Da die Medien gern Studien bemühen, um die Diskriminierung irgendwelcher Menschengruppen zu belegen (ich berichtete), kann es heilsam sein, gelegentlich auf einander widersprüchliche Studien aufmerksam zu machen. Medienkompetenz will gelernt sein.
Im Gegensatz zu den Studien, die eine strukturelle, gesellschaftliche Diskriminierung ausschließlich der Frauen diagnostizieren, steht zum Beispiel eine Datenerhebung des Statistischen Bundesamts, die Walter Hollstein — ein Mann, versteht sich — auf Sueddeutsche.de zusammenfasst. Ich gehe davon aus, dass bereits dieser Satz manchen vermeintlich aufgeklärt-progressiven Leser zu der Behauptung verleiten wird, dass ein Mann gar nicht fähig sei, objektiv über Geschlechterrollen zu berichten. Nur: Wer dann?
Also, der Herr Hollstein so (teils zitierenderweise):
“Medien und Frauen haben Männern über Jahrzehnte erzählt, sie seien überflüssig, gewalttätig, dumpf und sowieso ein Irrtum der Natur. Da ist es doch kein Wunder, dass sie keine Stützen der Gesellschaft werden wollen.” (…) In den vergangenen vier Jahrzehnten sind Trennungen und Scheidungen zu etwa 75 Prozent von Frauen ausgegangen. Nun sorgen Männer vor, indem sie sich erst gar nicht mehr auf eine Beziehung einlassen — vor allem nicht auf eine, die staats- und standesamtlich zementiert wird. (…) Die Politik ist an dieser Entwicklung nicht unschuldig. Sie hat über vier Jahrzehnte hinweg nur Mädchen und Frauen gefördert. Das angeblich so starke männliche Geschlecht hat sie vergessen.
Ich meinerseits bedanke mich bei Walter Hollstein dafür, dass ich nun endlich weiß, dass meine gelegentlich verspürte Einsamkeit nur ein Zeichen meiner Freiheit ist.
(Super-Symbolfoto auch: “Beim Käserollen am Cooper’s Hill in Gloucester, Großbritannien, kugeln junge Männer den Berg hinunter.” Ich hatte mir mein Leben irgendwie anders vorgestellt.)

