In den Nachrichten⁠Wirtschaft
Kurz verlinkt LXXIII: Mittelstand und Unverstand

Falls noch jemand dach­te, dass die F.D.P. ihre wit­zi­gen Umfra­ge­wer­te zum Anlass neh­men könn­te, ihre Stamm­kli­en­tel, die so genann­ten „Bes­ser­ver­die­nen­den“ aus dem so genann­ten „Mit­tel­stand“, kri­tisch zu über­den­ken und gege­be­nen­falls zu wech­seln, dann hat er nicht mit Patrick Döring gerech­net:

Gewerk­schafts­chef Som­mer hat­te sich in der „Bild am Sonn­tag“ für die Ein­füh­rung einer Rei­chen- und einer Ver­mö­gen­steu­er, die Erhö­hung der Erb­schaft­steu­er sowie die Besteue­rung von Finanz­trans­ak­tio­nen aus­ge­spro­chen. Döring kri­ti­sier­te die­se Vor­schlä­ge als „ein Pro­gramm gegen den deut­schen Mit­tel­stand“, das auf Kosten der Arbeits­plät­ze und auch des Staats­haus­halts gehe.

Wir wol­len ja die Acker­män­ner und Maschmey­er und ihr Geld nicht ver­grau­len, nich‘ wahr?


Ach, übri­gens, die Glei­chung E = m*c² soll­te jedem Men­schen bekannt sein, der hier­zu­lan­de mal so was wie eine Schu­le besucht hat; auch, dass es „c Qua­drat“ und nicht „c zwei“ am Ende heißt. Des­halb ist es eigent­lich unver­zeih­lich, dass der „Frei­tag“ aus­ge­rech­net in der Rubrik „Wis­sen“ bereits am Don­ners­tag so etwas ver­öf­fent­li­chen ließ:

[Das Elek­tro­nen­volt] beschreibt die Mas­se m in Form der Ener­gie E – errech­net aus Ein­steins For­mel E=mc2, wobei c die Licht­ge­schwin­dig­keit ist[.]

Aber mon­tags ist man ja immer etwas mil­der gestimmt. Immer die­se Wochen­en­den.

Montagsmusik
The Toten Crackhuren im Kofferraum – Ich hab keinen Spaß

Zur Lage der Nati­on (und weil ich den Band­na­men so lustig fin­de) sowie im Dienst des schlech­ten Geschmacks schla­ge ich vor, die Woche mit „Ich hab kei­nen Spaß“ von The Toten Crack­hu­ren im Kof­fer­raum begin­nen zu las­sen. Ich hof­fe, die­ser Vor­schlag fin­det Zustim­mung.

DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM – kein Spass (in Neu­ka­len 27.11.2010)

Gegen­tei­li­ge Mei­nun­gen sind zu spät.

Piratenpartei
Piraten und der Esoterror

Ach, das ist ja gera­de­zu furcht­bar: Die Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei, Danie­la Scher­ler, hängt pri­vat eso­te­ri­scher Alter­na­tiv­me­di­zin an, wor­über sie auch Bücher schreibt, in denen sie angeb­lich – ich habe das jetzt aus Grün­den nicht selbst über­prüft – schwer Kran­ken (etwa Krebs- oder AIDS-Erkrank­ten) zu ver­ste­hen gibt, sie sei­en selbst schuld an ihrem Zustand. Gut, bei AIDS kann man sich jetzt dar­über strei­ten, inwie­weit eine Erkran­kung ver­meid­bar wäre.

SPIEGEL Online hat vor­geb­lich nach­ge­le­sen:

An einer Stel­le schreibt sie etwa über das Fasten. Sie sei sich vor­her sicher gewe­sen, die Zeit locker zu über­le­ben. Es gebe aber Men­schen, die in ver­gleich­ba­ren Situa­tio­nen ster­ben wür­den, „weil sie noch in ihrem begrenz­ten Ego-Den­ken gefan­gen sind“.

Als Bei­spiel zieht Scher­ler dafür eine Flug­zeug­ka­ta­stro­phe her­an: Sie habe davon gele­sen, dass nach dem Unglück in den Ber­gen eini­ge der Über­le­ben­den gestor­ben sei­en, nach­dem sie drei Tage nichts zu essen hat­ten: „Und das, weil sie sich nicht vor­stel­len konn­ten, län­ger ohne Essen zu über­le­ben. Sie mani­fe­stier­ten so unbe­wusst ihr Ver­hun­gern.“

Die Ver­hun­ger­ten waren also selbst schuld? Zu ganz ähn­li­chen Ergeb­nis­sen kommt sie, wenn es um Krank­hei­ten geht. Die­se sei­en die „ ‚Quit­tung für (fal­sches) Pro­jek­ti­ons­ver­hal­ten“, meint Scher­ler.

Tja, ihr bei SPIEGEL Online, Lesen und Ver­ste­hen sind eben zwei Din­ge. Eure gan­ze Argu­men­ta­ti­on steht und fällt mit der von mir hier her­vor­ge­ho­be­nen, ver­meint­lich rhe­to­ri­schen Fra­ge. Dabei hat Frau Scher­ler von „Schuld“ über­haupt nichts geschrie­ben, nur von man­geln­der Dis­zi­plin. Pro­vo­kant gefragt: Könnt ihr das wider­le­gen?

Neh­men wir an, die Inter­pre­ta­ti­on von SPIEGEL Online ist über­haupt auch nur ansatz­wei­se rich­tig, wor­an es zu zwei­feln gilt, so ist die­se Hal­tung den Betrof­fe­nen gegen­über sicher­lich nicht nett. Die Welt der Eso­te­rik ist in der Regel in sich abge­schlos­sen: Wer nicht mit­zieht, ist selbst schuld. Was mir aber von den vie­len, die nach Par­tei­aus­schluss und Unwähl­bar­keit krä­hen, bis­lang nicht beant­wor­ten konn­ten oder woll­ten: Inwie­fern ist es poli­tisch rele­vant, wenn (und falls) die Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­re­rin der Ber­li­ner Pira­ten­par­tei pri­vat irgend­wel­che absur­den eso­te­ri­schen Metho­den der Alter­na­tiv­me­di­zin nicht schlecht fin­det?

Die Frak­ti­on hat sich hin­ter Frau Scher­ler gestellt und ern­tet dafür Schel­te: Sei man doch nicht so anders als die ande­ren Par­tei­en?

Doch, natür­lich ist die Pira­ten­par­tei das, und dar­um ver­zich­tet man auf einen Par­tei­aus­schluss. Es ist doch ganz ein­fach: So lan­ge man nichts tut, was den Prin­zi­pi­en der Pira­ten­par­tei zuwi­der­läuft, ist alles erlaubt. Einen Pro­gramm­punkt, der besagt, die Pira­ten­par­tei stel­le sich ent­schlos­sen gegen Alter­na­tiv­me­di­zin, Homöo­pa­thie und ähn­lich wir­res Zeug, gibt es nun ein­mal nicht. (Dass Men­schen, die Alter­na­tiv­me­di­zin und Eso­te­rik seriö­ser Wis­sen­schaft vor­zie­hen, wohl doch nicht so ver­ach­tens­wert sind, zeigt der Fall von Ste­ve Jobs, des­sen Tod unter ande­rem sei­nem Ver­such, den Krebs mit eben­sol­chen Metho­den zu bekämp­fen, geschul­det ist; und was sieht man auf Fotos von Pira­ten-Frak­ti­ons­sit­zun­gen? Klar: Apple-Pro­duk­te.)

Es ist schlimm mit der Pira­ten­par­tei. Dort tum­meln sich geläu­ter­te NPD-Aus­stei­ger, Sci­en­to­lo­gen und Eso­te­ri­ker. Wenn jetzt auch noch her­aus­kommt, dass trotz der welt­frem­den und Men­schen ver­ach­ten­den Hal­tung des Pap­stes zur Sexua­li­tät sogar Katho­li­ken in ihren Rei­hen sind – nicht aus­zu­den­ken!

Nerdkrams
DropIt: Dateien sortieren leicht gemacht

In der neu­en Aus­ga­be der Zeit­schrift c’t wird kurz auf das quell­of­fe­ne Win­dows­pro­gramm Dro­pIt hin­ge­wie­sen, das aus­rei­chend gut ist und daher hier Erwäh­nung fin­det.

Dabei han­delt es sich um ein wid­get mit einem Pfeil­sym­bol, das auf Wunsch stets im Vor­der­grund bleibt und auf das man belie­bi­ge Datei­en und Ver­zeich­nis­se zie­hen kann. Die­se Datei­en und Ver­zeich­nis­se wer­den dann anhand von Datei­na­men­re­geln ver­ar­bei­tet, zum Bei­spiel ent­packt, gelöscht oder ver­scho­ben.

Dabei kön­nen die Datei­en beim Ver­schie­ben auch umbe­nannt wer­den. Zum Bei­spiel kön­nen so Fotos von der Digi­tal­ka­me­ra in nach Datum sor­tier­te Unter­ord­ner auf­ge­teilt und her­un­ter­ge­la­de­ne Datei­en, etwa von Down­The­mAll! immer in dem­sel­ben Ord­ner gespei­chert, je nach ihrer Art (OnlineT­V­Re­cor­der-Auf­nah­men, zu testen­de Pro­gram­me, Musik­da­tei­en, …) in einem Rutsch in die kor­rek­ten Ver­zeich­nis­se ver­scho­ben wer­den.

Was mir per­sön­lich noch fehlt: Regu­lä­re Aus­drücke für Datei­na­men (zum Bei­spiel die Mög­lich­keit, dass nur Datei­en, die min­de­stens 2 Zif­fern am Ende ihres Namens tra­gen, berück­sich­tigt wer­den sol­len) und eine deut­sche Sprach­da­tei, die all­tags­taug­lich ist. Hier­für gibt es aller­dings einen (eng­lisch­spra­chi­gen) Dis­kus­si­ons­strang, in dem Feh­ler­mel­dun­gen und Funk­ti­ons­ideen erwünscht sind.

Is‘ ganz nett, ja.


Kur­ze Ansa­ge für mei­ne poli­tisch inter­es­sier­ten Leser: Deutsch­land soll einen eige­nen „Cloud“-Dienst bekom­men, damit die US-ame­ri­ka­ni­schen Geheim­dien­ste nicht mehr in den Daten der Bür­ger schnüf­feln kön­nen. Statt­des­sen können’s dann eben die deut­schen. Für die Sicher­heit soll unter ande­rem das BSI sor­gen. Dann kann ja nichts mehr schief­ge­hen.

Sonstiges
Medienkritik LX: Sag’s mit RTL

Seit eini­gen Tagen wirbt der blö­de Fern­seh­sen­der RTL mit der RTL-Kam­pa­gne („RTL Kam­pa­gne“) „Sag’s auf Deutsch“ gemein­sam mit pro­mi­nen­ten, aus­län­disch­stäm­mi­gen „Paten“ dafür, dass Migran­ten hier­zu­lan­de mehr Deutsch spre­chen. Hier­für wur­den meh­re­re Kurz­fil­me („Spots“) gedreht, deren Kern der fol­gen­de ist:

RTL Kam­pa­gne – Sag’s auf Deutsch

So wenig ich auch an die­ser Kam­pa­gne aus­zu­set­zen habe, bin ich doch recht über­rascht von dem Umstand, dass sie aus dem Hau­se RTL stammt. Ja, natür­lich soll­te man die Spra­che des Lan­des, in dem man lebt, irgend­wann ein­mal zumin­dest zu ver­ste­hen ler­nen. Aber ist RTL dabei eine gro­ße Hil­fe?

Denn wie selbst­ver­ständ­lich heißt der Strea­ming-Anbie­ter von RTL nicht etwa „RTL jetzt“, was kurz, prä­gnant und ver­ständ­lich wäre, son­dern RTLNOW, kon­se­quent in Brüll­buch­sta­ben geschrie­ben. Nach­rich­ten prä­sen­tiert die Spar­te „News“, auch in Video­form („Video-News“), lobens­wert ist aber immer­hin, dass man bei RTL den Bin­de­strich noch aus der „Schu­le“ kennt, nur die Abtei­lung für Klatsch und Tratsch („Star News“) hat davon nicht viel mit­be­kom­men. Natür­lich unter­hält man bei RTL auch eine „RTL Com­mu­ni­ty“.

Als Vor­läu­fer der Akti­on „Sag’s auf Deutsch“ hat RTL übri­gens vor drei Jah­ren einen Inte­gra­ti­ons­preis erfun­den, der nicht etwa „Inte­gra­ti­ons­preis“, son­dern com.mit Award heißt. Einer der hier­für Ver­ant­wort­li­chen, Chef­re­dak­teur Peter Kloep­pel, hat sich im Jahr 2011 zum The­ma „Sag’s auf Deutsch“ fol­gen­der­ma­ßen geäu­ßert:

Es geht dabei gar nicht unbe­dingt um stei­le Kar­rie­ren, son­dern viel­mehr dar­um, dass die gemein­sa­me Spra­che Grund­vor­aus­set­zung für ein erfüll­tes Leben hier ist. (…)
Das kon­kre­te Ziel der Kam­pa­gne ist, Men­schen jeden Alters davon zu über­zeu­gen, wie wich­tig es ist, dass man in Deutsch­land die deut­sche Spra­che spricht und ver­steht.

Nun gibt es zwei Mög­lich­kei­ten. Die erste ist es, dass Peter Kloep­pel kein erfüll­tes Leben in Deutsch­land führt und so impli­zit sei­nem Unmut hier­über Luft mach­te. Das wäre bedau­er­lich. Die zwei­te, wahr­schein­li­che­re ist es, dass Peter Kloep­pel ernst­haft der Mei­nung ist, der Pre­ka­ri­ats­sen­der RTL mit all sei­nen news und awards und spots und com­mu­ni­tys sei ein gutes Vor­bild. Das wäre eben­falls bedau­er­lich.

Ich erlau­be mir, den Wer­be­text für „Sag’s auf Deutsch“ zu zitie­ren:

‚Sag’s auf Deutsch‘ – so lau­tet der Titel einer Social-Kam­pa­gne, die ab Mon­tag, 24. Okto­ber, breit gefä­chert im RTL-Pro­gramm ein­ge­setzt wird. Zehn Pro­mi­nen­te aus den Berei­chen TV, Sport, Mode und Poli­tik, alle mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, geben in den 60- bzw. 90-sekün­di­gen Spots kla­re State­ments dazu ab, wie wich­tig gute Deutsch­kennt­nis­se für eine gelun­ge­ne Inte­gra­ti­on in die Gesell­schaft hier­zu­lan­de sind.

Her­vor­he­bun­gen habe ich dies­mal nicht geson­dert vor­ge­nom­men, der Text spricht für sich. Wer inte­griert eigent­lich die RTL-Mit­ar­bei­ter in die Gesell­schaft? Peter Kloep­pel jeden­falls nicht.

J’accuse …!

Fotografie
Merry ixmas.

Trotz allem ist es ja immer noch erstaun­lich, was für eine See­len­käl­te die weih­nacht­li­che Schau­fen­ster­de­ko­ra­ti­on aus­strahlt:

Genau, mer­ry xmas, denn die geweih­te Nacht ist die­sen Jesus­ver­käu­fern schon lan­ge eben­so egal wie dschie­ses kreist, den sie immer­hin kon­se­quent aus-x-en, auf dass jeder ver­blie­be­ne Zwei­fel an ihren Moti­ven ver­flie­ge. Nord­ame­ri­ka­ni­sche Kul­tur ist eben echt pri­ma, nur die­ser Glau­bens­kä­se stört, gell?

Politik⁠In den Nachrichten
Liberale Unfallflucht

Jetzt mal ganz lang­sam zum Mit­schrei­ben für Lang­sa­me wie mich:

Die F.D.P. ist seit der unsanf­ten Ent­fer­nung der ein­zi­gen mit so etwas wie Cha­ris­ma aus­ge­stat­te­ten Füh­rungs­per­sön­lich­keit in ihren Rei­hen, Gui­do Wester­wel­le, qua­si bedeu­tungs­los gewor­den. Im Rah­men einer For­sa-Umfra­ge wur­de zuletzt ver­öf­fent­licht, dass das deut­sche Volk das Ver­trau­en in die­se so genann­te Par­tei gänz­lich ver­lo­ren hat, für mehr als null Pro­zent hat es nicht ein­mal in den Rei­hen der Öko­no­me und Hotel­be­sit­zer genügt, was inso­fern erstaun­lich ist, als die­se ja seit eini­gen Jah­ren die pri­mä­re Kli­en­tel (und Lob­by) der F.D.P. dar­stell­ten.

Die weni­gen ver­blie­be­nen F.D.P.-Repräsentanten zei­gen nicht nur, dass sie poli­tisch ahnungs­los durch das Leben tap­sen, son­dern auch, dass sie pri­vat ande­rer­seits ganz gut in die F.D.P. pas­sen:

Sil­va­na Koch-Mehrin kämpft wei­ter­hin um ihren Dok­tor­grad. Am Mitt­woch reich­te die FDP-Euro­pa­po­li­ti­ke­rin Kla­ge gegen die Uni­ver­si­tät Hei­del­berg ein, die ihr den Titel im Juni aberkannt hat­te. (…) Sie erklär­te, ihre Arbeit sei zwar „nicht frei von Schwä­chen, nicht sel­ten unge­nau, ober­fläch­lich und manch­mal gera­de­zu feh­ler­haft“, die wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se ihrer Arbeit beruh­ten jedoch auf ihrer eige­nen Lei­stung.

Glück­wunsch zu die­ser Lei­stung, Frau Koch-Mehrin, und eigent­lich war damit zum The­ma „Flach­köp­fe in der F.D.P.“ alles gesagt; dann tra­ten Chri­sti­an Lind­ner als Gene­ral­se­kre­tär der F.D.P. und Chri­sti­an Schmitt als saar­län­di­scher F.D.P.-Fraktionsvorsitzender zurück. Letz­te­rer ist inzwi­schen bei der CDU, es wächst manch­mal eben zusam­men, was zusam­men gehört. Erste­rer hat einen Nach­fol­ger bekom­men, einen gewis­sen Herrn Göring Döring.

Gegen die­sen Herrn Döring nun wird bereits vor Amts­an­tritt wegen Fah­rer­flucht ermit­telt. Fah­rer­flucht ist es, wenn man sich vor der Ver­ant­wor­tung für einen Unfall zu drücken ver­sucht. Und an die­ser Stel­le hät­te ich mal eine Fra­ge: Wie nennt man das eigent­lich, wenn man statt eines Kraft­fahr­zeugs eine Par­tei gegen den Baum fährt und sich dann vor der Ver­ant­wor­tung drückt?

Falls es noch kein Verb dafür gibt, schla­ge ich „libe­ra­len“ vor, einen Inhalt hat­te das Wort „libe­ral“ ja schon lan­ge nicht mehr. Gibt es Gegen­vor­schlä­ge?


Nach­trag, denn irgend­wie passt die­se Mel­dung zum Nie­der­gang der F.D.P.: Die Deut­schen, heißt es, hät­ten jah­re­lang über ihre Ver­hält­nis­se gelebt; die Zeit des Mas­sen­wohl­stands (sic!) sei jetzt aber vor­bei. Scha­de, jetzt hat­te ich gar nichts davon.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXXII: Wecker für Frauen, Links für Rechte, Kultur für Einwohner der USA

Es ist schon Mit­te Dezem­ber, und ihr wisst immer noch nicht, was ihr einer Frau eurer Wahl schen­ken könn­tet? Wie wäre es mit einem Vagi­nal­wecker?

(via @IndigoDeLucca)


Von der klas­sen­kämp­fe­risch lin­ken „taz“ kann man hal­ten, was man möch­te; über die­se Bild­un­ter­schrift muss­te ich dann doch ein wenig schmun­zeln:

(via @Weltregierung)


Dass sich US-Ame­ri­ka­ner mit­un­ter ziem­lich unbri­tisch beneh­men, dass sie mit Waf­fen nicht umge­hen kön­nen, die eng­li­sche Spra­che ver­hun­zen und über­wie­gend von Geo­gra­fie kei­nen blas­sen Schim­mer haben, ist bekannt. Die Lösung ist ganz ein­fach: Man glie­de­re die USA wie­der in den Herr­schafts­be­reich Groß­bri­tan­ni­ens ein, und schon sind die­se Pro­ble­me besei­tigt.

The let­ter U will be rein­sta­ted in words such as ‘favour’ and ‘neigh­bour’; skip­ping the let­ter U is not­hing more than lazi­ness on your part. Like­wi­se, you will learn to spell ‘dough­nut’ wit­hout skip­ping half the let­ters.

(…)

The 2.15% of you who are awa­re that the­re is a world out­side your bor­ders may have noti­ced that no one else plays ‘Ame­ri­can foot­ball’. You will no lon­ger be allo­wed to play it, and should instead play pro­per foot­ball.

Groß­ar­ti­ge Lek­tü­re!

Fotografie
Ladies Night

Nein, Welt­geist, wie sub­til du heu­te wie­der bist:

Eigen­ar­ti­ger­wei­se haben wir heu­te, zwei Tage nach dem 10. Dezem­ber, sowohl den Welt­un­ter­gang als auch die Ladies Night über­lebt. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was davon mich mehr über­ra­schen soll­te.

Sonstiges
Skandal: Justin Bieber nackt!

Wahr­schein­lich jeden­falls, wenn er duscht. Da ich aber nun eure Auf­merk­sam­keit habe, ihr per­ver­sen Schwein­chen von der Bou­le­vard­pres­se, hof­fe ich, ihr ver­zeiht mir die­se List, denn ich hät­te da mal ein paar Fra­gen an euch:

  1. Was ist eigent­lich mit EHEC pas­siert? Sind die Erre­ger in den war­men Süden geflo­gen oder an eurer Nicht­be­ach­tung zugrun­de gegan­gen?
  2. Wur­den die für den Staats­tro­ja­ner Ver­ant­wort­li­chen inzwi­schen zur Rechen­schaft gezo­gen oder hat die­ses Ver­bre­chen am deut­schen Vol­ke mit der vor­über­ge­hen­den Aus­set­zung sei­nes Ein­sat­zes sei­nen Nach­rich­ten­wert für euch ver­lo­ren?
  3. Die Dik­ta­tur in Weiß­russ­land inter­es­siert euch nur, wenn einer der Euren dar­un­ter lei­den muss, rich­tig?
  4. Wer­den in der Ukrai­ne nach euren zag­haf­ten Pro­te­sten immer noch mas­sen­haft Hun­de zu Tode gequält? Falls ja, war­um ende­te eure Bericht­erstat­tung dar­über schon nach weni­gen Tagen?
  5. Apro­pos Ver­bre­cher: Sind die über­führ­ten Kin­der­schän­der in den Dien­sten der katho­li­schen Kir­che mitt­ler­wei­le alle­samt gestor­ben, oder genügt eine Straf­ver­set­zung für augen­blick­li­che media­le Reha­bi­li­tie­rung?
  6. Habe ich die Rück­tritts­for­de­run­gen an den Ver­fas­sungs­feind Hans-Peter Uhl bis­her nur über­se­hen, oder arbei­tet ihr noch dar­an?
  7. Wor­in, glaubt ihr, liegt der Unter­schied zwi­schen Jour­na­lis­mus und Popu­lis­mus?

Ich bin schon sehr gespannt!

Montagsmusik
Die sechs von der Müllabfuhr

Ah, es ist wie­der Mon­tag. Eine neue Woche beginnt. Mit ihr kommt die all­wö­chent­li­che, hoch­qua­li­ta­ti­ve Musik­schau mei­ner­seits.

Die­se Woche: War­um nicht ein­fach mal wie­der You­Tube gucken?

Gestern wurd‘ sich drum geris­sen,
heut‘ wird’s auf den Müll geschmis­sen.

(Wo wir gera­de bei Weih­nach­ten waren.)

(Mit dem übli­chen Dank für die Emp­feh­lung.)

Netzfundstücke
Tochter Zion

Fro­hes Fest:

Wenn Chri­sten trotz min­de­stens eines Jahr­tau­sends der Pogro­me und der Ent­rech­tung von Juden zum fei­er­li­chen Hohn in der Weih­nachts­zeit „Toch­ter Zion, freue dich“ absin­gen, zeigt sich dar­in die gan­ze eis­kal­te Hirn- und Heil­lo­sig­keit der christ­li­chen Reli­gi­on.

Denn eigent­lich ist es den Schäf­chen – den treu­doo­fen Scha­fen ja auch egal, was sie da eigent­lich schief in den Raum kra­kee­len. Alle sin­gen mit, also sin­ge ich mit. Alle jubeln mit, also jube­le ich mit. Wie damals bei Goeb­bels. Die „stil­le Nacht, hei­li­ge Nacht“ inter­es­siert die Inter­pre­ten nor­ma­ler­wei­se eben­so wenig wie sie Inter­es­se dar­an haben, dass Kin­der­lein zur Krip­pe kom­men.

War­um soll­te man sich anläss­lich des Festes der Lie­be auch nur über irgend­et­was Gedan­ken machen wol­len?

In den Nachrichten
Klackerdiklack.

Heda, Bahn,

in einem vor­weih­nacht­li­chen Anflug von Kun­den­nä­he habt ihr beschlos­sen, euch zur Abwechs­lung mal um das Wohl­be­fin­den statt nur um die Ver­grät­zung eurer jede eurer unver­schäm­ten Preis­er­hö­hun­gen nolens volens akzep­tie­ren­den und befol­gen­den Kli­en­tel zu küm­mern. Begin­nen wollt ihr erst ein­mal im Klei­nen, näm­lich damit, etwa­ige Stö­run­gen der Pas­sa­gie­re nach end­lich voll­zo­ge­nem Fahrt­an­tritt zu ver­hin­dern.

Dabei ver­sucht ihr natür­lich, gewohnt fami­li­en­freund­lich vor­zu­ge­hen, und schnappt euch erst ein­mal die weni­gen Übel­tä­ter, die sich über­haupt eine Bahn­Card 100 lei­sten kön­nen und also zum Teil absicht­lich mehr Geld zah­len, um gewis­se Vor­tei­le zu genie­ßen. (Bon­zen, elen­de.) Denn was stört eure Kun­den wohl am mei­sten? Rich­tig: Das Geräusch von Tasten­an­schlä­gen.

„Mit Rück­sicht auf ande­re Rei­sen­de wur­de die Nut­zung von Lap­tops in der Bord­gas­tro­no­mie ver­bo­ten.“ Auch eine Begrün­dung lie­fert die Bahn mit: „Vie­le Kun­den füh­len sich durch das Tipp­ge­räusch belä­stigt.“

Rich­tig?

Ach, Bah­ner, nun fah­re ich ja ziem­lich regel­mä­ßig mit euren kom­for­ta­blen (weiß) und weni­ger kom­for­ta­blen (rot) Zügen durch die Gegend, wenn gera­de kein Metro­nom oder ähn­lich lobens­wer­te Alter­na­ti­ven bereit­ste­hen, und habe dann zwar sel­ten eine Tasta­tur, wohl aber stets einen Notiz­block in der Nähe mei­ner vor Geräusch­be­lä­sti­gung (und Kaf­fee) schon ganz zitt­ri­gen Fin­ger bereit­lie­gen. Als ein sol­cher stö­rungs­ar­mer Teil­neh­mer am Pas­siv­ver­kehr möch­te ich euch zur geneig­ten Ver­wen­dung noch eini­ge Din­ge nen­nen, die mich an Bahn­fahr­ten stö­ren: Stun­den­lang plär­ren­de Klein­kin­der mit über­for­der­ten Müt­tern, alko­ho­li­sier­te Pre­ka­ri­er, sich trotz räum­li­cher Nähe nur brül­lend mit­ein­an­der unter­hal­ten­de Jugend­li­che, eben­falls recht geräusch­vol­le Senio­ren­grup­pen, mobil tele­fo­nie­ren­de Mode­bar­bies mit ihrem unter­bre­chungs­frei­en Geplap­per, der wider­li­che Kaf­fee an Bord eurer Züge und vor allem eure offen­kun­di­ge Unfä­hig­keit (oder Unlust), abzu­se­hen­den Ver­spä­tun­gen oder gan­zen Zug­aus­fäl­len mit zeit­na­her Bereit­stel­lung von Ersatz­zü­gen oder wenig­stens einer Zei­tung und mei­net­we­gen auch wei­ter­hin wider­li­chem Kaf­fee zu begeg­nen; von der Dis­kre­panz zwi­schen dem Titel „Ser­vice­mit­ar­bei­ter“ und der Ver­füg­bar­keit derer, die ihn tra­gen, mal ganz zu schwei­gen.

Ihr habt es gut, ihr seid nur sel­ten auf eure Züge ange­wie­sen, und wenn ihr dann doch mal mit ihnen durch die Gegend fahrt, dann immer in eurem eige­nen Abteil, abge­schot­tet vom tat­säch­li­chen Gesche­hen. Den Tag, an dem mich das Geräusch von tip­pen­den Men­schen auf Bahn­fahr­ten ernst­haft echauf­fiert, wer­de ich hin­ge­gen wahr­schein­lich nicht mehr erle­ben. Es ist mir ja bei­na­he unan­ge­nehm, aber ich muss euch da etwas geste­hen. Und wisst ihr, was?

Ich benei­de euch ein biss­chen dar­um.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXXI: Gutes Mobbing, schlechtes Mobbing

Es war ja eigent­lich gut gemeint. Schü­lerVZ, der an jün­ge­re Men­schen gerich­te­te Able­ger des „sozia­len Netz­werks“ Stu­diVZ, hat jetzt eine Bewer­tungs­funk­ti­on bekom­men, auf der man ande­re Teil­neh­mer der Platt­form in „top“ oder „flop“ kate­go­ri­sie­ren kann.

Selbst­ver­ständ­lich gehen Eltern da auf die Bar­ri­ka­den:

Damit über­schrei­tet Schü­lerVZ eine Gren­ze, die sie nie­mals hät­ten über­schrei­ten dür­fen. Hat von denen eigent­lich irgend­je­mand Kon­takt zu Jugend­li­chen? Also im rich­ti­gen Leben jetzt? Mob­bing ist kein Kava­liers­de­likt. Mob­bing ist eine der schlimm­sten For­men von Gewalt, die im All­tag deut­scher Schu­len vor­kommt.

Heu­te abend, wenn sie zu Hau­se sind, wer­de ich mich mit mei­nen (jugend­li­chen) Söh­nen hin­set­zen und sie wer­den ihre (selbst­ver­ständ­lich ohne­hin inak­ti­ven) Accounts bei Schü­lerVZ löschen. So einen Dreck wie die­ses Pau­sen­hof­mob­bing mache ich nicht mit, nicht mal pas­siv. Und ich rufe hier und via Twit­ter und Face­book alle Eltern auf, es eben­so zu machen.

Soso, via Face­book. Face­book, wir erin­nern uns, war die Platt­form, die eben­falls als „Hot or Not?“ ange­fan­gen hat.

Ein wenig Geschich­te:

22. Sep­tem­ber 2009: Ein 15-jäh­ri­ges Mäd­chen ist von einer Brücke in den Tod gesprun­gen, nach­dem sie mona­te­lang bei Face­book und MySpace gehän­selt wor­den war.

28. April 2010: Ein beson­ders schlim­mer Fall von Face­book-Mob­bing lan­de­te bei der Bera­tungs­stel­le Safer Inter­net: Drei Jah­re lang war Cari­na den Attacken ihrer Mit­schü­ler aus­ge­setzt. Mit 13 Jah­ren muss­te die Gym­na­sia­stin die Schu­le wech­seln.

14. Febru­ar 2011: Jun­ge begeht nach Face­book-Mob­bing Selbst­mord.

17. Sep­tem­ber 2011: Sie gaben ihrer 12-jäh­ri­gen Tocher fie­se Spitz­na­men und poste­ten Gemein­hei­ten bei Face­book – also orga­ni­sier­te eine Mut­ter aus New York ein Tref­fen der Streit­häh­ne. (…) Doch zur Ver­söh­nung kam es nicht, statt­des­sen gab es eine wil­de Prü­ge­lei.

6. Novem­ber 2011: „(…) mei­ne Schwe­ster hat mir eben gesagt, dass auf Face­book so ein paar Jungs mein Bild ver­un­stal­tet haben & nun Cyber­mob­bing machen.“

Böses, böses Schü­lerVZ.

Nerdkrams⁠Netzfundstücke
„Warum Linux besser ist“ oder: PEBKAC!

(Vor­be­mer­kung: Ich set­ze neben Win­dows auch diver­se Linux­dis­tri­bu­tio­nen ein, ent­spre­chen­de ver­ba­le Ent­glei­sun­gen wer­den ihr Ziel also ver­feh­len.)

Gewünscht wur­de, dass ich mal wie­der über Tech­nik und/oder Schnack­seln berich­te. Wie es der Zufall so will, kon­fron­tier­te man mich heu­te mit der Inter­net­sei­te „War­um Linux bes­ser ist“, die gar nicht erst ver­sucht, den Anschein zu erwecken, objek­tiv die Vor- und Nach­tei­le von Linux abzu­wä­gen – viel­leicht wäre „War­um ich Win­dows nicht mag“ ein bes­se­rer Titel. Vor­sicht: Ohne parat lie­gen­de Brech­tü­te soll­te kein Klick erfol­gen.

Anstel­le har­ter Fak­ten fin­det man dort näm­lich zuvör­derst vie­le schö­ne bun­te Bild­chen, die wohl von ihrer Inhalts­lee­re ablen­ken sol­len. Ins­ge­samt hat der Autor 27 The­sen zusam­men­ge­tra­gen, war­um Linux „bes­ser“ – als Win­dows – sein soll, wahr­schein­lich, weil ihm par­tout kei­ne 27 Unter­schie­de zwi­schen Äpfeln und Bir­nen ein­fal­len woll­ten, aber auch eine Samm­lung von „FAQ für den Linux-Geek“ zusam­men­ge­stellt, in der er unter ande­rem bekun­det, er selbst habe nicht viel Ahnung von Linux. So viel sei schon ein­mal ver­ra­ten: Von Win­dows anschei­nend auch nicht. ‘„War­um Linux bes­ser ist“ oder: PEBKAC!’ wei­ter­le­sen »