KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: MOOP

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Heu­te ist mir nach etwas Jazz zumu­te; aber nicht irgend­ein Jazz soll es sein, son­dern Jazz aus dem Land, das man mit Jazz so eng ver­bin­det wie sonst nur Deutsch­land mit Froh­sinn: Frank­reich. Über die dor­ti­ge Musik ist mei­ner­seits schon man­ches geschrie­ben wor­den, über MOOP aber noch nicht. MOOP stam­men aus Poi­tiers, ihr bis­her ein­zi­ges Album, hier­zu­lan­de beim ohne­hin groß­ar­ti­gen label Ton­zo­nen Records und sonst eben bei Amazon.de und Bandcamp.com erhält­lich, hat nicht nur ein häss­li­ches Cover­bild, son­dern ent­hält auch gute Musik.

In der Selbst­be­schrei­bung berich­ten MOOP, sie ver­meng­ten „Metal­schwe­re“ mit „zeit­ge­nös­si­scher Jazz­im­pro­vi­sa­ti­on“. Zwei Bari­ton­sa­xo­pho­ne, eine Gitar­re und ein Schlag­zeug sind ja auch irgend­wie eine Rock­be­set­zung. Wer da an King Crims­on („Lizard“) denkt, der hat nicht Unrecht. Nur Gesang gibt es hier nicht, er wird aber auch nicht ver­misst.

El Chu­pa­ca­bra

Dass nicht jedes Stück zün­det, etwa (trotz des tol­len Titels) „Whe­re is my hor­ny car“ mit bei­na­he gelang­weil­ter Zähig­keit aus dem Kopf­hö­rer fließt, sei der Impro­vi­sa­ti­on zuge­stan­den. Ein ver­gnüg­li­ches Album ist es trotz­dem gewor­den.

In den NachrichtenNerdkrams
💩 (7)

Coro­nabe­schrän­kun­gen schön und gut, aber das

Der Coro­na-Kri­se zur Fol­ge wer­den alle Emo­jis, die Uni­code 14.0 ent­hal­ten wür­de, um 6 Mona­te ver­scho­ben.

… geht jetzt echt zu weit! :mad:

In den NachrichtenMontagsmusik
The White Stripes – 300 M.P.H Tor­ren­ti­al Out­pour Blues // Stuhl­kreis­po­li­tik für die Mafia

Das ist mein Nachrichtengesicht.Es ist Mon­tag. Über­ra­schend stellt sich her­aus, dass die geziel­te För­de­rung von Frau­en der wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­tät eher einen Bären­dienst erweist. Ich emp­feh­le statt­des­sen Pan­da­bä­ren zu för­dern. Die sind wenig­stens put­zig beim Bären­dienst.

Das alles beherr­schen­de The­ma ist aber immer noch Coro­na. Es wird lang­sam lästig, ich ken­ne doch längst alle guten Wit­ze dar­über. Gut haben es die Benut­zer von Whats­App: Dem Ver­neh­men nach errei­chen die­se Wit­ze von Twit­ter erst Jah­re nach allen ande­ren Inter­net­teil­neh­mern. Die haben also noch lan­ge was davon. Alle ande­ren müs­sen lan­ge suchen, bis sie noch was wit­zi­ges fin­den. Wo sucht man heut­zu­ta­ge als moder­ner Gesell­schafts­teil­neh­mer, wenn man mal so rich­tig lachen will? Klar: Bei Ver­laut­ba­run­gen aus den Rei­hen der „Grü­nen“. Deren Quo­ten­ro­bert, der offen­sicht­lich als Pro­test gegen hohe Miet­prei­se in Talk­shows wohnt, hat neu­lich vor­ge­schla­gen, für die Zeit danach zufäl­lig aus­ge­wähl­te Bür­ger aus­zu­lo­sen (viel­leicht mit einer Quo­te für irgend­was), die zwar nicht vom Fach sein müs­sen, aber über „das Erleb­te dis­ku­tie­ren“ sol­len, auf dass „die Poli­tik“ dar­aus Schlüs­se zie­hen möge. Stuhl­krei­se als Demo­kra­tie­si­mu­la­ti­on – groß­ar­tig, und Robert Habeck will nicht mal Ein­tritt dafür neh­men! In Ita­li­en hält der­weil die Mafia die Grund­ver­sor­gung des Plebs auf­recht. Ob es das ist, was Kon­sens­po­li­ti­ker mei­nen, wenn sie sagen, Bür­ger soll­ten sich stets dar­an erin­nern, wer ihnen in der Kri­se gehol­fen hat?

In noch jeder Kri­se hat bis­her jeden­falls mir gehol­fen: Musik.

The White Stripes – Under Nova Sco­ti­an Lights – 13 300 M.P.H Tor­ren­ti­al Out­pour Blues

Guten Mor­gen.

Piratenpartei
Auf Schif­fen über Luft­fahrt reden

Es gibt Neu­es von den „Akti­vi­sten und Idea­li­sten“ (Piratenpartei.de) der Pira­ten­par­tei. Im „Kampf“ gegen „Über­wa­chung, Bevor­mun­dung“ und „Mono­po­li­sten“ (ebd.) beschrei­ten sie jetzt unge­ahn­te Wege:

Btw: Kennt Ihr eigent­lich schon unse­ren #PIRATEN-#Instagram-Account?

Für eine Par­tei, die glaub­haft für bes­se­re Bil­dung für jeden Bür­ger zu „kämp­fen“ behaup­tet, ist das sprach­lich ein als schwach noch zu vor­sich­tig bezeich­ne­ter Tweet, gleich­zei­tig aber eine gute Wer­bung für die­se poli­ti­sche For­de­rung. Um zu ver­ste­hen zu geben, was bes­se­re Bil­dung ist, muss man ja zunächst mal schlech­te Bil­dung defi­nie­ren und am besten auch gleich ein Bei­spiel vor­le­gen kön­nen.

Weil es gebo­ten schien, die Par­tei, die dazu anlei­ten möch­te, den „Daten­kra­ken Face­book“ trocken­zu­le­gen – dafür müs­se aller­dings „Euro­pa“ ein „Macht­wort spre­chen“ -, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es etwas merk­wür­dig anmu­tet, von den­je­ni­gen „Akti­vi­sten und Idea­li­sten“, die qua poli­ti­schem Daseins­zweck Kon­zer­ne wie den Besit­zer von Insta­gram ins Irrele­van­te zu trei­ben ver­su­chen, Wer­bung für Insta­gram zu erhal­ten, erfolg­te das ver­schie­den­fach. Die von einem Mit­glied der Bun­des­pres­se gefällt­mir­te Ant­wort eines acht­zehn­jäh­ri­gen Nach­wuchs­pi­ra­ten, man müs­se halt dahin gehen, wo die Wäh­ler sei­en, scheint der wesent­li­che Aspekt zu sein. Eine breit gestreu­te Auf­merk­sam­keit zum Zweck der Stim­men­ge­win­nung ent­spricht mei­nem Ver­ständ­nis von Idea­lis­mus aller­dings nicht. Wir sind auch wei­ter­hin gegen Daten­kra­ken, haben uns aber auf­grund wahl­tak­ti­scher Über­le­gun­gen anders ent­schie­den.

0,37 Pro­zent der gül­ti­gen Stim­men fuhr die Pira­ten­par­tei bei der Bun­des­tags­wahl 2017 ein. Ihr Pro­blem ist kaum ihre feh­len­de Bekannt­heit, ihr Pro­blem ist, dass sie inzwi­schen als die­je­ni­ge Par­tei bekannt ist, die nicht mehr da ist, wo sie die Wäh­ler gern sehen wür­de: Nerdig, kon­se­quent für Daten­schutz, Pri­vat­sphä­re und ein anstän­di­ges Urhe­ber­recht. Schwie­rig wird es, wenn einem die eige­nen Wäh­ler nicht mehr rei­chen und man woan­ders fischen geht. War­um man über­haupt an der Pira­ten­par­tei teil­nimmt, wenn Stim­men wich­ti­ger wer­den als Über­zeu­gun­gen, erschließt sich mir nicht.

Wäre all das in der CDU nicht ein­fa­cher?


Fast zum sel­ben The­ma: Bei „Tele­po­lis“ hat sich mal jemand „Extinc­tion Rebel­li­on“ von innen ange­se­hen. Sym­pa­thi­san­ten die­ser Grup­pe haben es in der Pira­ten­par­tei bis in den amtie­ren­den Bun­des­vor­stand geschafft. Eine Wer­tung über­las­se ich der Nach­welt.

Sonstiges
Nach der Frei­heit

Die glück­li­chen Skla­ven sind die erbit­tert­sten Fein­de der Frei­heit.
Marie von Ebner-Eschen­bach

Die Abrie­ge­lung geht in die näch­ste Run­de. Sperrt sie end­lich alle ein! Es ist alles in bester Ord­nung, man las­se sich da nichts ande­res ein­re­den. Es ändert sich ja auch vie­les zum Bes­se­ren: Jeman­den im Super­markt mit dem Ein­kaufs­wa­gen umzu­nie­ten ist end­lich ver­bo­ten, Par­tei­en ver­su­chen sich schlap­pe vier­zehn Jah­re nach Grün­dung der Pira­ten­par­tei stolz an vir­tu­el­len Sit­zun­gen, ande­ren Leu­ten sei­ne schwei­ßi­gen Hän­de zu rei­chen ist end­lich ver­pönt und es ist über­all ange­nehm men­schen­arm. Selbst die System­re­le­van­ten, die noch 2019 dar­über klag­ten, dass sie für zu viel Arbeit für zu unfreund­li­che Kun­den zu schlecht bezahlt wer­den, bekom­men jetzt mehr Geld mehr Ent­la­stung Applaus.

Dem gegen­über ste­hen frei­lich die neu­en Gefah­ren. Hät­te etwa die CDU schon vor eini­gen Jah­ren geahnt, dass sich Men­schen frei­wil­lig einen Staats­tro­ja­ner instal­lie­ren wür­den, wenn sie dar­über Video­kon­fe­ren­zen abhal­ten kön­nen, hät­ten wir alle heu­te schnel­le­re Inter­net­ver­bin­dun­gen. Scha­de! Wenig­stens das Robert-Koch-Insti­tut („Robert Koch-Insti­tut“, schö­ner Name auch) macht sich die tech­ni­sche Auf­ge­schlos­sen­heit zunut­ze: Dort arbei­te man, berich­te­te jüngst die „Tages­schau“ („tages­schau“), zur­zeit statt an der Standort­über­wa­chung an an einer App, die der Viren­ver­brei­tung die­nen soll. Klingt nütz­lich. Ver­mut­lich aus dem glei­chen Grund ruft es, gen­der­spricht die „taz“, zu „Daten­spen­den“ auf. Lei­der habe ich mei­nen Daten­spen­der­aus­weis neu­lich ver­lo­ren, aber Behör­den haben gera­de eh viel zu tun.

Wer kei­nen selbst­ge­klöp­pel­ten Mund­schutz tra­ge, gefähr­de ande­re, kol­por­tie­ren die weni­ger Schlau­en. Dass in einer (metho­disch schwa­chen) Stu­die her­aus­ge­fun­den wur­de, dass das nicht nur schei­ße aus­sieht, son­dern über­dies von weni­ger Mehr­wert beglei­tet ist als ein­fach dar­auf zu ver­zich­ten, ande­re Men­schen anzu­spucken, ver­brei­tet sich weni­ger schnell als man anneh­men soll­te. Ver­nunft ist optisch sel­ten wahr­nehm­bar und was man nicht sieht, eig­net sich nicht zum Popu­lis­mus (außer Reli­gi­on). Ich habe den erstaun­li­chen Effekt an mir selbst fest­ge­stellt, dass ich von Men­schen mit einem Tuch vor dem Gesicht, das ja vor allem zu mei­nem Schutz die­nen soll, instink­tiv einen grö­ße­ren Abstand hal­te als von nor­ma­len Men­schen. Das könn­te die glei­che psy­chi­sche Ursa­che haben wie der Umstand, dass ich auch von zu mei­nem Schutz bewaff­ne­ten Knall­köp­fen („Sol­da­ten“) weni­ger gern umge­ben bin als von unbe­waff­ne­ten Men­schen. Ich wer­de dar­über bei­zei­ten nach­den­ken, es ist ja gera­de nicht viel ande­res zu tun.

Das fak­ti­sche Rei­se­ver­bot, Besuchs­ver­bot und Buch­le­se­ver­bot im Frei­en, meist beglei­tet von einer recht­li­chen Unsi­cher­heit, weil es vor allem den Kon­trol­leu­ren obliegt, Augen­maß ein­zu­set­zen, mag eben­so wie das medi­al bewor­be­ne Sich­ver­fol­gen­las­sen nach der Kri­se wie­der zurück­ge­fah­ren wer­den, aber der Samen ist gesetzt: Die Ein­woh­ner Bay­erns, des Vor­rei­ter­lan­des in gefähr­li­chen poli­ti­schen Ideen, wür­den sich gera­de mit gro­ßer Mehr­heit was ver­bie­ten las­sen, sie kön­nen sich nur noch nicht ent­schei­den, von wem. Ich klat­sche vom Bal­kon, aller­dings als Fol­ge des Sprungs. Was ist Frei­heit eigent­lich wert, wenn sie nur in ruhi­gen Zei­ten gilt?

Die Maß­nah­men enden irgend­wann nach Ostern, gibt die Regie­rung des Sou­ve­räns sou­ve­rän bekannt. End­lich kann man dann wie­der Pfle­ge­kräf­ten und Kas­sie­rern appl­aus­frei beim unter­be­zahl­ten Aus­bren­nen zuse­hen, bei Geschäfts­ter­mi­nen Fische quet­schen, in Schlan­gen dem Vor­der­mann in den Nacken atmen und vor allem die­sen gan­zen Online­fir­le­fanz wie­der weg­las­sen. Es ging doch immer schon ohne. Haben wir schon immer so gemacht. Tra­di­ti­on. Dass aber mit­tels Ver­ord­nun­gen die Exe­ku­ti­ve fak­tisch judi­ka­ti­ve Gewalt bekommt, ist ein Ärger­nis, das die Situa­ti­on gera­de zu akzep­tie­ren hilft. Wenn wir uns jetzt aber gera­de in der Zeit zwi­schen der Frei­heit befin­den, was man jetzt eben so hin­neh­men müs­se: Was wird nach ihr kom­men?

Alles Unheil kommt von einer ein­zi­gen Ursa­che: dass die Men­schen nicht in Ruhe in ihrer Kam­mer sit­zen kön­nen.
Blai­se Pas­cal

PolitikNetzfundstücke
„Das ist kein ech­ter Kom­mu­nis­mus!“

Es infor­miert Ulri­ke Gué­rot, Pro­fes­so­rin und Lei­te­rin des Depart­ments für Euro­pa­po­li­tik und Demo­kra­tie­for­schung an der Donau-Uni­ver­si­tät Krems:

Ein markt­kon­for­mer Libe­ra­lis­mus scheint also zuneh­mend nur noch durch­zu­set­zen zu sein, wenn man die Demo­kra­tie dafür opfert, und genau das macht Chi­na vor[.]

Genau! Die markt­kon­form libe­ra­li­sti­sche Dik­ta­tur der Chi­ne­sen darf kein Vor­bild sein!

In den NachrichtenMontagsmusik
Stop Moti­on Orche­stra – Instant Ever­ything!

Das sind keine Augenringe, das ist mein KaffeeblickEs ist Mon­tag. Gestern war Palm­sonn­tag, aber heu­te scheint eher Unkraut­mon­tag zu wer­den. Wenn es wenig­stens Bam­bus wäre! Aber es ist kein Bam­bus. Es ist nie Bam­bus.

In Öster­reich wird erwo­gen, nur noch die­je­ni­gen Men­schen frei her­um­lau­fen zu las­sen, die sich eine Über­wa­chungs­app aufs Mobil­ge­rät laden. Der näch­ste logi­sche Schritt wäre es, den Nicht­be­sitz eines über­wa­chungs­fä­hi­gen Mobil­te­le­fons unter Stra­fe zu stel­len. Vor­wärts immer.

Apro­pos vor­wärts: Es ist zu erfah­ren, dass Micro­soft sein Office-365-Paket nicht nur in „Micro­soft 365“ umzu­be­nen­nen gedenkt (funk­tio­niert dann wohl in Schalt­jah­ren nicht mehr rich­tig), son­dern über­dies – „zunächst“ in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten – der häss­li­chen Tabel­len­kram­soft­ware Excel eine Funk­ti­on („Money Addon“) spen­die­ren wird, die einen Zugriff auf Bank­da­ten erlaubt. Tabel­len­kal­ku­la­tio­nen sind ja groß­ar­tig für so was geeig­net. Was kann da schon schief­ge­hen? Wolf­gang Schäub­le schlägt wäh­rend­des­sen vor, im Bun­des­tag auch Online­sit­zun­gen zuzu­las­sen, aber um zu ver­hin­dern, dass mir der Mann doch noch sym­pa­thisch wird, weh­ren sich vor allem „lin­ke“ Frak­tio­nen dage­gen, gera­de jetzt Geset­ze dafür anzu­pas­sen. Schön­wet­ter­di­gi­ta­li­sie­rung hat ihren Preis.

Eine mei­ner Lieb­lings­über­schrif­ten in den Online­nach­rich­ten der letz­ten Tage stand aus­ge­rech­net in der „taz“: „Kir­che nur schwer erzieh­bar“. Das bedrückt mich. Erst mal Musik.

Stop Moti­on Orche­stra – Instant Ever­ything! (Music Video)

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Pin­ki­sh Black – Con­cept Uni­fi­ca­ti­on

Pinkish Black - Concept UnificationLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

In Kraut­rock und im Doom Metal ist glei­cher­ma­ßen wenig wirk­lich Neu­es zu fin­den, wie mir beim Zusam­men­stel­len der halb­jähr­li­chen Besten­li­sten immer wie­der auf­fällt. Fol­ge­rich­tig kom­bi­nier­te das Duo Pin­ki­sh Black aus Texas nicht nur zwei sehr unter­schied­li­che Far­ben, son­dern auf ihrem anschei­nend vier­ten Album „Con­cept Uni­fi­ca­ti­on“ (Amazon.de, Bandcamp.com, TIDAL) von 2019 auch die­se zwei sehr unter­schied­li­chen Sti­le im Sin­ne einer, nun, Kon­zept­ver­ein­heit­li­chung.

Fol­ge­rich­tig ist die Schub­la­di­sie­rung hier kei­ne leich­te: Elek­tro­ni­sches (ent­fernt ver­gleich­bar mit den neue­ren The Notwist), Can­ter­bu­ry-Ver­spielt­heit und düste­re Vokal­dar­bie­tung wer­den bereits im eröff­nen­den Titel­stück, in die ande­re Rich­tung schwin­gend im drit­ten und mei­ner Mei­nung nach besten Stück „Dial Tone“, auf eine sehr hör­ba­re Art atmo­sphä­risch reiz­voll mit­ein­an­der ver­wo­ben.

PINKISH BLACK – Dial Tone (Offi­ci­al Music Video)

Schwa­che Momen­te hat das Album nicht, wes­halb wie­der­um ich schwach wer­de und eine Emp­feh­lung aus­spre­che. Genuss ist ja beson­ders wich­tig in die­sen Tagen.

Netzfundstücke
Hirn­fick 2.0 demon­striert fürs Kli­ma

Der digi­ta­le Kli­ma­streik, infor­miert Lui­sa Neu­bau­er, fin­de auch in der drit­ten Woche statt: Unter dem wit­zi­gen Hash­tag „#Netz­streik­FuersKli­ma“ wer­den, Kli­ma­fol­gen aus Grün­den bei­sei­te schie­bend, offen­bar regel­mä­ßig Streiks per Video­kon­fe­renz aus­ge­tra­gen, in deren Ver­lauf Teil­neh­mer ihre Schild­chen man­gels exter­nen Publi­kums eben vor ihre Web­cam hal­ten. Dann haben wenig­stens die Geheim­dien­ste ein schlech­tes Gewis­sen danach.

Dass ein Streik übli­cher­wei­se dar­in besteht, dass jemand wäh­rend­des­sen sein übli­ches Tun unter­lässt, ist in einer Zeit, in der sowie­so jeder jedes Tun unter­lässt, natür­lich ärger­lich. Aber davon las­sen wir uns doch nicht unter­krie­gen!

Als Zei­chen mei­nes guten Wil­lens neh­me also auch ich heu­te am Netz­streik fürs Kli­ma teil. Ich gehe sogar mit gutem Bei­spiel vor­an und hal­te zwar eine Paro­le vor die Kame­ra, las­se die­se jedoch aus­ge­schal­tet. Das Kli­ma wird es mir dan­ken.

In den NachrichtenWirtschaft
Angst essen Ver­trä­ge auf.

Die Uni­on haf­tet nicht für die Ver­bind­lich­kei­ten der Zen­tral­re­gie­run­gen, der regio­na­len oder loka­len Gebiets­kör­per­schaf­ten oder ande­ren öffent­lich-recht­li­chen Kör­per­schaf­ten, son­sti­ger Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder öffent­li­cher Unter­neh­men von Mit­glied­staa­ten und tritt nicht für der­ar­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten ein[.]
Art. 125 I AEUV

Außer, wenn Coro­na.
Peter Bofin­ger, Dani­el Cohn-Ben­dit, Josch­ka Fischer, Rai­ner Forst, Mar­cel Fratz­scher, Ulri­ke Gué­rot, Jür­gen Haber­mas, Axel Hon­neth, Eva Men­as­se, Juli­an Nida-Rüme­lin, Vol­ker Schlön­dorff, Peter Schnei­der und Mar­ga­re­the von Trot­ta (sinng.)

In den NachrichtenPolitik
Si vis pacem, para bel­lum. (9)

Es kramp-kar­ren­bau­ert das Ober­kom­man­do in die Pres­se rein:

Die Bun­des­wehr hat ein 15.000 Sol­da­tin­nen und Sol­da­ten star­kes Team zur zivi­len Hil­fe in der Virus-Kri­se auf­ge­stellt. Man berei­te sich dar­auf vor, dann zu hel­fen, wenn zivi­le Kräf­te erschöpft sei­en, sagt Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­ni­ste­rin Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er in der ARD.

So weit, so gut; nur:

Die Kern­auf­ga­ben der Bun­des­wehr wie Ein­sät­ze im Aus­land wür­den wie gewohnt wei­ter­ge­führt.

Könn­te man die nicht statt­des­sen auf die Spar­gel­fel­der schicken?

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

NetzfundstückeNerdkrams
Tore zum Mist­mach­web (5): App­les nobler Kol­la­te­ral­scha­den

Im Juni 2017 schrieb ich:

Das Pro­blem mit dem Digi­tal­stand­ort Deutsch­land ist es nicht vor­ran­gig, dass die Inter­net­ver­bin­dun­gen immer weni­ger für effi­zi­en­tes Arbei­ten taug­lich wären, son­dern, dass für die Daten­über­tra­gung so instink­tiv wie fälsch­lich zu einem Pro­to­koll gegrif­fen wird, das dafür nicht gedacht ist, um mit einem Pro­gramm, das dafür nicht gedacht ist, eine Web­site auf­zu­ru­fen, die die Pro­ble­me, die das fal­sche Pro­gramm im fal­schen Pro­to­koll not­wen­di­ger­wei­se bei der Umset­zung berei­tet, auf eine Wei­se, die dafür unge­eig­net ist, zu umge­hen („behe­ben“) ver­sucht.

Ein Jahr zuvor, im Juni 2016, wur­de in der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia ein Arti­kel erstellt, der die wei­te­re Ent­wick­lung vor­weg­neh­men soll­te: Eine „Pro­gres­si­ve Web App“ sei „eine Web­site, die zahl­rei­che Merk­ma­le besitzt, die bis­lang nati­ven Apps vor­be­hal­ten waren.“ Sie kön­ne „wie eine Web­sei­te mit HTML5, CSS3 und Java­Script erstellt wer­den“. Weil die­se drei nun die ein­zi­gen drei Spra­chen sind, die die Ange­stell­ten von Start­ups, die nur ein Lie­fer­dienst davon trennt, sich „Code­ma­nu­fak­tur“ zu nen­nen, halb­wegs gut beherr­schen, weil 2020 jeder Schwach­sinn, ob voll „ver­netzt“ oder bloß irgend­wie digi­tal, gefäl­ligst in einem auf­ge­bla­se­nen Doku­men­ten­be­trach­ter lauf­fä­hig zu sein hat (der Markt, wis­sen­schon), ist PWA momen­tan ein Muss.

Eine per­sön­li­che Anek­do­te: Ein Mit­glied mei­ner Fami­lie besaß vor des­sen Abkün­di­gung ein Smart­phone mit Win­dows drauf. Für die­ses Mit­glied war es genau das rich­ti­ge Gerät, die ver­füg­ba­ren Apps – etwa Drop­box – wuss­ten mich aber nicht so recht zu über­zeu­gen; im Wesent­li­chen han­del­te es sich um die Drop­box­web­site in einem Brow­ser­fen­ster ohne Adress­lei­ste, aber mit einem zusätz­li­chen Wer­be­ban­ner. Mir scheint, der Ent­wick­ler­nach­wuchs hat­te nie­mals ein ver­gleich­ba­res Gerät, denn statt kor­rekt zu erken­nen, dass die Inter­ak­ti­on zwi­schen einem Web­brow­ser und dem zugrun­de lie­gen­den System eine von gro­ßer Res­sour­cen­last bei gleich­zei­ti­ger Funk­ti­ons­min­de­rung beschwer­te ohne merk­ba­ren usa­bi­li­ty-Mehr­wert, der über „man braucht nix zu instal­lie­ren“ hin­aus­geht, ist, wur­de all das seit­dem zum wün­schens­wer­ten Trei­ben erklärt, geän­dert allein dadurch, dass der schlecht getarn­te Web­brow­ser jetzt ein­fach direkt als Web­brow­ser gestar­tet wird. (Anmer­kung aus ande­rem Grund: Auf „ZEIT ONLINE“ und bei der „FAZ“ kann man die­ser Tage mit akti­vier­ter Rekla­me­blocka­de auch nicht mehr unge­stört lesen. Wie­der Lebens­zeit gewon­nen!) Anek­do­te vor­über, wei­ter im Text.

Nun leben wir in einer Zeit, in der das anson­sten poli­tisch scheuß­li­che Kon­strukt der Euro­päi­schen Uni­on aus­nahms­wei­se mal etwas Vor­teil­haf­tes erreicht hat, näm­lich eine all­ge­mei­ne Vor­sicht in Daten­schutz­din­gen. Aus­ge­rech­net Apple, als ein­zi­ger der gro­ßen Brow­ser­her­stel­ler nicht auf Wer­be­gro­schen ange­wie­sen, führ­te vor weni­gen Tagen zusätz­li­che Schutz­me­cha­nis­men in Form der begrenz­ten Halt­bar­keit theo­re­tisch zur Benut­zer­ver­fol­gung taug­li­cher Dritt­an­bie­ter­coo­kies und nur sie­ben­tä­gi­gen Spei­cher­frist für Daten im Web Sto­rage, was fak­tisch dazu führt, dass PWAs, die nicht all ihre Daten mit einem Ser­ver syn­chro­ni­sie­ren, nach einer Woche der Nicht­nut­zung wie­der wie neu sind. Aus Daten­schutz­sicht ist das sehr begrü­ßens­wert, blö­der­wei­se macht es aber das Geschäfts­mo­dell von Pro­gram­mier­fau­len (war­um machen die dann über­haupt was mit Pro­gram­mie­ren?) kaputt.

Bereits am Fol­ge­tag wag­te es daher ein Code­ma­nu­fak­tu­rist, die­se Ände­rung als fak­ti­sches Ver­un­mög­li­chen sei­nes selbst­lo­sen Tuns zu bezeich­nen:

Ich lie­be RSS und Blogs, des­halb ent­wick­le ich mei­nen eige­nen Feed­le­ser. Ich woll­te, dass er eine PWA ist, so dass ande­re davon pro­fi­tie­ren kön­nen, aber ich woll­te ihn ohne einen Ser­ver im Hin­ter­grund ent­wickeln.

(Übel­set­zung, wie auch die fol­gen­de, von mir.)

Nun könn­te man ihm ent­ge­gen­schleu­dern: Dann pro­gram­mier doch eine ganz nor­ma­le App, du Depp! :motz: Das hat man auch gemacht, wie er spä­ter ergänz­te:

Zu sagen, dass man dann halt ein­fach eine nati­ve Anwen­dung bau­en sol­le, ist kei­ne Ant­wort. Nati­ve Anwen­dung müs­sen an Tor­wäch­tern vor­bei, das Web nicht.

Das Pro­blem die­ses Herrn ist also, dass er gern eine app, von deren Gat­tung es bereits unge­zähl­te gibt, ver­öf­fent­li­chen wür­de, aber nur unter der Bedin­gung, dass kei­ner prüft, ob sein Code nicht viel­leicht irgend­wel­chen Scha­den anrich­tet, bevor er – der Code – ver­füg­bar wird. Nicht wesent­lich mehr pas­siert in dem Schritt, der hier als Tor­wäch­ter bezeich­net wird. Im glei­chen Arti­kel erwähnt der Ent­wick­ler, der es für eine gute Idee hält, jedes erdenk­li­che Pro­gramm im angreif­bar­sten Teil eines Com­pu­ters (dem Web­brow­ser) zu imple­men­tie­ren, mehr­fach direkt oder indi­rekt, dass ihm Daten­schutz und Pri­vat­sphä­re sehr wich­tig sei­en, was Apple mit sei­nem Ein­bau von Schutz­me­cha­nis­men ihm lei­der ver­lei­de.

Was machen die­se Leu­te eigent­lich beruf­lich?