Zum momentanen Zustand des Webs im Allgemeinen und der dort unbedingt vertreten sein wollenden Qualitätsmedien im Speziellen sollte ich vielleicht noch diesen Screenshot für sich sprechen lassen.

Zum momentanen Zustand des Webs im Allgemeinen und der dort unbedingt vertreten sein wollenden Qualitätsmedien im Speziellen sollte ich vielleicht noch diesen Screenshot für sich sprechen lassen.

Trottel im Wahlkampf (1): Norbert Röttgen will CDU-Großwesir werden, um „die Schöpfung“ zu bewahren. Völlig konsequent steht er hierfür vor einer Fichtenplantage herum.
Trottel im Wahlkampf (2): Markus Söder cyberfloskelt.
Warp-Antrieb in eine neue Computer-Welt: München wird zum Quantum Valley. Ein Quanten-Computer ist wie ein Orchester an Super-Computern. Das ermöglicht Forschung in völlig neuer Dimension.
Wenn irgendjemand versteht, was der Herr physikalisch ausdrücken möchte, bitte ich um zeitnahe Übersetzung.
Andere Länder, andere Sitten: Um Corona-Regeln zu umgehen: Frau führt Mann an Leine Gassi.
Überraschung: Der Arbeitgeberpräsident will nicht, dass Arbeitslose zu viel Geld bekommen. Sonst wollen die gar nicht mehr arbeiten müssen. Das wäre nicht nett.
Man ist zwar Rassist, findet aber das Angebot der NPD nicht überzeugend und kann die CSU in seinem Bundesland nicht wählen? Kein Problem: Die PARTEI existiert. Haha. Satire. Hahaha.
Nachtrag: Nico Semsrott reicht’s.
Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein?
Richtig: In Keuschheitsgürtel.
Und was passiert dann?
Richtig: Hacker hacken.
Hätte niemand ahnen können, dass die Idee nicht gut war. Niemand.
Es ist Montag. Die Kommunisten, berichten die Kommunisten, seien unzufrieden damit, dass die Berliner Stadtregierung („rot-rot-grün“) gar nicht viel von linkem Aktivismus hält. Ich würde mir ja erhoffen, dass die Einwohner Berlins diese Feststellung wenigstens bis zur kommenden Bundestagswahl nicht vergessen, aber laut Twitter haben sie’s heute schon. Schade, dass wieder keine Pandabären als Kanzlerkandidaten aufgestellt worden sind. Das wäre eine gemütliche Legislaturperiode.
Kind zu sein ist 2021 nicht mehr attraktiv. Man erlebt ja nichts mehr. Andererseits ist die Definition von Kindsein auch eine etwas andere geworden, denn bereits der noch amtierende US-amerikanische Präsident wird oft als ein Kleinkind bezeichnet, als wäre ein Erwachsener automatisch ein vernünftiger Mensch.
Folgerichtig freut man sich nun landauf, landab darüber, dass Donald Trump endlich nicht mehr auf Twitter geduldet wird, was von der Forderung nach einem freien, unzensierten Netz, das ohne zentral organisierte Konzerne auskommt, nicht mehr viel übrig lässt. Wie angenehm es doch manchmal sein kann, wenn ein gesichtsloses Unternehmen dem eigenen Wunsch danach, ein anderer möge endlich schweigen, entspricht! Hätte Donald Trump doch nur – wie sein iranischer Amtskollege – die Auslöschung Israels befürwortet, wäre ihm nichts passiert. Hoffentlich lernt er etwas daraus. Inwiefern es eine gute Nachricht sein soll, dass US-amerikanische Konzerne auch Messenger einfach fremdabschalten, weil sich dort auch diejenigen austauschen dürfen, die Übles im Sinn führen, frage ich insofern lieber nicht.
Gute Frage stattdessen: Wie viele Fußballfelder passen eigentlich in den Grand Canyon?
Ebenso gut auch: Musik.
Guten Morgen.
Stellt euch mal vor, wie fortschrittlich wir wären, wenn Frauen schon immer die Hälfte der Macht gehabt hätten.
Bei der Reichstagswahl vom 5. März 1933 gaben dann erstmals mehr Frauen (2.246) als Männer (2.103) der NSDAP ihre Stimme. Die Wählerschaft der herrschenden NSDAP setzte sich in Rosenheim somit zu 51,6 % aus Frauen und zu 48,1 % aus Männern zusammen.
Vielleicht war das Frauenwahlrecht auch einfach keine so gute Idee?
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das gerade richtig verstehe, aber es wirkt auf mich doch recht undurchdacht, wenn Politiker der SPD unter dem Titel „Anti-Hass-Gesetz“ (klänge „Gute-Emotionen-Gesetz“ nicht viel schöner?) ausgerechnet in einem Wahljahr Lügen im Internet verbieten wollen.
Schöne Frage: Wenn man nur patentieren kann, was man erfunden hat, was genau kann man eigentlich erfinden?
Apropos Netzpartei.
Dass ausgerechnet die Technikverhinderungspartei CDU Deutschlands erste Partei sein wird, die ihren Vorstand faktisch online wählen lässt (die anschließende „Briefwahl“ ist nach den Zusicherungen der Kandidaten, eine Niederlage im Onlinevotum als final zu akzeptieren, kaum als solche zu bezeichnen), hätte eine ganz andere Wirkung, liefen nicht unter dem Tweet zum Thema Wähler und Mitglieder anderer Parteien, die schon vor vielen Jahren irgendwas über’s Internet beschlossen haben, schäumend Sprechamok, weil sie den Unterschied zwischen einer Programmkonferenz (da beschließt man das Programm) und einem Parteitag (da beschließt man alles) nicht verstanden haben.
Andererseits hatte ich neulich noch anderswo die Frage gestellt, was eigentlich aus der schrägen Partei Volt geworden sei. Frage beantwortet: Die sind alle auf Twitter und beleidigen dort die CDU.
Was macht eigentlich die Piratenpartei gerade?
Es ist Montag. Wenig überraschend wird die Amadeu-Antonio-Stiftung von einer Dame Frau geleitet, die in der besten ostdeutschen Demokratie, die es zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Deutschen Einheit je gab, Juden denunziert hat. Von dieser Stiftung lässt man sich doch gerne was über Hassrede erzählen.
Der Netscape Communicator ist jetzt ein Standard. Es könnte schlimmer sein. Da kriegt man wenigstens diesen neumodischen Reklamemist nicht fehlerfrei angezeigt.
In eigener Sache: Ich hatte eigentlich vor einigen Tagen nur wissen wollen, ob Coleslaw, eine durchaus gute in Common Lisp geschriebene Blogsoftware, noch aktiv entwickelt würde, denn Anfragen für Codeänderungen blieben oft längere Zeit unbeantwortet. Das Ergebnis dieser Frage war aber zu meiner Überraschung, dass ich zum Maintainer ernannt wurde, was ich eigentlich gar nicht vorhatte (schon wegen GitHub). Na gut, dann mache ich das halt. Ich kann Coleslaw (zwar auch den Salat, aber hier die Software) insofern wieder guten Gewissens empfehlen.
Auch guten Gewissens zu empfehlen: Musik.
Guten Morgen.
Es wird berichtet, die CSU wolle nicht nur „flächendeckend die Fächer Programmieren und digitale Wirtschaft“ einführen lassen, um die Schüler zu nützlichen Arbeitnehmern fit für die digitale Welt zu machen (denn genau daran denkt man, wenn man an die CSU denkt), sondern auch das Surfen im Web, diesem schrecklichen Fehler in der Geschichte des Internets, beschleunigen.
Wie? Nein, nicht mit schnelleren Leitungen auch in dörflichen Regionen, das wäre ja teuer:
Die Pflicht, bei jedem Besuch einer neuen Homepage nach der Zustimmung zu Cookies gefragt zu werden, sollte aus Sicht der CSU entfallen. Sie sei eine „Belastung für schnelles Surfen“.
Endlich protestiert mal jemand gegen die Politik der CDU/CSU. Aber muss es ausgerechnet die CSU sein?
Ich habe ja diese Pflicht auf meinen Geräten längst entfallen lassen. Die von mir eingesetzten Webbrowser verwerfen Cookies automatisch und blenden auch den Nachfragebanner in der Regel automatisch aus beziehungsweise zeigen sie gar nicht erst an.
Vielleicht sollte die CSU doch mal ihren Netscape Communicator aktualisieren.
Wie in jedem Jahr sind auch in diesem Jahr wieder einige Werke gemeinfrei geworden, dank der Intervention skrupelloser Großkonzerne wie der Walt Disney Company in einigen Ländern später als in anderen.
Weil die EU (haha, diese Briten, so doof) zum Beispiel Werke erst 70 Jahre nach dem Tod des jeweiligen Urhebers in die Gemeinfreiheit entlässt, sind heute zum Beispiel diejenigen Bücher hierzulande gemeinfrei geworden, deren Autor 1950 gestorben ist; zum Beispiel die von Heinrich Mann und George Orwell.
Nach den Bürgern Russlands, Kanadas und Australiens können also auch die Deutschen endlich „1984“ im englischsprachigen Originaltext legal aus so Quellen herunterladen und es wenigstens mal überfliegen, bevor sie es in irgendwelchen seltsamen politischen Kreisen als Argument benutzen. Das ist sehr nett, denn das Herunterladen aus so Quellen ist eines meiner Spezialgebiete.
It’s just a date, äffte einer meiner Lieblingsmelancholiker in seinem Jahresrückblick (sich und) andere nach, und ich wiederum äffe jetzt ihn nach, indem ich selbst nicht nur auf das Jahr zurückblicke, sondern auch viel zu spät den Satzabschluss schaffe (2020 war ja auch eher ein Metajahr), aber weil uns sonst außer der Melancholie (bzw. sowieso: dem Menschsein) vor allem verbindet, dass ich 2020 unter anderem – bürokratisch gesprochen: just in dieser Minute übrigens; Konfetti! – eine Partei verlassen habe, ohne allerdings direkt in die nächste Selbstgeißelung mittels sofortigen Übertritts in „da isses auch nicht besser“ verfallen zu sein, komme ich über etwas Stiladaption kaum hinaus. Nach dem Affenbrand zu letztem Neujahr ist das sowieso dünnes Eis. Wenn ich die Nachrichten richtig verstehe, ging aber auch 2020 nicht gut für ein paar Affen aus. (Da: Meta! Schon wieder!)
Sicher: 2020 war auch bloß ein Jahr wie jedes andere – wie Jahre eben so sind, in denen man alte Mumien ausbuddelt: Hitler hat eine Wahl gewonnen, statt des Friedhofs der Kuscheltiere gab es den Friedhof der Krebsmutanten, Fahrräder brauchen jetzt einen Server, auf einem neu erforschten Planeten regnet es Lava – und GruschelVZ ist auch wieder da. Wasser ist jetzt Börsengut, aber die SPD hat 2020 keine Großspenden bekommen. Es war nicht alles schlecht. Man muss kann das Geschehene ja auch positiv sehen: Die Bonpflicht erscheint plötzlich wie das lächerlich kleine Problem, das sie ist.
Ab heute darf man nur noch ein halbes Jahr lang ohne Visum im Vereinigten Königreich gastieren. Das reicht erfahrungsgemäß fast für eine halbe Londonbesichtigung. Ab dem 2. August muss man dann seine Fingerabdrücke mitbringen, man könnte ja ein Terrorist sein, befindet die Bundesregierung und beschwört damit eine selbsterfüllende Prophezeiung herauf.

It’s just a date. Es war ein Jahr der Shitstorms, dennoch: 2020 wurde nicht nur Gutes vertieft, sondern auch der Horizont versetzt. Persönlich hatte ich schon weit schlimmere Jahre, vielleicht ist 2020 sogar unter den bisher schönsten (gutes TODO jedes Jahr: Laune nicht vom Wetter abhängig machen). Das Endjahrespluseins nicht nur ins nächste Jahr mitnehmen, sondern es im übernächsten immer noch im Inventar haben (das ist ja auch ein schiefes Bild, Super Mario gibt seinen Pluseinsen ja meist eine Kopfnuss, aber als Klempner tauge ich auch nicht viel): Warum gibt es für so was eigentlich nie eine Medaille im Internet?
Wir introvertierten Nerds haben jedenfalls weder vom Shut- oder vom Lock- noch vom Igetknockeddown (butIgetupagain) wesentliche Einbußen an Lebensqualität erfahren müssen. Kommt auf die dunkle Seite, wir löschen Cookies!
Eigentlich wollte ich 2020 noch eine musikalische Jahresrückschau veranstalten, aber die wird noch ein paar Tage warten müssen.
Eigentlich wollte ich 2020 noch dieses mir längst unangenehme Blogsystem hier durch etwas anderes ersetzen, aber da müsste ich noch etwas Zeit investieren und das Jahr ist schon rum.
Eigentlich will ich gerade gar nicht hier sein.
Geböllert wird nichtdochvielleicht, außer in Münster. Dort machen Menschen schnell das Licht aus und an. Wenn die Leitungen dort ansatzweise so gut funktionieren wie anderswo, dann wird es doch noch ein kleines Feuerwerk geben, sogar mit Tatütata. Ich hingegen, weit weg von Münster, sitze drin und trinke Rotwein. Ich habe diese Runde gewonnen. Die nächste geht auf mich.
Das wird ein Spaß.
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Was der Musikwelt in den letzten Jahrzehnten ja etwas gefehlt hat, war der Canterbury Style, jener widerspenstige Ableger des Jazzrocks, der meist oberflächlich leichtfüßig, aber gleichzeitig vertrackt daherkam. Die Siebziger sind vorbei, so viel habe selbst ich verstanden, aber manchmal gibt es im Jazz noch diese positiven Momente, die mir gute Laune und ein paar Zeilen Text abringen.
„Chapters“, ein beachtliches Album des Brooklyner Quartetts Kneebody (2019, Amazon.de), ist ein Werk, das voll ist mit solchen Momenten; seien’s die gesungenen Skeleton$-Erinnerungen („What’s My Name“, gesungen von Michael Mayo), sei’s der gelungene Instrumentaljazz. Selbst gefühlvolle Lieder („Wounds Let in the Light“) kommen ohne Schmalz aus dem Kopfhörer. Das kann man nicht von allen zeitgenössischen Gruppen behaupten.
Schönes Album eigentlich.
In der Geschichte des Sprengstoffs hat das Feuerwerk zu allen Zeiten eine besondere Bedeutung gehabt, mal religiös, mal repräsentativ. Man wolle böse Geister mit Lärm und Licht vertreiben, behauptete man, aber nachweislich hat das eher mäßig gut geklappt.
Die Deutschen, einmal im Jahr plötzlich gar nicht mehr so westlich, sondern östlich orientiert, empfanden derlei Folklore schon immer habenswert, denn die eigene Kultur gibt nur wenig Historisches her, mit dem man den Mitmenschen mal so richtig auf die Nüsse gehen könnte. Weil dieses Jahr aber alles anders ist, fällt das gewohnte Abbrennen hell leuchtender und pfeifender und/oder knatternder Raketen ausnahmsweise aus.
Die Stadt Münster, als weltliche Institution erwartungsgemäß religiös orientiert, hat sich einen witzigen Ersatz ausgedacht:
Um Mitternacht sollen an Silvester die Glocken der Kirchen läuten. 20 Minuten lang wird auf diese Weise statt Feuerwerk der Jahreswechsel gefeiert. Dadurch soll den Bürgern „ein Zeichen der Kraft, Zuversicht und des Zusammenhalts“ gesendet werden, wie die Verantwortlichen berichten.
Die Konnotation, dass Bürger ohne minutenlangen Krach keine Kraft, keine Zuversicht und keinen Zusammenhalt erfahren dürfen, ist hierbei auch bemerkenswert. Hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem laute Geräusche nun nicht gerade für Kraft und Zuversicht (wenn auch vielleicht für Zusammenhalt) standen, schon jemals irgendjemand selbst als stärker, hoffnungsvoller und/oder zusammenhaltiger empfunden, wenn er aus Glockengründen sein eigenes Wort kaum mehr verstand?
Dass Glockenläuten ein unzureichender Ersatz für Feuerwerk ist, versteht sich allerdings von selbst, denn buntes Licht und Pfeifen und/oder Knattern bleiben hier aus. Konsequent wäre es, die Kirchen stattdessen in Brand zu stecken. Die Chance aber wurde vertan.
Wie bedauerlich.