Spaß mit Spam
Herzlichen Gl�ckwunsch Gewinner

Oh, was will denn die „Lote­ria Nacio­nal“ mit der täu­schend echt aus­se­hen­den E‑Mail-Adres­se HilegESp23@wyf62j7a5.homepage.t‑online.de von mir?

Sie haben gewon­nen, fьr wei­te­re Infor­ma­tio­nen rufen Sie

Ja, das ist der gan­ze Text. So sehr ich aber auch rufe, nichts geschieht.

Ah, jetzt sehe ich es, die Mail geht ja noch wei­ter.
Ange­hängt ist eine .zip-Datei. Ent­hal­ten ist eine .doc-Datei, in der steht:

Wir sind erfreut, Sie zu infor­mie­ren, das Sie ein gluck­li­cher Gewin­ner vom inter­na­tio­na­lem Euro Mil­li­on Spiel­pro­gramms sind, das am 09/11/2011, abge­hal­ten wur­de.

Ich habe eine Mil­li­on Spiel­pro­gram­me gewon­nen?

Wir Sind sehr gluck­lich Sie ALS einen der Gewin­ner zu benach­rich­ti­gen das Ihr Name mit der Kar­ten­se­ri­en­num­mer uber­ein­stimm­te: 134–03650116-211 und die Stempf­el­zahl: 51225–0 gekauft durch Ihren Bear­bei­tungs­agen­ten von den Kosten von zwei Euro, hat folg­lich den Preis in der 2. Kate­go­rie mit den Gewinn­zah­len: 04–18-32–40-46+06:07.gewonnen Wir Ent­schul­di­gun­gen für die spä­te benach­rich­ti­gung, da es zu Ver­wechs­lun­gen von Namen und Adres­sen kam..

Dass ich einen Bear­bei­tungs­agen­ten habe, wuss­te ich noch nicht. Das klingt auch ein biss­chen nach Sta­si. Hof­fent­lich will er sei­ne zwei Euro nicht von mir ein­trei­ben, das wird erfah­rungs­ge­mäß teu­er.

Aber Sie sind für einen Pau­schal­be­trag von €915.810, 00 NEUN HUNDERT FÜNFZEHN TAUSEND ACHTHUNDERT ZEHN EURO in bar aus­ge­sucht wor­den die, Sicher­heits­zahl lau­tet: EIK-547-K6-75. Dies IST von einem gesamt Geld­preis von 15.568.770, 00(FÜNFZEHN MILLIONEN FÜNFHUNDERT ACHTUNDSECHZIG TAUSEND, SIEBENHUNDERT SIEBZIG EURO) war­den geteilt unter den 14 Inter­na­tio­na­len Gewin­nern in die­ser Kate­go­rie.

15.568.770 geteilt durch 14 sind 1.112.055. Wenn jeder der 14 Gewin­ner einen Pau­schal­bei­trag von 915.810 Euro bekommt, wür­de mich die genaue Gew­inn­ta­bel­le ja schon mal inter­es­sie­ren. Wobei: Da steht, ich sei für einen Pau­schal­bei­trag „aus­ge­sucht wor­den“. Muss ich den jetzt zah­len? Wenn ja: An wen?

Fur Ihren Anspruch bit­te Kon­takt zu neh­men mit, DON JUAN PEREZ, Aus­län­di­scher Betrie­be­ma­na­ger der CLICK SEGUROS S.A. SPAIN Tel: +34645511480, Fax: +34 911 881 363 Email:clickseguros@aol.com für die Ver­ar­bei­tung und die Geld­über­wei­sung von Ihrem sieg­rei­chem Gewinn.

Mein Gewinn war sieg­reich? Da muss ich ihm gleich mor­gen eine Glück­wunsch­kar­te schrei­ben. Hof­fent­lich erreicht sie ihn noch recht­zei­tig!

(…) Und die von Ihnen zu bezah­len­den 10 % Ihres Gewin­nes an den Fond Ihres Bear­bei­tungs­agen­ten, nach­dem Sie Ihren Gewinn erhal­ten haben.

An den Fond? Dort, wo sei­ne Rück­bank steht? Ah, ich ver­ste­he: Mein Agent möch­te sich von mei­nem Gewinn ein neu­es Heck für sein Auto kau­fen. Na, dem wer­de ich was erzäh­len.

Wei­ter gibt es irgend­ei­ne Ände­rung Ihrer Adres­se, infor­mie­ren Sie Ihren Bear­bei­tungs­agen­ten sobald wie mög­lich.

Das klingt jetzt sehr nach Tele­kom: „Irgend­was hat sich geän­dert, dan­ke fürs Lesen.“
Aber wie infor­mie­re ich den Herrn nun?

Bit­te aus­ge­füllt an Ihren Bear­bei­tungs­agen­ten faxen: +34 911 881 363. Vie­le Glück­wün­sche noch ein­mal von allen Mit­ar­bei­tern unse­rer Abtei­lung und wir freu­en uns Sie als einen ‚Teil von unse­rem INTERNATIONALEN BEFÖRDERUNGS PROGRAMMS zu begrussen.

Ah, da ist der Haken. Ich besit­ze kein Fax­ge­rät.

Dann bleibt mir wohl nur das Beför­de­rungs­pro­gramm:
Gera­de­wegs in den digi­ta­len Lokus. Scha­de eigent­lich.

Aber die­ser Agent soll mir mal zwi­schen die FIn­ger kom­men!

In den Nachrichten
Heiteres Länderraten

Das ist ja furcht­bar:

Die US-Rating­agen­tur Stan­dard & Poor’s droht nun mit einer Her­ab­stu­fung des Euro-Ret­tungs­schirms EFSF um zwei Stu­fen von „AAA“ auf „AA“. Zuvor hat man Deutsch­land und 14 wei­te­re Euro-Staa­ten gewarnt.

Oi-oi-oi, das ist wirk­lich schlimm: US-ame­ri­ka­ni­sche Rating­agen­tu­ren ver­brin­gen die letz­ten paar Mona­te anschei­nend damit, Schul­no­ten für euro­päi­sche Län­der und son­sti­ge Insti­tu­tio­nen zu ver­ge­ben, die eine unge­fäh­re Aus­sa­ge dar­über dar­stel­len sol­len, ob das Bewer­te­te nun liqui­de ist oder nicht. Dass Grie­chen­land auf­grund sei­ner enor­men Kauf­kraft gera­de nicht gera­de ein Fass auf­ma­chen kann, hät­ten wir ohne sol­che Agen­tu­ren sicher­lich nie ver­stan­den, denn das andau­ern­de Her­um­hacken der „BILD“ auf den „Plei­te-Grie­chen“ wäre ohne die Her­ab­stu­fung durch die Agen­tur Moody’s wahr­schein­lich nie­man­dem über­haupt auf­ge­fal­len.

Eine ande­re Les­art lau­tet so: Da sit­zen also ein paar über­be­zahl­te Quar­k­na­sen in gro­ßen, voll­ver­gla­sten Büros in irgend­ei­ner teu­ren Gegend der seit dem Kal­ten Krieg qua­si expo­nen­zi­ell weni­ger finanz­star­ken USA her­um, tip­pen die übli­chen Berich­te der Finanz­mi­ni­ste­ri­en in ihren Com­pu­ter ein und bewer­ten das Gele­se­ne von „supi­gut“ bis „kann­ste abha­ken“. Das kann ich auch, aber ich wür­de nicht dafür bezahlt.

Dass da schon mal Feh­ler pas­sie­ren, etwa die ver­se­hent­li­che Her­ab­stu­fung der Boni­tät Frank­reichs, ist nicht etwa ein Anlass, kei­nen Pfif­fer­ling mehr auf die Bewer­tun­gen jener Quar­k­na­sen zu geben, son­dern ein „schwer­wie­gen­der Vor­fall“, der umfang­rei­che Ermitt­lun­gen und viel Ver­zweif­lung nach sich zieht. Wenn man eben sonst kei­ne Sor­gen hat.

Über­haupt bin ich wil­lens, die Rele­vanz der Rating­agen­tu­ren mit dem eben­falls ziem­lich blöd­sin­ni­gen „ifo-Geschäfts­kli­ma­in­dex“ zu ver­glei­chen: Jeden Monat fragt das ifo-Insti­tut Unter­neh­men nach ihren Erwar­tun­gen für kom­men­de Geschäf­te und tippt das in Com­pu­ter ein, die das dann in Zah­len umwan­deln, die aus irgend­ei­nem Grund anschei­nend irgend­je­man­den inter­es­sie­ren. Nun bin ich in Sachen Finanz­wirt­schaft unge­fähr so beflis­sen wie Hel­mut Schmidt im Nicht­rau­cher­schutz und könn­te mich also gewal­tig irren, aber wenn ich jetzt zum Bei­spiel bei Volks­wa­gen anru­fe und fra­ge, ob man bis Ende des Jah­res eher mit Gewinn oder mit Ver­lust rech­net, dann ist die even­tu­el­le Ant­wort genau so aus­sa­ge­kräf­tig wie der Wet­ter­be­richt: Kann stim­men, muss aber nicht.

Es muss kein Zufall sein, dass die Rating­agen­tu­ren aus den USA jetzt gera­de den Euro auf dem Kie­ker haben, behaup­tet Dr. Paul Craig Roberts:

Aus sei­ner Sicht han­del­te es sich um eine fein abge­stimm­te Akti­on sei­tens des US-Finanz­mi­ni­ste­ri­ums, der Euro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), EU-Behör­den und der pri­va­ten Ban­ken, die fau­le Staats­schul­den in ihren Büchern füh­ren. Sie wol­len Deutsch­land in die Knie zwin­gen und dazu brin­gen, den Wider­stand gegen das Anwer­fen der Geld-Druck­ma­schi­ne sei­tens der EZB auf­zu­ge­ben. Damit soll das Über­grei­fen der euro­päi­schen Staats­schul­den­kri­se auf die USA ver­hin­dert wer­den, was anson­sten wohl die Chan­cen von Prä­si­dent Barack Oba­ma auf Wie­der­wahl bei den Wah­len im näch­sten Jahr ver­min­dern wür­de.

In den USA hat man ja auch der­zeit kei­nen Grund zur Sor­ge, alles läuft bestens, die Ban­kiers bekom­men wie­der groß­zü­gi­ge Bonus­zah­lun­gen für ihr „Enga­ge­ment“ und auch sonst hat man kei­ne gro­ße Lust dar­auf, sich von so etwas wie einer Finanz­kri­se, an der man, wie schon 1929, nicht ganz unschul­dig war, irgend­wie beein­flus­sen zu las­sen:

Ame­ri­ka­ni­sche Inve­sto­ren zei­gen sich unbe­ein­druckt von der Dro­hung der Rating­agen­tur Stan­dard and Poor’s (S&P), Län­der der Euro-Zone her­ab­zu­stu­fen.

„Die USA wer­den wohl kaum vor­erst grö­ßer auf die Dro­hung der US-Rating­agen­tur reagie­ren,“ sag­te Händ­ler Mar­kus Huber von ETX Capi­tal der FTD. „Die Ame­ri­ka­ner kon­zen­trie­ren sich der­zeit auf das Weih­nachts­ge­schäft. Der Wirt­schaft geht es bes­ser als erwar­tet.“

Käpt’n Offen­sicht­lich ist anschei­nend aus dem Urlaub zurück.

Put­zig fin­de ich übri­gens den Hin­weis, man habe Euro-Staa­ten zuvor vor der Her­ab­stu­fung „gewarnt“. Wäre ich ein Euro-Staat, ich krümm­te mich ange­sichts der Aus­sicht dar­auf, mein „supi­gut“ von irgend­ei­ner Hor­de Pri­vat­leu­te ohne beson­de­re Pri­vi­le­gi­en in ein „fast supi­gut“ umge­wan­delt zu bekom­men, ver­mut­lich vor Lachen am Boden, aber ich bin kein Euro-Staat. Die Euro-Staa­ten, die Euro-Staa­ten sind, krüm­men sich aber nicht vor Lachen am Boden, son­dern lau­fen wie auf­ge­schreck­te Hüh­ner durch die Gegend und fin­den es nicht etwa voll dol­le schlimm, dass ihre finan­zi­el­le Lage nicht rosig ist, son­dern, dass eine fie­se, gemei­ne Rating­agen­tur dafür auch noch eine schlech­te Note ver­gibt.

Ein Gutes haben die­se Agen­tu­ren jeden­falls an sich: Je mehr sie mit ihrem Quatsch beschäf­tigt sind, desto weni­ger Leu­te, die dort ange­stellt sind, sit­zen arbeits­los auf der Stra­ße her­um und sau­fen sich ins Koma. Dafür kann man sie gar nicht genug loben.

(Dan­ke an L.!)

Politik
Dauernd beschäftigt mit Hans-Peter Uhl

Hans-Peter Uhl, innen­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­ti­on der CDU/CSU im Bun­des­tag, gab laut heu­ti­ger „Braun­schwei­ger Zei­tung“ zum The­ma NPD-Ver­bot zu Pro­to­koll:

[D]er Kampf gegen extre­mi­sti­schen Wahn bleibt eine Dau­er­auf­ga­be.

Extre­mi­sti­scher Wahn ist p.d. ein Zustand, der sich gegen die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung rich­tet. Die­se frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche (auch: frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche) Grund­ord­nung hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bereits 1952 fol­gen­der­ma­ßen defi­niert:

Frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung im Sin­ne des Art. 21 II GG ist eine Ord­nung, die unter Aus­schluß jeg­li­cher Gewalt und Will­kür­herr­schaft eine rechts­staat­li­che Herr­schafts­ord­nung auf der Grund­la­ge der Selbst­be­stim­mung des Vol­kes nach dem Wil­len der jewei­li­gen Mehr­heit und der Frei­heit und Gleich­heit dar­stellt.

In ande­ren Wor­ten: Die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung besagt, dass die Regie­ren­den nach der Pfei­fe des Wahl­vol­kes zu tan­zen und sich an die Spiel­re­geln zu hal­ten haben.

Anfang 2010 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (die haben wohl viel zu tun dort) ver­kün­det:

Die Mas­sen-Spei­che­rung von Tele­fon- und Inter­net­da­ten zur Straf­ver­fol­gung ist unzu­läs­sig. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he ent­schied, dass die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung gegen die Ver­fas­sung ver­stößt.

Im Juli 2011 schwa­dro­nier­te Herr Uhl unbe­irrt daher:

Im Vor­feld muss die Über­wa­chung von Inter­net­ver­kehr und Tele­fon­ge­sprä­chen mög­lich sein. Nur wenn die Ermitt­ler die Kom­mu­ni­ka­ti­on bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie sol­che Taten ver­ei­teln und Men­schen schüt­zen.

Anläss­lich der Taten des „natio­nal­so­zia­li­sti­schen Unter­grun­des“ insi­stier­te er im Novem­ber 2011:

„Die gan­ze Repu­blik rät­selt, wie groß der brau­ne Sumpf in Deutsch­land ist“, sag­te der CSU-Poli­ti­ker der Neu­en Osna­brücker Zei­tung. Ohne Inter­net- und Tele­fon­ver­bin­dungs­da­ten der Mit­glie­der der rechts­ra­di­ka­len Zel­le dürf­te das schwer zu klä­ren sein. Der Bay­er appel­lier­te an den Koali­ti­ons­part­ner FDP, sei­nen Wider­stand gegen die Vor­rats­da­ten­spei­che­rung auf­zu­ge­ben.

Im Sin­ne von Hans-Peter Uhl bleibt da nur noch eines: Auf in den Kampf!
Er bleibt eine Dau­er­auf­ga­be.

Spaß mit Spam
Deine prikelnd heisse Zone

Prickelnd wie sonst nur „Mer­ko­zy“ – da sieht selbst Car­la Bruni alt aus, Alter – ist dann auch die HTML-for­ma­tier­te Müll­mail, die mich heu­te erreich­te und die außer dem übli­chen Wer­be­schmon­zes einen bemer­kens­wer­ten Auf­ma­cher beinhal­tet:

Dass das männ­li­che Modell auf mich eher wie die Inkar­na­ti­on eines Homo­se­xu­el­len-Kli­schees (und wie der eine Vam­pir da aus „Twilight“) wirkt, ist nicht ein­mal der pri­mär inter­es­san­te Aspekt an die­sem Aus­schnitt. Erwäh­nens­wer­ter ist der Text rechts dane­ben:

Dei­ne pri­va­te ero­tik Zone!

Total pri­vat; so pri­vat, dass die ersten tau­send kosten­los rein­kom­men. Mei­ne pri­va­te Ero­tik­zo­ne war bis­lang eigent­lich vor sol­chem Zulauf gefeit, aller­dings wird sie auch nicht in mir bekann­ten Mas­sen­mails bewor­ben. (Scha­de eigent­lich.)

Gleich nach dem Anmel­den wer­den dir dei­ne gewünsch­ten Part­ner vor­ge­stellt ohne lan­ge zu suchen.

Ein­mal abge­se­hen davon, dass ich unter „ein­an­der vor­stel­len“ in all mei­ner rück­stän­di­gen Spie­ßig­keit dann doch etwas ande­res ver­ste­he als „guck Bild, guck Tit­ten, jetz ficken!“, ist das gan­ze Anlie­gen frag­wür­dig: Man möch­te mir gern den Schräg­strich die gewünsch­ten Part­ner – woher auch immer man den Schräg­strich die „gleich nach dem Anmel­den“ ken­nen oder ermit­teln kön­nen soll – vor­stel­len, ohne lan­ge zu suchen; also mir qua­si den erst­be­sten Schrott andre­hen und ver­su­chen, ihn mir bei eher ver­hal­te­nem Inter­es­se schön­zu­re­den, oder wie?

Da kann ich auch in’ne Dis­co gehen.

Kre­iere dei­ne pri­kelnd hei­sse Zone!

So sehr ich das lei­der aus der Mode gera­te­ne Wort „kre­ieren“ auch schät­ze: Wenn etwas so heiß ist, dass es prickelt, soll­te man sich schleu­nigst davon ent­fer­nen, denn sonst gibt es nach­hal­ti­ge Ver­bren­nun­gen, die man nicht mit viel gutem Zure­den wie­der los­wird. Wer das nicht glaubt, der darf gern mal mit den Fin­gern in kochend hei­ßem Was­ser rüh­ren, bis die Nudeln gar sind.

Viel Glück!

Politik⁠In den Nachrichten⁠Montagsmusik
Blumfeld – Die Diktatur der Angepassten

Der ehe­mals grü­ne Josch­ka Fischer erklärt Krieg dann mal eben zur Josch­ka- statt Chef­sa­che:

Für Fischer ver­spricht das näch­ste Jahr nur fol­gen­de Optio­nen:

Krieg oder Nukle­ar­macht Iran? Oder eine durch­aus rea­li­sti­sche ande­re Vari­an­te: Krieg und dann Nukle­ar­macht Iran?”

Na Haupt­sa­che Krieg. Dass die Alter­na­tiv­lo­sig­keit des Bom­bens und Mor­dens durch den Auf­stieg Irans zur Atom­macht gera­de eben durch­bro­chen sein könn­te und unbe­dingt das Gegen­teil erfor­dert, soll­te man doch mei­nen. Oder ist der Atom­krieg inzwi­schen eine Opti­on unter ande­ren?

Die Medi­en hel­fen ihnen beim Dumm­sein, ein star­ker Staat hilft ihnen beim Stumm­sein…

14 – Blum­feld – Die Dik­ta­tur der Ange­pass­ten

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXX: Polizist sein macht Spaß, Kinder!

Ach­jeh:

Statt sei­nen vol­len Namen zu nen­nen, springt Poli­zei­haupt­mei­ster W. aus dem Strei­fen­wa­gen und rammt Mar­ti­na S. unver­mit­telt sei­ne Faust in den Bauch, dann greift er nach ihrem Arm, nimmt sie in den Poli­zei­griff und drückt ihren Kopf auf den Motor­hau­be. Die Hand­schel­len klicken. „Wegen Behin­de­rung der Poli­zei­ar­beit“, schnaubt er.

(…)

Vor der Poli­zei­dienst­stel­le erklärt die Frau den bei­den Poli­zi­sten, dass sie so lan­ge im Fahr­zeug war­ten wer­de, bis ihr Mann ange­kom­men sei. „Ich woll­te sicher­ge­hen, dass noch eine wei­te­re Per­son von dem Ver­hal­ten der Poli­zei­be­am­ten Kennt­nis hat.“ Haupt­mei­ster W. blafft: „Ich ent­schei­de, was hier geschieht“, und packt Mar­ti­na F. an den Haa­ren. Sie stol­pert aus dem Auto. W. schleift sie meh­re­re Meter über den Boden.

(…)

Poli­zei­haupt­mei­ster W. (…) steht schon weni­ge Tage spä­ter vor Hun­der­ten Schul­kin­dern und erklärt, wie­so er ger­ne Poli­zist sei: Es sei ein abso­lut span­nen­der Beruf. Jeder Tag brin­ge etwas Neu­es.

Recht und Ord­nung, ein span­nen­der Beruf; und mit Schwä­che­ren prü­geln könnt ihr euch auch! Ist das nicht ein­fach fabel­haft?
(Die Reak­ti­on der Schul­kin­der ist nicht über­lie­fert.)

Fotografie
Wintertees’s

„Guck mal, Mami, ganz vie­le Teee!“ – „Das heißt Tees’s, mein Kind!“

(Abt.: „Das schreibt man heu­te so.“ und „Irgend­wo kam doch da ein s hin?“)

Nur für kur­ze Zeit, danach gibt es wie­der Tees.

Sonstiges
Beliebige Gewinne

Ja, Fir­ma APC™, zur Weih­nachts­zeit wer­den oft die merk­wür­dig­sten Ange­bo­te ange­prie­sen, nam­haf­te Her­stel­ler schleu­dern ihre Pro­duk­te zu, nun ja, Schleu­der­prei­sen auf den Markt wie zur Ver­höh­nung derer, die ihr sau­er erspar­tes Geld für die­se Pro­duk­te aus­ge­ge­ben hat­ten.

Dass die poten­zi­el­len Kun­den im Mar­ken­rausch eigent­lich gar nicht mehr so viel Wert auf die Unter­schei­dung legen, was sie da eigent­lich in Aus­sicht gestellt bekom­men, so lan­ge es nur teu­er ist und sich also zum Prah­len eig­net, haben eure, Fir­ma APC™, Wer­be­stra­te­gen schnell erkannt und für eure neue Wer­be­kam­pa­gne, die mir in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift c’t auf­fiel, das Prin­zip des rus­si­schen Prä­mi­en­rou­lettes erdacht:

Mit etwas Glück gewinnt man einen die­ser neu­mo­di­schen all-in-one PCs – nur echt mit Dep­pen Leer­zei­chen – des Unter­neh­mens Leno­vo, obwohl man eigent­lich nur an der Ver­lo­sung eines iPods teil­nimmt; oder anders­her­um oder bei­des oder gar nichts, je nach Lust und Lau­ne.

Aber immer­hin kosten­los.

Netzfundstücke⁠Piratenpartei
Krüppelkeile: Wichtige Blogger gegen Onlineparteien

Vor etwas über einem Jahr ließ ich mich schon über das Selbst­ver­ständ­nis der „Blogo­sphä­re“ aus, kon­kret über Leu­te, die sich für sonst­wie wich­tig hal­ten, weil sie es geschafft haben, ein Word­Press auf­zu­set­zen. Wer glaubt, ich hät­te damals über­trie­ben, dem lie­fe­re ich gern ein aktu­el­les Bei­spiel, das mir gera­de im RSS-Leser erschien.

Blog­ger „Welt­herr­scher“ näm­lich hat­te für den anste­hen­den Bun­des­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei eine Pres­se­ak­kre­di­tie­rung bean­tragt und schei­ter­te damit, und statt ein­mal dar­über nach­zu­den­ken, ob sein Ver­ständ­nis von Pres­se viel­leicht nicht von der Mehr­heit geteilt wird, gibt es ver­ba­le Kei­le wie zum Beweis dafür, dass die Ableh­nung kei­ne schlech­te Idee war:

Anschei­nend sind Blog­ger in Deutsch­land, immer wenn es um irgend­was geht, immer noch die Arsch­lö­cher, die zwar Online (sic!) längst die Mei­nungs­ho­heit erlangt haben, aber Off­line als “Bäh” ange­se­hen wer­den. (…) Lie­be Pira­ten, es ist gera­de zu (sic!) gro­tesk, dass ihr Online (sic!) so völ­li­ge Ver­sa­ger seid! (…) Die Tat­sa­che, dass die Pira­ten­par­tei bzgl. der Unter­schei­dung zwi­schen “Pres­se” und “Blog­gern” so was von Mit­tel­al­ter­lich (sic!) denkt, ist eigent­lich ein Trep­pen­witz. Und selbst nach Jah­ren blickt ihr es immer noch nicht: Wenn ihr irgend­wo Stim­men “machen” könnt, dann Online (sic!). Denn die Off­line-Welt braucht kei­ne Pira­ten­par­tei, weil sie euch schlicht nicht ken­nen!

Besag­ter Arti­kel steht exem­pla­risch für eine gan­ze Gene­ra­ti­on von Blog­gern, die glau­ben, der Umstand, dass sie bekann­te „Kol­le­gen“ wie Sascha Lobo und Anke Grö­ner in ihre blogroll wie in ein Sam­mel­al­bum kle­ben, recht­fer­ti­ge ihr Selbst­bild als essen­zi­el­ler Bestand­teil der deut­schen Nach­rich­ten­welt.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die in deut­schen Medi­en gele­gent­lich Erwäh­nung fin­den, außer Herrn Lobo etwa Fefe, John­ny Haeus­ler, Mar­kus Becke­dahl und der­glei­chen. Auch die­se aber haben kei­ne „Mei­nungs­ho­heit“, wenn­gleich sie von vie­len Men­schen als Nach­rich­ten­fil­ter genutzt wer­den. Ich lese zum Bei­spiel regel­mä­ßig die Blogs der letz­te­ren drei Her­ren, ihre Mei­nung jedoch ent­spricht sel­ten der mei­nen. Der erste zitier­te Satz ist also nichts mehr als nei­di­sches Geplär­re eines Blog­gers, der nicht wahr­ha­ben will, dass „Blog­gen ist Jour­na­lis­mus“ von Wie­der­ho­lung nicht rich­ti­ger wird, zumal man „rich­tig“ eigent­lich nicht stei­gern kann.

Zu Jour­na­lis­mus gehört eben ein biss­chen mehr als „Zeug ins Inter­net tun“, gera­de auch zu weni­ger seriö­sem Jour­na­lis­mus. An jeman­den, der sich „Welt­herr­scher“ nennt und ein wenig bekann­tes Blog namens „Die Welt ist Schei­sse“ (sic!) führt, wer­den natür­lich auch kei­ne locke­re­ren Bedin­gun­gen gestellt als an tat­säch­li­che Pres­se­or­ga­ne. Ein wich­ti­ges Instru­ment des Jour­na­lis­mus‘ ist Recher­che, und wer die Pira­ten­par­tei schon ein­gangs als „Inter­net­par­tei“ bezeich­net und das wahr­schein­lich auch noch abwer­tend meint („die wol­len mich nicht akkre­di­tie­ren, jetzt beschimp­fe ich sie, das haben sie jetzt davon“, so geht es halt auch bzw. nicht), der hat da was nicht ver­stan­den.

Wie er halt selbst sei­ne Inten­tio­nen nicht zu ver­ste­hen scheint: Eine „Inter­net­par­tei“, die off­line, so schrieb der „Welt­herr­scher“ offen­kun­dig ohne vor­he­ri­gen Blick ins Par­tei­pro­gramm, kei­ne Rele­vanz besit­ze, ist ihm doch wich­tig genug, dass er als Onlinetyp an einer Off­linever­an­stal­tung, über die selbst­ver­ständ­lich die mei­sten Off­linemedi­en des Lan­des berich­ten wer­den (die er, „Welt­herr­scher“, aller­dings offen­bar alle­samt nie gele­sen hat), unbe­dingt teil­neh­men möch­te. Dass ihm das nur als Gast, nicht aber als wich­ti­ge Pres­se gestat­tet wor­den ist, wer­tet er nicht etwa als einen akzep­ta­blen Kom­pro­miss, son­dern als „Online-Ver­sa­gen“ der Par­tei. Klar: Einem x‑beliebigen Blog­ger gegen­über jedem ande­ren Gast auf einem Par­tei­tag kei­nen Son­der­sta­tus ein­zu­räu­men ist so was von Mit­tel­al­ter, nur der „Welt­herr­scher“ lebt im Hier und Jetzt in sei­ner klei­nen, gemüt­li­chen Blog­ger­welt und freut sich einen Ast dar­auf, dass ihm die CeBIT jedes Jahr Pres­se­aus­wei­se spen­diert, und kann nicht ver­ste­hen, dass ihn das noch nicht zu einem Pres­se­ver­tre­ter macht, denn dazu braucht es mehr, und sei es nur ein rich­ti­ger Pres­se­aus­weis.

Kon­fron­tiert mit die­sen Ein­wän­den reagier­te der „Welt­herr­scher“ ledig­lich mit „bla­bla­bla..“; klar, so ein Luft­schloss kostet eben Mie­te, und es wäre doch zu scha­de, sich ein­ge­ste­hen zu müs­sen, dass man sich das Geld eigent­lich auch hät­te spa­ren kön­nen.

Nichts­de­sto­trotz ver­bleibt er mit einer Ehrung:

Ich über­rei­che euch hier­mit den Abso­lu­ten-Online-Loser-Voll­horst-Preis!

Die Qua­li­fi­ka­ti­on für das Stif­ten die­ses Prei­ses möch­te ich Herrn „Welt­herr­scher“ kei­nes­falls abspre­chen; aber ein wenig beschä­mend ist das ja schon.

Persönliches⁠Fotografie
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Nachmittags in der Adventszeit (Versuch 6)

Man latscht bedäch­tig durch die engen Stra­ßen der Stadt, vor­bei an Men­schen, deren Hek­tik der offen geleb­ten Besinn­lich­keit zuwi­der­läuft. Bereits von Wei­tem ist der Weih­nachts­markt zu erah­nen, zwar noch nicht mit Weih­nachts­lie­dern beschallt, aber von viel­fa­chen Stim­men und Imbiss­duft umwölkt. Nach­denk­lich sieht sich der stil­le Beob­ach­ter inmit­ten unecht lächeln­der Zeit­ge­nos­sen ste­hen und hört aus den zwi­schen Tand und Tin­nef sowie Wurst- und Fisch­ver­käu­fern nur leid­lich gut ver­steck­ten Glüh­wein­bu­den das lei­ern­de Lachen offen­bar enger Freun­de des Weih­nachts­fe­stes, dem auch das Karus­sell gegen­über nicht viel ent­ge­gen­zu­set­zen ver­mag.

„Ein Fest für die gan­ze Fami­lie“, denkt man und ver­zieht sein zwei­tes Gesicht zu einem gequäl­ten Lächeln, sieht man doch gan­ze Fami­li­en hier beim Ver­such, ihre weih­nacht­li­che Stim­mung um kei­nen Preis zu ver­lie­ren. Glück­lich sehen hier eher die Augen der Buden­be­sit­zer als die der Kin­der aus, aber viel­leicht täuscht die­ser Ein­druck auch, zie­hen doch die Rauch­schwa­den der Imbis­se unver­min­dert vor­über.

Nach eini­gen Minu­ten erwacht man aus sei­ner Gedan­ken­welt und tritt, noch immer beein­druckt, den Rück­zug durch die fest­lich geschmück­te Stadt an, in der sich doch nicht vie­les geän­dert hat.

Wie damals in Alas­sio beginnt auch hier die Luft sich mit Ben­zin und Tabak­qualm zu fül­len, je wei­ter man sich vom Ort des Gesche­hens ent­fernt. Das „quack-quack-quack“ der Enten klingt, als lach­ten sie den Vor­über­ge­hen­den aus.

Viel­leicht tun sie das.

Politik⁠In den Nachrichten
Vorerst erfolgreich

Soll­te es in all dem Tru­bel um die wan­kel­mü­ti­gen Stutt­gar­ter (sie lie­fern sich Gefech­te mit der Poli­zei und wäh­len die Regie­rung ab, weil sie kei­nen Bahn­hof wol­len, nur um dann der neu­en Regie­rung, die das Pro­jekt Stutt­gart 21 ablehnt, den Auf­trag zum Wei­ter­bau des­sel­ben zu ertei­len; das ver­ste­he, wer will) unter­ge­gan­gen sein: Die Gefahr der Rück­kehr des Herrn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg ist längst nicht gebannt.

Dass er Feh­ler in sei­nem Tun erkennt, behaup­tet er zwar gele­gent­lich, aber er wird nicht müde, neue Schul­di­ge zu fin­den. An sei­nem Ver­sa­gen sei der­zeit der Uni­ver­si­tät Bay­reuth gele­gen:

Die Hoch­schu­le sei in dem Pla­gi­ats­fall „lei­der nicht unab­hän­gig“ gewe­sen, son­dern habe offen­bar aus Angst vor dem Ver­lust von For­schungs­gel­dern vor­schnell ge- und ver­ur­teilt, sag­te Gut­ten­berg in dem Inter­view-Buch „Vor­erst geschei­tert“, das am Diens­tag erscheint.

Na, so was – ein Buch. Wer ihm das wohl geschrie­ben hat?

Auch bei einem Anse­hens­ver­lust hät­te die Wis­sen­schafts­ein­rich­tung „nicht Regeln und den Schutz von Per­sön­lich­keits­rech­ten über Bord wer­fen“ dür­fen, beton­te Gut­ten­berg in dem Buch. Er sei schließ­lich kein „Betrü­ger“. (…) Erneut ver­si­cher­te Gut­ten­berg, er habe bei sei­ner Dis­ser­ta­ti­on „selbst­ver­ständ­lich“ kei­nen Ghost­wri­ter gehabt.

Rich­tig, die Uni­ver­si­tät durf­te nicht Regeln, etwa das Ver­bot des Pla­gi­ie­rens, und den Schutz von Rech­ten, etwa der Urhe­ber­rech­te der Autoren der Tex­te, aus denen sei­ne Dis­ser­ta­ti­on zusam­men­ko­piert war, miss­ach­ten; und hat genau des­halb das Rich­ti­ge getan. Ihm ist immer­hin anzu­rech­nen, dass er kei­nen ghost­wri­ter hat­te, son­dern in mühe­vol­ler Klein­ar­beit aus jeder Quel­le mit sei­ner eige­nen Hän­de Arbeit abge­schrie­ben hat. Ob sein Tun juri­stisch als Betrug zu wer­ten ist, ist mir nicht bekannt, sei­ne Ver­su­che aber, die Fol­gen als Ver­schwö­rung von Nei­dern dar­zu­stel­len, zei­gen feh­len­de Ein­sicht und sind zumin­dest von Ruf­schä­di­gung nicht weit ent­fernt. Ein Betrü­ger mag er nicht sein, ein Blen­der wird er blei­ben, da hel­fen kei­ne Pil­len; und als ein sol­cher ist er im Politzir­kus sicher­lich nicht ver­kehrt.

Das weiß er selbst:

Eine Rück­kehr nach Deutsch­land und auch in die Poli­tik schloss Gut­ten­berg nicht aus.

Da freu­en sich Deutsch­land und die Poli­tik natür­lich sehr. Was die­ses Land braucht, sind inte­gre Poli­ti­ker mit strah­len­der Per­sön­lich­keit. Nur: Wohin mit dem ollen Gut­ten­berg? In der CSU möch­te er anschei­nend nicht wei­ter­ma­chen:

Die CSU ste­he vor der Gefahr, zu einer Regio­nal­par­tei abzu­stei­gen.

Viel­leicht soll­te mal jemand Herrn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg dar­auf hin­wei­sen, dass die CSU außer­halb des Frei­staa­tes Bay­ern nicht exi­stiert und Bay­ern ledig­lich eines von über zehn Bun­des­län­dern in Deutsch­land ist. Man sehe es ihm aber nach, dass ihm das bis­lang nicht bekannt war: So ein deut­scher Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster hält sich eben auch in sei­ner Amts­zeit nur sel­ten im Inland auf.

Beim SPIEGEL, wo man auch die Abschaf­fung des Adels­stan­des noch nicht bemerkt hat und ihn, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, wei­ter­hin einen „Adli­gen“ nennt, bestä­tigt man die Befürch­tung:

Er selbst will Ende Janu­ar erst­mals wie­der vor gro­ßem Publi­kum in Deutsch­land auf­tre­ten: Aus­ge­rech­net beim Kar­ne­val.

Und zwar nicht etwa als Berufs­clown, wie es Nor­bert Blüm nach sei­ner Tätig­keit in der Bun­des­po­li­tik zu prak­ti­zie­ren beschloss, son­dern als Lau­da­tor, denn so eine Lau­da­tio braucht ja immer jeman­dem, der über den zu Ehren­den wah­re, wei­se Wor­te spricht. Weil der SPIEGEL im Rest des Arti­kels eben­so wie auch N24 reich­lich auf die Wer­be­trom­mel für des „Adli­gen“ Buch schlägt, ist es der­weil nicht ver­wun­der­lich, dass sel­bi­ges in der Erst­auf­la­ge bereits „fast ver­grif­fen“ ist.

Den Erlös kann er, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, ja zum Bei­spiel nut­zen, um die Lizenz­rech­te an sei­nen hand­ver­le­se­nen Quel­len zu erwer­ben. Aber war­um soll­te er das tun?

(Dan­ke an L.!)

Montagsmusik
Erste Allgemeine Verunsicherung: Ihr Kinderlein kommet (verdammt noch einmal)

Nach­dem die mei­sten mei­ner Leser wahr­schein­lich bereits die Nase voll haben von Leb­ku­chen und Domi­no­stei­nen, kann die Advents­zeit ja nun sinn­voll ver­bracht wer­den; zum Bei­spiel mit nach außen hin zele­brier­ter Besinn­lich­keit, obwohl man sich eigent­lich gar nicht besinn­lich fühlt, und den letz­ten hek­ti­schen Weih­nachts­ein­käu­fen, denn man hat zwar eigent­lich gera­de nicht viel Geld oder auch nur Lust, ernst­haft von Her­zen ein Geschenk aus­zu­su­chen, aber es muss ja sein, denn bald ist Weih­nach­ten, und da macht man das halt so; wenn die Lie­be zur eige­nen Fami­lie wäh­rend der ande­ren 11 Mona­te im Jahr schon nicht genügt, um ein Fest der Fami­lie zu fei­ern oder den Men­schen, denen man viel ver­dankt, hin und wie­der etwas mate­ri­el­le Auf­merk­sam­keit zu schen­ken.

Es ist jedes Jahr das­sel­be: Elf Mona­te im Jahr ver­ge­hen ohne einen Gedan­ken an das Chri­sten­tum zu ver­schwen­den, womög­lich gar, ohne sich um die Gebo­te als Grund­satz der Chri­sten zu sche­ren, im zwölf­ten Monat dann ist man dank­bar für den Ablass­han­del, den die Kauf­häu­ser gewäh­ren. Die See­le wird rein von der Nach­läs­sig­keit, die man ihr ange­dei­hen ließ, wenn man drei Tage lang Zeit und Geld für nahe Men­schen auf­wen­det. Chri­sten­tum? Ach, i wo. Aber Weih­nach­ten, das macht man eben so.

Sagt jeden­falls die Wer­bung, und die muss es ja wis­sen.

Man möch­te nicht dar­über nach­den­ken, man möch­te nicht aus der Rei­he fal­len. Alle schen­ken, also schen­ke ich mit, auch denen, die ich eigent­lich nicht mag; mit einem fal­schen Lächeln im Gesicht und Ebbe in der Geld­bör­se, aber es kommt ja von Her­zen, redet man sich und dem Gegen­über ein.

Hört den Klang der Glocken, kauft und sin­get Hal­le­lu­ja!

Das befreit von der See­len­last und ret­tet den Euro. Amen, Bru­der.

Netzfundstücke⁠In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXIX: … aber für’s Fernsehen niemals!

Ach­wat, Sarah Kutt­ner?

Sich selbst fin­det Kutt­ner „viel harm­lo­ser, als alle glau­ben: anstän­dig, nicht ernst­haft rabau­kig“, und sie sage „nicht am lau­fen­den Band ficken, kacken, kot­zen. Ich bin nicht anstren­gend, und nackig mach ich mich im TV schon gar nicht“, so die Autorin (…).

Das wäre bekannt­lich unter ihrer Wür­de. Sie weiß, wovon sie spricht, soll­te man mei­nen:

Im Juli 2003 erschie­nen von ihr Akt­fo­tos in der deut­schen Aus­ga­be des Play­boy.

Und Frau Kutt­ner dann so:

„(…) Besten­falls muss man auf sein eige­nes Wer­te­sy­stem ver­zich­ten. Ein erfolg­rei­cher Mode­ra­tor ist sich für kaum etwas zu scha­de.“

Außer halt fürs Fern­se­hen.

(via @chriszim (via @janboehm))

In den Nachrichten⁠Piratenpartei
Hilfe, schon wieder Unterwanderung!

Posi­tiv: Der Vor­wurf, die Pira­ten­par­tei wür­de von der NPD unter­wan­dert, ist inzwi­schen bei­na­he ver­hallt.

Nega­tiv: Statt­des­sen muss sich die Pira­ten­par­tei nun den Vor­wurf gefal­len las­sen, ihre Trans­pa­renz sei von Nach­teil.

Der Hin­ter­grund: Das Pira­ten­pad, eine kol­la­bo­ra­ti­ve Platt­form, die unter ande­rem als vir­tu­el­ler AG-Tagungs­raum inner­halb der Pira­ten­par­tei dient, aber auch von den Auf­stän­di­schen in eini­gen die­ser neu­mo­di­schen Revo­lu­ti­ons­län­der zur Koor­di­na­ti­on genutzt wur­de und wird, beinhal­te­te kürz­lich Ver­wei­se auf Kin­der­por­no­gra­fie, nach aktu­el­lem Kennt­nis­stand von Mit­glie­dern des Kol­lek­tivs Anony­mous im Rah­men derer Bemü­hun­gen, aktiv gegen eben­sol­che vor­zu­ge­hen, ein­ge­stellt, und wur­de dar­auf­hin her­un­ter­ge­fah­ren. Dass sich die Auf­merk­sam­keit jetzt auf die Pira­ten­par­tei kon­zen­triert, ist erstaun­lich, denn ob die frag­li­chen Sei­ten inzwi­schen erfolg­reich bekämpft wor­den sind, scheint nie­man­den zu inter­es­sie­ren; „erschlagt den Boten!“ lau­tet das Mot­to.

Tat­säch­lich ist die Pira­ten­par­tei fein her­aus: Die unver­züg­li­che Abschal­tung nach Kennt­nis­nah­me der Sach­la­ge soll­te juri­sti­sche Kon­se­quen­zen ver­mei­den, zumal nicht nach­voll­zo­gen wer­den kann, wer die frag­li­chen Inhal­te ein­ge­stellt hat. Selbst­ver­ständ­lich ver­zich­tet man als EDV-Ver­ant­wort­li­cher bei der Pira­ten­par­tei auf die Spei­che­rung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten wie der IP-Adres­se.

Und in der Pres­se klingt das dann so:

Es ist nicht das erste Mal, dass der Anspruch auf Trans­pa­renz und Durch­läs­sig­keit für die Par­tei zum Eigen­tor wird. Der Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len warn­te kürz­lich vor einer Unter­wan­de­rung durch Sci­en­to­lo­gy, auch hat­te die Par­tei Ärger wegen Neu­mit­glie­dern mit NPD-Ver­gan­gen­heit.

Zu der Unter­wan­de­rung durch Sek­ten, Ver­harm­lo­ser lin­ken Extre­mis­mus‘ und die NPD kommt nun auch noch eine Unter­wan­de­rung durch Leu­te, die Kin­der­por­no­gra­fie bekämp­fen wol­len. Man hat es nicht leicht als Pira­ten­par­tei.

Und weil jeder Arti­kel eine gute Über­schrift braucht, greift man tief in die Kom­po­si­ta­ki­ste der „BILD“ …

Kin­der­por­no-Pan­ne erschüt­tert Pira­ten­par­tei

…, auf dass die Leser­schar, deren kon­ser­va­ti­ve­re Ele­men­te grund­sätz­lich bei jedem pro­gres­si­ven Gedan­ken den Welt­un­ter­gang her­auf­be­schwö­ren, sich gar nicht erst mit dem Text befas­sen, son­dern gleich wie­der die Cau­sa Tauss zitie­ren möge, „war ja auch irgend­was mit Kin­der­por­nos“.

Dass „Anony­mous“ inzwi­schen die Urhe­ber­schaft der frag­li­chen Ver­wei­se zuge­ge­ben und sich ent­schul­digt hat, nimmt man in der Öffent­lich­keit eben­so wenig wahr wie den eigent­li­chen Inhalt des mitt­ler­wei­le gelösch­ten Pads:

Aller­dings haben die auf dem Pad vor­han­de­nen Links _nichts_ mit Kin­der­por­no­gra­phie direkt zu tun. Es waren Links zu Foren, in wel­chen sich pädo­phi­le Men­schen tref­fen und aus­tau­schen. Zudem wur­de eines der genann­ten Foren in Schwe­den geho­stet, was wir nicht tole­rie­ren.

Es ist wirk­lich eine Schwei­ne­rei von der Pira­ten­par­tei, es zuzu­las­sen, dass sich anony­me Inter­net­be­nut­zer mit­hil­fe ihrer Infra­struk­tur über Metho­den zur Unter­bin­dung kin­der­por­no­gra­fi­scher Akti­vi­tä­ten im Inter­net aus­tau­schen. Da sieht man mal wie­der, wohin die­se Frei­heit im Inter­net führt.

Mit der Vor­rats­da­ten­spei­che­rung wäre das alles nie pas­siert!

(Dan­ke an M.!)

Politik⁠Persönliches
Quotenkompetenz

Als Ange­stell­ter im öffent­li­chen Dienst erlebt man so man­che Über­ra­schung.

Heu­te zum Bei­spiel erreich­te mich neben dem gewohn­ten Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al betreffs mei­ner Arbeits­zeit­ver­gü­tung auch ein Brief der nie­der­säch­si­schen Mini­ste­rin für Sozia­les, Frau­en, Fami­lie, Gesund­heit und Inte­gra­ti­on (Män­ner inter­es­sie­ren eben nie­man­den), die tref­fen­der­wei­se Aygül Özkan heißt und somit für min­de­stens zwei ihrer fünf Ämter sogar ein wenig Fach­kom­pe­tenz besit­zen dürf­te, in wel­chem sie – oder einer ihrer Bedien­ste­ten – mich bat, an einer Umfra­ge teil­zu­neh­men. Den Brief habe ich im Dienst der Trans­pa­renz und der Infor­ma­ti­on mei­ner Leser im Fol­gen­den ein­mal kopiert und die bemer­kens­wer­ten Stel­len her­vor­ge­ho­ben:

Es geht also in Kurz­form dar­um, dass Frau Özkan im öffent­li­chen Dienst ihres­glei­chen ver­misst. Etwa 17 Pro­zent der Nie­der­sach­sen sind nicht von hier, und da man im Amt für Sozia­les, Frau­en, Fami­lie, Gesund­heit und Inte­gra­ti­on offen­bar gera­de die genau­en Zah­len nicht fin­den kann, hat man dort beschlos­sen, ein­mal her­um­zu­fra­gen, ob die­se Zahl sich auch im Ver­hält­nis der vom Land Beschäf­tig­ten wie­der­fin­den lässt. Bei unge­fähr 17 Pro­zent „betrof­fe­nen“ Nie­der­sach­sen ist es doch sicher mög­lich, eine Migran­ten­quo­te von min-des-tens 50 Pro­zent hin­zu­be­kom­men, sofern das nicht mit der Frau­en­quo­te kol­li­diert. Beson­ders gern gese­hen sind also, wahr­schein­lich, behin­der­te weib­li­che Migran­ten; Ver­zei­hung, es muss natür­lich „behin­der­te weib­li­che Migran­t/-innen“ hei­ßen. Kom­pe­tenz ist, wie üblich, zweit­ran­gig. (Nur, falls sich noch jemand wun­dert, wie­so nie­der­säch­si­sche Behör­den nicht für ihre Effi­zi­enz bekannt sind.)

War­um ich das Anschrei­ben in der heu­ti­gen, zum Nach­teil ein­hei­mi­scher Män­ner „poli­tisch (und sexi­stisch) kor­rek­ten“ Zeit über­haupt für erwäh­nens­wert hal­te, erklärt die zwei­te Sei­te des­sel­ben:

Denn war­um soll­te man im öffent­li­chen Dienst auch arbei­ten, wenn man statt­des­sen Umfra­gen aus­fül­len kann? Sicher, „10 bis 15 Minu­ten“ klingt nicht nach viel Ver­lust, aber man soll­te nicht ver­ges­sen, dass nicht jeder von der Bedie­nung des Inter­nets all­zu viel Ahnung hat, so dass es auch etwas län­ger dau­ern kann. Die erwähn­te Inter­net­sei­te wird etwas kon­kre­ter und erwähnt neben dem Umstand, dass außer der Her­kunft auch das Geschlecht und das Alter sehr wich­tig sind, wenn man im öffent­li­chen Dienst zukünf­tig einen Arbeits­platz bekom­men möch­te, auch die­ses Detail:

Ins­ge­samt wer­den rund 222.000 Bedien­ste­te gebe­ten, bis zum 20. Janu­ar 2012 Aus­kunft über ihren mög­li­chen Migra­ti­ons­hin­ter­grund und ihr Beschäf­ti­gungs-ver­hält­nis zu geben sowie eini­ge zusätz­li­che Anga­ben zu machen.

  • Rund 222.000 Bedien­ste­te wer­den offi­zi­ell dazu auf­ge­ru­fen, durch­schnitt­lich 15 Minu­ten ihrer Arbeits­zeit damit zu ver­brin­gen, dem Mini­ste­ri­um ihre Per­son zu erläu­tern; klar: Woher soll­te so ein Mini­ste­ri­um auch wis­sen, wer im Dienst des Lan­des steht? Das macht nach Adam Rie­se und calc.exe 3,3 Mil­lio­nen Minu­ten, 55.500 Stun­den oder 2.312,5 Tage (das sind eini­ge Jah­re), die auf Kosten des Steu­er­zah­lers erwünscht ver­plem­pert wer­den.
  • Rund 222.000 Aus­fer­ti­gun­gen vor­lie­gen­den Schrei­bens kosten den Steu­er­zah­ler nach den übli­chen Brief­be­för­de­rungs­prei­sen ins­ge­samt über 122.000 Euro.

Und das alles, nur noch ein­mal zur Erin­ne­rung, nur, weil Frau Özkans Mini­ste­ri­um der Mei­nung ist, Migran­ten sei­en unab­hän­gig von ihrer fach­li­chen Kom­pe­tenz oder son­sti­gen Qua­li­tä­ten bei der Ver­ga­be von Arbeits­plät­zen zu bevor­zu­gen. Arbeits­lo­se Deut­sche gibt es eben noch nicht genug – als Mini­ste­rin für Sozia­les weiß man so etwas ja meist.

„Auch les­bi­sche schwar­ze Behin­der­te kön­nen ätzend sein.“
– Die Toten Hosen

(Für eif­ri­ge Leser: Wer alle Gram­ma­tik­schnit­zer in obi­gem Anschrei­ben fin­det, bekommt ein vir­tu­el­les Schul­ter­klop­fen von mir.)