Der Vorüberfahrende dachte: Den frommen Spruch „Gott ist bei uns…“ mit bedeutungsschwangeren Auslassungspunkten und insbesondere einigen Kreuzen, dem Symbol für Tod und religiös motivierte Kriege, zu verzieren kann nur eine Tat von Narrenhand sein.
Alibipornografie
Ausnahmsweise geht an dieser Stelle einmal ein Dankeschön an die Juristerei für diese Empfehlung. Die computerforensische Abteilung mancher Polizeilabore nämlich betrachtet alleinstehende Männer, die überdies auf den Besitz von (heruntergeladenen) Pornofilmen verzichten, als schrecklich verdächtige Personen:
Während der Untersuchung fiel auf, dass die Partition D frei von jeglichen pornografischen Darstellungen pp. ist. Dies ist (…) genau so ungewöhnlich wie das Vorhandensein kinderpornografischer Dateien auf einem PC.
Was man also künftig tun muss, um sich nicht einer Straftat verdächtig zu machen, ist, so Udo Vetter, simpel zu bewerkstelligen:
Wir halten also fest: Ein paar legale Pornos sollten stets auf der Festplatte eines Mannes sein – schon um die Kripo nicht ins Grübeln zu bringen.
Dass dieser gezielt an Männer gerichtete Rat nicht berücksichtigt, dass auch Frauen mitunter Pornografie konsumieren (Sexismus! Rhabarber, schwafel!), ist schade. Ich als Mann jedoch bin dankbar für diesen wertvollen Rat und sehe mich in der Bredouille: Woher bekomme ich nun entlastendes Material? Nicht auszudenken, was passiert, wenn eines Tages aufgrund irgendwelcher fragwürdiger Gesetze mein Arbeitsgerät konfisziert wird und man bemerkt, dass ich den animalischen Urtrieben des Menschen nicht viel abgewinnen kann!
Sachdienliche Hinweise, lechz, nehme ich stellvertretend für alle interessierten Leser im Kommentarfeld dankend entgegen.
Durch die grüne Brille
Da schau her, in Baden-Württemberg haben die zweit- und drittstärkste Partei den Umstand, dass sie eben nicht die meistgewählten Parteien sind, als „ein klares (sic!) Regierungsauftrag“ missverstanden und stellen nun „wohl“ die Landesregierung. Eine „herbe Niederlage“, die sich dergestalt äußert, dass man weiterhin die stärkste Partei bleibt, würde ich, wäre ich Politiker, übrigens auch gern einmal erleiden.
Hübsch finde ich es da, dass Stefan Mappus nun entgegen meinen Befürchtungen doch endlich seinen Arsch (und sein Gesäß) aus dem bequemen Bürosessel erheben und künftig von seiner kargen Altersrente dahinvegetieren muss, sofern ihn kein großer Konzern im Aufsichtsrat haben möchte. Weniger hübsch ist nun das Selbstverständnis, mit dem die Anhänger von Claudia „Frosch“ Roth sich präsentieren. Im IRC etwa meldete sich ein bekennender Grüner stolz zu Wort:
(@Sebi‚) die zukunft is grün
(@Sebi‚) und ihr könnt NIX dagegen tun!![]()
(@Sebi‚) heute stuttgart, bald berlin!![]()
Die Mutmaßung, die ein Mitlesender erwiderte, erscheint mir da beinahe wahrscheinlich:
(Exitus-_-) die zukunft wird krieg
Bei der grünen Vorstellung von „Zukunft“ kommt mir spontan ein Lied in den Sinn: „Für eine bess’re Zukunft…“. Die Grünen haben von Anfang an eine Mentalität als image gepflegt, die man vor allem dann zu wählen beabsichtigen sollte, wenn man sich ohnehin traditionell für „das kleinere Übel“ entscheidet. „Atomkraft? Nein danke!“: So weit ist die Piratenpartei auch seit ihrer Gründung, allerdings sprechen die AntiAtomPiraten von Anfang an vor allem die Gefahren der Atomkraft an und protestieren nicht, anders als die Grünen, letztlich gegen ihr eigenes Wahlprogramm.
Dass die Pünktchenpartei derweil einige Stimmen verloren hat, wird wieder einmal als Anlass gewertet, direkt oder indirekt den Rücktritt von Guido Westerwelle zu fordern. Auf die Idee, dass das miserable Abschneiden der Partei nicht daran liegt, dass die einzig schillernde Persönlichkeit unter all den mausgrauen Lobbyisten sich mitunter in der Wortwahl vergreift, sondern daran, dass die Absichten der Partei kaum einem Bürger, von den Neoliberalen einmal abgesehen, sympathisch erscheinen. Die fünf Komma irgendwas Prozent, die der F.D.P. derzeit noch angetragen wurden, sind, so meine ich, nur zustande gekommen, weil der vorlaute Parteichef manchem Erstwähler sympathisch vorkam; dies vollkommen unabhängig von dem Senf, den er in die Umwelt trötet.
Als „Juniorpartner“ eines ebenfalls traditionellen „Juniorpartners“ sind die Grünen nun nicht unbedingt ein Symbol für Änderung; auch, wenn sie Änderungen ja mit Vorliebe an sich selbst vornehmen, ist doch von der linken Kommunardenpartei nur mehr ein konservatives Häuflein ohne herausragende Persönlichkeiten übrig geblieben, die aufgrund parlamentarischer Zwänge (bedeutet: zwecks Machterhalts) gern mal ihre früheren Ideale Ideale sein lassen.
So also stellt sich der deutsche Wähler Erneuerung vor. Das wird ein Spaß!
Kurz verlinkt XXXIX: Von Wellen und Innovationen
Albern: Die öffentlich-rechtliche (also aus der Volkskasse finanzierte) schweizerische Fernsehanstalt SRF gedenkt der Vorfälle in Japan, indem sie auf die Ausstrahlung der „Simpsons“ verzichtet:
Bei den Simpsons gibt es viele solcher Szenen, in denen Homer Simpson, der von Atomkraft ungefähr so viel Ahnung hat wie ein Biber von Betriebswirtschaftslehre (Zitat Homer: “ ‚Nukular‘. Das Wort heißt ‚nukular‘.“), das Leben der Bürger riskiert.
Blinder Aktionismus hilft leider niemandem, wie auch die weitgehende Radiosperre des Liedes „Perfekte Welle“ der Popgruppe Juli anlässlich einiger Vorfälle Ende 2004 niemanden wieder zum Leben erweckt wird. Ebenso wenig, wie das erwähnte Lied etwas mit Meer und Überflutung zu tun hat, sondern die „perfekte Welle“ als Metapher für eine „geile Zeit“ – wieder so ein Lied von Juli – beziehungsweise für einen wirklich glücklichen Moment steht, den man einfach genießen soll, ist es „pietät-“ oder plump „geschmacklos“, im Fernsehen eine Satire auf den sorglosen Umgang mit der Kernenergie zu zeigen, wenn gerade ein Kernkraftwerk sich inmitten einer Havarie befindet. Es ist auch eine beabsichtigte Wirkung der Satire, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten; nicht etwa, um sich über sie lustig zu machen, sondern, um sie vor den Folgen ihres Tuns zu warnen. Ich empfehle eine gründliche Lektüre des SRF-bezogenen Artikels und eine anschließende Würdigung der Sichtweise, dass keine Fernsehserie die US-amerikanische Gesellschaft so subtil und gleichzeitig treffend persifliert wie „Die Simpsons“.
Die auf taz.de zitierte Szene gibt es übrigens unter anderem auf YouTube zu sehen.
Innovativ: Microsoft bastelt an einer – natürlich kostenpflichtigen – Lösung zur Fernwartung von Windowssystemen über den Webbrowser. Zwar ist das mit der Fernsteuerung eine uralte Idee, machen manche heute als Schadsoftware eingestuften „Trojaner“ der ersten Stunde (Sub7 und Back Orifice etwa) auch nicht viel anderes, dass das auch über einen Webbrowser möglich ist, hingegen noch nicht ganz so verbreitet; blöd nur, dass das ebenfalls nicht mehr brandneue UltraVNC diese Funktion ebenfalls anbietet, allerdings kostenfrei. Mit den Innovationen ist es eben immer so eine Sache.
(Apropos Innovationen, ein Tipp für Firefox-4-Anwender, die mit Windows herumhantieren: Die neue Version unterstützt das DirectWrite-API für die Anzeige von Schriftarten, das muss allerdings erst aktiviert werden: Unter about:config den Wert gfx.font_rendering.directwrite.enabled per Doppelklick auf „true“ („wahr“) setzen, Firefox neu starten und sich freuen, weil die Schriften dann deutlich besser – etwas sauberer, vor allem aber besser lesbar – aussehen, selbst ohne das scheußliche „ClearType“ oder mitunter instabile Bibliotheken wie gdipp benutzen zu müssen. Zudem beschleunigt diese Änderung angeblich das Rendering. Eine Feinjustierung der Schriftdarstellung ist dann unter anderem mit der Erweiterung Anti-Aliasing Tuner, gefunden bei Caschy, möglich.)
Penispillendoping
(Vorbemerkung: Nach den überwiegend recht ernsthaften Beiträgen der vergangenen Tage folgt nun wieder einmal eine albern kommentierte Spam-Mail.)
Eine während meiner ersten zaghaften Gehversuche im Internet angelegte Mailadresse bei einem namhaft-verruchten Anbieter kostenloser wie auch kostenpflichtiger E‑Mail-Dienste liegt beinahe brach. Um so erstaunlicher ist es, dass in deren Spamfilter neben der Eigenwerbung des Anbieters auch regelmäßig, quasi täglich, einschlägige Mails landen, die mir wahlweise sexuelles Interesse heißblütiger Osteuropäerinnen bekunden oder Ratschläge erteilen, wie ich meiner offenbar viel zu mickrigen Potenz entgegen wirken soll. Wieso sich „Frauen“, die nicht einmal meine Sprache sprechen, nach einem solchen Mann sehnen, bleibt mir leider verborgen.
Derzeit bleiben Kontaktaufnahmen von „Frauen“ zwar aus, jedoch scheint diese Adresse, offenbar per Zufallsgenerator gezogen, in der Verteilerliste einer „Onlineapotheke“ zu stehen, die mal auf einer einigermaßen treffenden („echte Amateure“), mal einer im Grunde vollkommen bescheuerten („Antifa-Netzwerk“) Domain liegt, denn eine Vielzahl einander nur wenig unterscheidender Werbetexte dieser „Onlineapotheke“ fand inzwischen ihren Weg zu mir und so, leicht gekürzt, jetzt auch zu meiner geschätzten Leserschar:
Hy xxxx* !
Holdrio, mir unbekannter Spammer!
(* Anmerkung: Hier stand ursprünglich der Teil vor dem @.)
DARAUF HABEN WIR ALLE GEWARTET
Ich persönlich jetzt nicht unbedingt, aber Einsicht ist immer ein guter Anfang.
Direkt aus der EU: Potenzmittel für jedermann !
Unfassbar, wie lange wir warten mussten, bis endlich ein Unternehmen aus der EU Potenzmittel für jedermann erfunden hat! Bisher war die Menschheit anscheinend darauf angewiesen, auf US-amerikanische Erzeugnisse wie etwa Viagra zurückzugreifen, und das, liebe Freunde, ist doch kein angenehmer Zustand. Stattdessen haben wir jetzt endlich das, worauf WIR ALLE GEWARTET HABEN:
Das Doping für den Penis !
„Doping“ kommt übrigens von „dope“, einem englischen Ausdruck für Cannabis. Bekannte Wirkungen von Cannabiskonsum sind unter anderem Müdigkeit, ein gesenkter Blutdruck und die Intensivierung auch negativer Empfindungen. Ich weiß nicht, ob ich so ein Produkt an meinem Penis testen möchte.
Man(n) muss ja keine Problem mit der Standkraft haben. Dieses Wundermittel ist für jedermann! Damit die nächste Nacht auch der Frau in bleibender Erinnerung bleibt.
Das Liebesleben der „Onlineapotheker“ stelle ich mir (lieber nicht) ziemlich eintönig vor, wenn ihren Frauen daran keine bleibende Erinnerung bleibt. Ob da allerdings noch ein Wundermittel helfen kann?
Immer wieder hört man Sprüche wie „ich brauch ein Gegenmittel“, denn zugeben will es Niemand, solche Geheimwaffen einzusetzen. Keiner nimmt es, aber alle wollen es
Waffen? Wie martialisch; geht es doch beim Sex vor allem um friedliches Miteinander und nicht darum, dem anderen per Überraschungsmoment eins überzubraten, auch nicht mit dem werweißwie potenzierten Penis. Wer Sex allerdings mit Krieg verwechselt, dessen unerfülltes Liebesleben überrascht mich kaum mehr.
Ja, die Rede ist von dem blauen Wunder
Ein blaues Wunder aus Europa?
Schlumpfalarm!
und anderen Mittelchen, welche dafür Sorgen das nach dem „abspritzen“ nicht gleich alles wieder vorbei ist. Oder dafür Sorgen das es schon garnicht zu einem vorzeitigen Samenergruss kommt. Dein Ding steht und steht und steht…
… und lässt mich tagelang nicht schlafen und ich muss wegen Kreislaufzusammenbruchs mit einer riesigen Erektion ins Krankenhaus, oder wie soll ich mir das jetzt vorstellen? So ein Samengruß Samenerguss hat durchaus seinen Sinn.
Mit diesen Wundermittelchen wird künftig jede Frau von dir schwärmen.
Das stelle ich mir schon ziemlich Nerven aufreibend vor, es würde mich allerdings auch schwer wundern. (Ach, deshalb „Wundermittelchen“!)
- Länger Standhaft bleiben
– kein vorzeitiger Samenerguss
– mehr Power im Bett
- Schlafstörungen
– Durchblutungsstörungen
– Kreislaufprobleme
Und nicht etwa ist diese „Wirkung“ das eigentlich Erwähnenswerte, sondern:
Das beste daran: Sie werden keine Probleme mit dem Versand oder dem Zoll haben.
Die hat man übrigens auch nicht, wenn man einfach in die nächstgelegene Apotheke spaziert, aber das ist vermutlich weniger aufregend.
Nochmal die Vorteile auf einen Blick:
– kein langes Warten
Ja, wie, ich dachte, das wäre einer der „Vorteile“?
Tipp: Bestellen Sie gleich für Ihre Freunde & Bekannte mit und sparen Sie durch den Kauf von Großpackungen. Ideal auch für Wiederverkäufer.
Prima, so kann man seiner Tante gleich ein schönes Ostergeschenk mitbestellen, falls noch die zündende Idee fehlte.
Tue, 22 Mar 2011 12:48:45 +1200
Don, 24. März 2011, 13:14 GMT+1
Wenn Sie keine weiteren eMails erhalten wollen, senden Sie eine eMail mit dem Text AUSTRAGEN an: (…)
Die sicherste Methode, nie wieder Spam zu bekommen, ist es, den Spammern zu sagen, dass man bitte nie wieder Spam haben möchte! So einfach kann die Welt sein.
Aber ich verzichte auf diese Möglichkeit; denn um meine tägliche Lektüre wäre es schon ein wenig schade.
(Das erste, was der Junge heute tat, nachdem er seine weibliche Bekanntschaft mit innigen Küssen bedacht und verabschiedet hatte, war es, ihren Geschmack durch den von Kaugummi zu ersetzen. Sie hat es nicht gesehen.)
Knut und das mit dem Anstand
Vermutlich haben es inzwischen alle bemerkt, also kann ich auch etwas dazu schreiben:
Eisbär „Knut“, vom Medienliebling zum Skandalbären (ich berichtete damals) und wieder zurück verwandelt worden, starb nach Bewusstlosigkeit, wohl infolge einer Hirnerkrankung, im Alter von nur vier Jahren.
Was mich an dieser ohnehin schon erschütternden Meldung vor allem nicht ruhig bleiben lässt, ist die unfassbare Pietätlosigkeit, mit der die Öffentlichkeit sich dieses Themas annimmt. Sicher war Knut eine Figur des öffentlichen Lebens, nicht umsonst hielt Berlins A- und AA-Prominenz ein Schaulaufen ab:
Neben Politikern wie dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit oder der Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast drückten auch zahlreiche Bürger ihr Bedauern über den Tod des Eisbären aus.
Da man Knut nun aber nicht mehr nur als Tier (hierzu bitte die Kommentare beachten), sondern als Person betrachtete, verschaffte ihm das Respekt – und Aufmerksamkeit von den Falschen, nämlich der Boulevardpresse. Der Tod des Eisbären nämlich, gefilmt von einem der stets anwesenden Besucher, die sich um Knuts Gehege scharten, fand schnell seinen Weg ins Internet. Eine große Videoplattform etwa hält die Aufzeichnung feil und landet so, sucht man nach dem Ereignis, auf vorderen Plätzen in Suchmaschinen. Der Betrachter kann dort unter anderem sehen, wie das Tier sich dreht und schließlich bewusstlos ins Becken fällt, wo es starb.
Beinahe so zynisch wie die anscheinend beliebige Anpassbarkeit schädlicher Strahlenwerte und die weitgehende Akzeptanz des Umstandes, dass in Libyen gerade eine Demokratiebewegung mit europäischer Billigung über den Haufen geschossen wird, erscheint es mir nun, wie mit dem Tod des Bären verfahren wird: Die Boulevardzeitung, die dieses Video verbreitete und am Sonntag als Kaufanreiz (Kaufanreiz!, ich würde den Titelgestalter gern mal ganz fest drücken) ein Bild des toten Eisbären an prominenter Stelle druckte und deren Namen ich hier bewusst verschweige, ist ein widerwärtiges Medium. „Dieses Bild (…) bricht uns Berlinern das Herz“, also zoomen wir noch ein bisschen näher heran, damit Tränen und Geld schneller fließen.
Tod ist etwas, das Menschen berührt und berühren soll. Sobald Menschen aufhören, solche Gefühle zu hegen, haben sie jeglichen Rest an Menschsein verloren; und es leiden meist die darunter, die sich am wenigsten wehren können.
Knut ruhe in Frieden.
Respektiert meine Autoritä!
Didi schrieb, es befremde ihn, wenn gereifte Herren die Musik der Jungen machen.
Wie aber sieht es aus mit jungen Menschen, die alte Musik mit konservativen Texten interpretieren?
Und da wir gerade dabei sind, Autorität zu hinterfragen: Wie kommt es eigentlich, dass, als die Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke beschlossen wurde, die Regierung sagte, Deutschlang brauche den Atomstrom, aber nun, da die ersten Reaktoren wegen der Vorfälle in Japan abgeschaltet wurden, damit argumentiert wird, dass wir ohnehin zu viel Atomstrom hätten, ihn gar exportieren?
Haben wir das damals noch nicht getan?
Hintergedicht
Gedanken hinter Bäumen.
Sie haben sich versteckt.
Zähl laut bis 20!
Träume hinter Glas,
schau sie, doch berühr sie nicht.
Der Nothammer ist in deinem Herzen.
Wünsche hinter Türen.
Du kannst sie erahnen.
Drück die Klinke herab!
Sehnsucht hinter Gittern.
Eingesperrt.
Urteil: Lebenslänglich.
Liebe hinter Zäunen.
Reiß die Zäune ab!
Du brauchst sie nicht mehr.
(Für C.)
Console2 und PyCmd: cmd für Fortgeschrittene
(Aus Gründen folgt ein weiterer Beitrag aus der beliebten Reihe „langweiliges Computerkrams“. Ich bitte um freundliche Apathie.)
Linuxnutzer belächeln oft die Windows-Textkonsole command bzw., in NT-basierten Versionen, cmd, da sie funktional Unix-Shells wie der Z‑Shell (zsh) nicht viel entgegenzusetzen habe.
Dass auch überzeugte, Windows nur müde belächelnde Linuxnutzer ohne externe Befehle wie grep, ack und ls, die übrigens allesamt auch für Windows verfügbar sind (ls und grep etwa hier), nicht viel Freude an ihrer Shell hätten, wäre ein guter Einstieg in ein Streitgespräch mit ihnen, da ich hier aber gerade keinen Linuxnutzer zur Hand habe, schreibe ich stattdessen etwas anderes.
Auf meinem Windowslaptop nämlich bekomme ich cmd nur selten zu sehen, allzu aufregend ist der Anblick auch wahrlich nicht:
Bereits vor vielen Monaten aber fand ich Gefallen an Console2. Console2 ist eine freie, alternative Oberfläche für eine (einstellbare) Shell unter Windows-Systemen, die einige Zusatzfunktionen bietet, etwa zusätzliche Tastenkürzel, umfangreich konfigurierbare Tabs, Alphatransparenz und eine (abschaltbare) Symbolleiste. So verschafft man sich Bedienkomfort, ohne sich umgewöhnen zu müssen, denn Console2 sieht zwar nicht mehr aus wie cmd, fühlt sich aber genau so an:
Console2, mittels ac’tivAid (ich erwähnte es hier schon einmal) auf eine gut erreichbare Tastenkombination gelegt, ist zwar ein durchaus nicht unkomfortables Werkzeug, in der Standardkonfiguration jedoch nur wenig funktionsreicher als das triste cmd. Hier tritt PyCmd auf den Plan. (Der arme Plan!)
PyCmd, so steht’s in der Datei README.txt, ist eine Erweiterung für die Eingabeaufforderung von Windows (eben cmd) mit dem Ziel, einige der aus Unix bekannten Shellfunktionen wie eine „intelligente“ Befehlsvervollständigung, ein Befehlsverlauf auch über Sitzungen hinweg und einige weitere bereitzustellen. PyCmd ist im Wesentlichen eine Sammlung kompilierter Python-Skripte und lässt sich, Kenntnisse in dieser Sprache vorausgesetzt, quasi beliebig erweitern.
Um es zu installieren, genügt es, das .zip-Archiv in ein beliebiges Verzeichnis zu entpacken, im Beispiel C:\Program Files\PyCmd. Startet man aus diesem Verzeichnis heraus PyCmd, so wird man von einem irgendwie anders aussehenden Konsolenfenster überrascht:
„PF“ steht hier für „Program Files“. PyCmd kürzt Pfadnamen standardmäßig ab, um Platz zu sparen, was gutzuheißen ist, denn so bewahrt man auch in tief verschachtelten Verzeichnissen ein wenig Übersicht, ohne versehentlich in einer falschen Verzeichnisebene zu arbeiten. Die Funktionen, die PyCmd bereitstellt, sind für Umsteiger beeindruckend und zu vielfältig, um sie an dieser Stelle angemessen würdigen zu können. Neben dem „dauerhaften“ Befehlsverlauf ist aber auch und vor allem die schnieke Pfad- und Befehlsvervollständigung via Tab- bzw. Pfeiltaste zu nennen. Während nämlich cmd nur die ersten Zeichen liest und den Benutzer bei Bedarf mittels Tabulatortaste zwischen den dann noch möglichen Alternativen umschalten lässt, spendiert PyCmd direkt eine Befehlsübersicht und kann im Befehlsverlauf auch Teiltreffer finden:

Übrigens funktionieren auch Platzhalter (*, ?). Nun haben wir ein mächtiges Kommandozeilenprogramm (PyCmd) und eine hübsche Oberfläche, aber betrachteten bisher beides getrennt voneinander. Allerdings erwähnte ich oben, der Interpreter, den Console2 nutzt, sei einstellbar. Da liegt es doch nahe, die beiden Anwendungen miteinander zu verknüpfen.
Das geht direkt aus Console2 heraus: Im Einstellungsdialog (standardmäßig via Strg+S aufzurufen) unter „Console“ ist der vollständige Pfad der Datei PyCmd.exe einzutragen.
Fortan begrüßt den Anwender beim Start von Console2 der PyCmd-Prompt.
Etwaige Ergänzungen oder Anregungen bitte ich im Kommentarfeld zu hinterlassen.
Medienkritik XLIX: Atomspaltereien
Schmerzlich getroffen haben die Redaktion des dieswöchigen SPIEGELs („Katastrophe in Taschenobyl“), die vor blindem Optimismus manchmal frontal gegen die nächste Laterne rennt (atomare Unfälle bieten anscheinend vor allem Chancen für die Solarindustrie), die Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima I nur kurzzeitig. Zwar „musste“ der geplante Titel betreffend die den Explosionen vorangegangenen Ereignisse – vermutlich lautete er ungefähr „Die Monsterwelle: Japans Untergang“ – kurzfristig entsorgt werden („die Druckzylinder … mussten durch einen frischen Satz mit einer noch dramatischeren Story ersetzt werden“, Hervorhebungen von mir), aber das Surrogat ist nur schwer zu übertreffen. Nicht weniger nämlich, so behauptet der für die Überschriften zuständige Schreiberling, sei dieser Vorbote des „Endes des Atomzeitalters“ (ich frage mich, wie dann wohl das anschließende „Zeitalter“ heißen mag) als „Japans Tschernobyl“.
Darüber, dass diese Gleichsetzung sachlich schlicht Unfug ist, ist man sich weitgehend einig; um so rätselhafter sind die Beweggründe dafür, sie trotzdem anzuwenden. Eine kurze Gegenüberstellung:
Tschernobyl:
- ein Reaktorblock ist explodiert
- Tod bis heute ungezählter Menschen infolge der Strahlenbelastung
- Auslöser: Fehlbedienung und Konstruktionsfehler
Fukushima:
- vier Reaktorblöcke sind leicht beschädigt
- bislang lediglich ein Fall erhöhter, nicht jedoch tödlicher Strahlenbelastung bekannt
- Auslöser: Naturkatastrophe
Gemeinsamkeiten muss man mit der Lupe suchen, „ist halt auch was mit Atomen“. Was die Folgen der Strahlung betrifft, ist das Unglück im AKW Fukushima insofern bestenfalls mit dem Kyschtym-Unfall zu vergleichen, aber damit kann man vermutlich nicht so dramatische Absatzzahlen realisieren.
Der Vorwurf Kai Diekmanns, der SPIEGEL bediene die gleiche Klientel wie BILD (cf. SPIEGEL 9/2011), erscheint nur mehr wenig abwegig.
In eigener Sache: Im Verlauf eines infolge dieses halbgaren Artikels ausgetragenen Maildisputs beschloss ich, den Datenschutz dieser Internetseite nochmals zu überarbeiten. Auf StatPress verzichte ich nunmehr gänzlich, die „Verfolgung“ mittels des weiterhin auf die Speicherung personenbezogener Daten verzichtende Werkzeugs Piwik lässt sich browserbezogen via Cookie unterbinden. Hierzu bitte ich den geneigten Leser, auf der Seite „Datenschutz“ vorbeizuschauen und die dortigen Hinweise zu beachten.
Auch hübsch übrigens fand ich die als Teil eines Gesprächs einiger Jugendlicher („Opfers“) gestellte Frage: „Ey, bist du in Tina?“. Auf die Replik „Ich bin derzeit in niemandem“ hätte ich als bis dahin stiller Beobachter mit Freude reagiert, leider antwortete der Gefragte aber nur „nää“. Diese Chance hat er verpasst.
Finnito.
Anderthalb Konzertnächte.
Aufmerksamen Lesern ist womöglich nicht entgangen, dass ich im März bislang eher zurückhaltend bin, was die Frequenz meiner Veröffentlichungen betrifft. Hierfür gibt es mehrere Gründe, die alle aufzuzählen ich gerade nicht müßig genug bin; einer jedenfalls trägt Schwarz:
Da eine eigentlich vorgesehene Bandprobe aus logistischen Gründen ausfiel, entschied die tanzwütige Meute, das legendäre Braunschweiger Nachtleben zu erforschen, was in zeitlicher Hinsicht ziemlich prima war, denn eine kurze Recherche offenbarte, dass gerade das diesjährige Reizwäsche-Schaulaufen „Festival of Darkness“ zu beginnen im Begriff war, das, so versprach die Ankündigung, für EBM-Freunde ein Ohrenschmaus sein sollte, und ich schloss mich interessiert an.
Erst etwa vier Stunden nach Beginn des ersten Abends machten wir dem Festival unsere Aufwartung und erschienen so erst nach den Auftritten mir unbekannter Musikgruppen wie Diorama mitten im Konzert von Frozen Plasma. Wer meine Musikrezensionen aufmerksam verfolgt, der weiß, dass die dröhnende überwiegend elektronische body music normalerweise nicht meinen CD-Schrank ziert und dies so bald wohl auch nicht tun wird, aber steht man vor der Bühne, ist das ein völlig anderes Erlebnis.
„Körpermusik“ ist es, frei übersetzt, und tatsächlich spürt der Körper so manches. Vieles ist dem Postrock ähnlich. Leider habe ich es am ersten Abend aus Zeit- und Organisationsgründen kaum geschafft, das Geschehen in Bildern und Worten zu fixieren, daher ist die folgende Zusammenfassung unvollständig. Das ist insbesondere schade, weil der erste Abend mit einem Auftritt der mir bis dato gleichfalls unbekannten Gruppe Combichrist endete, die mit meiner Vorstellung von prima elektronischer Musik kompatibel scheint. (Ich empfehle entsprechende Recherchen.)
Rechtzeitig informiert erschienen wir aber immerhin pünktlich vor dem Einlass am zweiten Abend, und der war mindestens ebenso angenehm:
Den Anfang machte Moon.74, ein im Festivalwesen noch weitgehend unbeleckter Künstler, der den weiteren Abend dann auch im Zwiegespräch am Autogrammstand verbrachte:
Louis Manke von Terminal Choice, der an diesem Abend sein Soloprojekt „Staubkind“ mit einer kleinen Band zusammen präsentierte, wusste nicht so recht, wo er war (Bochum, Braunschweig; fängt halt auch mit „B“ an), musizierte dann aber doch noch recht solide vor sich hin.
Die in den Liedtexten des Künstlers versierte Begleiterin lobte die Lockerheit und Kommunikationsbereitschaft des Künstlers, ich konzentrierte mich auf die musikalische Ebene und begann im Laufe des Abends zu verstehen, wieso EBM auf Tanzveranstaltungen sich stetiger Beliebtheit erfreut. Die Rhythmen nämlich sind überaus bewegend und verleiten, dem Postrock nicht unähnlich, dazu, selbst unbemerkt mit den Gliedmaßen zu wackeln, bis man spät in der Nacht feststellt, dass selbige dann doch allmählich Ermüdungserscheinungen zeigen.
Spärlicher instrumentiert und mit an diesem Abend bereits häufiger zu sehenden Projektionsproblemen – die Leinwand zeigte eine Zeitlang das CyberHome-Logo – trat dann Sven Friedrich mit seinem (gleichfalls) Soloprojekt Solar Fake auf, der sofort wusste, wo er sich befand, und einige beeindruckende Musikstücke aus dem eigenen Repertoire zum Besten gab. Als Freund des etwas weniger schmusigen Gesangs fand ich viel Gefallen an dem letzten Stück „Lies“ („Lügen“), das zwar schon ein wenig älter ist, aber recht druckvoll präsentiert wurde.
Zwischen Staubkind und Solar Fake traten Noisuf X (X‑Fusion) auf, die wir zwar hörten, aber nicht sahen; wisstja, Verpflichtungen:
Solar Fake folgte nach einer Umbaupause die Sängerin Mina Harker nebst Band, von der ich glaube, so etwas schon mal irgendwo gehört zu haben, leider jedoch war ihr Mikrofon zu leise. Insgesamt erschien ihre Musik auch zu austauschbar, so dass wir den Auftritt nach dem ersten Lied lieber anderswo verbrachten; wisstja, Verpflichtungen.
Der Auftritt von Nachtmahr, die das Festival als letzte Künstler ausklingen ließen und die, bitteschön, auch dringend toll gefunden und mit CD-Käufen bedacht werden sollten, riss uns aus der Abwesenheit, denn sie schepperten in guter, alter Laibach-Manier los.
Aufgelockert mit Publikumsintervention („Ein Quiz: Was ist Industrial? – Du nicht!“) boten sich dem Zuschauer auf der Leinwand martialische Szenen im Stil von NSDAP-Propaganda, sich abwechselnd mit weiser Lyrik. „War is not the answer“, „Krieg ist nicht die Antwort“ also, während die Herren hinter ihren Macbooks, denen sie dennoch erstaunlich annehmliche Klänge entlockten, verharrten und ihr Sänger, auf der Bühne herumwirbelnd, Texte wie etwa den von „Feuer frei!“ ins Mikrofon schrie:
Neun Millimeter
direkt in dein Gesicht,
reinigender Stahl
bei diesem Standgericht.
Einige standhafte, teils jedoch schon sichtlich ermüdete Besucher vergnügten sich anschließend noch weit nach Mitternacht auf dem Tanzboden, während Nachtmahr an der Theke Platz nahmen.
Blöderweise hatte die Cocktailbar zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen, ein blinkender Werbebanner warb aber weiterhin für die dort zu erwerbenden Leckereien. Meinen Verpflichtungen musste ich also anderweitig nachkommen; wisstja.
Das nächste „Festival of Darkness“ findet, so gab eine weitere Projektion beredt Auskunft, Ende März 2012 wiederum in Braunschweig statt. Mir scheint, dass sich eine erneute Anwesenheit lohnen wird.
Medienkritik XLVIII: Gefragter Babymacher
Furchtbar: Zeitungen von 1933 gefunden!
Gar schröcklich ist’s, was sich da in Chanty-Mansijsk ereignete:
Anlässlich der diesjährigen Biathlon-Weltmeisterschaft nämlich wurden zur Dekoration Sträuße mit alten Zeitungen in verschiedenen Sprachen zusammengestellt, und das ist eigentlich eine recht schnuckelige Idee. Nicht so schnuckelig ist es nun, dass inmitten der Zeitungen unbekannter Natur auch deutsche aus der Zeit während und nach dem Regierungswechsel 1933 sich befanden, und so ist das ein unerhörter Fehlgriff, versteht sich:
„Das hatte keine politischen Gründe“, sagt Irina Taschenko, die Generaldirektorin des Konzert- und Theatercenters Ugra-Classic, in dem die WM stattfindet. Sie bat in einem Schreiben an den Biathlon-Weltverband Ibu mehrmals um Entschuldigung.
Wie beruhigend, dass es sich lediglich um ein Missgeschick handelte. Alternativ hätte es auch politische Gründe haben können, indem man zum Beispiel darauf hinweist, wie harmlos Diktaturen mitunter beginnen können, dass das Volk nicht immer das Richtige tut oder ähnliche Dinge, aber stattdessen kommen Zeter und Mordio – nicht die beiden Gespenster gleichen Namens aus den YPS-Comics – zu ihrem Recht.
Geschichte wiederholt sich nicht „nie wieder“, indem man jede Erinnerung an sie auslöscht.
Allerweltsfilme
Aus Recherchegründen warf ich während der vergangenen Tage wieder einmal einen Blick auf die Titelseite einer Fernseh-Programmzeitschrift. Unter dem dezent nachbearbeiteten Konterfei einer leidlich bekannten Schauspielerin wurden dort zwei Filme angekündigt.
Die Älteren unter meinen Lesern erinnern sich vielleicht noch daran, dass im Abspann von Filmen früher in der Regel die höchste Priorität auf dem Film selbst lag. Dort hieß es dann etwa: „Sie sahen: Kehr zurück, kleine Sheba“, darunter dann gegebenenfalls die Verteilung der Rollen. Damals hätte man es vermutlich bestenfalls als stillos empfunden, wüsste man, wie längst üblich, erst nach zehn Minuten, wie der Film eigentlich heißt, oder läse es im Abspann erst nach zwei Papierkilometern.
Diese Relation scheint allerdings in den letzten Jahren pervertiert worden zu sein; die eingangs erwähnte Programmzeitschrift nämlich kündigte auf besagter Titelseite nicht etwa zwei besonders empfehlenswerte Filme an, sondern die Schauspielerin Jennifer Aniston „mit“ zwei Filmen, was wiederum bedeutet: Der eigentliche Film tritt in den Hintergrund, die Menschen sollen ihn nicht etwa wegen der gewitzten Dialoge voller Popkulturzitate oder wegen der lehrreichen Moral sehen, sondern, weil Jennifer Aniston in ihnen zu sehen ist.
Bereits in meiner Filmkritik zu „Inglourious Basterds“ bemerkte ich dieses Phänomen; dass Filmfreunde dieser Tage eben vor allem das Kino aufsuchen, um bestimmte Gesichter zu sehen, und auf den eigentlichen Film dann nicht mehr viel Wert legen. Wie sonst ist es zu erklären, dass etwa Til Schweiger mit seiner Rolle als Macho, der im Verlauf des Films zu einem sanften Schmusemann geläutert wird, in diesem Jahr („Kokowääh“) schon wieder Millionen Kinobesucher, einige von ihnen gar mehrmals, unterhält? Die zweifelsohne urkomischen Szenen, die einem irgendwoher bekannt vorkommen, allein dürften es nicht sein, denn Keinohrhasen zum Beispiel ist nur mäßig witzig und war dennoch ein Publikumsmagnet. (Mir, dies sei als Spitze angemerkt, ist kein Mann bekannt, der anlässlich des genannten Films auf eigenen Wunsch und ohne weibliche Begleitung im Kino saß. Eine etwaige Kausalität möge sich der geneigte Leser selbst erspinnen.)
Zwar stimmt es, dass sich aus der Besetzung eines Films die ungefähre Handlung und das Genre oft erahnen lassen, von löblichen Ausnahmen wie eben „Inglourious Basterds“ und „Angst und Schrecken in Las Vegas“ abgesehen, aber sie sollte nicht der Anlass sein, einen Film zu sehen. Jennifer Aniston etwa ist mir nur als Darstellerin durchschnittlicher Sitcoms in Erinnerung, warum sollte ich das auf Filmlänge sehen wollen? Gesetzt den Fall, die Frau hat sich inzwischen zu einer seriösen Schauspielerin entwickelt und meine Frage geht von falschen Voraussetzungen aus: Warum tritt dann der eigentliche Film so sehr in den Hintergrund?
Nicht jeder dieser Schauspieler, deren bloße Erwähnung für zalandoeske Jubelschreie sorgt, fällt mit dem immergleichen plot auf, was die Hervorhebung ihrer Person gegenüber der Handlung noch fragwürdiger macht. Woody Allen etwa, dessen frühe Filme („Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“, „Im Bann des Jade-Skorpions“, „Der Stadtneurotiker“ usw.) ich beinahe allesamt als höchst betrachtenswert einstufe, weiß mich mit seinen neuesten Filmen nur noch selten zu überzeugen. Es scheitert aber ansonsten nicht an ihm, Woody Allen, oder der Besetzung (zuverlässig als Fehlbesetzungen zu bezeichnende Schauspieler spielen in seinen Filmen ohnehin nie mit), sondern an der Handlung des Films. Verallgemeinert bedeutet das: Gefällt mir ein Film, gefällt mir nicht auch jeder andere Film mit ähnlicher Besetzung allein der Besetzung wegen.
Insofern ist es absurd, dass Filmemacher dieser Tage mehr mit Schauspielern als mit ihren eigenen Filmen zu prahlen scheinen, aber nur konsequent. Seitdem irgendeine Flitzpiepe blöderweise erfolgreich ausprobiert hat, ob dreidimensionale Effekte über fehlende Handlung hinwegtäuschen können, gleicht der Gang ins Kino mitunter einem Toilettengang mit Verstopfung: Langfristige Freude kommt partout nicht auf, und man verspürt ein unangenehmes Ziehen. Regelmäßige Kinogänger sind offenbar einem selbst auferlegten Masochismus zum Opfer gefallen. Tempora mutantur, et mutamur in illis.
Fragte mich ein Filmproduzent, auf welchen Film ich mich am meisten freuen würde, so wortete ich ant: Ich hätte gern einen nicht zu seichten, fein pointierten, gern leicht bis schwer surrealistischen Film, über dessen Anspielungen auf Popkultur und Zeitgeschehen es später viele Bücher geben wird, mit denen alte, dick bebrillte Professoren sich dumm und dämlich verdienen, und der im Genre der Komödie – die Tragikomödie eingeschlossen – zu verorten ist. Die Hauptrollen sollten bitte nicht mit Johnny Depp, Til Schweiger und Brad Pitt zu besetzen sein, willkommen wäre ein Engagement in nicht tragenden Nebenrollen aber allemal. Die Filmplakate sollten keinerlei Namen tragen, höchstens den des Produzenten und vielleicht den meinen nebst URL meiner Webpräsenz, denn ich mag es, Aufmerksamkeit zu bekommen.
Aber mich fragt nun einmal kein Filmproduzent, denn was ich von ihnen, den Produzenten, erwarte, spielt keine Rolle, so lange ich brav den Brei futtere, den sie mir auf den Teller kotzen.
Habe ich erwähnt, dass ich in den letzten vier oder fünf Jahren, sofern mich meine Erinnerung nicht trügt, nur zweimal im Kino war?
Nachtrag zum Thema „Tschüssi, Herr zu Guttenberg“:
Wie sehr mir der Tod „meiner“ Soldaten nahe geht, entnehmen sie bitte der Tatsache, dass ich dieses Verrecken in meiner gegenwärtigen Situation noch dazu instrumentalisiere, um Journalisten und andere Canaillen dafür ein schlechtes Gewissen einzureden, dass sie die Menschen in der BRD darüber aufgeklärt haben, was ich für ein Betrüger und Hochstapler bin.
Mehr beim Nachtwächter.


























