Verqueere Entwicklerlogik
Open Source scheitert regelmäßig auch daran, dass seine Entwickler nur Menschen sind. Dass Linus Torvalds und Theo de Raadt nicht unbedingt zu den besonnensten Diskutanten gehören, ist bekannt; man muss ja auch weder OpenBSD noch Linux nutzen, wenn man lieber Software von Menschen nutzen möchte, denen Sanftheit aus jeder Silbe quillt. Mir persönlich ist es bei einer Software übrigens eigentlich ausschließlich wichtig, wie gut sie den von mir gewünschten Zweck erfüllt, weshalb ich mich auch nicht auf ein System festlege und auch Systeme von Unsympathen nicht zu nutzen ausschließe, wenn sie funktionieren.
Verbrechen aus Waffenbesitz
Seit gestern wird wieder einmal wild spekuliert: Ein Nichtschwarzer betrat eine Kirche und erschoss dort diverse Schwarze beim Beten. Die zynische Anmerkung, dass ihr Glaube sie damit wohl getötet hat, könnte ich hier anbringen, mir damit die altbekannten Anfeindungen einfangen und alles wär‘ beim Alten. Rassismus sei doch schrecklich, Rassismus sei das Problem.
Wenn jemand in den USA irgendwo hingeht und scheinbar wahllos Leute umbringt, dann ist es eigentlich erst ab einer zweistelligen Zahl von Opfern von besonderem Nachrichtenwert. Da tragen ja alle Waffen und schießen ständig auf wen, hahaha, kennt man ja, diese Amerikaner. So doof. – Bis es jemanden trifft, dessen Hautfarbe nicht der des Angreifers ähnelt.
Medienkritik extra: Altherrenwitze
Dass „alte, weiße, heterosexuelle Männer“ an allem schuld seien und aufgrund ihrer Heterosexualität, statistisch gesehen, leider auch irgendwann mal nullkommanochwas Feministinnen gezeugt haben, ist längst nicht mehr als ein müder Treppenwitz derer, die der Ansicht sind, ihr von Grund auf falscher Charakter sei nur deshalb nicht dazu befähigt, ihnen den Weg in höchste Gnaden zu bahnen, weil sich ihnen das Patriarchat in den Weg gestellt habe, und nicht etwa deshalb, weil sie außer Spracheverhunzen und Quotenfrausein nichts an Eignung vorzuweisen haben.
Etwas seltener ist dies:
Das Problem von „TV total“ ist nicht mal mehr der niveaulose Witz. (…) Die Show wirkt wie von alten Männern gemacht, hergestellt mit dem Humor-Werkzeug der Neunzigerjahre.
Alte Männer, so heißt’s dort, seien somit als Urheber von Unterhaltungsmedien nicht geeignet. Jung ist gut, frisch und im Bestfall auch nicht männlich, lese ich daraus, habe schlimme „junge Komikerinnen“ wie Carolin Kebekus, Cindy aus Marzahn sowie Martina Hill in ihrer einzigen unerträglichen Rolle als „Tina Hausten“ viel zu gut im Gedächtnis und rolle ein wenig theatralisch mit den Augen. Der Jüngste war Heinz Erhardt auch nicht mehr, als er gegen Ende seines Lebens immer noch Menschen amüsierte, und wie auch der Dichter Robert Gernhardt und der, nun, Fernsehkritiker Loriot, allesamt alte Männer, hätte er „TV Total“ vermutlich schon damals für viel zu albern gehalten.
Warum das jetzt, drei Monate nach der Veröffentlichung des beschämenden Artikels auf „SPIEGEL ONLINE“, noch von Belang ist? Stefan Raab höre auf, verkündeten die Medien, und nur wenige Stunden zuvor war gerade erst die erste Trauer über den Tod des Literaten Harry Rowohlt verklungen, der erst mit 70 Jahren seinen subtilen, bisweilen auch brachialen Witz nicht mehr zu haben imstande war. Was auf „TV Total“ folgt und auf „SPIEGEL ONLINE“ als geeigneter Ersatz beschrieben wird, nennt sich „Circus HalliGalli“ oder „Neo Magazin Royale“ und wirkt wie die Harald-Schmidt-Show (ihrerseits wenig mehr als eine Kopie dessen, was Jay Leno perfektionierte) ohne Harald Schmidt, dafür mit drei Oliver Pochers, die gleichzeitig versuchen, völlig unterschiedliche Witze falsch zu erzählen. Es mutet andererseits tragisch an, dass man Raab und Pocher hinsichtlich ihres Unterhaltungswerts kaum voneinander unterscheiden kann.
Stefan Raab, diese wahrhaftige Inkarnation Troy McClures, ist ein Anachronismus aus einer Zeit, in der man mit personality shows – auch Thomas Gottschalk ist ja mit mehreren Versuchen dazu gescheitert – noch prima Sendezeit füllen konnte. Das indes hatte er mit Harry Rowohlt gemein: Sie sind aus der richtigen Zeit in eine andere gefallen, in der Beschleunigung die Maxime bildet. Zumindest für Rowohlt blieb nur mehr eine Nische, die er allerdings besser zu füllen vermochte als sie ihm Platz bot; er war die Nische.
Stefan Raab hinterlässt im deutschen Fernsehen nichts als ein paar Stunden vakante Sendezeit. Wenn ihm das als Vermächtnis genügt, ist das valide. Harry Rowohlt, der das Fernsehen allenfalls in der „Lindenstraße“ beeinflusste, hinterlässt hingegen etwas, was von Jan Böhmermann oder, herrje!, Günther Jauch wohl nur schwer korrigiert werden könnte.
Schade drum.
Nachrichtenretrospektive in Kürze, 16. Juni 2015
Gender der Woche: Eltern von Jungs beschweren sich, dass transgender-Mädchen auf die Jungstoilette gehen darf, Eltern des Mädchens beschweren sich anschließend, dass es das nicht mehr darf. Da wird wer zu Hause auf „was habt ihr heute in der Schule gemacht?“ sicher mal eine spannendere Antwort als „Mathe“ geben können.
Skandal!!1! der Woche: Politisch rechte Fraktion stimmt einem berechtigten Antrag einer anderen politisch rechten Fraktion zu. Nicht, dass so was noch zur Gewohnheit wird und eine demokratiefeindliche rechte Partei eines Tages aufgrund der so gewonnenen Mehrheiten noch die Kanzlerin stellt!
Javaproblem der Woche: Unicode macht Kommentare ausführbar.
Emerson, Lake & Palmer – Karn Evil 9
Es ist Montag; nicht irgendein Montag, sondern Montag 1 nach der für alle überraschenden Erkenntnis, dass jemand, der sich in ein Netzwerk hackt, auch beim Rechner der Kanzlerin nicht sagt: „Oh, das ist der Rechner der Kanzlerin, da geh‘ ich mal nicht drauf.“ Dafür, allerdings, wollen sie EDV-Sicherheit zur Pflicht machen, jedenfalls für Unternehmen, beim Bundestag ist es ja bereits zu spät.
Was die Bundesregierung unter Datensicherheit versteht, ist indes wohlbekannt, das De-Mail-Debakel ebenso wie die enge Zusammenarbeit mit der Telekom, die ihrerseits gern mal Nutzerdaten rausträgt, noch nicht verjährt. Verschlüsselung, die die Arbeit der Geheimdienste erschwert, sollte zur Wahrung des bisher erzeugten Bildes in den Hackerparagraphen aufgenommen werden, wo auch nmap u.dgl. drinstehen. Sicherheit ist nichts, was man selbst prüfen dürfte. Und man will ja auch nur Sicherheit gegen den Iwan, die Chinesen oder wer auch immer derzeit für das Eindringen in den Bundestag verantwortlich gemacht werden soll, nicht gegen unsere amerikanischen Freunde, ansonsten würde – man hört Parlamentarier erschreckt einatmen – der Markt auch weiterhin ohne TTIP fluktuieren müssen. Eine schier unerträgliche Vorstellung.
Früher war vieles besser. Auch die Musik.
Guten Morgen.
Das soziale Netzwerk, das dein Privatleben achtet
Bei Mozilla ist man trotz des Beharrens auf die Umsetzung von DRM – sonst müssten die Leute ihren gehypten Streamingscheiß ja über Chrome laufen lassen, und Firefox soll sich ja schon optisch nicht mehr von Chrome unterscheiden lassen – stolz auf seinen vermeintlichen Einsatz für ein freies, offenes Netz.
So stolz, dass die Firefox-Startseite mittlerweile dazu auffordert, auch allen Freunden davon zu erzählen, dass man so viel Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legt, dass man sogar Firefox nutzt.
Zum Beispiel auf Facebook.
Katie Dey – asdfasdf
Vor ein paar Jahren, als YouTube noch cool und nicht von blondierten Dummen mit anstrengender Stimme und geschminkten dreizehnjährigen Jungs bevölkert war, machten sich Menschen mit einem unfassbar schwarzen Humor daran, dort Dinge zu veröffentlichen, die fürderhin zum Teil kultisch verehrt wurden, darunter die „asdfmovies“ (ass-duff-movies).
Bei Nico, der nach elf Jahren und ungezählten Rückzügen von der Bloggerei zum Glück immer noch ab und zu über Musik berichtet, fand ich jüngst ein ebenso verschrobenes Werk von der mir zuvor unbekannten Musikerin Katie Dey. Der Name der EP: „asdfasdf“. Das kann man sich gut merken.
Das Minialbum klingt skandinavisch, ist aber australisch. Eine eigenartige Klangmischung aus sigurrósquem Ambient („fear o the dark“), Poprock von einer ausgeleierten Kassette („unkillable“), Lo-Fi-Noiserock („h o e“) und Dubstepelementen überrascht den Hörer mit einer Eingängigkeit, die zusätzlich verwirrt.
Ein Musik gewordenes WTF, das im noch vergleichsweise unverbrauchten 2015 bisher eine Ausnahmeerscheinung darstellt. Ich mag das.
Nachrichtenretrospektive in Kürze, 10. Juni 2015
Voraussichtlich schon heute der Brüller des Jahres: Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung wird erst im Herbst im Bundestag als Gesetz diskutiert werden. Das gibt der SPD-Basis mehr Zeit für Widerstand gegen das Vorhaben. Die gabriel’sche SPD, Hort der klugen Geister, geführt mit Brillanz.
Was ja auch nötig ist, denn:
In dieser kopflastigen politischen Landschaft, in der die Zentralgewalt die entscheidende ist, muss eine Partei bundesweit so aufgestellt sein, dass sie mit den etablierten konkurrieren kann. Das heißt vor allem, dass es hunderte Funktionäre braucht, die sich souverän im politischen Geschäft bewegen, nicht auffallen und nur innerhalb geplanter Aktionen für Aufsehen sorgen.
(Quelle)
Widerstand war sowieso gestern. Politischer Punk ist tot. Die Platten der Sex Pistols sind ein Kreditkartenmotiv. Gegen das antikapitalistische Schweinesystem oder so. Drogen besorgt die Polizei für euch. Das muss dieser neue Liberalismus sein, von dem immer alle reden; der alte wurde bekanntlich hingerichtet.
Fein allerdings: Von Guilty Ghosts, nach wie vor ein Soloprojekt von Tristan O’Donnell, gibt es ein neues (leider recht kurzes) Album zum Download und Anhören ab 0 Euro. Musik für Nebeltage und melancholische Momente auch im Sommer. Zurücklehnen bitte.
Alvvays – Party Police
Es ist Montag. Ist das eigentlich legal? Anderes jedenfalls nicht: Wo andere mit dem Flugzeug fliegen, fliegt Kate Moss heraus.
Wahrscheinlich war das aber auch nur ein Missverständnis, Frauen tun nicht nur niemandem was; laut Claudia Roth („Grüne“, das waren die mit den Kindern) sind Frauen obendrein die einzige Lösung für die Korruptionsanfälligkeit der FIFA: Das größte Problem der FIFA sei es, dass es dort keine Frauenquote gibt, das bisschen Käuflich- und Gesetzlosigkeit ist ja nebensächlich. Apropos: In der Türkei hat die als unbesiegbar geltende Regierungspartei abermals eine Mehrheit erhalten, aber nur noch eine normale, was Kommentatoren als klaren Beweis dafür sehen, dass dort alles mit rechten Dingen zugeht; und was das über die etwa 80 Prozent für die Regierungskoalition in Deutschland aussagt, möge sich ein Jeder selbst ausmalen.
Es ist ja doch immer dasselbe.
Alvvays the same.
Apropos Alvvays: Unter diesem Namen ist seit 2011 ein kanadisches Quintett aktiv, das 2014 sein Debütalbum veröffentlichte. Zu hören gibt es garagigen Postpunk, nicht unähnlich Savages und den Raveonettes, gepaart mit dem Gesang von Frontfrau Molly Rankin, die Erinnerungen an „Nixe“ von den guten alten Huah! herbeihext. Ich weiß das zu schätzen.
Guten Morgen.
Das ist ja wohl der Gipfel!
Während hochrangige Vertreter der G7-Staaten für mehrere Hundert Millionen Euro standesgemäß auf Schloss Elmau über Verträge diskutieren, die sie fürderhin nicht zu erfüllen beabsichtigen, und dabei zumindest ausgewählte Demonstranten zulassen, weil den Übrigen für die Genehmigung zur Wahrnehmung ihres grundrechtsverbrieften Rechtes auf Demonstration das Feingefühl fehle, und so selbst auf dem so genannten „Kirchentag“ mehr Politik stattfand als dort, wo bis heute Weltfremde ihr Unwesen treiben, fragt sich ganz Deutschland, wieso ausgerechnet die NATO Russland nicht mehr mitspielen lassen will, beziehungsweise:
Diese Woche traf ich in Moskau mit einem namhaften Professor zusammen, der auch an Russlands wichtigster Diplomaten-Hochschule lehrt. Seine Aussagen waren deprimierend. Putin und seine Führung seien mental nicht mehr erreichbar, sie hätten sich von der Wirklichkeit abgekoppelt, sagt der Professor. Die politische Kultur in Russland habe sich seit 500 Jahren nicht geändert.
Und was macht eure Regierung gerade so?
FOAAS
Ihr kennt das: Euch geht irgendein Idiot per Onlinedienst auf die Nerven, ihn aber auf Distanz zu halten würde Energie kosten.
Das Internet der Automatisierung hat die Lösung für euch: FOAAS (Fuck Off As A Service) stellt ein API zur Verfügung, das diese unangenehme Aufgabe übernimmt.
(via BITblokes.de)
Nachtrag vom 5. Juni: Ich habe eine entsprechende Erweiterung für Thunderbird und SeaMonkey veröffentlicht.
Medienkritik XCII: „JOY“ und „Jolie“ im Männercheck
Ein neuer Monat, ein paar neue Frauenzeitschriften. Grellbunt wetteifern im Zeitschriftenregal, wie so oft, turnusmäßig auch „JOY“ und „Jolie“, beide häufige Gäste in dieser Rubrik, um die Gunst der Käuferinnen. Ach, was soll’s Gegender? Natürlich auch der Käufer, steht doch immer auch vieles darin, was auch dem Manne gefällt.
Vieles? Man wird sehen.
1. „JOY“
In knalligen Farben legt die „JOY“ vor: Das Extraheft „107 Beauty-Tipps“, das wohl zur titelbildlich kolportierten Mission, aus jeder Leserin eine beknackt aussehende Frau mit schlechter Haut und kaputten Haaren zu machen, beitragen soll, mag neckisch sein, allerdings begeht Chefredakteurin Ann Thorer bereits im editorial einen Fauxpas, indem sie die „liebe Leserin“ anspricht. Als wären wir Männer nicht an Mode („die 70 coolsten Kleider des Jahres“), Sport („Yoga, Radfahren, Joggen & Co.“, wer immer die Kompagnons sein mögen) und unserem Aussehen („stylische 3‑Minuten-Frisuren“, so was trage ich ja gratis, sowie „Make-up ohne Pannen“) interessiert!
Aber darum soll’s nicht gehen; vielmehr – passend zum auf Seite 17 abgedruckten „klugen Satz des Monats“ von Shailene Woodley, der „Keiner entwickelt sich weiter, wenn er sich an dem misst, was es schon gibt.“ lautet – empfiehlt die „JOY“ aus einer Auswahl der Dinge, die es schon gibt, „22 kleine Verführungstricks, die jeden Mann verrückt nach Ihnen machen“. Man möchte ja als Mann schon gern wissen, wieso man so verrückt ist. Dazu zählt offenbar:
Ach Mist, zu viel Bodylotion erwischt! „Süßer, kann ich dir was abgeben?“ Hui, das flutscht aber…
Hui. – Oder:
Ein Klassiker: Schlüpfen Sie beim Abendessen aus einem Ihrer Schuhe und führen Sie Ihren Fuß vorsichtig in Richtung seines besten Stücks. Hi, Kleiner…
„Kleiner“. Ich bin schon ganz rollig. Aber da geht noch mehr:
Guten Morgen! Versüßen Sie ihm das Aufwachen, indem Sie Ihre nackten Brüste mit kreisenden Bewegungen an seinem Rücken reiben. Das sorgt für eine extraschnelle Auf-STEH-Phase (hihihi).
(Zitat unverfälscht abgetippt; resp.: sic!)
Vollends zum Orgasmus aber treibt mein Zwerchfell Tipp 19:
Geben Sie ihm einen Grapefruit-Blowjob. Dafür die Enden der Frucht abschneiden und in der Mitte ein Loch in der Größe des Penis-Durchmessers bohren. Wenn sein bestes Stück so weit ist, drüberstülpen und auf und ab bewegen …
Die meinen das ernst.
Tipp 22 („greifen Sie ihm ohne Vorwarnung in den Schritt“) fragt abschließend:
Männer sind in Sachen Sex einfach gestrickt. (Ach so! A.d.V.) Warum nicht auch mal Sie?
Beim Sex so einfach gestrickt zu sein, dass man sich für die erfolgreiche Verführung eines einfach gestrickten Mannes – die typische Leserin legt auf einen Mann mit Stil offensichtlich keinen Wert – Obstbegattungstricks aus einem Quietschbuntmagazin anlesen muss, gehörte bislang allerdings auch nicht zu den Dingen, um die ich Frauen beneidet habe.
Vielleicht ist die Konkurrenz ja schlauer.
2. „Jolie“
Die „Jolie“ hält dagegen: Zwar gibt es hier statt 107 nur „55 coole Beautytricks“, dafür aber auch „36x Traumbody“ („Die schönsten Bikinis für jeden Figurtyp“, ich bin dann mal einkaufen) und „15 Tipps, die sofort glücklich machen“ („Das Instant-Rezept für gute Laune“), darunter „Traurige Musik hören“ („What?“, ebd.), „Den Müller machen“ („Jubeln wie der Bayern-Star“) und „Das Bett machen“. Schade, dass es nur für 15 gereicht hat – so war für die unerlässlichen weiteren Tipps „Den Rasen mähen“, „Einkaufen“ und „Zahnarzttermine vereinbaren“ leider kein Platz mehr. Aber ich helfe doch gern!
Dafür hilft mir im Gegenzug die „Jolie“ wie auch die „JOY“ dabei, zu verstehen, wie ich für alle Beteiligten (noch) besseren Sex haben kann: „Setzen, Sex!“ („Sexschule für Männer“) lautet die Überschrift; vermutlich sollten die Männer zumindest froh sein, dass die Zeit der Züchtigung durch den Rohrstock bereits lange genug zurückliegt. Die sechs „Lektionen“ (sowie der unvermeidliche „Exkurs: G‑Punkt“, wobei Letzterer, ich zitiere, „sozusagen im ersten Stock“ liege) sind wie eine typische Schullaufbahn aus der Sicht von jemandem, der nie eine Schule besucht hat, strukturiert:
Einführungsveranstaltung: Verführung
(…) Um eure Hand auf unserem Po platzieren zu dürfen, reicht es (…) nicht, dass wir uns angeschickert eine Portion Pommes Schranke geteilt haben. (…) Ihr sagt schmunzelnd „Selbst Ketchup steht dir“ und schaut schief grinsend ein bisschen zu lang auf unseren Mund? Hot!
Während die „JOY“-Zielgruppe sich also aus blöden Frauen mit wenig stilvollen Männern zusammensetzt, geht man bei „Jolie“ von Frauen ohne Tischmanieren und Männern ohne Subtilität aus. Schön, dass Kavalierstum auch 2015 noch zur Besonderheit genügt.
Pflichtpraktikum: Knutschen
(…) Man kann es sich vorstellen, wie wenn zwei Katzen aufeinandertreffen, sich erst mal vorsichtig beschnuppern, umkreisen und sich dann aneinanderschmiegen und ‑werfen. (…) Probieren Sie mal Folgendes aus: „Einmal mit der Zunge über die Lippen der Freundin fahren, dann erst mal aufhören, die Berührung nachwirken lassen. Wenn sie mehr will, sich langsam steigern, in kleinen Bewegungen rantasten.“
Wenn mehrere Katzen aufeinandertreffen, ist das selten vorsichtiges Beschnuppern, so weit ich das bisher miterlebt habe; und man schelte mich einen Narren, wenn ich irre, aber die Vermutung liegt nahe, dass eine Frau, der man über den Mund leckt, wenn sie knutschen will, das nur wenig betörend findet. Sei’s drum, Theoriefindung ist angesichts der dürftigen Quellenlage vielleicht auch unangemessen.
Fortbildung: Fummeln
Schon klar: Ihr habt selbst keine Brüste, deswegen stimmen euch unsere naturgemäß sehr aufgeregt. Das ist auch gut so – zumindest so lange, bis ihr sie komisch mit dem Finger pikt und dabei am besten auch noch „Möp-möp“ oder „Ding-dong“ sagt.
Manno!
Prüfungsphase: Sex
(…) Während [die Erregungskurve] bei euch meist von null auf geil verläuft, brauchen wir eine gewisse Aufwärmphase. Statistisch gesehen liegt die bei 20 Minuten.
Nützliches Sexutensil Nr. 1: eine Eieruhr.
„Achten Sie auf Ihre Körpersprache“, rät [Sex-Coach] Vanessa del Rae. (…) Ihr Tipp: die taoistische Rhythmustheorie. Neunmal kurz eindringen, einmal tief, dann achtmal kurz, zweimal tief, siebenmal kurz, dreimal tief, und wenn man bei eins angekommen ist, das Ganze rückwärts. „Das ist zielführender als ein Rein-raus-Einerlei. (…) Auch Kreisen kommt immer gut!“
Nützliches Sexutensil Nr. 2: ein Rosenkranz.
Zusatzausbildung: Cunnilingus
(…) Vanessa del Rae rät (…) zum „Adlersuchsystem“, also kreisen, aber nicht direkt landen.
Mit Kreisen hat die Frau es offenbar. Das Adlersuchsystem kenne ich allerdings von Computernutzern, es zeichnet sich dadurch aus, dass es quälend lange dauert und man bei konsequenter Nutzung auch langfristig keine qualitativen Fortschritte machen wird.
Abschlusspräsentation: Orgasmus
(…) Und wenn’s bei uns mal nicht klappt? Nicht so wild, so lange ihr euch danach nicht grunzend auf die Seite rollt. Lieber eine Ehrenrunde drehen! (…) Die Erektion schwillt ja erst langsam ab …
„Nicht so wild, aber ändern müsst ihr’s schon“. Grunz.
3. Fazit
Die „Jolie“ erweist sich zwar als das Magazin, das zumindest in der Theorie Klügeres zu lehren beabsichtigt, allerdings scheint man dort – anders als bei der „JOY“ – seine eigenen Tipps nicht selbst auszuprobieren. Der Sieger? Unentschieden. Sicher ist nur: Bereits am 5. Juni dieses Jahres erscheint von beiden Zeitschriften die Juli-Ausgabe. Das ist nichts für Männer. Wir mögen es logisch.
Habe ich jedenfalls irgendwo gelesen.
„Nicht besonders klug“
SPIEGEL ONLINE, 30. Mai 2015:
Die Bundesregierung hat Russland aufgefordert, über weitere Einreiseverbote gegen deutsche Politiker aufzuklären. (…) Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte die Erstellung der Einreisestoppliste während seines Ukraine-Besuchs: Er halte es „nicht für besonders klug“, eine solche Sperre überhaupt auszusprechen, sagte er nach einer Visite im Flüchtlingslager in Dnipropetrowsk. (…) Laut Medienberichten wurde gegen Dutzende weitere EU-Politiker ein Einreiseverbot ausgesprochen. (…) Dies sei kein geeigneter Beitrag zu den Bemühungen, „einen hartnäckigen gefährlichen Konflikt in der Mitte Europas zu entschärfen“, so Steinmeier.
Verordnung 269/2014 des EU-Rates, 17. März 2014:
Der Rat hat am 17 März 2014 den Beschluss 2014/145/GASP angenommen, der Reisebeschränkungen und das Einfrieren der Gelder und wirtschaftlichen Ressourcen bestimmter Personen, die für Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine untergraben oder bedrohen, einschließlich der ukrainischen Verfassung zuwiderlaufen der Handlungen in Bezug auf den künftigen Status von Teilen ihres Hoheitsgebiets, verantwortlich sind, und der mit ihnen verbundenen natürlichen und juristischen Personen, Einrichtungen und Organisationen vorsieht. Diese natürlichen und juristischen Personen, Einrichtungen und Organisationen sind im Anhang des genannten Beschlusses aufgeführt.
Die Liste im Anhang umfasst 21 Russen und Prorussen.
Nicht besonders klug.
Larry Coryell – The Lift
Glück im Unglück aus der EU: Netzneutralität wird vielleicht wieder gestrichen, dafür sind Auslandstelefonate vielleicht bald noch günstiger. Telefon, ihr wisst schon, diese App mit dem komischen Symbol, die ihr noch nie gebraucht habt.
Andererseits ist Montag, und der Montag verschlingt, was sich ihm in den Weg stellt. Fast ebenso verschlungen sind die Pfade, auf denen mir das Album „The Lift“ von Larry Coryell über den Weg lief. Larry Coryell ist ein US-amerikanischer Jazzgitarrist, der in den 1970-er Jahren mit Größen wie Charles Mingus zusammen gespielt hatte und nebenbei noch Zeit für seine eigene Fusionband The Eleventh House fand. Auf seinem aktuellen – es sind inzwischen über sechzig – unter eigenem Namen veröffentlichten Album „The Lift“, aufgenommen 2012, ist gitarrengetragener, weitgehend instrumentaler Jazz zu hören, der sicherlich nicht der schlechteste ist.
Guten Morgen.















