PolitikIn den Nachrichten
Kurz gefragt (8): Chri­sti­an Dürr!

Es ist ja wirk­lich nicht leicht, in die­ser Zeit, in der ver­meint­li­che Gewiss­hei­ten schnel­ler umfal­len als das Wahl­pro­gramm der Grü­nen an einem Wahl­abend, noch poli­tisch tätig zu sein, ohne sich dabei mit­tels ver­se­hent­lich kon­se­quen­ten Han­delns in einen Fett­napf zu legen, weil irgend­je­mand beschlos­sen hat, dass das, was eben noch völ­lig rich­tig war, jetzt plötz­lich völ­lig falsch ist.

Vie­le haben es ver­mut­lich nicht kom­men sehen, dass nicht ein­mal einen Monat, nach­dem Sie, Chri­sti­an Dürr, Vor­sit­zen­der der F.D.P.-Bundestagsfraktion, im Bun­des­tag Ihre Soli­da­ri­tät mit Isra­el, das ein „Sym­bol für die Wer­te der Demo­kra­tie“ sei, bekräf­tigt hat­ten, die rechts­extre­me Regie­rung Isra­els ver­se­hent­lich Plä­ne ver­lau­ten ließ, die Palä­sti­nen­ser im Gaza­strei­fen irgend­wo­hin umzu­sie­deln, wo sie sie nicht mehr sehen muss. Sie schei­nen immer­hin dar­aus – das kann man ja auch nicht von jedem zeit­ge­nös­si­schen Poli­ti­ker sagen – lobens­wer­ter­wei­se etwas gelernt zu haben, wie ich dem Deutsch­land­funk (Archiv­ver­si­on) ent­neh­me.

Als näm­lich unlängst bekannt wur­de, dass bei der AfD auch Men­schen mit­ma­chen dür­fen, die eine Zwangs­um­sied­lung von irgend­wie aus­län­di­schen Deut­schen befür­wor­ten, teil­ten Sie fol­gen­de Ansicht mit:

Der FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Dürr schrieb auf der Online­platt­form X: „Die Plä­ne zur Ver­trei­bung von Mil­lio­nen Men­schen erin­nern an das dun­kel­ste Kapi­tel deut­scher Geschich­te.“ Die vom Medi­en­haus Cor­rec­tiv ange­führ­te Recher­che zei­ge, dass die AfD die Demo­kra­tie und frei­heit­li­che Grund­ord­nung zutiefst ableh­ne.

So weit, so ein­wand­frei begrün­det. Aber fra­gen möch­te ich dann doch mal: Die­se „Wer­te der Demo­kra­tie“ – sind die jetzt gut oder doch nicht mehr so?

NetzfundstückeComputer
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 10. Janu­ar 2024

Ver­mu­tung (neu): Wer haupt­säch­lich (oder über­haupt noch) Mit­glied bei Digi­tal­cou­ra­ge (ehe­mals Foe­BuD e.V.) ist, ist bloß zu fei­ge für Pira­ten­par­tei­ta­ge. Dabei geht es dort zumin­dest ähn­lich zu.


Der, äh, wür­di­ge Nach­fol­ger des les­bi­schen Kaf­fee­trin­kens gegen Rechts ist gefun­den: Eis­ba­den gegen Rechts. :ja:


Für Com­pu­ter­ar­chäo­lo­gen: Hier (All­er­gi­ker­war­nung: Quo­ra) erzählt ein frü­her für OS/2 Zustän­di­ger mal aus­führ­lich, wie­so aus­ge­rech­net Win­dows sich durch­set­zen konn­te.


2024 ist schon wie­der ein „Kant-Jahr“. Kaum aus­zu­ma­len, was der umstrit­te­ne Phi­lo­soph und Auf­klä­rer Kant von denen hiel­te, die heu­te sei­ne Zita­te (oder wenig­stens das eine Zitat) im Mun­de füh­ren.


Hüb­sche Idee, die mir in letz­ter Zeit häu­fi­ger begeg­net (was ich bis 2023 auch noch für eine unglaub­lich bescheu­er­te Idee gehal­ten hat­te: Geld für die Nut­zung einer wirk­lich guten Such­ma­schi­ne aus­zu­ge­ben): Eine Über­sicht über den „digi­ta­len Unter­grund“ zu erstel­len. Frü­her hat­ten wir für so was Link­ver­zeich­nis­se, mag jetzt manch älte­rer Leser ein­wen­den. Ich gebe zurück: Die haben wir noch.


Es scheint schwer gewe­sen zu sein (Archiv­ver­si­on), auf der Trau­erfei­er für Wolf­gang Schäub­le trau­ri­ge Gesich­ter zu sehen. Ich stel­le hier­zu an die­ser Stel­le kei­ne wei­te­ren Ver­mu­tun­gen an.

In den NachrichtenWirtschaft
Ent­öde­te Innen­städ­te (III): Ver­sun­ke­ne Kosten

Es ist für wohl nie­man­den, der nicht unbe­dingt für eine anste­hen­de Wahl Stim­men von Wäh­lern ohne all­zu viel wirt­schaft­li­ches Ver­ständ­nis braucht, eine lang­fri­stig gute Idee, Arbeits­plät­ze in einer nicht mehr zeit­ge­mä­ßen Bran­che mit immer neu­em „öffent­li­chem“, d.h. mei­nem, Geld gegen den Wider­stand des frei­en Mark­tes über die Zeit zu tra­gen und dabei zu hof­fen, dass der freie Markt es sich noch mal anders über­legt.

Den­noch ist das Weh­kla­gen heu­te nicht min­der groß als die Ver­blüf­fung, dass, wer immer die glei­che Arbeit ver­rich­tet, stets das glei­che Ergeb­nis erwar­ten soll­te, denn „Kar­stadt“, d.h. Gale­ria Kar­stadt Kauf­hof, ist zum drit­ten Mal inner­halb von nur drei Jah­ren „befreit“ (Oli­vi­er van den Bos­sche), d.h. „insol­vent“ (Archiv­ver­si­on), d.h. plei­te. Man könn­te dar­aus ver­mut­lich, wie ich schon vor fast drei Jah­ren fest­stell­te, etwas ler­nen. Die Exi­stenz von Waren­häu­sern, in die man rein­ge­hen und für viel Geld genau das nicht fin­den kann, was man gera­de benö­tigt, wor­auf­hin man auf Amazon.de (gegrün­det 1998, also qua­si noch under­ground und Neu­land) geht und ein rei­ches Arsch­loch (Noah Ber­lats­ky) noch rei­cher macht, ist mit Tra­di­ti­on und Kul­tur allein jeden­falls nicht mehr zu ent­schul­di­gen.

PersönlichesIn den NachrichtenMontagsmusik
Tau­send Augen – System­feh­ler // They’ve got the Bau­er

Frühsport

Es ist Mon­tag. Beob­ach­tung an mir selbst: Je trau­ri­ger ich bin, wenn ich in Genuss­fo­ren zuge­gen bin, desto grö­ßer ist mein Inter­es­se dar­an, mir dem­nächst ein noch gesund­heits­schäd­li­che­res Laster als bis­her zuzu­le­gen. Viel­leicht soll­te ich anfan­gen zu rau­chen. Selbst­zer­stö­rung ist immer­hin eine Kunst, die beherrscht sein will. Selbst Elon Musk, raun­ten so Medi­en neu­lich, neh­me „in gro­ßem Stil“ Dro­gen. Narr, wer bei Bier und Ziga­ret­te in sei­nen Bart mur­melt, damit sei er, Musk, wohl erle­digt.

Ab Mitt­woch fährt die Deut­sche Bahn aus ande­ren Grün­den als sonst nicht (Streik), auf den Auto­bah­nen geht es heu­te schon los. Dass das öffent­li­che Leben eine Wei­le still­steht, haben wir ja jah­re­lang geübt, das soll­te inso­fern kein Pro­blem dar­stel­len. Dabei sind die Lager klar auf­ge­teilt: Wer zugun­sten der Land­wirt­schaft pro­te­stiert, ist rechts­ra­di­kal, min­de­stens aber neo­li­be­ral. Es wur­den Trak­to­ren mit Reichs­sym­bo­lik gesich­tet, das reicht als Urteil über den Bau­ern an sich. Denen geht es doch gut sagen die, denen es zu gut geht. Das wird den Rechts­ruck auf dem Land sicher ver­hin­dern. Auf die Idee, dass man als Lin­ker nicht unbe­dingt die Bun­des­re­gie­rung gegen Pro­te­ste der Arbei­ter und Bau­ern in Schutz neh­men soll­te, kom­men sie schon gar nicht mehr. Die neue Staf­fel Bau­er Ran­gers irri­tiert mich. Da blei­be ich doch lie­ber bei mei­nem Lieb­lings­co­mic­hel­den Feman.

Apro­pos: Bei der SPD wird man jetzt aus­ge­buht (Archiv­ver­si­on), wenn man den Kanz­ler dar­um bit­tet, sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Poli­tik zu machen. Man ern­tet, was man sät. „Immer noch bes­ser als die CDU“ sagen sie und hal­ten das für eine Ent­schul­di­gung. Der DGB ver­langt unter­des­sen einen Son­der­fonds zur Sanie­rung der kaput­ten Bahn­in­fra­struk­tur. Wäre es nicht nach­hal­ti­ger, den Laden direkt wie­der zu ver­staat­li­chen und die Vor­stän­de einer anstän­di­gen Arbeit zuzu­füh­ren?

Manö­ver­kri­tik, da wir gera­de bei den Nach­rich­ten sind: „Die Israe­lis füh­len sich ver­folgt.“ („FAS“, aktu­el­le Aus­ga­be, Titel­sei­te) ist sicher­lich ein vali­der Satz, wenn es dar­um geht, dar­über zu berich­ten, dass der rechts­ra­di­kal regier­te Unrechts­staat Isra­el sich vor dem IGH ver­ant­wor­ten muss, aber mal so ganz unter uns: Direkt erwäh­nens­wert ist das ja nun nicht, oder?

Fund­stück: Es scheint ein Uni­code­sym­bol zu geben, von dem nie­mand weiß, was es über­haupt bedeu­ten soll. Das geht mir ja mit den mei­sten Emo­jis so.

Ver­ste­he ich hin­ge­gen sehr gut: Musik.

System­feh­ler

Guten Mor­gen.

Netzfundstücke
Auto­no­me Prei­se

Soso:

Am 1. Janu­ar 2024 ändern sich im gesam­ten Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg (VGN) die Fahr­prei­se. (…) Um durch­schnitt­lich 7,74 Pro­zent erhö­hen sich die Prei­se gegen­über dem Vor­jahr.

Ach, tun sie das? Das ist aber nicht sehr nett von den Prei­sen.

Ist ja bloß Spra­che.

(via netz10.de)

Sonstiges
Ohne Hose gegen Twitch

Twitch (das ist so was wie You­Tube für Men­schen mit ADHS) so:

Es ist nicht län­ger zuläs­sig, nackt vor der Twitch-Kame­ra zu sit­zen, selbst wenn das im Bild gar nicht zu sehen ist. Eben­so ver­bo­ten ist, den Ver­dacht zu erre­gen, die gezeig­te Per­son sei außer­halb des Bil­des ent­blößt, selbst wenn sie es gar nicht ist.

Ich tra­ge, wäh­rend ich dies schrei­be, viel­leicht kei­ne Hose. Twitch kann mir gar nix.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMontagsmusik
Octo­ber Drift – Losing My Touch // Wet­ter ein­fach abwäh­len

Erst mal Obst.

Ach guck, Mon­tag ist ja auch noch. Das Jahr beginnt gar nicht so blöd: Die Spar­maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung betref­fen auch den bescheu­er­ten elek­tro­ni­schen Per­so­nal­aus­weis. Nur scha­de, dass der wei­ter­hin nicht von Steu­ern bezahlt wird, son­dern eigens Geld kostet, wenn man ihn ver­län­gern muss. War­um eigent­lich?

Ein Blick in die „sozia­len Medi­en“: Bru­no Hönel von den Grü­nen quatscht, dass irgend­ein Zusam­men­hang zwi­schen Hoch­was­ser und den guten Umfra­ge­wer­ten für die AfD bestehe. Fra­ge: wen muss ich wäh­len, wenn ich weni­ger Hoch­was­ser haben möch­te? Geht es weg, wenn die Grü­nen noch mal Posten in Sach­sen bekom­men? Wenn ja: war­um? (André Vat­ter fin­det die­se stän­di­ge Berie­se­lung mit gebrüll­ten Mei­nun­gen alter­na­tiv­los und hält RSS auch nicht für die Lösung. Ich glau­be ja, damit hat er Unrecht.) Und da ich gera­de am Fra­gen bin: Könn­te Boris Pisto­ri­us sich bit­te mal ent­schei­den, ob der Rus­se jetzt mit hoff­nungs­los ver­al­te­ter Maschi­ne­rie einen aus­sichts­lo­sen Krieg führt oder ob er noch in die­sem Jahr­zehnt qua­si über Nacht Deutsch­land ein­nimmt? Ande­rer­seits: Um Ber­lin wäre es nicht scha­de.

Scha­de hin­ge­gen: Mozil­la, das frü­her mal für einen Web­brow­ser bekannt war, sam­melt Spen­den, damit des Unter­neh­mens Vor­stand sich wei­ter­hin sein obszö­nes Gehalt bezah­len kann. Das muss die­se Zukunft des frei­en Inter­nets sein, von dem immer alle reden. Der ehe­ma­li­ge Hacker­ver­ein CCC möch­te sei­ne Ver­eins­zei­tung dem­nächst um eine „femi­ni­sti­sche Aus­ga­be“ berei­chern. Das The­ma wäre dann damit erle­digt.

Musik hat­ten wir ja heu­te schon, aber es ist Mon­tag und Tra­di­ti­on ist Tra­di­ti­on.

Octo­ber Drift – Losing My Touch (Offi­ci­al Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2023 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 27 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Ein Jahr ist vor­bei und ihr wisst, was das heißt: Die Liste mei­ner bevor­zug­ten Alben des Jah­res bedarf wie­der eurer unge­teil­ten Auf­merk­sam­keit. Es könn­te das letz­te Mal sein, dass ich es euch so ein­fach mache: Der außer­or­dent­lich unhöf­li­che Kon­zern Songtradr hat 2023 Band­camp hal­biert. Ich wür­de ja gern mit posi­ti­ven Aus­sich­ten das Musik­jahr 2023 ver­ab­schie­den, aber ich kann nicht. Ich kann ein­fach nicht.

Ste­ven Wil­son hat 2023 mit „The Harm­o­ny Codex“ ein wei­te­res viel­ge­rühm­tes Album mit Stampf­pop (na gut: art­pop) raus­ge­bracht. Die Rezen­sen­ten waren wie üblich hin und weg, weil man Musik von Ste­ven Wil­son (Ste­ven Wil­son!) ja nicht ein­fach igno­rie­ren darf. Ich woll­te das Album eigent­lich selbst nicht hören (der Vor­gän­ger „The Future Bites“ war wirk­lich schlimm, aber ich hat­te zu viel Zeit und fas­se mich mal kurz: Ich wünsch­te, Pop­mu­sik wür­de mich inter­es­sie­ren. 2024 wer­de das „Jahr der Popf­rau­en“, mut­maß­te die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“ im Dezem­ber. Das hof­fe ich doch ein­fach mal nicht.

Dass es im jüngst abge­lau­fe­nen Jahr trotz­dem ziem­lich gute Musik gab, sei hier den­noch nicht ver­schwie­gen. Eini­ges davon, näm­lich die jewei­li­gen Alben von Uriah Heep, PoiL Ueda, schei­sse­die­bul­len und Sigur Rós, hat­te ich schon frü­her im Jahr posi­tiv bewer­tet. Sieb­zehn wei­te­re gelun­ge­ne Wer­ke fol­gen im Fol­gen­den. Es möge euch von Nut­zen sein.

‘Musik 12/2023 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

Persönliches
Vier’nzwanzig (ff.)

Die­ser Arti­kel ist Teil 13 von 15 der Serie Neu­jahr

Im viel­leicht abge­lau­fe­nen Jahr 2023, weil mich auf­ge­setz­tes kalen­da­ri­sches Fei­ern fürch­ter­lich ermü­det, habe ich mei­nen Geburts­tag kon­se­quent igno­riert und der Rest der Welt hat das auch weit­ge­hend getan. Ich bin zwar trotz­dem weit über mei­nem Min­dest­halt­bar­keits­da­tum (noch ess­bar?), doch rieb man es mir nicht ein­mal iro­nisch unter die Nase. Auch mal schön.

Zwi­schen­stand mei­ner Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung: Ich habe 2023 erst­mals sou­ve­rä­ne Wor­te in ein poli­tisch gemein­tes Mikro­fon mit Publi­kum gespro­chen, ohne schon beim Gedan­ken dar­an Ner­ven­flat­tern zu bekom­men. Freun­de haben mir ver­si­chert, dass das nicht bedeu­te, dass ich nor­mal wer­de. Ich bin beru­higt.

Die Mehr­wert­steu­er wird jetzt wie­der erhöht. Ich weiß nicht, war­um mir das gera­de ein­fällt, wäh­rend die immer lau­te­ren, dafür immer weni­ger sicht­ba­ren Sil­ve­ster­knal­ler den Spa­zier­gang ver­lei­den. Drau­ßen vor dem Fen­ster zei­gen die Men­schen schon wie­der seit Tagen viel zu über­schwäng­lich ihren Stolz dar­auf, dass sie die Uhr (hat ver­mut­lich Zei­ger) nicht lesen kön­nen. Ich hin­ge­gen neh­me auch zu die­sem Jah­res­wech­sel nicht an der seit Tagen statt­fin­den­den Knal­le­rei teil, es ist im letz­ten Jahr genug zer­platzt. Mei­ne Freun­des- und Kul­tur­krei­se blei­ben in ste­ti­gem Wan­del, teil­wei­se mit Absicht. Die tra­di­tio­nel­le Neu­jahrs­zi­gar­re fällt die­ses Jahr aus, das lässt mehr Zeit, mich mit mei­nen Gedan­ken zu beschäf­ti­gen. Schei­ße.

Trau­rig­keit wird durch Intel­li­genz ver­ur­sacht: Je mehr man bestimm­te Din­ge ver­steht, desto mehr wünscht man sich, sie nicht zu ver­ste­hen. Charles Bukow­ski oder so

Gute Sät­ze (ohne Prä­fix, der Dra­ma­tur­gie wegen) für 2024: Mehr Mit­tel­maß wagen und dann die eige­nen Erwar­tun­gen über­erfül­len, so dass es in Sum­me wie­der passt. Immer­hin: Im jüngst abge­lau­fe­nen Jahr habe ich nur unge­fähr fünf­mal melan­cho­lisch an frü­her gedacht. Es geht vor­an. Das Ziel für 2024: Nur noch höch­stens vier­mal melan­cho­lisch an frü­her den­ken. Es ist immer­hin immer noch die­sel­be Plus­eins. Das war ja auch nicht immer so.

Das fürch­ter­lich­ste Getränk des Jah­res 2023 war selt­sa­mer­wei­se nicht das Glas Irish Pick­leback, das mir jemand ange­dreht hat, der mal gucken woll­te, ob ich Whis­ky mit Essig­gur­ke mag (es war jedoch eine ziem­lich gute Gur­ke), son­dern ein Craft­bier mit Kaf­fee­ge­schmack. Mei­ne Neu­gier auf Din­ge, die eklig klin­gen, wird mich mit etwas Glück noch mal umbrin­gen. Dar­auf einen Tabas­coshot und ein biss­chen Musik.

Ver­stär­ker – Jen­seits Des Jen­seits (Offi­ci­al Video)

Prost Neu­jahr.

Netzfundstücke
Medi­en­kri­tik CXXIII: „n‑tv“ und die Pfei­fe mit einem Ei

Wie­der eine offe­ne Fra­ge beant­wor­tet! Der Nazi des dies­jäh­ri­gen Weih­nachts­fe­stes näm­lich sei „Die Feu­er­zan­gen­bow­le“, teilt n‑tv unge­fragt mit:

Obwohl histo­risch bela­stet, ist der Heinz-Rüh­mann-Strei­fen heu­te Kult.

Und zwar, weil:

Ganz so unpo­li­tisch wie der Film erscheint, ist er Histo­ri­kern zufol­ge nicht.

Ein Film von 1943, der auf einem Roman von 1933 basiert und meh­re­re Wahl­gym­na­sia­sten als Prot­ago­ni­sten führt, ent­hält über­ra­schend auch eher kon­ser­va­ti­ves Lehr­per­so­nal, dafür hätt’ ich kei­nen Histo­ri­ker gebraucht:

Ideo­lo­gie ist in der Schul­ko­mö­die aber eher ver­steckt, etwa wenn der schnei­di­ge Leh­rer Dr. Brett jun­ge Men­schen mit Bäu­men ver­gleicht (…) oder wenn es im Unter­richt etwas ras­sen­ideo­lo­gisch um die Völ­ker­wan­de­rung geht.

Potz­blitz. 1943 wur­de übri­gens außer­dem ein Film urauf­ge­führt, in dem Donald Duck recht oft „Heil Hit­ler“ quakt. Obwohl inso­fern histo­risch bela­stet, lässt n‑tv anders­wo unkri­tisch einen Donal­di­sten zu Wort kom­men. Voll das Nazi­por­tal.

Rüh­mann war ein gro­ßer Star in den 40ern. (…) Er galt als weit­ge­hend unpo­li­tisch, was ihm spä­ter manch­mal den Vor­wurf des Oppor­tu­nis­mus ein­brach­te. (…) In Rüh­mann, der 1994 im Alter von 92 Jah­ren starb, konn­ten sich wei­te Tei­le des Publi­kums wie­der­erken­nen.

Aus die­ser For­mu­lie­rung wer­de ich nicht schlau: Konn­ten sie sich in ihm wie­der­erken­nen, weil sie auch 1994 im Alter von 92 Jah­ren gestor­ben sind, weil sie als weit­ge­hend unpo­li­tisch gal­ten oder weil sie ein gro­ßer Star in den 40ern waren? Da hät­te ich mir etwas genaue­re Aus­füh­run­gen gewünscht.

Die Geschich­te, die im Film selbst erzählt wird, wird fast am Ende die­ses Quatsch­ar­ti­kels immer­hin noch mal zusam­men­ge­fasst:

Am Ende kommt jedoch her­aus, dass die gan­ze Bin­nen­hand­lung nur aus­ge­dacht ist – nur die Rah­men­hand­lung des Her­ren­abends mit Feu­er­zan­gen­bow­le ist am Ende wahr.

Wenn sich jetzt noch her­aus­stellt, dass sogar die Rah­men­hand­lung des Her­ren­abends nur aus­ge­dacht war und die Dar­stel­ler eigent­lich Schau­spie­ler sind, platzt bestimmt irgend­wo ein Kopf. Hihi.

„Die Feu­er­zan­gen­bow­le“ ist somit der viel­leicht schi­zo­phren­ste Film der Nazi-Zeit, in der stets die leuch­ten­de Zukunft der Deut­schen pro­pa­giert wur­de. In der durch­aus melan­cho­li­schen Komö­die wird näm­lich die Wil­hel­mi­ni­sche Epo­che (1890 bis 1914) zur guten alten Zeit sti­li­siert. Zugleich wer­den (Jugend-)Erinnerungen zu einem ret­ten­den Para­dies ver­klärt.

Der Autor hat „Tri­umph des Wil­lens“ nie gese­hen. Das ist in Ord­nung, auch wenn ich das als ver­meint­lich poli­ti­scher ver­meint­li­cher Jour­na­list nicht so deut­lich her­vor­keh­ren wür­de. Irgend­wann hät­te ich aber gern mal einen (gern pseud­ony­men) leak des haus­in­ter­nen n‑tv-Redak­ti­ons­wör­ter­bu­ches im Post­ein­gang. Die Bedeu­tung von „schi­zo­phren“ (oder auch nur das „etwas“ in „etwas ras­sen­ideo­lo­gisch“; ist das so was wie „ein biss­chen schwan­ger“?) ist mir in die­sem Zusam­men­hang nicht klar.

In der Spal­te rechts neben dem Arti­kel wird mir momen­tan irgend­ein Wer­be­film für das nächst­jäh­ri­ge „Dschun­gel­camp“ emp­foh­len. Das passt alles ganz wun­der­voll zusam­men.


Zwi­schen­stand der Ent­schlüs­se­lung des Voy­nich-Manu­skripts: Ein­fach noch mehr nach­den­ken.

NetzfundstückeMontagsmusik
Prin­cess Thai­land – We Shi­ne // Blogs sind jetzt mög­lich!

Ein Pandabär kommt selten usw.

Es ist Mon­tag. Ich „mache“ mei­ne Steu­er­erklä­rung die­ses Jahr mit einem ande­ren Pro­gramm als sonst. Ich füh­le mich wie Kolum­bus.

Im Inter­net wer­den gera­de Tipps rum­ge­reicht, wodurch man das in Ungna­de gefal­le­ne Sub­stack, ein „Dienst“, mit­hil­fe des­sen man Din­ge ins Inter­net rein­schrei­ben kann, erset­zen könn­te. Per­plex stel­len die Teil­neh­mer fest, dass es anschei­nend mög­lich ist, ein eige­nes so genann­tes „Blog“ zu betrei­ben, ganz ohne auf Sub­stack zurück­grei­fen zu müs­sen. Ver­rück­te neue Welt.

Ich war schon wie­der in einem Buch­la­den, dies­mal in einem ande­ren. Dort sind die Ren­ten­zeit­schrif­ten neben „ZEIT Geschich­te“ ein­sor­tiert. Wisst ihr noch, damals, Ren­te? – Die aktu­el­le Aus­ga­be des Käse­blatts „der Frei­tag“, nur echt mit sehr, sehr klei­nem D, trägt den Unter­ti­tel „Die Super­zei­tung“. Cowa­bun­ga! Einen Schritt davon ent­fernt fiel mir das mir zuvor erfreu­lich unbe­kann­te Heft „The Heri­ta­ge Post“ in die Hän­de, das sich „Maga­zin für Indi­vi­dua­li­sten“ nennt, aber im Inne­ren an die unzäh­li­gen Leser exakt die­sel­ben Mode­tipps ver­teilt. Ich den­ke an das Leben des Bri­an, schmunz­le in mich hin­ein und kau­fe nicht.

Besinn­li­ches aus den Poli­tik­res­sorts: Krieg ist Frie­den, Anti­zio­nis­mus ist Anti­se­mi­tis­mus. Wort­be­deu­tun­gen sind über­be­wer­tet, wenn sie dem Guten, Schö­nen, Wah­ren zuwi­der­lau­fen. Spra­che schafft Tat­sa­chen, haben sie gesagt, aber wahr­schein­lich gedacht, das wäre nur was für die Spra­che der Ande­ren. – Im Köl­ner Dom gibt es heu­er ver­schärf­te Sicher­heits­kon­trol­len. Trau­en die ihrem Gott nicht?

Lässt hin­ge­gen nie­man­den allein: Musik.

PRINCESS THAILAND – WE SHINE

Guten Mor­gen.