Die Friedrichshain-Kreuzberger F.D.P., Heimstatt des ehemaligen Piratenvorsitzenden Bernd Schlömer, sei jetzt Punk, teilte sie auf Twitter mit.
Prompt scharten sich andere Anwesende um diesen Tweet, um einander falsch zu erklären, was Punk wohl sei: Ein Bekenntnis gegen rechte Weltanschauungen oder gar offen antikapitalistisch, was natürlich beides nicht stimmt, denn kommerzieller Misserfolg macht einen Menschen noch nicht zum Punk und auch die pauschale Leckt-mich-Attitüde, deretwegen selbst Siouxsie Sioux und Sid Vicious — beide nicht unbedingt für ihr Rechtssein bekannt — Swastiken trugen, ist vor allem ein ausdrückliches Bekenntnis gegen diejenigen Weltanschauungen, die eine engstirnige Vorstellung von Moral zulasten der Freiheit des Einzelnen zur Maxime zu erklären versuchen. Die Punks der 1970er würden insofern heutzutage vermutlich die Grünen als ihren Gegner ausmachen.
Dass ausgerechnet Die Ärzte von verschiedenen Kommentatoren als qualifizierte Instanz zur Punkdefinition ausgemacht worden sind, irritiert aber doch: Wenn eins kein Punk ist, dann ja wohl Die Ärzte!
(Abt.: Seufz.)

Als beteiligter (Punkrock seit 1980) sehe ich die FDP auch weniger in der Rolle den Begriff Punk und das damit verbundene Lebensgefühl zu definieren. Aber das Gefühl 1977 sich nicht dazu gehörig zu fühlen dürfte aber für wenig nachvollziehbar sein. Johnny rotten hat gezeigt wie verwirrt die heutige Bourgeoisie darauf reagiert.
https://www.rollingstone.de/sex-pistols-trump-verteidiger-johnny-rotten-rastet-komplett-aus-2053243/
Insofern hast du völlig Recht, damals ging es gegen diese Haltung des angepassten und mitmachen (müssen). Heute ist man längst ein Teil dessen geworden.
Es ist so traurig, dass es wieder lustig ist.
Die haben etwas total missverstanden. Das hier war doch ironisch gemeint:
https://www.youtube.com/watch?v=zq9j4QbSTC8
Immerhin, die Ärzte. Nicht die Volksmusikgruppe »Die Toten Hosen«…
Ach, die hatten auch ihre Momente — ungefähr das halbe Debütalbum lang. Danach war es medienkonformes Brüllen. Schade eigentlich.