Ach, „Focus“.

Ach, ach.
Ach, „Focus“.

Ach, ach.
In einem lesenswerten Artikel über die fehlende Entwicklungskohärenz von Linux fast ebenso lesenswertes Zitat:
Unsere Aufgabe ist es, dass Menschen verstehen, dass diese Revolution die der Open-Source-Software ist und es überhaupt nicht um Linux geht. Linux ist allenfalls das Aushängeschild dieser Bewegung.
(Mies übersetzt von mir.)
Das ist jetzt etwas mehr als zwanzig Jahre her und die Aufgabe kann man – mit Blick auf Blogs und vermeintliche Fachzeitschriften („SPIEGEL“) – als gescheitert ansehen. Hat die Open-Source-Gemeinschaft denn bis heute noch kein zweites Programm rausgebracht?
Medial aufgeblasener EDV-Schwachsinn auch in der Hardwarewelt: Überraschend stellt sich heraus, dass, wenn man ein Notebook einer anderen Person zum Basteln überlässt, dieses Notebook anschließend möglicherweise ein unerwartetes Verhalten aufweist. Jemand sollte dieses Jemandemüberlassen dringend mal verbieten.
Andrea Nahles gibt demnächst Post und Telefon auf die Fresse. Typisch neoliberale SPD: Immer nur auf gut bezahlte Posten aus!
Großartiger Text: Psychogramm einer Privilegiencheckerin.
Lena weiß jetzt, was in der Gesellschaft schiefläuft.
Deswegen kennt sich Lena auch richtig gut mit Politik aus. „Liberale sind eigentlich Faschisten“, weiß sie etwa, „weil neulich hat doch ein FDPler das Gleiche getweetet wie ein AfDler“. (…) „Der Kapitalismus ist an allem schuld“, resümiert Lena stolz, während sie mit dem neuem MacBook den Kroatien-Urlaub auf EasyJet bucht.
Hihi.
Es ist Montag. Kompliziert wird die Situation mit den Mitmenschen, wenn ein erschrocken Angesehener eine beruhigende Wirkung bei Umstehenden erzielt, wenn er seinen soeben durchlebten Husten als Raucherhusten identifiziert. Das sei ja nicht so schlimm, pflichten ihm auch die Umstehenden bei. Wo genau ist die Gesellschaft falsch abgebogen und warum ersetzen wir sie nicht einfach durch Pandabären?
Eine gute Nachricht zum Wochenbeginn: Der Fußball hat sich endlich von seinen Zuschauern emanzipiert. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, die konsequent weiter verfolgt werden sollte, etwa bei der Berichterstattung über ihn. Über Minigolf spricht doch auch fast niemand.
Kommen wir zur Politik: Die neuen Umfragen sind da! CDU und CSU liegen bei 40 Prozent, diejenigen Parteien aber, deren Inhalte sich darin erschöpfen, den Großteil der eigenen Wähler fortwährend wahlweise wegen ihres Besitzes oder ihrer Ideale zu beschimpfen, wurden weiter verzwergt. Ursache. Wirkung. Es sei jetzt wichtiger denn je, irgendwem Geld wegzunehmen, faselten sie erst letzte Woche. Einfach ein Grundeinkommen auf Corona draufschmeißen, dann sind alle Probleme gelöst. 15 Prozent sind noch 14 zu viel.
Apropos: Hurra, die Monarchie im Westen bleibt zukunftsgewandt! Warum eigentlich ist das eine Nachricht und warum eigentlich ist das so? Die Zukunft keines Landes sollte der Monarchie gehören. Lieber regieren lassen tät‘ ich mich von: Musik.
Guten Morgen.
Ich wünsche uns allen alles erdenklich Gute zum 75. Jahrestag der Niederlage Befreiung. Schade, dass Peter Fechter das nicht mehr erleben kann. Ihm kam bei der Befreitheit was dazwischen.
EU-Parlamentarier kommen endlich in den Genuss einer neuen Abstimmsoftware, die nicht nur Manipulation selbstverständlich ausschließt, sondern überdies den neuesten grafischen Trends formschön asketisch entsagt.
Manipulation ausgeschlossen? Ja:
Sicherheit sei kein Thema, sagen sie, denn zur Abstimmung sei außerdem eine E‑Mail mit eingescannter Unterschrift erforderlich…
Mir ist wirklich unklar, wie so etwas wie Artikel 17 in dieser EU nur passieren konnte.
Aus Gründen.
„… aber nur noch Sie drei!“
Es ist Montag. Die dadaistisch relevante „taz“ zitierte Niko Paech mit den Worten, ein Leben ohne Mango sei erträglich. Ich erwarte minütlich die Gründung der Mango Ultras in der Südfruchtkurve. Vitaminhooligan ist keine Entscheidung, Vitaminhooligan ist eine Bestimmung!
Greifen wir zu drastischen Maßnahmen, greifen wir zu den Nachrichten. Immer, wenn ich Mundschutz lese, denke ich an die Sadistenszene in Pulp Fiction. Ich kann doch auch nichts dafür. Zum Thema: In Berlin haben sich mehrere Tausend versucht anzustecken, um es den Bullen mal so richtig zu zeigen. Nimm dies, Staat! Wenigstens in Tschechien ist die Welt noch in Ordnung: Taiwan soll nicht anerkannt werden? Der Prager Bürgermeister macht’s trotzdem.
Die Deutschen, krachte Joschka Fischer neulich in ein Quatschmedium rein, müssten ihren instinktiven Pazifismus hinterfragen. Des Herrn Fischer ureigener Streich zulasten des Pazifismus ist jetzt schon drei Hundejahre her, jetzt ist’s aber auch mal gut. Kann sich Deutschland von seinen pazifistischen Instinkten lösen? Genug des Daseins als kriegsferner Haufen. Das hat noch nie funktioniert!
Was hingegen schon immer – naja, außer in den Achtzigern – gut funktioniert hat: Musik.
Guten Morgen.
Piratenpartei Rheinland-Pfalz, 6. Mai 2012:
PIRATEN schließen ersten dezentraler (sic! A.d.V.) Parteitag in Deutschland erfolgreich ab
„heise online“, 21. Februar 2017:
Anstatt in einer großen Halle veranstalten die Brandenburger Piraten ihren Landesparteitag im Internet.
Vera Cornette, „Landtagskorrespondentin + Moderatorin ARD alpha“, 2. Mai 2020:
Premiere: der erste Parteitag in digital – die Grünen machen das, was sich die Piraten wünschten. Mitte Mai folgt die CSU.
„tagesschau“ (ARD), ebenfalls 2. Mai 2020:
Grüne veranstalten ersten digitalen Parteitag in Deutschland
Das muss diese Grundversorgung sein, von der immer die Rede ist.
Es ist ja, allerwertester der Verlage namens cbj, sicherlich eine vermarktungsmäßig okaye Idee, sich bei der Gestaltung von Klappentexten von Totbaummedien („Bücher“) an aktuellen Sprachmarotten zu orientieren, etwa einem Buchtitel eine Raute voranzustellen, um einen hashtag zu simulieren (der natürlich nicht nur keine Leerzeichen mag, sondern vor allem jeden Witz im Offlinekontext verliert, ist die Funktionsweise eines hashtags doch nichts als das Kategorisieren von Dingen in Medien, die sonst keinerlei Kategorisierung ermöglichen, wozu Bücher nun wirklich nicht zählen), oder es unklar zu lassen, in welcher Sprache das auf Käufer wartende Buch verfasst ist, denn viele Menschen mögen Überraschungen; aber …

… was das „mit“ hier auf dem Titel verloren hat, verstehe ich trotzdem nicht. Da muss bei einer Neuauflage dringend ein update her!
Die Berliner SPD, seit dem Ende der Teilung der Stadt fortwährend an der Regierung beteiligt, gab zum gestrigen 1. Mai bekannt:
Wir brauchen einen handlungsfähigen Staat. Nach der Krise benötigen wir mehr Investitionen in die digitale und kommunale Infrastruktur, mehr Investitionen in Forschung und Bildung und mehr Mittel für den Klimaschutz.
Im gleichen Artikel bot sie auch einen Rahmen für das Facebookprofilbild an. Facebook scheint in der SPD das übliche Kommunikationsmittel zu sein. Witze über die Zielgruppe von Facebook schreiben sich da ganz von selbst.
Der nordrhein-westfälische Landesverband der Partei, die seit Dezember 2013 das Sozialministerium führt, teilt in gleicher Sache mit:
Wir brauchen einen starken Sozialstaat mit starken Gewerkschaften und verlässlichen Sozialpartner, damit Tarifpolitik und Arbeitsrechte nicht weiter unterlaufen und ausgehebelt werden.
Einen Schritt weiter geht die SPD Döhren-Wülfel, die nicht bloß Gebrauchtes nennt, sondern von sich selbst etwas fordert:
Das war auch schon immer ein Auftrag in Verbindung mit dem 1. Mai, ein Rückblick auf die in der Vorzeit erkämpften Rechte, aber auch ein Tag, um klar und deutlich die Umsetzung von weiteren, sinnvollen Veränderungen und Maßnahmen zu fordern.
Jemand sollte die SPD unbedingt einmal mit politischer Verantwortung ausstatten. Die werden das Sozialwesen in Deutschland endlich umkrempeln!
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Heute ist internationaler Tag des Jazz. Zwar könnte ich diesen Tag nutzen, um mir selber mit Miles Davis (dessen ödes Getröte mich wirklich nicht reizt) keinen Gefallen zu tun, stattdessen arbeite ich die Liste der angefallenen Alben dieses Jahres ab, bevor sie noch länger wird. Da wäre zum Beispiel das Kölner Duo Meanwhile Project Ltd, das gemeinsam mit Gastmusikern aus dem heimischen Subway Jazz Orchestra unter dem Titel „Marseille“ ein recht angenehm zu hörendes Album aufgenommen hat, das Mitte April rauskam. Gesungen wird auf Englisch. Immerhin kein Kölsch!
Die beiden Vorabsingles „Selina“ und „Idols Shaking Hands“ zeigen die stilistische Breite der Musiker zwischen Rock- (erstere Single) und Klaviermusik (zweitere Single) bereits weitgehend auf, aber dafür sind wir heute ja nicht hier versammelt. Das Ohrenmerk bitte ich stattdessen insbesondere auf den Anfang, also auf das Titelstücks, und die zweite Hälfte der Mitte des Albums zu richten, denn dort kommen die Orchestermusiker zu vollem Einsatz. Selbst das abschließende „Ghost with a Toy“, für letzte Stücke leider nicht üblich, zeigt keine Anzeichen für qualitatives Nachlassen.
Das soll freilich nicht heißen, dass der Rest des Albums uninteressant wäre: Gerade das melancholisch stimmende „Idols Shaking Hands“ oder das wundervoll pulsierende „Lost on Demand“ hätten mir fast bereits beim ersten Hören einen Druck auf „Wiederholen“ entlockt. Aber nach irgendwas muss ich hier ja sortieren, sonst wirkt das so nach Werbezettel und das mag ich nicht.
Andererseits: Gerade jetzt ist ein bisschen Werbung für gute Musik vielleicht keine schlechte Idee. Morgen, am 1. Mai, zum Beispiel wird die Musikplattform Bandcamp, auf der auch „Marseille“ zu finden ist, auf jegliche finanzielle Anteile an Platten- und Downloadverkäufen verzichten, um gebeutelten Musikern das Leben nicht noch schwerer zu machen. Besorgt euch, wenn ihr Downloads partout lieber besitzt als die Schallplatte, „Marseille“ also lieber morgen, und zwar hier. Das Warten ist es wert.
Gern geschehen.
Demnächst hat Klein-Venezuela zwar immer noch teure Wohnungen und kein Geld, aber immerhin einen neuen Flughafen; der wiederum, weiß man schon jetzt, kein Geld hat:
Am neuen Hauptstadtflughafen, der am 31. Oktober 2020 endlich in Betrieb gehen soll, geht die Rechnung nicht mehr auf. (…) Bis 2023 beträgt der Mehrbedarf mindestens 1,5 Milliarden Euro, im ungünstigen Fall sogar 1,8 Milliarden Euro, um eine Insolvenz abzuwenden.
Der Hauptstadtflughafen, geschäftsgeführt von Engelbert Lütke-Daldrup (SPD), gehört zu je 37 Prozent dem Land Berlin („regiert“ von SPD, „Linken“ und „Grünen“) und dem Land Brandenburg („regiert“ von SPD, CDU und „Grünen“). Der Rest gehört dem Bund („regiert“ von CDU und SPD). Den kleinsten gemeinsamen Nenner einmal beiseite lassend: Ist dieses Verbrennen großer Geldsummen eigentlich schon Teil der Überwindung des Kapitalismus?
Während ganz Deutschland damit beschäftigt ist, möglichst nicht über andere Staaten nachzudenken, stellt die beste Europäische Union aller Zeiten schon wieder nichts als Unfug an:
Wenn es nach Kommission und Rat geht, könnten Inhalte europaweit – auch in Deutschland – auf Anordnung von Mitgliedstaaten mit populistischen, autoritären Regierungen gelöscht werden. (…) Die auf diese Weise geschaffene Zensurinfrastruktur wird absehbar über Terrorismus hinaus ausgeweitet werden.
Ich wünschte, ich müsste das irgendwann nicht mehr schreiben: Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.
Das wird eine witzige Zeit, wenn Internetarchäologen sich in ein paar Jahrzehnten mit dem Jahr 2020 befassen: „Polizei entdeckt illegale Friseurgeschäfte im Keller“.