der Absicht, die noch immer zu lockeren Waffengesetze in den Vereinigten Staaten anzumahnen, aus der Ichperspektive schildert, ist Eminem überdies ein sehr lästiger Ohrwurm gelungen. Ärgerlich. Dabei mag ich gar keinen Rap.
Zum Glück gibt’s morgen wieder Montagsgitarren.
Oh! Jaa! Oh! Oh! Ohhhh!
Wegen fehlender Untertitel hat ein gehörloser Mann aus New York diversen Pornofilmen inhaltlich nicht richtig folgen können. Ein Missstand, der ihn dazu veranlasst hat, gegen mehre (sic! A.d.V.) Sexfilmanbieter zu klagen und Schadenersatz zu fordern.
Ich las, irgendwelche Menschen hätten Sorgen hinsichtlich des Überlebens der Menschheit geäußert. Seitdem frage ich mich täglich: Warum, um Himmels Willen, sollte man das wollen?
(Abt.: Weltknall)
Leistungsschutzrecht: Es tut mir leid!
Für mich
war
all das nur ein
Running Gag, der
witzig gemeint
war. Ich
konnte nicht ahnen, dass
die SPD
meine harmlosen Scherze
zum Anlass nehmen würde,
ein beliebtes Hobby
noch stärker als bisher zu
kriminalisieren:
Damit ist die
sarkastische
Betrachtung von
Wahlergebnissen der SPD
für unsereins
nahezu unmöglich geworden.
Ich bitte um zahlreiche
Nachsicht und
rate zur Vorsicht:
Die SPD ist
anscheinend sehr,
sehr nachtragend.
(Quellen: Verschiedene.)
Klimafranzosen // Kolonialvergessenheit
Ausnahmsweise mal gut informiert ein ZDF-Korrespondent:
Das EU-Parlament, das den Klimanotstand ausrief…
– reist heute mit Tausenden Abgeordneten und Mitarbeitern von Straßburg nach Brüssel zurück
– lässt jeden Monat 120 Limousinen (teils leer) hin- und herfahren
– produziert 110 Mio € Reisekosten und bis 20.000 Tonnen CO2 jährlich
Frankreich – Inhaber Straßburgs – findet das gut, ich wiederum finde abermals den weiteren Verbleib in der Europäischen Union überdenkenswert.
Gewohnt schlecht informiert ist der ehemalige Außenminister der noch ehemaligeren SPD, die zwar an 1945 immerfort zu denken vorgibt, aber bereits die schiere Existenz des Reichskolonialamtes bis 1943 ebenso einfach wegtwittert wie die Treibmittel hinter den SPD-Waffenexporten in Kriegsgebiete, nämlich Waffen & Geld:
Wir haben stärkeres als Waffen & Geld: Legitimität! Wir waren nicht am Libyen-Krieg beteiligt u. nie Kolonialstaat.
Wer hat Sigmar Gabriel eigentlich legitimiert?
Iwan des Tages: Wie gut lügt der Wissenschaftliche Dienst?
Nach den qualitätsmedialjournalistisch wertvollen Erkenntnissen von Carsten Luther („ZEIT“) …
[Die] Mitstreiter des Bellingcat-Recherchenetzwerks haben viel geleistet, um russische Propaganda und Falschinformationen zu entlarven. Wie gut lügt der Kreml?
… und Christian Weisflog („NZZ“) …
Dass auch Soldaten der regulären russischen Armee in der Ostukraine kämpfen, ist längst kein Geheimnis mehr.
… lässt sich aus der Stellungnahme der Wissenschaftlichen Dienste …
Ein Sachstand der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags zur „russischen Einflussnahme im Donbass-Krieg“, der am 9. Dezember vorgelegt wurde, hat bislang wenig Beachtung gefunden. Das mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass seine Erkenntnisse nicht nur die Politik der EU und der Nato nicht stützen, sondern auch medienkritisch sind. (…) Auffällig ist zwar, dass der Dienst ausschließlich Medien wie Spiegel, Zeit oder Deutschlandfunk oder die Stiftung Wissenbschaft und Politik (SWP) oder die International Crisis Group zitiert, die auch von der russischen Truppenpräsenz oder von einer russischen Militäroperation in der Ostukraine am Beginn des bewaffneten Konflikts gesprochen haben. Aber er kommt dann doch zu dem Schluss, (…) dass nichts wirklich belegt ist, sondern es sich weitgehend um Spekulationen handelt[.]
… wohl nur eines folgern: Der Russe finanziert Separatisten in den Wissenschaftlichen Diensten, um mit Meinungsrobotern und bezahlten Trollen die Integrität der Presse zu Fall zu bringen. Verdammter Putin!
Kurz angemerkt zur Klarnamenpflicht
Das wesentliche Problem des Vorstoßes Wolfgang Schäubles, Bundestagspräsident dieses von einer digital inkompetenten Bundesregierung gebeutelten Landes, man möge auf Anregung der Bundesjustizministerin (SPD, natürlich) stärker gegen „Hass im Netz“ vorgehen, indem künftig jeder – auch diejenigen, die eher als Opfer ausgesucht werden dürften – dazu verpflichtet werden soll, Essensfotos, öden Popmüll und/oder Hitlerbildchen nur noch nach Angabe ladungsfähiger Anschrift des bürgerlichen Namens in „soziale Netzwerke“ reinspeien zu dürfen, wird dem geneigten Beobachter bereits in dem Moment klar, in dem er sich des Umstandes bewusst wird, dass Wolfgang Schäuble bisher noch jede seiner das freie Miteinander der Bürger behindernden Beglückungsideen unter seinem echten Namen in Politik und Medien eingebracht hat, ohne jemals auch nur die geringste juristisch verhängte Strafe dafür zu erhalten oder gar antreten zu müssen, was hinreichend ausführlich dokumentieren sollte, dass kein einziges entferntes Feld zur freien Namenseingabe einen Schurken jemals daran hindern kann, Schurkereien zu betreiben.
Tortoise – TNT (live)
Es ist Montag. Manche EDV-Entwicklungen sind dermaßen bedrückend, da gibt sogar Fefe auf. Wenn die Cloud das kleinste Übel wird, kann man den Laden eigentlich nur noch abreißen und Bäume drauf pflanzen. So beginnt man eine Woche doch gern!
Apropos Internet: Gwyneth Paltrow verscherbelt neuerdings eine Kerze, die nach ihrer Vagina riecht. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, aber bin davon überzeugt, dass ich jedes weitere Angebot, in die Nähe von Gwyneth Paltrows Vagina zu geraten, lieber ausschlagen sollte. Die Kerze sei im Übrigen ausverkauft, behauptet das Internet. Kann ich die Zeit vor der Digitalisierung noch mal sehen?
Schlechte Nachrichten für die paneuropäische Piratenpartei, in deren Bundesvorstand seit einer Weile auch eine Vertreterin von Extinction Rebellion herumtollen darf: In Großbritannien wird Extinction Rebellion jetzt als Terrororganisation eingestuft. Ich finde das gut, bedaure aber ein wenig, dass ich eine schärfere Terrorgesetzgebung mit Überwachung und so weiter nach wie vor für eine ausgesprochen beknackte Idee halte. Die außergewöhnlich bekloppte Entgeldungs-SPD hat derweil vor Gericht verloren: Pfandflaschensammeln wird nicht mehr auf Hartz IV angerechnet. Man müsse Sozialismus nur mal richtig machen, kolportiert der linke Flügel der SPD. Meinten sie das damit?
Kurze Durchsage vom Deutschlandfunk: Computerspiele unterdrücken Frauen, weil diese in ihnen oft als sexy dargestellt und objektifiziert werden und nahezu niemals eine Hauptrolle in einem Spiel bekommen. Der „feministische Aktivist und Autor“ Jens van Tricht, der, wäre er stattdessen Männerrechtler, vermutlich einen „Incel“ – also jemanden, der nicht rangelassen wird – gescholten würde, stimmt ein: „Patriarchalische Vorstellungen“ in Computerspielen seien „die Ursache für (…) politische Probleme – bis hin zu Armut, Gewalt und Kriegen“. Wir hätten den 2. Weltkrieg also ganz einfach verhindern können, indem wir rechtzeitig aufreizende Frauenfiguren in Computerspielen verboten hätten. Verdammt!
Verhindern wir weitere Eskalationen also stattdessen mit dem, was am besten beruhigt: Musik.
Guten Morgen.
Traurige Autos von links
Inzwischen in der linken „taz“:
Die Trauerfeier für Jan Fedder findet nächste Woche im Michel statt. Den Abschluss bildet ein Autokonvoi über seinen geliebten Kiez.
Brumm-brumm allerseits!
Kurzkritik: Mirrors For Psychic Warfare
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
2016 veröffentlichte Scott Kelly (unter anderem als Mitglied von Neurosis bekannt) zusammen mit Sanford Parker (mir bisher gar nicht bekannt) eines von bisher zwei Alben unter dem Duoprojektnamen Mirrors For Psychic Warfare, nämlich das un- bzw. eigenbenannte Debütalbum (Amazon.de, Bandcamp, TIDAL). Als Teil dieses Duos macht er mal was anderes, nämlich Musik spielen, die zwischen Postpunk, Industrial, Noise und Ambient den vermutlich idealen Mittelpunkt gefunden hat: Mal laut klagend („CNN WTZ“), meist beschwörend repetitiv („A Thorn To See“) klingt unbestimmtes Unheil an, begleitet vor allem von stets zugegenem Schlagzeug und einem hochgeregelt verzerrten Gitarren-sound. Auf der Bandcampseite steht „Folk“ in den tags. Das Volk möchte ich sehen!
„Nicht zu morbide“ sei das Album, befand das Internet, die Stimmung aber sei „bedrückend“. Dem schließe ich mich an: Fröhliche Hüpfpopmusik ist das hier wahrlich nicht. Aber gefällig ist es schon, doch.
Den Nachfolger gibt es hier.
Brüsseler Prioritäten
Der baldige EU-Austritt der Vereinigten Königreichs zwingt die Europäische Union zu schnellem Handeln: Wirtschaftlich geht das britische Volk ein hohes Risiko ein. Wie Presseagenturen berichten, wird sich die Europäische Union daher in den ersten Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich auf den wichtigsten Punkt konzentrieren: Auf ein Handelsabk- gemeinsame Überwachung des Volkes.
Den Aufbau neuer Strukturen der Zusammenarbeit und die künftige Partnerschaft im Kampf gegen Verbrechen und Terrorismus nannte [EU-Unterhändler] Barnier als Punkt eins und zwei, ein Handelsabkommen als dritten Punkt.
Wenn sie kein Brot haben, sollen sie halt Staatstrojaner essen.
Lustige Berufe (5)
Heute: Staatlich geprüfter Influencer.
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung möchte angehende Medienaktivisten und Influencer in spe einladen, um die Ergebnisse der Studie «Von linken Influencern lernen» mit den Autoren Daniel Marwecki und Marius Liedtke zu diskutieren und passende Weiterbildungsangebote zu entwickeln.
(Zitat automatisch entsternt)
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung wird von mehreren Ministerien finanziell unterstützt – womit wieder einmal gilt: Mit der richtigen Ausbildung kann man in Deutschland alles werden!
Manöverkritik: Fahrscheinfreie Rüpeleien
Im Prinzip wäre zu der Nachricht, dass ein paar Fahrscheinignoranten natürlich in Berlin angeblich drei ‑kontrolleure angegriffen haben, weil diese es gewagt haben, ihrer natürlich schlecht bezahlten Arbeit nachzugehen, mit einem Wort alles gesagt:
Deshalb gelte diese Parole: „Helft euch gegenseitig den Kontrollettis zu entkommen! Für den Nahverkehr muss mensch nicht bezahlen.“
Doch.
Aber weil hinter dieser Nachricht viel mehr Inhalt steckt, möchte auch ich mich ausnahmsweise zu mehr Inhalt hinreißen lassen.
Dass weder Dienstleistungsangestellte noch ‑erschleicher aufgrund einer Meinungsverschiedenheit bezüglich der anfallenden Kosten verdroschen werden sollten, bedarf auf dieser Seite keiner weiteren Erläuterung. Die Leser des „linksextremistischen Internetportals“ („Tagesspiegel“) „Indymedia“, wie auch immer man sich ein „linksextremistisches Internetportal“ vorzustellen hat, sind selten auch Leser des meinen. Ein entscheidender Fehler zieht sich aber bereits seit mindestens 2013 durch die Berichterstattung: Ein kostenloser Nahverkehr wird von kaum jemandem angestrebt, denn Kosten fallen immer an. Ein fahrscheinfreier Nahverkehr hingegen, also einer, dessen anfallende Kosten von den Passagieren anders als über den Kauf von Fahrscheinen gedeckt werden, etwa über Steuern, könnte gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich für beide Seiten enorme Vorteile bieten.
In den Kommentaren zu einer anderen Nachricht zum Thema, die ich leider gerade nicht wiederfinde, wird zu Recht darauf hingewiesen, dass andere Länder statt der Fahrscheinkontrollen Absperrungen an ihren Bahnstationen hätten, durch die man nur mit einer gültigen Fahrkarte gehen könne. In London gibt es allerdings sowohl solche Absperrungen als auch Kontrollen; offenbar wird der Wirkung der Absperrungen selbst nicht getraut. Die Absperrungen würden aber, argumentierte man, dazu führen, dass in Deutschland mit ihnen endlich so etwas wie die herrliche Oyster Card der herrlichen Stadt London möglich würde. Diese card ist eine Art Prepaidkarte, die man anonym kaufen und bar aufladen, anschließend einfach überall im städtischen Nahverkehr abfahren kann. Obwohl mir die Kosten für die Umrüstung der bisherigen Fahrscheinautomaten ebenso nicht ganz klar sind wie alle weiteren Kosten und ich daher fast so unqualifiziert zu einer vernünftigen Einschätzung wie das „linksextremistische Internetportal“ bin, finde ich diese Idee doch nicht uninteressant: Das Verkehrsunternehmen bekommt trotzdem sein Geld, jetzt eben nur im Voraus – und das zeitintensive Kaufen von Fahrkarten entfällt ebenso wie die Notwendigkeit zur Kontrolle, weil das Entgelt beim Verlassen des Zielbahnsteigs sowieso automatisch entrichtet werden muss.
In Deutschland existiert so etwas – leider noch mit Zwang zur Offenlegung einer Bankverbindung – bisher nur in Form der „Flexikarte“ in Schweinfurt, von der nicht bekannt ist, ob sie die Buswirtschaft der Stadt bereits zum Erliegen gebracht hat. Ist das nicht der Fall, so spricht eigentlich nichts dagegen, dieses Konzept deutschlandweit einzuführen.
Eigentlich.
„Das ist alles nur Kunst, eo, eo.“
Ist das Diebstahl oder kann das weg?:
Politaktivisten haben aus zahlreichen Kirchen bundesweit zwei der drei Heiligen Könige aus den dortigen Weihnachtskrippen entfernt. (…) Die Gruppe, die sich als Künstlerkollektiv „Ausgegrenzt“ bezeichnet, will damit nach eigenen Angaben auf die gravierende humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen aufmerksam machen.
Das ist eine geradezu vorbildliche Aktion, die hoffentlich Schule macht. Ich empfehle die Gründung eines Künstlerkollektivs namens „Lächeln und Winken“, das in Frankreich die – oder wenigstens eine – „Mona Lisa“ entfernt, um damit auf die französische Sicherheitspolitik aufmerksam zu machen, die wirklich nicht zum Lächeln ist. Anschließend rege ich an, ein paar Mercedessterne und/oder Außenspiegel von den Autos von WDR-Mitarbeitern zu entfernen, um damit gegen diese Art von Berichterstattung zu protestieren. Man kann sie ja danach wieder zurückgeben.
Das wäre sicherlich etwas für das Föjetong – ist ja dann Kunst.







