Netzfundstücke
Erschreckend: Apple.

In einer Welt, die täg­lich neue Hiobs­bot­schaf­ten für ihre Bewoh­ner bereit­hält, ist es nur mehr wenig ver­wun­der­lich, dass sel­bi­ge in stän­di­ger Angst leben. Fröh­li­che Beschwing­heit ist seit dem 11. Sep­tem­ber ohne­hin ver­pönt, Sorg­lo­sig­keit als Nai­vi­tät ver­schrien.

Die Welt ist nicht mehr groß und weit und span­nend, sie ist erschreckend. Das schlägt sich auch in unse­rem Wort­schatz nie­der: Was ehe­dem mit man­nig­fal­ti­gen Adjek­ti­ven aus­ge­zeich­net wur­de, ist in die­sen schreckens­rei­chen Tagen erschreckend.

Ein kur­zer Blick in die Wiki­pe­dia, einen der bered­te­sten Zeu­gen mensch­li­chen Sprach­wan­dels und ‑ver­falls, offen­bart bereits: Men­schen wer­den erschreckt, wenn sie Gesich­ter genau able­sen kön­nen, und bereits gerin­ge Unwäg­bar­kei­ten wie das Ver­säu­men eines Lösch­an­tra­ges und Geld­knapp­heit bei For­mel-1-Ren­nen ver­set­zen sie gera­de­zu in Panik. Noch erschrecken­der („mehr als erschreckend“) als das Erschrecken ist eigent­lich nur noch die Gleich­gül­tig­keit:

(…) Mary stirbt (…) an einem Herz­in­farkt. Rays Reak­ti­on dar­auf ist mehr als erschreckend: Völ­lig gleich­gül­tig ver­folgt er die Arbeit der Sani­tä­ter (…).

Wen wun­dert es da noch, dass manch einem vor lau­ter Panik der Wort­schatz ent­glei­tet?

Uni­bo­dy-Gehäu­se mit erschreckend prä­zi­sen Kan­ten und Spalt­ma­ßen fin­det man sonst nur bei Alter­na­tiv­mo­del­len aus eige­nem Hau­se.

Die Welt ist vol­ler Gefah­ren.
Es ist erschreckend.

Spaß mit Spam
Hallo freund

Die­se Anre­de höre ich übli­cher­wei­se nur in der Fuß­gän­ger­zo­ne, wenn der klei­ne Sohn einer offen­bar recht libe­ra­len Mut­ter mal wie­der Dumm­hei­ten macht. Das klingt dann unge­fähr so: „Hal-looooo?! Fre-heuuuund?!“ (Man stel­le sich zur bes­se­ren Visua­li­sie­rung jedes Wort auf der ersten Sil­be betont, aber auf der letz­ten gebrüllt vor.) Aber es ist kei­ne libe­ra­le Mut­ter, die der­ge­stalt ihren Sohn rügend um mei­ne Auf­merk­sam­keit buhlt, son­dern eine gewis­se „Nata­sha“. Und sie geht gleich ziem­lich ran, die Gute:

Hal­lo,

Ich wür­de Sie ger­ne ken­nen ler­nen

Nun mal lang­sam: War­um, woher, wann; die übli­chen tech­ni­schen Daten eben?

Mein Name ist Nata­scha und ich bin 26 Jah­re alt, ich lebe in Russ­land.

Das könn­te das mit dem Ken­nen­ler­nen dann viel­leicht doch ein biss­chen erschwe­ren. Aber wie sind Sie eigent­lich an „mich“ gera­ten?

Ich habe Ihr Bild in der Agen­tur von Bekann­ten und Sie moch­ten mich.

(Ich fra­ge mich ja manch­mal, was es in Russ­land so alles für Agen­tu­ren gibt, und will das dann eigent­lich doch lie­ber nicht wis­sen.)

Immer­hin geben Sie zu, dass Sie ober­fläch­lich sind. Ehr­lich­keit ist in die­sen Din­gen heut­zu­ta­ge ein wahr­lich sel­te­ner Schatz gewor­den.
Aber wie muss man sich das nun eigent­lich vor­stel­len? Man besucht also als rus­si­sche Frau, die ihren Namen je nach Gusto buch­sta­biert, Bekann­te in denen ihrer Agen­tur, und die Bekann­ten drücken einem dann mit den Wor­ten „wir mögen dich, hier hast du einen Kerl“ – auf Rus­sisch natür­lich – mein Bild in die Hand? Mich frö­stelt ein wenig.

Ich möch­te bes­ser ken­nen zu ler­nen mit Ihnen und zu ent­spre­chen.

Dann ent­spre­chen Sie erst mal, bevor Sie sich auf­drän­gen; ich ken­ne Sie immer­hin nicht, und Russ­land erscheint mir dann doch außer­halb mei­ner gewünsch­ten Reich­wei­te.

Ich habe auch mei­ne Foto.

Äh – ich gra­tu­lie­re.

Wenn ich dich moch­te, und Sie inter­es­siert sind – bit­te mai­len Sie mir.

Ich füh­le mich bei­na­he ein wenig geschmei­chelt. Ihre Inter­es­sens­ge­nos­sin­nen pfle­gen anläss­lich die­ses Anlie­gens bedin­gungs­lo­se For­de­run­gen zu stel­len, Sie las­sen mir die Ent­schei­dung auch ver­bal frei. Dann bin ich mal so frei …

War­ten auf Ihre Ant­wort.

Nata­sha.

… und neh­me an, die Agen­tur Ihrer Bekann­ten wird Ihnen mei­ne Ent­schei­dung als­bald mit­tei­len. Schau­en Sie ein­fach mal wie­der dort vor­bei!

Mit hin­ter­häl­ti­gem Lächeln,
unle­ser­lich.

In den Nachrichten
Tuten und Blasen

Und falls es echt noch jeman­dem nicht so ganz klar war, wie­so einem die gan­ze Kri­se in den USA gera­de irgend­wie bekannt vor­kommt, lei­stet man als über­be­zahl­ter Ses­sel­fur­zer doch gern mal Abhil­fe:

Face­book-Anteils­eig­ner Peter Thiel glaubt nicht an eine neue Finanz­bla­se bei Inter­net­un­ter­neh­men. Statt jetzt ein­zu­knicken, müs­se man noch viel stär­ker in Zukunfts­tech­no­lo­gien inve­stie­ren. Dem SPIEGEL sag­te der Mil­li­ar­där, die High­tech-Indu­strie ver­spre­che wei­ter Wachs­tum und Fort­schritt. (…) Thiel sieht nicht „den Wahn­sinn von frü­her“ wie­der­keh­ren, son­dern im Gegen­teil eine „kul­tu­rel­le Trans­for­ma­ti­on“. (…) Das Sili­con Val­ley sei nun an der Spit­ze gelan­det, als ein­zi­ger Ort, „der noch Wachs­tum und Fort­schritt ver­spricht“.

Klar wür­de so ein Face­book-Anteils­eig­ner nie sagen, dass es eine ziem­li­che Schnaps­idee wäre, sein sonst­wie ergau­ner­tes Geld in das Web 2.0, was immer das jetzt genau auch sein soll, zu pum­pen. Nein, die­se Dot­com-Bla­se wird nie­mals plat­zen, denn anders als noch vor einem Jahr­zehnt spe­ku­liert man nicht dar­auf, dass die Unter­neh­men, in die man Geld inve­stiert, sat­te Gewin­ne abwer­fen, son­dern nur dar­auf, dass der Markt, in dem sie sich eta­blie­ren wol­len, sta­bil bleibt; was ja dann auch irgend­wie das­sel­be Ergeb­nis hat.

Gera­de aus einer „Kri­se“ her­aus­ge­rutscht und wie­der ein paar Krö­ten auf dem Kon­to zeigt man sich in Inve­sti­ti­ons­krei­sen also wie­der wage­mu­tig. Man hat es aller­dings auch leicht heut­zu­ta­ge, als Inve­stor stink­reich zu wer­den, denn man muss kein Glück mehr haben oder gar öko­no­mi­sche Weit­sicht, son­dern die jewei­li­gen Unter­neh­men ver­spre­chen Wachs­tum und Fort­schritt, was selbst­ver­ständ­lich nur bedeu­ten kann, dass es berg­auf geht und man sich mit dem Inve­stie­ren bes­ser ein biss­chen beei­len soll­te, und nicht etwa, dass so ein Unter­neh­men natür­lich schön blöd wäre, mög­li­chen Aktio­nä­ren zu sagen: So, Leu­te, wir sind dann in Bäl­de mal plei­te.

Die tat­säch­li­chen Unter­neh­mens­wer­te lie­gen eben im rund­erneu­er­ten Web zwei­drei­vier­tel eben­so in der Cloud wie die Aus­sich­ten auf Gewinn aus die­sen Unter­neh­mens­wer­ten. Die Logik scheint bestechend: So etwas ist ja erst vor kur­zem gewal­tig in die Hose gegan­gen, der kol­lek­ti­ve Gemein­sinn macht den glei­chen Feh­ler nicht zwei­mal in so kur­zer Zeit und wird schon recht­zei­tig die Kur­ve krat­zen bekom­men.

Und Peter Thiel hat das ver­stan­den:

„Es gibt kei­ne Bla­se, nicht bei Face­book, nicht bei Lin­ke­dIn und bei kei­nem der ande­ren bekann­ten Unter­neh­men“, so Thiel im SPIEGEL.

Denn das hät­te sich ja wohl schon her­um­ge­spro­chen, wenn es eine Bla­se gäbe, die kurz vorm Plat­zen ist, das hat ja damals auch schon gut funk­tio­niert. Wo der tat­säch­li­che Fir­men­wert von zum Bei­spiel Face­book liegt, des­sen ein­zi­ges ste­tes Kapi­tal sei­ne Kun­den – viel­mehr: ihre Daten – sind, wagt ein Face­book-Anteils­eig­ner natür­lich nicht zu hin­ter­fra­gen. Wird schon alles sei­ne Rich­tig­keit haben, sonst wür­de man den Wert wohl kaum so hoch schät­zen.

Kri­se? Was für eine Kri­se?

Politik⁠In den Nachrichten
Kurz verlinkt LIV: Die Rückkehr der Juniorpartner / Deutscher Egoismus

Erin­nert sich noch jemand an die SPD, die­se vor 1998, als Ger­hard Schrö­der die Nach­fol­ge Hel­mut Kohls antrat, poli­tisch ziel­ge­rich­te­te, ein­fluss­rei­che und eigent­lich auch inhalt­lich noch eini­ger­ma­ßen erträg­li­che Par­tei, die in der fol­gen­den Koali­ti­on mit der „Uni­on“ (christ­lich wie die Kreuz­zü­ge, demo­kra­tisch und sozi­al wie die Deut­sche Demo­kra­ti­sche Repu­blik) sich als „Juni­or­part­ner“ an den stimm­ge­wal­ti­ge­ren „Seni­or­part­ner“ anbie­der­te und die leicht­gläu­bi­gen Wäh­ler infol­ge des­sen anwi­der­te?

Sie ist wie­der da:

Der SPD-Vor­sit­zen­de Sig­mar Gabri­el hat Bun­des­kanz­le­rin Ange­la Mer­kel (CDU) die Zusam­men­ar­beit bei einer Steu­er­re­form ange­bo­ten.

Wenn SPD und CDU „zusam­men“ die Steu­ern refor­mie­ren wol­len, kann das nur ein Erfolg wer­den.
Das sieht dann ver­mut­lich unge­fähr so aus (Arti­kel von 2005):

Wenn es nach Spit­zen­po­li­ti­kern von Uni­on und SPD geht, wür­de die Mehr­wert­steu­er angeb­lich auf 20 Pro­zent erhöht.

Oder auch so (Arti­kel vom Dezem­ber 2010):

SPD und CDU stim­men für Steu­er­erhö­hun­gen in Sal­zu­flen

Die­se SPD ist schon put­zig.


Auch ziem­lich put­zig ist übri­gens Roma­no Pro­di, ehe­mals Regie­rungs­chef Ita­li­ens, der dann mal den Cap­tain Obvious macht:

Ex-Regie­rungs­chef Pro­di hält die Deut­schen für ego­istisch. (…) Er ver­wies dar­auf, dass die Deut­sche Bank fast ihre gesam­ten ita­lie­ni­schen Staats­an­lei­hen im Wert von acht Mil­li­ar­den Euro ver­kauft habe. Dies sei „ein ein­drucks­vol­les Signal des Nicht-Ver­trau­ens“.

Signor Pro­di, chie­do scu­sa, aber so recht Ver­trau­en in ein Land, des­sen Finan­zen auf­grund eige­nen Ver­sa­gens nicht die besten sind und des­sen lau­te­ste Kra­kee­ler, wie Sie einer sind, dann ver­su­chen, ande­ren Län­dern die Schuld hier­an zuzu­schie­ben, zu haben ist dann doch nicht unbe­dingt ein­fach. So schwie­rig ist das nicht zu ver­ste­hen: Wenn ich Anteils­eig­ner an einem gro­ßen Unter­neh­men bin und des­sen Bank­rott unmit­tel­bar bevor­steht, wer­de ich nicht mit dem Ver­kauf war­ten, bis mei­ne Antei­le nichts mehr wert sind, son­dern sie vor­her absto­ßen.

So funk­tio­niert das in der Wirt­schaft. Aber wem sage ich das?

Nerdkrams
Welt-Nerd-Tag

Nach dem Welt­pin­guin­tag dach­te ich, es gäbe kei­ne ähn­lich lobens­wer­ten Fei­er­ta­ge. Dann las ich dies:

Am 29. Juli 2011 wird der Welt-Nerd-Tag gefei­ert.

Pas­sen­der­wei­se fin­det am 29. Juli 2011 – also heu­te – auch der dies­jäh­ri­ge „Sys­Ad­min­Day“, der Tag der System­ad­mi­ni­stra­to­ren, statt. Wäh­rend letz­te­re aber im All­ge­mei­nen geach­te­te Zeit­ge­nos­sen sind, hat die Öffent­lich­keit von Nerds ein etwas ande­res Bild:

Rein äußer­lich sind sie durch ihre dicken Horn­bril­len und Hoch­was­ser­ho­sen erkenn­bar sowie dar­an, dass sie über Per­ry Rho­dan, Comics, die neue­sten Lan-Par­ties (sic!) oder die ange­sag­te­sten Video­spie­le phi­lo­so­phie­ren. Will­kom­men in der Welt der Nerds.

Dabei sieht die Welt der Nerds eigent­lich ganz anders aus. Sie sind nur sel­ten kli­schee­haft geklei­det, vie­le von ihnen inter­es­sie­ren sich nicht ein­mal für Sci­ence-Fic­tion, son­dern fin­den sie, im Gegen­teil, stink­lang­wei­lig. Als Nerd bezeich­net man sich auch nur sel­ten selbst, zu nega­tiv ist die­ses Wort in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung besetzt, son­dern man wird von ande­ren Men­schen als Nerd iden­ti­fi­ziert. Dazu gehört nicht ein­mal eine dicke Horn­bril­le, es genügt bereits, sich für The­men zu inter­es­sie­ren, die in den Augen eher kon­ser­va­ti­ver Medi­en und Mit­men­schen als wun­der­lich gel­ten. Die Zahl derer, die die­ses Inter­es­se tei­len, ist hier­bei uner­heb­lich; so gibt es Com­pu­ter­spiel­nerds, obwohl wohl jeder Drei­kä­se­hoch heut­zu­ta­ge die­ses Inter­es­se teilt; es gibt Sci­ence-Fic­tion-Nerds – bekannt sind die „Trek­kies“, die sogar Gegen­stand eige­ner Fil­me („Fan­boys“) wur­den – ver­schie­den­ster Aus­rich­tung, obwohl nicht erst seit der letz­ten Star-Wars-Tri­lo­gie das Wis­sen über Hin­ter­grün­de und Zusam­men­hän­ge die­ser Wel­ten zumin­dest teil­wei­se zum All­ge­mein­gut wur­de (wer hat noch nie was von „Laser­schwer­tern“ gehört?); und es gibt ver­ein­zelt auch Nerds, die fern­ab elek­tro­ni­scher Medi­en ihrem Nerd­tun nach­ge­hen, etwa Bücher­nerds. So sieht die Gesell­schaft das.

Ist man also schon ein Welt-Nerd-Tag-Nerd, weil man die­sen Arti­kel hier liest und somit alles Wis­sens­wer­te über ihn her­aus­ge­fun­den hat? Womög­lich schon. Da aber nun ande­rer­seits jeder Mensch ein Nerd ist, schla­ge ich vor, für uns Com­pu­ter­bast­ler, die im täg­li­chen Leben mit ihrem Nerd­tum so man­chen Betrieb am Lau­fen hal­ten, ein ande­res Wort zu eta­blie­ren.

Wie wäre es mit „Sys­ad­mins“?
Gern gesche­hen.

Einen Gruß und mei­ne vol­le Hoch­ach­tung an all die Lei­dens­ge­nos­sen da drau­ßen! :)

Fotografie
Drei Bilder, drei Geschichten

(Die Bild­un­ter­schrif­ten sind aus­ge­dacht, die Moti­ve lei­der nicht.)

Was moch­te der Autor damit aus­drücken wol­len?
Mög­lich ist, dass ein fin­di­ger Geschäfts­mann, um die homo­se­xu­el­le Sze­ne in sei­ner Hei­mat­stadt wirt­schaft­lich zu för­dern, jüngst ein Eta­blis­se­ment eröff­ne­te, es pla­ka­tiv mul­ti­kul­tu­rell „Gay-Town“ nann­te und nun nur noch ein gutes Mot­to benö­tig­te. Viel­leicht sind dies also die ersten Geh­ver­su­che eines zukünf­tig berühm­ten Wer­be­tex­ters?
Mög­li­cher­wei­se woll­te der Schrei­ber aber auch nur in einem Anflug puber­tä­rer Hei­ter­keit die Nach­bar­stadt ver­un­glimp­fen. Es ist jedoch lei­der nicht ersicht­lich, um wel­che es sich han­deln möge, wes­halb der Vor­wurf, sie sei schwul und wür­de oben­drein ora­le Akti­vi­tä­ten voll­füh­ren, unwi­der­spro­chen blei­ben muss. Ganz schön gewitzt, der unbe­kann­te Ver­fas­ser.


Die Bau GmbH in Bal­len­stedt war ver­zwei­felt: Das Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men, des­sen Kun­den seit jeher das geschäft­li­che Mot­to „Bewusst bes­ser bau­en“ zu schät­zen wuss­ten, hat­te sich eine teu­re Ver­mark­tungs­kam­pa­gne gelei­stet und sogar in fer­nen Innen­städ­ten pla­ka­tiert, und den­noch blie­ben Neu­kun­den aus. An der Kam­pa­gne selbst, des­sen war man sich sicher, konn­te das jeden­falls nicht lie­gen.


Das Wort „sva­du“ bedeu­tet auf Sans­krit unge­fähr „wohl­schmeckend“. Was aber ist ein Dack­ster­spien?
Ich emp­feh­le, in näch­ster Zeit das Süß­wa­ren­re­gal des ört­li­chen Super­markts im Auge zu behal­ten. Lobens­wert ist es jeden­falls, dass die Jugend noch immer zu sprach­li­cher Krea­ti­vi­tät imstan­de ist.

Politik⁠In den Nachrichten
Kurz verlinkt LIII: Mit Lin‑, äh, VDS wär‘ das nicht passiert.

Nach dem Anschlag in Nor­we­gen hat die Par­tei mit dem „C“ (wie Cukunft?) sich nicht etwa dar­über gefreut, dass es einer der Ihren (ein kon­ser­va­ti­ver Christ eben) war, der sei­ne Mis­an­thro­pie offen aus­leb­te, son­dern mal wie­der mit­tels ihres innen­po­li­ti­schen Spre­chers mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gewinkt:

„Wir brau­chen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung“, sag­te der CSU-Poli­ti­ker der „Pas­sau­er Neu­en Pres­se“. „Im Vor­feld muss die Über­wa­chung von Inter­net­ver­kehr und Tele­fon­ge­sprä­chen mög­lich sein. Nur wenn die Ermitt­ler die Kom­mu­ni­ka­ti­on bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie sol­che Taten ver­ei­teln und Men­schen schüt­zen.“

Denn selbst­ver­ständ­lich redet ein Amok­läu­fer vor der Tat erst via Chat mit sei­nen Mit­men­schen: „Ey, ich lauf dann gleich mal Amok, ne? BRB!“ Und wenn man das dann auf Vor­rat spei­chert, weiß man wenig­stens hin­ter­her, was er vor­her alles gemacht hat.

Blöd nur:

Das nor­we­gi­sche Par­la­ment führ­te die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung am 29. März 2011 ein, hat­te die Nor­way Post berich­tet.

Ja, die­ses Instru­ment hat sich wirk­lich bewährt. War­um machen wir das eigent­lich in Deutsch­land nicht auch?

Politik⁠In den Nachrichten
Der irre Attentäter von Oslo

Oh, es gab mal wie­der einen ter­ro­ri­sti­schen Anschlag auf die Regie­rung, und zwar aus­nahms­wei­se mal in Nor­we­gen. Was die Her­ren Bos­bach und Schü­ne­mann davon hal­ten, ist mir nicht bekannt, aber ich gehe davon aus, sie tre­ten just in die­sem Moment vor aus­rei­chend vie­le Repor­ter­mi­kro­fo­ne und for­dern Ver­bo­te.

Aber was soll­te man ver­bie­ten? Dazu muss man wis­sen, was der mut­maß­li­che Täter über­haupt für eine Per­son ist. Der Mann besitzt die Frech­heit, weder einen lan­gen Bart zu tra­gen noch Mos­lem zu sein, also müs­sen wir woan­ders nach Anhalts­punk­ten suchen:

Anders Beh­ring Brei­vik beschrieb sich selbst als „kon­ser­va­tiv“ und „christ­lich“. Er sei Lei­ter eines Gemü­se­ho­fes, was erklä­ren wür­de, dass er durch sei­ne Tätig­keit in einem Agrar­be­trieb leicht an grö­ße­re Men­gen Dün­ge­mit­tel hät­te her­an­kom­men kön­nen, aus denen sich Spreng­stoff her­stel­len lässt.

Kla­rer Fall: Agrar­wirt­schaft muss künf­tig stär­ker video­über­wacht wer­den, grund­sätz­lich müs­sen alle Agrar­ar­bei­ter künf­tig regel­mä­ßig ihre Befä­hi­gung zum ver­ant­wor­tungs­vol­len Gebrauch von Dün­ge­mit­teln nach­wei­sen.

Oder fin­den wir noch was bes­se­res?

Er sei Jung­ge­sel­le und inter­es­sie­re sich für die Jagd sowie für Com­pu­ter-Kriegs­spie­le wie „World of War­craft“ und „Modern War­fa­re 2“.

Ah – na also. World of War­craft, das bekann­te Kriegs­spiel. War ja abzu­se­hen, dass das Basi­lis­ken­meu­cheln irgend­wann eska­lie­ren wür­de! Gleich auf den Index set­zen, sofern Frau von der Ley­en das nicht schon längst bean­tragt hat; und über­haupt: Jung­ge­sel­le, also Ein­zel­gän­ger; kla­res Zei­chen dafür, dass er von einem tie­fen Hass auf die Gesell­schaft erfüllt ist.

Und was sagt der nor­we­gi­sche Mini­ster­prä­si­dent dazu?

„Das ist ein Alb­traum“, sag­te er. Die Anschlä­ge wür­den Nor­we­gen ver­än­dern. Die Ant­wort des Lan­des müs­se „noch mehr Demo­kra­tie und Offen­heit“ sein, so Stol­ten­berg.

Mit so einer Ein­stel­lung wird das nie was mit der Auf­nah­me in die EU. ;)

Netzfundstücke⁠Nerdkrams
GNU und Linux: Fünf Missverständnisse

(Vor­be­mer­kung: Aus aktu­el­lem Anlass noch mal was zu Betriebs­sy­ste­men; das reicht dann aber auch für die­se Woche.)

Für mei­nen Bei­trag über Mac OS X „Lion“ hat­te ich zwar eini­ge Recher­chen ange­stellt, um nur kei­nen inhalt­li­chen Feh­ler zu machen. Was ich aber nicht bedacht hat­te, war, dass ich auch eini­ge Leser habe, die Linux min­de­stens so sehr ver­eh­ren wie ein Mac-Nut­zer Ste­ve Jobs ver­ehrt, und so nahm sich etwa Didi im dor­ti­gen Kom­men­tar­be­reich die Frei­heit, all jene, die nicht aus­schließ­lich auf kosten­lo­se Soft­ware set­zen, als „mit dem Klam­mer­beu­tel gepu­dert“ zu bezeich­nen; anders gesagt hält er uns, die wir nicht aus­schließ­lich Linux oder Reac­tOS oder wenig­stens BSD ein­set­zen, für ziem­lich doof.

Also habe ich beschlos­sen, mich noch mal einem lang­wei­li­gen Com­pu­ter­the­ma zu wid­men. Dem Bei­trag über „Mac OS X gegen Win­dows“ könn­te ich nun einen Bei­trag „Mac OS X gegen Linux“ oder so etwas fol­gen las­sen, aber das wäre doch arg lang­at­mig.

Wie es der Zufall jedoch so will, stieß ich vor ein paar Tagen auf ein wirk­lich ziem­lich schlech­tes Linux-Tuto­ri­um für Win­dows-Umstei­ger (ich twit­ter­te es bereits) und möch­te das nun zum Anlass neh­men, eini­ge grund­le­gen­de Miss­ver­ständ­nis­se zum The­ma GNU und Linux auf­zu­klä­ren. ‘GNU und Linux: Fünf Miss­ver­ständ­nis­se’ wei­ter­le­sen »

Nerdkrams
Das fortschrittlichste Betriebssystem der Welt

(Vor­be­mer­kung: Im Fol­gen­den zer­pflücke ich App­les neue­stes Betriebs­sy­stem. Etwa­ige Mac-OS-X-Apo­lo­ge­ten bit­te ich von Bekeh­rungs­ver­su­chen Abstand zu neh­men.)

Wäh­rend Micro­soft zu Linux‘ Zwan­zig­stem sich lei­sen Sti­che­lei­en hin­gibt, haut man bei Apple mit gro­ßem Getö­se und Tam­tam auf den Putz und stellt außer dem neu­en „Mac mini“ – ohne opti­sches Lauf­werk, wer braucht schon DVDs? … – auch das pas­sen­de, nur als Down­load erhält­li­che neue Mac OS X vor (Leu­te mit lang­sa­men Inter­net­ver­bin­dun­gen sind Ste­ve Jobs anschei­nend zuwi­der), sei­nes Zei­chens das „fort­schritt­lich­ste Com­pu­ter-Betriebs­sy­stem der Welt“ und somit Win­dows und Linux selbst­ver­ständ­lich haus­hoch über­le­gen. ‘Das fort­schritt­lich­ste Betriebs­sy­stem der Welt’ wei­ter­le­sen »

Persönliches⁠Lyrik
Sie. (Fragment 5)

… Es war schon selt­sam, dach­te er; es waren erst weni­ge Tage ver­gan­gen, seit er sie zuletzt gese­hen hat­te, und doch kam es ihm vor, als lägen Jah­re dazwi­schen.

Je mehr Zeit aber ver­strich, um so deut­li­cher sah er sie vor sich, sah das Café, in dem sie sich ken­nen gelernt hat­ten, blick­te tief in ihre Augen; und wach­te doch immer wie­der auf und sah sich ins Lee­re star­ren.

Sie hat­te eine eigen­ar­ti­ge Fas­zi­na­ti­on an sich. Ihr Lächeln hat­te ihn von Anfang an ver­zau­bert. Und sie war so nah und doch für ihn kaum greif­bar. Wie so oft woll­te er alles bes­ser machen, sie nicht ver­schrecken aus blo­ßem Miss­ge­schick. Nur kei­nen Stress, nie wie­der, das hat­ten sie sich ver­spro­chen. Den Moment genie­ßen, ohne an den näch­sten den­ken zu müs­sen. Und doch begann er zu zwei­feln. Hat­te er den rich­ti­gen Weg ein­ge­schla­gen?

Viel­leicht soll­te er end­lich han­deln. Es schien so ein­fach, ein Griff zum Tele­fon­hö­rer, eine Num­mer wäh­len und end­lich wie­der ihre Stim­me hören.

Aber war es nicht gera­de die­se Unge­duld, die ihn schon Jah­re zuvor um sein Glück gebracht hat­te? Er wür­de sie jetzt gera­de, in die­sem Augen­blick, so vie­les fra­gen oder ihr schwei­gend beim Lächeln zuse­hen, das war ihm jetzt gera­de, in die­sem Augen­blick, voll­kom­men gleich­gül­tig, wenn sie nur bei ihm wäre. Er wuss­te, die Ant­wort wür­de er ohne­hin nicht hören wol­len; doch wor­auf soll­te er noch hof­fen? Nur ein Wort von ihr, und es wür­de vor­bei sein. All die unge­wis­sen Stun­den, Tage wür­den der Ver­gan­gen­heit ange­hö­ren. Und viel­leicht wür­de das auch bedeu­ten, dass ihm bewusst wur­de, dass sie ihn längst abge­wie­sen hat­te.

War es das wert?

Ihm wur­de plötz­lich klar, wie wenig er eigent­lich über sie wuss­te. Wo sie jetzt wohl war? (War sie allein?) Er kam sich so klein vor wie seit Jah­ren nicht mehr.

Aus dem Inter­net­ra­dio knö­del­te Mike Pat­ton:
„That’s why I’m easy; I’m easy like Sun­day mor­ning …“

Nie zuvor war ihm ein Sonn­tag so schwer gefal­len. …

Netzfundstücke⁠In den Nachrichten⁠Nerdkrams
Immer sind’s nur die anderen.

Richard Stall­man hat dem SPIEGEL einen lesens­wer­ten Text ins Inter­net getan, der unter einer frei­en Lizenz steht.

Eini­ge Aus­zü­ge:

Das Netz über­nimmt die Daten­ver­ar­bei­tung, der Nut­zer gibt die Kon­trol­le dar­über ab. Die­ses neue Web ist vol­ler Ver­lockun­gen – doch wir müs­sen ihnen wider­ste­hen.

Und dann ist da die Sache mit der Daten­spei­che­rung auf den Ser­vern von Unter­neh­men. Die größ­ten die­ser Unter­neh­men haben kei­nen Respekt vor der Pri­vat­sphä­re der Nut­zer. Wenn ein Nut­zer Face­book sei­ne Daten über­lässt, bezah­len ande­re Fir­men für die Nut­zung die­ser Daten Geld. Sie bezah­len Face­book – und nicht den Nut­zer – dafür, mit sei­nem Gesicht zu wer­ben.

Face­book-Nut­zer sind nicht Kun­den, sie sind Ware

Das alles bedeu­tet nicht, dass Inter­net­nut­zer kei­ne Pri­vat­sphä­re genie­ßen kön­nen. Es bedeu­tet auch nicht, dass Nut­zer gar kei­ne Kon­trol­le mehr über ihre Daten­ver­ar­bei­tung haben kön­nen. Es bedeu­tet nur, dass sie gegen den Strom schwim­men müs­sen, um das alles zu bekom­men.

So weit, so rich­tig und wich­tig.
Und was fol­gert man also als SPIE­GEL-Online-Leser aus die­sem neu gewon­ne­nen Wis­sen?

Na ja – den Ver­such war es wert.