PersönlichesMusik
Mein Musik­fa­schis­mus: Die „ande­re“ Geschich­te.

Ich hat­te im August 2010 unter dem Titel „Mein Musik­fa­schis­mus“ unter ande­rem geschrie­ben:

Mit dem „Sound­track mei­nes Lebens“ (…) untrenn­bar ver­bun­den sind und blei­ben so die Tex­te der Ärz­te, der Toten Hosen und der Fan­ta­sti­schen Vier. Aber das ist eine ande­re Geschich­te.

Viel­leicht ist es an der Zeit, euch die­se Geschich­te zu erzäh­len. Kei­ne Sor­ge: Sie ist trotz ihrer Zeit­span­ne recht kurz.

In jun­gen Jah­ren war ich, wie so vie­le mei­ner Alters­ge­nos­sen, noch leicht zu beein­drucken von deutsch­spra­chi­ger Rock­mu­sik. Über das Radio geriet ich an Die Ärz­te, über Freun­de an Die Toten Hosen („Zehn klei­ne Jäger­mei­ster“ – wenn man 14 oder 15 ist, fin­det man das zum Brül­len). Wie genau ich an die Fan­ta­sti­schen Vier gera­ten bin, weiß ich heu­te nicht mehr – wahr­schein­lich trägt eben­falls das Radio die Schuld. „Arsch­loch! Arsch­loch! Arsch­loch!“ war tat­säch­lich die zwei­te Lied­zei­le, die ich in mei­nem Leben bewusst aus­wen­dig kann­te; die erste lau­te­te: „Hörst du die Glocken von Stel­la Maria, von Stel­la Maria, von Stel­la Maria?“. – Ich hat­te, wie erwähnt, eine musi­ka­lisch gese­hen nicht unbe­dingt tol­le Kind­heit.

Mit mei­nem ersten ernst zu neh­men­den Lie­bes­kum­mer weni­ge Jah­re spä­ter fie­len also die Kennt­nis der Lied­tex­te von Für uns (Die Ärz­te), Der Frosch­kö­nig (Die Toten Hosen) und Sie ist weg (Die Fan­ta­sti­schen Vier). Das sind viel­leicht kei­ne idea­len musi­ka­li­schen Vor­aus­set­zun­gen für die Ver­ar­bei­tung der ver­flos­se­nen ersten Lie­be, und gehol­fen hat es auch nicht, aber das wohl wesent­lich hilf­rei­che­re „OK“ von Farin Urlaub lag mir damals noch nicht so nahe. Heu­te erscheint es mir wahr­schein­lich, dass ich see­li­schen Schmerz immer mit Gegen­schmerz zu bekämp­fen ver­such­te statt ihn mit fröh­li­chem Pop zu über­tö­nen. Por­tu­gal. The Man wären ver­mut­lich eben­falls in der Lage, mich aus der dama­li­gen see­li­schen Lage zu befrei­en, aber ich hat­te es schlicht nicht ver­sucht.

Eini­ge Jah­re spä­ter lern­te ich eine Frau ken­nen, die wie ich die Fan­ta­sti­schen Vier vor allem wegen ihrer Tex­te zu schät­zen wuss­te. Wir hör­ten oft „Viel“ und teil­ten unser Leid, dass sich in den Tex­ten eigent­lich unser gan­zes Leben spie­gel­te. Als sie irgend­wann, wie ich es längst gewohnt war, das Inter­es­se an mir ver­lor, begann für mich auch der Text von „Ewig“ etwas Per­sön­li­ches zu bedeu­ten, und immer wie­der auch „Der Frosch­kö­nig“ und spä­ter „Nichts in der Welt“. Dass jun­ge Men­schen heut­zu­ta­ge ihren Kum­mer meist (wenn schon nicht in Alko­hol) in eng­lisch­spra­chi­gem Pop oder manch­mal Grunge erträn­ken, kann ich inso­fern nur begrenzt ver­ste­hen. Kurt Cobain (oder Tay­lor Swift) moch­te gele­gent­lich Ähn­li­ches besin­gen wie das, was im Her­zen der unglück­lich Ver­lieb­ten vor sich geht, aber das Herz spricht nun mal die Mut­ter­spra­che, auch dann, wenn man als unglück­lich ver­lieb­ter Teen­ager „i miss u“ in Baum­rin­den (und auf vir­tu­el­le Pinn­wän­de) ritzt und dabei „ich ver­mis­se dich“ fühlt. Zum Füh­len ist so ein Herz nie zu bequem, und das ist eigent­lich ärger­lich. Viel­leicht ist auch das eine Mani­fe­sta­ti­on mei­nes Musik­fa­schis­mus‘: Gefühls­be­wäl­ti­gung mit eng­lisch­spra­chi­ger Pop­mu­sik kann ich nicht ernst neh­men.

Part­ne­rin­nen also, ob nun mit enger oder nahe­zu ohne Bin­dung gegen­über ein­an­der, kamen und gin­gen, sie blie­ben nie lan­ge. Zurück aber blie­ben immer die Toten Hosen, die Ärz­te und die Fan­ta­sti­schen Vier mit ihren zeit­lo­sen Tex­ten, die so über­zeu­gend wie sonst wohl nur weni­ge die Emo­ti­ons­welt eines Ver­las­se­nen abzu­bil­den und nicht nur zu para­phra­sie­ren ver­mö­gen und so das Leid des Hörers tei­len, statt ihm nur die kal­te Schul­ter zum Aus­wei­nen zu zei­gen.

Dafür soll­ten wir die­sen Künst­lern ewig dank­bar sein.

SonstigesIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXII: War­um Ver­lie­rer nicht gegen­dert wer­den

Da die Medi­en gern Stu­di­en bemü­hen, um die Dis­kri­mi­nie­rung irgend­wel­cher Men­schen­grup­pen zu bele­gen (ich berich­te­te), kann es heil­sam sein, gele­gent­lich auf ein­an­der wider­sprüch­li­che Stu­di­en auf­merk­sam zu machen. Medi­en­kom­pe­tenz will gelernt sein.

Im Gegen­satz zu den Stu­di­en, die eine struk­tu­rel­le, gesell­schaft­li­che Dis­kri­mi­nie­rung aus­schließ­lich der Frau­en dia­gno­sti­zie­ren, steht zum Bei­spiel eine Daten­er­he­bung des Sta­ti­sti­schen Bun­des­amts, die Wal­ter Holl­stein – ein Mann, ver­steht sich – auf Sueddeutsche.de zusam­men­fasst. Ich gehe davon aus, dass bereits die­ser Satz man­chen ver­meint­lich auf­ge­klärt-pro­gres­si­ven Leser zu der Behaup­tung ver­lei­ten wird, dass ein Mann gar nicht fähig sei, objek­tiv über Geschlech­ter­rol­len zu berich­ten. Nur: Wer dann?

Also, der Herr Holl­stein so (teils zitie­ren­der­wei­se):

„Medi­en und Frau­en haben Män­nern über Jahr­zehn­te erzählt, sie sei­en über­flüs­sig, gewalt­tä­tig, dumpf und sowie­so ein Irr­tum der Natur. Da ist es doch kein Wun­der, dass sie kei­ne Stüt­zen der Gesell­schaft wer­den wol­len.“ (…) In den ver­gan­ge­nen vier Jahr­zehn­ten sind Tren­nun­gen und Schei­dun­gen zu etwa 75 Pro­zent von Frau­en aus­ge­gan­gen. Nun sor­gen Män­ner vor, indem sie sich erst gar nicht mehr auf eine Bezie­hung ein­las­sen – vor allem nicht auf eine, die staats- und stan­des­amt­lich zemen­tiert wird. (…) Die Poli­tik ist an die­ser Ent­wick­lung nicht unschul­dig. Sie hat über vier Jahr­zehn­te hin­weg nur Mäd­chen und Frau­en geför­dert. Das angeb­lich so star­ke männ­li­che Geschlecht hat sie ver­ges­sen.

Ich mei­ner­seits bedan­ke mich bei Wal­ter Holl­stein dafür, dass ich nun end­lich weiß, dass mei­ne gele­gent­lich ver­spür­te Ein­sam­keit nur ein Zei­chen mei­ner Frei­heit ist.

(Super-Sym­bol­fo­to auch: „Beim Käse­rol­len am Cooper’s Hill in Glouce­ster, Groß­bri­tan­ni­en, kugeln jun­ge Män­ner den Berg hin­un­ter.“ Ich hat­te mir mein Leben irgend­wie anders vor­ge­stellt.)

NerdkramsProjekte
Neu­es: eMu­le beba 2.72 sowie Open­Down­loa­d² 3.4.2

Für die­je­ni­gen unter euch, die hier mit­le­sen, weil sie gern Neu­es von mei­nen eher tech­ni­schen Pro­jek­ten erfah­ren möch­ten, gibt es übri­gens wie­der zwei Nach­rich­ten zu ver­mel­den. Ich bit­te um Beach­tung sowie um Ver­zei­hung für die außer­plan­mä­ßi­ge Unter­bre­chung des gewohn­ten Ablaufs.

Erstens:
Vor ein paar Tagen habe ich Open­Down­loa­d² aktua­li­siert. Die­se Erwei­te­rung rüstet den „Ausführen“-Knopf für Down­loads in den Brow­sern Fire­fox und Sea­M­on­key nach. Sie hat nun ein eige­nes Sym­bol bekom­men und macht hof­fent­lich weni­ger Feh­ler beim Erken­nen, wann eine Datei aus­führ­bar ist und wann nicht. (Nach­trag von Mit­te August 2013: Nein, macht sie nicht – eine neue­re Ver­si­on ist bereits hoch­ge­la­den wor­den.)

Zwei­tens:
Ich habe heu­te end­lich die Arbeit an eMu­le beba 2.72 been­det. Es wur­de ein lang­jäh­ri­ger, grö­ße­rer (aber blö­der) Feh­ler beho­ben, der die Bewer­tung von Cli­ents in der War­te­schlan­ge unter Umstän­den inkor­rekt vor­nahm. Außer­dem wur­de die Ver­si­ons­über­prü­fung ver­bes­sert.

Fra­gen und Anre­gun­gen zu die­sen Pro­jek­ten, ins­be­son­de­re zu den neu­en Ver­sio­nen, neh­me ich wie gewohnt unten im Kom­men­tar­be­reich ent­ge­gen. Besten Dank für die Auf­merk­sam­keit.

Sonstiges
(So was wie) Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Zei­chen­trick in der Schwe­be

Ein inter­es­san­tes medi­en­über­grei­fen­des Phä­no­men im comic und im Zei­chen­trick – sta­tisch wie ani­miert – ist die weit­ge­hend ähn­li­che Dar­stel­lung von Schwe­be­zu­stän­den. Tat­säch­lich schei­nen Außer­ir­di­sche, Raum­schif­fe und wei­te­re flug­fä­hi­ge Ele­men­te eines sol­chen Medi­ums grund­sätz­lich Hum­meln im Hin­tern zu haben; sie heben und sen­ken sich kon­ti­nu­ier­lich.

Bemer­kens­wert ist, dass Gala­xi­us vom Saxil­us in der Serie „Fami­lie Feu­er­stein“ (1959 – 1966) noch nicht zur schwan­ken­den Schwe­be neig­te:

The Flints­to­nes Meet The Gre­at Gazoo 2

In der Gegen­wart und Zei­chen­trick­zu­kunft dage­gen hat man das offen­bar ver­ges­sen; seit eini­gen Jahr­zehn­ten bis in fer­ne Zukunft scheint es auf der Zei­chen­tricker­de mitt­ler­wei­le unmög­lich zu sein, den unbe­weg­ten Schwe­be­zu­stand zu errei­chen (cf. Futura­ma 7x14 „2‑D Black­top“ und wei­te­re Epi­so­den mit „schwe­ben­den“ Fahr­zeu­gen und Raum­schif­fen). Die Fern­seh­se­rie „Dark­wing Duck“ etwa ist eine reich­hal­ti­ge Quel­le für anschau­li­che Bele­ge (man beach­te etwa die Kin­der am Anfang die­ser Epi­so­de; Lau­fen ist eben sooo 21. Jahr­hun­dert), Ana­lo­gien sind in den mei­sten Dis­ney­trick­pro­duk­tio­nen zu fin­den. Die­ser Drang nach Ver­deut­li­chung des Schwe­be­zu­stands mani­fe­stiert sich sogar in nicht ani­mier­ten comics, in denen das In-der-Luft-Ste­hen nicht ohne die einst von Rudolph Dirks erdach­ten Bewe­gungs­strei­fen zu funk­tio­nie­ren scheint. Blo­ße Effekt­ha­sche­rei?

Die aus mir uner­gründ­li­chen Grün­den belieb­te Film­rei­he „Star Trek“ zum Bei­spiel, die selbst auf blo­ße Effekt­ha­sche­rei setzt, zeigt des Öfte­ren im frei­en Raum schwe­ben­de Objek­te, auch Raum­schif­fe. Die ste­hen ein­fach in der Luft, die schwin­gen nicht auf und ab. Wenn vor eurer Nase plötz­lich ein Poli­zist aus der Zukunft appa­rier­te und, wäh­rend er mit euch spricht, stän­dig in der Luft her­um­wackelt, wie viel Respekt wür­det ihr ihm zol­len kön­nen, sofern er ihn ver­dien­te?

Wor­auf ich eigent­lich hin­aus­will, ihr Manga‑, Comic- und son­sti­gen Zeich­ner: Schwe­ben ist ein unbe­weg­tes Tun. Nehmt das bit­te wohl­wol­lend zur Kennt­nis.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt CLXXI: „Bür­ger­krieg: Droht jetzt ein Bür­ger­krieg?“

Ver­ständ­nis­fra­ge:

Tage­lan­ge teils blu­ti­ge Mas­sen­pro­te­ste, die zum Sturz eines Prä­si­den­ten und zur Macht­über­nah­me durch das Mili­tär des jewei­li­gen Lan­des füh­ren, wür­det ihr doch auch „Bür­ger­krieg“ nen­nen, oder?

N24 nicht.

Nach tage­lan­gen teils blu­ti­gen Mas­sen­pro­te­sten für und gegen den Isla­mi­sten Mur­si hat­te das Mili­tär den ersten frei­ge­wähl­ten Prä­si­den­ten Ägyp­tens am Mitt­woch­abend gestürzt und unter Arrest gestellt. Welt­weit löste die Ent­wick­lung Sor­ge vor wei­te­rer Gewalt bis hin zu einem Bür­ger­krieg aus.

Huch – am Ende wird noch jemand ver­letzt!

Piratenpartei
Ost­deut­sche Intri­g­anz­pi­ra­ten

(Vor­be­mer­kung: Viel­leicht wäre es für das Anse­hen der Pira­ten­par­tei klü­ger, auf die­sen Text zu ver­zich­ten. Ich per­sön­lich wür­de aber gern wei­ter­hin mit Stolz statt vol­ler Scham dazu ste­hen, Pirat zu sein; dazu gehört es, auch unbe­que­me Vor­fäl­le zu pro­to­kol­lie­ren. Ich bin Pirat und ich fin­de das gut. – Alle Namen wur­den gekürzt, um wei­te­ren Scha­den abzu­wen­den.)

In unse­rer belieb­ten Rei­he „war­um man die Pira­ten­par­tei momen­tan nicht in irgend­wel­chen Par­la­men­ten sehen wol­len soll­te“ hat sich schon seit Wochen nichts mehr getan. Die Pira­ten­par­tei wäre aber nicht die Pira­ten­par­tei, wenn sie die­sen untrag­ba­ren Zustand nicht schnellst­mög­lich revi­die­ren wür­de. Nun: Mis­si­on erfolg­reich!

Am Sonn­abend näm­lich fand in Des­sau im schö­nen Sach­sen-Anhalt, dem Land der Früh­auf­ste­her (wer halt sonst nüscht hat), bekannt­lich ein außer­or­dent­li­cher Par­tei­tag der dor­ti­gen Pira­ten­par­tei statt. Nach­dem im Mai der Vor­stand groß­teils zurück­ge­tre­ten war, war der Lan­des­ver­band prak­tisch ent­schei­dungs- und damit hand­lungs­un­fä­hig. Dass die Ein­la­dun­gen für den anbe­raum­ten Ter­min teil­wei­se eini­ge Tage zu spät abge­schickt wur­den und damit der Par­tei­tag theo­re­tisch anfecht­bar ist, ist ein inter­es­san­tes Bon­mot, aber bei Pira­ten ja längst guter Stil. (Ob das noch zu Pro­ble­men füh­ren wird, bleibt abzu­war­ten.)

Auf die­sem Par­tei­tag jeden­falls soll­te also ein neu­er Lan­des­vor­stand gewählt wer­den. Da die eigent­lich beab­sich­tig­te Ver­samm­lungs­lei­tung, unter ande­rem bestehend aus dem gegen­wär­ti­gen Lebens­ab­schnitts­ge­fähr­ten der ehe­ma­li­gen Lan­des­vor­sit­zen­den, nen­nen wir sie Frl. O., womög­lich auf­grund von Befan­gen­heit nicht fähig gewe­sen wäre, sich nicht aktiv ins Wahl­ge­sche­hen ein­zu­mi­schen, bot sich ein Team aus Nie­der­sach­sen an, das bereits Erfah­run­gen als Ver­samm­lungs- und Wahl­lei­tung gesam­melt hat­te; so hat­te etwa der desi­gnier­te Ver­samm­lungs­lei­ter in die­sem Team zuvor schon eini­ge Par­tei­ta­ge auf kom­mu­na­ler wie auf Lan­des­ebe­ne gelei­tet. Die­ses Team hat­te sich, um opti­mal auf die Auf­ga­be vor­be­rei­tet zu sein, im Vor­feld des Par­tei­tags qua­si unun­ter­bro­chen mit der Geschäfts­ord­nung des Par­tei­tags beschäf­tigt und sie an vie­len Stel­len rechts­si­cher umge­schrie­ben, um wei­te­re Anfech­tun­gen zu erschwe­ren. (Dass das nicht ganz geklappt hat, sie­he oben, ist zumin­dest nicht dem Team anzu­la­sten.) Bis dahin stand die­se – von allen ver­meint­lich unbe­merkt – wegen des Begriffs der „Beur­kun­dung“, ursprüng­lich mit­tels copy & paste aus der Geschäfts­ord­nung eines Bun­des­par­tei­tags kopiert und somit für einen Lan­des­par­tei­tag eigent­lich nicht ein­mal taug­lich, auf sehr wack­li­gen Füßen. Ein Hauch hät­te genügt, sie umzu­wer­fen. Nun stand also ein ein­ge­spiel­tes Drei­er­team aus opti­mal vor­be­rei­te­ten Frei­wil­li­gen zur Ver­fü­gung, die Ver­ant­wor­tung für den rei­bungs­lo­sen Ablauf des Par­tei­tags auf sich zu neh­men.

Es fällt mir als nicht direkt in den Ent­schei­dungs­pro­zess invol­vier­tem Pira­ten also nicht unbe­dingt leicht, etwas ande­res als die Gier nach Macht­er­halt zu unter­stel­len, wenn ich den Umstand bewer­ten soll, dass Frl. O. eigens einen Gegen­kan­di­da­ten für die Ver­samm­lungs­lei­tung aus Mün­chen (Bay­ern) ein­fah­ren ließ. Um ihrem Gegen­kan­di­da­ten Rück­halt aus der Ver­samm­lung zu ver­schaf­fen, ver­brei­te­te sie wis­sent­lich Unwahr­hei­ten über die Kon­kur­ren­ten; sie hät­ten das nie gemacht und kei­ne Erfah­rung oder der­glei­chen. Ja, Frl. O., sonst vor allem dafür bekannt gewor­den, sich nur all­zu gern mit Leu­ten zu umge­ben, die im Hin­ter­grund die Fäden zu zie­hen glau­ben, hat eine fas­zi­nie­ren­de Kar­rie­re hin­ter sich; von der Ver­samm­lungs­lei­tungs­no­vi­zin zur Tel­ler­wä­sche­rin im inner cir­cle. Dafür müs­sen ande­re lan­ge buckeln!

Trotz aller Ver­net­zung und Strip­pen­zie­he­rei schei­ter­te ihr Vor­ha­ben, die Wahl des neu­en Vor­stands unter die eige­ne Ägi­de zu stel­len. Der eigens aus Mün­chen ange­karr­te Ver­samm­lungs­lei­ter bekam zumin­dest ange­sichts der erdrücken­den Viel­zahl an Men­schen im Publi­kum – gan­ze 50 akkre­di­tier­te Pira­ten stell­ten den Höchst­wert des Tages dar – Lam­pen­fie­ber und wei­ger­te sich, sei­nen zuer­kann­ten Posten aus­zu­üben. Statt­des­sen stell­te er sich also als Wahl­lei­ter zur Wahl; wohl­ge­merkt: als voll­kom­men unvor­be­rei­te­ter Wahl­lei­ter (der sich das durch­aus anmer­ken ließ), der nicht ein­mal mit der gül­ti­gen (also alten) Geschäfts­ord­nung ver­traut war, woll­te er einen Teil des ein­ge­spiel­ten Teams erset­zen. Wohl auch auf­grund der Für­spra­che Frl. O.s wur­de er zumin­dest in die­sem Amt bestä­tigt. Inwie­fern das nun eine Ver­bes­se­rung gegen­über der ursprüng­lich geplan­ten Beset­zung sein soll­te, ist mir unbe­kannt.

Der Par­tei­tag lief dann auch ohne grö­ße­re Pro­ble­me ab. War­um nun eigens jemand aus Bay­ern anrei­sen muss­te (wofür ihm Fahrt­ko­sten aus Par­tei­kas­sen zuste­hen), bleibt zu hin­ter­fra­gen. Die Tor­pe­die­rung der Ver­samm­lungs­lei­tung ist zumin­dest geschei­tert. Beäng­sti­gend ist jedoch, war­um es sich ein gan­zer Lan­des­ver­band, in dem es in den letz­ten Mona­ten nicht unbe­dingt gesit­tet und pro­duk­tiv vor­ging, es för­dert, dass ein ehe­ma­li­ges Vor­stands­mit­glied ver­sucht einen gere­gel­ten Ablauf der Neu­wahl zu ver­hin­dern. Bedenk­lich ist dabei auch, dass die­ses ehe­ma­li­ge Vor­stands­mit­glied wohl kei­ner­lei Kon­se­quen­zen zu befürch­ten hat.

Wer will Pop­corn?

In den NachrichtenNerdkrams
PRISM? Digi­ta­le Mün­dig­keit!

Ich wer­de gele­gent­lich gefragt, war­um ich als Alter­na­ti­ve zu dem nicht erst wegen PRISM und TEMPORA höchst bedenk­li­chen Online­dienst Goog­le Mail grund­sätz­lich emp­feh­le, einen eige­nen Mail­ser­ver auf­zu­set­zen. Sei das nicht über­trie­ben, wenn man es mit einem Durch­schnitts­nut­zer zu tun hat, der nur mal eben sei­nen Mail­ver­kehr abwickeln will?

Tja: Nein.

Dabei ist das eigent­li­che Pro­blem nicht ein­mal, dass es schwie­rig ist, einen „fer­ti­gen“ Mail­an­bie­ter zu fin­den, der garan­tiert kei­ne Hin­ter­tür­chen für NSA oder BND offen hält und den Inhalt von Mails nicht an Wer­be­part­ner ver­scher­belt. (Ob es einen sol­chen über­haupt gibt, bleibt fest­zu­stel­len.) Das Pro­blem ist das mit der digi­ta­len Mün­dig­keit.

Men­schen möch­ten grund­sätz­lich die Kon­trol­le dar­über, was sie wem preis­ge­ben, behal­ten. Sie möch­ten wis­sen, wer ihr Leben wie und war­um mit­be­stimmt. Da kann es kul­tu­rel­le Unter­schie­de geben, aber ich habe die Hoff­nung, dass es zum Bei­spiel ein poli­tisch radi­ka­ler Mon­arch die­ser Tage schwer haben dürf­te, in Deutsch­land eine Allein­herr­schaft zu errich­ten. Die Men­schen wür­den Fra­gen stel­len, auch, weil es schon mehr als genug Dik­ta­tu­ren auf deut­schem Boden gab. Demo­kra­tie (par­la­men­ta­risch) haben die mei­sten Deut­schen gelernt, sie haben das Recht auf Mit­be­stim­mung zumin­dest prin­zi­pi­ell ver­stan­den. Anders ver­hiel­te es sich wahr­schein­lich, wenn sie nie von dem Kon­zept einer Demo­kra­tie gehört hät­ten. Vie­le Bür­ger, die in einer Dik­ta­tur leben, ken­nen alter­na­ti­ve Staats­ent­wür­fe viel­leicht nicht ein­mal und hal­ten eine Dik­ta­tur daher für eine gute Lösung. (Ande­re hal­ten sie auch in Kennt­nis demo­kra­ti­scher Prin­zi­pi­en für eine sol­che. Das hat dann ande­re Grün­de.)

So ähn­lich ver­hält es sich nach mei­nem Dafür­hal­ten mit der digi­ta­len Mün­dig­keit. In einer Zeit, in der der gemei­ne Nut­zer über all der Bequem­lich­keit des Inter­nets zuse­hends an Rech­ten und Pri­vat­sphä­re ver­liert, ist es ins­be­son­de­re wich­tig, dass er das Kon­zept ver­steht. Goog­le Mail kann nütz­lich und irre bequem sein, das stel­le ich nicht in Abre­de. Für den „DAU“, den „dümm­sten anzu­neh­men­den User“, sei alles Ande­re voll­kom­men irrele­vant, höre ich oft. Aber war­um soll­te ein sol­cher „DAU“ immer einer blei­ben? Tat­säch­lich bin ich davon über­zeugt, dass mehr Men­schen sich für die Pro­ble­me von Dritt­an­bie­ter­dien­sten inter­es­sie­ren wür­den, wüss­ten sie um deren Schwä­chen.

Das Ver­sen­den und Emp­fan­gen von E‑Mails über von Drit­ten kon­trol­lier­te Ser­ver ist unge­fähr wie das Ver­sen­den einer Post­kar­te. Es ist wün­schens­wert, dass der Post­bo­te (der Mail­ser­ver) nur die Adres­se liest und wei­ter­gibt, aber wirk­lich wis­sen kön­nen es weder Absen­der noch Emp­fän­ger. Kon­se­quent schreibt auch hof­fent­lich nie­mand Ver­trau­li­ches auf eine Post­kar­te. Das belieb­te Gegen­ar­gu­ment, man schrei­be in Mails sowie­so nie etwas, was nie­mand wis­sen dür­fe, wird an die­ser Stel­le meist von denen ange­bracht, die Gar­di­nen vor ihr Fen­ster hän­gen und beim Toi­let­ten­gang die Tür hin­ter sich schlie­ßen. War­um tun sie das?

Eine mög­li­che Lösung zur Wah­rung des Daten­schut­zes auch gegen­über Geheim­dien­sten ist die Ende-zu-Ende-Ver­schlüs­se­lung etwa per GnuPG. Hier­bei wird aus­schließ­lich ver­schlüs­sel­ter Text über die frem­den Mail­ser­ver geschickt, den nur der (über­prüf­ba­re) Absen­der und der jewei­li­ge Emp­fän­ger lesen kön­nen. Die­se Art der Sicher­heit nimmt jedoch (je nach ver­wen­de­tem Mail­pro­gramm) ein wenig Kom­fort aus der Kom­mu­ni­ka­ti­on, zudem ist sie bei vie­len Web­mail­an­bie­tern nicht ein­mal mög­lich. Die von mir vor­ge­schla­ge­ne Alter­na­ti­ve ist, wie erwähnt, die Instal­la­ti­on eines eige­nen Mail­ser­vers. Ein sol­cher Ser­ver ist gün­stig zu bekom­men (ein lei­stungs­schwa­cher vSer­ver genügt, bei Inter­net­flat­rate kann oft auch bereits der hei­mi­sche Rou­ter oder ein aus­ran­gier­ter Alt­rech­ner ohne Mehr­preis als Mail­ser­ver ein­ge­rich­tet wer­den) und ermög­licht die vol­le Kon­trol­le dar­über, was mit dem Post­ein- und ‑aus­gang pas­siert.

Dass dafür min­de­stens rudi­men­tä­re System­kennt­nis­se von Vor­teil sind, ist neben dem Ein­rich­tungs- und War­tungs­auf­wand (gele­gent­li­che Sicher­heits­ak­tua­li­sie­run­gen wer­den natür­lich emp­foh­len) der ein­zi­ge nen­nens­wer­te Nach­teil die­ser Lösung. Tat­säch­lich gibt es im Inter­net vie­le mal umfang­rei­che, mal eher rudi­men­tä­re Anlei­tun­gen für Mail­ser­ver­no­vi­zen aller Betriebs­sy­ste­me, auch Win­dows­nut­zer kön­nen sich mit weni­gen Klicks einen funk­tio­nie­ren­den Mail­ser­ver ins Wohn­zim­mer stel­len.

E‑Mail ist auch nur ein Bei­spiel für die Pro­ble­ma­tik. Habt ihr mal dar­über nach­ge­dacht, ob der Face­book-Chat wirk­lich ein Gespräch unter vier Augen ist? Wisst ihr so genau, was tech­nisch pas­siert, wenn ihr eurer Flam­me per Whats­App ein pein­li­ches Bild von euch sen­det? Wür­de es euch unbe­rührt las­sen, wenn eure Sky­pe-Tele­fo­na­te über eine dum­me Sicher­heits­lücke offen im Inter­net lan­den? Das mag alles im Ver­gleich mit selbst kon­trol­lier­ten Lösun­gen (zum Bei­spiel Dia­spo­ra, Jab­ber und Mum­ble) so unglaub­lich prak­tisch sein, aber ist es das wert?

Es mag bequem sein, mit bun­ten Knöp­fen und „mach­ste an und läuft“ an der Hand durch das Inter­net geführt zu wer­den. Aber wür­det ihr einen Frem­den auf der Stra­ße bit­ten, kurz auf eure Geld­bör­se auf­zu­pas­sen, nur weil er unver­däch­tig lächelt?

Ihr wer­det vom Staat (von wel­chem auch immer) nur des­halb bei allem, was ihr tut, beob­ach­tet und prä­ven­tiv belauscht, weil es euch nicht schert. Nie­mand kann euch dazu zwin­gen, den nöti­gen Auf­wand zu trei­ben, um Herr über euer digi­ta­les Dasein zu blei­ben. Ihr soll­tet nur wis­sen, dass ihr dazu jeder­zeit die Chan­ce habt.

Nutzt sie. Habt Mut, euch eures eige­nen Ver­stan­des zu bedie­nen.

Ihr habt nur die Frei­heit, die ihr euch nehmt. Das soll­tet ihr nie­mals ver­ges­sen.

Nerdkrams
„Ja oder Ja?“

Wer glaubt, all­zu schrä­ge Pro­gramm­tex­te sei­en stets die Schuld eines Über­set­zers, der könn­te zum Bei­spiel die Android-app STweaks als Gegen­bei­spiel neh­men:

STweaks

„Es wird fest­ge­legt, wie man mit I/O‑Anfragen umgeht und wie man mit ihnen umgeht.“

Bei­des! Prak­tisch!

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 11 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Eeeeei­nen­wun­der­schö­nen­gu­ten­tag, wer­te Freun­de des ange­wand­ten Musik­ge­nus­ses!

Ein Blick in mei­nen Kalen­der wies mich mah­nend dar­auf hin, dass das erste hal­be Jahr 2013 ja qua­si vor­über ist. Das bedeu­tet, dass es (wie alle sechs Mona­te) Zeit ist für mei­ne Rück­schau der kau­fens­wer­te­sten Musikal­ben 2013. Ich muss euch aller­dings ver­schämt geste­hen, dass ich ein­fach nicht die Zeit gefun­den (oder mir genom­men habe), allen Musikal­ben, die viel­ver­spre­chend erschie­nen, genug Zeit zu geben, sich zu ent­fal­ten.
‘Musik 06/2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se’ wei­ter­le­sen »

PolitikIn den Nachrichten
Oh, ein mör­de­ri­sches Regime. Gleich mal anfreun­den.

Die Euro­päi­sche Uni­on dient nicht nur dem Zweck, däm­li­che gesetz­li­che Rege­lun­gen durch­zu­drücken, die auf Lan­des­ebe­ne nicht die Legis­la­ti­ve pas­sie­ren, son­dern auch dem einer mög­lichst gemein­sa­men Wirt­schafts- und Frie­dens­po­li­tik inner­halb Euro­pas. Das ist an sich nicht schlimm, amü­sant wird’s nur, wenn sich die Prio­ri­tä­ten ungün­stig ver­schie­ben.

Dass in der Tür­kei (etwa drei Pro­zent ihrer Land­mas­se befin­den sich auf euro­päi­schem Boden) momen­tan auf Demon­stran­ten und deut­sche Poli­ti­ker geschos­sen wird, habe ich ja bereits kurz erwähnt. Da die Tür­kei sich um eine Auf­nah­me in die Euro­päi­sche Uni­on bemüht, ist es natür­lich die ehren­vol­le Auf­ga­be eines EU-Außen­po­li­ti­kers, sich mit die­sem Fall zu beschäf­ti­gen.

Das wur­de jetzt getan.

Die Euro­päi­sche Uni­on hat sich sich bei einem Tref­fen der Außen­mi­ni­ster in Luxem­burg dar­auf ver­stän­digt, ein neu­es „Kapi­tel“ mit der Tür­kei zu eröff­nen.

Ach, da lässt ein Regie­rungs­chef sein Volk met­zeln. Pri­ma, so was fehlt uns noch in unse­rer Samm­lung! Ande­rer­seits: Das ist ja auch nicht so schlimm, es ist ja nur eine schwie­ri­ge Lage, aber das geht vor­bei:

Aus Sicht von Wester­wel­le sei das „eine gute Ent­schei­dung in schwie­ri­ger Lage“, wie sein Spre­cher sag­te.

Natür­lich gehe es näm­lich nicht in Ord­nung, wenn fried­li­che Demon­stran­ten um Leib und Leben fürch­ten müss­ten, aber die freund­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen Deutsch­land und tür­ki­schem Geld soll­te man des­halb trotz­dem nicht leicht­fer­tig auf’s Spiel set­zen!

Wester­wel­le hat­te sei­ne Kri­tik an den Unru­hen in der Tür­kei wie­der­holt, aller­dings von „stra­te­gi­schen, lang­fri­sti­gen Inter­es­sen“ gespro­chen, die gewahrt blei­ben müss­ten.

Man muss ja zusam­men­hal­ten gegen die Bedro­hung von außen. Da ste­hen ein paar Demon­stran­ten nur im Weg. Eine Demo­kra­tie kann so etwas unmög­lich dul­den!

Ist Weiß­russ­land eigent­lich schon in der EU?