PiratenparteiPersönliches
Last Exit Netz­par­tei: Hier gärt­nert der Bock noch selbst.

Wisst ihr noch, damals, als wir noch Träu­me hatten?

Es gab vie­le gro­ße poli­ti­sche Übel – und ein klein­stes unter den gro­ßen; so klein, dass man zu schnell zu viel woll­te. Es wur­den nicht nur vie­le Frei­wil­li­ge ver­heizt, son­dern auch Mit­glie­der rein- und raus­ge­spült, als wäre man in einen nicht enden wol­len­den Tsu­na­mi hin­ein­ge­ra­ten. War man ja auch irgend­wie: Gate über gate, von Flag­gen bis hin zu Bom­bern. Sie kamen, sahen und nah­men das Per­so­nal mit. Um man­ches Per­so­nal ist es dabei sicher­lich nicht scha­de; etwa um Chri­sto­pher Lau­er, der einst ankün­dig­te, er wür­de sich „eher eine Kugel in den Kopf“ schie­ßen als der SPD bei­zu­tre­ten, anschlie­ßend der SPD bei­trat und heu­te quick­le­ben­dig par­tei­los ist; oder um Mar­tin Deli­us, des­sen Duk­tus bin­nen weni­ger Jah­re von der Fest­stel­lung, der Auf­stieg der Pira­ten­par­tei sei ver­gleich­bar mit dem der NSDAP, zu der Kla­ge, er wer­de auf Twit­ter voll­ge­deutscht, umkipp­te.

Es ist nicht wie im Film: man kann nicht ein­fach gehn,
man kann auch nicht zurück­spu­len, um das Ende nicht zu sehn.
Farin Urlaub: Sonne

Was ich zu fin­den hoff­te, war eine Poli­tik, die mich ver­tritt und nicht bekämpft, ein lebens­wer­tes digi­ta­les Dasein statt büro­kra­ti­sier­ter Anbie­ter­po­li­tik. Was ich aber statt­des­sen bekam, war ein jah­re­lan­ges Spie­gel­fech­ten, bra­vou­rös gemei­stert von Maul­hel­den und Wind­beu­teln, die ihre Wirr­nis als poli­ti­sches Ziel zu ver­kau­fen ver­such­ten und sie irgend­wann wie fah­ren­de Ver­tre­ter an den Haus­tü­ren auch völ­lig ande­rer Par­tei­en feil­ge­bo­ten haben. Um Die Lin­ke tut es mir, obwohl ich weder Ost­deut­scher noch Arbeits­lo­ser bin, was die ein­zi­gen bei­den ratio­na­len Grün­de sein kön­nen, Die Lin­ke irgend­wie gut zu fin­den, dann doch schon ein biss­chen leid. Nach dem Wech­sel der Radi­ka­li­sie­ren­den zur Lin­ken kam es dort nicht zufäl­lig schnell zu Aus­trit­ten derer, die schon län­ger da waren und nicht das glei­che Schick­sal erdul­den woll­ten. Dass mit den Que­ru­lan­ten auch man­che netz­po­li­ti­sche Kom­pe­tenz fort­ge­gan­gen ist, hät­te trotz­dem eine War­nung sein können.

Tja – hätte.

In der bis dahin weit­ge­hend gut ein­ge­spiel­ten Pira­ten­par­tei ver­keil­te sich um das Jahr 2011 her­um, als die zwei­te gro­ße Ein­tritts­wel­le aus der Nerd- und Infor­ma­ti­ker­par­tei eine Par­tei der Gewerk­schaf­ter und Blu­men­kin­der zu machen droh­te, plötz­lich man­ches Zahn­rad, die poli­ti­sche Arbeit zu Netz­po­li­tik und Daten­schutz ging in der sich bereits abzeich­nen­den Zwie­tracht all­mäh­lich unter; statt­des­sen fand man freie Lie­be, finan­zi­el­le Umver­tei­lung und den Kampf gegen „Rechts“ erschreckend wich­tig. Die Prä­senz der AG Sin­gle­Malt (gern gesche­hen!) war irgend­wann das Inter­es­san­te­ste an den Bun­des­tref­fen der Par­tei, die auch ihren letz­ten kon­zep­tio­nel­len Vor­teil – ihre Kam­pa­gnen­fä­hig­keit – bald ver­lie­ren soll­te. Nicht umsonst gab ein heu­te als Grü­ner zu iden­ti­fi­zie­ren­der dama­li­ger Bun­des­vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei 2016 zu Pro­to­koll, die Pira­ten­par­tei müs­se das image als „Netz­par­tei“ able­gen, was sie ja spä­te­stens 2018 end­lich umzu­set­zen hin­be­kom­men hat. Zu wes­sen Gunsten?

Wir fah­ren quer durch die Repu­blik zu Bun­des­par­tei­ta­gen, um unse­re Com­pu­ter ein­zu­s­töp­seln, um auf Twit­ter über den Bun­des­par­tei­tag zu lesen und uns dann zu beschwe­ren, dass das Inter­net nicht funktioniert[.]
Chri­sto­pher Lauer

Die Öffent­lich­keits­ar­beit der Pira­ten­par­tei bestand im Zuge der „Pro­fes­sio­na­li­sie­rung“ haupt­säch­lich dar­aus, Zita­te zu erfin­den. In kei­ner mir bekann­ten Pres­se­mit­tei­lung der Pira­ten­par­tei der letz­ten Jah­re, in der jemand „zitiert“ wur­de, wur­de er vor der Nie­der­schrift sei­nes angeb­li­chen Zita­tes über­haupt gefragt – in den Ent­wür­fen der Pres­se­mit­tei­lun­gen war statt­des­sen meist etwas wie „x, y der Pira­ten­par­tei, sagt dazu…“ zu lesen, spä­ter wur­den pas­sen­de Namen ein­ge­fügt. Das sei halt so üblich, wur­de mir auf Nach­fra­ge mit­ge­teilt. Wer aber sei­ne Wäh­ler schon auf so nied­ri­ger Stu­fe belügt, der hat auf höhe­rer Stu­fe mein Ver­trau­en nicht ver­dient; die­sel­be Öffent­lich­keits­ar­beit frei­lich, die jah­re­lang eine umstrit­te­ne und ent­ge­gen jedem gel­ten­den Par­tei­be­schluss Gen­der­stern­chen ver­tei­len­de Emo­ti­ons­ver­stärk­te, die sozia­le Netz­wer­ke seit Beginn ihrer poli­ti­schen Kar­rie­re als the­ra­peu­ti­sche Umge­bung miss­ver­stan­den hat und, vom Bock zum Gärt­ner gemacht, auch kein Pro­blem damit zu haben schien, bei poli­ti­schen Dif­fe­ren­zen mit ein­zel­nen Mit­glie­dern eine Pri­vat- flugs zur Vor­stands­mei­nung zu erklä­ren, schier nicht los­wur­de, weil die­se damit „droh­te“, im Fal­le von Team­er­wei­te­rung um ver­meint­li­che Böse­wich­te – also Libe­ra­le – „alles hin­zu­schmei­ßen“, was meh­re­re Bun­des­vor­stän­de in Fol­ge nicht ris­kie­ren woll­ten. (Falls hier jemand eine Zuspit­zung mit per­sön­li­cher Note sehen möch­te: Einem zeit­wei­li­gen Beauf­trag­ten für irgend­was erging es im Sep­tem­ber 2020 eben­so – er trat aus, weil es nun mal nicht jedem zusagt, von Kan­di­da­ten um den Vor­sitz und dem anwe­sen­den Ple­num öffent­lich als ver­meint­li­cher Böse­wicht beschimpft zu wer­den.) Wer das rou­ti­nier­te Phras­ent­wit­tern denn statt­des­sen über­neh­men sol­le, frag­te mich rhe­to­risch ein Bun­des­vor­sit­zen­der ein­mal – ich etwa?

Wie auch immer man die­se Fra­ge auf­fas­sen will: Bereits am Euro­päi­schen Daten­schutz­tag 2017 hät­te die­se umstrit­te­ne Account­be­treu­ung der Pira­ten­par­tei bei­na­he – wie es am sel­ben Tag die F.D.P. getan hat­te – etwas zum ein­sti­gen Kern­the­ma schrei­ben müs­sen, aber zum Glück fand am glei­chen Tag auch der Holo­caust­ge­denk­tag statt. Als gäbe es in dem Sam­mel­becken aus DKP, MLPD, Grü­nen, Lin­ken und der SPD noch unge­nutz­tes Wäh­ler­po­ten­zi­al, das die jetzt allen­falls mitt­ran­gi­ge Grup­pe der nerds, der Hacker und der geeks irgend­wie inhalt­lich auf­fan­gen könn­te! Da passt es nur zu gut, dass die Par­tei sich auch um Kon­se­quen­zen ihrer pla­ka­ti­ven For­de­run­gen nicht mehr scher­te, als sie zum Bei­spiel im Juni 2020 fand, der gewähl­te Prä­si­dent eines ande­ren Lan­des habe gefäl­ligst zurück­zu­tre­ten, wovon sein kei­nes­wegs bes­se­rer Vize­prä­si­dent aller­dings deut­lich pro­fi­tiert hät­te. Aber was tut man nicht alles für ein paar likes?

Zurück zu den Unter­ver­bän­den: Die Ber­li­ner Pira­ten­par­tei fiel als Fol­ge der oben aus­zugs­wei­se erwähn­ten und auf­fal­lend oft um das Zen­trum Ber­lin krei­sen­den gates bereits nach einer Wahl­pe­ri­ode noch hin­ter die Tier­schutz­par­tei zurück, ein Ver­blei­ben im Abge­ord­ne­ten­haus war ihr nicht ver­gönnt. Für die­je­ni­gen, die die­sen Text nur über­flie­gen, statt ihn mit der gebo­te­nen Geduld zu lesen, wie­der­ho­le ich es gern noch ein­mal: Die Pira­ten­par­tei fiel hin­ter die Tier­schutz­par­tei zurück. Bis heu­te hat sie es seit­dem nur noch sel­ten geschafft, die Tier­schutz­par­tei (Tier­schutz­par­tei!) in Wah­len hin­ter sich zu las­sen; selbst bei Unter-18-Jäh­ri­gen, den ver­meint­lich Digi­ta­li­sier­ten aus der ver­meint­li­chen Ziel­grup­pe also, sieht sie im direk­ten Ver­gleich längst kein Land mehr. Das muss das Wesen die­ser Pro­test­par­tei­en sein: Sie pro­te­stie­ren sogar gegen sich selbst.

It’s been too long now -
yes, it was tough, now free yours­elf, cut it off!
Sto­len Babies: A Year of Judges

Dass die­se Ber­li­ner Pira­ten­par­tei die­sen Namen in Erman­ge­lung kern­li­be­ra­ler Ansich­ten mit dem Abgang der trei­ben­den Kräf­te hin­ter ihrer Grün­dung zu ver­die­nen auf­ge­hört hat, ist jedoch nicht erst seit der Bekannt­wer­dung der dor­ti­gen mensch­li­chen Total­aus­fäl­le wahr. Ber­lin war schon immer ein Pfla­ster derer, die nie um Wesent­li­ches zu kämp­fen wuss­ten. Aber wie sieht es außer­halb Ber­lins aus? Nicht bes­ser, wie die Zeit gezeigt hat. Die selbst die eher lin­ken, aber kampf­erprob­ten und schon des­halb von mir hoch­ge­schätz­ten Bre­mer Pira­ten über­lebt haben­de nord­rhein-west­fä­li­sche Pira­ten­par­tei etwa, selbst Hei­mat man­chen inner­par­tei­li­chen Irr­sinns, ließ sich, par­la­men­ta­risch inzwi­schen gut abge­han­gen, von Namen statt Ideen lei­ten und setz­te Mar­tin Son­ne­born, der zuvor gegen Netz­neu­tra­li­tät gestimmt hat­te, auf ihre Liste für die Bun­des­prä­si­den­ten­wahl. Dass ich von Mar­tin Son­ne­born und sei­ner Auf­fas­sung von „Sati­re“ immer weni­ger hal­te, je mehr poli­ti­schen Ein­fluss sei­ne Per­son hat, habe ich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gele­gent­lich erwähnt. Hat­te die Pira­ten­par­tei schon damals gar kei­nen eige­nen Stolz mehr?

Ach, ich zie­he die Fra­ge zurück. Pein­lich war ihr sowie­so längst nichts mehr: Mal gab es skur­ri­le Par­tei­wer­bung, mal wur­de zurück­über­wacht. In man­cher Men­schen Hand wird Gold nun mal zu Schei­ße. – Außer dem immer mal wie­der auf­flam­men­den Zir­kel der „Pira­tin­nen“, lang­jäh­ri­gen Lesern hin­rei­chend bekannt, sind das „bedin­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men“, das nur irgend­wie funk­tio­nie­ren kann, wenn es eben nicht bedin­gungs­los ist, und das Aus­le­ben irgend­wel­cher Sexu­al­vor­lie­ben seit Jah­ren die belieb­te­sten Sujets an Info­ti­schen der inzwi­schen aktiv um Land­wir­te wer­ben­den ehe­ma­li­gen Par­tei für eine bes­se­re Netz­po­li­tik. Nein, Daten­schutz­fly­er haben wir gera­de nicht da, aber möch­ten Sie viel­leicht einen Penis herzen?

Deut­lich plum­per, aber auch nicht weni­ger ange­mes­sen for­mu­liert: Ficken und Gra­tis­geld waren irgend­wann die domi­nan­ten „poli­ti­schen“ The­men in der Pira­ten­par­tei, ein lebens­wer­tes Digi­ta­les geriet zur Rand­no­tiz. Es ist wie in einem schlech­ten Thea­ter­stück. Dass wäh­rend „der Kri­se“ (hier: Coro­na) ein Mit­glied des Bun­des­vor­stands das Grund­recht auf Demon­strie­ren öffent­lich als Gefa­sel bezeich­ne­te, ist immer­hin noch als Mosa­ik­stein taug­lich. – Ich las vor viel zu lan­ger Zeit, es kann schon 2012 gewe­sen sein, die an die­ser Stel­le nur umschrie­be­ne Fest­stel­lung, die Pira­ten­par­tei habe als Par­tei ver­sagt, sei aber zu einer vor­züg­li­chen Flirt­platt­form avan­ciert. Das im Detail zu kom­men­tie­ren liegt mir fern, ein Körn­chen Wahr­heit ist aber kaum zu leugnen.

Kopf­über in die Hölle

Im Sep­tem­ber 2016 schrieb ein Klu­ger und dar­um inner­par­tei­lich Unbe­lieb­ter sinn­ge­mäß, man müs­se nahe­zu bei Null anfan­gen, aber kön­ne den wahl­be­zo­ge­nen Total­scha­den nut­zen, um die frei gewor­de­ne Nische des poli­ti­schen Libe­ra­lis­mus zu beset­zen. Ich arbei­te seit dem­sel­ben Jahr an die­sem Text hier, des­sen Umset­zung mir deut­lich schwe­rer fällt als die mei­sten ande­ren Ent­schei­dun­gen in mei­nem bis­he­ri­gen Leben, und den­noch ist seit­dem nichts der­glei­chen pas­siert. Ich selbst habe von 2018 bis Ende 2019 ein letz­tes Mal ver­sucht, einen schlag­kräf­ti­gen libe­ra­len Flü­gel in der Pira­ten­par­tei auf­zu­bau­en, der aber auf­grund per­sön­li­cher Zer­würf­nis­se zwi­schen den Teil­neh­mern implo­dier­te, als die Zahl der kon­stant akti­ven Mit­glie­der etwa ein Dut­zend erreicht hat­te. Wir ler­nen: Die oft zitier­te Basis­de­mo­kra­tie, die tat­säch­lich zu funk­tio­nie­ren in dem Moment auf­hört, in dem nicht mehr jeder Teil­neh­mer ein­an­der kennt, ist sogar in einer Grup­pe von poli­tisch Ähn­li­chen eine bereits kon­zep­tio­nell undurch­dach­te Idee. Sie möge unter den Guten kei­ne Nach­ah­mer finden.

Scha­de ist es um die, die auf dem Weg dort­hin ver­braucht wur­den; die, die gute und vor allem kom­pe­ten­te Netz­po­li­tik mach­ten, sind längst gegan­gen, übrig blei­ben die, die das Ende jedes Ide­als vor­an­trei­ben. Poli­ti­sche Arbeit lei­sten die Guten längst außer­par­tei­lich, der har­te Kern lässt sich im Macht­po­ker patt­set­zen. Haupt­sa­che, der Vor­stand ist da.

Nichts drauf außer Zahn­be­lag, aber so schlei­mig wie ein Alli­anz­ver­tre­ter. Honig ums Maul wird denen geschmiert, die ein Rede­ta­lent haben wie Hit­ler, auch wenn sie bloß von ihrem mor­gend­li­chen Stuhl­gang erzählen.
Inter­net

Und man soll nur nicht anneh­men, die pan­eu­ro­päi­sche Pira­ten­par­tei sei nur in Deutsch­land so defekt: Im Janu­ar 2020 klag­te ein Ita­lie­ner, die ita­lie­ni­sche Pira­ten­par­tei sei für Men­schen, die sich um Frei­heit und Wis­sen sche­ren, bei­na­he feind­li­ches Gebiet. Immer­hin ist die Par­tei also kon­se­quent, was den Abbau ihres Kerns betrifft. Dass über meh­re­re Legis­la­tur­pe­ri­oden hin­weg auf der letz­ten ein­drucks­vol­len Festung der Pira­ten­par­tei, näm­lich ihrer Ver­tre­tung im Euro­päi­schen Par­la­ment, die Fah­ne von moder­nem Urhe­ber­recht, Daten­schutz und Pri­vat­sphä­re wehen durf­te, war spä­te­stens nach dem Dolch­stoß Julia Redas egal gewor­den, die ihre Abge­ord­ne­ten­zeit mit einer Soli­da­ri­sie­rung mit „der Anti­fa“ begon­nen und mit einem Nicht­wahl­auf­ruf für die Par­tei, der sie nor­ma­ler­wei­se viel zu ver­dan­ken gehabt hät­te, been­det hat­te. Weil Pira­ten aber tra­di­ti­ons­be­wusst sind, schloss sich ihr Man­dats­nach­fol­ger mit­samt sei­nen tsche­chi­schen Kol­le­gen, die selbst ich bis dahin für ver­nünf­tig gehal­ten hat­te, eben­falls den Grü­nen im Euro­päi­schen Par­la­ment an, per­so­nel­le Bestän­dig­keit außer Acht las­send. Wenn aber die Par­tei, die auf Lan­des­ebe­ne Über­wa­chungs- und auf Bun­des­ebe­ne Angriffs­kriegs­be­schlüs­sen zustimmt, der am besten geeig­ne­te Part­ner für eine euro­päi­sche Pira­ten­par­tei ist: Was bleibt dann noch von deren Idea­len übrig, für das es sich zu kämp­fen lohnt? Und möch­te man wirk­lich in einer Par­tei mit Horst See­ho­fer sein?

Und wenn dann auch noch ein Lan­des­vor­sit­zen­der der Pira­ten­par­tei das letz­te gemein­sa­me Kern­an­lie­gen – das Recht auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung – mit Rücken­deckung aus dem übri­gen Vor­stand bewusst miss­ach­tet und pri­va­te Daten von Par­tei­mit­glie­dern aus­drück­lich gegen deren Wunsch in sei­nem bevor­zug­ten sozia­len Netz­werk ver­öf­fent­licht, wie es ein auf die Stu­fe sei­ner augen­schein­lich größt­mög­li­chen Unfä­hig­keit Beför­der­ter im August 2020 mit mir machen zu müs­sen glaub­te, um irgend­wem irgend­was zu bewei­sen, bleibt nichts mehr übrig als fest­zu­stel­len, dass aus die­ser ehe­mals viel­ver­spre­chen­den Par­tei eine Ver­schwen­dung von Zeit, Geld und Ner­ven ohne auch nur einen ein­zi­gen Wert, der über das Emo­tio­na­le hin­aus­gin­ge, gewor­den ist.

Aller­dings hat alles sei­ne Zeit.
„Der Graf“

Wisst ihr noch, damals, als wir noch ein Ziel hatten?

Die libe­ra­le Netz­po­li­tik darf nicht aber­mals dem Ver­ges­sen anheim­fal­len, aber sie hat nur noch woan­ders eine Chan­ce. Die nicht nur finan­zi­el­len Kosten für die Mit­glied­schaft in einer auto­ag­gres­si­ven Par­tei, deren letz­te Akti­ve zu einem viel zu gro­ßen Teil Über­zeu­gun­gen ver­tre­ten, die nicht die mei­nen sind, wiegt der kon­ti­nu­ier­li­che Unter­hal­tungs­wert lei­der schon längst nicht mehr auf. Und man schwei­ge jetzt von dem ver­meint­li­chen Ein­fluss auf die ver­meint­lich Gro­ßen: Es ist ja schön, wenn man eine Mei­nung hat und gele­gent­lich viel­leicht sogar eine Demon­stra­ti­on anführt, deren wesent­li­cher Inhalt es immer zu sein schien, dass die eige­ne Flag­ge mal wie­der irgend­wo zu sehen ist, egal, was unter ihr gera­de kra­keelt wird. Was zählt, ist aber – jeden­falls bis zur Revo­lu­ti­on – auf dem Platz, also in den Parlamenten.

Vor eini­gen Jah­ren fand ich es albern, dass Men­schen, die aus der Pira­ten­par­tei aus­tre­ten, das nie­mals still tun, son­dern immer wort­reich dar­über reden wol­len. Heu­te bin ich selbst mit Albern­sein dran. Man lernt so vie­les im Leben nur im Kummer.

Das Feu­er ist aus, wir geh’n nach Haus.

I hate the ground that I have wal­ked upon:
Not­hing I have done has ever, ever mat­te­red long.
Por­cupi­ne Tree: Even Less

Ich bin dann mal weg.

Senfecke:

  1. Ich habe 2011 mit mei­ner Stim­me gehol­fen, die Pira­ten ins Abge­ord­ne­ten­haus zu brin­gen. Nach einem hal­ben Jahr habe ich mei­ne Ent­schei­dung bereut. Wie­so hast du neun Jah­re für den glei­chen Erkennt­nis­pro­zess gebraucht? Wegen Sin­gle Malt?

    • Elf Jah­re Mit­glied­schaft, davon zehn Jah­re akti­ve Teil­nah­me an Par­tei­ta­gen und unge­fähr vier Jah­re Vor­stand, davon immer­hin drei im anschei­nend letz­ten Stadt­ver­band, der noch was mit Inter­net und Daten­schutz macht – da hängt blö­der­wei­se auch ein mensch­li­cher Aspekt dran.

      Aber ja, der Whis­ky ist auch gut.

      • So ein lan­ger Text ist man von Dir gar nicht gewohnt. Du erwar­test jetzt aber nicht, das ich den gan­zen Links fol­ge oder?

        Ander­seits war die Pira­ten­par­tei im Grun­de eine gute, die aber lei­der von der Rea­li­tät über­hollt wur­de. Ich fra­ge ich nur wie Du es geschafft hast dort solan­ge auszuhalten.

        Bei Wis­key ken­ne ich weni­ger aus, aber wel­che Mar­ke wür­dest Du empfehlen?

          • Hm, da sieht man wie gut ich mich aus­ken­ne. Kann­te bis­her nur rau­chi­ge Varain­ten, aber wenn Du mir nicht böse bist kannst mir ja von bei­den Sor­ten ein paar nennen ;-)

            • Na gut.

              Rau­chig: Ard­beg (Uige­adail oder Cor­ry­v­reck­an), Sän­tis (Edi­ti­on Drei­fal­tig­keit), Spring­bank (15).

              Nicht rau­chig: Glen­go­y­ne (25 Jah­re – unschlag­bar m.M.n., aber natür­lich eine grö­ße­re Inve­sti­ti­on); anson­sten Aber­lour und fast alles von Ben­Riach und Arran.

  2. So viel Rich­ti­ges, so lan­ge abge­han­gen, der gan­ze gerech­te Zorn, und dann nur so wenig Feed­back für die über­fäl­li­ge Abrech­nung der ver­schenk­ten elf Jah­re. Das zeigt, wie tot die Pira­ten­par­tei ist. 

    Sehr scha­de, immer noch. Da hätt‘ man was draus machen kön­nen. Aber gut, man hat­te ganz schlech­te Kar­ten gegen die gan­zen Ent­ri­sten. Von Anfang an. Gegen deren Skills im Gra­ben­kampf waren die freund­li­chen flan­ken­of­fe­nen Nerds wehr­los. Wenn du dir eine kri­ti­sche Anzahl an Trotz­ki­sten ein­ge­fan­gen hast, dann war’s das halt. Das kippt dann eben und du hast kei­ne Chan­ce gegen die rück­sichts­lo­se Bru­ta­li­tät der Höfinghoffs.

    Am Ende blei­ben die Scher­ben. Und kaum mehr wer da, den die­se win­zi­ge Epi­so­de der deut­schen Par­tei­en­geschich­te über­haupt noch inter­es­siert. Reda hat nur das Licht ausgemacht.

    • Ich bin ganz zufrie­den, dass die hier nicht drun­ter sturm­kom­men­tie­ren. Die mir Wich­ti­gen haben mir schon pri­vat geschrie­ben – und von denen gibt es lei­der selbst in der Par­tei noch wel­che. (Bran­den­burg fällt mir da ein.)

  3. Die Kon­klu­sio aus der Außen­per­spek­ti­ve ist daß es der über­wie­gen­den Mehr­heit der polit­in­ter­es­sier­ten Jun­gen nur um einen War­men Ses­sel mit Voll­ver­sor­gung geht.
    Du hast noch den Latz­ho­sen­trä­ger mit dem Trol­ley in der Abrech­nung ver­ges­sen. Erst mit Dem wird die Freak­show komplett.

  4. Immer­hin hast du es ver­sucht. Viel­leicht län­ger als es eigent­lich Sinn gemacht hat, aber du hast es ver­sucht. Und ein­fach nur dafür sage ich, Danke!

    • Sinn erge­ben, es hat kei­nen Sinn mehr erge­ben! Herr­je.
      Und ja, ver­sucht trifft es.

      Dan­ke für den Dank, ganz ehr­lich – auch mit dem wird in der Par­tei lei­der oft bis nach dem Aus­tritt gegeizt. Das ist ein stän­di­ges nei­di­sches Schie­len, fast schlim­mer als in der SPD. Aber ich reg mich schon wie­der auf.

  5. In dem Moment als die Dis­kus­si­on auf­kam, dass bei den Pira­ten nur Män­ner sind war mir klar, es ist vorbei.
    Im ersten Moment dach­te ich (als eher Lin­ker) die waren eine gute Idee, da mir die Sach­de­bat­te (oder Fak­ten) schon immer wich­ti­ger als die Ideo­lo­gie ist und gera­de Poli­tik in der Demo­kra­tie muss sich an vie­len Posi­tio­nen ori­en­tie­ren. Und gegen Über­wa­chung bin ich sowie­so, aber was ist davon noch geblieben?
    Bei der näch­sten Wahl wäh­le ich dann die Tier­schutz­par­tei. Die hat wenig­stens ein erkenn­ba­res Pro­gramm, das sie von ande­ren Unterscheidet. 

    Wobei ich aber nicht dar­an zweif­le, dass auch die näch­sten NATO Aus­lands­ein­sät­zen zustim­men wer­den, wenn sie in der Regie­rung sind.

      • Als Alter­na­ti­ve gäbe es noch die ÖDP ;-)

        Oder tux was hät­test Du anzu­bie­ten und vor allem wie müß­te Dei­ne bevor­zug­te Par­tei sein?
        Sofern es die nicht schon gibt.

        • Die ödp lang­weilt mich. (Hehe: öde‑p.)

          Ich habe tat­säch­lich bereits nach einer mög­li­chen neu­en Par­tei Aus­schau gehal­ten, aber wäh­rend mei­ne Wahl­ent­schei­dun­gen bereits fest­ste­hen (die ich hier aus hof­fent­lich offen­sicht­li­chen Grün­den nicht zu ver­öf­fent­li­chen vor­ha­be), ist das mit dem Sich­ein­brin­gen an ganz ande­re Fak­to­ren geknüpft, unter ande­rem das Auf­tre­ten der loka­len Par­tei­ver­tre­tung und die demo­kra­ti­sche Par­tei­struk­tur. Und da sieht es der­zeit ganz düster aus. Ich bin nun mal Pira­ten­stamm­ti­sche gewohnt, jede Woche Sau­fen und Non­sens. Das krie­ge ich so – außer­halb von irgend­wel­chen Klemm­na­zi­ver­ei­nen („PARTEI“) – nirgends.

          Mach ich halt erst mal außer­par­tei­lich was.

          (Detail­lier­te Ant­wor­ten aller­dings gern per Mail. Ich habe da schon was vorbereitet.)

      • Ich dach­te wir ret­ten die vor dem Völkermord?
        Viel­leicht stimmt aber auch ein­fach der Spruch, „wenn Wah­len etwas ändern wür­den, dann wären sie ver­bo­ten“. Er klingt heu­te plau­si­bler denn je.

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