Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Piratenpartei Deutschland ist zurückgetreten. Als einen der Gründe dafür nannte er den Umstand, dass Vorstandskommunikation zum Teil über Telegram stattfinde.
Hinzu kommt, dass faktisch die gesamte relevante Kommunikation des Bundesvorstands damit in den Händen eines Anbieters liegt, der (…) Datenschutz und Privatsphäre für überflüssig hält (…)[.] Dass der Bundesvorstand der Partei, die ihre IT-Kompetenz mal wie einen heiligen Gral vor sich her getragen hat, die politische Symbolik dieses Umstands nicht begreift, ist der Partei, wie ich sie seit ihrer Gründungszeit kenne, unwürdig.
Das vollständige Austrittsschreiben hat er bei Microsofts GitHub hochgeladen und auf Twitter verbreitet, keineswegs aber auf IT-kompetenten Plattformen auf parteieigenen Servern.
Ich wünschte, das würde mich nicht mehr aufregen.
Erst machen Frauen den Männern das Privileg des Stehpissens abspenstig, dann wollen sie das Privileg kostenloser Hygieneartikel (wobei „kostenlos“ selbstredend „steuerfinanziert“, i.e. „überwiegend von Männern bezahlt“ heißt), und wenn man dann darauf hinweist, dass ein gewisses Ungleichgewicht herrscht, sagen sie, Männer sollten sich nicht so anstellen, sie könnten ja im Stehen pinkeln. Pah.
Vermutlich, um auf die wesentlichen Vorteile eines EU-Austritts Deutschlands hinzuweisen, wird in einschlägigen Medien – darunter „SPIEGEL ONLINE“ – seit letzter Woche wieder einmal eine schon etwas ältere Meldung herumgereicht, die mir zu meinem Erstaunen bisher nicht begegnet war:
Der intelligente Geschwindigkeitsassistent ISA soll Autofahrer dazu bringen, Tempolimits einzuhalten. Die Technik ist ab Sommer 2022 für neue Fahrzeugtypen in der EU verpflichtend.
Wie soll er das machen? Klar – indem er US-amerikanischen Konzernen, die einen Großteil des Geldes mit den Bewegungsprofilen und persönlichen Daten ihrer „Kunden“ verdienen, dauernd durchgibt, wo sich der „Kunde“ gerade befindet:
Wenn ISA nicht in das Fahrzeug eingebaut ist, darf der Hersteller es nicht auf dem europäischen Markt verkaufen. Die Automobilhersteller müssten wählen, so TomTom, mit welchem Kamera- und Kartenanbieter sie bei der Bereitstellung dieser Technologie zusammenarbeiten wollen. Bislang gibt es entsprechende ISA-konforme Lösungen von Google (…) oder als Gemeinschaftsangebot von Here, Continental und Elektrobit sowie von TomTom[.]
Selten freute ich mich mehr, nicht über ein eigenes Auto zu verfügen. (Ich fände ohnehin keinen Parkplatz.)
Dennoch: Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.
Nach SPD, Grünen und FDP unterstützen in Deutschland auch die Christdemokraten eine zweite Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Zwar könnte man daraus einen Schluss darauf ziehen, wie fürchterlich egal Regierung und Opposition die Besetzung des höchsten Staatsamtes ist (und was von den Beteuerungen von SPD, Grünen und neuerdings CDU/CSU zu halten ist, man hätte eigentlich lieber mehr Frauen in politischen Ämtern), ich allerdings ziehe stattdessen den Schluss, dass man mit dieser Herangehensweise an eine Präsidentschafts-„Wahl“ eigentlich stattdessen auch Monarchist werden könnte.
Einer der Gründer von Mozilla findet, Mozilla möge sich im Wesentlichen selbst schwäbisch grüßen, weil von den Idealen Mozillas nichts mehr übrig sei. Mittlerweile scheinen Firefoxnutzer mir den VHS-Abspielgerätebesitzern immer ähnlicher zu werden.
Ein „Blockchain-Experte“ (auch so ein Beruf für Leute, die man früher in der Schule kopfüber in den Mülleimer gesteckt hat) lügt für’s ZDF (Archivversion):
Kopieren kann man NFTs auch weiterhin ohne Problem. (…) Es kann pro NFT immer nur einen Besitzer geben.
Den Unterschied zwischen „Besitz“ und „Eigentum“ in einem juristisch gemeinten Zitat möge dem „Blockchain-Experten“ (früher hatten solche Leute noch einen Hut und ein Schild vor sich auf dem Boden in der Innenstadt liegen und das ZDF hat sie in Ruhe gelassen) jemand erklären, der gerade keine Lachtränen vergießt und deshalb nicht so gut tippen kann.
Politiker (…) werden für das Preisgeben innerer Zustände weder gewählt noch bezahlt. Sondern dafür, dass sie ihren Job machen. Werden sie als Menschen mit Gefühlsleben befragt, nimmt man sie aus ihrer Verantwortung. Nicht, was etwas mit ihnen macht, sondern was sie selbst machen, ist das, was wir von ihnen wissen wollen sollten.
Dieser Artikel ist übrigens einer derjenigen „taz“-Artikel, in denen – jenseits des Anreißertextes, der vermutlich von einem anderen Redakteur verfasst worden ist – das generische Maskulinum zum Einsatz kommt. Was macht das mit euch?
Es ist Montag. So habe ich mir 2022 nicht vorgestellt. Silvester lief ansonsten so weit gut: „300 bis 500 Menschen versperrten neben einem brennenden Einkaufswagen die Straße“ und zahlreiche Menschen haben sich mit Feuerwerk irgendwas weggesprengt; das hat der Staat jetzt davon. – Apropos: Ich habe die ersten potenziell sehenswerten Konzerte des Jahres 2022 im kommenden Februar ausgemacht. Hoffentlich verbietet der Staat mir die. Ich will nicht unter Menschen gehen.
Auf „SPIEGEL ONLINE“ (will nicht verlinkt werden) quatschte man an Heiligabend, „einige Zehntausend Menschen in Deutschland“ demonstrierten „auf sogenannten Spaziergängen“ gegen eine „vermeintliche »Impfdiktatur«“, jedoch habe Bayerns Innenminister (CSU) bereits „an die Städte und Gemeinden“ appelliert, diesen Demonstranten gegebenenfalls „das Versammlungsrecht zu entziehen“. Ich finde das auf zu viele Arten lustig, fürchte ich. Wahrscheinlich bin ich noch müde.
Dagegen hilft möglicherweise entweder ein Pandabär oder eben: Musik.
Alan Posener auf „ZEIT ONLINE“, wenn die russische Regierung jemanden gezielt umbringen will:
Zwar hätten die Beschuldigten keinen fairen Prozess erwarten können; aber es liegt in der Mafia-Logik der russischen Führung, wo sie es nur kann, die Gerichte zu umgehen und stattdessen kurzen Prozess zu machen. Putin geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um die Demonstration seiner Macht.
Alan Posener auf „ZEIT ONLINE“, wenn die deutsche Regierung jemanden gezielt umbringen will:
Je präziser eine Waffe wirkt, desto besser. Die Bundeswehr sollte Erfahrungen mit dem Einsatz bewaffneter Drohnen machen dürfen.
Alan Posener auf „ZEIT ONLINE“, wenn ein Virus jemanden gezielt umbringen will:
Sowohl SPD als auch FDP sehen den Zeitpunkt für die Umsetzung der Legalisierung von Cannabis wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht gegeben. (…) „Priorität hat der Kampf gegen die Pandemie“, sagte FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch).
Ach so. Da ist gerade schon ein anderes Gesetz. Das lastet den Bundestag gerade komplett aus.
Gut. Machen sie wenigstens nichts mit Internetsperren in der Zeit.
Ah, es ist wieder ein Jahr vorbei. Das kriegt man ja derzeit gar nicht so wirklich mit, deswegen schreibe ich es lieber dran. Während die meisten Jahresrückblicke aber schon im Spätherbst weitgehend fertiggeschrieben worden waren, gab ich auch diesmal wieder der Musikerwelt die Chance, mich noch bis zum letzten Tag des Jahres von ihrem Können zu überzeugen. Wenig wäre trauriger als einen Rückblick auf ein Jahr zu schreiben und einen Tag später geschähe etwas, das alles ändert. Nein, nein.
Hier also – zur Erbauung hoffentlich vieler – folgen einige der bemerkenswertesten Musikalben des Jahres 2021. Es scheinen einige Überraschungen – etwa das neueste Album von Limp Bizkit – zu fehlen. Dem ist aber nicht so. Die haben mir nur nicht gefallen.
Dieser Artikel ist Teil 11 von 15 der Serie Neujahr
Ein „neues Jahr“, sagen sie, habe soeben begonnen, können das Neue aber nicht benennen. Es war ein Jahr des Verlusts, viel Altes ist gegangen, man hat sich mit vielen entzweit, um Platz zu machen für Neues, das dann aber nicht kam. Die Pluseins ist eine Minuseins geworden. Eine Zweisilvesterbeziehung hebt meine Statistik, senkt aber auch meine Stimmung. In Summe kommt immer eine Null (ich?) heraus. Immerhin: Ein Jahr der Freunde war 2021 auch, mehr als manches Jahr zuvor. Freunde sind wie Freiheitsrechte: Sind sie im Krieg so fern wie meine Fähigkeit zur Schaffung kluger Aphorismen, sind sie im Frieden nichts wert. Lernen durch Schmerz. Ohne Lernen.
Uns’re Erinnerung sollte uns so wertvoll sein.
Die Ärzte: Danach
Das Jahr ist noch sehr jung und ich habe bereits das Wort „Melancholie“ benutzt. Es ist herrlich.
Das erste anscheinend gute Musikalbum des neuen Jahres ist schon da. Die Welt ist zu schnell für mich geworden. Oder bin ich zu langsam geworden? Irgendwas mit Geschwindigkeit jedenfalls. Den sich hier anbietenden Drogenwitz überlasse ich anderen. Die meisten Drogen sind noch langweiliger, wenn man sie nicht nimmt, sondern nur darüber Witze macht.
Ich sitze, als dieser Text erscheint, absehbar entschleunigt in einem Dorf in einer durchgeboosterten Runde von Irren und verstehe mich selbst nicht mehr. Irgendetwas ist sehr richtig und ich weiß nicht warum. Vor ein paar Tagen habe ich vorgeschlagen, zum Kalender des Herrschers zurückzukehren; Jahreswechsel wäre dann in Niedersachsen kommenden Herbst. Andererseits möchte ich auch nicht im „Jahr Weil“ leben. Da sträubt sich in mir zu viel.
Meine guten Vorsätze für dieses Jahr haben nichts mit gesünderer Ernährung, mehr Bewegung oder solchem Firlefanz zu tun. Glücklich wird man so auch nicht. Ich bleibe Hedonist.
«Die neue Bundesregierung sollte die Mehrwertsteuer für Fleisch und Milchprodukte an den regulären Satz von 19 Prozent anpassen», sagte Agrarexperte Matthias Lambrecht den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. «Im Gegenzug kann sie die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse absenken oder ganz streichen.» (…) Lambrecht erläuterte, mit solchen Änderungen bei der Mehrwertsteuer würden Verbraucher entlastet und Anreize für umweltfreundlicheren und klimaschonenderen Konsum pflanzlicher Lebensmittel geschaffen.
Darauf erst mal eine Ananas. Frisch aus dem Schlauchboot.
Inzwischen habe ich als ungefähr letzter Mensch in meinem Bekanntenkreis das neue Die-Ärzte-Album „Dunkel“ gehört und weil ich es weniger interessant finde als das Vorgängeralbum „Hell“ (ich berichtete), habe ich danach zum Ausgleich mal wieder ein paar ältere Stücke der Die Ärzte gehört und dabei nicht nur zu spät (zu spääät) festgestellt, dass es seit einiger Zeit eine Neuauflage alter Platten gibt, sondern auch, dass aufgrund der immer noch bestehenden Indizierung des Liedes „Geschwisterliebe“ die Neuauflage des dritten Vollzeitalbums „Die Ärzte“ (Amazon.de) – ursprünglich aufgenommen in einer Halle, daher nicht berechtigt als „Studioalbum“ zu bezeichnen – an dessen Stelle ein Lied namens „Frühjahrsputz“ zu finden ist, das im Wesentlichen aus dem Lied „Geschwisterliebe“ (irgendwelche Nerds haben in einem Forum, das ich nur zufällig mal besuche, festgestellt, dass es sich um die Abmischung von 1994 handelt; mir soll’s egal sein, Hi-Fi erwarte ich bei Musikalben aus den 1980er Jahren ohnehin nicht) und einem eigens neu eingesungenen, aber wohl schon vor vielen Jahren irgendwo veröffentlichten Text besteht, der reimschematisch ungefähr geeignet wäre, den alten Text zu übertönen, wenn die drei Schelme das überhaupt versucht hätten, und weil ich dieses Lied insbesondere aufgrund des in ihm zelebrierten Dilettantismus wirklich großartig bescheuert finde, sehe ich mich außerstande, meine Leserschaft nicht daran teilhaben zu lassen – hier:
Im Freundeskreis erlaube ich mir manchmal die Bemerkung, ich weigerte mich, für Reisen Züge unterhalb der InterCity-Klasse zu benutzen, denn ich möchte nicht mit dem lauten, saufenden Pöbel zusammen fahren. Das gilt ungeachtet der Frage, ob ich anlässlich der jeweiligen Fahrt nicht selbst dem lauten, saufenden Pöbel angehöre.
Offenbar argumentieren auch andere Menschen so wie ich. Berlin liefert:
Eine Studie verspricht dem Berliner Nahverkehr bei Einführung einer Art schickeren Luxus-Klasse mehr Kunden – mit Preisvorteilen für alle Passagiere.
Wenn die schalldicht wird, fahre ich vielleicht doch mal wieder nach Berlin. Einfach, um zu gucken.
Es ist nicht nur Urlaub, sondern auch Montag. Die Woche begann mit unappetitlichen technischen Schwierigkeiten auf zwei Servern. Für einen davon kann ich nichts. Im nächsten Leben mache ich was ohne Computer. Pandabär oder so.
Der Feind hört nicht mehr mit: Der Sender, der mal Russia Today hieß, ist gerade schlecht zu empfangen. Die hiesigen Sender nehmen sich derweil genug Zeit und Raum und Satelliten, um mir pünktlich zum Wochenbeginn große Kopfschmerzen zu bereiten: Der neue Agrarminister würde gern Lebensmittel teurer machen (Archivversion), denn sein Ziel sei es, „dass die Menschen in Deutschland ihre Lebensmittel genauso wertschätzten wie ihre Autos“. Sollen die Armen doch ihren Porsche essen.
In eine ähnliche Kategorie fällt die allgemeine Weihnachtsbepissung über die Schlagzeile, der designierte CDU-Vorsitzende Friedrich Merz (der freilich noch „gewählt“ werden muss, aber anderweitiger Entscheid wäre nicht Usus bei den neudemokratisierten Parteien) sei „offen“ für „Adoptionen durch homosexuelle Paare“, womit nicht gemeint ist, dass er adoptiert werden möchte, aber so funktionieren Witze auf „sozialen Medien“ nun einmal. Mir soll es recht sein, in schlechten Witzen halte ich mich für ganz gut. Die Schlagzeile finde allerdings auch ich höchst albern, denn sie zeugt von mangelndem Sprachverständnis: Die Präposition „durch“ zeigt das Hilfsmittel an, nicht etwa den Protagonisten. Dass ich statt „seitens“ oder ähnlicher schöner Wörter aber bei den Vorbereitungen für diesen Text – ich recherchiere tatsächlich manchmal ein bisschen, ich rolle nicht immer nur meinen Kopf über die Wortvorschläge – nahezu ausschließlich das bescheuerte „durch“ lesen durfte, lässt mich wünschen, der Rundfunkbeitrag würde jedenfalls zu einem größeren Teil in die Sprachschulung der Bezahlten fließen.
Diese aber haben anderes zu tun, sie müssen, äh, recherchieren: „[Dem Portal xHamster] droht eine Netzsperre wegen Missachtung des Kinder- und Jugendschutzes“, auf dass aufgeweckte Zwölfjährige ihren Eltern wieder erklären müssen, wie diese den von ihnen voll bezahlten Internetanschluss wieder voll nutzbar machen können. (Falls gerade kein Zwölfjähriger zur Hand ist: Mike Kuketz hat alles Nötige verlinkt.) Immerhin eine durch gute Nachricht kam über die Feiertage aber doch noch rein: Möglicherweise sind Christen in Deutschland schon 2022 nur noch eine Minderheit und – anders als mit der von der „NZZ“ gewählten Überschrift möglicherweise impliziert – Anhänger anderer Weltreligionen bleiben es auch. Dann würde ich gern über den Kalender debattieren und darüber, ab wie vielen Teilnehmern eine Glaubensgemeinschaft allen das Einkaufen verbieten darf.